Sieben am Sonntag 09.04.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Ich habe Ideen. Viel zu viele Ideen. Und ich sage sie keinem, solange sie nicht reif sind. Aber ich kann immer mal wieder andeuten. Und in dieser fahrradhaltigen Woche ist es eine Idee, die mit Fahrrädern zu tun hat. Mal sehen, ob ich daraus was größeres mache. Eigentlich habe ich für den Rest des Jahres genug Projekte, was Veröffentlichungen angeht (da geht im Mai eine größere Aktion los).
Vielleicht gegen Jahresende. Oder zum Vormerken für 2018. Mal schauen. Genießt erstmal eine 8Bit-Version von Queen Bicycle Race.

Privileg der Woche

Endlich versteht jemand die besonderen Dränge langer Radreisen - BIld: Oliver Jansen

Endlich versteht jemand die besonderen Dränge langer Radreisen – Bild: Oliver Jansen

Spielerei der Woche

Videospiele wie Tetris können etwas ähnliches wie Ohrwürmer auslösen, nur halt mit einem immer wieder erscheinenden mentalen Bild statt mit Musik. Abgesehen davon, dass grae Tetris auch einen ganz klassischen Ohrwurm auslösen kann.
Nun sind Mediziner auf die Idee gekommen, mit diesem Effekt die Bildung traumatischer Flashbacks zu verhindern, wie sie für PTSD typisch sind. Und es funktioniert auch, wenn das Spiel innerhalb von sechs Stunden nach dem traumatischen Erlebnis eingesetzt wird. Das ist doch mal eine interessante Variante von therapeutischem Videospiele-Einsatz.

Ding didelding didelding didelding didelding diding ding ding ding ding

Ding didelding didelding didelding didelding diding ding ding ding ding

Wolkenkratzer Bodenkratzer (?) der Woche

Okay, ich sage es gleich zu Anfang: Dieses Gebäude ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem gegenwärtigen Stand der Technik nicht möglich. Es ist kein Material bekannt, dass solche Gewichte frei tragen könnte. Jedes bekannte Material würde schon unter seinem eigenen Gewicht zerreissen, wenn es auf diese Weise aus dem Orbit hinunter zum Boden gehängt wird. Und ich will gar nicht wissen, wie sehr das schaukelt.
Worum es geht? Um den Analemma Tower,eine Konzeptstudie eines Architekturbüros in „planetarem Design“. Es handelt sich um einen mehrere Kilometer hohen Turm, der an einem eingefangenen Asteroiden im Orbit befestigt wird und von dort in die Atmosphäre hinunterhängt.
Entwürfe dieser Abgefahrenheit gibt es schon lange. Ich erinnere mich gut an Ideen aus den 70ern, eine fliegende Stadt zu bauen oder einen künstlichen Berg aus Wohneinheiten. Das ist alles abgefahren, bekloppt und oft kaum bis gar nicht physikalisch möglich, aber als Vision irgendwie auch cool.

Nein, der Analemma Tower reicht nicht so hoch, der geht so weit runter - Bild: Clouds Architecture Office

Nein, der Analemma Tower reicht nicht so hoch, der geht so weit runter – Bild: Clouds Architecture Office

Garten der Woche

Ganz toll, jetzt hab ich Gottlieb Wendehals als Ohrwurm. Kann ich zu Tetris zurück? - Bild: Indiegogo/Ponix Systems

Ganz toll, jetzt hab ich Gottlieb Wendehals als Ohrwurm. Kann ich zu Tetris zurück? – Bild: Indiegogo/Ponix Systems


Das ist Herbert. Der heisst so, weil Österreich.
Herbert ist ein Kräuteraufzuchtsystem für die Küche. Es hat sein Crowdfuding-Ziel bei Indiegogo immerhin mal eben verfünffacht und nun kann damit bald jede/r seine Kräuter an der Küchenwand anbauen. Oder auch an der Wohnzimmerwand, wenn man will.

Petition der Woche

Scheussliches LIla ignorieren, Text lesen! - Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Scheussliches LIla ignorieren, Text lesen! – Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Es läuft auf Initiative der Grünen eine Petition für ein Pilotprojekt, ein NRW-weites Tagesticket für zwei Euro anzubieten. Es soll ein erster Schritt zur Überwindung des komplizierten Tarifverbündesystems im Land sein. Warum wir dafür Unterschriften sammeln? Um zu zeigen, dass das keine spinnerte Idee einer Kleinpartei ist, sondern viele Menschen dahinterstehen. Das ist wichtig, denn der Lobbyismus in der Politik tendiert erschreckend stark zum Auto. Um das zu überwinden, müssen die Alternativen wie eben der ÖPNV eine ebenso starke, wenn nicht stärkere Lobby bekommen. Diese Lobby können wir alle sein.

