Less Litter Lifestyle 3: Limonade

Die ganze Serie

Das Wetter ist heute ebenso wie schon am Wochenende großartig hier im Rheinland und so bietet sich an, eine Erfrischung vorzustellen.

Drei Flaschen Limonade auf einem Tisch im Park

Limo selbstgemacht, der Park war zum Glück schon fertig da

Das englische Wort „soda“ hat im Deutschen zwei mögliche Übersetzungen: Natron und Limonade (oder auch allgemein Sprudelgetränk). Das hat seinen Grund. Bevor Limonade mit komprimiertem CO2 hergestellt wurde, wie wir das heute kennen, verwendete man Natron, um den Sprudel ins Getränk zu bekommen.
Und weil das mit Zitrusfrüchten besser geht als mit anderen, ist es im Deutschen auch Limonade.
Nun muss ich gleich vorab sagen: Das Getränk unterscheidet sich schon deutlich von Limonade in Flaschen. Es sprudelt nicht lange und erinnert vom Mundgefühl her eher an Ahoj-Brause. Auch diese beruht auf dem selben Prinzip: Trifft Natron auf eine Säure, zerstören die Säure und das Natron sich gegenseitig, wobei CO2 entsteht — es sprudelt. Das ist zwar ungeeignet, um Limonade für das Abfüllen in Flaschen herzustellen, aber für eine schnelle Erfrischung ist es ideal.

Hier habe ich im Grunde zwei Rezepte erfolgreich ausprobiert – eines unter dem Namen „Omas Erfrischung“, das andere in den Varianten Zitrone und Limette in den praktischen Henkelgläsern oben im Bild. Ich mag die Henkelgläser.

Es sprudelt: Zitrusfruchtlimos mit Natron

Limo aus drei Zutaten (plus Wasser)

Und hier das praktisch betxtete Bild zum Weiterteilen des Artikels

Die meisten Rezepte im Netz kommen mir sehr dünn und wässrig vor, deshalb habe ich die Menge Saft etwas erhöht, bis es mir schmeckte. Einfach ein wenig die Mengen variieren, jeder Geschmackssinn ist anders. Es hat mit Zitronen und Limetten hervorragend funktioniert, aber auch andere Zitrusfrüchte müssten ohne Zugabe von zusätzlicher Säure gehen.

Man gebe in dieser Reihenfolge in eine Flasche oder ein großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • Saft einer Zitrone oder Limette (bzw. 4 EL purer Saft aus der Flasche)
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Natron

Sobald das Natron zugegeben wird, beginnt das Gebräu, stark zu schäumen. Sobald der Schaum anfängt zurückzugehen, kann es getrunken werden. Da das Sprudeln keine halbe Stunde hält, würde ich es immer frisch und portionsweise zubereiten.

Erst nach dem Sprudeln trinkbar: Omas Erfrischung

Okay, das war im ersten Moment eine unangenehme Erfahrung: Omas Erfrischung ist im Grunde Essiglimonade. Mir haben einige Leute bestätigt, dass das keine Erfindung der verlinkten Seite ist. Das Prinzip ist ähnlich den obigen Limos und sie ist wohl eine der Urgroßmütter unserer heutigen Limonaden. Und immerhin, ist das Sprudeln einmal abgeklungen, ist das Ergebnis ganz trinkbar. Nicht vom vag chemischen Geruch der Essigessenz abschrecken lassen.
Allerdings nicht mit der geringen Menge an Wasser und Natron, die das Originalrezept angibt.

Es kommen nacheinander in eine Flasche oder großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • 2 TL Braune Essig-Essenz
  • 2TL Zucker
  • 1 TL Natron

Dieses Getränk wird weniger stark schäumen als die Limonade, aber dennoch sichtbar reagieren. Erst trinken, wenn sich das Natron aufgelöst hat, dann ist der starke Essiggeschmack zu einem trinkbaren Aroma reduziert.
Im Bild oben ist das Getränk klar, das liegt aber daran, dass ich nur klare Essigessenz bekommen habe. Mit brauner Essenz ist es entsprechend eingefärbt.

