Freitägliche Fünf 05.02.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche kommen Wahrheiten ans Licht.

1.Die wahren Pinky & Brain

Böse. Ich mag es.

Ich kam darauf, weil die Stadt jetzt eine Stelle hat, die Zorg heisst, was einfach klingt wie etwas, was Pinky sagen würde.

2. Die Wahrheit über falsche Download-Buttons

Google führt eine Warnung vor Seiten ein, die falsche Download-Buttons haben.

Ausserdem: Kurzer Rot-Grün-Blindheits-Test: Das ist Rot

Ausserdem: Kurzer Rot-Grün-Blindheits-Test: Das ist Rot

Diese meist als Anzeige auf Downloadportalen gesetzten falschen Download-Buttons sidn ein beständiges Ärgernis und durchaus eine potenzielle Gefahrenquelle, über die Viren, Trojaner und dergleichen verteilt werden können. Sie sind aber schon deshalb lästig, weil sie es deutlich erschweren, die angesteuerte Seite normal zu nutzen.
Das einzige Problem hierbei ist Googles Bemutterungsart, die Option, nach gelesener Warnung dennoch auf die Seite zu gehen tief in den weiteren Menüs zu verstecken, wenn sie denn überhaupt auftaucht.

3. Die Wahrheit über Meermenschen

Offenbar gibt es in Südostasien tatsächlich Völker, die den Großteil ihres Lebens zur See verbringen, zum Beispiel die Sama-Bajau. Ich hatte mich immer gewundert, dass alle Nationen udn Völker, die man so kennt, landgebunden sind. Ich meine, Gemüseanbau auf dem Wasser kannten schon die antiken Ägypter, es ist also grundsätzlich möglich, eine Nation auf dem Meer zu halten.
Das einzige, was Hochseenationen verhindert sind offenbar die Regeln der UN zur Akzeptanz von Staaten.

4. Der wahre Wurmkomposter

Mein Wurmkomposter ist ein recht einfaches Teil: Ein Eimer mit Deckel und Auslaufhahn aus dem Brauereibedarf, der Boden mit etwas übrig gebliebener Kokoserde gefüllt, Würmer rein und Lebensmittelreste drauf, von denen sich die Würmer ernähren können, fertig. Irgendwann werde ich dann die Würmer in einen zweiten Eimer umsiedeln müssen, um den Kompost zu erhalten.
Der Wurmturm, der mir schon vom Namen ausserordentlich gefällt, entwickelt das Konzept weiter: Die Würmer leben in einem „Turm“, in den auch die Lebensmittelreste kommen. Nur hat der Turm keinen Boden und keinen Auslaufhahn, sondern sitzt direkt in einem Pflanzgefäß mit den zu düngenden Pflanzen. Perfekt und übrigens für mich auch sinnvoller als die traditionelle Permakultur-Anlage mit Fischen unter den Pflanzen, denn was will ich mit dem ganzen Fisch?Wurmturm

5. Die Wahrheit über meine Abende

Sony hat Drei-Monats-Probe-Abos für Maxdome verschenkt. Perfekt, damit sind meine Abende nun gut gefüllt. Auch wenn Maxdome wenig hat, was Netflix nicht hat, aber für lau nehm ich das gerne mit.
Ich bleibe dennoch mittelfristig bei Netflix, die exklusiven Serien machen den Unterschied und beide nebeneinander lohnen nicht.


Filesharing oder: Diesseits und Jenseits der virtuellen Schulhofmauer

Es gibt so Themen, über die jeder jeden möglichen Blödsinn behauptet obwohl sie keiner versteht. Das Internet ist so ein Beispiel dafür, ebenso das Urheberrecht. Das mag jetzt für viele keine große Überraschung. Die Sache ist nur die: Jene, die behaupten, Ahnung zu haben, sind in der Regel auch nur andersrum ahnungslos.
Aber der Reihe nach.

Materielle Metaphern
Trotz Zweiwort-Alliteration nicht etwa einer meiner Buchtitel, sondern das meiner Meinung nach größte Problem in der Diskussion ums Internet: Das Internet ist eine Technologie, die vollkommen neue Denkmodelle, Wirtschaftsabläufe und Begriffe benötigt und hervorbringt. Ein linguistisch, philosophisch und psychologisch hochspannender Prozess, um den es mir jetzt grade aber nur am Rande geht. Ich möchte statt dessen ein Problem ansprechen: Praktisch jeder, der über das Internet redet nutzt zumindest teilweise Begriffe aus der materiellen Welt. Und genau diese durch ihre unpassende Übertragung in die virtuelle Welt missratenen materiellen Metaphern sind das Kernproblem der aktuellen Netzdiskussion.
Ein besonders amüsanter und unfugiger (ja, das Wort habe ich grade erfunden, na und?) Auswuchs ist dabei im Positionspapier der digitalen Linken zum Urheberrecht zu finden:

3. Weiterverkauf von MP3s und E-Books ermöglichen! Heute ist es oftmals untersagt, gekaufte MP3-Musikdateien oder elektronische Bücher weiterzuverkaufen. Dies greift in die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein. Schließlich dürfen Musik auf CDs oder Bücher in Papierform auch legal weiterverkauft werden. DIE LINKE fordert ein Recht auf Weiterverkauf von digitalen Kulturgütern.

