Sp├Ątsommerliche Fr├╝hlingsgedanken – Causa Julia Schramm

So, ich schreib jetzt auch mal was ├╝ber Julia Schramm alias @laprintemps. Ja, da m├╝sst ihr jetzt durch, es ist ein relativ wichtiges Ereignis im Untergang einer Partei in der Auseinandersetzung ums Urheberrecht und in der Entwicklung des Buchmarktes.

Kurzfassung
Einfach diesem Link folgen.

Langfassung
Man kann der Piratenpartei sicherlich nicht vorwerfen, sie habe keine Position zum Urheberrecht. Im Gegenteil, sie hat derer in ihrem Programm mindestens drei. Wie vollkommen widerspr├╝chlich diese Positionen (kurzgefasst: Freies privates Filesharing, verg├╝tete Urheber sowie freier Zugang zu Kunst, Kultur und Wissenschaft) merkt Julia Schramm grade am eigenen Leibe – oder besser, bekommt sie aufgezeigt, zu merken scheint sie es nicht, wenn ich ihre Tweets so lese.
Ich werde jetzt nicht noch einmal die Partei an sich und ihre Meinung zum Filesharing thematisieren. Das habe ich bereits getan, meine eigene Position zum Thema findet sich dort ebenfalls. Und ich denke, ich habe auch schon demonstriert, dass ich meinen Umgang mit Raubkopierern ernst meine.
Das ist auch schon der Punkt aus der Kurzfassung: Es geht um Glaubw├╝rdigkeit. Julia Schramm hat bereits einiges an Spott geerntet, als sie laut unbest├Ątigten Presseberichten 100.000 ÔéČ f├╝r ein Buch erhielt.

Nun ist dieses Buch also erschienen und noch am ersten Tag wird Dropbox per Copyright Notification dazu gebracht, eine PDF des Buches zu l├Âschen. Das ist auf jeden Fall schonmal politisch ungeschickt, zumal man davon ausgehen kann, dass der Verlag den Skandal (wenn auch nicht absichtlich) provoziert hat: Da die Autorin Piratin war wusste der Verlag Albert Knaus selbstverst├Ąndlich, dass das Buch sofort in den einschl├Ągigen Plattformen auftauchen w├╝rde und hat vorsorglich danach Ausschau gehalten.
Das w├Ąre nicht weiter schlimm, ginge es in dem Buch nicht explizit und deutlich auch gegen die „Content-Mafia“. Geistiges Eigentum wird als „Kampfbegriff“ bezeichnet und K├╝nstlern (darunter Schriftstellern) wird die eigene Geistesleistung aberkannt (was den Rezensionen zufolge bei diesem Buch wohl sogar gerechtfertigt sein d├╝rfte). Wer eine solche Position vertritt, der verwirkt ganz einfach seine Glaubw├╝rdigkeit, wenn er dann pl├Âtzlich anf├Ąngt, sein geistiges Eigentum (das ja nur ein Kampfbegriff ist) zu verteidigen.
Die Option, die Online gestellten Kopien schlichtweg zu ignorieren hat immer bestanden, das demonstriere ich ja selber (Schadet es mir? Vielleicht, vielleicht nicht. Woher zum Teufel soll ich das wissen?). Oder steckt hier einfach der Gedanke hinter, mit Vernunft kommt man zwar in einen Parteivorstand, aber sicherlich nicht auf die Bestsellerlisten?

Schramm und die Piraten sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie standen nie f├╝r Inhalte, sondern f├╝r einen Stil. Gepr├Ągt von Ehrlichkeit und Glaubw├╝rdigkeit. Entsprechend war ihr Hauptvorwurf den anderen Parteien (vor allem aber den Gr├╝nen und der SPD) gegen├╝ber immer der fehlender Glaubw├╝rdigkeit.
Ohne Glaubw├╝rdigkeit aber hat die Piratenpartei nichts zu bieten. Das Programm ist umfangreich, aber leer. Der Reiz der Protestpartei ist raus, weil sie ihre Radikalit├Ąt fast sofort abgelegt haben, nachdem sie einigerma├čen in den Medien waren. Sachthemen werden nur noch am Rande ├╝berhaupt behandelt.
Wenn jetzt noch die Glaubw├╝rdigkeit fl├Âten geht war die Piratenpartei Deutschland das k├╝rzeste Strohfeuer in der Geschichte der Bundesrepublik.


