eBook-Land: Woche 14

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 30,91 € | Händler: 6

Viel gibt es diese Woche nicht zu berichten. Zumindest nicht zu mir selbst. Aber in der Szene hat sich viel getan, auf da sich lohnt einzugehen. Daher die neue Kategorie Aus der Szene. Das gibt mir die Gelegenheit, dieses regelmäßige Feature umzustrukturieren. Alles in eigener Sache kommt demnächst unter die Überschrift In eigener Sache, dann gibt es einen Teil Neuigkeiten von empfehlenswerten Indies in Freundliche Hinweise, dann folgt Aus der Szene und schließlich nochmal eine persönliche Kategorie mit Kindle gegen Bücherregal. Gibt es in einer Kategorie mal nichts zu berichten, fällt sie halt aus, so wie diese Woche Kindle gegen Bücherregal.
Mein bisheriges Modell, meine Bücher in Phasen zu telen und dann jede Phase als eigenes Vorhaben zu behandeln hat nicht funktioniert, dafür laufen die Sachen einfach zu sehr nebeneinander. Und spätestens wenn ich meine auch angedachten FanFictions ins Netz setze sowie meine fremdsprachigen Projekte mit in die Betrachtung kommen fällt das eh in sich zusammen. Ein Fazit zu den verschiedenen Ansätzen zu erhalten scheint nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht von Anfang an möglich zu sein, dafür sollte man wohl mindestens ein Jahr am Markt sein.

In eigener Sache
Die einzige wirklich interessante Neuigkeit ist, dass ich jetzt eine Autorenseite bei Amazon habe, die ich aber noch füllen muss (Twitter ist drin, Foto & Biografie folgen noch). Immerhin erhöht sowas den seriösen Eindruck und hilft, die Angebote zu verbinden. Ausserdem gibt es damit jetzt ein eigenes kleines Forum über mich. Das, muss ich zugeben, hat was.
Gut, ZDF Hyperland hat mich so beiläufig verlinkt als es um die Mehrwertsteuerumstellung in Luxemburg ging. Hier beweist sich allerdings J.A. Konraths Aussage – Publicity ist nahezu wertlos. 20 Klicks brachte der Link laut meiner Besucherstatistik. Das ist für meine Verhältnisse spürbar, aber wenn man bedenkt, dass hinter dem Link das ZDF steht lachhaft. Naja, es dürfte gesund fürs Google Ranking sein.

Freundliche Hinweise
Eileen Janket hat ihre Kurzgeschichtensammlung (siehe links) zwei Tage kostenlos angeboten und berichtet schonmal von ihren Zwischenerfahrungen.
Und da ich dafür jetzt nichts bezahlt habe sage ich reuig: Eileen, wenn ich mal wieder in Berlin bin, geht eine Runde auf mich ;-) . Leider ist ihr anderes Buch Thrill my Soul wohl eher nix für mich, aber das war ja hoffentlich nicht der letzte Roman, den Eileen rausbringt.
J.A. Konrath knöpft sich mit dem Bestseller einen weiteren publizistischen Mythos vor, der sich seiner Ansicht nach allein aus dem Bewahren alter Denkweisen aus dem Print-Verlagswesen ergibt.

Aus der Szene

„Amazon, Google oder Apple wollen selbst zu Verlegern werden und erwerben direkt von den Autoren die Rechte an ihren Werken. Natürlich zu anderen Konditionen und ohne das Recht einer produktiven Mitsprache des Autors oder seines früheren Verlegers“