Müllvermeidung

Selbst wer seine Limonade bereits selber macht, spart auf diese Weise die Patronen ein, die ein Sprudelautomat im Betrieb verbraucht. De Menge an Getränken, die man so sprudeln lassen kann, ist natürlich beschränkt, denn wir brauchen als Grundlage Säuren. Dieses Problem werden wir nächste Woche lösen, wenn wir auf der selben Grundlage in jeder nur denkbaren Geschmacksrichtung Brausepulver machen.


Less Litter Lifestyle 2: Ingwer

Die ganze Serie

Ingwer-Pflanze an einer Mauer

Fürs Foto darf er auch mal raus

Kurze Mitteilung vorab: Ab sofort sind alle Beiträge dieser Reihe untereinander direkt vernetzt. Einfach aus dem Auswahlfeld „Die ganze Serie“ unter der Überschrift den gesuchten Artikel rauspicken, draufklicken, fertig.
Und nun zum eigentlichen Artikel.

Nicht alle tropischen Gewürze lassen sich einfach im Haus anbauen. Vanille zum Beispiel ist eine mehrere Meter hohe kletternde Orchidee mit intensivem Duft. Einige andere dagegen sind extrem einfach. Und um eine solch einfache Gewürzpflanze der Tropen geht es heute.
Ingwer ist eine sich weltweit immer größerer Beliebtheit erfreuende Pflanze aus Asien, die vor allem für ihr scharfes Rhyzom bekannt ist, das geraspelt verarbeitet wird. Die Zahl der verfügbaren Rezepte ist groß und vielfältig, aber auch als Heilmittel (magenberuhigend und von Innen infektionshemmend) ist er beliebt. Und Ingwer ist eine sehr pflegeleichte Zimmerpflanze.

Anzucht und Pflege

Ingwer zählt zu jenen Pflanzen, die man nicht teuer im Gartengeschäft erwerben muss. Im Gegenzug erfordert er allerdings etwas Geduld. Wir brauchen:

  • 1 Ingwerknolle, unbeschädigt und nicht verschrumpelt
  • Lockere Blumenerde
  • 1 großen Blumentopf

Das Prinzip ist sehr einfach: Knolle vom Gemüsehändler mit den Triebspitzen nach oben in die Erde, gut bedecken, regelmäßig gießen (etwa alle 2-3 Tage ist für Ingwer gut, zuviel Wasser dagegen behagt ihr gar nicht) und nach etwa einem Monat kommen die ersten Triebe, die einen bis anderthalb Meter hoch werden. Die Pflanze oben im Bild wurde im April gepflanzt und hat am ersten Augustwochenende mit dem älteren Trieb eine Höhe von 1,10 Metern erreicht. Wenn man das Rhyzom vor dem Einpflanzen über Nacht in Wasser legt, soll es in der Hälfte der Zeit gehen, das habe ich aber nicht ausprobiert.
Die Pflanze kommt gut an einem hellen Standort, der nicht im direkten Sonnenlicht ist. Als tropische Pflanze braucht Ingwer einen Standort im Haus, draussen benötigt er dauerhaft Temperaturen über 20°C. Die Erde sollte locker sein, bei mir ist es Kokoserde (ein Abfallprodukt aus dem Kokosnussanbau).
Eigentlich sind wir jetzt im August reichlich spät für Ingwer, da er im November in die Winterruhe geht, aber genug Zeit, damit die Wurzel wenigstens ein bisschen wächst, bevor das passiert, sollte noch sein. Ansonsten: Beitrag für März/April vormerken.

Ernte

Wenn die Pflanze im September-November in Winterruhe geht, welken die Blätter und die Pflanze zieht sich in die Wurzel zurück. Jetzt das Gießen stark zurückstellen. Im November kann dann geerntet werden, wozu man die ganze Pflanze aus der Erde zieht und dann Triebe udn Wurzeln vom Rhyzom entfernt. Das Rhyzom kann jetzt in große Stücke getrennt werden, die entweder als Gewürz Verwendung finden (für lange Haltbarkeit in Scheiben geschnitten trocknen) oder bis zum nächsten März in einem dunklen und kühlen (aber frostsicheren) Raum aufbewahrt werden, um dann eine neue Ingwerpflanze und damit neue Ingwerwurzeln zu erhalten.
Wem eine Pflanze zu wenig Ingwer bringt, der kann aus dem Rhyzom jetzt auch weitere Pflanzen erhalten. Dazu braucht es ein nicht zu kleines Stück Ingwerwurzel mit einer Triebspitze. Die Pflanze blüht zwar auch, aber die von tropischen Vögeln bestäubten Ingwerblüten werden bei uns nicht befruchtet, auf Samen braucht man also nicht spekulieren. Allerdings sind die nur wenige Tage stehenden Blüten sehr schön und anders als bei anderen Gewürzpflanzen, wie etwa Minze, kann man die Blüte ruhig gewähren lassen, sie mindert nicht das Aroma.
Wir werden unsere Ingwerwurzel, ob nun eine gekaufte oder sogar schon eine eigens angebaute, in dieser Serie übrigens noch ein-zweimal als Zutat sehen.

