Mediale KW 24/2015

Hat eigentlich irgendwer mitbekommen, dass ich Jurassic World geschaut habe? Ich meine, ich hab mich dazu ja quasi ausgeschwiegen. Oh, und Doodle Kingdom. Ansonsten wieder eine Woche, in der ich nicht zu viel Medienkonsum kam.

Jurassic World

Science Fiction, USA 2015, Film/Kino

Isla Nublar: Seit zehn Jahren läuft der Seaworld-ähnliche Freizeitpark/Zoo Jurassic World erfolgreich, ständig sind um die 20.000 Besucher auf der Insel. Doch der Aufsichtsrat ist besorgt, da die Umsätze zu stagnieren beginnen — die Leute haben sich an Dinosaurier gewöhnt, etwas spektakuläres muss her. Also beginnen die Genetiker von InGen, einen neuen Dinosaurier zu kreieren. Größer als der T. rex, intelligenter als ein Raptor, aggressiver als beide zusammen. Es stellt sich heraus, dass das keine sonderlich gute Idee ist und Leute werden gefressen. Dass diverse Charaktere jeweils ihre eigenen Motive mitbringen, hilft nicht grade bei der Eindämmung des Chaos.
Anfangs machte mir Jurassic World etwas Sorgen. Zwei Mal schwelt eine Variante von John Williams‘ Welcome to Jurassic Park an, um genau nichts zu zeigen ausser ein paar Panoramen der Insel. Ich verstehe, wem es als Motiv dienen soll (Hammonds endlich realisierten Traum bei der Errichtung von Jurassic Park), aber es funktioniert nicht so recht. Dann landet ein offensichtlicher Modellhelikopter mit computergenerierter Besatzung vor einem Gehege. Und mit Zach taucht ein sehr, sehr teenageriger Teenager auf, der den ganzen Film nicht mehr verschwinden wird.
Doch das verschwindet bald. Während Zach samt Brüderchen Gray einige der Attraktionen des Parks besichtigt braut sich im abgesperrten Norden der Insel etwas zusammen und hält die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Der ganze Film ist eine einzige Eskalation, vom sehr ruhigen Aufbruch zum Park bis zum bombastischen Ende. Und das alles lässt sich nur zusammenfassen mit: Es macht Spass.
Jurassic World spricht vieles an. Vor allem räumt er endlich der Tatsache Raum ein, dass wir es hier nicht mit Dinosauriern zu tun haben, sondern mit künstlich erzeugten Freizeitpark-Attraktionen. Und er spricht die inhärenten Probleme der Gentechnik direkt an, indem es Indominus rex tödliche Fähigkeiten verleiht, die nie in dieser Form beabsichtigt waren. In den drei bisherigen Filmen haben wir menschliches Versagen oder Boshaftigkeit als Ursachen des Chaos. Erst jetzt, im dritten Film, ist es tatsächlich die Unberechenbarkeit der Natur, welche die Probleme verursacht. Versprochen hatte uns das schon Ian Malcolm im ersten Film, aber es brauchte dort dennoch einen korrupten Programmierer, um das Chaos zu starten. Per Knopfdruck.
In gewisser Weise ist Jurassic World der Film, der Jurassic Park sein wollte. Und noch viel mehr ist er eine Übertragung von Michael Crichtons Romanen auf die Leinwand. Dass die neue Fortsetzung dennoch nicht ganz so gut ist wie das Original liegt einzig an Steven Spielbergs Fähigkeiten.

