Rezensionen und ich

In den letzten Tagen haben einige Skandale das Ansehen von Rezensionen auf Online-Portalen erschüttert: John Lockes gekaufte Jubelkritiken und RJ Ellorys Sockenpuppen. Im Moment trifft das nur Amazon, aber es kann sich durchaus weiter ausbreiten. Allem Anschein nach zieht der Fall mit John Locke bereits weitere Funde bei anderen Autoren nach sich.
Glücklicherweise (in gewissem Sinne) ist das kein Problem, das man nur verlagsunabhängigen Autoren vorwerfen kann: Ellory ist ein erfolgreicher Krimi-Autor, der bei Orion bereits zwölf künstlerisch und finanziell erfolgreiche Romane veröffentlicht hat und 2013 einen dreizehnten folgen lassen wird.
John Locke war der erste unabhängige Autor, der eine Million Exemplare seiner eBooks verkaufen konnte und darüber prompt ein eBook geschrieben hat. Inzwischen ist er allerdings weitgehend vergessen (was die Frage erlaubt, ob der Skandal Absicht war). Locke gibt offen zu, sich wenig um das schriftstellerische Handwerk zu kümmern und mehr auf Geld aus zu sein. Er gilt auch als der Autor, der für die extreme Verbreitung des 0,99-€-Preises verantwortlich ist. Keine Verbindung zu diversen anderen John Lockes.

Rezensionen sind ein faszinierendes Thema für Schriftsteller: Als Lebenselixier verklärt, als Pfeilgift gefürchtet, Quell von Amüsement, Hoffnung, Streit und Verzweiflung. Rezensionen haben ihre eigene Geschichte als Beiläufer der Literatur, jenes Leben, was man in der Biologie mit dem so perfekt übertragbaren Begriff der Kulturfolgertum bezeichnet. Die Bekanntheit Marcel Reich-Ranickis zeigt, wie weit man es als guter Rezensent bringen kann.

Skandale wie die obigen schaden dem Ansehen nicht nur der Rezensionen und Rezensenten, sondern auch der Autoren. Wer solche Methoden nötig hat, der zeigt mangelndes Vertrauen in die Qualität seiner Werke (ob nun gerechtfertigt oder nicht). Und auch wenn das Phänomen keineswegs nur Indies betrifft bestärkt es letztlich die Vorurteile gegen diese, wogegen ich die Einstellung Joe Konraths, es handele sich um eine Hexenjagd und man solle sich auf „den eigentlichen Feind“, die großen Verlagshäuser, konzentrieren wenig hilfreich finde. Allerdings wird es solch schwarzen Schafe immer geben.

Die Ursache hierfür liegt aber tiefer. Wenn Autoren eine Rezension schreiben, haben sie einen Gewissenskonflikt. Sie bewerten öffentlich einen direkten Konkurrenten ihres eigenen Produktes. Auch wenn man das kann, sobald man ein Buch schlecht findet und ihm eine entsprechende Wertung verpasst, wird man verdächtig, andere Autoren schlechtmachen zu wollen. Das schadet einem selbst. Schreibt man eine gute Kritik und der Leser identifiziert einen als Autoren vermuten viele Leser eine Gefälligkeitsrezension, also eine Bewertung anhand persönlicher Bekanntschaft und Sympathie anstelle literarischer Qualität. Das schadet dem gelobten Autoren.
Aus diesem Grund gibt es von mir keine Buchbesprechungen bei Amazon. Ich empfehle hin und wieder gute Bücher im Blog oder auf Twitter (wo das Verhältnis zu den Lesern ein anderes ist), aber auf den Rezensionsseiten wird es von mir nichts geben.


Bay = Böse

Michael Bay ist böse. Ich möchte gleich zu Anfang klarstellen, dass Michael Bay bösartig ist. Mit etwas Pech auch in dem Sinne, wie man das in der Medizin meint: Er breitet sich aus.
Immerhin hat er jetzt schon Produzent Steven Spielberg soweit infiziert, dass der nichts gegen Transformers getan hat.

Was habe ich Transformers als Kind geliebt.
Ja, ich weiss, dass die Geschichten und Dialoge miserabel waren, die Serie sich ständig selbst widersprach (Kamen die Constructicons jetzt von Cybertron oder wurden sie erst auf der Erde gebaut?) und die ganze Serie basierte auf Actionfiguren.

Ist irgendetwas davon ein Grund dafür, einen schlechten Film zu machen?
Nein.

Aber konkreter: Transformers fühlt sich an, wie ein zwei Stunden andauernder Trailer.
Dass ständig geballert, gerannt, gefahren und gekämpft wird – okay, es ist ein Film mit meterhohen Robotern, die sich im Krieg miteinander befinden.
Aber warum ist ausnahmslos jeder menschliche Charakter in dem Film vollkommen hysterisch? Alle brüllen wild durcheinander, keiner lässt den anderen zu Wort kommen und überhaupt verhalten die Menschen sich, als hätte man ihnen grade eine dicke Überdosis Adrenalin gespritzt.
Auf jeden Fall niemand dabei, mit dem ich jemals eine WG oder sowas gründen würde. Oder auch nur Urlaub in der selben Stadt verbringen wollte.

Ja, der Humor holt einiges wieder raus und der sich in ein Radio verwandelnde Frenzy ist trotz einer gewissen Ähnlichkeit mit Jar-Jar Binks wesentlich erträglicher als dieser.
Es gibt für uns alte Freaks ein paar augenzwinkernde Anspielungen auf die Serie, was die Alten immer freut. Ganz vorne an natürlich „You failed me yet again, Starscream!“.
Und was das Ende angeht: Ach was soll’s, Logik ist im Filmgeschäft im Moment sowieso out.

Wenn’s denn ein Score sein soll: 3/10