Veilchendienstagszug 2018: Ich habe fertig

Es ist mal wieder Veilchendienstag im Lande, der Tag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch, von dem jeder weiss, dass es ihn geben müsste, den aber trotzdem keiner kennt. Und wenn, dann als Mardi Gras genanntes floridanisches Nacktbesäufnis. Also quasi das selbe wie Karneval hier auch, nur mit weniger Klamotten und etwas mehr Ballermannstimmung. Etwas. Aber bleiben wir in Mönchengladbach, so ungerne man so etwas auch allgemein tun mag.

Ich sollte vielleicht vorausschicken, dass ich nach nur vier Stunden Schlaf und zwei Stunden warten (ich dachte, der Zug fängt ganz normal um 11:11 an, er tat dies aber um 13:11, denn dass Karneval karnevalistisch ist, war dann doch etwas viel erwartet) eventuell nicht begeisterungsfähig genug war, um einen Straßenkarneval zu kommentieren.
Allerdings wird der Beitrag zum Zug dieses Jahr wohl etwas kürzer – es gab einfach nicht viel erzählenswertes.

Doch es ist laut Dein MG der längste Zug Deutschlands. Ob er wirklich länger ist als die Züge am Vortag in Düsseldorf und Köln, wage ich erstmal zu bezweifeln, aber gefühlt kommt das ganz gut hin. Die geringe Zahl an Fotos für 2018 lässt womöglich erahnen, warum. Wenn nicht, schreibe ich eh noch genug dazu. Also, tief Luft holen und los:

Technisch gesehen liegt Weihnachten ja in der Karnevalssaison

Technisch gesehen liegt Weihnachten ja in der Karnevalssaison

Gleich zu Anfang gab es diesmal die alljährliche Seltsamkeit, dass ein Dach des Weihnachtsdorfes mit dem Zug durch die Gegend fuhr. Das darf inzwischen allerdings auch als Tradition zählen. Und wie gesagt: Da der rheinische Karneval vom 11.11. bis Aschermittwoch läuft, ist Weihnachten technisch gesehen ein Karnevalstag.
Immer Ärger mit den Bullen

Immer Ärger mit den Bullen

Den meisten Aufwand dürfte dieses Jahr die Trabrennbahn betrieben haben, die tatsächlich einen neuen Wagen aufgebaut haben, um ihr 125. anzukündigen. Das hat jetzt nichts witziges, aber vielleicht verstehe ich einfach nur den Bezug mit der Kuh nicht.
Ab in den Hardter Dschungel

Ab in den Hardter Dschungel

Man nimmt, was man kriegen kann

Man nimmt, was man kriegen kann

Dass man auch aus dem alljährlich gleichen Wagen jedesmal etwas frisches machen kann, beweist das Minto. Dessen Team schafft jedes Jahr einen neuen Spruch. Er reimt sich, er ist auf Platt, mehr Ansprüche habe ich doch an einen Karnevalsspruch nicht. Wäre sogar als Motto geeignet gewesen.
Und dann ist da der Wagen aus Hardt. Der ist wahrscheinlich auch immer gleich, aber er wirkt farblich einfach frischer. Das mag eine Illusion sein, aber dann ist es eine gute.
Nik Eberts, Gladbachs einziger nichtexilierter Komiker

Nik Eberts, Gladbachs einziger nichtexilierter Komiker

Auch die Rheinische Post zeigt jedes Jahr erneut, dass der Aufwand, einen frischen Wagen hinzustellen, nicht annähernd so groß ist, wie manche meinen mögen. Der Wagen bleibt der selbe, aber jedes Jahr ist eine andere aktuelle Karikatur von Nik Ebert drauf.
Klassische Mottowagen sind ja im Grunde dreidimensionale Karikaturen, da ist das ein guter Ansatz für einen schnell gemachten Mottowagen. Dass wir hier keinen Jacques Tilly haben, macht nichts, wenn man sich nur zu helfen weiss. Dann macht man das halt in 2D.
Leider ist das dann auch der einzige verbliebene Funken Witzigkeit im Gladbacher Karneval. Und auch das Motto findet sich bei den Wagen des Zuges eher selten, es bleibt eine Perlenkette von Pappmachéfahrzeugen.
Lichtgestalt? Fotografier ich doch mit dem kleinen Finger!

Lichtgestalt? Fotografier ich doch mit dem kleinen Finger!

Das war der einzige, der aus dem Motto was gemacht hat, begleitet von einer passenden Fußgruppe aus Sonnen und Monden. Von den Fußgruppen habe ich leider keine Fotos gemacht, das hätte sich wohl viel mehr gelohnt. Denn da ist die Kreativität, die den Wagen so schmerzhaft fehlt. Dass gleich vier Gruppen das Motto „Immer zu zweit – Halt Pohl und All Rheydt“ in Form von Kostümen als rote und gelbe M&Ms interpretiert haben, darüber sei das Naserümpfen anderen überlassen. Ich bin zwar auch eher kommerzkritisch eingestellt, aber das geht schon klar, passiert halt mal.

Ich könnte jetzt das Lied von 2017 wiederholen. 2018 hat den damals schon gänzlich übersehenswerten Zug noch einmal übertroffen. Ich bin in der Tat nach der Hälfte gegangen, dies aber so, dass ich am gesamten Zug und dem Aufstellungsbereich entlangkam, um trotzdem noch alle Wagen sehen zu können. Es war nichts dabei, was des Fotografierens wert gewesen wäre.
So wird das nichts, den Zug aus dem Gladbacher Karneval zu streichen ist so kein Verlust mehr. Und das ist schade. Aber das ist halt keine lustige Veranstaltung, das ist nur ein Schaulaufen mit dem die Karnevalsvereine dokumentieren, dass sie existieren. Schützenmarsch mit ein paar mehr Farben und mehr Liedern über Köln (aus irgendeinem Grund).

Ich habe erstmal genug. Ich bin inzwischen überzeugt, dass der wirklich gute Zug 2010 (dessen Bilder leider bei einem Serverumzug gefressen wurden) das Korn eines blinden Huhns war. 2019 will ich auf der anderen Seite der Kamera dabei sein. Mit was Witzigem. Ich habe auch schon eine Idee.
Was Grünes. Was Selbstironisches. Mit ohne Pferde. Wird gut.
Doch darauf müsst ihr jetzt ein Jahr warten.
Aber das ist der Punkt: Der Straßenkarneval muss aus der Bräsigkeitsspirale raus. So, wie jetzt, ist das nix. So wird der in ein paar Jahren sang- und klanglos verschwinden. Dagegen müssen wir anpacken. Apropos, hat jemand mal den Jacques Tilly gefragt, was er davon hielte, seine Wagen einen Tag länger leben zu lassen und nochmal in MG vorzuführen?


Politische KW 05/2018

Okay, hier ist etwas, was ich vor vier Jahren zu Grabe getragen habe: Die Politische KW, eine wöchentliche Rückschau auf mein politisches Wirken oder Versuche eines solchen.
In letzter Zeit stellte ich zunehmend fest, dass dieses Format doch wieder eine gute Idee wäre, denn während ich immer mal wieder komplette Konzepte und erreichte Erfolge hier im Blog vorstelle, gibt es kein Format für die Verfolgung des langen Weges dorthin.
Daher rufe ich eine modifizierte Form der Politischen KW ins Leben. Statt wie früher nach Wochentagen, ordne ich sie nun nach Projekten bzw. Zielen, damit der Kontext der einzelnen Schritte klarer wird und es umgekehrt ein Bild gibt, welche größeren Ideen dahinterstehen.
Diese Reihe wird nicht jede Woche fortgeführt, sondern hin und wieder. Denn nicht jede Woche passiert politisch etwas. Kommende Woche etwa ist Karneval und da macht man im Rheinland einfach nichts dergleichen. Zumal ich mich dann Dienstag traditionell über den bräsig-unpolitischen Straßenkarneval in MG beklagen muss.
So, nu aber:

Radweg Lürrip-City-Mülfort

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Vor etwas über einem Jahr stellte ich Überlegungen zu einem Radschnellweg vor, der den angedachten Radschnellweg zwischen Mönchengladbach und Neuss verlängern sollte, um bis in die Innenstadt von Alt-Gladbach zu kommen. Optional enthielt dieser auch einen Ansatz, in den Süden der Stadt weiterzuführen (die rechte hellblaue Linie im Bild).
Bei dieser Weiterführung handelt es sich um eine Bahnlinie, die zum stillgelegten Geneickener Bahnhof führt und dann weiter nach Mülfort. Das letzte Stück, von Geneicken bis Mülfort, ist bereits seiner Schienen entledigt und führt als Fuß- und Radweg grade und eben einen Kilometer lang durch die Stadt. Schaffen wir es, die restliche Strecke ebenfalls zu einem solchen Weg zu machen, haben wir einen solchen Weg abseits der Straßen über eine Länge von etwa 3,5 Kilometer.
Und in der Tat scheint das Gleis keine Funktion mehr zu erfüllen. Es ist zu großen Teilen überwuchert und rottet langsam vor sich hin.
Um festzustellen, ob es tatsächlich keine Funktion mehr hat, habe ich am Dienstag im Bau- und Planungsausschuss die Anfrage gestellt, wie der aktuelle Stand der Bahntrasse hinsichtlich Besitz, Nutzung und Widmung ist. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, kann man damit dann beginnen, auf eine Umnutzung zum Fuß- und Radwanderweg hinzuarbeiten. Der Weg wäre eine gute Verbindung nach Alt-Gladbach für die Anwohner der oberen Niers (Odenkirchen, Wickrath, Wanlo usw.), die in Mülfort vom Nierswanderweg auf diesen neuen Weg wechseln können (und natürlich umgekehrt). Das wiederum ist ein guter Schritt, das weitere überregionale Radwegenetz zu schließen – mögliche Anschlusspunkte nach Aachen oder Köln sind nicht mehr weit.
Auf der anderen Seite zeigen die Pläne für die City Ost auf dem ehemaligen Güterbahnhof Mönchengladbach inzwischen eine Fahrradbrücke über die Breitenbachstraße. Das ist wahrscheinlich so nah, wie man einem durchgehenden Radweg bis zum Hauptbahnhof nur kommen kann und ich sehe es sehr positiv. Jetzt noch eine Fahrradbrücke über die Korschenbroicher Straße und wir bekommen die ca. 600 Meter zwischen dem Ende der Mülforter Trasse und dem Hauptbahnhof MG auch noch hin. Und von da ist es nicht mehr weit, auf einer durchgehenden Fahrradtrasse einmal komplett durch die Stadt kommen zu können und perspektivisch weiter nach Aachen beziehungsweise Neuss und Düsseldorf.
Das wär doch mal was!

Sonstiges

Auch ansonsten war es politisch eine stark am Rad orientierte Woche.
Denn auch die Blaue Route, die erste Fahrradstraße in MG, stand im Bau- und Planungsausschuss auf der Tagesordnung und mir war es wichtig hier zu betonen, dass es bei dieser allein nicht bleiben kann. Jetzt, wo die Fahrradstraße da ist, muss diese als Keimzelle eines gesamtstädtischen Radwegenetzes dienen, das aus daraus erwächst.
Momentan ist die Fahrradstraße städtebaulich eher ein isolierter Fremdkörper, den es nun besser einzubinden gilt.
Ein peripher damit verbundenes Thema sind die Parkmöglichkeiten für Fahrräder in den Innenstädten. Dazu haben Lena Zingsheim, Werner Hoek und ich gemeinsam an einer Idee für Rheydt gestrickt, von der es später noch zu hören geben wird.
Ein ganz anderes Thema im Verkehrsbereich sind Geschwindigkeitsbegrenzungen im Bereich von Kindergärten und Schulen. Hier gibt es seit kurzem neue Regeln und die Stadt setzt diese erfreulicherweise schnell um, um die Kinder besser vor dem Verkehr schützen zu können. Leider tut sie dies aber sehr buchstabengetreu und im Ergebnis entstehen zahlreiche Situationen dieser Couleur. Ich habe die Verwaltung gebeten, ihre Liste der neuen Regelungen doch mal systematisch nach Fällen durchzugehen, wo diese entstehen und ob dort nicht andere Regelungen möglich sind, die zu einer durchgehend gleich niedrigen Geschwindigkeit führen. Ob sie das auch tut oder ob wir in nächster Zeit Straßen sehen, die 2 Kilometer lang mit 30, dann 60 Meter mit 50 und dann den ganzen Rest wieder mit 30 km/h befahren werden (ja wirklich, das Beispiel ist die künftige Regelung des Zuges Konstantinstraße – An der Landwehr), bleibt abzuwarten.


Hindenburgstraße revisited

Die Hindenburgstraße ist mal wieder Stadtgespräch in Mönchengladbach. Und anders als andere Städte nicht wegen des Namens, sondern wegen des Busverkehrs darüber. Und ich fühle mich berufen, dazu etwas zu sagen, denn die aktuelle Regelung war kurz gesagt meine Idee.
Und damit ab zum Artikelbild und danach in den Artikel selbst:

Es sagt viel über die Probleme der Straße, wenn die MGMG nur ein einziges freies Bild von ihr zur Verfügung stellt und das nichtmal die Straße zeigt - Bild: MGMG

Es sagt viel über die Probleme der Straße, wenn die MGMG nur ein einziges freies Bild von ihr zur Verfügung stellt und das nichtmal die Straße zeigt – Bild: MGMG


Kleine Ideengeschichte der einspurigen Lösung

Wie gesagt, 2009 brachte ich die Idee eines nur bergauf die Hindenburgsraße nutzenden Busverkehrs ein. Nicht nur hie rim Blog, sondern auch in Gesprächen unter Politikern oder mit der Verwaltung, später auch mehrfach mit dem Bauderzenenten Andreas Wurff.
Das Ganze war zu dieser Zeit ein heisses Eisen. Die Situation, eine breite und mit sehr hohem Bordstein ausgestattete Straße mitten durch eine Fußgängerzone zu führen, galt mit der Zeit als immer untragbarer und um 2010 herum erreichte sie einen Höhepunkt. Viele Ideen wurden bis 2012 ins Rennen geworfen, wie die Straße dennoch weiter angebunden werden sollte. Das ging bis hin zum Vorschlag der Gladbacher Cable-Car-Linie, de ganz offensichtlich nie kam. Cable Cars haben eine ziemlich aufwendige Technik, die viel Platz braucht, insofern ist das wenig überraschend.
Die einspurige Lösung war immer die am einfachsten umzusetzende Option. Doch es dauerte noch lange, bis tatsächlich Bewegung in die Überlegungen kam.
2011 machte die CDU eine allgemeine Umfrage für oder wider den Verbleib der Busse in der Straße, doch diese kam zu keinem echten Ergebnis: Ziemlich genau die Hälfte der befragten Bürger wollten die Busse behalten und die Hälfte wollte sie loswerden. Einzelhändler waren dagegen, ebenso die Behindertenverbände, beide fürchteten eine schlechtere Erreichbarkeit der Läden in der Straße, obwohl die Wege nur marginal länger geworden wären, wenn überhaupt.
Erst 2016 war es dann soweit: Unter mehreren Modellen wurde das Modell einer Führung der Busse in eine Richtung favorisiert und es begann ein Pilotversuch, angesetzt auf ein Jahr und später ausgedehnt auf anderthalb Jahre.

Die Debatte jetzt

Jetzt steht eine erneute Entscheidung an und die Stadtverwaltung würde die Regelung gerne beibehalten. So weit, so gut, könnte man meinen, doch weit gefehlt.
Zu dem Vorschlag gibt es ein Gutachten und aus diesem möchte ich einfach mal eine Grafik zitieren:

Wer länger nicht mehr in der Schule war, der sei erinnert: Eine 5 ist "nicht sonderlich gut"

Wer länger nicht mehr in der Schule war, der sei erinnert: Eine 5 ist „nicht sonderlich gut“ – aus Gutachterliche Begleitung der Testphase ÖPNV Hindenburgstraße / Steinmetzstraße von Planungsgesellschaft Verkehr Köln Hoppe & Co. GmbH

Und nochmal aus dem Text des Gutachtens:
Sowohl die objektiven Daten aus den Befragungen als auch die subjektiven Einschätzungen der Mönchengladbacher Bürger – insbesondere der Busnutzer – münden in der Empfehlung zur Rücknahme der Linienwegveränderung und Wiederaufnahme des ursprünglichen Zustandes vor dem Testbetrieb

Hinzu kommen noch ein paar andere Grafiken. So kann man zwar darauf verweisen, dass der Anteil des Busverkehrs bei den Anreisenden 2017 weit höher ist als 2016, aber gleichzeitig ist die Besucherzahl auch merklich gesunken. Kein Wunder: Große Teile der Hindenburgstraße verlieren rapide an Wert, seit zentrale Händler in das Einkaufszentrum Minto gezogen sind und reihenweise leere Gebäude zurückgelassen haben.
Aber das Minto hatte einen für diese Diskussion viel wichtigeren Effekt. Vor dem Bau des Minto führten die Theatergalerie und der Lichthof zwischen Hindenburgstraße und Steinmetzstraße hindurch. Beides waren überdachte Fußgängerpassagen mit Geschäften. Während diese andernorts richtige Leerstandsmonster sind, funktionierten sie in Mönchengladbach gar nicht so schlecht, insbesondere der Lichthof.
Diese Passagen waren wichtig, denn sie unterbrachen die ewig lange und vor allem auch triste Strecke, auf der man zwischen den beiden Straßen nicht wechseln konnte. Die Strecke wurde mit dem langen Bau des Minto noch trister und abweisender und die Passagen waren weg. Das Resultat ist eine Bushaltestelle an der Steinmetzstraße, die weniger einladend nicht sein könnte und die man hinter dem Klotz des Einkaufszentrums erstmal finden muss (Hinweise auf den Standort der Haltestelle fehlen auch weiterhin). Der Weg dorthin, wenn man ihn denn findet, ist nicht sonderlich lang, wirkt aber aus gestalterischem Gründen wie ein Marathon.
Unter diesen Voraussetzungen ist die einspurige Lösung schlichtweg nicht mehr praktikabel und wir müssen sie aufgeben.

Mögliche Lösungen

Bleiben die Busse in der Hindenburgstraße, bleibt auch der Ruf, sie loszuwerden. Deshalb ist auch die Empfehlung des Gutachtens, den Ursprungszustand wiederherzustellen, ein der Situation nicht angemessener Schnellschuss. Doch wenn die einspurige Lösung tot ist, was bleibt dann an anderen Optionen?
Kurzfristig ist es erstmal wichtig, auf der Hindenburgstraße gut sichtbare Hinweise anzubringen, wo sich die bergab laufenden Haltestellen befinden. Das wird aber nicht reichen: Das Minto ist und bleibt ein Klotz mitten in den alten Wegeverbindungen. Es wird nicht über Nacht geöffnet werden können, es wird nicht Passagen weichen können, für all dies ist es einfach nicht gebaut oder es gibt Probleme mit der Sicherheit.
Nein, wir brauchen eine neue Idee. Am sinnvollsten unter den umherfliegenden Vorschlägen finde ich aktuell, auf der Hindenburgstraße eine vom restlichen Netz isolierte Buslinie fahren zu lassen. Eine Linie mit vier Bussen sollten bei relativ geringer Belästigung der Kunden und Besucher einen Takt von deutlich unter zehn Minuten bieten können, wenn diese beständig zwischen Hauptbahnhof und Alter Markt pendeln. Alle anderen Linien laufen dann komplett auf der Steinmetzstraße.
Oder wir bauen doch noch ein Cable Car. Okay, eher nicht.

Richtig ist auf jeden Fall: Das Experiment Einspurigkeit war aus verschiedenen Gründen ein Reinfall. Daraus aber zu folgern, der einzige Weg ist eine Rückkehr zum ebenfalls ungeliebten vorherigen Modus, ist eine Kapitulation aus mangelnder Fantasie.
Und wir reden hier von der Innenstadt. Das schlimmste, was dieser in der gegenwärtigen Lage der Innenstädte widerfahren kann, ist Fantasielosigkeit.


Blau, Blau, Blau

Blau blau blau sind alle meine Routen, blau blau blau ist alles, was ich fahr. Darum lieb ich alles was so blau ist, denn ich bin mit-m Ra-del da

Musik ist immer ein guter Start

Okay, nicht alles (siehe den vorgestrigen Beitrag), aber die Blaue Route MG halte ich eigentlich für eine sehr gute Idee: Eine Fahrradstraße zur Verbindung der beiden großen Stadtzentren von Mönchengladbach, endend jeweils halbwegs in der Nähe der Hauptbahnhöfe Gladbach und Rheydt. Mit dem Hintergedanken, diese irgendwann bis direkt zu den Bahnhöfen weiterzuführen. Wobei ich auch sagen muss, in der ursprünglich präsentierten Planung war das keine Fahrradstraße, sondern nur eine blaue Orientierungslinie auf dem Boden, in deren Verlauf die Wege dann für den Radverkehr optimiert werden sollte.
Nun hat die Route nach ihrer Umsetzung allerdings noch ein paar „Kinderkrankheiten“, an denen man noch etwas feilen muss. Eben weil ich die Route grundsätzlich erhalten will, habe ich nach meiner bisherigen Nutzungserfahrung noch einiges an Änderungsvorschlägen. Das hat gestern in den sozialen Netzwerken einige Leute aufgeschreckt, aber ich bin halt jemand, der Missstände auch dann (insbesondere dann) anspricht, wenn sie Dinge betreffen, die ich unterstütze. Denn ich möchte, dass Dinge, die ich unterstütze, auch ihr maximales positives Potenzial entfalten.
Natürlich war ich gestern auch noch ziemlich sauer. Immerhin bin ich gestern vormittag aufgrund der spezifischen Bedingungen auf genau dieser Strecke fast angefahren worden. Aber deshalb will ich die Strecke ja verbessern. Ich will sie auch aktiv als Keimzelle eines Radwegenetzes nutzen, das den Namen verdient hat und dafür in nächster Zeit in den städtischen Gremien Anträge für die direkte Umgebung der Route stellen. Ein solcher Antrag zur Dessauer Straße ist aktuell bei den Grünen im Umlauf, ein weiterer zur kreuzenden Hofstraße folgt zum nächsten Ratszug im Januar.

Fahrradstraße

Jetz stelle mer uns ma janz dumm: Wat is dat eijentlich, so en Fahrradstraaß?
Sorry, altes rheinisches Mem, da komm ich manchmal nicht rum. Aber um die Frage zu beantworten: Eine Fahrradstraße ist eine Straße, in der Fahrräder besonderen Vorrang genießen. Autos kann dort die Nutzung erlaubt werden, aber sie haben zum Beispiel keinen Anspruch, ein Fahrrad zu überholen. Ausserdem herrscht auf Fahrradstraßen grundsätzlich Tempo 30. Fahrräder dürfen dort auch in beide Richtungen fahren, aber das ignorieren wir mal großzügig, weil es im Gladbacher Fall dank der zwei direkt nebeneinander liegenden, durch einen Mittelstreifen getrennten Trassen nicht nötig ist und de facto auch nicht gemacht wird (wäre allerdings sehr amüsant). Nebeneinander fahren dürfen sie allerdings auch. Dass Fahrradstraßen eigentlich keine Vorfahrtsstraßen wie in Gladbach sein können, sondern dort grundsätzlich „Rechts vor Links“ herrscht, ignoriere ich an dieser Stelle ganz gerne ebenfalls, ohne es zu verschweigen. Es ist, auch wenn es zum Vorteil der Radfahrenden gereicht, symptomatisch für den dezent ahnungslosen Umgang der lokalen Verwaltung mit dem Radverkehr.
Fahrradstraßen verfolgen natürlich einen Zweck und dieser ist auch mein Anspruch an sie: Die Erleichterung, verbesserte Sicherheit und Beschleunigung des Radverkehrs in ihrem Verlauf. ich nehme damit im Übrigen auch Planungsdezernent Dr. Gregor Bonins Aussage zum ADFC beim Wort: „[…] auf der „Blauen Route“ hat der Radverkehr Vorfahrt, ob bequem nebeneinander her radeln oder schnell von einem der beiden Hauptbahnhöfe zur Hochschule oder zur Arbeit kommen, ist kein Problem mehr.“ Und genau hier gibt es nach den Erfahrungen aus meiner eigenen Benutzung der Route noch Knackpunkte. Die lassen sich alle entschärfen, aber noch sind sie da.
Ich gehe die einfach mal die Strecke entlang von Gladbach bis Rheydt durch.

1: Viktoriastraße beim Gymnasium

Da isser ja wieder, mein alter Dauerbrenner.
Im Bereich der Ausfahrt des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums (und einiger Wohnhäuser) ist die Viktoriastraße deutlich verengt. Das führte in der Vergangenheit zu Problemen mit dem Parken, mit deren Beseitigung ich ein paar Jahre politisch Spass hatte, bevor sie zufriedenstellend beseitigt waren.
Jetzt ist da eine blaue Linie auf der Fahrbahn und siehe da, es gibt neue Probleme. Hurra!
Konkret ist es so, dass der blaue Streifen die Fahrbahn leicht verengt. Das ist nicht viel, aber es reicht, damit die Begegnung von entgegenkommendem Verkehr sehr eng wird. Bisher gab es zwischen einem Auto und einem Fahrrad etwas unter 20 Zentimeter Abstand beim Entgegenkommen. Die blaue Linie führt dazu, dass Fahrer auf jeder Seite etwa 10 cm mehr Abstand vom Fahrbahnrand halten und das Ergebnis kann sich jeder ausrechnen. Das ist eine dieser Auswirkungen, die man den Planenden nicht vorwerfen kann, da sie mehr durch die Reaktion der Verkehrsteilnehmer als durch die Regelung selbst verursacht worden ist.
Priorität: Gering (Nur leichte Verzögerung)
Lösungsvorschlag: Parkende Autos entfernen
Umsetzung: Wünschenswert und einfach

2: Dessauer Straße

Nach ein paar hundert Metern unterquert die Fahrradstraßenführung die Eisenbahn. Dazu führt sie nach links unter der Bahntrasse durch, gradeaus über die Dessauer Straße und dann wieder rechts auf die Buscherstraße. Das ist für Ortsunkundige schon eine leichte Herausforderung, aber dagegen hilft eine bessere Bodenaufzeichnung und Beschilderung.
Dass diese Kurve ein Problem werden würde, war von Anfang an klar, das will ich jetzt gar nicht kritisieren. Da sind einfach die Straßenführungen im Hermges Schrott. Ich habe für den nächsten ratszug eine Vorlag vorbereitet, die Treppen am Ende der Dessauer Straße durch eine Rampe zu ersetzen, damit könnte das Problem bei einer Verlegung des nördlichen Endpunktes der Blauen Route gelöst werden.
Nein, ich möchte einfach nochmal kurz auf den Zustand hinweisen, in dem die Deutsche Bahn AG (oder deren Beauftragte) die Kreuzung nach ihrem Brückenneubau hinterlassen hat.

Die Nordkette in Österreich

Symbolbild, kaum vom Realzustand unterscheidbar – Bild: Ron Porter


Priorität: Mittel (schwere Fahrbahnschäden, aber keine Verkehrsbehinderung)
Lösungsvorschlag: Neuer Deckenüberzug
Umsetzung: Notwendig