Doodle Kingdom

Fantasy, UK 2014, Game/PS Vita
doodle-kingdom
Nach dem Ende der Welt durch die Menschen schafft Gott eine neue Welt, diesmal durchzogen mit Magie statt Technologie. Der Spieler ist ein Prinz, der in sein zerfallendes Königreich zurückkehrt, um es wiederaufzubauen. Dazu kombiniert man immer zwei Elemente, die ein neues Element oder eine Handlung ergeben. Beispielsweise führen Stein und Teich dazu, dass der Prinz eine Meerjungfrau erschrickt, mit der er dann einen Tauschhandel für eine Trankzutat machen kann. Sehen tut man allerdings nur das Ergebnis jeder Kombination. Sprich, man tippt Stein und Teich an, es erscheint die Meerjungfrau als neues Element-Icon, das man wieder weiter kombinieren kann. Das ist quasi das gesamte Spiel.
Es gibt noch einen nicht weiter bemerkenswerten Modus, wo ein Held über den Bildschirm läuft und dabei per Knopfdruck ab und an bei Laune/Gesundheit gehalten werden muss. Was so ziemlich alles ist, was man darüber sagen kann.
Doodle Kingdom kam mit hohen Empfehlungen von iOS-Nutzern. Ich kann nicht sehen, warum. Vorgänger Doodle God konnte man wenigstens noch zu Gute halten, die endlose Langeweile der Existenz als Allmächtiger erlebbar zu machen. Doodle Kingdom ist so fad, es ist noch nicht ein Mal mehr langweilig.


Mediale KW 23/2015

Nachdem ich die Woche zuvor tatsächlich keinen Medienkonsum oberhalb einiger 5-Minuten-Youtube-Videos vorzuweisen habe und deshalb die Mediale KW ausfiel, sieht es diesmal wieder etwas besser aus. Es folgen also die Rezensionen der Woche.

Ökos entführen eure Kinder: Rapunzel — Neu Verföhnt

Fantasy, USA 2010, Film/Netflix

Eine alte Frau entdeckt eine Blume von purem Sonnenlicht, die mit einem Lied dazu gebracht werden kann, Wunden zu heilen und neue Jugend zu schenken. Doch der König sucht die Blume, um seine Frau zu heilen, findet sie und braut ein Getränk daraus. Das funktioniert, doch die schwangere Königin gebärt ein Kind mit magischem blonden Haar, das die Fähigkeiten der Blume erlangt hat. Rapide alternd findet die alte Frau das Kind und entführt es in einen versteckten Turm, wo sie es als ihre eigene Tochter aufzieht. 18 Jahre vergehen und die junge Rapunzel sehnt sich immer mehr nach der Welt ausserhalb des Turms. Als Dieb Flynn Rider den Turm durch Zufall findet, ergibt sich endlich die Gelegenheit dazu.
Ich bin mir nicht sicher, ob Tangled sich bewusst ist, wie es seine Hauptantagonistin motiviert. Der Hintergrund mit der Blume wird aus dem Off erzählt und dort wird sie als gierige alte Frau dargestellt, die allein nach der Macht der Blume strebt. Über Jahrhunderte kehrt sie immer wieder zu der Blume zurück um zu ihr zu singen, was ihr ewige Jugend gewährt. Um sie vor dem Rest der Welt zu verbergen platziert Mutter Gospel einen umgedrehten Korb darauf.
Und ihre Sorge ist gerechtfertigt: Die Truppen des Königs finden die Blume schließlich durch ein Missgeschick. Prompt wird sie zu einer Brühe verarbeitet und dabei natürlich vernichtet. Die wahrscheinlich einzige ihrer Art, zu der man über Jahrhunderte nur beliebig oft singen musste, um ihre Kräfte zu nutzen, zerschnitten und in einer Brühe aufgelöst um eine einzige Krankheit zu heilen. Man kann das dem König nicht verdenken, aber es bleibt doch die Frage: Warum genau wird die Kräuterfrau hier als die Böse dargestellt?
Denn erst jetzt entwickelt sie sich zur Bösen des Films. Nachdem sie herausfindet, dass es nicht möglich ist, Rapunzel einfach eine Strähne abzuschneiden ohne dass diese ihre Kraft verliert, entführt sie das Kind und sperrt es in einen Turm ein, wo sie sich als seine Mutter ausgibt. Dann fehlen knapp 18 Jahre, deren Verlauf weitgehend unklar bleibt. Mutter Gospel ist eifersüchtig und eigennützig (letzteres weiss aber nur der Zuschauer), ansonsten aber keine schlechte Mutter und Rapunzel kannte nie eine andere.
Das ist eine ungewöhnlich detaillierte Hintergrundgeschichte für die Antagonistin eines Disney-Films. Dass Elsa im nächsten Disney-Film (Frozen bzw. unter dem schmerzhaften deutschen Titel Die Eiskönigin — Völlig unverfroren bekannt) gar nicht erst in die Antagonistenrolle kommt, verwundert da nicht mehr. Tangled ist noch nicht ganz so weit, vom Konzept der Bösewichtin (?) loszukommen und leidet darunter mit einer wohl versehentlich falschrum geratenen Botschaft zur Nachhaltigkeit. Aber grade dieses Stolpern ist interessant, es markiert die Linie, an der besser motivierte Gegner und alte Erzählmuster sich zur Übergabe des Staffelstabes treffen. Auf der anderen Seite der Linie warten dann Figuren wie Elsa und der Kingpin.
Rapunzel — Neu Verföhnt bei Netflix

