Nix Weltuntergang

Ja, es ist kalt. Und es schneit. Und ich finde ein aktuelles Satellitenbild nur von Großbritannien.
Und dem Golfstrom geht es auch nicht so gut.


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Das Katastrophenamt warnt gar vor Glatteis auf den Straßen – wo auch immer das mangels flüssigem Wasser herkommen soll. Sehr genial ist bei denen auch die Warnung, dass bei Stromausfällen das Bargeld knapp werden könnte. Sicherlich die größte Sorge in solch einem Fall, wo man doch ohne Strom an den Kassen so toll einkaufen kann.
Ja, es herrscht Panik in Deutschland. Endlich mal wieder, die Schweinegrippe war panikmäßig ja eher eine Fehlzündung.
Umgekehrt meldet man freudestrahlend, dass die Dächer der Sporthallen die „Schneelast“ aushalten – bei wohlgemerkt grade mal 2-3 Zentimetern Schnee. Im Dezember waren es 15-20 Zentimeter.

Das ist immerhin bessere Informationspolitik als bei der in Mönchengladbach für das Streuen zuständigen GEM, von der am Dienstag morgen in der Rheinischen Post zu lesen ist, sie habe noch genug Salz, nur um dann am Mittwoch den Streusalznotstand zu verkünden – der wohlgemerkt bereits seit Montag bestand, als angefangen wurde, nach Notfallplan zu streuen – auch wenn das erst am Donnerstag in der Zeitung stand.
Unterdessen freut man sich dort jetzt, dass man auch mit Sand und Split streuen kann – dadurch schmilzt zwar nix weg, aber zumindest wird es nicht glatt. Was die GEM aber auf den Trichter bringt, Split und Sand stünden „unbegrenzt“ zur Verfügung, wüsste ich doch gerne. Bewahren die beides in bodenlosen Silos auf?
Kein Wunder, dass denen das Salz ausgeht, wenn die mit Vokabeln wie „grenzenlos“ um sich werfen.
Verwunderung erfuhr ich dagegen aus Bayern, wo man doch sehr über uns Nordlichter verwirrt ist – wieso wir das Salz auf den Schnee kippten, ohne vorher mit der Schaufel zu räumen, fragt man aus den Bergen. Ziemlich berechtigte Frage, so braucht man mehr Salz und erzeugt mehr Matschepampe. Es ging da zwar um Niedersachsen, aber bei uns in NRW ist das ja genauso.

Und trotz allem: Nein, das ist nicht das Ende der Welt. Der Golfstrom wird wieder zurückkehren, sobald sich der Schmelzwasserabfluss aus der Arktis in ein-zwei Wochen normalisiert. Dann gibt es wieder normales Nieselwetter.
Und der Sommer wird mal wieder einer der zehn wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Vielleicht gibt es wegen dem strengen Winter etwas weniger Insekten, Lurche und Papageien.
Aber ja, es dürfte mit zunehmendem Klimawandel nach und nach normal werden, dass die Winter etwas strenger sind, weil der Golfstrom ab und an mal abbricht. Richtet euch die nächsten Winter einfach drauf ein. Und fahrt nicht so viel Auto, das gibt nur Schlitterpartien und noch mehr Klimawandel.


Klimawandel am Niederrhein

Der Klimawandel ist derzeit etwas, was in der Arktis und auf den langsam absaufenden tropischen Inseln statt findet. Wie es um den Niederrhein steht, das möchte ich zum Anlass der UN-Klimakonferenz hier einmal vorstellen, auch weil dazu auf der Versammlung des Niersverbandes am Donnerstag doch einiges gesagt und präsentiert wurde.