Das ist der Wunsch, eine praktische Eigenschaft materieller Güter doch bitte auch in der virtuellen Welt zu haben. Weil man es so kennt und für praktisch erachtet. Das ist einfach nur Quark und ich werde es auch weiterhin so nennen bis mir jemand ein Verfahren nennt, wie das mit virtuellen Waren überhaupt gehen soll. Es müsste ja sichergestellt werden, dass die Originaldatei dabei auch gelöscht wird, sonst ist es kein Weiterverkauf, sondern eine kommerzielle Raubkopie (und kommerzielle Raubkopien will niemand, nicht einmal die Piratenpartei).
Womit wir nach dem kleinen Schmankerl auch schon beim eigentlichen Knackpunkt wären: Die Piratenpartei und ihr Verständnis vom Urheberrecht im Netz, genauer vom Umgang mit Filesharing. Da versteckt sich die Metapher etwas, aber man findet sie nach etwas umherstochern in der Argumentation pro Filesharing doch recht schnell: Der virtuelle Schulhof. Und damit kommen wir zu der Ahnungslosigkeit, die ich den scheinbar netzkompetenten vorzuwerfen gedenke.

Der virtuelle Schulhof
Eine der zentralen Forderungen der Piratenpartei ist die Legalisierung von nicht-kommerziellem Filesharing kommerzieller Inhalte. De Überzeugung, dieses sei vollkommen harmlos wird dabei oft damit untermauert, dass früher auf den Schulhöfen ja auch die mit den Lieblingsbands und neuesten Alben bespielten Kassetten getauscht wurden (für alle unter 30: Diese Dinger).
Dabei wird der zentrale Unterschied übersehen: Beim Filesharing im Internet (egal ob über P2P oder Cloud-Dienste wie MegaUpload) gibt man seine Dateien an eine unberechenbar große anonyme Masse von Websurfern weiter. Anonym noch nicht einmal im Sinne von „kein Klarname“, sondern im Sinne von „du kennst alle die doch gar nicht“. Wichtig hieran ist der Punkt mit der Masse: Wenn ein paar Schüler Kassetten tauschen, ist der Schaden gering. Wenn eine Million Nutzer eine einzige Kopie des Albums bei BitTorrent ziehen, dann ist da für den Künstler ein schmerzhafter Verlust drin, selbst wenn nur 1 Promille der Lader das Album dadurch nicht mehr kaufen.
Durch eine Legalisierung der Weitergabe kommerzieller Inhalte in nicht-kommerzieller Form würde diese alltäglich werden. Die Verwertungsindustrie ginge zu Grunde. Das wäre an sich auch kein Problem, aber wer bezahlt dann beispielsweise die 200.000.000 USD, die die Produktion von Titanic gekostet hat? 200.000.000 USD für einen Film über ein sinkendes Schiff per Crowdfunding? Vergesst es! Und auf kleinerem Niveau: Wer zahlt denn dann überhaupt noch für die Werke der Urheber und warum, wenn kostenlos doch völlig legal ist?
Erhalten die Urheber aber kein Geld für ihre Werke, sinkt nicht nur die Motivation, künstlerische Werke zu erschaffen. Es sinkt auch die Möglichkeit dazu, denn die Zahl der Kulturschaffenden, die „ganz nebenbei“ auch noch arbeiten müssen steigt. Und damit die zur Verfügung stehende Zeit der Urheber. Die in großem Umfang benötigte Zeit zur Erzeugung von Kultur zusammenzukratzen wird zur Selbstausbeutung, zu der immer weniger bereit sein werden. Es bedarf eines Interessenausgleiches.