3: Richard-Wagner-Straße

Hier kommen wir zum häufigsten Problem der Strecke: Es stehen Autos im Weg. Und hier ist die derzeitige Umsetzung nicht nur verbesserungswürdig, sondern ein Rückschritt gegenüber der bisherigen Situation. Hier ist die Stelle, die mich sagen lässt, dass die Blaue Route in ihrer gegnwärtigen Form genau den gegenteiligen Effekt hat, den eine Fahrradstraße haben sollte.
Wenn eine Fahrradstraße zur Ausbremsung des Radverkehres gegnüber der vorherigen Situation auf der selben Route führt, dann liegt eine Fehlplanung vor.
Und ich kann diese auch konkret benennen. Vorher war es so: Die Richard-Wagner-Straße war eine großzügig angelegte Allee mit zwei Bürgersteigen, zwei Fahrbahnen und in der Mitte einem Fußweg, der auch mit Fahrrädern benutzt werden konnte, aber nicht musste. Das kam sehr nah an eine perfekte Situation für alle Beteiligten. Manchmal spannte eine Hundeleine über den Mittelweg, aber damit muss man eh umgehen können, das passiert ja auch auf Feldwegen regelmäßig. Wenn tatsächlich mal ein Fußgänger auf so einer Strecke ist, nimmt man halt etwas Geschwindigkeit raus, rollt an ihm vorbei und beschleunigt dann wieder. Alles kein Problem. Noch besser wäre nur ein reiner Radweg in der Mitte gewesen, immerhin sind ja auch große Bürgersteige vorhanden.
Mit der Umsetzung der Blauen Route als Fahrradstraße wurde dieser Mittelstreifen zu einem reinen Fußweg. Das bedeutet ein Fahrverbot für Fahrräder sie sind jetzt also gezwungen, auf der Fahrbahn zu fahren. Und genau hier liegt das Problem: Die Fahrbahn ist für ein Überholmanöver zwischen einem Fahrrad und einem Auto nicht breit genug. Ist auch nur ein einziges Auto in der Straße, müssen sich alle hier fahrenden nach dem langsamsten Verkehrsteilnehmer richten, denn das Auto kann weder überholen noch überholt werden.
Das langsamste ist nicht immer ein Fahrrad, meine erste solche Begegnung hatte ich mit einer Kehrmaschine. Ich weiss, Kehrmaschinen in engen Straßen sind allgemein Ärgernisse, aber der Punkt ist: Vor der Änderung konnte ich sie problemlos über den Mittelstreifen umfahren. Das ist mir jetzt verboten. Die Neuregelung stellt hier eine klare Verschlechterung dar. Für meine zweite solche Begegnung, einen Lieferwagen beim Beladen, gilt das Selbe.
Und dann war da die Situation gestern morgen auf dem Arbeitsweg. Ich fahre, wenn ich eigene freie Wege zur Verfügung habe, recht schnell, in der Regel knapp unter 30, mit dem Liegerad auch schonmal ein paar Stundenkilometer drüber. Und so kam ich dann hinter ein Auto, welches mangels Platz gezwungen war, hinter einem deutlich langsameren Radfahrer (ich schätze etwa 12 km/h) herzuschleichen. Der Radler wäre nicht das Problem gewesen, den kann ich ja einfach überholen. Er darf ja auch gerne langsamer fahren als ich, alles kein Problem. Aber neben dem Auto war einfach nicht genug Platz zum Überholen.
Auch das allein war nicht das Problem, sowas kann ja mal passieren. Aber, auch hier muss ich nochmal betonen: Die vorherige Regelung war in dieser Situation deutlich besser. Und das ist mein Maßstab hier: Hat die Fahrradstraße die Situation für den Radverkehr verbessert? Das muss ich hier ganz einfach verneinen, sie hat sie sogar verschlechtert. Vorher konnte ich in dieser Situation auf den Mittelweg schwenken, dort überholen (eine angemessene Geschwindigkeit auf dem Fußweg war immer noch schneller als diese Straßensituation) und dann auf die Straße zurückkehren.
Im Übrigen war auch dem langsameren Radfahrer die Lage sichtlich unangenehm: Er fuhr so weit rechts, wie es irgendwie ging, um den Autofahrer passieren zu lassen, aber was er auch tat: Der Raum reichte nicht aus. Und auf einer Fahrradstraße dafür abzusteigen, kann man auch nicht verlangen. Das würde dem Sinn dieser Anlage ja ebenfalls widersprechen.
Priorität: Mittel (regelmäßiges Einzelfallproblem mit punktuell mäßiger Verkehrsbehinderung)
Lösungsvorschlag: (Wieder-)Freigabe des Mittelstreifens für Fahrräder
Umsetzung: Einfach, aber nicht so wichtig

4: Parkbuchten Brucknerallee

Kommen wir von „lästig“ zu „lebensgefährlich“.
An der Brucknerallee endet der Mittelstraße mit der Querung der Nordstraße und es folgt ein konventioneller Straßenschnitt. Das war nicht immer so (deshalb heisst die ja Brucknerallee), aber in meiner Lebenszeit halt schon. Sprich, es gibt eine Fahrbahn mit Bürgersteigen und auf diesen Bürgersteigen liefen bis zur Umstufung zur Fahrradstraße Radwege.
Eine Besonderheit an der Brucknerallee sind die Parkbuchten, die teilweise quer zur Fahrbahn gebaut sind. Sowas wird heutzutage aus gutem Grund nicht mehr gebaut, bestenfalls noch in Parkhäusern, in denen ja auch entsprechend anders gefahren wird. Für den Radweg bedeutet das: Manchmal ragt da eine Motorhaube zu weit über den Parkplatz hinaus, da muss man halt schauen.
Die Radwege sind mit der Umwidmung weggefallen. Das ist rechtlich auch richtig, eine Fahrradstraße kann keine benutzungspflichtigen Radwege haben, das wäre ja auch widersinnig. Nun ist es mir gestern passiert, dass ein Golf rückwärts in genau dem Moment ausparkte, in dem ich hinter ihm vorbeikam. Hätte ich in diesem Moment vor Schreck gebremst statt durchzuziehen, hätte er mich umgeworfen.
Der Fahrer konnte mich nicht gesehen haben, da ist ihm kein Vorwurf zu machen. Ich meine, ich sah von ihm ja auch nicht mehr zwischen den anderen Parkbuchten herausragen als seine hintere Stoßstange. Aber ich kann auch nicht vor jeder Parkbucht halten um zu schauen, ob da nicht grade jemand im Rückwärtsgang aufs Gaspedal tritt.
Glücklicherweise kann man das relativ einfach lösen, indem man die Autos nur noch so einparken lässt, dass sie beim Ausparken vorwärts fahren, die Fahrbahn also im Sichtfeld haben wie an einer Kreuzung. Auch hier gilt: Vorher war es besser. Aber es wäre auch keine gute Lösung, die alte Situation wiederherzustellen, nur stellen die anderen Lösungen eine Verbesserung dar, während ein Zurück nur den Status Quo erhalten würde.

Reihe quer parkender Autos mit dem Heck zur Straße

Und so sehen Autos von hinten aus. Bis auf den schwarzen Wagen in der Mitte, der parkt mit Hirn


Priorität: Hoch (Unfallrisiko ist allein wegen des geringen Verkehrsaufkommen gering)
Lösungsvorschläge (geordnet nach Präferenz): Entweder Abschaffung des Querparkens oder Pflicht zum rückwärtigen Ein- und vorwärtigen Ausparken oder Reaktivierung der Radwege auf dem Bürgersteig
Umsetzung: Reicht von „einfach“ (Alternative 1) über „schwierig und teuer“ (Alternative 2) zurück zu „einfach, aber nicht sonderlich gut“ (Alternative 3). Es ist aber zu betonen, dass nur eine dieser Alternativen umgesetzt werden muss.

Fazit

Die Fahradstraße ist ein typisches Beispiel für ein Projekt, in dem Theorie und Praxis ordentlich auseinanderdriften. Das aber sollte niemanden davon abhalten, dazuzulernen und Fehler zu korrigieren.
Im Grunde war die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee eine denkbar ungeeignete erste Fahrradstraße, einfach weil dort der Autoverkehr nicht herausgenommen werden kann. Aber sie jetzt wieder zurückzunehmen, ist auch keine gangbare Alternative. Also müssen wir das jetzt konsequent durchziehen. Direkt benachbart oder auf die Route zuführend sind Wege, die tatsächlich extrem schlecht sind und die es viel nötiger hätten, verbessert zu werden — da muss man jetzt ran.
Wenn wir es vermeiden können, in der Diskussion Schwarzweissbilder mit Routenfreunden und Routengegnern zu malen, und statt dessen die Anlage auf Grundlage der Praxiserfahrungen verbessern, kann da eine richtig gute Anlage mit positiven Effekten für den gesamten Radverkehr draus werden.


Ratswebcam – Operation Bildstörung

Dass das Wörtchen „Jein“ eine deutsche Erfindung ist, sagt so unglaublich viel über die hiesigen Entscheidungsträger aus. Eine andere beliebte deutsche Phrase ist die „Angst vor der eigenen Courage.“ Trifft beides zusammen und würzt es mit einer Prise Peinlichkeit, kommt das Possenspiel „Ratswebcam Mönchengladbach“ heraus.
Dass es ein Rheydter war, der dem Begriff „possierlich“ zu Ruhm verhalf (Tierfilmer Heinz Sielmann), passt übrigens ebenfalls hervorragend. Doch nun zum Thema „Volksvertreter in geheimer Mission“:

Eine Person, die auffällig dem Oberbürgermeister von Mönchengladbach ähnelt, durch einen Augenbalken anonymisiert

Psst, den darf man online nicht sehen – Ursprungsbild: Wikimedia-User Neozoon CC-BY-SA

Ich mag diese Geschichte ja, die lässt sich so richtig schön als Romanhandlung aufbauen. Wer also auch schon immer Bücher schreiben wollte, aufpassen, ich führ euch das mal vor. Und einige der handelnden Personen führen sich praktischerweise selber vor.

Prolog

Es war einmal, vor langer Zeit (Januar 2010) in einer fremden Galaxie (Twitter), da gab es eine Diskussion über das Thema „Live-Übertragung der Ratssitzungen im Internet“, oder kurz: Ratswebcam. Torben Schultz und ich selbst traten dort als Potagonisten auf, während etwaige Antagonisten in den Schatten verblieben. Wenn ich mich recht entsinne, gab es dazu sogar schon 2009 Gespräche.
Nun war es nicht einfach, alle von dieser Sache zu überzeugen. Schon damals hatte so mancher Sorge um das Recht am eigenen Bild angemeldet. Und so verschwand das Thema wieder. Doch es verblieb immer in den Hinterköpfen, kam hier wie dort mal wieder auf und setzte sich in dieser Form fest.

