Zweiwöchige Zehn 06.02.2015

Die wöchentlichen Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen.
Deadlines sind nicht meine Freunde und deshalb gibt es diesmal zwei Wochen und somit zehn Punkte. Aber keine Sorge, ich habe eine passende Alliteration gefunden! Der Tag ist gerettet!

1. Alliteration! Yay!

2. Seht euch das erste große Bild zu diesem Artikel an. Sieht das nicht aus wie die Bismarckstraße, nur mit einem neuen Straßenquerschnitt und ohne die Kaiser-Friedrich-Halle am Ende?
Ja, Gladbach ist noch nicht ganz bereit für so etwas, aber es ist im Bereich des möglichen. Ausgerechnet London hat nun den Weg zu einem neuen Fahrradmekka eingeschlagen und der Ideenreichtum, mit dem die bisher extrem radlerarme Stadt an dieses Vorhaben (und eine allgemeine Verbesserung der Vekehrssituation) herangeht, ist gradezu inspirierend.

3. via John Osinski:

4. Mal eine ungewöhnliche Doku. Auf diese kann man sich bei Arte halt verlassen. Youtube eingebunden, weil ich nicht sagen kann, wie lange die Arte-Version online bleibt. Anyway: Wie wir dem Kommunismus die Yps beziehungsweise dessen französisches Original Pif verdanken. Ich war übrigens Yps-Abonnent bis zum letzten Heft.

5. Bleiben wir noch ein wenig bei Youtube-Videos zur Geschichte und kommen zu Lars Andersens Rekonstruktion historischer Techniken mit dem Reiterbogen im (absolut beeindruckenden) Selbstversuch. Im Text natürlich ein wenig überzogen – die Methode ist zwar durchaus ausserhalb von Historikerzirkeln vergessen, aber innerhalb dieser eben doch bekannt.

6. Dänemark feiert absolut beeindruckende Erfolge in der Reduzierung des „Energieverbrauchs&“. Zwar ist nicht ganz klar, was genau mit „Energieverbrauch“ gemeint ist (Primärenergie? Strom?), allerdings gehe ich mal von Primäreneergieverbrauch aus, da auch der Verkehr eingerechnet ist.
Und wisst ihr was? Dänemark ist trotzdem noch kein Entwicklungsland geworden! Das ist ja das, was uns hierzulande immer erzählt wird, was passiert, wenn wir den Verbrauch verringern.

7. Siegen hat die hübsche Idee, sich selbst zum Austragungsort der Spiele für eine Entwicklerkonferenz zu machen. Klasse. Ich überlege ernsthaft, ein paar Autoren zusammenzutrommeln, um die in einem Fantasy-Gegenstück zu Gladbach spielende Kurzgeschichte Khamel zu einer Sammlung auszubauen, die Kalmrill (von englisch Calm Rill = ruhiger Bach = Gladbach, die ganze Geschichte findet sich hier) zu einer kompletten Welt macht.

8. The Swapper ist so ziemlich das beste, was ich seit langem gespielt habe. Man spielt eine gestrandete Astronautin auf einer Raumstation, deren Besatzung auf mysteriöse Weise fast vollständig verschwunden ist, nachdem sie Forschungen an intelligenten Felsen aufgenommen hat. Man selbst trägt das einzige Ergebnis der Forschungen mit sich, den Wechsler (engl. Swapper), der in der Lage ist, Klone zu erzeugen und das Bewusstsein des Trägers in einen der Klone zu übertragen.
Das Ergebnis ist zum einen eine Suche nach der Seele, ihrer Existenz und Form. Zum anderen eine Begegnung mit einer fremden Lebensform, die so anders ist, dass trotz andauernder Kommunikation jegliches gegenseitige Verständnis unmöglich ist – die Wächter sind denkende Felsen, sie haben kein Konzept vom physischen Raum, weil sie sich ohnehin nicht bewegen können und daher so gut wie nicht mit ihm interagieren.
The Swapper ist das Videospiel-Gegenstück zu Solaris. Und da Solaris sich den Titel „Bestes Buch, das ich bis dato gelesen habe“ redlich verdient hat, ist das kein geringes Lob von meiner Seite.

9. Der amerikanische eBook-Distributor Draft2Digital vertreibt über ihn verbreitete eBooks in Zukunft auch an die Tolino-Partner. Das bedeutet, dass meine künftigen englischen eBooks in Deutschland auch für den deutschen Kindle-Konkurrenten Tolino erhältlich sein werden, den Thalia, Weltbild, buecher.de, buch.de, Hugendubel und viele Buchhandlungen bedienen.
Das hat einige potenzielle Auswirkungen auf meine Möglichkeiten, deutsche Titel zu vertreiben, da Draft2Digital mit dieser Entwicklung auf einen Schlag auch ein interessanter Vertriebspartner für den deutschsprachigen Raum wird.