Filesharing oder: Diesseits und Jenseits der virtuellen Schulhofmauer

Es gibt so Themen, ├╝ber die jeder jeden m├Âglichen Bl├Âdsinn behauptet obwohl sie keiner versteht. Das Internet ist so ein Beispiel daf├╝r, ebenso das Urheberrecht. Das mag jetzt f├╝r viele keine gro├če ├ťberraschung. Die Sache ist nur die: Jene, die behaupten, Ahnung zu haben, sind in der Regel auch nur andersrum ahnungslos.
Aber der Reihe nach.

Materielle Metaphern
Trotz Zweiwort-Alliteration nicht etwa einer meiner Buchtitel, sondern das meiner Meinung nach gr├Â├čte Problem in der Diskussion ums Internet: Das Internet ist eine Technologie, die vollkommen neue Denkmodelle, Wirtschaftsabl├Ąufe und Begriffe ben├Âtigt und hervorbringt. Ein linguistisch, philosophisch und psychologisch hochspannender Prozess, um den es mir jetzt grade aber nur am Rande geht. Ich m├Âchte statt dessen ein Problem ansprechen: Praktisch jeder, der ├╝ber das Internet redet nutzt zumindest teilweise Begriffe aus der materiellen Welt. Und genau diese durch ihre unpassende ├ťbertragung in die virtuelle Welt missratenen materiellen Metaphern sind das Kernproblem der aktuellen Netzdiskussion.
Ein besonders am├╝santer und unfugiger (ja, das Wort habe ich grade erfunden, na und?) Auswuchs ist dabei im Positionspapier der digitalen Linken zum Urheberrecht zu finden:

3. Weiterverkauf von MP3s und E-Books erm├Âglichen! Heute ist es oftmals untersagt, gekaufte MP3-Musikdateien oder elektronische B├╝cher weiterzuverkaufen. Dies greift in die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein. Schlie├člich d├╝rfen Musik auf CDs oder B├╝cher in Papierform auch legal weiterverkauft werden. DIE LINKE fordert ein Recht auf Weiterverkauf von digitalen Kulturg├╝tern.

Das ist der Wunsch, eine praktische Eigenschaft materieller G├╝ter doch bitte auch in der virtuellen Welt zu haben. Weil man es so kennt und f├╝r praktisch erachtet. Das ist einfach nur Quark und ich werde es auch weiterhin so nennen bis mir jemand ein Verfahren nennt, wie das mit virtuellen Waren ├╝berhaupt gehen soll. Es m├╝sste ja sichergestellt werden, dass die Originaldatei dabei auch gel├Âscht wird, sonst ist es kein Weiterverkauf, sondern eine kommerzielle Raubkopie (und kommerzielle Raubkopien will niemand, nicht einmal die Piratenpartei).
Womit wir nach dem kleinen Schmankerl auch schon beim eigentlichen Knackpunkt w├Ąren: Die Piratenpartei und ihr Verst├Ąndnis vom Urheberrecht im Netz, genauer vom Umgang mit Filesharing. Da versteckt sich die Metapher etwas, aber man findet sie nach etwas umherstochern in der Argumentation pro Filesharing doch recht schnell: Der virtuelle Schulhof. Und damit kommen wir zu der Ahnungslosigkeit, die ich den scheinbar netzkompetenten vorzuwerfen gedenke.