Momentaufnahme: Die Raumfahrer

Sachbuch, USA 1989, Papier

Ende der 80er bis Anfang der 90er gab es diese wunderbare Zeit, in der die Zukunft um die Ecke schien. 2000 war eine magisch erscheinende Jahreszahl, zugleich fern und nah genug, um romantisiert zu werden, um Versprechen von der Zukunft zu tragen. Das zwanzigste Jahrhundert war eines voller wissenschaftliche rund technologischer Revolutionen, was würde da erst das einundzwanzigste bringen? Nun, wie wir heute wissen Facebook, Youporn und den Sieg des Kapitalismus über so ziemlich alles, aber das ist halt das Nachhinein.
Nein, damals wurde uns an allen Ecken eine glorreiche Zukunft versprochen. Die Raumfahrer aus der halbanonymen Time-Life-Redaktion sammelt den Höhepunkt dieser Zeit auf Papier, einschließlich prächtiger Doppelseiten mit bewohnten Mond- und Marslandschaften in Hochglanzdruck.
Hin und wieder findet sich die Andeutung vom Ende des Enthusiasmus; die Challenger-Katastrophe steckt der Raumfahrt noch in den Knochen und die ihre letzten Tage erlebenden Supermächte haben das Interesse am Wettrennen verloren. Aber noch ist er da und dies ist vor allem ein Nostalgietrip zu jenen Bildern, als man es noch völlig ernst meinte mit Menschen auf Mond und Mars und mit Expeditionen jenseits allem, was die Menschheit bisher gesehen hatte.


Mediale KW 21/2015

Videospieligstes Videospiel ever: InFamous

Science-Fiction, USA 2009, Videospiel/PS3

Fahrradkurier Cole McGrath wacht in einem gigantischen Krater auf, nachdem seine Fracht mitten in der Millionenstadt Empire City (lies: New York) explodiert ist. Doch die Explosion brachte nicht nur ungezählte Tote, sondern auch eine Seuche, eine militärisch gesicherte Quarantäne der Stadt und Superkräfte. Die Conduits — der Begriff taucht ohne Erklärung einfach auf — haben durch die Strahlung der Explosion ungewöhnliche Kräfte erhalten und wie sich bald herausstellt, war genau das der Zweck dieser Bombe. Cole selbst erlangte Kontrolle über Elektrizität, vom Verabreichen kleiner Stromschocks bis zum Heraufbeschwören von Blitzgewittern aus heiterem Himmel.
Sein Ziel nach einer gescheiterten Flucht aus der Stadt: Die Macht der von anderen Conduits angeführten Banden brechen und so an der Auflösung der Quarantäne mitwirken. Dem Spieler bleibt überlassen, ob er dabei den Einwohnern gegenüber als Superheld oder kleineres Übel auftritt.
Das Problem mit moralischen Entscheidungen in Videospielen: Die meisten Spiele haben Szenarien, in denen selbst die Guten dazu neigen, Gegner zu töten. Die Guten sind Teil einer moralischen Grauzone, die realistisch ist, aber eben auch problematisch wird, wenn man andere als Böse darstellen will. Und genau das zeigt sich bei InFamous extrem: Im Spiel kann man gute oder böse Entscheidungen treffen. Gute Spieler heilen kranke Passanten, retten andere vor Lynchmobs und versuchen, Gegner lebend zu fangen. Böse Spieler saugen geschlagenen Gegnern die Lebensenergie aus, vergiften die Wasservorräte um sich nicht zu besudeln und zünden in einer Millionenmetropole Bomben, um noch mächtiger zu werden. Kurzum: Die Bösen Optionen sind so offensichtlich und lächerlich böse, niemand wird sie nehmen ausser, um beide Enden im Spiel sehen zu können. Dazu kommt noch die Sonderrolle des Protagonisten: Niemand ausser ihm hat unter den Menschen mit Kräften die Möglichkeit, gut zu sein. Das ist bei vielen Spielen so, aber wenn es sich halt ausdrücklich mit Gut und Böse beschäftigt, fällt es um so mehr auf.
Aber es wirft dabei eben auch ein Schlaglicht auf unsere seltsame Vorstellung von guten Actionhelden. Aber erst die Fortsetzung wird merken, was für ein Potenzial die neue Serie da eigentlich aufgetan hat.

Spacehitler ist wieder da! Elysium

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay

Mitte des 22. Jahrhunderts ist die Erde weitgehend ruiniert. Die Reichen sind auf eine gewaltige Raumstation geflohen, die wie ein neuer Mond am Himmel steht. Dort, auf Elysium, existiert die Zukunft, wie wir sie aus Star Trek und den Visionen der NASA aus den 80ern kennen: Eine Welt ohne Krankheiten, ohne Not, in ständigem Luxus, Appleweiss und sauber. Die Erde hingegen hat gelitten. Es ist davon auszugehen, dass die Ruinen von Los Angelese, in denen der Film größtenteils spielt, als Teil der USA und Industriestandort noch zu den reicheren Gegenden der Erde gehören. Und schon dieser Ort wirkt ähnlich wie die Welt im Blomkamps Vorgängerfilm District 9.
Der wichtige Punkt ist: Auf der Erde ist das meiste so wie heute. Nur Polizei und Militär haben Zugriff auf einigermaßen moderne Technik, die Normalbevölkerung hat Glück, wenn sie die Maschinen in der Fabrik zusammenschrauben dürfen. Bei einem Arbeitsunfall (um seinem Vorarbeiter gegenüber sehr zuvorkommend zu sein) wird Jack verstrahlt und hat noch fünf Tage zu leben. Zusammengehalten von Pillen und einem Exoskelett vom Schwarzmarkt macht er sich auf den fast unmöglichen Weg nach Elysium, weit draussen im All. Denn dort ist seine Erkrankung heilbar – so wie jede Krankheit.
Wie langsam sich Neill Blomkamp auf seinem Weg aus Afrika von diesem Kontinent gelöst hat, zeigt sich vielleicht am besten in Elysium. Dabei ist Jacks Verfolger, der südafrikanische Söldner Kruger, noch geschenkt. Nein, was wir hier haben ist die Überquerung des Mittelmeers IN SPACE! Das ist nicht die amerikanische Geschichte von den mexikanischen Migranten – um aus Mexiko in die USA zu kommen muss man nicht mehr als einen Zaun überqueren. Nein, das ist die Reise übers Mittelmeer: Beschwerlich, gefährlich, organisiert von Schleusern, die selber (mit dem Geld) zurückbleiben. Das ist wenig überraschend: Die Situation in den USA dürfte Blomkamp nur von der privilegierten Seite aus kennen, aber von der Nordküste Afrikas weiss der ganze Kontinent.
Und das bedeutet auch: Wir sind die Bösen hier. Das Porträt Europas ist nahezu perfekt, nur bereinigt um die föderale Struktur der EU. Einwohner leben in völliger Selbstverständlichkeit mit den technologischen Wundern, die sie umgeben. Der Abschuss von Flüchtlingsschiffen wird pro forma durch den Präsidenten gerügt, um anschließend fortgeführt zu werden. Und sollte der Präsident sich anschicken tatsächlich etwas zu ändern, wird er entsorgt, dafür sorgt die zuständige Ministerin Spacehitler Delacourt (einschließlich Machtergreifung, auch wenn das Parlament erst etwas später brennt). Elysium hätte die Mittel, die Probleme auf der Erde zu lösen, denkt aber gar nicht erst daran. Das sieht unrealistisch aus, ist aber weitgehend die Realität der Festung Europa.
Schade nur, dass der Film weniger lohnt als die Botschaft. Ich meine, wir haben ein Kind mit Leukämie im Film. Und jeder Film über die Suche nach einem einmaligen Heilmittel mit einem kranken Kind im selben Film verläuft exakt gleich. Vor allem endet er exakt gleich.

