Freitägliche Fünf 24.07.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal überaus unscharf.

1. Ich hab am Dienstag in Gladbach einen Hirschkäfer gefunden. Damit hatte ich definitiv nicht gerechnet, dass mir so einer über die Füße läuft. Ein Weibchen mit entsprechend kleineren Mandibeln, aber dennoch ganz eindeutig ein Hirschkäfer. Und auf den Fotos ungefähr so scharf wie das durchschnittliche Bigfoot-Foto. Naja, Handykamera bei unerwartetem Motiv halt.

Stillhalten? Fuck you, ich bin ein Käfer! Ich lauf und lauf und lauf… (eigenes Foto - offensichtlich)

Stillhalten? Fuck you, ich bin ein Käfer! Ich lauf und lauf und lauf… (eigenes Foto – offensichtlich)


Endlich mal wieder ein Tier gesehen, dass ich noch nie zuvor in der freien Natur gesehen habe.
Nachtrag: 28.07.2015: Nach weiterer Recherche stellt sich der Käfer als eine mit dem Hirschkäfer nahe verwandte Art heraus: Das Männchen des Balkenschröters oder Zwerghirschkäfer Dorcus parallelipipedus. Den wiederum habe ich nicht nur noch nie gesehen, ich hatte auch noch nie von ihm gehört.

2. Maastricht hat mir gefallen, auch wenn ich wegen dem Wetter am Sonntag dann doch mit dem Zug gefahren bin statt die ganze Rundtour mit dem Fahrrad zurückzulegen. Allerdings bin ich auch so mit acht Kilo Gepäck etwa 130 Kilometer gefahren. Nächstes Mal kaufe ich die Getränke unterwegs statt alle direkt mitzunehmen, das war eine blöde Idee.
Maastricht hat mich überrascht. Ich war wegen des Naturhistorischen Museums da und hatte nicht erwartet, so viel Geschichte zu finden. Basiliken, Museen und historische Bauten überall und alles trotz der geringen Entfernung zur Grenze so unglaublich niederländisch.
Ich werde noch ausführlicher vom Trip erzählen.
Und schaut mal, wie fröhlich der Mosasaurier schaut! Wie ein Hund, dem man ein komplettes Rinderbein mitgebracht hat.

Happy Mosasaur is happy!

Beim zweiten Mal verwackelt hintereinander kann ich es als meinen Stil bezeichnen, oder? (eigenes Foto)

3. Schöne Erfindung Nummer 1: Ein Rollstuhl, der die Welt für Rollstuhlfahrer deutlich alltagstauglicher macht.

Here is the technology that is…

Posted by Funniest And Craziest Videos on Donnerstag, 21. Mai 2015

4. Auch wenn ich vorerst bezweifel, dass die nach Speck schmeckende Rotalge wirklich nach Speck schmeckt, ist es doch eine interessante Bereicherung für die Mittagstische der Welt.

5. Am Dienstag habe ich erstmals an der Flash Fiction Challenge bei Indies Unlimited teilgenommen. Ich stieß da eher zufällig drauf, aber da es grade diese Woche um mein Lieblingsgenre (Science-Fiction) ging, habe ich spontan teilgenommen. Damit bin ich dann Finalist und letztlich Dritter von 13 Teilnehmern geworden. Gar nicht so schlecht. Die Geschichte gibt es hier (letzter Kommentar), ich werde sie demnächst auch leicht angepasst auf Youtube einsprechen.

Sieht doch nett aus, so ein „Finalist“-Schriftzug im Beitrag.

Sieht doch nett aus, so ein „Finalist“-Schriftzug im Beitrag.


Ich werde da sicherlich in Zukunft wieder teilnehmen.
Oh, und die Youtube-Geschichte – dazu später mehr.


Mediale KW 20/2015

Diese Woche: Zwei nostalgische Sachbücher und ein Tom Cruise.


