Sieben am Sonntag 28.05.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Literarische Einflüsse zu identifizieren ist entgegen der Behauptungen so mancher Germanisten und Konsorten ein nahezu unmögliches Unterfangen, wenn es nicht um die ganz großen Muster kultureller Entwicklung geht. Praktisch alle von uns sind ständig kulturellen Einflüssen ausgesetzt. Darunter sind eben nicht nur die großen, bekannten Namen, sondern auch ein ständiger Strom von obskur bleibendem Material, welches zufällig grade jene Künstler erreichte, welche es dann beeinflusste.
Ich habe diese Woche erstmals eine Kurzgeschichte an einen professionell zahlenden englischsprachigen Markt geschickt. Ob sie die Geschichte zur Veröffentlichung kaufen, werden wir dann sehen. Zuvor hatte ich sie bereits in einem Wettbewerb eingereicht, den sie aber nicht gewann.
Heute aber fiel mir spontan die wahrscheinliche Inspiration der Geschichte auf. Obwohl nicht Steampunk, sondern pure Science Fiction, fand ich doch eine stare Verbindung zu The Doctor’s Wife von The Clockwork Quartet. Und während ich die Geschichte momentan nicht veröffentlichen kann, weil ich sie ja noch an eine Zeitschrift oder eine Webseite verkaufen will, kann ich durchaus diese kleine Ballade hier einstellen. Vielleicht inspiriert sie ja weiteres.

Buch der Woche

Karsten Schuldt hat sich in wissenschaftlicher Form mit der Frage beschäftigt, was Bibliotheken im Umgang mit Armut tun können, was sie tun und wie arme Menschen Bibliotheken nutzen oder nutzen können. Was ursprünglich als Habilitation geplant war, wurde nun zu einer davon unabhängigen Veröffentlichung, die jedem ans Herz gelegt sei, der sich mit dem Thema kulturellen Zugangs bei finanziell schwachen Menschen beschäftigt: Sozialarbeiter, Bibliothekare, Kommunalpolitiker, kulturell aktive und wer sich sonst noch davon angesprochen fühlt. Einige werden sich an die gradezu giftige Diskussion erinnern, die vor einigen Jahren beim Thema Bibliotheksneubau in Mönchengladbach lief. Und ähnliches passiert wohl regelmäßig, wenn Kommunalpolitiker ernsthaft erwägen, Geld in Bibliotheken zu stecken. Aber sich wundenr, dass wir rekordträchtige Zahlen von Schulabgängenr ohne Abschluss haben.
Direkt vom Autor gibt es auch eine Version als PDF-Datei, die dann kostenlos zu haben ist.

Schuldzuweisung der Woche

Sehr geehrte Besucher, aufgrund Ihres hohen Alters ist unsere Leopardin leider gestorben

Schämen Sie sich!

Ich habe keine Ahnung, wo das hängt und wer es zuerst fotografiert hat, denn es schwirrt grade durch Twitter. Der wichtige Punkt ist, dass wir nun endlich wissen, wer schuld war: Sie!

Statue der Woche

Ein nackter Luther protestiert mit Schrift gegen den vergessenen Antisemitismus des Bibelübersetzers

Nicht zu lachen – Bild: Evelin Frerk/Das 11. Gebot

Ich habe ein ernsthaftes Problem mit der diesjährigen Luther-Verehrung. Wer mir länger folgt, wird das mitbekommen haben.
Luther war einer der einflussreichsten Wegbereiter des modernen Antisemitismus. Meinetwegen war er auch Antijudaist, scheisst der Hund drauf. Die Ideengeschichte bleibt die selbe: Luther war brennender Judenfeind. Und dass das praktisch verschwiegen wird, regt mich auf. Nun ist die Reformation sicherlich ein größeres historisches Verdienst als der Bau von ein paar Proto-Autobahnen, dennoch: Sowas kann man nicht einfach verschweigen. Insbesondere nicht bei Leuten, die grade wegen ihrer Weltanschauung bedeutsam geworden sind.
Entsprechend freue ich mich über diese Installation der Gruppe Das 11. Gebot, deren Kernforderung ist, dass der Kirchentag in Berlin gefälligst von der Kirche selbst bezahlt werden soll. Aber bei der ganzen Lutherjahr-Jubelei bleibt nicht aus, dass auch das zu thematisieren ist.
Auf der Rückseite findet sich dann übrigens konkret Luthers Aussage, wie man mit den Juden zu verfahren habe, zu finden in Luthers eher selten in Schulen besprochener Schrift Von den Juden und ihren Lügen.