Kim Dotcom, Pirate Bay und andere mehr oder Unschuldige
Aber vorher noch zu einer anderen Frage: Wann genau ist der Bruch des Urheberrechts zur nicht-kommerziellen Verteilung ein Problem? Wann ist die Schwelle vom virtuellen Schulhof zur Künstlerausbeutung überschritten? Ich sage: Sobald die Links öffentlich gemacht werden.
Wenn die Links, ob nun ein Weblink zum Filehoster, ein ed2k-Link oder eine Torrent-Datei, öffentlich verteilt werden, geht die datei an die anonyme Masse. Solange man die Dateien oder Links im Bekanntenkreis per eMail, Chat oder Datenträger rumschickt, ist man auf der Ebene des virtuellen Schulhofes. Aus dieser Schwellensetzung aber folgt das genau gegenteilige Rechtsverständnis, aus dem sich dereinst in Schweden die Piratpartiet gründete. Pirate Bay, das ja „nur“ Links verteilt wäre somit der Verbrecher im System, weil es die Dateien aus dem virtuellen Schulhof hinaus in die Öffentlichkeit „schmuggelt“. Die Piraten sind Schmuggler. Nun gut, so viel schlechter als Jack Sparrow ist Han Solo als Ikonografie nun auch nicht. Dennoch ist festzuhalten: Wenn etwas unterbunden werden sollte, dann die (vom Urheber) nicht autorisierte Weitergabe der Links.
Der international gesuchte Verbrecher Kim Schmitz Dotcom dagegen hat nach dieser Logik nichts verbotenes getan: Er hat einen Schulhof gebaut. Dort konnten Leute ihre Dateien abspeichern und teilen, indem sie die Links weitergaben. Das war kein Verbrechen. Gut, er hat damit eine Menge Geld gemacht, aber Geld verdienen ist ja nichts Illegales. Auch die Weitergabe der Links war, solange im persönlichen Bekanntenkreis verbleibend, kein Problem. Problematisch war vielmehr, dass Leute öffentlich Links auf bei MegaUpload gespeicherte Dateien sammelten, die nicht hätten öffentlich verteilt werden dürfen.
Womit wir ein Problem gefunden haben: Wir jagen und verteidigen jeweils die Falschen. Jene, die wir als unschuldig und zu Unrecht gejagt erachten, weil sie ja nur Links streuen, sind das eigentliche Problem. Das beste daran: Die öffentlichen Linkstreuer lassen sich problemlos ohne staatliche Spionage bekämpfen, weil man Webseiten relativ einfach abschalten kann, wenn sie illegal sind.

Modelle des Interessenausgleichs
Aufgrund der globalen Struktur des Netzes werden wir das Streuen von Links allerdings niemals komplett unterbinden können. Also bedarf es eines Interessenausgleiches. Die meisten Modelle setzen damit an, Internetnutzer für die (meist nur vermutete) Nutzung der Plattformen bezahlen zu lassen.
Besonders beliebt scheint im Moment die Idee einer Kulturflatrate. Anhänger finden sich quer durch alle größeren demokratischen Parteien: Piraten, Grüne, Linke, SPD, FDP – teilweise sogar in der CDU. Aber die Kulturflatrate birgt auch Probleme. Neben dem Grundproblem eines Gemeinverdachtes (jeder zahlt, ob er kopiert oder nicht) jenes des Verteilungsschlüssels. Die Kulturflatrate würde auf eine Art Über-GEMA hinauslaufen. Und wie toll die GEMA ist, dazu muss ich glaube ich nicht sehr viel erzählen.
Ganz hübsch finde ich die vom CCC vorgeschlagene Kulturwertmark, also eine Art Flattr für Künstler. Ich muss aber ehrlich gestehen: Ich verstehe Flattr, Kachingle & Co. einfach nicht. Ich habe es auch nicht versucht. Genau das ist aber das Problem: Eine Technologie muss in ihrer Nutzung von einer breiten Bevölkerungsmehrheit verstanden werden, wenn sie solch zentrale Bedeutung für eine Volkswirtschaft erlangen soll, siehe Bitcoin. Oder kurz gesagt: Dieses System ist zu sehr vom bekannten Alltag der nicht-vernerdeten Normalbevölkerung entfernt.

Mein Vorschlag: DigiThek
Gerne hört man von den Filesharing-Apologeten, runtergeladene Inhalte wären nur ein Test, bei Gefallen wird gekauft. Nun gut, nehmen wir diese beim Wort und bauen unser System darauf auf: Man kann Medien §bdquo;ausleihen“ und kostenlos oder gegen eine Pauschale für einen gewissen Zeitraum ausleihen. Sagen wir, je nach Medieninhalt, eine Woche bis einen Monat, analog zu normalen Bibliotheken. Das mE ideale Mittel dazu wäre nicht die in der Zahl der Ausleiher begrenzte Onleihe und ähnlicher Quatsch, sondern eine P2P-Plattform wie BitTorrent. Die Besonderheit hierbei wäre, dass diese Plattform eine digitale Rechteverwaltung (DRM) nutzt. Nach dem Download sind Dateien für den Ausleihzeitraum auf dem runterladenden Rechner und ein-zwei vom Besitzer des Rechners autorisierten Geräten nutzbar (beispielsweise 2 PCs, ein MP3-Player, ein Handy und ein eBook-Reader oder Tablet-PC). Bis zum Ende des Ausleihzeitraumes ist die Nutzung in diesem Rahmen kostenlos. Ob die Dauer dessen vom Urheber, Verwerter oder nach Medienart festgelegt wird, das mögen die Betreiber regeln.
Der Nutzer hat bis zum Ende des Ausleihzeitraumes jederzeit die Möglichkeit, für die Entfernung des Kopierschutzes zu bezahlen. Und ich meine Entfernung: Wer für eine Ware bezahlt hat, dem sollte das Recht zuteil werden, sein erworbenes Produkt ohne weitere Einschränkungen zu nutzen, er erhält die pure Datei ohne jede weitere Kopierschutzmaßnahme. Er hat dafür bezahlt, jetzt darf er damit (ausser weiterverkaufen oder ausserhalb des metaphorischen Schulhofes verteilen) machen, was er will, wo er will und in welcher Form er will. Den Preis dafür legt der Urheber oder sein Verwerter fest.
Inhalte werden von den Urhebern ins System gespeist, die dabei auch festlegen, was die Befreiung vom DRM kosten soll. Dabei können sie selbstverständlich auch die Option wählen, diese Befreiung kostenlos zu machen oder gar Dateien gleich ohne DRM zu verteilen (ähnlich den Inhalten bei Legaltorrent).