Pädagogen-Zeitkapsel: vernünftiger schreiben — reform der rechtschreibung

Sachbuch, Deutschland 1974, Taschenbuch
Das Deutsche ist eine komplexe Sprache mit einer nach vielen Maßstäben völlig vermurksten Rechtschreibung. Der Ansatz, die Schreibung von Wörtern an ihrer Herkunft auszurichten führt zu einem Kuddelmuddel an Möglichkeiten, Ausdrücke in die Schriftform zu übertragen. Da hätten wir das „dass“ mit seinem überflüssigen zweiten s (wir sprechen „das“ und „dass“ gleich ohne, dass dies zu Problemen führen würde, warum schreiben wir sie also unterschiedlich?). Oder die Beibehaltung vermeintlich griechischer Wörter, obwohl diese ohnehin schon durch die Übertragung in das lateinische Alfabet ihrer Historie beraubt und zugleich an die deutsche Aussprache und Grammatik angeglichen wurden — oder spricht etwa irgendwer ein ph als solches aus und nicht als deutsches f? Und ja, da ist ein Unterschied, aber das würde jetzt zu weit führen (kurz: f ist ein labiodentaler Frikativ, ph ein aspirierter Plosiv oder im Neugriechischen durch zwischenzeitlichen Sprachwandel ein bilabialer Frikativ, nachschlagen erlaubt). Ich habe dazu grundsätzlich schon 2013 etwas geschrieben.
Worauf ich hinaus will: Die Idee einer Rechtschreibreform ist in etwa so alt wie jene einer einheitlich geregelten deutschen Rechtschreibung. Und vernünftiger schreiben, nicht zufällig kleingeschrieben, ist ein 41 Jahre altes Beispiel davon. Hinter dem Projekt steckten keine Leichtgewichte der deutschen Sprache – es sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), das Deutsche PEN-Zentrum und der Verband Deutscher Schriftsteller.
Viele der Vorschläge sind inzwischen umgesetzt, einige nicht, etwa die konsequente Kleinschreibung. Entsprechend amüsant lesen sich viele Passagen für Eingeweihte. Und hin und wieder findet man Worte der Weisheit, an denen viele heutige Sprachschützer und Pädagogen innehalten können sollten. Etwa diese von Siegfried Jäger (S. 62):

Die geforderte benotung von rechtschreibleistungen ist auf breitester basis zu verweigern, da sie nichts messen kann, weder intelligenz noch fleiß, noch prognosen für die zukunft zulässt. Sie ist völlig willkürlich und zu nichts anderem gut, als die kinder zu disziplinieren, ja letztlich ihre in die schule mitgebrachten fähigkeiten nicht selten zu zerstören. (sic!)

Wertvolle Bücher eröffnen neue Perspektiven. Dieses Buch ist heute wertvoller denn je.


Generationsporträt: Wir sind online — wo seid ihr?

Sachbuch, Deutschland 2012, Taschenbuch
Einerseits ist Wir sind online ein amüsantes Buch. Gut geschrieben, gefüllt mit Anekdoten, Wortspielen, Scherzchen in Nebensätzen. Wer dieses Blog kennt, wird den Stil kennen.
Andererseits ist da noch das Amüsement, das sich aus Dingen ergibt, über die Autor Klaus Raab wenigstens dem Anschein nach keine Kontrolle hatte. Etwa die Tatsache, dass ein Buch über das Leben jener, die mit Computern aufgewachsen sind, nur auf Papier erhälltlich ist. Oder jene, dass dieser Buch in seiner Ablehnung des Generationenbegriffes eines der besten Porträts einer Generation geworden ist, die ich bis jetzt gesehen habe.
Jeder von uns kennt Leute, die den sozialen Medien gerne ein a vorsetzen und das dann als einziges Argument einer Feindschaft dagegen anführen. Es ist lästig und albern, aber wenigstens spielen diese Leute nicht mit ihren Rollatoren auf unserem Rasen. Nur sind es auch diese Leute, die allgegenwärtig in den (alten) Medien ihre unsubstanzierte Meinung zu eben diesen Medien breitwälzen, die darüber Gesetze beschließen und über die jungen Leute von heute schimpfen wollen.
Klaus Raab nimmt das als Basis für einen Rundumschlag. Er wirft das Kontrukt der ikonisch definierten Generation (Golf! Pratikum! Doof!) kurzerhand ein, baut aus den geworfenen Steinen seinerseits eine digitale Generation und ordnet diese dann in einen Kontext: Die Geschichte der Jugendkultur, des Begriffs der Jugend an sich und jener ihrer Rezeption. Das Ergebnis ist das Bild einer „Generation“, das vor allem eines leistet: Es trifft. Und noch wichtiger es vermittelt dank der Bezüge auf den Blödsinn, den die heute alten Generationen einst angestellt haben. Dieses Buch sollte lesen, wer jene nicht mehr versteht, die heute ihre Zeit in sozialen Medien und überhaupt dem Internet verbringen.
Meine Empfehlung: Kaufen, um es an genau solche Menschen verschenken zu können. Dafür wiederum ist die Papierausgabe deutlich sinnvoller als eine elektronische. Vielleicht war das Fehlen einer eBook-Version also doch Absicht.