Der virtuelle Schulhof
Eine der zentralen Forderungen der Piratenpartei ist die Legalisierung von nicht-kommerziellem Filesharing kommerzieller Inhalte. De ├ťberzeugung, dieses sei vollkommen harmlos wird dabei oft damit untermauert, dass fr├╝her auf den Schulh├Âfen ja auch die mit den Lieblingsbands und neuesten Alben bespielten Kassetten getauscht wurden (f├╝r alle unter 30: Diese Dinger).
Dabei wird der zentrale Unterschied ├╝bersehen: Beim Filesharing im Internet (egal ob ├╝ber P2P oder Cloud-Dienste wie MegaUpload) gibt man seine Dateien an eine unberechenbar gro├če anonyme Masse von Websurfern weiter. Anonym noch nicht einmal im Sinne von „kein Klarname“, sondern im Sinne von „du kennst alle die doch gar nicht“. Wichtig hieran ist der Punkt mit der Masse: Wenn ein paar Sch├╝ler Kassetten tauschen, ist der Schaden gering. Wenn eine Million Nutzer eine einzige Kopie des Albums bei BitTorrent ziehen, dann ist da f├╝r den K├╝nstler ein schmerzhafter Verlust drin, selbst wenn nur 1 Promille der Lader das Album dadurch nicht mehr kaufen.
Durch eine Legalisierung der Weitergabe kommerzieller Inhalte in nicht-kommerzieller Form w├╝rde diese allt├Ąglich werden. Die Verwertungsindustrie ginge zu Grunde. Das w├Ąre an sich auch kein Problem, aber wer bezahlt dann beispielsweise die 200.000.000 USD, die die Produktion von Titanic gekostet hat? 200.000.000 USD f├╝r einen Film ├╝ber ein sinkendes Schiff per Crowdfunding? Vergesst es! Und auf kleinerem Niveau: Wer zahlt denn dann ├╝berhaupt noch f├╝r die Werke der Urheber und warum, wenn kostenlos doch v├Âllig legal ist?
Erhalten die Urheber aber kein Geld f├╝r ihre Werke, sinkt nicht nur die Motivation, k├╝nstlerische Werke zu erschaffen. Es sinkt auch die M├Âglichkeit dazu, denn die Zahl der Kulturschaffenden, die „ganz nebenbei“ auch noch arbeiten m├╝ssen steigt. Und damit die zur Verf├╝gung stehende Zeit der Urheber. Die in gro├čem Umfang ben├Âtigte Zeit zur Erzeugung von Kultur zusammenzukratzen wird zur Selbstausbeutung, zu der immer weniger bereit sein werden. Es bedarf eines Interessenausgleiches.

Kim Dotcom, Pirate Bay und andere mehr oder Unschuldige
Aber vorher noch zu einer anderen Frage: Wann genau ist der Bruch des Urheberrechts zur nicht-kommerziellen Verteilung ein Problem? Wann ist die Schwelle vom virtuellen Schulhof zur K├╝nstlerausbeutung ├╝berschritten? Ich sage: Sobald die Links ├Âffentlich gemacht werden.
Wenn die Links, ob nun ein Weblink zum Filehoster, ein ed2k-Link oder eine Torrent-Datei, ├Âffentlich verteilt werden, geht die datei an die anonyme Masse. Solange man die Dateien oder Links im Bekanntenkreis per eMail, Chat oder Datentr├Ąger rumschickt, ist man auf der Ebene des virtuellen Schulhofes. Aus dieser Schwellensetzung aber folgt das genau gegenteilige Rechtsverst├Ąndnis, aus dem sich dereinst in Schweden die Piratpartiet gr├╝ndete. Pirate Bay, das ja „nur“ Links verteilt w├Ąre somit der Verbrecher im System, weil es die Dateien aus dem virtuellen Schulhof hinaus in die ├ľffentlichkeit „schmuggelt“. Die Piraten sind Schmuggler. Nun gut, so viel schlechter als Jack Sparrow ist Han Solo als Ikonografie nun auch nicht. Dennoch ist festzuhalten: Wenn etwas unterbunden werden sollte, dann die (vom Urheber) nicht autorisierte Weitergabe der Links.
Der international gesuchte Verbrecher Kim Schmitz Dotcom dagegen hat nach dieser Logik nichts verbotenes getan: Er hat einen Schulhof gebaut. Dort konnten Leute ihre Dateien abspeichern und teilen, indem sie die Links weitergaben. Das war kein Verbrechen. Gut, er hat damit eine Menge Geld gemacht, aber Geld verdienen ist ja nichts Illegales. Auch die Weitergabe der Links war, solange im pers├Ânlichen Bekanntenkreis verbleibend, kein Problem. Problematisch war vielmehr, dass Leute ├Âffentlich Links auf bei MegaUpload gespeicherte Dateien sammelten, die nicht h├Ątten ├Âffentlich verteilt werden d├╝rfen.
Womit wir ein Problem gefunden haben: Wir jagen und verteidigen jeweils die Falschen. Jene, die wir als unschuldig und zu Unrecht gejagt erachten, weil sie ja nur Links streuen, sind das eigentliche Problem. Das beste daran: Die ├Âffentlichen Linkstreuer lassen sich problemlos ohne staatliche Spionage bek├Ąmpfen, weil man Webseiten relativ einfach abschalten kann, wenn sie illegal sind.