Ich bin kein Programmierer, erst recht nicht mit Erfahrung im Einrichten von P2P-Clients und Multi-Device DRM, ich kann sowas nicht bauen. Aber als Kunde und Urheber wäre ich bei einer solchen Plattform von Anfang an dabei. Ich erinnere mich an geleakte eMails an Dotcom (finde die URL nicht wieder, Fefe hatte vor Monaten mal darauf hingewiesen), die durchscheinen ließen, dass auch die Film- und Musikindustrie so etwas durchaus nicht abgeneigt wäre.
Also wer ist Programmierer mit entsprechender Erfahrung und möchte das Konzept des Medienkaufs im Internet mal gründlich umkrempeln? Und klar, richtig Geld steckt da auch drin, denn natürlich darf der Betreiber der Plattform einen Anteil am Verkaufspreis behalten.

Nachtrag: Auf das unsägliche Argument, Künstler seien ja nur „Filter“ die aus dem kulturellen gemeingut schaffen sage ich mal nichts weiter als das: Erzählt ihr auch einem Bauarbeiter, er habe keine eigene Arbeit geleistet, weil die Steine, aus denen er grade ein Haus gebaut hat vorher schon in der gegen rumlagen?


Yogeshwars 10 Gebote

Ranga Yogeshwar war also im Landtag als Experte für eBooks eingeladen. Mir ist nicht wirklich klar warum. Von den 37 Ergebnissen für seinen Namen im Amazon-Buchbereich sind nur 3 eBooks. Dazu kommt noch eine iOS-App, ein in der Branche nach seiner von heftigem Tamtam begeleiteten Veröffentlichung schnell vergessenes Werk mit eher durchwachsenen Kritiken bei den wenigen, die es ernsthaft beachtet haben. Und zudem mehr eine Lehr-App ist als dass sie irgendetwas mit einem Buch (ob nun digital oder papiern) zu tun hätte. In der Szene ist Herr Yogeshwar ansonsten eher negativ aufgefallen.
Wie dem auch sei, Herr Yogeshwar war also im Kulturausschuss des Landtages. Und durfte dort als Experte für eBooks auftreten. Neben so angeschimmelten Allgemeinplätzchen wie „wir müssen das Kulturgut Buch schützen“ gab es da auch konkretes. Und damit beende ich die leicht anpolemisierte Einleitung und gehe über in die Sachdiskussion. Schauen wir uns die 10 Punkte doch einfach mal an, die Yogeshwar als Forderungen einbringt:

  • Grenzüberschreitende Buchpreisbindung auch für E-Books.

Auf den Punkt „Grenzüberschreitend“ komme ich an einem späteren Punkt zurück, hier gehe ich erstmal nur auf die Buchpreisbindung ein.
Zunächst einmal sei ein grundlegendes Missverständnis geklärt: Ja, die Buchpreisbindung schützt ein Kulturgut. Aber dieses Kulturgut ist keineswegs das Buch. Das Buch als Medium und auch als Produkt hat keinen Vorteil davon, zu einem für alle Händler festgelegten Preis verkauft zu werden. Ganz im Gegenteil, es verhindert (gewollt) Sonderangebote und Preissenkungen seitens der Händler und führt so zu einem hohen Preis. Hohe Preise aber, so lehrt uns die Marktwirtschaft, verringern die erreichbare Kundschaft. Kurzgefasst: Wenn Arbeitslose zur bildungsfernen Schicht werden liegt das (auch) daran, dass sie sich dank Buchpreisbindung keine Bücher leisten können. Denn Bücher sind teuer und jeder Wettbewerb, der dies ändern könnte, wird gesetzlich unterbunden.
Das Kulturgut, das die Buchpreisbindung schützt, ist die Buchhandelslandschaft.
Dazu ein kleiner Ausflug: Die Buchpreisbindung wurde eingeführt, um den billigen Versandbuchhandel zu unterbinden, der sich um die Jahrhundertwende herauszubilden begann. Damals boten Versandhändler Bücher zu Schleuderpreisen an, indem sie große Kontingente zu entsprechenden Nachlässen einkauften, zusätzlich am Personal sparten (hier sind Versandhändler immer im Vorteil gegenüber Einzelhändlern) und die Einsparungen zu großen Teilen an die Kunden weitergaben. Um diese Praxis zu unterbinden und den Buchhandel vor Ort zu schützen vereinbarten die Verlage, für alle Händler verbindliche Preise festzulegen. Kulturpolitisch hatte das durchaus einen Sinn: Die Buchhändler boten Kunden direkte Beratung und fungierten als Werber für die Angebote der Verlage. Zudem standen sie im damals noch sehr stark ausgeprägten elitistischen Kulturbild für eine Art „Kulturerziehung“ – eine Idee, die bis heute nachwirkt.
Was die Buchpreisbindung letztlich also entfernt ist die Weitergabe eines Kostenvorteils der Großhändler an die Kunden. Übrigens wenig erfolgreich: Große Versandhändler wie Bertelsmann und Weltbild wurden kurzerhand zu Verlagen und brachten verbilligte Lizenzausgabe und später auch eigene Programme auf den Markt. Die Buchpreisbindung ist im Grunde also der wohl erfolgreichste Misserfolg der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Auf den eBook-Markt lässt sich diese Idee aus einem ganz einfachen Grund nicht übertragen: Großhändler haben keine oder bestenfalls marginale Kostenvorteile. Es gibt keine Händlerrabatte und die Kosten für Vertrieb und Verkauf bewegen sich (höchstens) im einstelligen Cent-Bereich. Wo aber ohnehin alle Marktteilnehmer die selben Möglichkeiten haben besteht kein Grund, eine solche Chancengleichheit herzustellen. Eulen nach Athen, und so…