Und deshalb gibt es Spoilerwarnungen: Oblivion

Science-Fiction, USA 2013, Film/BluRay
oblivion-trailer-screenshot1
Ich habe mit dem neuen Design auch die Möglichkeit eingeführt, Spoiler im Text zu verstecken. So zum Beispiel: Niemand kann mich sehen, hihi! Oy! Zum Lesen muss man den Text markieren. In dieser Besprechung wollte ich das erstmals nutzen, da Oblivion kaum ohne Spoiler zu besprechen ist. Und wisst ihr, was anscheinend auch nicht ohne Spoiler möglich ist? Der verdammte Trailer, der mal eben praktisch alles ausser den letzten fünf Minuten verrät, vermutlich um Morgan Freeman im Trailer haben zu können. Deshalb hier auch nicht eingebunden.
Okay, jetzt aber: 2077. Die Erde ist entvölkert, nachdem ausserirdische Invasoren den Mond gesprengt und den Planeten unbewohnbar gemacht haben. Jack und Victoria sind auf der Erde, um Drohnen zu warten, die gewaltige Anlagen verteidigen, die das Wasser der Erde aufsaugen, um daraus Treibstoff für den Exodus der Menschheit zu gewinnen. Doch Jack wird von seltsamen Träumen geplagt, die mehr wie Erinnerungen anmuten. Was sehr wahrscheinlich ist, da die beiden als Sicherheitsmaßnahme keine Erinnerungen an ihr Leben vor der Mission haben. Als Jack die Frau aus seinen Träumen als Überlebende eines Raumschiffabsturzes rettet, beginnt sein Weltbild, zusammenzubrechen.
Mit Spoilern kann ich die Besprechung jetzt enorm abkürzen: Es ist Moon (großartiger Film, seht Moon!) mit der Action von I am Legend (die Version mit Will Smith, nicht das Buch oder die ältere Verfilmung Der Omega-Mann).
Oblivion ist ein Film, den man schon ein paar Mal gesehen hat, wenn man Science-Fiction kennt. Er sieht verdammt gut aus und unterhält, das war’s aber auch. Die eine große Frage, die er stellt, beantwortet er, indem er sie beiseite schiebt und am Ende mit einem Nebensatz abspeist (Was wäre die Identität eines Klons mit Erinnerungen des Originals?. Und das Ende… ich zitiere kurzerhand die Ärzte: „Männer sind Autos, nur ohne Reserverad.“ Und jetzt habe ich angefangen, über das Ende nachzudenken und es wird mit jedem Gedanken seltsamer. Ist Julia wie ein Kind, dem man einfach ein neues bringen kann, wenn ihr altes Haustier stirbt? Und es hat diese seltsame Filmlogik, dass neun Jahre lang ausser Alterung der Nebenfiguren nichts statt findet, wenn diese Jahre durch einen Schnitt überbrückt werden.
Mehr gibt es über Oblivion eigentlich nicht zu sagen. Aber hey, ich konnte meine Spoiler-Versteckmethode einführen und vernünftig ausprobieren.


Neues eBook: Introduction

Diesen Monat habe ich mal was neues probiert und erstmals an der Eight Hour Challenge teilgenommen.
Bei dieser geht es darum, innerhalb von acht Stunden ein eBook zu schreiben, zu korrigieren, veröffentlichungsbereit zu machen und zu publizieren (Zeit der Überprüfung durch den Verkäufer nicht eingeschlossen). