Zeitlinie für RevJack

Wenn ich eine Geschichte schreibe, bleibt etliches von dem, was ich in ihre Entwicklung gesteckt habe, einfach draussen.
So auch bei meinem Projekt RevJack, einem SF-Briefroman um einen Menschen auf einem Alien-Planeten im späten 23. Jahrhundert Ich habe mich daher entschieden, die Zeittafel einfach hier einzustellen.

2038 – Die EU wird ein einziger Staat, USA fallen auf Mittelmacht-Status zurück
2039 – Zweite Ölkrise; Aufstieg der EU und der arabischen Welt, die darauf vorbereitet waren zu Supermächten
2054 – Endgültiger Durchbruch der Gentherapie am lebenden Menschen
2057 – Die Gemeinschaft arabischer Staaten erhebt Anspruch auf den Mond
2059 – Der Mond wird unter Protest der übrigen Staaten zwischen EU und Arabischer Liga aufgeteilt
2063 – Computertechnik stagniert mangels Nachfrage nach noch leistungsfähigeren Systemen
2078 – Erfindung der Stasekapseln, in denen Menschen nach vorheriger Gentherapie bei fünffach verlangsamten Lebensprozessen „gelagert“ werden können
Dezember 2081 – In der algerischen Wüste landet ein ausserirdisches Raumfahrzeug
2082 – Chikkikit-Diplomaten verlassen erstmals das Schiff, erste offizielle Kontakte
2088 – Technologie-Austausch misslingt, weil irdische und Chikkikit-Technologie zu verschieden für einen lohnenden Austausch sind
2089 – Die Chikkikit bieten Siedlungsraum auf Tachitirr für 10.000 Menschen an
2090 – Migrantenabkommen: Tachitirr nimmt 10.000 menschliche Kolonisten auf, die Erde 2.000 Chikkikit
2091 – Produktionsbeginn der Stasekapseln für die Kolonisten
2095 – 10.000 menschliche Kolonisten brechen in Stase in einem Chikkikit-Schiff nach Tachitirr auf
2137 – Siedlungsabkommen: Alle künftigen Besiedlungen neuer Welten werden von Menschen und Chikkikit gemeinsam durchgeführt
2150 – Arabisch ersetzt Englisch als Lingua Franca der Erde
2219 – Die Kolonisten erreichen Tachitirr um nur 23 Jahre gealtert
2229 – Die Bauarbeiten am menschlichen Siedlungsgebiet auf Tachitirr werden abgeschlossen
2280/2281 – Die Briefe (=das Buch) werden geschrieben und abgeschickt
2317/2318 – Die Briefe erreichen die Erde

Wieso ist all dies wichtig für die Geschichte?
Die Geschichte braucht eine glaubwürdige Entwicklung und vor allem einen glaubwürdigen Zeitplan. Das ist nicht einfach, weil ich die Geschichte in einer nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft möglichen Welt ansiedeln wollte; also vor allem: Ohne Überlichttriebwerke.
Ich gab meinen Siedlern also mir realistisch erscheinende 30%-ige Lichtgeschwindigkeit und kam damit auf 123 jahre und 4 Monate Reisezeit zuzüglich Beschleunigung und Bremsmanöver. Bei so hohen Geschwindigkeiten vergeht die Zeit zwar langsamer, aber nicht viel langsamer: Für die Passagiere würden etwa 113 jahre vergehen.
Also brauchte ich so etwas wie Stase-Kapseln, in denen menschen in einem künstlichen Koma gehalten werden, ohne zu altern. Das fand ich unrealistisch, also gab ich ihnen eine abgespeckte Version davon: Stasekapseln, in denen die Alterung um 80% verlangsamt wird. Dafür werden eingefügte Gene einiger besonders widerstandsfähiger Organismen wie Hydren und Bärtierchen verwendet, daher die Gentherapie. Ich gehe nicht davon aus, dass ein nicht-genmanipulierter Mensch einen Aufenthalt in einem solchen System zur Alterungsverminderung überlebt.

Dann sind da noch ein paar Details drin: Der Aufstieg des Arabischen ist ein kleiner Wink, dass Englisch nicht ewig Weltsprache wird und das ein Ereignis wie der Erstkontakt mit einer anderen intelligenten Spezies den Ausschlag geben kann für die Frage, wer die neue Weltsprache wird. Im Buch selbst ist das nur eine kleine Randbemerkung.
Die stagnierenden Computer sollen die so genannte Singularität verhindern, also das Ende der Menschheit durch Entstehung einer neuen Maschinenzivilisation. Ihc persönlich bin allerdings ziemlich sicher, dass das nicht passieren wird, solange Microsoft noch unsere Betriebssysteme herstellt. Und ich glaube auch tatsächlich, dass die Entwicklung immer besserer Computer bald zu einem Ende kommen wird, weil wir keine Verwendung mehr für noch bessere Rechner haben.

Und damit ist die Bühne bereitet: Auf dem Planeten Tachitirr in 37 Lichtjahren Entfernung gibt es eine große menschliche Kolonie. Eine kurze Suche in der Liste der uns bekannten Sterne ergibt auch einen guten Kandidaten als Muttergestirn für den Planeten Tachitirr: Theta Persei im Sternbild des Perseus hat die gewünschte Entfernung und das Potenzial, einen erdähnlichen Planeten zu tragen.