Nass, wirklich nass
Der Niederrhein gehört naturkatastrophal zu den sichersten Gegenden der Welt: Alle zehn Jahre ein Erdbeben das grade mal ein paar Ming-Vasen zerdeppert, alle fünf Jahre ein kleiner Tornado draussen auf dem Feld, keine Sturmfluten, keine Dürren, keine großen Waldbrände und auch die Überschwemmungen, die man nahebei in Düsseldorf bis zur Jahrtausendwende jährlich vom Rhein kannte, gab es hier mangels großem Fluss nicht. Schlimmstenfalls kommen im Winter ein paar Busse zu spät, weil Schnee liegt.
Das hat sich in den letzten Jahren geändert: Die Vorsommersaison April/Mai bringt regelmäßig Hochwasser in die Region. Mönchengladbach ist sogar so groß, dass es jedes Jahr irgendwo auf seinem gelände 1-2 schwere Hochwässer hat. Als technisch nicht beherrschbar (weil die Kanalkapazitäten nicht zur Verfügung gestellt werden können ohne die ganze Stadt umzubauen) galten in den letzten zwei Jahren ein Starkregenereignis in Mönchengladbach 2008 und eines in Tönisvorst 2009 – Überschwemmungen gab es erheblich mehr.
Die gesamte Regenmenge liegt seit nunmehr 10 Jahren beständig über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts. Es ist weiterhin damit zu rechnen, dass es mindestens einmal im Jahr irgendwo in der Region zu Starkregen kommt, Überschwemmungen werden etwas sein, mit dem man sich in den nächsten ein-zwei Jahrzehnten langsam arrangieren muss.

Hochwasser 2008 in MG
Mönchengladbach im Mai 2008
Bildquelle: Polizei MG

2°C, wir kommen!
Und jetzt ratet mal, wie weit sich die Jahresdurchschnittstemperatur im Einzugsgebiet der Niers (Quelle bis niederländische Grenze) seit 1961 erhöht hat? Um ziemlich genau 1°C.
Zur Erinnerung: In Kopenhagen soll die Erwärmung auf 2°C begrenzt werden. Der Maßstab (2°C mehr als was?) ist dabei nicht ganz klar, vermutlich aber seit Beginn der Messungen, seit 1900 oder seit Beginn der Industrialisierung. So oder so also ein wesentlich längerer Zeitraum – eine Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur um 2° bedeutet davon ab für den Niederrhein lokal sogar knapp über 3° Erwärmung, wenn das aktuelle Verhältnis Weltschnitt/Lokalschnitt so bleibt.

Kälter
Paradoxerweise hatte es 2008/09 zwei Monate gegeben, die kälter waren als normal: Den Dezember und Januar.
Ob das ein Trend wird, lässt sich noch nicht sagen, aber möglich wäre es, dass die steigenden Durchschnittstemperaturen sich auch in krasseren Temperaturkontrasten und somit kälteren Wintern äussern.

Gesamtbild
Setzt sich das Bild der letzten Jahre im Einklang mit dem Klimawandel fort, erhält der Niederrhein ein bis 2050 im Vergleich zu heute um 2° wärmeres Klima (zuzüglich der bereits geschehenen 1°C).
Das Wetter ist überaus unbeständig mit häufigen Regenfällen. Überschwemmungen sind vor allem in den Städten etwa zweimal im Jahr normal. Die im Gebiet entspringenden Flüsse (Niers, Schwalm) werden vom vielen Regen gespeist deutlich wachsen. Dies und die häufigen Überschwemmungen führen dazu, dass Wohngebiete an den Flussufern und nahe regelmäßigen Überschwemmungsschwerpunkten unattraktiv und eventuell aufgegeben werden. Schon jetzt haben Anwohnern von Risikostellen Hochwasserschütze eingerichtet.
Die Kosten für die Städte, die vermehrten Überschwemmungen zu vermeiden, sind nicht erbringbar – was erbringbar und technisch leistbar ist wird teuer, sehr teuer.


Deutsche Klimapolitik anno 2009

Deutschland ist klimapolitisch ein seltsamer Ort. International als Beispielland im Umweltschutz bekannt (Stichwort Mülltrennung) ist es offenbar im Zugzwang, diese Position zu halten und bietet seltsame Auswüchse. In einem Land, in dem der Umwelt Unweltminister ernsthaft den Bau neuer Kohlekraftwerke fördert, die zwar weniger Dreck machen als die alten, bei denen das aber auch nicht grade ein Kunststück ist, sieht die Klimapolitik halt überaus seltsam aus.