Und damit willkommen bei Rangas Märchenstunde, einem Format, das uns sicher weiter begleiten wird. Tatsächlich ist es bei Amazon & Co. je genau umgekehrt: Niemand ausser dem Autoren hat ein Mitspracherecht an den Inhalten der von Indies veröffentlichten Bücher. Schlimmstenfalls kann ein Händler sich weigern, es ins Sortiment zu nehmen. Aber da ist ja genau das, was die Verlage zuvor – und zwar nach Gutdünken im wahrsten Wortsinne – getan haben. Man verkauft dann halt anderswo. Wo da die Gefahr liegen soll weiss Yogeshwar allein.
Ich könnte jetzt auf seine 10 Forderungen im Landtag NRW eingehen, aber das habe ich ja bereits getan – und andere auch. Aus irgendeinem mir unbekannten Grund gilt Yogeshwar als Experte für eBooks – vermutlich, weil Yogeshwar ja als Experte für alles gilt, sich im Bereich der Alleswisserei aber einen heftigen Konkurrenzkampf mit Harald Lesch, Stephen Hawking und Michio Kaku liefert. Muss irgendwas im Wasser sein bei den Astrophysikern.
Wesentlich interessanter ist da schon der Rummel um eine Rezension eines allen Indizien nach tatsächlich unterirdisch schlechten Buches eines Rechtaussen-No-Names aus Erlangen. Die üblen Schimpftiraden von Autor und Verlegerin verlinke ich nicht, nicht einmal mit nofollow. Ein paar davon kann man im Kommentarbereich unter der Rezension nachlesen und weitere Lnks finden sich dort auch, das sollte reichen. Ich treib meinerseits sicherlich nicht das Google Ranking dieser… Type… hoch. Es sei einfach empfohlen, Bücher von John Asht und des ihn verlegenden Roder Verlages zu meiden.
iBooks Author – dazu kann ich mangels Mac nichts sagen. Okay, ich hab einen Apple Macintosh 3G in der Ecke stehen, aber ich bezweifle, dass der die aktuellen Betriebssysteme gestemmt kriegt. Und mein iPod Shuffle hat ein für solche Aufgaben… unterkomplexes Interface. Allerdings fürchte ich, dass das Ergebnis eine Art Geocities der eBooks wird. Erinnert sich noch wer an Geocities‘ Klickibunti-Welt?
Nicht? Naja, vielleicht besser so.
Jedenfalls haben die Lizenzbedingungen für ordentlich Diskussionsstoff gesorgt – interessant wird, ob das ein Ausrutscher war oder sich zeigt, dass Apple ohne Steve Jobs seinen Zenit überschritten hat.


Yogeshwars 10 Gebote

Ranga Yogeshwar war also im Landtag als Experte für eBooks eingeladen. Mir ist nicht wirklich klar warum. Von den 37 Ergebnissen für seinen Namen im Amazon-Buchbereich sind nur 3 eBooks. Dazu kommt noch eine iOS-App, ein in der Branche nach seiner von heftigem Tamtam begeleiteten Veröffentlichung schnell vergessenes Werk mit eher durchwachsenen Kritiken bei den wenigen, die es ernsthaft beachtet haben. Und zudem mehr eine Lehr-App ist als dass sie irgendetwas mit einem Buch (ob nun digital oder papiern) zu tun hätte. In der Szene ist Herr Yogeshwar ansonsten eher negativ aufgefallen.
Wie dem auch sei, Herr Yogeshwar war also im Kulturausschuss des Landtages. Und durfte dort als Experte für eBooks auftreten. Neben so angeschimmelten Allgemeinplätzchen wie „wir müssen das Kulturgut Buch schützen“ gab es da auch konkretes. Und damit beende ich die leicht anpolemisierte Einleitung und gehe über in die Sachdiskussion. Schauen wir uns die 10 Punkte doch einfach mal an, die Yogeshwar als Forderungen einbringt:

  • Grenzüberschreitende Buchpreisbindung auch für E-Books.

Auf den Punkt „Grenzüberschreitend“ komme ich an einem späteren Punkt zurück, hier gehe ich erstmal nur auf die Buchpreisbindung ein.
Zunächst einmal sei ein grundlegendes Missverständnis geklärt: Ja, die Buchpreisbindung schützt ein Kulturgut. Aber dieses Kulturgut ist keineswegs das Buch. Das Buch als Medium und auch als Produkt hat keinen Vorteil davon, zu einem für alle Händler festgelegten Preis verkauft zu werden. Ganz im Gegenteil, es verhindert (gewollt) Sonderangebote und Preissenkungen seitens der Händler und führt so zu einem hohen Preis. Hohe Preise aber, so lehrt uns die Marktwirtschaft, verringern die erreichbare Kundschaft. Kurzgefasst: Wenn Arbeitslose zur bildungsfernen Schicht werden liegt das (auch) daran, dass sie sich dank Buchpreisbindung keine Bücher leisten können. Denn Bücher sind teuer und jeder Wettbewerb, der dies ändern könnte, wird gesetzlich unterbunden.
Das Kulturgut, das die Buchpreisbindung schützt, ist die Buchhandelslandschaft.
Dazu ein kleiner Ausflug: Die Buchpreisbindung wurde eingeführt, um den billigen Versandbuchhandel zu unterbinden, der sich um die Jahrhundertwende herauszubilden begann. Damals boten Versandhändler Bücher zu Schleuderpreisen an, indem sie große Kontingente zu entsprechenden Nachlässen einkauften, zusätzlich am Personal sparten (hier sind Versandhändler immer im Vorteil gegenüber Einzelhändlern) und die Einsparungen zu großen Teilen an die Kunden weitergaben. Um diese Praxis zu unterbinden und den Buchhandel vor Ort zu schützen vereinbarten die Verlage, für alle Händler verbindliche Preise festzulegen. Kulturpolitisch hatte das durchaus einen Sinn: Die Buchhändler boten Kunden direkte Beratung und fungierten als Werber für die Angebote der Verlage. Zudem standen sie im damals noch sehr stark ausgeprägten elitistischen Kulturbild für eine Art „Kulturerziehung“ – eine Idee, die bis heute nachwirkt.
Was die Buchpreisbindung letztlich also entfernt ist die Weitergabe eines Kostenvorteils der Großhändler an die Kunden. Übrigens wenig erfolgreich: Große Versandhändler wie Bertelsmann und Weltbild wurden kurzerhand zu Verlagen und brachten verbilligte Lizenzausgabe und später auch eigene Programme auf den Markt. Die Buchpreisbindung ist im Grunde also der wohl erfolgreichste Misserfolg der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Auf den eBook-Markt lässt sich diese Idee aus einem ganz einfachen Grund nicht übertragen: Großhändler haben keine oder bestenfalls marginale Kostenvorteile. Es gibt keine Händlerrabatte und die Kosten für Vertrieb und Verkauf bewegen sich (höchstens) im einstelligen Cent-Bereich. Wo aber ohnehin alle Marktteilnehmer die selben Möglichkeiten haben besteht kein Grund, eine solche Chancengleichheit herzustellen. Eulen nach Athen, und so…

  • Nur offene Reader, keine geschlossenen Systeme.

Hier mangelt es erheblich an einer Definition von „offen“ und „geschlossen“, aber vielleicht hat Yogeshwar das im Ausschuss ja genauer ausgeführt. Das einzige nach meinem Verständnis geschlossene System hat momentan Apple mit seinem App-Store (allerdings nicht mit iBooks). Also genau jenes System, welches Yogehswar selbst mit seinem epedio-Projekt exklusiv bedient.
Die anderen beiden großen Systeme, Kindle und ePub, bieten allen Nutzern die Möglichkeit, eigene Inhalte sowie kostenlos erstellbare Dateien aus anderen Quellen hinzuzufügen und zu exportieren, auch wenn das im Falle des Kindle nur von wenigen Händlern angeboten wird.

  • Mehrwertsteuer sollte sich nach dem Bestimmungsland richten.

So, jetzt kommen wir zum Punkt „Grenzüberschreitung“.
Kurz: Das geht so nicht. Entweder richtet sich meine Mehrwertsteuer nach dem Bestimmungsland. Das würde mich als Verleger dazu zwingen, für jeden Markt einen der jeweiligen Mehrwertsteuer angepassten Endpreis festzulegen, damit ich im Export in Länder mit deutlich höherer Umsatzsteuer keinen Verlust mache. Das gibt es bereits, etwa bei Zeitschriften und ist einer der Gründe, warum auf dem Spiegel so viele unterschiedliche Preise stehen.
Oder ich lege einen grenzüberschreitenden Preis fest, der muss dann aber mit dem höchsten Mehrwertsteuersatz gebildet werden, was die Buchpreise aufgrund der hohen Sätze in Skandinavien (wo durchaus auch viel deutsch gelesen wird) sofort um 10% erhöhen würde.
Es sollte auch angemerkt werden, dass Yogeshwars Forderung auf europäischer Ebene bereits erfüllt wurde, die entsprechende EU-Richtlinie tritt am 1. Januar 2015 in Kraft.