Akt 1: Aufbau

Ein solches kurzes Aufkeimen des Pflänzchens „Webcam“ gab es 2014. Die Junge Union findet Kameras nämlich allgemein ganz toll und fordert sie daher gerne an jedem sich bietenden Ort. Das ist nur konsequent, wenn auch etwas rückwärts gedacht: Wer die Bürger überwachen will kann dies nicht intellektuell redlich tun, ohne auch deren Vertreter in Amtsausübung unter Beobachtung zu stellen.
Ich würde ja eher sagen, dass relevante öffentliche Veranstaltungen der gewählten Volksvertreter grundsätzlich zugänglich zu machen sind, während es nicht zu rechtfertigen ist, Menschen allein aufgrund ihrer Anwesenheit auf einem öffentlichen Platz mit einer Kamera zu konfrontieren, aber hey, das ist jetzt ein anderes Thema. Na gut, man kann es jetzt schon als Subplot einbauen, immerhin wird es im Finale wichtig.
Nun erwirkte die JU 2014 einen CDU-Beschluss zur Einführung einer Webcam, die Stadtratssitzungen live übertragen sollte. So weit, so gut. Und da die JU dennoch artig als Antagonist agiert, tut sie so, als wäre die Idee auf ihrem eigenen Mist gewachsen, ganz im Gegensatz zu unseren sympathischen Helden, die stets ihre Mitstreiter aufs Podest heben. Ausser ihre Mitstreiter sind Chewbacca, aber das ist jetzt was anderes. Chewbacca kriegt halt keine Medaillen.
So oder so, wir haben jetzt Protagonisten, eine Andeutung, wer sich zum Antagonisten entwickeln könnte und die Grundlagen für einen Konflikt.

Akt 2: Der Konflikt

Irgendwie fehlt dem Konflikt Selbstdarsteller gegen Teamspieler noch ein wenig der Wumms. Kein Problem, da kann ja noch was kommen, erstmal steuern wir jetzt auf das große Überraschungsmoment zu. Eine Weile muss jetzt noch alles gutgehen, dann kommt der Wumms. Und dann muss der Wumms richtig wummsen. Mal sehen, was unsere Figuren so machen.
Zunächst geht alles gut und steuert auf ein vermeintliches Happy Ending zu. Alle in der Geschichte nennenswerten Betroffenen treffen sich, tauschen Positionen aus und finden ein gemeinsames Ziel, welches dann umgesetzt wird. Der Rat beschließt die Live-Übertragung und Aufzeichnung der Ratssitzungen für ein paar Testläufe. Der Beschluss wird einstimmig angenommen. Und in der ersten übertragenen Sitzung macht sogar niemand von seinem eingeräumten Recht Gebrauch, die Übertragung durch Hochhalten blauer Karten für seine oder ihre Beiträge pausieren zu lassen. Schön.
Unsere Antagonistin, nun die CDU als Mutter der JU, bringt zwar zeitgleich ein paar etwas zweifelhaftere Beschlüsse mit, bei der sie die ursprünglich für notwendig erklärte Video-Überwachung des Sonnenhausplatzes kurzum zu „touristischen Webcams“ umdeklariert, aber jedes gute Ensemble in der Literatur hat halt einen Opportunisten, der insgeheim nur darauf wartet, seinen eigenen Nutzen aus der ganzen Sache zu ziehen. Die Sitzung war zur arbeitnehmerunfreundlichen Zeit von 13:00 Uhr angesetzt, da die Sendeleitung Fußball halt wichtiger fand als Politik. Die Presse macht sich etwas über die Sitzung lustig, aber so ist die Presse halt. [Anm. d. Red.: Bitte nochmal ins Lektorat. Der Beitrag vom Schnettler ist zu platt, niemand schreibt ernsthaft so einen politisch voreingenommenen Scheiss]
Aber hier endlich kommt der Wumms.
Und wir haben ihn geschickt versteckt. Ein ranghoher Vertreter unserer Antagonistin, dessen Name übrigens von seinem flegelhaften Benehmen in Ratssitzungen inspiriert ist [Anm. d. Red.: „Doktor Flegemilch“ ist als Name etwas zu platt, können wir da noch was machen?], hat im Laufe der Sitzung wie üblich Argumente durch Lautstärke ersetzt. Er war sich auch nicht zu schade, Leuten anderer Meinung aufgrund dessen gesundheitliche Probleme zu unterstellen, wie wir im Zeitungsartikel subtil angedeutet haben. [Anm. d. Red.: Das nennst du „subtil andeuten“? Stümper!] [Anm. d. Verf.: Jetzt langt’s mir aber! Der Rest wird ohne Redaktion gemacht]
*räusper*
Das ist ihm nunmehr verständlicherweise peinlich. Er lässt sich also aus der später veröffentlichten Aufzeichnung der Übertragung ohne jegliche Begründung rausschneiden. Aber man kann den Grund ja erahnen, es muss ja nicht alles immer so offensichtlich reingeschrieben werden. Man sollte immer damit rechnen, dass die Leser schlauer sind als der Autor und es nicht mögen, wenn man all zu direkt Offensichtlichkeiten ausführt.
In den Reihen der Dezernenten kommt einer dazu, der regelmäßig durch Grimassen und Nickerchen in Ratssitzungen auffällt und dies ebenfalls ungern im Video hätte. Er ist nicht so wichtig, geben wir ihm einen langweiligen Namen. Doc Fischer oder so.
Die restlichen Dezernenten und der Oberbürgermeister bekommen ebenfalls Angst vor der eigenen Courage und lassen sich entfernen. Das ist natürlich ein absolut unerwarteter Twist, sind diese Personen doch sonst nicht grade als kamerascheu aufgefallen.
Übrig bleibt eine Art Greatest-Hits-Album des Duos Schultz & Dr. Wolkowski. Das finden diese sowie der bisher in dieser Geschichte eher im Hintergrund agierende Gutowski nicht ganz so toll, wie man meinen könnte, denn es sind Protagonisten, die als Volksvertreter das Bestreben haben, im Sinne des Volkes zu handeln.
Und da haben wir ihn, den richtig großen Konflikt. Das Volk will wissen, was seine Vertreter tun, doch deren Anführer wollen das Volk nur mit ihnen genehmen Kostproben bei Laune halten. Klare Motivationen, klare Zuordnungen, klare Problemlage. Heimlichtuer gegen Volksfreunde! Herrlich! Hollywood-Material!
Moment, wir brauchen noch einen guten Kontext für das große Finale. Genau, ich weiss: Ein paar Tage später ist Karneval! Großartig! Könnte man nicht besser erfinden!

Akt 3: Finale

Werden unsere Helden triumphieren? Werden unsere Antagonisten geläutert und erkennen, dass sie als Gewählte ihren Wählern diese Transparenz schuldig sind? Werden Sie auf den Herausschnitt bestehen und dafür konsequenterweise die Videoüberwachung des öffentlichen Raumes beenden? Oder werden auf dem Sonnenhausplatz in Zukunft blaue Karten zum Hochhalten verteilt? Wird gar doch die Angst obsiegen? Kommt irgendwann nochmal eine Anspielung auf „Krieg der Sterne“? Wird Schultz der Presse je beigebracht bekommen, dass er mit einem T geschrieben wird?
All das und (wahrscheinlich) noch einiges mehr im Finale dieser großartigen Saga, die mit viel zu viel Anführungszeichen, aber dennoch recht harmlos, begann!

Romankritik

Rezension von Irgendson Fatzke
Ein recht seltsamer komödienhafter Regiokrimi mit starker Provinz-Atmosphäre aus einer vorgeblichen Weltstadt tief im Westen. Viel zu langsamer Anfang, die Motivation einiger Antagonisten bleibt unklar, offenes Ende. Und natürlich wenige Tage vor Karneval, so wie in Hollywood Szenen in Chinatown immer zum chinesischen Neujahr stattfinden. Das Manuskript hätte insgesamt mehr redaktionelle Betreuung gebraucht.
2 von 5 Sternen

Pff, Kritiker, was wissen die schon?


Das war 2016

Okay, es ist der 31. Dezember und damit Zeit für den Jahesrückblick. Und es war ein Jahr, in dem man gut sehen konnte, wieso Jahresrückblicke nicht vor dem letzten Tag geschrieben werden sollten. Ich meine, Carrie Fisher und ihre Mutter starben beide in der Woche zwischen Heiligabend und Neujahr. Liebe Fernsehsender, nehmt euch einfach an mir ein Beispiel: Jahresrückblicke gibt es ausschließlich am 31. Dezember.
Nun, da das klargestellt ist, weiter zum Rückblick auf mein 2016. Mein öffentliches 2016, den Rest erfahren jene, die es etwas angeht. Andernorts. Vielleicht. Wenn sie fragen. Vielleicht. Aber jetzt erstmal Musik und dann weiter im Text.

Weg ins Fahrradies

Das Jahr begann mit einem Fahrradtransport, als ich am 2. Januar meinen Eltern half, ein Dreirad aus einem Dorf am tiefsten Niederrhein (oder ist Gronau schon Münsterland?) abzuholen, also kann ich auch mit den Rädern weitermachen. Es war ja auch mein erstes Jahr mit Liegerad.

Ausschnitt aus der Fahrraddemo Sternfahrt Düsseldorf 2016 mit verschiedenen Rädern und Fahrern, im Vordergrund der Autor des Blogs

Entspannt, cool und ein tolles Fotomotiv: Ich in Düsseldorf – Bild: Zoe Duisberg/ADFC NRW

Trotz einiger Reparaturen, die anfangs nötig wurden und einer gebrochenen Schraube, die zu weiterem Reparaturbedarf führte muss ich sagen: Ich bin zufrieden. Das Gefährt brachte mich zu den Sternfahrten des Jahres in Düsseldorf und Mönchengladbach (Köln übersprang ich trotz anderer Absichten wegen des Wetters), aber auch zu meinen Touren ins Braunkohlenrevier und auf der längsten Tour des Jahres zu einer Tihange-Demo in Aachen.
Das Fahren ist nach kurzer Eingewöhnung angenehm und schnell, nur die Rennhaken an den Pedalen waren mehr lästig als hilfreich und so lernte ich sie praktisch sofort zu ignorieren. Als kleinen Bonus konnte ich dank der hohen Lage der Beine mehrmals trockenen Fußes recht tiefe Pfützen durchqueren. Das war natürlich keine Absicht aber wenn der Radweg bei Aachen plötzlich unter der Landstraße durchführt, um die Seite zu wechseln, macht man daran nach einem Wolkenbruch recht wenig.
Wie erwartet teilt sich das Liegerad nun mit meinem alten Mountainbike die Aufgaben. Das MTB zieht Lasten und trät mich, wenn ich einen Rucksack brauche, das Liegerad übernimmt die längeren Strecken und Tagesausflüge. Was nicht heissen soll, dass der Lieger nicht ebenfalls einiges an Transportvolumen hätte, was ich im August ausprobieren konnte, als mir auffiel, dass bei einem Stand in Neuwerk alles bereits im Vorfeld vor Ort gebracht war, ausser dem Tisch. Das hat übrigens überraschend gut funktioniert, als wäre der Tisch dafür gemacht.
Liegefahrrad mit einem mit Kabelbindern daran befestigten Klapptisch

Mein Beitrag zum Wikipedia-Eintrag für das Stichwort Eleganz

Die andere Option für die Überschrift dieses Abschnitts wäre übrigens Road to EldoRADo gewesen. Schätzt euch glücklich.