Modelle des Interessenausgleichs
Aufgrund der globalen Struktur des Netzes werden wir das Streuen von Links allerdings niemals komplett unterbinden k├Ânnen. Also bedarf es eines Interessenausgleiches. Die meisten Modelle setzen damit an, Internetnutzer f├╝r die (meist nur vermutete) Nutzung der Plattformen bezahlen zu lassen.
Besonders beliebt scheint im Moment die Idee einer Kulturflatrate. Anh├Ąnger finden sich quer durch alle gr├Â├čeren demokratischen Parteien: Piraten, Gr├╝ne, Linke, SPD, FDP – teilweise sogar in der CDU. Aber die Kulturflatrate birgt auch Probleme. Neben dem Grundproblem eines Gemeinverdachtes (jeder zahlt, ob er kopiert oder nicht) jenes des Verteilungsschl├╝ssels. Die Kulturflatrate w├╝rde auf eine Art ├ťber-GEMA hinauslaufen. Und wie toll die GEMA ist, dazu muss ich glaube ich nicht sehr viel erz├Ąhlen.
Ganz h├╝bsch finde ich die vom CCC vorgeschlagene Kulturwertmark, also eine Art Flattr f├╝r K├╝nstler. Ich muss aber ehrlich gestehen: Ich verstehe Flattr, Kachingle & Co. einfach nicht. Ich habe es auch nicht versucht. Genau das ist aber das Problem: Eine Technologie muss in ihrer Nutzung von einer breiten Bev├Âlkerungsmehrheit verstanden werden, wenn sie solch zentrale Bedeutung f├╝r eine Volkswirtschaft erlangen soll, siehe Bitcoin. Oder kurz gesagt: Dieses System ist zu sehr vom bekannten Alltag der nicht-vernerdeten Normalbev├Âlkerung entfernt.

Mein Vorschlag: DigiThek
Gerne h├Ârt man von den Filesharing-Apologeten, runtergeladene Inhalte w├Ąren nur ein Test, bei Gefallen wird gekauft. Nun gut, nehmen wir diese beim Wort und bauen unser System darauf auf: Man kann Medien ┬žbdquo;ausleihen“ und kostenlos oder gegen eine Pauschale f├╝r einen gewissen Zeitraum ausleihen. Sagen wir, je nach Medieninhalt, eine Woche bis einen Monat, analog zu normalen Bibliotheken. Das mE ideale Mittel dazu w├Ąre nicht die in der Zahl der Ausleiher begrenzte Onleihe und ├Ąhnlicher Quatsch, sondern eine P2P-Plattform wie BitTorrent. Die Besonderheit hierbei w├Ąre, dass diese Plattform eine digitale Rechteverwaltung (DRM) nutzt. Nach dem Download sind Dateien f├╝r den Ausleihzeitraum auf dem runterladenden Rechner und ein-zwei vom Besitzer des Rechners autorisierten Ger├Ąten nutzbar (beispielsweise 2 PCs, ein MP3-Player, ein Handy und ein eBook-Reader oder Tablet-PC). Bis zum Ende des Ausleihzeitraumes ist die Nutzung in diesem Rahmen kostenlos. Ob die Dauer dessen vom Urheber, Verwerter oder nach Medienart festgelegt wird, das m├Âgen die Betreiber regeln.
Der Nutzer hat bis zum Ende des Ausleihzeitraumes jederzeit die M├Âglichkeit, f├╝r die Entfernung des Kopierschutzes zu bezahlen. Und ich meine Entfernung: Wer f├╝r eine Ware bezahlt hat, dem sollte das Recht zuteil werden, sein erworbenes Produkt ohne weitere Einschr├Ąnkungen zu nutzen, er erh├Ąlt die pure Datei ohne jede weitere Kopierschutzma├čnahme. Er hat daf├╝r bezahlt, jetzt darf er damit (ausser weiterverkaufen oder ausserhalb des metaphorischen Schulhofes verteilen) machen, was er will, wo er will und in welcher Form er will. Den Preis daf├╝r legt der Urheber oder sein Verwerter fest.
Inhalte werden von den Urhebern ins System gespeist, die dabei auch festlegen, was die Befreiung vom DRM kosten soll. Dabei k├Ânnen sie selbstverst├Ąndlich auch die Option w├Ąhlen, diese Befreiung kostenlos zu machen oder gar Dateien gleich ohne DRM zu verteilen (├Ąhnlich den Inhalten bei Legaltorrent).