Müllvermeidung

Klare Sache: Das ganze Projekt erzeugt praktisch gar keinen Abfall, vielleicht noch eine Tüte, wenn man den Ingwer unnötigerweise eingepackt bekommen haben sollte. Hinzu kommt die etwaige Verpackung der Erde.
Theoretisch kann man mit dem eigenen Ingwer den Abfall sogar noch stärker reduzieren als wenn man unverpackten Ingwer vom Bioladen kauft. Wie? Nun, auch die Blätter des Ingwer sind essbar und würzig, sie können in Streifen geschnitten in Suppen oder Salaten verwendet werden.

Nächste Woche

Was nächste Woce kommt, mache ich ein wetterabhängig, ich hab da zwei Optionen. Sonnig und warm gibt es eine Erfrischung, bei Regenwetter wird gehandwerkt.


Less Litter Lifestyle 1: Zahnpasta

Die ganze Serie

Zahnpasta im Glas im Bad

Auch die Bilder werden hier manchmal recycelt

So, wie heute morgen schon angekündigt geht es nun mit der Zahnpasta los. Die war ja schon im Juli in diesem Blog zu finden, aber diesmal kommen noch ein paar Erfahrungen hinzu. Und sie bekommt ihren ganz eigenen Beitrag mit mehr Informationen und Eyecatcher-Version des Artikelbildes. Ja, das ist eine Miniversion des Blogdesigns, wie es auch im geplanten Youtube-Kanal Verwendung finden wird.
Aber genug davon, zum eigentlichen Sinn des Beitrags: Selbst gemachte Zahnpasta.

Zahnpasta ist ein zentrales Produkt jedes Haushaltes, das recht viel Müll macht. Im Verhältnis zum Inhalt sind die Tuben nicht wenig und wirklich wiederverwertbar sind sie eigentlich auch nicht, weil sie schwer zu reinigen sind. Wahrscheinlich landen Zahnpastatuben trotz des Grünen Punktes nahezu komplett in der Verbrennung. Also die unschönste Variante von Altagsabfall, ausser vielleicht Batterien.
Es gibt verschiedene Ansätze für Ersatz, aber Zahnpulver, Dentaltabs, Salz und das Kauen auf Miswak-Zweigen sind einfach zu unkonventionell, um sie Einsteigern zu empfehlen. Wir wollen ja nah an dem bleiben, was die Leute kennen.
Die Zahnpasta auf Kokosöl-Basis unterscheidet sich auch von herkömmlicher Zahnpasta, aber die Anwendung ist praktisch identisch. Sie schäumt halt nicht, sondern schmilzt im Mund zu einem Öl, das im Geschmack süß (ohne das Xylitol salzig) mit einer Note des eingesetzten ätherischen Öls ist.
Die Zutaten gibt es in Großpackungen in gut sortierten Drogerien. Nur Xylitol muss man möglicherweise etwas länger suchen, einzelne Drogerien haben aber auch diesen erhältlich.

Die Zusammenstellung ist eine Mischung aus unterschiedlichen Rezepten für Kokosöl-Zahnpasta nach ausgiebiger Prüfung der Zutaten und was die Medizin über ihre Wirkung zu sagen hat. Ein paar Zutaten sind dabei rausgeflogen.
Die manchmal empfohlene Mineralerde scheuert zu stark und kann die Zähne schädigen. Das Natron erfüllt ihre Aufgaben weniger aggressiv.
Kalzium-Magnesium-Pulver hat bei mir schlichtweg nicht funktioniert. Zum einen habe ich keines bekommen, sodass ich entsprechende Tabletten im Mörser zerstoßen habe. Das Ergebnis löste sich größtenteils nicht im Kokosöl und machte die ganze Mischung zu fest.