Bruttonationalfadheit: What Happiness is

Dokumentation, Österreich 2012, Film/Netflix

Ein paar Dokumentarfilmer folgen einer Gruppe von Beamten durch Bhutan. Die Beamten sollen das Bruttonationalglück bestimmen. Doch das geht nicht ganz so einfach wie gedacht: Zahlreiche Lebensmodelle, Ideen von Glück und die grundsätzliche Konzeptlosigkeit bei der Erfindung des Begriffs stehen dem Vorhaben im Weg.
Ich fand das Ganze offen gestanden extrem fad, aber wer mag kann hier sehen, wie wenig wir über Glück wissen, wie komplex diese Idee eigentlich ist und vor allem, dass man Glück eigentlich nicht messen kann. Aber dass es sich durchaus lohnen kann, es zu versuchen. Nur halt nicht für die Zuschauer.


Mediale KW 19/2015

Eine für mich sehr kurze Woche resultiert in wenig Medienkonsum mangels freier Zeit. Und, nun, sagen wir einfach, meine restliche Woche war deutlich besser als meine Auswahl an Filmen.

Der Antichrist mal wieder – Ghost Rider: Spirit of Vengeance

Dark Fantasy, USA 2012, Film/Netflix

Ein Donnerstag im Jahr 2011 bei Columbia Pictures. Besprochen wird eine Fortsetzung zu einem Film, der 229 Millionen Dollar gemacht hat.
„Schnell, unser Hauptcharakter ist ein Dämon aus der Hölle und wir brauchen einen Plot für den zweiten Film, weil Geld!“
„Klarer Fall von Standardplot 37!“
„Standardplot 37?“
„Satan plant, in einem dämonischen Ritual seinen perfekten Körper für die Existenz auf Erden zu übernehmen und versucht nun, dafür an das dazu von ihm gezeugte Menschenkind zu gelangen“
„Achso, Standardplot 37! Sag das doch gleich!“
Ich wollte Samstag Abend etwas wirklich, wirklich dummes sehen. Die anderen beiden Kandidaten (Fluch der Karibik 3 und Lone Ranger) waren je über zwei Stunden lang, also fiel meine Wahl auf das kürzere Spirit of Vengeance. Nicolas Cage zieht Grimassen, schauspielert seine Sprechparts als wäre er während der gesamten Dreharbeiten nicht auf Klo gegangen und tauscht sein brennendes Motorrad in einer Szene gegen EINEN FLAMMENDEN TAGEBAUBAGGER! Ich würde behaupten, mein Plan war von Erfolg gekrönt. Spektakulärem Erfolg.
Und wer hätte gedacht, dass der Ghost Rider in Wirklichkeit eine Metapher für Hardrang ist? Bester schlechter Film seit langem.
Film bei Netflix

Affwerdung – Tarzan II

Fantasy, USA 2005, Film/Netflix

Auch Standardplot 13 kommt diese Woche zur Anwendung: Protagonist oder wichtige Nebenfigur fühlt sich in ihrer Gruppe fehl am Platze und verschwindet von dort um anderswo ihre Bestimmung zu finden. Und am Ende ist klar, dass alles nur ein Missverständnis war und/oder die Figur ist daheim willkommen. Pflichtgeschichte für mindestens eine Folge in jeder Kinderserie. Bibelfeste Leser dürfen an verlorene Schafe denken.
Also wird Tarzan als Kind von der Gorillafamilie getrennt und verschwindet weil er glaubt, dass es so besser wäre. Unterwegs findet er eine weniger nette Gorillafamilie und einen alten griesgrämigen Gorilla, dessen Herz er erweichen darf.
Aus irgendeinem Grund sehe ich immer wieder Videofortsetzungen von Disney an, obwohl einige davon wirklich furchtbar sind. Vermutlich Neugierde. Und im Kontext von Disney-Fortsetzungen gilt: Tarzan II ist okay. Überflüssig und uninspiriert, aber harmlos. Und letzteres kann nicht jedes dieser Werke von sich sagen – ja, ich sehe dich an, Glöckner von Notre Dame 2. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Glöckner 2 Disneys erstes offen schwules Liebespaar hat (zwischen einer lebenden Statue und einem Ziegenbock…).
Wo war ich? Ach ja, Tarzan II. Urteil: Es gibt schlimmeres.
Film bei Netflix