Ich bin kein Programmierer, erst recht nicht mit Erfahrung im Einrichten von P2P-Clients und Multi-Device DRM, ich kann sowas nicht bauen. Aber als Kunde und Urheber w├Ąre ich bei einer solchen Plattform von Anfang an dabei. Ich erinnere mich an geleakte eMails an Dotcom (finde die URL nicht wieder, Fefe hatte vor Monaten mal darauf hingewiesen), die durchscheinen lie├čen, dass auch die Film- und Musikindustrie so etwas durchaus nicht abgeneigt w├Ąre.
Also wer ist Programmierer mit entsprechender Erfahrung und m├Âchte das Konzept des Medienkaufs im Internet mal gr├╝ndlich umkrempeln? Und klar, richtig Geld steckt da auch drin, denn nat├╝rlich darf der Betreiber der Plattform einen Anteil am Verkaufspreis behalten.

Nachtrag: Auf das uns├Ągliche Argument, K├╝nstler seien ja nur „Filter“ die aus dem kulturellen gemeingut schaffen sage ich mal nichts weiter als das: Erz├Ąhlt ihr auch einem Bauarbeiter, er habe keine eigene Arbeit geleistet, weil die Steine, aus denen er grade ein Haus gebaut hat vorher schon in der gegen rumlagen?


Politische KW 17-2012

Sitzungen: 3 (7 h) | Antr├Ąge i.A.: 4 | Sonst: 6 h Stand, ca. 1 h eMails, 2 h Sonst

Okay, das war einen Tag sp├Ąter als gedacht, aber so ist das halt manchmal. Das Gemeine ist, dass ich gestern nicht etwa keinen Temrin im Weg hatte, sondern am Abend, als ich Zeit hatte schlichtweg todm├╝de war und es dann gelassen habe, noch etwas zu schreiben. daf├╝r dann halt heute.
Oh, vornan noch der Aufruf: Wenn ihr Zeit habt, bitte am Freitag, 10:00 Uhr zur Moschee in MG-M├╝lfort (Ecke Odenkirchener Stra├če/Duvenstra├če), Pro NRW entgegenstellen!

Montag
Die Woche begann politisch mit einem Besuch der Bisch├Âflichen Marienschule. Dort waren Politiker der drei gro├čen Parteien und der FDP f├╝r Fragen in den Politikunterricht eingeladen worden, ├╝brigens noch kurz vor dem Wahlkampf. Ganz interessant ist dabei der Kontrast der Personenwahl: In der Stunde am Montag waren Felix Heinrichs (SPD) und ich (immer noch Gr├╝ne) da, ausgew├Ąhlt als junge Vertreter ihrer Parteien. In der anderen Stunde waren dagegen mit G├╝nter Krings (CDU, MdB und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag) und Anno Jansen-Winkeln (FDP, Fraktionssprecher im Stadtrat) die jeweils ganz gro├čen Namen vorgeschickt worden.
Es gab eine kurze ├ťbersicht zur Geschichte von SPD und Gr├╝nen und eine Menge Fragen zu allen m├Âglichen Themen, vor allem Schule und die Vorz├╝ge der Gesamtschule (die Marienschule ist ein Gymnasium). Interessant fand ich den in der Stunde erfolgten Vergleich meiner Antwort zu ACTA zu der Antwort von G├╝nter Krings: Wir sind uns einig, dass ACTA in Deutschland nichts bedeutendes ├Ąndert, aber w├Ąhrend Krings das Abkommen deshalb f├╝r unproblematisch h├Ąlt nannte ich genau das ein Problem, weil ACTA eine dringend n├Âtige Reform des Urheberrechts durch Festschreibung des jetzigen Standes blockiert.
Ich denke, f├╝r die Sch├╝ler der 9A war es auf jeden Fall ein Gewinn, Politiker so verschiedener Ebenen und Ans├Ątze befragen und vergleichen zu k├Ânnen. Vor allem der Punkt mit ACTA war eine Frage, die mE ganz anschaulich zeigt, warum es auch bei ├Ąhnlichen Ansichten ├╝ber ein Anliegen sehr unterschiedliche Ansichten ├╝ber die Folgen dieses Anliegens gibt.
Erstmals musste ich als stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses ran und sprach am Nachmittag die Tagesordnung des Umweltausschusses mit der Verwaltung ab. Dabei konnten wir kurzfristig noch ein Ansinnen von RWE am Rand der Braunkohlengrube Garzweiler II (Errichtung der S├╝mpfungsbrunnen) auf die Tagesordnung bringen, was mich besonders freut. Der Tagebau wird zunehmend ├Âffentliches und vor allem auch pr├Ąsentes Thema. Das wird auch Zeit, 2015-2017 beginnt die Zeit, in der die Grube direkt an der s├╝dlichen Stadtgrenze entlangschrammt um dann einen Zipfel gladbacher Land mit abzubaggern. Ich werde ├╝brigens als pers├Ânliche Premiere auch die Sitzung des Ausschusses am 8. Mai leiten.
Es folgte die Fraktionssitzung, wo wie erhofft die Lettow-Vorbeck-Stra├če wieder ein Thema war. Kurz gesagt: Das Thema bewegt sich wieder. Es k├Ânnte sich deutlich mehr bewegen, aber es ist zumindest wieder im Gespr├Ąch.