  • Agency-Modell und kein Wholesale Store (d.h. Verlage bestimmen Bedingungen des E-Book-Verkaufs, nicht der [Online]-Großhandel).

Das nennt man auch Buchpreisbindung und warum Yogeshwar diese gleich zweimal benennt, ist mir schleierhaft. Vielleicht, weil 10 so eine schöne runde Zahl ist, keine Ahnung.

  • Preisgestaltung liegt ausschließlich bei den Verlagen.

Okay, er nennt die Buchpreisbindung dreimal. Ich weiss, Redundanz ist in der Wissenschaft beliebt, insbesondere wenn man vorträgt. Dennoch ist sie überflüssig.

  • Online-Plattformen/Händler unterliegen verbindlichen Transparenzregeln.

Nix zu mäkeln, das klingt erstmal nicht schlecht.

  • Für alle E-Book-Anbieter gilt nationales (deutsches) Recht.

Neokolonialismus? Oder einfach nur eine unsauber formulierte Forderung? Stand der Dinge jedenfalls ist in der Praxis: Für alle .de-Domains und hauptsächlich auf den deutschen Markt ausgerichtete Anbieter gilt deutsches Recht. Das ist geübte Praxis in diversen Rechtsbereichen, vor allem aber im Verlagsrecht (Stichworte Impressumspflicht und Strafbarkeit von Inhalten).

  • Datenschutz des Lesers muss gewahrt werden: Lesedaten dürfen nicht verwertet werden.

Ich muss ehrlich zugeben nicht zu wissen, was er damit meint. Was sind „Lesedaten“?

  • E-Books können über ein Vouchersystem (Gutscheine/Belegsystem) auch im stationären Buchhandel angeboten werden.

Meinetwegen. Und was hat der Gesetzgeber damit zu tun? Das ist doch wohl Sache der Händler, sowas zu organisieren.
Davon ab krieg ich beim Rewe um die Ecke problemlos Gutscheine für buch.de, iTunes und Amazon sowie weitere Onlinehändler, deren Name mir grade nicht einfällt und die ich nicht nachschauen kann, weil grade Sonntag ist und mein Rewe somit zu hat.

  • Store hat kein formales oder inhaltliches Mitspracherecht.

Was zunächst gut klingt ist eine ernsthafte Einschränkung der Handelsfreiheit. Jeder Händler darf sich das von ihm angebotene Sortiment selbst auswählen. Das ist das eine. Das mag jetzt arg handelsfreundlich klingen, aber: Händler müssen Titel wegen inhaltlicher Bedenken (Pornografie, Gewaltverherrlichung etc.) aus ihrem Angebot entfernen können.
Ein Sonderproblem sind hier auch Nischenhändler und Selbstverlage: Wenn ich meine Bücher über meine eigene Webseite verkaufe, müsste ich dann zur Erfüllung von Yogeshwars Forderung auch jedes andere in Deutschland verfügbare eBook anbieten? Muss ein Händler für Kinderbücher einen Titel wie ChefSekretärin – … fick mich härter! führen? Man stelle sich ein solches Szenario mal im restlichen Kulturbetrieb vor: Jedes Kino müsste jeden Film zeigen, jedes Theater jedes mögliche Stück aufführen und auf Rammsteins Aufführung von Britney Spears‘ One More Time bin ich auch schon sehr gespannt. Okay, streicht das letzte, das könnte verdammt gut werden. Ich will Till Lindemann „Hit me Baby one more time“ grummeln hören. Jetzt!

Alles in allem zeugt Yogeshwars Katalog vor allem davon, dass er vom eBook-Phänomen nur oberflächlich und von der relevanten Gesetzgebung sowie ihrer Geschichte gar keine Ahnung hat. Die Vorschläge sind wenig durchdacht und hätten vor Veröffentlichung dringend eines Lektorates sowie zusätzlicher Recherche bedurft, wovon auch zeugt, dass der erste, vierte und fünfte identisch sind. Mehrere seiner Forderungen sind bereits umgesetzt und daher überflüssig.