Samstägliche Sechs 01.10.2016

Jede Woche Freitag oder Samstag, je nachdem, wann es zeitlich klappt, die fünf beziehungsweise samstags sechs Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche: Dinge für Dinge!

1. Paris für Fußgänger

Anders als die meisten Reisebroschüren finde ich Paris nicht sonderlich schön. Zuviel Beton, zuviele Straßen, zuviele Autos. Nun, auch die Bürgermeisterin von Paris hält letzteres für ein Problem und nun ist die Stadt auf dem Weg, das rechte Ufer der Seine für Autos zu sperren und statt der Straße eine Flaniermeile einzurichten. Damit sähe Paris dann deutlich mehr so aus, wie man sich das als Tourist vorstellt.

Paris ohne Autos am rechten Seine-Ufer Derzeit ist da eine große, regelmäßig verstopfte Straße - BIld: Stadt Paris

Paris ohne Autos am rechten Seine-Ufer Derzeit ist da eine große, regelmäßig verstopfte Straße – Bild: Stadt Paris

2. Polizei für Banksy

Aus der beliebten reihe „hihi“ - Bild: Facebook/Red & Black Anarchists

Aus der beliebten Reihe „hihi“ – Bild: Facebook/Red & Black Anarchists

3. Wasserstoff für Flugzeuge

Ich bin noch nicht überzeugt, dass es eine gute Idee ist, CO2-Abgase durch H2O-Abgase zu ersetzen, denn auch heisser Wasserdampf wirkt auf das Klima alles andere als normalisierend. Aber die Technik steckt noch so weit in den Kinderschuhen, man hat wohl genug Zeit, die Wirkung von zusätzlichem Wasserdampf als Treibhausgas zu untersuchen. Vielleicht ist die Menge ja relativ zur Gesamtwassermenge gering genug, dass es egal ist.
Grundsätzlich öffnet ein Wasserstoffflugzeug aber auch den Weg zu anderen Möglichkeit, etwa einem vollelektrischen Flug. Also darf es definitiv in die guten Nachrichten der Woche, dass in Stuttgart der erfolgreiche Testflug eines Wasserstofffliegers gelungen ist.

4. Albtraum für Scheuer

CSU-Generalsekretär Scheuer machte sich letzte Woche mit der Aussage unbeliebt, man handele sich durch die Flüchtlingsaufnahme Leute wie einen „ministrierenden Fußballspieler aus Senegal“ ein, die man nicht mehr „loskriege“. Warum man solche Leute wieder los werden wollte, bleibt ohnehin auf ewig Scheuers Geheimnis.
Nun, in einem seltenen Akt von Journalismus wurde der ministrierenden Fußballspieler aus Senegal tatsächlich gefunden. Adolphe Diop ist gradezu ein Musterbeispiel für gelungene Integration aus Bad Soden im Taunus.

5. Streicheln für Esel

Ebenfalls letzte Woche ging in Mönchengladbach die Nachricht um, dass Unbekannte die neu aufgestellten bronzenen Esel auf dem Sonnenhausplatz beschädigt hatten. Diese wurden inzwischen repariert und gestern abend durfte ich eine ungewöhnliche Beobachtung machen: Leute gingen zu den Eseln und streichelten sie über den reparierten Schwanz. Irgendwie süß.

6. Fahrrad für Paddler

Das Autocanoe, trotz des Namens eher ein amphibisches Tretboot - Bild: Autocanoe

Das Autocanoe, trotz des Namens eher ein amphibisches Tretboot – Bild: Autocanoe


Flughafen für Überflieger

Der gerne Flughafen genannte Verkehrslandeplatz Mönchengladbach ist nun schon seit einiger Zeit ein Flughafen für Überflieger – sprich, da fliegt man höchstens drüber hinweg, Grund zum Landen hat man hier in der Regel nicht.
Zuviele besser frequentierte und angebundene Flughäfen gibt es in der Umgebung – von Düsseldorf, Maastricht und Köln/Bonn bis Dortmund/Unna ist die Versorgung mit Landeplätzen für kommerzielle Flüge hervorragend. Von der restlichen niederländischen Seite ganz zu schweigen.

Die Sport- und Segelflieger haben ihren eigenen Flugplatz bei Wanlo.
Doch wer sich auf der Webseite des Flughafens umschaut, der sieht schnell: Es gibt hier praktisch keine Flüge mehr im Plan. Niemand braucht diesen Flughafen als Landeplatz. Dass Düsseldorf den tiefrot bilanzierenden Flughafen nun aufgibt während die Ampel bereits im Koalitionsvertrag sagt, dass die Stadt keine weiten Millionen in die Anlage pumpen wird, ist folgerichtig und vernünftig. Es kann nicht Aufgabe sein, einen unnötigen Flugplatz künstlich am Leben zu erhalten, nur wiel da Jobs dranhängen – denn diese Jobs sind nicht zukunftsfähig.
Statt dessen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, aus dem Gelände etwas neues zu machen, neue Jobs zu schaffen, die den Verlust der alten auffangen. Auf lange Sicht ist das sinnvoller als einen Flughafen weiterzubetreiben, der womöglich noch – ähnlich dem Steinkohlebergbau – Leute ausbildet, die dann später nicht mehr gebraucht werden (Arbeitslosigkeit als Ausbildungsberuf also). Wie die Rheinische Post auf 400 bedrohte Arbeitsplätze kommt ist zwar deren Geheimnis, aber natürlich sind es einige.
Nur, wie gesagt: Dieses problem zu verschleppen hilft niemandem, sondern richtet nur noch mehr Schaden an.
Auf den teilweise sachlich falschen Blödsinn des Fördervereins geh ich gar nicht weiter ein.

Nein, jetzt geht es um Pläne für das Danach.
Hier ist meiner:
OB Bude möchte bekanntlich gerne ein Logistikzentrum im ehemaligen JHQ einrichten. Das ist zwar ganz nett, aber für das JHQ gibt es bessere und attraktivere Nutzungen, allen voran ank seiner Nachbarschaft zum Hardter Wald in Fremdenverkehr und Naherholung. Wir sollten dieses attraktive Gelände nicht dergestalt verschwenden.
Aber: Das bald wohl ehemalige Flughafengelände ist für eine solche Ansiedlung nicht nur geografisch gut geeignet (guter Anschluss zu Eisen- und Autobahn), es verfügt auch dank des langjährigen Vorhandenseins eines Flughafens über eine entsprechende Infrastruktur für Großlogistik, die neu anzusiedelnde Logistikunternehmen direkt nutzen könnten. Was gegenüber der entsprechenden Herrichtung des großenteils veralteten JHQ auch Kosten sparen würde.

Also: Aufhören, über das Ende des Flughafens zu lamentieren, Ärmel hoch und Pläne für die Zeit nach dem Flughafen aus den Schubladen geholt.
Und ab 2011 wird aus dem dann wahrscheinlich verwaisten Gelände was gemacht.


Zeitplan für den Pedalhelikopter, Phase 1

Erfolgreiche Projekte brauchen einen Zeitplan und darin festgelegte Voraberfolge, um zu funktionieren: So kann man früh Fehler entdecken und korrigieren und sich andererseits bei Erfolgen motivieren.
Der motorlose Helikopter ist mein größtes Projekt und mir fiel auf, dass dafür etliche Daten gesammelt werdne müssen, bis das eigentliche Projekt gebaut werden kann. Daher und damit Leser wissen, wann sie mit weiteren Infos zu dem Projekt rechnen können ein erster Fahrplan zur Phase I, Datensammeln und Teiltests:

Leistungsmessung/Training beim Piloten (mir): ab sofort, kontinuierlich, Mesungen bis November 2009 abgeschlossen
Materialermittlung/Rotorentwurf: Dezember 2009
Konstruktionsbeginn Testrotor: Frühjahr 2010
Hubkraftmessung Testrotor: Sommer 2010

Ziel dieser Phase ist es, die Erfolgschancen des aktuell favorisierten Entwurfs zu ermitteln. Dafür sind die Leistungsdaten wichtig: Wie viel Kraft kann ich als Pilot in das System einspeisen, wie lange halte ich die Maximalbelastung durch und wie viel Gewicht kann der Rotor als Antriebsteil mit dieser Leistung heben?
Daraus ergeben sich dann die benötigte Rotorspanne, Rotorblattmaße, Anzahl der Rotoren (bis zu 4), Maximalgewicht des Fluggeräts und damit letztendlich auch die Maße des Hubschraubers.
Bei den Pilotenmessungen geht es um aufbringbare Kraft (annäherungsweise messbar an der Geschwindigkeit beim Radfahren) und maximale Geschwindigkeit der Beinmuskulatur (Eingangs-u/min).

Daraus folgt dann die Entscheidung, ob das Gesamtvehikel aussichtsreich ist und gebaut wird, oder ob es noch weiterer Verfeinerungen, etwa im Rotordesign, bedarf.
Für mich persönlich gibt es auch einen Mindeststandart, um es weiter zu versuchen: Ich will 2010 die Goldstufe des Deutschen Radsportabzeichens erreichen. Die Anforderungen sind nach kurzer Durchsicht durchaus erreichbar. Das ist ein wichtiger Meilenstein bei der Frage, ob ich genug Leistung in das System einspeisen kann um überehaupt Erfolgsaussichten zu haben. Ausserdem ist es nochmal eine zusätzliche Trainingsmotivation.