Pappkameraden – Knights of Sidonia: Staffel 1

Science-Fiction, Japan 2014 (OmU), Serie/Netflix

1.000 Jahre nachdem eine rätselhafte ausserirdische Zivilisation namens Gauna das Sonnensystem zerstört hat, leben die Reste der Menschheit in einem gewaltigen Raumschiff namens Sidonia. Aus den Tiefen dieses Schiffes taucht eines Tages ein Junge namens Nagate auf, der prompt zu den Piloten der Mechas geschickt wird, die Sidonia gegen die immer noch angreifenden Gauna verteidigen.
Knights of Sidonia ist ein seltsamer Versuch einer computeranimierten Animeserie. Zahlreiche Charaktere mit immer gleichen merkmalslosen Gesichtern tauchen auf und verschwinden wieder aus der Handlung, die meisten sterben relativ schnell in den Schlachten gegen die Gauna. Die Welt ist einfach nur seltsam, um seltsam zu sein und Dinge geschehen ohne Hintergrund oder Logik (wie Nagate selber). Tatsächlich ist das die Grundlage des gesamten Aufbaus von Knights of Sidonia: Dinge passieren einfach, Dinge sind einfach und nichts und niemand hat eine Persönlichkeit. Die ganze Welt ist spürbar nicht mehr als Kulisse.
Serie bei Netflix


Mediale KW 16/2014

Machen wir aus der Literarischen KW mal die mediale KW, womit auch andere Medien zu ihrem guten Recht kommen. Übrigens, wer die Literarische KW letzte Woche vermisst hat: Ich habe vorvergangene Woche schlichtweg keine Bücher zu Ende gelesen. Ich habe Rain durchgespielt, aber das ist ja kein Buch.
Nun denn, lasst uns beginnen:

Stadium 7 – Die Invasion
Buch (Science-Fiction-Novelle); Inge Lembke

Amazon
Aliens landen auf der Erde. Sie kommen als Keime an, regnen eher zufällig grade auf die Erde nieder und wachsen dort über die Jahre zu etwas neuem heran. Auf einen Schlag beginnt die Invasion, bevor die Menschen auch nur wissen, was passiert sind schon Millionen tot.
Inge Lembke zeichnet mit Stadium 7 eine andere Art von Invasion, eine Invasion durch Lebewesen, die als Sporen ankommen und die Erde quasi von unten übernehmen. Die Invasion zerstört keine Städte, sie geschieht zunächst wie eine Krankheit und erst später folgt dann die bekannte Form der Invasion gegen die bereits stark geschwächte Menschheit.
Die Idee ist gut ausgearbeitet, leider sagt mir der Schreibstil so gar nicht zu. Zu akademisch-emotionslos liest sich Lembkes Text, zu viel wird geschildert statt es über die Handlungen und Interaktionen der Figuren zu zu implizieren. Zu viel wird an unterschiedlichen Orten der Welt in kleinen Variationen wiederholt.
Letztlich habe ich wegen des interessanten Konzepts weitergelesen, aber nicht wegen des Textes selber. Das ist etwas, was Science-Fiction manchmal kann: Eine gut ausgearbeitete Idee rettet einen mäßigen Text vor dem Nicht-Gelesen-Werden.
Faszinierend ist dieser Novelle eigene Idee eines Lebens nach dem Tod. Was ist „Ich“ und kann es ohne mich weiterleben? Ist das, was andere für mein Ich halten, wirklich mein Ich? Und was genau ist die Erinnerung an „mich“; eigentlich wert? Ich habe das Gefühl, Inge Lembke hat hier unbewusst die Vorgeschichte zu einem wirklich interessanten Roman verfasst, anstatt eben diesen Roman zu schreiben.