Dinosaurier der Woche

Fossil eines Nodosaurus nahezu lebensecht erhalten

Wäre ich ein Fossil, ich würde wohl ähnlich dreinschauen – Bild: national Geographic

Dieses absolut beeindruckende Fossil eines Nodosauriers wurde von Bergarbeitern in Kanada gefunden. Nicht nur wurden ein Skelett und ein paar Teile des Panzers gefunden, das Vorderteil des Tiers ist lebensnah erhalten. Normalerweise vor der Versteinerung verschwundene Details wie die Schuppen oder das die Panzerknollen bedeckende Hornschild sind erhalten und die Form des Panzers ist nicht länger ein Puzzle, sondern zeigt seine Gestalt wie am lebenden Tier.
Die Nodosaurier waren nahe mit den bekannteren Ankylosauriern verwandt. Beide waren schwer gepanzerte mittelgroße Dinosaurier, die auf vier Beinen liefen und sich vermutlich von Pflanzen ernährten. Während die Ankylosaurier eine mächtige Keule am Ende ihres Schwanzes besaßen, fehlte diese den insgesamt schlanker gebauten Nodosauriern.
Erhalten sind auch Spuren der Mageninhalte, was für die Diskussion interessant ist, wie so viele so große Tiere wie zur Zeit der Dinosaurier gleichzeitig leben konnten. Denn dafür ist eine sehr klare Trennung der Nahrungsquellen nötig, damit die Tiere nicht zu stark konkurrieren.

Papier der Woche

Erinnert sich noch wer an das Thema Bürgergartenprojekt in der Innenstadt Mögnchengladbach? Das hier:?

Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde – Bild: eigen

Das ist jetzt fast ein Jahr her, danach steckte der Prozess aus verschiedenen Gründen heftig fest.
Zwischenzeitlich kam noch ein Imker dazu, der auch auf das Gelände wollte und wir mussten erstmal Bedenken ausräumen, unser Projekt sei damit erledigt. Dabei sind ein Bürgergarten und ein Bienenprojekt ganz hervorragend kompatibel — in einer frühen Phase hatte ich noch selbst überlegt, Bienenvölker anzusiedeln, davon aber mangels Fachkenntnis in der Bienenhaltung Abstand genommen.
Nun, ich habe gute Neuigkeiten: Seit Mittwoch liegt Transition Town prinzipiell ein unterschriftenreifer Vertrag vor, nach dem das Projekt am 1. Juni in Arbeit gehen kann. Ich denke, der Juni selbst wird noch von Vorarbeiten eingenommen und dann kann es losgehen. Wir haben damit dann bis 2022 einen Südhang von 0,6 ha für ein inklusives Gartenprojekt mit Hephata zugesichert. Ich freu mich drauf. Endlich.

Test der Woche

Greenpeace Österreich hat (leider nur bei Facebook) ein Video veröffentlicht, in dem sie einen Test zusammenfassen, wie lange diverse Lebensmittel nach dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar bleiben. Das Ergebnis ist durchaus beachtlich – ic hätte etwa nicht gedacht, dass Jogurt als Milchprodukt so lange anstandslos überlebt. Er bleibt offenbar sehr lange auf dem Stand „kurz umrühren, schon sieht er wieder gut aus und ist genießbar“ stehen, solange die in ihm lebenden Bakterienkulturen, die die Milch ja zu Jogurt machen, stabil bleiben.