Spätsommerliche Frühlingsgedanken – Causa Julia Schramm

So, ich schreib jetzt auch mal was über Julia Schramm alias @laprintemps. Ja, da müsst ihr jetzt durch, es ist ein relativ wichtiges Ereignis im Untergang einer Partei in der Auseinandersetzung ums Urheberrecht und in der Entwicklung des Buchmarktes.

Kurzfassung
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Langfassung
Man kann der Piratenpartei sicherlich nicht vorwerfen, sie habe keine Position zum Urheberrecht. Im Gegenteil, sie hat derer in ihrem Programm mindestens drei. Wie vollkommen widersprüchlich diese Positionen (kurzgefasst: Freies privates Filesharing, vergütete Urheber sowie freier Zugang zu Kunst, Kultur und Wissenschaft) merkt Julia Schramm grade am eigenen Leibe – oder besser, bekommt sie aufgezeigt, zu merken scheint sie es nicht, wenn ich ihre Tweets so lese.
Ich werde jetzt nicht noch einmal die Partei an sich und ihre Meinung zum Filesharing thematisieren. Das habe ich bereits getan, meine eigene Position zum Thema findet sich dort ebenfalls. Und ich denke, ich habe auch schon demonstriert, dass ich meinen Umgang mit Raubkopierern ernst meine.
Das ist auch schon der Punkt aus der Kurzfassung: Es geht um Glaubwürdigkeit. Julia Schramm hat bereits einiges an Spott geerntet, als sie laut unbestätigten Presseberichten 100.000 € für ein Buch erhielt.

Nun ist dieses Buch also erschienen und noch am ersten Tag wird Dropbox per Copyright Notification dazu gebracht, eine PDF des Buches zu löschen. Das ist auf jeden Fall schonmal politisch ungeschickt, zumal man davon ausgehen kann, dass der Verlag den Skandal (wenn auch nicht absichtlich) provoziert hat: Da die Autorin Piratin war wusste der Verlag Albert Knaus selbstverständlich, dass das Buch sofort in den einschlägigen Plattformen auftauchen würde und hat vorsorglich danach Ausschau gehalten.
Das wäre nicht weiter schlimm, ginge es in dem Buch nicht explizit und deutlich auch gegen die „Content-Mafia“. Geistiges Eigentum wird als „Kampfbegriff“ bezeichnet und Künstlern (darunter Schriftstellern) wird die eigene Geistesleistung aberkannt (was den Rezensionen zufolge bei diesem Buch wohl sogar gerechtfertigt sein dürfte). Wer eine solche Position vertritt, der verwirkt ganz einfach seine Glaubwürdigkeit, wenn er dann plötzlich anfängt, sein geistiges Eigentum (das ja nur ein Kampfbegriff ist) zu verteidigen.
Die Option, die Online gestellten Kopien schlichtweg zu ignorieren hat immer bestanden, das demonstriere ich ja selber (Schadet es mir? Vielleicht, vielleicht nicht. Woher zum Teufel soll ich das wissen?). Oder steckt hier einfach der Gedanke hinter, mit Vernunft kommt man zwar in einen Parteivorstand, aber sicherlich nicht auf die Bestsellerlisten?

Schramm und die Piraten sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie standen nie für Inhalte, sondern für einen Stil. Geprägt von Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Entsprechend war ihr Hauptvorwurf den anderen Parteien (vor allem aber den Grünen und der SPD) gegenüber immer der fehlender Glaubwürdigkeit.
Ohne Glaubwürdigkeit aber hat die Piratenpartei nichts zu bieten. Das Programm ist umfangreich, aber leer. Der Reiz der Protestpartei ist raus, weil sie ihre Radikalität fast sofort abgelegt haben, nachdem sie einigermaßen in den Medien waren. Sachthemen werden nur noch am Rande überhaupt behandelt.
Wenn jetzt noch die Glaubwürdigkeit flöten geht war die Piratenpartei Deutschland das kürzeste Strohfeuer in der Geschichte der Bundesrepublik.