Rain
Videospiel (Puzzle-Adventure; Playstation 3); Sony

Sony Store
Ein Junge folgt einem unsichtbaren Mädchen, dessen Umrisse sich im Regen abzeichnen, durch ein seltsames Tor aus Licht und wird selbst unsichtbar. Verfolgt von ebenso unsichtbaren Monstern macht er sich in dieser Regenwelt auf die Suche nach dem Mädchen, wobei er sich durch Unterstände an den Monstern vorbeischleichen muss.
Rain ist in jeglicher Hinsicht simpel. Die Geschichte ist einfach, die Rätsel sind fast ohne Nachdenken lösbar, selbst die Musik besteht in der Regel aus recht einfachen Klavierstücken. Aber es ist in etwa drei Stunden durchgespielt und kann es sich daher erlauben, einfach nur schön zu sein, bevor es damit langweilt.
Es ist, alles in allem, nett. Nicht mehr, nicht weniger.


War of the Worlds: Goliath
Film (Science-Fiction-Trickfilm/Dieselpunk); Tripod Entertainment

Keine Ahnung, wo man den Film kaufen kann, sorry. Wobei, eigentlich nicht, aber dazu gleich.
1914: 15 Jahre nach dem ersten Angriff der Marsianer auf die Erde (siehe H.G. Wells sowie den Vorspann dieses Films) im Jahr 1899 steht Europa am Rande des 1. Weltkriegs. Doch der Krieg der Welten hat die Erde verändert: Es gibt eine internationale Einheit zur Bekämpfung der Marsianer, sollten sie je wiederkommen. Mit eigenen dreibeinigen Kampfmaschinen, Flugzeugen und Luftschiffen nutzen sie von den Invasoren erbeutete Technologie, um gegen diese bestehen zu können.
Und tatsächlich kommen sie zurück.
Der Film beginnt vielversprechend mit einer wunderschönen Zusammenfassung der Ereignisse von 1899 in Sepia-Standbildern (oder genauer „limited animation“). Alltag auf der Erde, Kriegsvorbereitungen auf dem Mars. Die Vocorder-Musik ist nicht jedermanns Fall, aber sonst sehr schön.
Das hält leider nicht lange an. Sobald der eigentliche Film beginnt, beginnen sich Charaktere wie Idioten zu verhalten und hören den ganzen Film durch nicht mehr damit auf. Unser Protagonist hat einen Vater, der als beinahe erste Aktion im Film völlig grundlos unter einer marsianischen Kampfmaschine die Deckung verlässt. Die Dummheit ist offenbar erblich, bleibt unsere Hauptfigur doch mitten auf der Flucht vor besagter Kampfmaschine auf der Straße stehen und stiert sie an, was seine Eltern das Leben kostet.
Mit 25 hat er den Rang eines Captain erreicht und leitet Bodeneinsätze von A.R.E.S., besagter Anti-Marsianer-Truppe. Mitten in einer Übung für einen neuen Typ irdischer Kampfläufer und einen Tag nach dem Attentat auf Franz-Ferdinand beginnt eine neue Invasion mit besseren Kampfmaschinen, Flugmaschinen und jetzt gegen irdische Krankheitserreger immune Ausserirdische. Der neue Krieg der Welten beginnt.
Goliath ist ein absolut überflüssiger Film. Eine Fortsetzung zu Krieg der Welten muss zwangsläufig das Ende der Originalgeschichte umgehen. Leider lag in genau diesem Ende der ganze Sinn von Wells‘ Geschichte und Goliath tut nicht das geringste, um dieses Problem auszugleichen oder der Geschichte einen neuen Sinn zu geben, es ist einfach nur Geballer mit vielen Verlusten auf beiden Seiten.
Die ersten 30 Minuten scheinen zu einem deutlich besseren Film zu gehören als der Rest, aber mit dem Auftauchen der Invasoren bricht jeder Erzählstrang abrupt ab. Die angedeutete Freundschaft zwischen unserem Protagonisten und Manfred von Richthofen? Bleibt nur angedeutet. Der Freiheitskampf der Iren und ihre Einstellung zur Invasion von 1899? Schnell beiseite geschoben, obwohl das der einzige Hinweis darauf war, dass jemand im Filmteam das ursprüngliche Buch verstanden haben könnte. Die Barschlägerei? Ohne jegliche Konsequenz für irgendwen. Der titelgebende Goliath? Schlussendlich nicht mehr als ein Kampfläufer unter vielen auf dem Schlachtfeld.
Es gibt bessere Animationsfilme. Viele.