Politische KW 05/2018

Okay, hier ist etwas, was ich vor vier Jahren zu Grabe getragen habe: Die Politische KW, eine wöchentliche Rückschau auf mein politisches Wirken oder Versuche eines solchen.
In letzter Zeit stellte ich zunehmend fest, dass dieses Format doch wieder eine gute Idee wäre, denn während ich immer mal wieder komplette Konzepte und erreichte Erfolge hier im Blog vorstelle, gibt es kein Format für die Verfolgung des langen Weges dorthin.
Daher rufe ich eine modifizierte Form der Politischen KW ins Leben. Statt wie früher nach Wochentagen, ordne ich sie nun nach Projekten bzw. Zielen, damit der Kontext der einzelnen Schritte klarer wird und es umgekehrt ein Bild gibt, welche größeren Ideen dahinterstehen.
Diese Reihe wird nicht jede Woche fortgeführt, sondern hin und wieder. Denn nicht jede Woche passiert politisch etwas. Kommende Woche etwa ist Karneval und da macht man im Rheinland einfach nichts dergleichen. Zumal ich mich dann Dienstag traditionell über den bräsig-unpolitischen Straßenkarneval in MG beklagen muss.
So, nu aber:

Radweg Lürrip-City-Mülfort

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Vor etwas über einem Jahr stellte ich Überlegungen zu einem Radschnellweg vor, der den angedachten Radschnellweg zwischen Mönchengladbach und Neuss verlängern sollte, um bis in die Innenstadt von Alt-Gladbach zu kommen. Optional enthielt dieser auch einen Ansatz, in den Süden der Stadt weiterzuführen (die rechte hellblaue Linie im Bild).
Bei dieser Weiterführung handelt es sich um eine Bahnlinie, die zum stillgelegten Geneickener Bahnhof führt und dann weiter nach Mülfort. Das letzte Stück, von Geneicken bis Mülfort, ist bereits seiner Schienen entledigt und führt als Fuß- und Radweg grade und eben einen Kilometer lang durch die Stadt. Schaffen wir es, die restliche Strecke ebenfalls zu einem solchen Weg zu machen, haben wir einen solchen Weg abseits der Straßen über eine Länge von etwa 3,5 Kilometer.
Und in der Tat scheint das Gleis keine Funktion mehr zu erfüllen. Es ist zu großen Teilen überwuchert und rottet langsam vor sich hin.
Um festzustellen, ob es tatsächlich keine Funktion mehr hat, habe ich am Dienstag im Bau- und Planungsausschuss die Anfrage gestellt, wie der aktuelle Stand der Bahntrasse hinsichtlich Besitz, Nutzung und Widmung ist. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, kann man damit dann beginnen, auf eine Umnutzung zum Fuß- und Radwanderweg hinzuarbeiten. Der Weg wäre eine gute Verbindung nach Alt-Gladbach für die Anwohner der oberen Niers (Odenkirchen, Wickrath, Wanlo usw.), die in Mülfort vom Nierswanderweg auf diesen neuen Weg wechseln können (und natürlich umgekehrt). Das wiederum ist ein guter Schritt, das weitere überregionale Radwegenetz zu schließen – mögliche Anschlusspunkte nach Aachen oder Köln sind nicht mehr weit.
Auf der anderen Seite zeigen die Pläne für die City Ost auf dem ehemaligen Güterbahnhof Mönchengladbach inzwischen eine Fahrradbrücke über die Breitenbachstraße. Das ist wahrscheinlich so nah, wie man einem durchgehenden Radweg bis zum Hauptbahnhof nur kommen kann und ich sehe es sehr positiv. Jetzt noch eine Fahrradbrücke über die Korschenbroicher Straße und wir bekommen die ca. 600 Meter zwischen dem Ende der Mülforter Trasse und dem Hauptbahnhof MG auch noch hin. Und von da ist es nicht mehr weit, auf einer durchgehenden Fahrradtrasse einmal komplett durch die Stadt kommen zu können und perspektivisch weiter nach Aachen beziehungsweise Neuss und Düsseldorf.
Das wär doch mal was!