Schrifstellerei und so

Cover of How to Sing Butterflies How to Sing Butterflies DX Edition2016 war kein so produktives Jahr, wie ich mir das gewünscht hatte. Ein großer Teil davon war das, was ich als „Unglück des 11. März“ im Gedächtnis behalten werde. An diesem Tag kam es auf meinem Laptop zu einem umfassenden Festplattenausfall, ausgelöst durch einen Systemabsturz,der wiederum auf einen Absturz von Flash zurückging. Ich hatte kein aktuelles Backup und tatsächlich grade erst mein letztes Backup auf genau diesem Rechner zwischengespeichert. Das war eine ziemliche Katastrophe.
Nun, ich habe dennoch eines meiner anvisierten Projekte zum Abschluss bringen können. Die englische Sammlung How to Sing Butterflies vereint den Großteil meiner Kurzgeschichten in einem Band, von dem zwei Varianten erschienen sind: Eine Standardausgabe mit den Geschichten und eine DX-Ausgabe, ergänzt um Hintergründe zu jeder Geschichte. Ich zähle einige der Kurzgeschichten wie die Titelgeschichte und Sleeper Hit derzeit als meine besten kreativen Arbeiten.
Eine dieser Arbeiten schaffte es dann auch 2016 in meinen ersten Beitrag in einer Anthologie, wobei die Auswahl schon 2015 getroffen wurde. Die Indies Unlimted 2015 Flash Fiction Anthology enthält 52 Geschichten mit je bis zu 250 Wörtern. Flash Fiction ist nicht einfach, aber eine sehr willkommene Herausforderung. Bei mir funktioniert das üblicherweise so, dass ich einen spontanen Gedanken habe und den dann umsetze um selbst zu schauen, was daraus erwächst. Kombiniert mit der Kürze des Formats, welches zu einer sehr bewusst gewählten und dichten Sprache führt, eine sehr schöne Literaturform sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben.
Mein Beitrag in dieser Anthologie war Delayed Vengeance, eine für mich eher untypische, weil vollkommen in der Gegenwart verhaftete Geschichte um einen Polizisten und seine Pensionszeit auf einem Kreuzfahrtschiff. Sie ist in beiden Sammlungen erschienen, in denen ich dieses Jahr vertreten war.
Im Dezember folgte der Veröffentlichung dieser Anthologie eine Papierausgabe, meine erste Veröffentlichung auf Papier, wenn man redaktionell de facto nicht bearbeitete Fanzines ignoriert.
Eine SF-Weihnachtskurzgeschichte schaffte es nicht in die Anthologie, für die ich sie geschrieben habe. Sie wird 2017 gute Verwendung finden. Eine weitere SF-Weihnachtskurzgeschichte verfasste ich diesen Monat für eine Blogparade im englischen Blog, auch sie wird nächstes Jahr eine weitere gute Verwendung finden.

Zum 1. Mai beendete ich das (vor allem für Twitterverhältnisse) langjährige Projekt eBooks für lau. Es war mein erfolgreichstes Internetprojekt seit dem Exergaming-Blog Sporle & Co. im letzten Jahrzehnt, aber irgendwann war seine Zeit dann vorbei. Es wurde zunehmend schwieriger, das Verlinken kostenloser eBooks wirtschaftlich tragbar zu halten. Andere Plattformen wie XTME begannen, auch runtergesetzte Angebote bezahlter Bücher zu verlinken, das aber war in diesem Twitterkonzept schwieriger, da jeder Link für sich selbst stand. Und so beendete ich eBooks für lau nach fast fünf Jahren. Letztlich war es einfach an der Zeit.

Das Jahr endet schriftstellerisch mit dem ersten Auftrag, ein komplettes Buch aus dem Englischen zu übersetzen. Mehr oder weniger schriftstellerisch, es handelt sich um ein Kochbuch für Schmortöpfe. In einer besonderen Premiere ist das mein erster Vertrag mit Partnern auf drei Kontinenten (Nordamerika, Europa, Asien) – auch mal was neues.
Diese Übersetzung seht ihr dann 2017.

2017 deutet in diesem Bereich mit meinem ersten Besuch eines Autorentreffs in Mönchengladbach an, etwas, was ich weiterführen will. Es sieht nach diesem ersten Mal so aus, als würde das auch meiner Produktivität helfen. Ich muss sowieso wieder mehr im deutschsprachigen Raum machen.

Etwas anderes im kreativen Bereich war dann noch die Bildgestaltung. Ich habe mich zwischendurch daran versucht, mal ein Bild gezielt auf die sozialen Medien ausgerichtet zu erstellen, statt den jeweiligen Text einfach als Text zu schreiben. Hier die Ergebnisse.

Tatsächlich extrem entspannend

Tatsächlich extrem entspannend

Ich mag Füchse und das Original dieses Liedes war gemein zu ihnen

Ich mag Füchse und das Original dieses Liedes war gemein zu ihnen

Von solchen Experimenten wird es in Zukunft mehr geben.

Politisch immer voran

Dass es 2016 mehrmals galt, bei Aufmärschen rechter Gruppen und Bündnisse Flagge zu zeigen, darauf hätte ich gern verzichten können, aber leider war 2016 ein großes Jahr für den politischen Rückschritt. International wie national war es 2016 überaus frustrierend, als Politiker im linken Spektrum zu stehen. Ich bin dieses Jahr müde geworden, immer das Schlechte zu bekämpfen.
Glücklicherweise gab es aber auch noch andere Anlässe für Demos. Okay, glücklicherweise ist hier nicht ganz richtig, aber ihr wisst, was ich meine. Tihange hatte ich ja schon erwähnt, Garzweiler II war ebenfalls ein sehr präsentes Thema. Die beiden Infostände gegen Massentierhaltung vor Lidl-Filialen in Rheydt und Gladbach waren aber sehr angenehm und effektiv.
Im Gegenzug ist es mir wichtig geworden, das Gute zu fördern und mich dafür einzusetzen. 2016 trat ich bei den Fachgruppen (Landesarbeitsgemeinschaften) Verkehr und Säkulares der Grünen NRW bei, um auf Landesebene aktiv daran arbeiten zu können. Das gipfelte vorerst am ersten Dezemberwochenende auf dem Landesparteitag in Oberhausen, mit dem ich sehr zufrieden bin (hinter dem Link: Eine lange Liste von Forderungen, die wir aus Mönchengladbach ins Landtagswahlprogramm der Grünen einbringen konnten).
Zufrieden war ich zuvor auch mit der Podiumsdiskussion zum Radverkehr in Mönchengladbach, veranstaltet vom ADFC. Hier konnte ich unter Beifall mein Ansinnen vorstellen, Mönchengladbach zu einem wichtigen Knotenpunkt eines landesweiten Radschnellwegenetzes zu machen, das sich nun ja auch in allgemeinerer Form im Landtagswahlprogramm wiederfindet. Hier im Blog brachte ich dazu innerstädtisch ein vielleicht etwas utopisch anmutendes, aber dankbar diskutiertes Konzept ein.

Exkursion an den Braunkohlentagebau Garzweiler II

Heute noch stehen wir am Abgrund, doch morgen schon sind wir einen Schritt weit… äh, Moment mal

Abseits der Parteipolitik gab es dann noch ein Gartenprojekt. Ein Bürgergarten in meiner Nachbarschaft. Doch auch wenn ich mich sehr freue, kommen die Unterschriftsberechtigten nicht so richtig in die Hufe mit den letzten Details zum Pachtvertrag. Das ist eien seltsame Mischung aus Begeisterung und Enttäuschung, aber noch läuft der Prozess. 2017 muss das was werden,momentan sieht es immer noch so aus wie im Sommer, nur halt winterlicher.
Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde

Weiter im Blog

Vergleich der Gestaltung des Blogs von Mitte 2015 bis Ende 2016

Ein Blog, zwei Jahre

Möglicherweise habe ich etwas zu viel am Blogdesign rumgeschraubt, aber das Ergebnis ist ein perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes, einmaliges und ennoch schlichtes Design mit ein paar hübschen Finessen. Das einst in meinen Augen recht hässliche Blog hat sich zu einem modernen Stück Internet entwickelt, in dem übrigens so gut wie alles ohne spezielle Skripte umgesetzt ist.
Für das letzte Beispiel habe ich einen anderen Beitrag ausgewählt, um meinen veränderten Umgang mit Bildern zu betonen. Jeder Beitrag hat inzwischen auf den ersten Blick ein Bild oder ein Video eingebettet, damit es nicht mehr nach trostloser Buchstabenwand aussieht. Das hat auch den Effekt, dass es in den sozialen Netzwerken ein schöneres Vorschaubild gibt.
Die Reihe Less Litter Lifestyle ist gestalterisch als Experiment gestartet, gezielt Pinterest anzusprechen und zugleich das Design des Blogs auch für andere Medieninhalte zu verwenden.
Ich glaube, damit ist das Blog nun so gut wie fertig. Es ist vor allem auch bereit für meine Pläne für 2017. Doch dazu morgen mehr.