  • Nur offene Reader, keine geschlossenen Systeme.

Hier mangelt es erheblich an einer Definition von „offen“ und „geschlossen“, aber vielleicht hat Yogeshwar das im Ausschuss ja genauer ausgeführt. Das einzige nach meinem Verständnis geschlossene System hat momentan Apple mit seinem App-Store (allerdings nicht mit iBooks). Also genau jenes System, welches Yogehswar selbst mit seinem epedio-Projekt exklusiv bedient.
Die anderen beiden großen Systeme, Kindle und ePub, bieten allen Nutzern die Möglichkeit, eigene Inhalte sowie kostenlos erstellbare Dateien aus anderen Quellen hinzuzufügen und zu exportieren, auch wenn das im Falle des Kindle nur von wenigen Händlern angeboten wird.

  • Mehrwertsteuer sollte sich nach dem Bestimmungsland richten.

So, jetzt kommen wir zum Punkt „Grenzüberschreitung“.
Kurz: Das geht so nicht. Entweder richtet sich meine Mehrwertsteuer nach dem Bestimmungsland. Das würde mich als Verleger dazu zwingen, für jeden Markt einen der jeweiligen Mehrwertsteuer angepassten Endpreis festzulegen, damit ich im Export in Länder mit deutlich höherer Umsatzsteuer keinen Verlust mache. Das gibt es bereits, etwa bei Zeitschriften und ist einer der Gründe, warum auf dem Spiegel so viele unterschiedliche Preise stehen.
Oder ich lege einen grenzüberschreitenden Preis fest, der muss dann aber mit dem höchsten Mehrwertsteuersatz gebildet werden, was die Buchpreise aufgrund der hohen Sätze in Skandinavien (wo durchaus auch viel deutsch gelesen wird) sofort um 10% erhöhen würde.
Es sollte auch angemerkt werden, dass Yogeshwars Forderung auf europäischer Ebene bereits erfüllt wurde, die entsprechende EU-Richtlinie tritt am 1. Januar 2015 in Kraft.

  • Agency-Modell und kein Wholesale Store (d.h. Verlage bestimmen Bedingungen des E-Book-Verkaufs, nicht der [Online]-Großhandel).

Das nennt man auch Buchpreisbindung und warum Yogeshwar diese gleich zweimal benennt, ist mir schleierhaft. Vielleicht, weil 10 so eine schöne runde Zahl ist, keine Ahnung.

  • Preisgestaltung liegt ausschließlich bei den Verlagen.

Okay, er nennt die Buchpreisbindung dreimal. Ich weiss, Redundanz ist in der Wissenschaft beliebt, insbesondere wenn man vorträgt. Dennoch ist sie überflüssig.

  • Online-Plattformen/Händler unterliegen verbindlichen Transparenzregeln.

Nix zu mäkeln, das klingt erstmal nicht schlecht.

  • Für alle E-Book-Anbieter gilt nationales (deutsches) Recht.

Neokolonialismus? Oder einfach nur eine unsauber formulierte Forderung? Stand der Dinge jedenfalls ist in der Praxis: Für alle .de-Domains und hauptsächlich auf den deutschen Markt ausgerichtete Anbieter gilt deutsches Recht. Das ist geübte Praxis in diversen Rechtsbereichen, vor allem aber im Verlagsrecht (Stichworte Impressumspflicht und Strafbarkeit von Inhalten).

  • Datenschutz des Lesers muss gewahrt werden: Lesedaten dürfen nicht verwertet werden.

Ich muss ehrlich zugeben nicht zu wissen, was er damit meint. Was sind „Lesedaten“?

  • E-Books können über ein Vouchersystem (Gutscheine/Belegsystem) auch im stationären Buchhandel angeboten werden.

Meinetwegen. Und was hat der Gesetzgeber damit zu tun? Das ist doch wohl Sache der Händler, sowas zu organisieren.
Davon ab krieg ich beim Rewe um die Ecke problemlos Gutscheine für buch.de, iTunes und Amazon sowie weitere Onlinehändler, deren Name mir grade nicht einfällt und die ich nicht nachschauen kann, weil grade Sonntag ist und mein Rewe somit zu hat.