Sonstiges

Auch ansonsten war es politisch eine stark am Rad orientierte Woche.
Denn auch die Blaue Route, die erste Fahrradstraße in MG, stand im Bau- und Planungsausschuss auf der Tagesordnung und mir war es wichtig hier zu betonen, dass es bei dieser allein nicht bleiben kann. Jetzt, wo die Fahrradstraße da ist, muss diese als Keimzelle eines gesamtstädtischen Radwegenetzes dienen, das aus daraus erwächst.
Momentan ist die Fahrradstraße städtebaulich eher ein isolierter Fremdkörper, den es nun besser einzubinden gilt.
Ein peripher damit verbundenes Thema sind die Parkmöglichkeiten für Fahrräder in den Innenstädten. Dazu haben Lena Zingsheim, Werner Hoek und ich gemeinsam an einer Idee für Rheydt gestrickt, von der es später noch zu hören geben wird.
Ein ganz anderes Thema im Verkehrsbereich sind Geschwindigkeitsbegrenzungen im Bereich von Kindergärten und Schulen. Hier gibt es seit kurzem neue Regeln und die Stadt setzt diese erfreulicherweise schnell um, um die Kinder besser vor dem Verkehr schützen zu können. Leider tut sie dies aber sehr buchstabengetreu und im Ergebnis entstehen zahlreiche Situationen dieser Couleur. Ich habe die Verwaltung gebeten, ihre Liste der neuen Regelungen doch mal systematisch nach Fällen durchzugehen, wo diese entstehen und ob dort nicht andere Regelungen möglich sind, die zu einer durchgehend gleich niedrigen Geschwindigkeit führen. Ob sie das auch tut oder ob wir in nächster Zeit Straßen sehen, die 2 Kilometer lang mit 30, dann 60 Meter mit 50 und dann den ganzen Rest wieder mit 30 km/h befahren werden (ja wirklich, das Beispiel ist die künftige Regelung des Zuges Konstantinstraße – An der Landwehr), bleibt abzuwarten.


Wir basteln einen Radschnellweg Lürrip-Innenstadt

Nachtrag, Januar 2018: Inzwischen enthält die Planung der City Ost eine Fahrradbrücke über die Breitenbachstraße. Ich habe angefangen nachzubohren, ob man nicht die ehemalige Bahntrasse zum Geneickener Bahnhof (der rechte türkise Bereich in der zweiten Karte) überplanen kann. Vergisst man die durchgehende Hochtrasse und setzt statt dessen noch eine Brücke über die Korschenbroicher Straße, sind wir von dieser Idee gar nicht mehr so weit weg.

Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach angedeutet, dass ich mir einen Radschnellweg südlich des Hauptbahnhofes MG vorstellen könnte, quasi als Ergänzung zum SPD-Vorschlag eines solchen Weges im Norden der Stadt (der in meinen Augen irgendwie kein wirkliches Streckenziel hat, er wäre halt da). Ich will das nun etwas genauer ausführen. Aber zunächst ein paar Karten zum Erschrecken, dann die Erklärung:

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm
dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße
Zum Vergrößern aufs Bild klicken
Hinweis: Eine Rampe zur Kranzstraße fehlt hier nur versehentlich

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Ziele

Ein Radschnellweg ist meines Erachtens dann sinnvoll, wenn er vorhandene Strukturen verknüpft oder zusammenfasst oder aber wenn er lohnende Ziele ansteuert.
Also zunächst zu den vorhandenen Strukturen: Es gibt in Mönchengladbach einige gute oder potenziell gute Verbindungen. Der von Wickrath weit in den Niederrhein führende Nierswanderweg sticht hervor, daneben gibt es noch die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee (Hermges-Rheydt), die Landwehr (Dahl-Ohler-Pongs), die Korschenbroicher Straße (Mönchengladbach-Neuss) und einige wenig bis nicht genutzte Straßen im Raum Rheindahlen/Hardt, über die Fahrten in Richtung Süden (Erkelenz, Heinsberg, Aachen) und Niederlande (Roermond) möglich sind. Hinzu kommen Planungen für eine Fahrradstraße in der Heinrich-Sturm-Straße (als auch heute schon nutzbare Unterquerung des Bahndammes) und der genannte Radschnellweg weiter nördlich. Im Bereich der von mir angedachten Strecke gibt es noch ein paar kleinere Verbindungen, die ich nicht alle aufzählen möchte.
Relevante Ziele in Gladbach sind sicherlich die beiden Hauptbahnhöfe mit ihren Radstationen und der jeweiligen Anbindung zur Innenstadt, die größeren Stadtteilzentren (Wickrath, Rheindahlen), das Umland (u.a. Krefeld, Viersen, Neuss/Düsseldorf, Heinsberg, Niederlande) und natürlich die Verknüpfung der Stadtteile untereinander.

Definition Radschnellweg

Okay, das ist für die nächsten Ausführungen wichtig, vorab zu klären: Ich definiere den Radschnellweg im Folgenden als eine zu anderen Verkehrsträgern kreuzungsfreie Verbindung, die rein für die Benutzung durch Fahrräder (der Einfachheit halber einschließlich Pedelecs und Mofas) gedacht ist. Es gibt noch ein paar weitere Bedingungen für die Bezeichnung, die unabhängig vom Konzept leicht umsetzbar sind und daher hier keine Rolle spielen sollen. Also quasi als Fahrradgegenstück zur Autobahn.
Damit lege ich einen höheren Standard an, als der Radschnellweg 1 im Ruhrgebiet. Daraus folgt: Eine Umsetzung mit Abstrichen ist natürlich möglich, das hier ist die Maximalvariante.

RS-MG-OS

Der Radschnellweg Mönchengladbach Ost-Süd (hoffentlich offensichtlicher Arbeitstitel) fände seinen Anfangspunkt am S-Bahn-Haltepunkt MG-Lürrip, unweit der Korschenbroicher Straße, die hier ostwärts über den Nierswanderweg und in Richtung Neuss führt. Diese Nähe kann in der weiteren Zukunft als Anknüpfungspunkt für eine Verbindung des Gladbacher OS-Weges mit dem Endstück der bereits geplanten Verbindung Monheim-Düsseldorf-Neuss dienen. In Kombination mit den Überlegungen, den nördlichen Radschnellweg nach Krefeld anzubinden, würde Mönchengladbach dann zu einem zentralen Knotenpunkt des landesweiten Radschnellwegenetzes.
Von hier aus bietet sich zunächst an, den Weg auf dem derzeit noch leeren ehemaligen Bahndamm zu führen, der sich schon jetzt vom Bahnhof Lürrip bis zur Breitenbachstraße befahren lässt, allerdings als abgeräumtes ehemaliges Bahngelände nur mit einem guten Mountainbike. Das ist der einfache Teil, der praktisch sofort umgesetzt werden könnte. In der Karte ist das das große ebenerdig (grün) angelegte Stück.
An der Breitenbachstraße kann man den Weg natürlich in das Straßennetz zurückführen. Für den Namen „Radschnellweg“ wäre dies aber dann doch etwas mickrig. Aber wie kommen wir weiter? Nun, wie wäre es damit:

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich - Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich – Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Das ist Cykelslangen, ein auf einer Hochtrasse angelegter Radweg in Kopenhagen. Am oberen Ende auf dem Bild beginnt er mit einer Rampe und steigt auf eine Höhe von 5,50 Metern.
Ich könnte mir vorstellen, mit einer solche Hochbahnführung auf Höhe der Bahntrasse den Radschnellweg weiterzuführen, mit mehreren Rampen an geeigneten Stellen. Wohlgemerkt auf Höhe der Bahntrasse, nicht auf der vorhandenen Bahntrasse. Der Weg würde südlich an die Bahntrasse angeflanscht. Da sich der Weg an der Südseite des Bahndammes befinden würde, gäbe es auch nichts, was durch den Radweg verschattet würde, die Sonne steht ja in unseren Breiten eher selten im Norden. Dieser erhöhte Teil kann dann an unterschiedlichen Stellen in Höhe des Berliner Platzes enden, beispielsweise in Form einer Rampe zur Oststraße, die abzweigende Schienenverbindung ins Rheydter Industriegebiet begleitend oder in die geplante Unterführung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Korschenbroicher Straße hinein.
Man muss aber auch ehrlich sein: Das ist ein teures Vorhaben. Ein Brückenbauwerk dieser Länge dürfte über den Daumen gepeilt so etwa 2-3 Millionen Euro kosten. Das kann die Stadt nicht tragen, das müsste ganz klar im Landesprogramm für Radschnellwege getragen werden, wenn man es umsetzen will.

Weiter in die Zukunft

Der südliche Endpunkt kann in der weiteren Entwicklung natürlich noch weiter entwickelt werden. Es könnte sich beispielsweise sehr lohnen, den Weg entlang der abspaltenden Bahntrasse bis zum Geneickener Bahnhof weiterzuführen, wo die Bahntrasse endet und ein bereits vorhandener Radweg anschließt, der bis zur Odenkirchener Straße läuft. Dort endet er zwar recht abrupt, aber immerhin.
Die attraktivere Verbindung wäre eine Lösung, um die Theodor-Heuss-Straße zu überqueren und auf die Dessauer Straße oder die August-Oster-Straße zu kommen, wo eine Verbindung zur Richard-Wagner-Straße und somit zur angedachten Radwegeführung zum Hauptbahnhof Rheydt möglich wäre. Ist die Theodor-Heuss-Straße einmal gequert, kann man den Radverkehr auch zur Landwehr leiten, an der entlang es zum Stadtwald und von da aus ins westliche Umland geht. Hier haben wir dann unsere Verbindung zur Schiene Erkelenz-Aachen und in die Niederlande.
Andernorts im Streckenverlauf ist es dann noch nötig, die Lücke zwischen diesem Radschnellweg und dem im Norden zu schließen.
So oder so wäre Mönchengladbach mit einem solchen Vorhaben ein bedeutender Knotenpunkt für den überörtlichen Radverkehr. Das kann sich für die Stadt enorm lohnen.

Spinne ich?

Vermutlich. Aberich halte spinnen für den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Erstmal spinnen, dann auf das realisierbare runterbrechen und dann machen. Aber man muss auch sagen: Wir haben es geschafft, in relativ wenigen Jahren ein Autobahnnetz durch die gesamte Bundesrepublik zu bauen. Da ist das hier nichts gegen.