Eröffnung der Woche

Geplante Radstation MG, Bild: Stadt MG

Geplante Radstation MG, Bild: Stadt MG

Ich sage es heute nicht erstmals, selbst in diesem Blog nicht, wenn ich feststelle, dass Politik eine Disziplin des langen Atems ist. Apnoe-Tauchen ist quasi Politik für Weicheier.
Aktuelles Beispiel: Die Radstation Mönchengladbach. Wir haben den Antrag zur Erkundung der Optionen 2011 im Rahmen der Ampelkoalition gestellt. Daraus wurde 2012 ein Baubeschluss mit dem Konzept, die Radstation in eine Lücke neben dem Haupteingang des Hauptbahnhofes MG zu bauen (siehe links oder oben, je nachdem, auf welchem Gerät Sie diesen Beitrag lesen). Damit gab es dann Probleme und die Station wanderte nachträglich auf die Rückseite des Bahnhofs, wo sie seit Freitag endlich eröffnet ist. Damit stößt die einzige Stadt mit zwei Hauptbahnhöfen zu der illustren Gruppe aus Essen, Mülheim/Ruhr und Lünen von Städten mit zwei Radstationen. Die 665 Stellplätze sind deutlich mehr als Düsseldorf (500) oder Neuss (550) zu bieten haben. Mit zusammen 871 Stellplätzen geht die Stadt auf Platz vier der Radstationsstellplätze hinter Münster, Köln und Rheine. Für alle, die angeben wollen, sollte das genügen.
Positiv überrascht war ich doch, dass ich dank des vielen Raum um die Abstellanlagen tatsächlich mein Liegerad mit seiner langen Nase unterbringen kann. Das ist in anderen Stationen, wie etwa in Rheydt, nicht möglich. Nun gibt es keinen Grund, ausgerechnet mein Langstreckenfahrad dort abzustellen, aber hey, die Möglichkeit zu haben ist schon nicht schlecht. Und es gibt ja auch Liegeradler, die mehr als drei Kilometer von der Station entfernt wohnen,
für die ist das durchaus nützlich.
Gut aussehen tut sie auch noch. Zwar sind dafür einige Abstellplätze verschwunden, aber die waren ganz ehrlich in einem Zustand, dass ich da nie ein Rad geparkt hätte. Dreckig, dunkel, geschmückt mit Fahrrad- und Schnapsleichen.
Nur viel Glück beim Versuch, ein Rad abzustellen, da waren am Freitag ganz viele Politiker, Presseleute und Vereinsobere im Weg. Da muss irgendwo ein Nest sein.

Nur viel Glück beim Versuch, ein Rad abzustellen, da waren am Freitag ganz viele Politiker, Presseleute und Vereinsobere im Weg. In der Gegend muss irgendwo ein Nest sein.


Die Vollhonkisierung des Abendlandes

Hinweis: Ich war von der siebten bis zur zehnten Klasse auf einer Hauptschule (GHS Aachener Straße, Mönchengladbach-Speick). Deshalb darf ich Honk sagen. Das ist so wie bei den Dunkelhäutigen, die Nigger sagen. Nur, dass ich es trotzdem als Beleidigung meine. Das dazu, nun zum Thema:

Warum genau wimmelt es bei bestimmten Themen in den sozialen Netzwerken so von Vollhonks? Ich habe mir hier drei aktuell besonders lästige Debatten (Gamergate, Homo-Ehe und Veganismus) herausgesucht. Immer wieder stolpere ich über Beiträge von Leuten, die offenbar ihre Welt bedroht sehen, wenn Videospiele weniger misogyn werden, wenn Homosexuelle heiraten dürfen oder wenn andere Leute keine Tiere essen.
Sicher, neu ist das nicht. Schon die monotheistischen Religionen zeichnen sich dadurch aus, den Anspruch zu stellen, ständig über die Belange fremder Leute befinden zu dürfen. Und dies nicht aus Erwägungen der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen (wie sie der Politik idealerweise zu Grunde liegen, Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen), sondern allein aus Rechthaberei. Vielleicht auch, wie beispielsweise der Theologe Friedrich Heer anmerkte, an schwachem Glauben, der sich durch Intoleranz gegen bedrohlich wirkende Ideen wehrt. Es ist wohl allgegenwärtig genug, dass ich darüber ein Buch schreiben konnte.
Allerdings, die Bühne der sozialen Medien scheint da so einiges hochzuspülen, was man sonst nicht hören würde. Vollhonks eben. Und die Vollhonks sind laut. Sie polarisieren eine eigentlich unspektakuläre Diskussion bis zum Bürgerkrieg. Und jedes Mal stellt sich die Frage: „Wieso zum Geier interessiert euch das überhaupt, Vollhonks? Ihr macht die Welt zu einem schlechteren Platz für viele Menschen, bloß weil euch deren Lebensentwürfe, die euch nichts angehen, nicht in den begrenzten Horizont passen!“

Gamergate und FIFA

Die nächste Ausgabe von EAs endloser Sportspielserie FIFA hat erstmals Frauenfußball im Angebot. Oder zumindest Fußball mit Frauen, ob es auch Frauenfußball ist, bleibt abzuwarten. Ich habe mir sagen lassen, Frauenfußball habe eine ganz eigene Kultur und Geschichte mit ganz eigenen Spielstilen und Traditionen. Ich weiss nicht viel vom Fußball, aber ich denke mir so: Tolle Sache! Wurde Zeit.
Manch einer schien das anders zu sehen und regte sich auf. EA solle doch lieber echte Innovationen liefern als Ressourcen für Frauenfußball zu verschwenden. Denn Frauenfußball ins Spiel zu bringen ist offenbar keine Innovation.
Nun habe ich FIFA Soccer zum ersten und letzten Mal auf dem Mega Drive gespielt, aber nach dem, was man so hört, ist es immer noch das selbe Spiel. Kunststück, ist ja auch weitgehend immer noch der selbe Sport.
Ich verstehe nicht, welche großartigen Innovationen dadurch verhindert worden sein sollen. Hat hier wer Insider-Informationen? Wieso bekämpfen die Leute eine großartige neue Option in so einem Spiel, als ginge ihnen etwas verloren? Wenn ihr nicht mit Frauen spielen wollt, spielt halt weiter nur mit Männern. Womit wir eine perfekte Überleitung zum nächsten Punkt hätten.

Ehe für alle

Wisst ihr was, ich halte mich kurz: Was zum Teufel geht das irgendwen etwas an ausser die Personen, die heiraten wollen? Ich meine okay, ich halte die Ehe an sich für weitgehend überflüssig (Steuer- und Erbschaftsregelungen aussen vor), aber wenn die Leute heiraten wollen, warum nicht? Für Heterosexuelle ändert sich durch die gleichgeschlechtliche Ehe exakt gar nichts.

Veganer

Kommen wir zum konstantesten und dämlichsten Punkt dieser Reihe: Die Reaktionen auf vegane Produkte.
Zuletzt etwa auf die vegetarischen (nicht veganen, aber der Effekt auf Vollhonks ist der selbe) Aufschnitte von Rügenwalder.
Vegantarier beließen es meist bei dem Seitenhieb, dass Rügenwalder ja selbst mit Fleisch keine brauchbare Wurst hinbekommen würde. Normalos fangen gleich wieder an vorzutragen, dass sie kein Verständnis haben, wenn Leute auf Fleisch verzichten nur um anschließend Fleischprodukte nachzubauen. Und ich verstehe die Logik einfach nicht — wo ist das Problem? Leute denen Fleisch nicht schmeckt nennen wir nicht Vegetarier/Veganer, die nennen wir Leute, denen Fleisch nicht schmeckt. Vegetarische und vegane Ernährung hat in der Regel andere Gründe. Aber warum sollten ethische Vorbehalte gegen das Töten oder Ausbeuten (in Ermangelung eines besseren Wortes) von Tieren im Widerspruch dazu stehen, etwas essen zu wollen, was Wurst ähnelt? Das selbe gilt für gesundheitliche Bedenken gegen den Fleischkonsum, für ökologische oder volkswirtschaftliche gegen die Nutztierhaltung wegen Schadstoffausstoß und Ressourcenverbrauch und für viele andere Gründe, aus denen Menschen auf eine tierarme oder tierlose Ernährung umstellen. Vegetarischer Aufschnitt ist kein logisches problem. Und wenn ihr weiter Fleisch essen wollt, bitte, in den Supermarktregalen herrscht alles andere als Mangel daran.
Ist es eine Sehnsucht danach, jene die anders sind, sollen doch gefälligst leiden? Denn oft klingt es so. Gibt es Psychologen unter meinen Lesern, die mir das erklären können? Es ist alles so unsäglich vollhonkig.
Nun werden sicher missionierende Veganer vorgebracht. Ja, gibt es, sind lästig. Aber zum einen ist es oft so, dass Normalos sich ja schon missioniert fühlen, wenn sie jemandem begegnen, der offen zugibt Veganer zu sein. Zum anderen finde ich die missionierenden Fleischfans um einiges lästiger. Im Ernst, in Gegenwart von Veganern über Fleischkonsum zu reden ohne missioniert zu werden, ist in der Regel kein Problem. Aber ich habe bisher noch selten geschafft in Gegenwart von Normalessern über Veganismus zu sprechen ohne dass ein Missionierungsversuch für den Fleischkonsum gestartet wurde — und dabei bin ich noch nicht mal Veganer!
Und zum Abschluss noch das hier:


Was eine Vollhonk. Und sie muss auch noch ein verdammt beschissenes Sexleben haben, wenn es nur durch das Bewusstsein genießbar ist, dass für Gleitgel Tiere leiden mussten.


Freitägliche Fünf 29.05.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal mit Grün jeglicher Art und einem Bonussaurier.

1. In Frankreich müssen die Dächer von allen neuen Bauten in Gewerbegebieten zukünftig begrünt oder mit erneuerbaren Stromerzeugern ausgestattet werden.

2. Diese freundliche Erdbeere

Diese Erdbeere mag dich

Diese Erdbeere mag dich

3. Hier gibt es eine pedalbetriebene Waschmaschine, gedacht für Entwicklungsländer. Kostenpunkt 40 US$ und läuft halt ganz ohne Strom. Das ist im Grunde für Entwicklungsländer, aber ich finde das durchaus auch interessant, denn die sieht relativ klein aus und eine handelsübliche Waschmaschine ist für mein Wäscheaufkommen absolut überdimensioniert, was mich stört.
Wie wär’s mit einem Querfinanzierungsmodell — für 80$ verkaufen, dann gibt es je eine für den Käufer und eine für (sagen wir mal) den Sudan. So was gab es ja mal mit Laptops.

4. About damn time: EA nimmt in FIFA 16 die Frauennationalmannschaften ins Spiel auf.

5. Es gibt einen Plüschmosasaurier zu Jurassic World. Und der ist sooooooo süß:

Plüsch-Mosasaurier

Vor allem, wenn er versucht, böse zu kucken


Zweiwöchige Zehn 06.02.2015

Die wöchentlichen Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen.
Deadlines sind nicht meine Freunde und deshalb gibt es diesmal zwei Wochen und somit zehn Punkte. Aber keine Sorge, ich habe eine passende Alliteration gefunden! Der Tag ist gerettet!

1. Alliteration! Yay!

2. Seht euch das erste große Bild zu diesem Artikel an. Sieht das nicht aus wie die Bismarckstraße, nur mit einem neuen Straßenquerschnitt und ohne die Kaiser-Friedrich-Halle am Ende?
Ja, Gladbach ist noch nicht ganz bereit für so etwas, aber es ist im Bereich des möglichen. Ausgerechnet London hat nun den Weg zu einem neuen Fahrradmekka eingeschlagen und der Ideenreichtum, mit dem die bisher extrem radlerarme Stadt an dieses Vorhaben (und eine allgemeine Verbesserung der Vekehrssituation) herangeht, ist gradezu inspirierend.

3. via John Osinski:

4. Mal eine ungewöhnliche Doku. Auf diese kann man sich bei Arte halt verlassen. Youtube eingebunden, weil ich nicht sagen kann, wie lange die Arte-Version online bleibt. Anyway: Wie wir dem Kommunismus die Yps beziehungsweise dessen französisches Original Pif verdanken. Ich war übrigens Yps-Abonnent bis zum letzten Heft.

5. Bleiben wir noch ein wenig bei Youtube-Videos zur Geschichte und kommen zu Lars Andersens Rekonstruktion historischer Techniken mit dem Reiterbogen im (absolut beeindruckenden) Selbstversuch. Im Text natürlich ein wenig überzogen – die Methode ist zwar durchaus ausserhalb von Historikerzirkeln vergessen, aber innerhalb dieser eben doch bekannt.

6. Dänemark feiert absolut beeindruckende Erfolge in der Reduzierung des „Energieverbrauchs&“. Zwar ist nicht ganz klar, was genau mit „Energieverbrauch“ gemeint ist (Primärenergie? Strom?), allerdings gehe ich mal von Primäreneergieverbrauch aus, da auch der Verkehr eingerechnet ist.
Und wisst ihr was? Dänemark ist trotzdem noch kein Entwicklungsland geworden! Das ist ja das, was uns hierzulande immer erzählt wird, was passiert, wenn wir den Verbrauch verringern.

7. Siegen hat die hübsche Idee, sich selbst zum Austragungsort der Spiele für eine Entwicklerkonferenz zu machen. Klasse. Ich überlege ernsthaft, ein paar Autoren zusammenzutrommeln, um die in einem Fantasy-Gegenstück zu Gladbach spielende Kurzgeschichte Khamel zu einer Sammlung auszubauen, die Kalmrill (von englisch Calm Rill = ruhiger Bach = Gladbach, die ganze Geschichte findet sich hier) zu einer kompletten Welt macht.

8. The Swapper ist so ziemlich das beste, was ich seit langem gespielt habe. Man spielt eine gestrandete Astronautin auf einer Raumstation, deren Besatzung auf mysteriöse Weise fast vollständig verschwunden ist, nachdem sie Forschungen an intelligenten Felsen aufgenommen hat. Man selbst trägt das einzige Ergebnis der Forschungen mit sich, den Wechsler (engl. Swapper), der in der Lage ist, Klone zu erzeugen und das Bewusstsein des Trägers in einen der Klone zu übertragen.
Das Ergebnis ist zum einen eine Suche nach der Seele, ihrer Existenz und Form. Zum anderen eine Begegnung mit einer fremden Lebensform, die so anders ist, dass trotz andauernder Kommunikation jegliches gegenseitige Verständnis unmöglich ist – die Wächter sind denkende Felsen, sie haben kein Konzept vom physischen Raum, weil sie sich ohnehin nicht bewegen können und daher so gut wie nicht mit ihm interagieren.
The Swapper ist das Videospiel-Gegenstück zu Solaris. Und da Solaris sich den Titel „Bestes Buch, das ich bis dato gelesen habe“ redlich verdient hat, ist das kein geringes Lob von meiner Seite.

9. Der amerikanische eBook-Distributor Draft2Digital vertreibt über ihn verbreitete eBooks in Zukunft auch an die Tolino-Partner. Das bedeutet, dass meine künftigen englischen eBooks in Deutschland auch für den deutschen Kindle-Konkurrenten Tolino erhältlich sein werden, den Thalia, Weltbild, buecher.de, buch.de, Hugendubel und viele Buchhandlungen bedienen.
Das hat einige potenzielle Auswirkungen auf meine Möglichkeiten, deutsche Titel zu vertreiben, da Draft2Digital mit dieser Entwicklung auf einen Schlag auch ein interessanter Vertriebspartner für den deutschsprachigen Raum wird.

10. Datenträger der Zukunft? Sieht so aus, als bekämen wir Kristalle. Das ist etwas, woran im Grunde schon seit Ende der 90er gearbeitet wird, aber langsam rückt es in greifbare Nähe. Ich denke, die Technologie wird im Laufe der 2020er marktreif, die Frage ist nur, wofür wir so gewaltige Speichermedien nutzen werden. 360 TB für ein ROM-Medium sind eine Menge Nullen und Einsen, insbesondere wo der Kapazitätszuwachs von kommerziell erhältlichen Festplatten grade allem Anschein nach im unteren Terabyte-Bereich abzuflachen scheint.


Mythos Enhanced eBook

Mal wieder läuten die Glocken vom Ende des traditionellen eBooks, angeblich sterben die ePaper-Lesegeräte zu Gunsten von iPads und iPhones. Verursacher diesmal: „Enhanced eBooks“, also eBooks, die mehr als nur Text und Bilder bieten – etwa Ton, eingebettete Videos und interaktive Elemente.
Nun, ich habe meine Zweifel an der Wahrheit der These, dass klassisch-buchartige eBooks in absehbarer Zukunft ersetzt werden. Ich könnte lange ausführen, wie beispielsweise Romane in den letzten 100 Jahren eine beständige Entwicklung hin zu weniger Zusatzmaterial wie Bildern hatten, nicht zu mehr und wie dies das Erlebnis des Lesens eines Romans verbessert hat. Oder wie viel angenehmer Lesen auf ePaper im Vergleich zu einem Display ist.
Aber ich finde einen anderen Aspekt viel interessanter: Die Geschichte der Zukunft des Buches.

Was Behauptungen von der Zukunft des Lesens gerne übersehen ist, dass es nicht nur eine Sorte Bücher gibt und dass Sachbücher, Fachbücher, Romane, Comics, Biografien und etliche andere Formate alle unterschiedliche Anforderungen und auch völlig unterschiedlichen Nutzen von verschiedenen technischen Fortschritten haben. Aber bisher hat sich immer gezeigt, dass der Vorgang des Lesens einer Geschichte sich nicht ändern ließ. Lasst mich euch durch 40 Jahre (nahezu) ausgebliebener Medienrevolution führen. Weiterlesen »


GamePRO oder: Wenn Atheisten "Mein Gott!" sagen

Die GamePRO hab ich das letzte Mal vor etwas über einem Jahr gelesen. Sie fiel damals vor allem wegen dem Preis aus meiner Leseliste und weil ich von der aktuellen Generation eh nur ne Wii hab.
Nun plane ich die Anschaffung einer Xbox 360 und dachte mir, es wäre passend, sich mal wieder eine Multiplattform-Zeitschrift zuzulegen. Die Maniac fand ich immer irgendwie billig, die Games aktuell lasch. Die GEE les ich eh schon, aber nicht wegen der spärlichen Tests. Blieb von den mir bekannten die GamePRO.

Das Cover hätte es eigentlich schon verraten können: da hat sich einiges geändert. Auffällig provisorisch vollgestopft mit Bildern zu insgesamt 8 offenbar ziemlich zufällig ausgewählten Spielen (plus geschätzte 50 ohne Bild) bot sie Chaos Deluxe.
Nunja, man soll ein Buch ja nicht nach seinem Cover beurteilen. vergessen hatte ich, dass das bei Magazinen sehr wohl eine ganz gute Idee ist, denn hier steht das Cover für die redaktionelle Linie. Was in diesem Falle hieße „unsere Linie heisst keine Linie!“
Über das grottenhässliche Wasserfarbenmotiv lass ich mich mal nicht aus.

Mal reinschauen: Das Editorial ist keines (mehr sowas wie ein Blog). Naja.
Beim Inhaltsverzeichnis ist, soweit ich das sehe, alles beim Alten geblieben. Auch beim DVD-Inhalt, der immer noch mit einem DVD-Cover für die alten, dicken DVD-Hüllen daherkommt, die man inzwischen per Zeitungsannonce oder ebay suchen muss. Von Slimline-DVD-Hüllen hat man also immer noch nichts gehört und ich darf wieder passende Hüllen finden, die mal eben doppelt so dick sind wie nötig. Aber das war immer schon so, also kein Grund zur Beschwerde.
Das sind so die Macken, die man kennt.

Auf zur DVD.
Ganz ehrlich: Die DVD war immer das mit Abstand Beste an der GamePRO. Genauer gesagt: Der Testcheck. Der Testcheck war der Grund, aus dem ich mir lange überlegt hatte, die GamePRO weiterzukaufen. Herrliches Feature, meist gemacht von Henry Ernst, der hier die letzte Bastion des genüsslichen Verrisses war.
Früher als ich noch jung war *gebisseinsammel*, da gab es das immer: Wenn ein Spiel richtig schlecht war, dann zog man mit Genuss darüber her. Seit die Marketingabteilungen der Spieleindustrie aus der Kaffeekasse einen Hollywood-Blockbuster produzieren können kuschen alle und das schlimmste, was man noch hört ist: „Nicht so gut wie der Vorgänger“.
Enter Henry. Wie gesagt der letzte, der einem erzählte, wie schlecht ein schlechtes Spiel wirklich war. Er machte Witze drüber und war einfach nur böse.
Also, rein in den Testcheck und da war er, der Moment, in dem ich nur eins dachte: „Oh. Mein. Gott.“
Nach einigen Sekunden bräsigem rumgebaiere kam dann doch Henrys Stimme auf.
„Alles wird gut“, dachte ich.
Dachte ich.
henry redete zwar, aber der andere (Markus, ich fürchte, es ist Markus Schwerdtel, der Chefredakteur des Blattes) auch. Ich habe nix gegen Bayern. Jedenfalls nix wirksames (das abgedroschen-o-meter sagt: war im Neandertal schon raus, der Witz). Auch nicht, wenn sie bairisch reden, als würden sie sich grade bei Peter Steiners Theaterstadl bewerben.
Aber wenn sie lachen wie ein unter Drogen stehender Dieter Hallervorden, die Pointen wegquatschen oder kurzgesagt einfach nur Scheisse labern und sich dabei auch noch lustiger finden als vermutlich die komplette Zuhörerschaft zusammen, dann ist das einfach nur Müll. Ganz davon abgesehen, dass Henry durch dieses ständige unqualifizierte Reinquatschen der Humorzahn gezogen wurde. Ohne Betäubung.
Wobei Henry hier in einer prekären Situation sein dürfte: Sollte dieser Markus wirklich Markus Schwerdtel sein, so kann er da nicht viel sagen. Denn die Witze seines Chefs muss man halt lustig finden. Selbst wenn sie – wie in diesem Fall – nicht mal eine manisch veranlagte Hyäne zum Lachen bringen könnten.

Ich weiss noch nicht, ob ich mir nach dieser Entwicklung den Rest des Heftes antue. Obwohl, was kann jetzt schon noch pass… Große Scheisse, die haben ein Poster in der Mitte! Und Tests im Karteikartenformat (die wirklich kleinen Karteikarten)! Und im Gegenzug einen 4-Seiten-Test über eine gottverdammte Demoversion (denn mehr ist Gran Turismo 5 Prologue einfach nicht)! Artikel zu noch nicht erschienenen bzw. noch nicht testbaren Spielen („Previews“) über 5 (Alpha Protocol) bzw. 6 (GTA IV) Seiten!
Warum hat mir eigentlich keiner gesagt, dass es um den Spielejournalismus dermaßen schlecht steht?


SpON und sein schlechter Ruf

Update: SpON hat den Personenverdreher um Heindorf und Wächter inzwischen korrigiert und auch die Schlaganfallspatienten haben nun keinen Herzinfarkt mehr. Das wiederum möchte ich der Seite positiv angerechnet wissen, eine nachträgliche Korrektur ist auch online nicht selbstverständlich.
Alle wesentlichen Kritikpunkte meinerseits an dem Artikel sind somit ausgeräumt.
Ich lasse den Artikel zur Dokumentation online.

Spiegel Online hat im Internet einen zunehmend schlechten Ruf. Das ist in einem Medium, in dem man schnell für den kleinste Kommafehler in Verruf geraten kann, ein Troll zu sein, wenig überraschend.

Wie schlimm es ist merkt man erst, wenn man über ein Thema liest, zu dem man Wissen aus Erster Hand hat. Etwa bei der Berichterstattung über eine Konferenz auf der man war.
So jetzt geschehen bei der Serious Games Conference 2008, die am Mittwoch in Hannover statt fand und bei der ich anwesend sein durfte.
Und der Spiegel auch.

An dem Artikel ist aber dermaßen viel falsch, dass ich mich frage, ob der Verfasser der Meldung denn auch wirklich eigentlich anwesend war. Mir ist zwar niemand vom Spiegel aufgefallen, was nichts heissen muss, da ich Mathias Hamann nicht kenne, aber der Text lässt offen gestanden nicht den Schluss zu, dass ich ihn dort hätte antreffen können.
Achja, für das Lesen des folgenden Textes empfehle ich einen Kaffee und gemütlichen Sitzplatz. Ich liste genüsslich die mir aufgefallenen Fehler und Unstimmigkeiten auf und das wird lang.

Fangen wir an mit Susanne Wolters. Die Dame ist dem Spiegel zufolge erklärte „militante Game-Gegnerin“, benutzt vollkommen selbstverständlich das eher unter Zockern gebrauchte Wort „Game“, hat einen Bruder, der dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) vorsitzt, setzt im Krankenhaus eine Wii ein und will ein (okay, therapiestützendes) Ballerspiel für ihre Patienten (sie ist Kinderärztin) – ergibt das irgendwie eine koheränte Personenbeschreibung?
Wobei man fairerweise anmerken muss, dass es sich ja um eine Selbstbezeichnung der dame handelt. Was das ganze irgendwie noch schräger macht.