  • Store hat kein formales oder inhaltliches Mitspracherecht.

Was zunächst gut klingt ist eine ernsthafte Einschränkung der Handelsfreiheit. Jeder Händler darf sich das von ihm angebotene Sortiment selbst auswählen. Das ist das eine. Das mag jetzt arg handelsfreundlich klingen, aber: Händler müssen Titel wegen inhaltlicher Bedenken (Pornografie, Gewaltverherrlichung etc.) aus ihrem Angebot entfernen können.
Ein Sonderproblem sind hier auch Nischenhändler und Selbstverlage: Wenn ich meine Bücher über meine eigene Webseite verkaufe, müsste ich dann zur Erfüllung von Yogeshwars Forderung auch jedes andere in Deutschland verfügbare eBook anbieten? Muss ein Händler für Kinderbücher einen Titel wie ChefSekretärin – … fick mich härter! führen? Man stelle sich ein solches Szenario mal im restlichen Kulturbetrieb vor: Jedes Kino müsste jeden Film zeigen, jedes Theater jedes mögliche Stück aufführen und auf Rammsteins Aufführung von Britney Spears‘ One More Time bin ich auch schon sehr gespannt. Okay, streicht das letzte, das könnte verdammt gut werden. Ich will Till Lindemann „Hit me Baby one more time“ grummeln hören. Jetzt!

Alles in allem zeugt Yogeshwars Katalog vor allem davon, dass er vom eBook-Phänomen nur oberflächlich und von der relevanten Gesetzgebung sowie ihrer Geschichte gar keine Ahnung hat. Die Vorschläge sind wenig durchdacht und hätten vor Veröffentlichung dringend eines Lektorates sowie zusätzlicher Recherche bedurft, wovon auch zeugt, dass der erste, vierte und fünfte identisch sind. Mehrere seiner Forderungen sind bereits umgesetzt und daher überflüssig.


Google-Korrektur: Stiiiiiirb!

Evil GoogleGoogle ist in den letzten Jahren zunehmend intelligenter geworden. Das führt dazu, dass Google nun von einem Taschenrechner (gut angelegte IQ 0) zu einem waschechten Idioten (fehlgeleitete IQ um 75) gemausert hat. Das ist zwar toll, aber für eine Suchmaschine ziemlich problematisch.

Es fing ganz harmlos an: Plötzlich wurden Verben auch in konjugierten Formen gesucht, Adjektive folgten. Als Google automatisch Plurale von Substantiven erkannte, war das eine klasse Sache.
Nur ab und zu störte das, weil man etwa einen Satz mit einer exakten Verbform suchte. Da fehlte die Option, die Worterkennung abzuschalten.

Dann fing Google plötzlich an, automatisch auf die zensierte deutsche Version von Google zu wechseln, wenn ich was abfragte, weshalb ich inzwischen ständig manuell zu google.com wechseln muss. Nervt ab und zu wirklich. Dass ich dadurch meist hunderte unbrauchbare Seiten kriege ist eine Nebeneffekt dessen. Denn Google meint inzwischen offenbar, eine schlechte deutsche Seite sei besser als eine wirklich gute englische. Ganz ehrlich: Ich hab vor einer halben Ewigkeit meine Google-Einstellungen auf „Englisch“ gestellt, könnte sich die Suchmaschine das vielleicht bitte endlich mal merken? (Und ja, meine Cookies funktionieren, daran liegt es also nicht). Wenn ich Google.COM eingebe, will ich auch zu Google.COM.

Seit Anfang 2009 aber wird es wirklich ärgerlich, jetzt kann Google nämlich auch Komposita und ignoriert gerne auch mal Suchanfragen, die es für Tipfehler hält.

Zwei Beispiele der letzten Tage:
Im ersten suchte ich nach einem sowjetischen Schlittenpanzer aus dem zweiten Weltkrieg, einem so genannten Aerosan (den Namen hatte ich zu dem Zeitpunkt vergessen). Nachdem die Kombination von panzer und schlitten nichts ergab, entschied ich mich für die Kombination panzer und kufen.
„Kufen“ ist ein korrektes deutsches Wort. Das sind die Dinger, auf denen ein Rodelschlitten über den Schnee fährt. Google ist da nicht von überzeugt und gab mir lieber tausende Ergebnisse aus, wo ich einen Panzer kaufen konnte. Und zwar ohne die übliche Nachfrage à la „Meinten Sie panzer kaufen?“, einfach so. Damit war die Suchmaschine für diese Suchanfrage de facto komplett ungeeignet, da sie automatisch nach einem Wort suchte, das ich nie eingegeben hatte.
Eine Möglichkeit, dies abzustellen, hab ich nicht gefunden.

Heute nun habe ich nach Informationen zum Wahlkampf gesucht. Ihr wisst schon, das was die Parteien vor den Wahlen üblicherweise machen.
Google hat das Wort aufgedröselt und statt nach „Wahlkampf“ nach „Wahl“ gesucht. Das Resultat: Seitenweise vollkommen nutzlose Ergebnisse mit den Wahlergebnissen irgendwelcher Betriebsratsvorstandswahlen.