Hat sich Werbung verdient: Der yWriter

Beim Schreiben längerer Geschichten holt mich gerne ein recht nerviges Problem ein: Während ich schreibe, kommen mir bereits Ideen für spätere Szenen. Das ist mit der Zeit häufiger geworden.
Früher habe ich in einem solchen fall einfach ein neues Kapitel angefangen, das zu dieser Szene umblendete und ließ die diversen Szenen von jeweils eigenen Figuren leben, deren weitere Geschichte dann auf das Ende hinauslief. Wobei sihc die Personen der unterschiedlichen Szenen am Ende nicht unbedingt treffen oder kennen mussten – schließlich läuft das in der Wirklichkeit ja auch nicht so.
Das Ergebnis war, dass ich zwar fertig wurde, der Roman aber recht chaotisch war und zu viele Hauptfiguren und Sprünge hatte. Wirklich funktioniert hat das nur bei meiner nie veröffentlichten Schubladenarbeit Siliziumdioxid, später hat es nur noch aufgehalten.

Im Grunde müsste ich einen Plot, also eine Vorabplanung der groben Geschichte, erstellen. Doch dazu müsste ich die Geschichte bereits vorher kennen – meist kenne ich aber nur Anfang und Ende.
Biem genannten Siliziumdioxid etwa wusste ich bereits vorher, dass es um Silizium fressende Mikroben geht und dass am Ende Digiros, das Silicon Valley des 24. Jahrhunderts, untergegangen wäre. Doch die Verschleppung des Virus auf eine Nachbarwelt, seine Rolle in einer Roboterrevolte dort, seine positiven Auswirkungen auf einer weiteren Nachbarwelt und die Strategien, mit der einige siliziumbasierte Spezies auf sein Aufkommen reagierten, all das kam mir erst wesentlich später in den Sinn, während ich den Roman schrieb.
Und das kann eben sehr behindern, wenn man eine Idee hat, bevor sie in den Roman passt.

Nun hindetr mich das inzwischen beim Schreiben regelmäßig am Weiterkommen. Sünde besteht zur Zeit aus drei Fragmenten: Dem Anfang, einer Szene kurz nach dem Anfang und dem Ende. Immer wieder zwischen den Teilen des zunehmend länger werdenden Textes zu schreiben und den richtigen Ort für eine Szene zu finden, artet erheblich mehr in Arbeit aus, als es sollte.

An dieser Stelle nun kommt der yWriter ins Spiel: yWriter 5 ist ein kostenloses Programm, das speziell für das Schreiben von längeren texten aus dem Bereich der Fiktion gedacht ist.
Man legt eine grobe Struktur (Kapitel, Szenen) an und schreibt dann die einzelnen Szenen. Durch Zusatzinformationen lassen sich Orte, Charaktere und Gegenstände erfassen, weitere Funktionen wie eine Zeitschiene der Geschichte sind ebenfalls verfügbar.
Das wiederum kommt meiner Schreibweise sehr entgegen: Ich kann Szenen in beliebiger Reihenfolge schreiben, ohne den Überblick zu verlieren. Jederzeit kann ich nachsehen, in welchem Kapitel und welcher Szene ich bin, was davor kam und was danach kommt.

Auch vereinfacht das Programm es mir, zwischen verschiedenen Projekten zu springen – ich schreibe im Grunde immer an mehreren Geschichten zugleich, die sich jeweils so weit unterscheiden, dass ich mir tagesformabhängig immer eins rauspicke – Aasgeier an guten Tagen, Sünde an weniger guten und RevJack bietet sich durch seine Form als Briefroman zum zwischendurch weiterschreiben an.
Der yWriter macht es hierbei einfacher, wieder in das Projekt reinzukommen, das man dabei unterbrochen hat.
Ale drei Projekte kommen gut voran, auch wenn ich bei den Aasgeiern wohl demnächst eine Pause einlegen muss. Die Pause dient aber der Recherche und nicht an irgendwelchen Problemen mit dem Roman selber.

Der Erfolg dieser Software ist beachtlich, meine Schreibleistung steigt langsam auf ein gutes Maß, gestern waren es immerhin 440 Wörter am Tag. Mein Ziel sind die fast 2.000 Wörter, die der NaNoWriMo verlangt.

Und damit hat der yWriter sich die Werbung verdient: Er steigert erfolgreich meine Produktivität, was ich zunächst nicht annähernd geglaubt habe. Und für ein kostenloses Programm ist der Umfang beachtlich.
Sicher fehlen einige nützliche Zusatzfunktionen wie Thesaurus, Reimfinder und dergleichen, zum reinen Schreiben und der Organisation des projekts aber ist er hervorragend.

PS: Ja, wenn ich die alte Datei wiederfinde, überflieg ich das Manuskript mal und stell es dann online. Erwartet nicht zu viel – es ist zwar meine beste Schubladenarbeit, aber im Endeffekt immer noch ein Schubladenprojekt. Solide Space Opera ohne Anspruch.