Wieso der Satz „Früher waren ernsthafte Spiele meist langweilig, aber langsam gibt es immer mehr, die Spaß machen“ beim Spiegel in Anführungszeichen steht weiss wohl auch niemand, ein wörtliches Zitat vom Podium ist es jedenfalls nicht.
Am nächsten kommt noch die Aussage Ute Ritterfelds, der Großteil aller Serious Games sei nachgewiesen langweilig – dass es inzwischen aber besser geworden ist, hat niemand behauptet, ausser vielleicht Lea Treese von Nintendo in einem Beitrag, der mehr peinliche Marketing-Vorstellung als Konferenzbeitrag war.

Ursache dafür könnte aber auch sein, dass der anwesende Spiegel-Schreiberling kein Englisch sprach. Die englischen Beiträge des Vormittags (Sara de Freitas über Virtuelle Welten in der Medizinerausbildung, Ute Ritterfeld über Serious Games Design) blieben nämlich unerwähnt – bis auf den ersten zu Re-Mission, was vermutlich daran lag, dass der mit gut leserlichen und leicht verständlichen PowerPoint-Statistiken daherkam.

So etwas zurück, in den Teil des Textes, der direkt unter dem Eigenwerbeblock beginnt. Nachdem ich mit Erstaunen feststellen durfte, dass Bruno Kollhorsts Name korrekt geschrieben und zugeordnet wurde kommen wir zu Oliver Wächter, bei dem das nicht der Fall ist.
Er und der vorhin kurz erwähnte Ralf Heindorf tauschen mal eben die Rollen.
Also: Wächter gehört zum Medienunternehmen Abraxas und hat die angesprochene Software entwickelt. Heindorf ist jener Psychotherapeut, der damit arbeitet. Da Heindorf im Text aber gar nicht erst existiert, ist das nicht so einfach rauszufinden – um nicht zu sagen gar nicht.

Ich hab im zweiten Satz zu Heindorf und Wächter mal kurz alle Wörter durchgestrichen, die falsch sind:

Der therapiert im Reha-Zentrum Friedehorst Herzinfarktpatienten mit Lesestörungen.

Immerhin, die richtige Klinik wurde angegeben.

„Der“ ist falsch, weil es sich auf Wächter bezieht, hier aber müsste Heindorfs Name stehen.

„Herzinfarktpatienten“ in einem neurologischen Rehazentrum haben sich definitiv verfahren. Die Klinik behandelt Schlaganfallpatienten. Schlaganfall ist zwar auch als Hirninfarkt bekannt und hat die ungefähr selben Ursachen wie ein Herzinfarkt, trotzdem sind das zwei grundlegend unterschiedliche gesundheitliche Zustände.

„Lesestörungen“ kommen zwar bei Schlaganfallpatienten durchaus vor, sind aber nicht das Hauptproblem. Vor allem wäre eine Lesestörung als Folge eines Herzinfarkts, wie es der Text ja ohne Korrekturen behauptet eine ziemlich seltsame Sache. Zwar haben Heindorf und Wächter mit Buchstabenerkennung gearbeitet, aber nicht nur und dass dies der Behebung von Lesestörungen diene haben sie mit keinem Wort erwähnt – dafür aber die Behandlung von Gesichtsfeld-, Rotations- und Mustererkennungsstörungen.

Liest beim Spiegel eigentlich jemand Korrektur? Zumindest die durch einen Herzinfarkt ausgelöste Lesestörung sollte bei einer solchen Anlass zum Stirnrunzeln geben.


wtf 7

Gamer über 20 werden es verstehen.


wtf 4

Dass Politiker sich mit Computerspielen beschäftigen ist durchaus nicht neu.

Die 1990er bescherten uns dieses launige Beispiel unermesslich alberner Wahlkampf-Comedy, tatsächlich veröffentlicht von der PDS:

Zwar ist das Bild aus der Kamelopedia, aber dennoch echt. ich hab soggar noch alte Ausgaben des PC Joker mit Berichten dazu rumfliegen.


wtf 3

Wow!
Eigentlich war ich nur für Sporle.de zum Thema Tanzmattenspiele am recherchieren (lies: googeln).

Was mir dann auf einer irischen Webseite unterkam hätte ich glatt für einen Scherz gehalten, vor allem bei dem Nachsatz „Tutu not included“.
Isses aber nich:

En Tanzmatten-Balletspiel.
Gibt’s in Irland für 20 €. Kein Scherz.