Auch Abkürzungen werden gerne automatisch aufgedröselt. Auf Konflikte bin ich da noch nicht gestoßen, aber das kann nur eine Frage der Zeit sein.

Hey Google: Stellt diese Scheisse doch einfach wieder ab, ja? Oder gebt den Nutzern zumindest die Option, ohne das zu suchen.

PS: Es hilft übrigens halbwegs, deutsche Suchanfragen einfach im englischen Google einzugeben. Das erkennt nämlich keine deutschen Tippfehler und macht daher wenigstens meistens, was man ihm sagt.

*Nachtrag, 10. 2. 09*
Ha, wenn man die Stichwörter jeweils in Anführungszeichen setzt, unterdrückt das die Grammatikerkennung und Autokorrektur. Mit Dank an Kolja aus dem FGH


What’s with those numbers, anyways?

This post will introduce a set of rules. Because the post is so goddamn long, I will post them here, so you don’t have to jump and explain them in the following text. Most probably, I will replace this text with something better in getting to the point sometime in the next few days, we’ll see.

THE 10 RULES OF EVOLUTIONARY SOFTWARE:

  1. The number is not thy god
  2. Thou shalt not make any great promiss for the future of your project other than ‚It’ll work‘
  3. Relaxeth
  4. Thou shalt honour the old code and improve upon it with care
  5. Thou shalt not kill old features and capabilities unnecessarily
  6. Thou shalt know that for some reaon the other biblical commandments do not work and thus will not be included
  7. These 7 rules shall be known as the 10 rules of evolutionary software. Why? See rule number 1.

Disclaimer: This entry is written in English in order to get the message out as far as possible. I think, this is important to tell people. You don’t change a mindset by simply saying so, you need to spread the message. Also, I apologize for not having any pictures, just boring text.
Lately, lots of software has been delayed or takes really long: Firefox 3 (added a lot of semi-cool features, btw) , WordPress 2.5 (pointlessly – more on that adjective later on – skipping 2.4 in the meantime), stepmania 4.0 (unusually for me, no complaints here) just to name those I care about myself and can recall within 10 seconds.

So, who’s to blame?
My answer is: Version numbers. Or rather, the mindset they introduce.

Some weeks ago, I made some improvements to a WordPress plugin named Sociable, a neat little plugin that creates icons which link to a social bookmark service under each post and page, enabling visitors to bookmark it with one click and also potentially a means of viral marketing (as in viral, not marketing called viral for no apparent reason or would like to become viral).
All I did was adding German bookmarking service Yigg to it, five lines of code. To signify the change, I named it version 2.5.3. However, the next day, I also added Oneview and decided not to change the number The change to me seemed to insignificant to reflect this way. Meanwhile, Joost de Valk, the main programmer of Sociable has released 2.5.4, btw.

But this insignificance I felt is a problem many coders and programmers seem to face: The numbers introduce the notion that, if you change something, you better change alot, because you need to justify the new number.
Thus, features become amassed in any new version of a software. Especially WordPress 2.5 and Firefox 3.0 will diverge from the original software a large amount. Many users will have to completely relearn how to use these programs.

Thing is: There would be no need for this if software development was an evolutionary process, rather than revolutionary.

By revolutionary I mean: Add, change or delete one feature at a time, implement is, change the code so that it works fine. Changes should be subtle and come one at a time, increase the quality of a software without making it something vastly different from former iterations.
Also, abandon words such as „iteration“, „version“ (when related to time), „revision“, „makeover“. They all imply segmented time when in reality, time is flowing and thus not segmentable by numbers.

However, abandoning these words also means abandoning the concepts behind it.
„But“, millions of programmer voices will shout in terror, „how do we distinguish all those versions of a software without version umbers?“.

The answer is simple, really: Dates.
Not the kind you have with a nice woman (although that might help to forget about the problem for a while), but the ones in the calendar. Whenever you implemented a new feature and it is running smoothly, release and instead of a version number add a date, like this:

WordPress
built (or build) 20-02-07 (or 03-20-07 for Americans)
change(s): implemented automatic feng shui sidebars (now that would be an awesome feature)
stable: yes
files changed: wp-admin/feng-shui-admin.php

That is: Name of the software
date this was last updated
list of changes

Only one point is new to most software and important to my concept:

date of last update
This replaces „version number“. Operating with dates makes it harder to set them as a goal and also they do not imply anything about the hange itself so there is no psychological pressure to change just about everything in a software. Rather, it gives you freedom to just change something incredibly small, that only needs one line in one file changed.
The update never claimed to do something huge. If it does change something major, say so in the changelog.

afterwords
Granted, some changes are huge-scale and might require developers to change the whole package.
My sites usually go through an evolutionary change, I never changed one radically from one day to another.
There was one exception, though: When I decided to make one of my sites two-column instead of three-column, I had to relocate everything that used to be in the right-hand sidebar (that was deleted) to some other place on the pages. I ended up changing almost every file in my theme (custom WP theme).
Those things happen. But you should just not aim for them.