Mittwoch
Bemerkenswert fand ich auf der Sitzung der BV Nord vor allem einen Vorgang: Die CDU verlie├č nach Ank├╝ndigung w├Ąhrend der Beratung des Haushalts den Saal, kam dann bei der Abstimmung aber wieder rein und lehnte dann einen Haushalt ab, den sie gar nicht kennen konnte, da sie ja nicht dabei war um zu sehen, ob die Ampel nicht doch ├╝berraschend etwa einem Antrag der Linken zustimmte oder einen eigenen zur├╝ckzog. Wie das seri├Âs sein soll, ist mir schleierhaft.
Linguistische Kuriosit├Ąt der Woche unterdessen: „Ich versuche dann antzuworten“
Inhaltlich gab es mE wenig erw├Ąhnenswertes.

Donnerstag
Der Donnerstag stand f├╝r mich ganz im Zeichen der Strahlenzug-Veranstaltung zum 26. Jahrestag des Super-GAU im AKW Tschernobyl. Die Medien berichteten fleissig (zumindest die reinen Onliner) und die Resonanz auf dem Marienplatz war sehr gut. Vorab gab es noch ein wenig Chaos, weil die eigentlich angeschriebene Ordnungsamtsmitarbeiterin in Urlaub war, am Ende war die Veranstaltung dann halt dreimal angemeldet (zweimal als Infostand, einmal als Spontandemo).
Organisatorisch gab es nicht ganz das tolle Bild, das ich mir eigentlich vorgestellt hatte, aber die Botschaft und was das Bild darstellen sollte kamen dennoch klar an.
Es folgte eine Sitzung unseres Wahlkampfteams, weshalb ich leider nicht auf der offenbar hochspannenden Veranstaltung in Wanlo war, bei der sich CDU-Direktkandidat Michael Schroeren offenbar ordentlich in die Nesseln setzte, als er unseren Kandidaten Hajo Siemes ob seines angek├╝ndigt sp├Ąten Erscheinens (er hatte zeitgleich eine Sitzung der Bezirksvertretung Ost) ma├čregelte. Nach allem, was man so h├Ârt hat Schroeren sich dort auch sonst ordentlich danebenbenommen. Zu schade, dass ich das verpasst habe.

Samstag
Wie momentan jeden Samstag ging es mal wieder zum Wahlkampfstand. Diesmal rekordverd├Ąchtige 6 Stunden an der Hindenburgstra├če.
F├╝r gro├čes ├ämusement sorgten bei mir unterdessen die Piraten, deren „Schwerter“ (den Unterschied zwischen einem Schwert und einem S├Ąbel k├Ânnen die ruhig selbst googeln) ich st├Ąndig nur von vorne sah. Und das sah ganz einfach nicht aus wie ein Schwert (oder S├Ąbel). Das Vorschaubild dieses Youtube-Videos veranschaulicht das ebenfalls recht gut:
[youtube 230VPJR1LMo]
Dann gab es noch die Frage, wer l├Ąnger mit seinem Stand dableiben w├╝rde. Trotz eindrucksvoller Bewaffnung mussten sich die Seer├Ąuber nach heroisch durchgehaltenen 5 Stunden doch unserer Erfahrung in solchen Auseinandersetzungen geschlagen geben – wir waren somit erneut nicht nur die ersten die kamen, sondern auch die letzten die gingen. Mit Dank an Frank, unseren unerm├╝dlichen Wahlk├Ąmpfer, der noch ein-zwei Stunden l├Ąnger blieb als ich. Ich vermute inzwischen, der Mann ern├Ąhrt sich von W├Ąhlerstimmen oder sowas.
All dies bei Seite konnten sich Gr├╝ne, Linke und Jusos dort im Hintergrund auf ein gemeinsames Vorgehen gegen den „Besuch“ von Pro NRW verst├Ąndigen und rufen somit parallel dazu auf, am 4. Mai ab 10:00 auf die f├╝r 11:00 angek├╝ndigten Rassisten vor der Merkez-Moschee (Odenkirchener Stra├če, Ecke Duvenstra├če) zu warten. Ein Thema, in dem sich auch unsere Landtagsfraktion engagiert: Noch am Freitag hatte ich pl├Âtzlich Verena Sch├Ąffers B├╝ro am Handy um sich zu erkundigen, wie es in MG aussieht. Klare Antwort: Gut sieht es aus.
Oh und ganz nebenbei war auch die Frau am Stand, die die Zugangsdaten f├╝r die Webseite der Gr├╝nen Jugend MG kennt und grade nicht irgendwo im Ausland studiert. Das wird die Gr├╝ne Jugend freuen, die die Tage jetzt endlich aktualisieren k├Ânnen.