Primus im Mistbauen ist hierbei die deutsche Autoindustrie.
In Deutschland, einem der größten Autoländer der Welt, ist die Kraftfahrzeuglobby verständlicherweise stark – und damit auch die Ölindustrie, welche zu 95% an sie gekoppelt ist (die übrigen 5% sind Kunststoffhersteller).
Nun tut so eine Lobby vor allem eines gerne: Behaupten ohne tatsächlich etwas tun zu müssen. Und da man gleichzeitig die Ölindustrie mitvertritt, stellt man abenteuerliche Behauptungen über Sparsamkeit und Schadstoffausstoß auf und kann gleichzeitig die dreckigste Automobilflotte der Welt herstellen.
Und wenn dann doch mal Konkurrenz aus dem Ausland kommt, wo tatsächlich klima- und spritschonende Autos hergestellt werden, lässt man sich den Markteinbruch durch eine Abwrackprämie finanzieren (die übrigens komplett in die Hose gegangen ist).
Unterdessen stellt man Konzepte von vorgestern vor: Wasserstoffautos und solche mit fest verbauten Akkus, die man stundenlang ans Netz hängen muss um zu tanken.
Fröhlich mit dabei ist RWE, die allen Ernstes ein Energietankstellennetz aufbauen wollen – mit Tankzeiten von „grade mal“ drei Stunden!
Unterdessen haben sich Peugeot, Renault und Citroën zusammengetan, um ein System aufzubauen, bei dem einfach die Akkus ausgetauscht werden. „Tankzeit“: unter 2 Minuten. Aber dermaßen einfache und kundenfreundliche Lösungen könnten der Technik ja zum Durchbruch verhelfen – das will man in der Ölindustrie natürlich nicht.
Wenn dann die Politik hingeht und Deutschland zum „Weltführer in der Elektromobilität“ erklären will, kann ich mich nicht zwischen lachen und weinen entscheiden. Da können wir auch gleich versuchen, Weltführer in taiwanesischer Literaturwissenschaft zu werden, unsere Startbedingungen sind in diesem Sektor ähnlich gut.

Es ist mühsam, die ganze Dummheit deutscher Klimapolitik zu dokumentieren, die von Leuten betrieben wird, die offenbar nicht die geringste Ahnung davon haben oder aber sich dieser Ahnung gegenüber verweigern. Angesichts von grünfärberischen Spielereien wie CCS und Desertec wird offenbar, dass hier einzelne Wirtschaftszweige versuchen, mit hahnebüchenen Behauptungen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen – teils noch nichtmal böswillig.
Jahrzehntelang eintrainierte Überzeugungen, wie sie etwa in der Energiewirtschaft üblich sind, legt man halt nicht einfach so ab.

Veranstaltungstipp am Rande
Achja, wer heute abend ab 19:30 Zeit hat, dem empfehle ich eine Veranstaltung des Gladbacher Arbeitskreises Energie der Grünen über eine Möglichkeit, andere Leute in die Vorstände der Energiekonzerne zu bekommen: Genossenschaftlicher Stromeinkauf.
Es referiert Walter Päsch von der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr eG in der Kreisgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen (Brandneberger Straße 36).
Es ist nicht direkt das Thema dieses beitrags, aber verwandt und fiel mir grade beim Schreiben ein.


Ein Preis fürs Grünfärben

Grünfärben (neudeutsch: Greenwashing) nennt man es, wenn Konzerne sich einen grünen Anstrich geben, den sie in Wirklichkeit so nicht haben. Energie- und Autokonzerne machen das regelmäßig, wie man beim Klima-Lügendetektor verfolgen kann, aber alle 10 Jahre beispielsweise auch McDonalds.

Neu ist ein Preis für den unverschämtesten Grünfärber – für den man hier abstimmen kann.
Mein Favorit ist übrigens Vattenfall, die zu dne treibenden Kräften bei dem Versuch gehören, Atomkraftwerke als Klimaschutz zu verkaufen.

Die Seite gibt es leider nur in englisch und dänisch, aber immehrin lernt man so was: Freitag heisst auf dänisch Lørdag. Noch ein paar Jahre im Internet und ich kann jede Sprache aus zufällig gesammelten Fetzen zusammenlernen.


Ohne Worte

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30224/1.html