10. Datenträger der Zukunft? Sieht so aus, als bekämen wir Kristalle. Das ist etwas, woran im Grunde schon seit Ende der 90er gearbeitet wird, aber langsam rückt es in greifbare Nähe. Ich denke, die Technologie wird im Laufe der 2020er marktreif, die Frage ist nur, wofür wir so gewaltige Speichermedien nutzen werden. 360 TB für ein ROM-Medium sind eine Menge Nullen und Einsen, insbesondere wo der Kapazitätszuwachs von kommerziell erhältlichen Festplatten grade allem Anschein nach im unteren Terabyte-Bereich abzuflachen scheint.


Khamel und wie Gladbach Kalmrill wurde

Während ich andernorts ein paar Probleme mit BoD habe, hatte ich ja noch einen Artikel zu Khamel zugesagt und dazu, wie Mönchengladbach mit Kalmrill zu einem Fantasy-Gegenstück gekommen ist. Hier isser:

Khamel

Wahrscheinlich die biblischste Geschichte die ich je geschrieben habe. Khamel folgt in 1.400 Wörtern (ich fasse mich ungern unnötig lang) der Hexe Larina, die ein Jahr zuvor ihren Assistenten Khamel durch ein Nadelöhr geschickt hat und ihn jetzt zurückholen will, um ihr Kunststück abzuschließen. Zugleich beendet sie damit ihre Ausbildung zur Hexe des höchsten Ranges, einer berühmten Hexe.
Die Idee geht zurück auf den Scherz eines US-Komikers (ich weiss leider nicht mehr, welcher), der meinte, Kreationisten wären Menschen, die keine Metaphern verstehen und deshalb beim Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr an ein reales Ereignis mit einem Nähwerkzeug und einem sehr unglücklichen Paarhufer denken.
Ich fügte dem Kamel ein H hinzu und kam so auf einen real existierenden arabischen Männernamen, einfach weil man auch in meinen Fantasy-Geschichten mit Kamelen nicht sprechen kann. Ich wählte ein Zauberstück als passenden Kontext für ein Szenario, in dem es Sinn machen würde, durch ein Nadelöhr gehen zu wollen. Und so kam Larina hinzu, deren Name ein reines Fantasieprodukt ist.
Sie begegnet nun den Hoffnungen, die ihre Taten in den Bewohnern des recht unbedeutenden Städtchens Kalmrill aufkeimen lassen, bevor sie schließlich bereit ist, ihr Werk zu vollenden.

Kalmrill

Eines vorab: Dass Kalmrill und Khamel sich lautlich so ähnlich sind, ist ein absoluter Zufall. Es fiel mir überhaupt erst auf, als ich die deutsche Übersetzung von Khamel anfertigte. Aber wie kam es nun zu Kalmrill?
Khamel sollte ursprünglich in einer beliebigen Fantasy-Stadt spielen. Doch da spielte mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Es gehörte zur Geschichte, dass Larina die Stadt durch ein Tor betrat und sich zum Marktplatz begab. Mein Geist war so tückisch, mir in diesem Moment ein Bild der Weiherstraße in Mönchengladbach zu liefern, mitsamt dem einst dort vorhandenen Stadttor.
Von da an war es logisch: Mönchengladbach war mit seinem historischen Aufbau im Bereich innerhalb der einstigen Stadtmauer nahezu perfekt — ein klar definiertes Stadtgebiet, Rathaus und Münster direkt am Tor zwischen Mauer und Marktplatz und ein Marktplatz mittig auf der Hügelkuppe. So wurde Mönchengladbach der Ort meiner Geschichte.
Es passte gut — die Geschichte sollte ohnehin in einer Welt spielen, welche die unsere ist, nur ergänzt darum, dass fast alle Mythen und Legenden unserer Welt wahr sind, insbesondere die lokalen. Wo wir Geldern finden, gibt es dort den Sumpf des Drachen Gelre. Auf den Dächern von Paris leben Gargoyles, die amerikanische Prärie wird von den mythischen Bestien der Indianerlegenden bewohnt, all sowas.
Nun schrieb ich die Geschichte in Englisch und „Gladbach“ ist in Englisch kein guter Name. Klingt auch nicht gut: Glädbätsch. Also musste ein guter englischer Name her. Mein alter Scherzname Friar’s Even Creek war das auch eher nicht.
Aber dann ging ich andere Übersetzungen für „glatt“ durch und kam recht schnell auf „calm“, also ruhig, jener Aspekt des zentralen Baches, der ihm den Namen des glatten Baches gegeben hatte. Ein Thesaurus brachte mich auf das seltene Synonym „rill“ für „creek“, das englische Geschwister unserer deutschen Rille. Calmrill. Ja, das funktionierte, Calmrill. So könnte gut ein Ort im Auenland heissen.
Bei der Übersetzung ins Deutsche beschloss ich, den Namen eingedeutscht beizubehalten und nicht zu Gladbach zurück zu übersetzen. Und so kam das Fantasy-Gegenstück von Gladbach zum Namen Kalmrill.

Kommerz

Newsletter-Empfänger durften bereits gestern in den Genuss der Geschichte kommen, alle anderen können sie im Laufe der Woche in allen wichtigen eBook-Shops für 0,49 € erwerben, je nachdem, wie schnell diese die Veröffentlichung aufnehmen. Sie wird ausserdem über readfy und Skoobe zum Ausleihen bereit stehen.