Matthias Güldner: Eine Replik

Okay, versuchen wir uns mal an einer Einzelpunktantwort auf Matthias gründler, der sich beim Schreiben für die Springer-Presse offenbar gleich deren Niveau angepasst hat und echter Information die Option vorzieht, über Dinge zu fabulieren, von denen er keine Ahnung hat und die ihn offenbar auch nicht wirklich interessieren:

Die unerträgliche Leichtigkeit des Virtuellen

Überschriften mit „Die unendliche Leichtigkeit des…“ sind so unglaublich ausgelutscht und versprechen grundsätzlich mehr, als sie halten.
In diesem fall besteht übrigens auch keine verbindung zum Inhalt des Textes, eine Kardinalsünde bei Überschriften.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist ein ebenso grausames wie zeitloses Phänomen. Es gab sie lange vor dem Internet und wird sie leider auch geben, wenn eine andere Kommunikationsmode Einzug gehalten hat. Die Auseinandersetzung um die Internetsperren dreht sich im Kern aber gar nicht um die – bisher konsensuale – Bekämpfung der Kinderpornographie.

das ist schonmal sehr gut erkannt.

Es geht vielmehr knall hart um Definitionsmacht in Zeiten der Virtualisierung der Welt.

Häh? Was hat das Gesetz mit Definitionen von irgendwas zu tun?

Ihre Anhänger kämpfen mit hoch effektiven Mitteln für die Rechtsfreiheit ihres Raumes.

Das Internet war nie ein rechtsfreier Raum. Im gegenteil, es ist einer der am stärksten regulierten Räume überhaupt.

Wer sich in ihre Scheinwelt einmischen will, wird mit Massenpetitionen per Mausklick weggebissen.

Was genau soll das überhaupt heissen?

Die Tatsache, dass diese Community viel Zeit in virtuellen Räumen verbringt, spielt dabei eine große Rolle.

Inwiefern, das wird indes nicht weiter erwähnt. Vieleicht meinte er aber das hier:

Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert. Anders kann die ignorante Argumentation gegen die Internetsperren gar nicht erklärt werden.

Nochmal ein klares „häh…?“
Was will der mann uns sagen? Dass Stoppschilder ein probates Mittel gegen Verbrechen sind?
Auf den Straßenverkehr übertragen: Soad ein Tmepolimit mit Schildenr markiert wird, braucht es keine Radarmessungen und Bußgelder mehr, weil da ja ein Schild steht?
Wir mögen ja online leben, aber wo genau lebt dieser Güldner?

Da ist zum Beispiel das Argument, die Sperren könnten umgangen werden. Da haben sich einige wohl das Hirn herausgetwittert. Genauso gut könnte die Tatsache, dass Morde begangen werden, obwohl sie verboten sind, als Argument gegen den Mordparagraphen im Strafgesetzbuch angeführt werden.

Das Gegenstück zum Mordparagraphen wäre aber nicht das Netzsperrengesetz, sondenr das verbot von Kinderpornografie. Und hinter diesem verbot stehen auch wir Internetter geschlossen und einig.

[…] Auch wird behauptet, das Gesetz nütze nichts gegen Kinderpornographie. Jeder weiß, dass es kein Allheilmittel ist. Aber in Skandinavien wurden schon positive Erfahrungen mit vergleichbaren Gesetzen gemacht.

Das mag Frau von der Laien behaupten, es stimmt vielleicht sogar unter manchem Blickwinkel, unter anderen Blickwinkeln aber eben nicht. Die Kollateralschäden an unschuldigen webseiten sind erheblich.
In deutschland etwa liefe die webseite des Spiegels gefahr, gesperrt zu werden – die enthält ein Foto der damals 16-jährigen, nackten Natassja Kinski (nö, verlinke ich jetzt nicht). Hinzu kommt noch die erst nuelich verschärfte definition von „Kinderpornografie“, die inzwischen auch erotische Bilder von Menschen verbietet, die lediglich so aussehen, als seien sie unter 18.

[…]
Teile der Grünen – fasziniert von den Möglichkeiten der virtuellen Mobilisierung und hingerissen von ihrem eigenen Getwitter – verkennen, dass unsere WählerInnen eine hohe Affinität zu Menschenrechtsfragen haben, erst recht wenn Kinder die Opfer sind. Unser Umfeld kommt zu einem nicht unerheblichen Teil aus den erziehenden Berufen, ist selbst Mutter oder Vater.

Ja, und eben deshalb erwarte ich mehr Kompetenz in Fragen, die die jüngere Generation angehen, für welche das Internet das Leitmedium für Information, aber auch Partizipation, sein wird.
Eine verteufelung des Internet ist eine verteufelung der Jugend, welche dieses Medium hauptsächlich nutzt, mit ihm aufwächst und für seine Freiheit kämpft.

Die Internetsperren haben Umfragen zu Folge bei ihnen eine hohe Popularität.[…] Der politische Makel, mehr auf den Trend gesetzt zu haben als auf die Bekämpfung realer Menschenrechtsverletzungen, würde […] lange haften bleiben

Da Internetsperren populär sind, ist es also der trend, dem man hinterherläuft, Sperren zu befürworten?
Hübsches Eigentor, Herr Güldner. Aber die Kolumnenserie, in der das erschien heisst ja auch „Tor des Monats“, das fordert ein davorgesetztes „Eigen-“ ja gradezu heraus.

Das zum Abschluss: Ich distanziere mich zutiefst von diesem Müll, den Gründler als grüner Vorsitzender in Bremen hier absondert.
Ich halte das für die Einzelmeinung eines schlampig arbeitenden Polemikers Politikers, der sich zu schade ist, Themen, zu denen er schreibt vorher zu recherchieren. Er geht damit auch klar gegen die Linie der Partei.
Ich werde, anders als einige in Bremen, nicht wegen diesem Murks austreten, sondenr dabeibleiben, um eben gegen solchen Murks gegensteuern zu können.