Soweit die großen Dinge. Es gibt viele kleine Dinge, viele persönliche Dinge. Menschen, die ich getroffen habe, Dinge, die ich erlebt und gelernt habe, vieles, von dem ich glaube, dass es nicht in dieses Blog gehört oder wenigstens nicht in einen Jahresrückblick. Ich war nicht so produktiv, wie ich von mir selbst erwarte, aber das bedeutet in keinster Weise ein Jahr, in dem nichts geschehen ist. Ich könnte jetzt eine Diaschau mit mehreren hundert Fotos aus 2016 starten. In keinem Jahr zuvor habe ich je so viele Fotos gemacht.
Es war für mich auch ein Jahr vieler Vorbereitungen für ein aufregendes Folgejahr. Privat, beruflich, politisch.

Wir sehen und morgen zum Ausblick auf 2017. Esst bis dahin mal wieder was Gesundes. Macht euch einfach einen Smoothie mit eurem Lieblingsobst und Nüssen. Bis bald!

Eine Tüte Jellybeans und Rumkugeln vor einem Küchenmixer

Bestes Rezept meiner Sammlung. Mit Abstand. Und 2016 ganz allein ausgedacht!


Wir basteln einen Radschnellweg Lürrip-Innenstadt

Nachtrag, Januar 2018: Inzwischen enthält die Planung der City Ost eine Fahrradbrücke über die Breitenbachstraße. Ich habe angefangen nachzubohren, ob man nicht die ehemalige Bahntrasse zum Geneickener Bahnhof (der rechte türkise Bereich in der zweiten Karte) überplanen kann. Vergisst man die durchgehende Hochtrasse und setzt statt dessen noch eine Brücke über die Korschenbroicher Straße, sind wir von dieser Idee gar nicht mehr so weit weg.

Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach angedeutet, dass ich mir einen Radschnellweg südlich des Hauptbahnhofes MG vorstellen könnte, quasi als Ergänzung zum SPD-Vorschlag eines solchen Weges im Norden der Stadt (der in meinen Augen irgendwie kein wirkliches Streckenziel hat, er wäre halt da). Ich will das nun etwas genauer ausführen. Aber zunächst ein paar Karten zum Erschrecken, dann die Erklärung:

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm
dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße
Zum Vergrößern aufs Bild klicken
Hinweis: Eine Rampe zur Kranzstraße fehlt hier nur versehentlich

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Ziele

Ein Radschnellweg ist meines Erachtens dann sinnvoll, wenn er vorhandene Strukturen verknüpft oder zusammenfasst oder aber wenn er lohnende Ziele ansteuert.
Also zunächst zu den vorhandenen Strukturen: Es gibt in Mönchengladbach einige gute oder potenziell gute Verbindungen. Der von Wickrath weit in den Niederrhein führende Nierswanderweg sticht hervor, daneben gibt es noch die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee (Hermges-Rheydt), die Landwehr (Dahl-Ohler-Pongs), die Korschenbroicher Straße (Mönchengladbach-Neuss) und einige wenig bis nicht genutzte Straßen im Raum Rheindahlen/Hardt, über die Fahrten in Richtung Süden (Erkelenz, Heinsberg, Aachen) und Niederlande (Roermond) möglich sind. Hinzu kommen Planungen für eine Fahrradstraße in der Heinrich-Sturm-Straße (als auch heute schon nutzbare Unterquerung des Bahndammes) und der genannte Radschnellweg weiter nördlich. Im Bereich der von mir angedachten Strecke gibt es noch ein paar kleinere Verbindungen, die ich nicht alle aufzählen möchte.
Relevante Ziele in Gladbach sind sicherlich die beiden Hauptbahnhöfe mit ihren Radstationen und der jeweiligen Anbindung zur Innenstadt, die größeren Stadtteilzentren (Wickrath, Rheindahlen), das Umland (u.a. Krefeld, Viersen, Neuss/Düsseldorf, Heinsberg, Niederlande) und natürlich die Verknüpfung der Stadtteile untereinander.

Definition Radschnellweg

Okay, das ist für die nächsten Ausführungen wichtig, vorab zu klären: Ich definiere den Radschnellweg im Folgenden als eine zu anderen Verkehrsträgern kreuzungsfreie Verbindung, die rein für die Benutzung durch Fahrräder (der Einfachheit halber einschließlich Pedelecs und Mofas) gedacht ist. Es gibt noch ein paar weitere Bedingungen für die Bezeichnung, die unabhängig vom Konzept leicht umsetzbar sind und daher hier keine Rolle spielen sollen. Also quasi als Fahrradgegenstück zur Autobahn.
Damit lege ich einen höheren Standard an, als der Radschnellweg 1 im Ruhrgebiet. Daraus folgt: Eine Umsetzung mit Abstrichen ist natürlich möglich, das hier ist die Maximalvariante.

RS-MG-OS

Der Radschnellweg Mönchengladbach Ost-Süd (hoffentlich offensichtlicher Arbeitstitel) fände seinen Anfangspunkt am S-Bahn-Haltepunkt MG-Lürrip, unweit der Korschenbroicher Straße, die hier ostwärts über den Nierswanderweg und in Richtung Neuss führt. Diese Nähe kann in der weiteren Zukunft als Anknüpfungspunkt für eine Verbindung des Gladbacher OS-Weges mit dem Endstück der bereits geplanten Verbindung Monheim-Düsseldorf-Neuss dienen. In Kombination mit den Überlegungen, den nördlichen Radschnellweg nach Krefeld anzubinden, würde Mönchengladbach dann zu einem zentralen Knotenpunkt des landesweiten Radschnellwegenetzes.
Von hier aus bietet sich zunächst an, den Weg auf dem derzeit noch leeren ehemaligen Bahndamm zu führen, der sich schon jetzt vom Bahnhof Lürrip bis zur Breitenbachstraße befahren lässt, allerdings als abgeräumtes ehemaliges Bahngelände nur mit einem guten Mountainbike. Das ist der einfache Teil, der praktisch sofort umgesetzt werden könnte. In der Karte ist das das große ebenerdig (grün) angelegte Stück.
An der Breitenbachstraße kann man den Weg natürlich in das Straßennetz zurückführen. Für den Namen „Radschnellweg“ wäre dies aber dann doch etwas mickrig. Aber wie kommen wir weiter? Nun, wie wäre es damit:

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich - Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich – Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Das ist Cykelslangen, ein auf einer Hochtrasse angelegter Radweg in Kopenhagen. Am oberen Ende auf dem Bild beginnt er mit einer Rampe und steigt auf eine Höhe von 5,50 Metern.
Ich könnte mir vorstellen, mit einer solche Hochbahnführung auf Höhe der Bahntrasse den Radschnellweg weiterzuführen, mit mehreren Rampen an geeigneten Stellen. Wohlgemerkt auf Höhe der Bahntrasse, nicht auf der vorhandenen Bahntrasse. Der Weg würde südlich an die Bahntrasse angeflanscht. Da sich der Weg an der Südseite des Bahndammes befinden würde, gäbe es auch nichts, was durch den Radweg verschattet würde, die Sonne steht ja in unseren Breiten eher selten im Norden. Dieser erhöhte Teil kann dann an unterschiedlichen Stellen in Höhe des Berliner Platzes enden, beispielsweise in Form einer Rampe zur Oststraße, die abzweigende Schienenverbindung ins Rheydter Industriegebiet begleitend oder in die geplante Unterführung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Korschenbroicher Straße hinein.
Man muss aber auch ehrlich sein: Das ist ein teures Vorhaben. Ein Brückenbauwerk dieser Länge dürfte über den Daumen gepeilt so etwa 2-3 Millionen Euro kosten. Das kann die Stadt nicht tragen, das müsste ganz klar im Landesprogramm für Radschnellwege getragen werden, wenn man es umsetzen will.

Weiter in die Zukunft

Der südliche Endpunkt kann in der weiteren Entwicklung natürlich noch weiter entwickelt werden. Es könnte sich beispielsweise sehr lohnen, den Weg entlang der abspaltenden Bahntrasse bis zum Geneickener Bahnhof weiterzuführen, wo die Bahntrasse endet und ein bereits vorhandener Radweg anschließt, der bis zur Odenkirchener Straße läuft. Dort endet er zwar recht abrupt, aber immerhin.
Die attraktivere Verbindung wäre eine Lösung, um die Theodor-Heuss-Straße zu überqueren und auf die Dessauer Straße oder die August-Oster-Straße zu kommen, wo eine Verbindung zur Richard-Wagner-Straße und somit zur angedachten Radwegeführung zum Hauptbahnhof Rheydt möglich wäre. Ist die Theodor-Heuss-Straße einmal gequert, kann man den Radverkehr auch zur Landwehr leiten, an der entlang es zum Stadtwald und von da aus ins westliche Umland geht. Hier haben wir dann unsere Verbindung zur Schiene Erkelenz-Aachen und in die Niederlande.
Andernorts im Streckenverlauf ist es dann noch nötig, die Lücke zwischen diesem Radschnellweg und dem im Norden zu schließen.
So oder so wäre Mönchengladbach mit einem solchen Vorhaben ein bedeutender Knotenpunkt für den überörtlichen Radverkehr. Das kann sich für die Stadt enorm lohnen.

Spinne ich?

Vermutlich. Aberich halte spinnen für den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Erstmal spinnen, dann auf das realisierbare runterbrechen und dann machen. Aber man muss auch sagen: Wir haben es geschafft, in relativ wenigen Jahren ein Autobahnnetz durch die gesamte Bundesrepublik zu bauen. Da ist das hier nichts gegen.