(Fortschritte seit dem letzten Beitrag: verändertes Antriebskonzept für die Maple Nut, Konzeptoptimierung für Rotoraufhängung und Kraftübertragung, erstes Konzept für die Lenkungssteuerung, stabileres Rotorblattkonzept, mehrere alternative Rotorenmuster für die Maple Nut erstellt)


Projekte, Projekte

Die letzten tage gab es zwei neue Wettbewerbsausschreibungen, an denen ich entschieden habe, mich zu versuchen. Und damit da noch mehr gute und kreative Ideen von noch mehr Leuten einfließen, stelle ich die auch hier vor, da ich die Wettbewerbe selbst für gut halte.

Visions of a Village Contest
Die Herausforderung hier ist es, auf einem DIN-A4-Blatt eine Vision eines neuen Dorfes zu entwickeln, welches durch neue Ansätze Low- und High-Tech zu einem nachhaltigen Lebenskonzept einer Gemeinschaft vereinigt.
Verlangt wird ein ausreichend detailiertes Konzept, um das Projekt später umsetzen zu können.

Preis: 1 x 2.500 €, 2 x 1.250 €
Einsendeschluss: 23. September
Mehr Infos: clear-village.org
Status: Idee soweit fertig, ich muss das nur alles als grafische Darstellung auf eine A4-Seite kriegen
Hoffnung: Anstoß für die Aufnahme neuer Konzepte in die Architektur. Mir persönlich geht es dabei um die enge Verknüpfung von natürlichem und menschengemachtem Raum.
Mehr dazu: Die eingereichten Konzepte sind geheimzuhalten, bis Clear Village sie freigibt. Ist das geschehen, gibt es sofort mehr Infos hier. Oder wenn ich es nicht schaffen sollte, das Konzept rechtzeitig einzureichen.

Igor I. Sikorsky Human Powered Helicopter Competition
Seit mittlerweile 30 Jahren ungelöst: Wie baut man einen Helikopter, der allein mit menschlicher Kraft fliegt. Der Traumm dahinter ist sogar noch älter – Kurd Laßwitz träumte ihn bereits in den 1880er Jahren.
Der Gewinner des Wettbewerbs muss für mindestens 60 Sekunden in einer Höhe von mindestens 3 Metern fliegen und darf dabei einen Raum von 10×10 Metern nicht verlassen.
Der bisherige Weltrekord bei einem menschengetriebenen Helikopter sind 20 Zentimeter für 19,46 Sekunden. Bisher sind nur zwei solche Geräte abgehoben: Die Da Vinci III aus Kalifornien und die Yuki I aus Japan:

Da Vinci III

Ausserdem findet man bei Youtube einige Maschinen, die nicht abgehoben sind.
Die Tatsache, dass diese beiden Maschinen aber doch abgehoben haben, ist faszinierend. Vor allem die Da Vinci III erscheint mir relativ ineffizient ( offene Luftschrauben sind keine guten Antriebe), daher sollte da noch einiges mehr drin sein. Dennoch: Alleine ein Fluggerät, welches ebenfalls 20 Sekunden in der Luft bleibt zu bauen, dürfte eine große Herausforderung sein – hauptsächlich wegen des Gewichts der Maschine selber.
Allerdings gibt es inzwischen ja regulär pedalgetriebene Luftkissenboote – ein Helikopter wäre das der nächste Schritt. Ebenfalls schon gebaut wurden seit den 1980ern drei pedalgetriebene Zepelline.

Preis: 250.000 US$ für den ersten Menschen, der es schafft
Wettbewerbsschluss: offen
Mehr Infos: Vertical Flight Society
Status: Designphase – ich verfolge aktuell zwei Konzepte. Eines (das Rotopéde) verbessert die Da Vinci III, eines (die Maple Nut) sieht komplett anders aus als die beiden bereits geflogenen Fahrzeuge uns setzt auf extrem simple Technik.
Hoffnung: Ich glaube nicht, dass ich so ein Gefährt jemals eine ganze Minute in der Luft halten können werde – aber schon etwas zu bauen, was überhaupt abhebt (und sei es nur eine Sekunde), ist eine große Herausforderung von der ich glaube, dass ich viel Spass an ihr haben werde.
Mehr dazu: Das hängt von der Entwicklung ab. Auf jeden Fall werde ich mehr dazu schreiben, sobald das Projekt die bloße Designphase verlässt oder diese abgeschlossen ist. Es kann ein-zwei Jahre dauern, bis erste Experimente (motorisierte Modelle) zur Umsetzung vorzeigbar sind.