eBook-Land: Woche 15

B├╝cher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Eink├╝nfte bisher: 31,29 ÔéČ | H├Ąndler: 6

In eigener Sache
Castor schreibt sich mal v├Âllig anders als meine bisherigen Projekte, denn erstmals plotte ich vorher. Normalerweise schreibe ich einfach ohne vorher zu plotten. Das Interessante daran ist, dass es auch als einziges meiner Projekte absolut und 100% im Zeitplan liegt. Vielleicht hat Plotten doch etwas f├╝r sich.
Hier sei auch noch einmal die Bitte wiederholt, mir bei einer Formatierungsfrage zu helfen: Es gibt im Deutschen verschiedene Varianten von Anf├╝hrungszeichen und ich m├Âchte wissen, welche die Leser f├╝r die beste halten, um fortan diese in all meinen deutschsprachigen Ver├Âffentlichungen zu nutzen. Dazu habe ich links in der Seitenleiste eine entsprechende Umfrage angebracht, die noch 10 Tage l├Ąuft.

Freundliche Hinweise
Fangen wir mal mit Wilhelm Ruprecht Frieling an, der nach einigen Ratgebern f├╝r Autoren nun ein Buch mit Autoren erstellt hat. Wie man erfolgreich E-Books verkauft bietet Interviews mit einigen erfolgreichen und namhaften eBook-Autoren. Ich hab es noch nicht durch, aber mir f├Ąllt durchaus positiv auf, dass die Interviews echte Gespr├Ąche sind, keine der leider all zu ├╝blich gewordenen Fragerunden. Zugleich k├╝ndigt der Autor im Vorwort auch an, sp├Ątere Erg├Ąnzungen anzudenken. Das finde ich bei eBooks immer gut, mach ich ja selber auch.
Immer wieder angenehm, wenn man bekannte Gesichter in der Zeitung findet. Nunja, meistens, hier aber schon: Jutta Profijts Krimi K├╝hlfach: Betreten verboten ist zwar schon seit einem Monat raus, aber Jutta drischt offenbar grade noch etwas auf die Werbetrommel ein. Schade nur, dass der Deutsche Taschenbuch-Verlag die unr├╝hmliche Tradition fortsetzt, eBooks nur einen Euro unter der Printausgabe anzusetzen.