Samstägliche Sechs 01.10.2016

Jede Woche Freitag oder Samstag, je nachdem, wann es zeitlich klappt, die fünf beziehungsweise samstags sechs Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche: Dinge für Dinge!

1. Paris für Fußgänger

Anders als die meisten Reisebroschüren finde ich Paris nicht sonderlich schön. Zuviel Beton, zuviele Straßen, zuviele Autos. Nun, auch die Bürgermeisterin von Paris hält letzteres für ein Problem und nun ist die Stadt auf dem Weg, das rechte Ufer der Seine für Autos zu sperren und statt der Straße eine Flaniermeile einzurichten. Damit sähe Paris dann deutlich mehr so aus, wie man sich das als Tourist vorstellt.

Paris ohne Autos am rechten Seine-Ufer Derzeit ist da eine große, regelmäßig verstopfte Straße - BIld: Stadt Paris

Paris ohne Autos am rechten Seine-Ufer Derzeit ist da eine große, regelmäßig verstopfte Straße – Bild: Stadt Paris

2. Polizei für Banksy

Aus der beliebten reihe „hihi“ - Bild: Facebook/Red & Black Anarchists

Aus der beliebten Reihe „hihi“ – Bild: Facebook/Red & Black Anarchists

3. Wasserstoff für Flugzeuge

Ich bin noch nicht überzeugt, dass es eine gute Idee ist, CO2-Abgase durch H2O-Abgase zu ersetzen, denn auch heisser Wasserdampf wirkt auf das Klima alles andere als normalisierend. Aber die Technik steckt noch so weit in den Kinderschuhen, man hat wohl genug Zeit, die Wirkung von zusätzlichem Wasserdampf als Treibhausgas zu untersuchen. Vielleicht ist die Menge ja relativ zur Gesamtwassermenge gering genug, dass es egal ist.
Grundsätzlich öffnet ein Wasserstoffflugzeug aber auch den Weg zu anderen Möglichkeit, etwa einem vollelektrischen Flug. Also darf es definitiv in die guten Nachrichten der Woche, dass in Stuttgart der erfolgreiche Testflug eines Wasserstofffliegers gelungen ist.

4. Albtraum für Scheuer

CSU-Generalsekretär Scheuer machte sich letzte Woche mit der Aussage unbeliebt, man handele sich durch die Flüchtlingsaufnahme Leute wie einen „ministrierenden Fußballspieler aus Senegal“ ein, die man nicht mehr „loskriege“. Warum man solche Leute wieder los werden wollte, bleibt ohnehin auf ewig Scheuers Geheimnis.
Nun, in einem seltenen Akt von Journalismus wurde der ministrierenden Fußballspieler aus Senegal tatsächlich gefunden. Adolphe Diop ist gradezu ein Musterbeispiel für gelungene Integration aus Bad Soden im Taunus.

5. Streicheln für Esel

Ebenfalls letzte Woche ging in Mönchengladbach die Nachricht um, dass Unbekannte die neu aufgestellten bronzenen Esel auf dem Sonnenhausplatz beschädigt hatten. Diese wurden inzwischen repariert und gestern abend durfte ich eine ungewöhnliche Beobachtung machen: Leute gingen zu den Eseln und streichelten sie über den reparierten Schwanz. Irgendwie süß.

6. Fahrrad für Paddler

Das Autocanoe, trotz des Namens eher ein amphibisches Tretboot - Bild: Autocanoe

Das Autocanoe, trotz des Namens eher ein amphibisches Tretboot – Bild: Autocanoe


Freitägliche Fünf 22.07.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal geht es vor allem ins Grüne. Eingebettet, falls sich wer über die Optik der Seite wundert, in die ersten Ausläufer einer Überholung des hiesigen Blogdesigns.

1. Critical Mass Viersen

Quasi von letzter Woche nachgereicht: Die Critical Mass in Viersen am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Laut ADFC waren es 40-50 Teilnehmer. Auffällig war die Vielfalt an Fahrzeugtypen: Neben diversen Arten von normalen Niederrädern fanden sich unter anderem Lastenräder, Kurz- und Langliegeräder, gleich zwei Velomobile, ein Handbike und ein Liegedreirad. Kräftige Unterstützung aus Mönchengladbach steuerten wir Großstadtradler bei.

Für jeden etwas dabei - Bild: StadtradelnMG bei Twitter

Für jeden etwas dabei – Bild: StadtradelnMG bei Twitter

2.SuperMEAT

Das Projekt SuperMEAT hat sein Crowdfunding-Ziel bei Indiegogo erreicht. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was die mit den 100.000 USD machen, wenn sie für einen Prototypen eine halbe Million brauchen. Naja, besser als nichts.
Das Ziel von SuperMEAT ist es, in großem Maßstab Fleisch ohne Tiere herzustellen. Ob das funktioniert und wer das nun alles wieder für widernatürlich hält, werden wir dann sehen.

3. Seltene Schmetterlinge nebenan

Raupen des Jakobskrautbären an Jakobs-Kreuzkraut

Wenn Ringelsocken Insekten wären. Der kleine Schmetterling unten rechts gehört übrigens nicht zur selben Art und ist mir erst nach dem Fotografieren aufgefallen – Bild: eigen

Am Donnerstag entschied ich mich, erneut das gute Wetter zu nutzen. Das eigentlich beabsichtigte Bild (die Dächer von Rheydt über die Felder an der Landwehr hinweg fotografiert) wurde aufgrund der zu grellen Lichtverhältnisse eher so mittelmäßig, aber auf dem Rückweg begab ich mich noch durch eine stillgelegte Kiesgrube in der Nähe, wo ich massenhaft Raupen des Jakobskrautbären fand.
Der Jakobskrautbär ist ein seltener und schöner Nachtfalter, der allerdings manchmal in großer Zahl an einzelnen Stellen auftritt. Einfach zu fotografieren waren die mit meiner Kompaktkamera nicht, da die ständig auf den Hintergrund fokussierte, aber ein paar Bilder habe ich doch bekommen. Sehr schöne Raupen, die ich noch nicht kannte.

4. Nutria

Nutria im Wasser

Niedlicher Niers-Nager – Bild: eigen

Die große Nutria-Population von Mönchengladbach ist bekannt, aber Dienstag habe ich erstmals ein Exemplar völlig unversteckt selbst gesehen. Ich mag die, sehen aus wie zu groß geratene Meerschweinchen. Und sie gehören auch zu den unproblematischeren Neozoen, die keine nennenswerten Schäden anrichten.

5.Purino Bambini Urban Gardening

Logo des Bambini Urban Gardening

Bild: Purino

Das Purino hat am Donnerstag einen eigenen Garten für Zutaten angelegt, dessen Erzeugnisse auch im Restaurant verarbeitet werden. Auch wenn ich beim Standort (im Hardter Wald) nicht sicher bin, ob das nun wirklich gut ist, grundsätzlich ist es aber eine gute Sache, wenn Gastbetriebe Zutaten im eigenen Garten anbauen.


Freitägliche Fünf 22.04.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird gefahren und gegärtnert.

1. Fahr, Rad, fahr!

Liegerad im Wald

Zuletzt ausgetauscht: Der Hintergrund. Zorro gefällt das.

Es ist endlich komplett so weit, dass mein Liegerad nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch fahrbereit ist. Das silberne Ding hinter dem Sesselrahmen ist ein Schloss, kein Bauteil. Zuletzt kamen noch sechs Meter Gurt für den Sitz dazu, als vorläufige Maßnahme bis im Herbst ein richtiger Bezug dazukommt, den mir mein Bruder dann näht (ich kann leider nicht nähen).
Damit deutet sich schon an: Ja, das Rad entwickelt sich noch weiter, es ist nicht am Ende angekommen. Die Laufräder müssen in absehbarer Zeit erneuert werden und die Tasche auf dem Gepäckträger wird noch durch einen Koffer ersetzt. An den Hinterradschwingen müssen zwei kleinere Schweissarbeiten durchgeführt werden. Und die Rennhaken an den Pedalen haben sich in der Praxis nicht als so gute Idee erwiesen, wie ich zuvor hoffte.
Aber es fährt und nach einer kleinen Änderung in der Sitzbespannung auch ohne, dass sich mir die Mittelstange heftigst in den Rücken drückt. Nach den ersten etwa 12 Kilometern gibt es auch keine Fehlstarts mehr, so langsam gewöhne ich mich an das Fahren und vor allem eben das Losfahren in dieser neuen Position. Die Federung hinten ist großartig.
Bis jetzt erneuert, ergänzt oder geändert: Die komplette vordere Kurbel samt Pedalen, Tretlagerschlitten (versetzt), Kette (gekürzt), Rückspiegel (neu), Bremshebel (Plastik durch Metall ersetzt), vorderer Bremszug, Sitzbespannung mit Zurrgurt (neu), hinteres Schutzblech, Tasche auf dem Gepäckräger, Beleuchtung.

2. Motor? Okay, Motor!

Ein dampfgetriebenes Motorrad

Macht Dampf, vielleicht fährt es sogar; vielleicht – Bild: Facebook/Fabulous Weird Trotters

3. Platz zum Fahren

Und damit das Ganze auch lohnt, eine gute Nachricht aus der Gladbacher Innenstadt: Die testweise Freigabe des mittleren Teils der Fußgängerzonen-Hindenburgstraße für Radfahrer wird zur Dauerlösung. Fehlt nur noch der obere Teil mit dem Hang. Das kriegen wir auch noch hin!

4. Schiefes Obst für alle!

Mit Penny nimmt erstmals eine größere Supermarktkette krummes Gemüse ins Angebot.

5. Englischere Vorgärten für alle!

Perfektion! - Bild: Fancy

Perfektion! – Bild: Fancy


Fancy findet eure Vorgärten nicht britisch genug. Da haben sie wahrscheinlich Recht.