Rezept

Zutaten

  • 3 EL Kokosöl
  • 1½ EL Xylit
  • 1 EL Natron
  • ca. 10 Tropfen ätherisches Öl (eine Minze oder Zitrusfrucht)
  • etwas helles Sesamöl (optional)

Herstellung
Das Kokosöl ist unser Träger. Als erstes müssen wir das bei Zimmertemperatur feste Kokosöl verflüssigen. Das ist recht einfach, da Kokosöl bereits bei 26-29°C schmilzt, es reicht also, das Glas in die Mittagssonne oder warmes Wasser zu stellen.
Die festen Zutaten und das ätherische Öl können dann einfach eingerührt werden.
Sollte das Ergebnis nach dem Abkühlen zu fest erscheinen, kann man helles Sesamöl (kein dunkles, da es einen starken Eigengeschmack hat) zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Anwendung

Mit einem Löffelchen o.ä. auf die Zahnbürste geben. Diese Paste schäumt nicht wie gekaufte Zahnpasta, daher reicht hier keine erbsengroße Menge, sondern etwa doppelt so viel. Im Gegenzug ist deutlich weniger Ausspülen nach dem Zähneputzen nötig.
Kokosöl schmilzt relativ schnell, bei mir sind im Sommer 2016 sowohl reines Öl als auch die Zahnpasta bei 28°C vollkommen flüssig geworden.

Wirkung

Kokosöl oder Kokosfett ist ein sehr wertvolles Öl, welches in vielen Kosmetika und Lebensmitteln verwendet werden kann. Sein Schmelzpunkt oberhalb der Raum- und unterhalb der Körpertemperatur macht es für unseren Zweck fast ideal. Daneben gibt es auch Studien, die Kokosöl eine positive Wirkung auf Karies bescheinigen. Kokosöl wirkt direkt antibakteriell.
Xylit, auch als Xylitol, Birkenzucker oder unter dem Handelsnamen Xucker bekannt, ist normalerweise eine Süßstoff. Bereits seit den 1970ern wurde wiederholt nachgewiesen, dass Xylit bei der Bekämpfung von Karies helfen kann. Plaque-Bakterien halten ihn für Zucker und nehmen ihn auf, können ihn jedoch anschließend nicht verdauen, wodurch sie ausgehungert werden. Aber Achtung: Hunden kein Xylit geben, für die ist es anders als für Menschen giftig.
Eine wichtige Wirkung von Natron ist das Neutralisieren von Säuren. Im Kern sind es nicht die Bakterien, die unsere Zähne schädigen, sondern die von ihnen ausgeschiedenen Säuren, wenn sie Zucker fressen. Natron hilft, diese Säuren zu bekämpfen. Hinzu kommt, dass es ein leicht scheuert, was das Entfernen von Ablagerungen an den Zähnen erleichtert. Handelsübliche Zahnpasta setzt zu genau diesem Zweck häufig mikroskopische Plastikkügelchen ein, die stark in der Kritik stehen.
Unter den ätherischen Ölen sind es vor allem jene der Minzen und Zitrusfrüchte, die den Speichelfluss fördern. Speichel ist die natürliche Waffe des Körpers gegen Keime und Säuren im Mundraum, ausserdem fördert er die Verdauung.

Müllvermeidung

Alle Bestandteile sind in Großverpackungen erhältlich, wobei das bei ätherischen Ölen Fläschchen von 10 ml sind. Ätherische Öle setzt man allerdings auch nur tröpfchenweise ein.
Damit sind sie nicht müllfrei, aber die Menge an Abfall ist deutlich niedriger als bei gekaufter Zahnpasta. Zudem ist diese Mischung so gesund, man kann sie theoretisch essen. Alle Zutaten sind extrem lange haltbar und lassen sich für verschiedenste Zwecke verwenden — sie werden uns in dieser Serie entsprechend alle wieder begegnen.

Nächste Woche begrünen wir dann unsere Fensterbänke mit einer weiteren überaus gesunden Zutat. Und das sogar komplett ohne Abfall!