Aus der Szene
Interessant, aber offenbar im Sande verlaufen war es, als letzte Woche jemandem auffiel, dass Apple mit seinem iBooks-Vorsto├č das bisher als Standard geltende ePub-Format f├╝r eBooks angreift. Das tat zwar auch schon Amazon, aber die ersetzten es durch ein ├Ąhnlich offenes Format. Apple bietet nun ein Format an, welches nur von Apple-Kunden gekauft und erstellt werden kann. Allerdings scheint es der Apple-User-Gemeinde in ihrem g├╝ldenen K├Ąfig hervorragend zu gefallen.
Sigmar Gabriel l├Ąsst sich in einer meines Erachtens etwas seltsam anmutenden Hinterzimmer-Besprechung vom B├Ârsenverein des Deutschen Buchhandels von der Buchpreisbindung f├╝r eBooks ├╝berzeugen, was ich auch weiterhin zweifelhaft finde. ├ťbrigens hat Buchreport.de im Gegensatz zum B├Ârsenblatt meinen Kommentar nie freigeschaltet. Dort schaltet man offenbar nur Kommentare frei, die der eigenen Linie entsprechen.
Die S├╝ddeutsche Zeitung startet eine Debatte neu, die bereits in den 90ern ausgestanden war. Damals versuchten sich diverse Autoren daran, mit Hilfe von Webtechnologien die klassische Art und Weise Geschichten zu schreiben zu revolutionieren. Dass das damals kl├Ąglich daran scheiterte, dass es ganz einfach nicht den Bed├╝rfnissen der Leser entsprach, die einfach nur lesen wollten, muss man nicht wissen, wenn man damals noch nicht im Netz war. Es sei denn, man schreibt Artikel ├╝ber derlei Ideen. Aber zumindest ist „The Medium is the Massage“ einer der am├╝santesten Tippfehler der Woche.
Unterdessen hat ein CDU-Hinterb├Ąnkler aus Korschenbroich durch einen Artikel im Handelsblatt Ber├╝hmtheit Bekanntheit erlangt und blamiert sich in der S├╝ddeutschen munter weiter. Das w├Ąre alles nicht passiert, h├Ątten die Korschenbroicher bei der letzten Bundestagswahl f├╝r Horst Schl├Ąmmer gestimmt. Oder die Piraten.
Auf eBooks bezieht Heveling sich zwar nur in einem Nebensatz, aber das Thema immerhin. Es sei zudem zugestanden: So bescheuert, wie der ganze Text ist, zumindest ist er literarisch betrachtet sehr h├╝bsch geschrieben, mit kreativen Metaphern. Die sind zwar – darin Vergleichen gleich – schwer hinkend, da der Verfasser die H├Ąlfte der von ihm genutzten Begriffe offensichtlich nicht versteht, aber das passiert den besten Literaten. Wenigstens sind sie definitiv nicht abgeschrieben.
Ich warte indes weiter auf den Tag, an dem ein in M├Ânchengladbach geborener Bundespolitiker nicht vollkommen peinlich f├╝r alle Umstehenden ist.

Eigenerkl├Ąrung: Ich war auf dem selben Gymnasium wie Heveling und kenne einen Landtagsmitarbeiter, der in Dialekt und Auftreten frapant an Schl├Ąmmer erinnert. Mein Leben ist seltsam.

Kindle gegen B├╝cherregal
Diesmal hat es meine Schiller-Sammlung getroffen. Wenn man die zwei d├╝nnen B├Ąnde so bezeichnen mag.
Zum einen ein ziemlich zerfleddertes Heftchen von Wilhelm Tell, zum anderen eine Faksimile von Schillers Abschlussarbeit Versuche ├╝ber den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen. Damit verringert sich auch der Bestand von in Fraktur gesetzten Schriften, die ich eigentlich sehr gerne lese, aber offenbar ist es m├Âglich, dem Kindle ├╝ber eine kleine Manipulation auch diese Schrift beizubringen. Sicher ein interessantes Projekt f├╝r die Zukunft ist der Versuch, dem Kindle das Umschalten zwischen Antiqua und Fraktur beizubringen. Ich glaube, das w├Ąre m├Âglich.
Wie dem auch sei: Wilhelm Tell erwies sich mit Preisen um 0,01 ÔéČ als wertlos (zumal im Zustand meines Exemplars, die Arbeit hingegen geht etwa zum doppelte Preis, f├╝r den ich sie einst gekauft habe weg. Ich werde sie somit bei Amazon zum Verkauf stellen.

Nicht ganz so erfolgreich verlief das Vorhaben eines gr├Â├čeren Anschlages auf mein B├╝cherregal: Amazon bietet die M├Âglichkeit, gebrauchte B├╝cher und Videospiele gegen Guthaben einzutauschen. Obwohl die Preise im direkten Vergleich wohl sehr gut sein sollen, war ich doch sehr entt├Ąuscht: Die Auswahl an einsendbaren Titeln ist extrem gering. Von etwa 50 versuchten B├Ąnden waren nur wenige eintauschbar und die Preise waren l├Ącherlich. Als ich den Versuch abbrach, zeigte mein „Warenkorb“ 4,50 ÔéČ Gegenwert f├╝r die folgenden vier Titel, wobei das DS-Spiel davon 3,50 ÔéČ ausmachte. Nein danke.