Do, what it takes to improve a software. But do not force news.
Or, as the seemingly forgotten saying goes: Never change a running system.

PS 2.4
Right, the part of skipping WordPress 2.4 being pointless: Ask yourself just one question – what for?
What is the difference between publishing 2.4 later or naming it 2.5 that makes the latter preferable? is it that important to keep up with a roadmap that does nothing but list numbers, anyways? I mean, if it listed features to be implemented, alright. But numbers?

The German language has a beautiful explanation for this: Schwanzvergleich – dick compare.
It means, two people compare something and whoever has the bigger one (version number, number of sales, military rank, academic degree, dick) wins. I really dn’t see any other point in aiming for a number.

Aim for a good software that runs. And stop thinking of it being imperfect the very day you release it. of course, it is imperfect. Nothing is perfect.
Just relax, see it running and if there is something to change, do so. If you got a good idea, implement it. With care and taking time.
It’s not like anyone pays you to rush a sh*tload of features in, anyways.

BOILING IT DOWN: 10 RULES
To boil down my text, I’d like to introduce a set of 10 rules that I deem considerworthy, and also pathetically biblical in reference:

THE 10 RULES OF EVOLUTIONARY SOFTWARE:

  1. The number is not thy god
  2. li>Thou shalt not make any great promiss for the future of your project other than ‚It’ll work‘

  3. Relaxeth
  4. Thou shalt honour the old code and improve upon it with care
  5. Thou shalt not kill old features and capabilities unnecessarily
  6. Thou shalt know that for some reaon the other biblical commandments do not work and thus will not be included
  7. These 7 rules shall be known as the 10 rules of evolutionary software. Why? See rule number 1.

I’d say number 1 and 7 are the most important.


Das Dilemma guter Schreiber

Irgendwie scheinen die Leute hier mehr über Internetmarketing und Webdesign lesen zu wollen, das legen jedenfalls die Besucherzahlen nahe.

So ganz kann ich das nicht nachvollziehen (wie viele 100 miese Blogs zu dem Thema gibt es eigentlich inzwischen?), aber was soll’s.
Seltsamerweise ist nämlich noch immer nicht alles besprochen, was da zu sagen wäre.

Wahrscheinlich sind die drei wichtigsten Regeln für Internetmarketing allgemein bekannt:
1. Verbreite deine Artkel gegen Links auf deine seite
2. Mache sie keywordreich
3. Schreibe gute Texte

Schauen wir uns mal ein durchschnittliches Artikelverzeichnis an, so kann man sehr schön beobachten, wie die Schreiber sich selbst an diese Tipps halten:
Sie veröffentlichen ganz offensichtlich in Artikelverzeichnissen, gerne mal unter mehreren namen, Titeln und kategorien den gleichen text.
In den Texten tauchen die Schlagworte, mit denen die Schreiber vermutlich gefunden werden wollen sehr häufig auf.
Die Texte sind samt und sonders unlesbar schlecht.

Langweilig geschrieben, gefüllt mit den immer gleichen Empfehlungen (den drei da oben), trivial, uninteressant und thematisch fast komplett auf die Bereiche Internetmarketing und Suchmaschinenoptimierung beschränkt.

Da stellt sich doch die Frage: Warum sind die Texte in Artikelverzeichnissen so mies?

Und die Antwort liegt auf der Hand: Das Dilemma des guten Schreibers.

Der weitaus größte Teil des Internets finanziert sich aus Werbeanzeigen. Das ist offensichtlich, wenn man sich einmal eine zufällige Gruppe von vielleicht 100 Webseiten rauspickt, gerne auch aus anderen Sprachgebieten wie Japan oder Russland.
Würden Sie auf eine solche Anzeige klicken, wenn Sie einen guten Text lesen?
Sicher nicht – die Anzeige öffnet normalerweise im selben Fenster bzw. Reiter wie der Text, der damit verschwindet.
Bei den meisten modernen Bannerformaten (Flash, Javascript) hat man auch keine Möglichkeit, den Link in einem anderen Fenster/Tab zu öffnen, wenn man will. Es gibt die Option ganz einfach nicht.
Auch hält ein guter Text das Auge quasi gefesselt, es schweift nicht zu den Anzeigen, es sei denn, diese sind sehr störend (tatsächlich wird Internetwerbung zunehmend störender und das scheinbar mit Absicht).

Ein Text muss also im Internet eine gewissen Balance erreichen: Er muss gut genug sein um Besucher anzulocken, darf aber nicht so stark fesseln, dass diese Besucher ihn zu Ende lesen wollen.
Denn andernfalls klicken sie nicht auf die Anzeigen (wiel sie den Text weiterlesen wollen) und man hat finanziell nichts von seinem Text.

Das kommerzielle Internet fördert also spezifisch das Mittelmaß.

Natürlich gibt es Tricks, um diesen Effekt abzuschwächen. Einer davon ist der Cliffhanger.
So wie dieser hier: Im nächsten Post geht es weiter mit der Frage: Wie kann ich trotz guter Texte Geld verdienen?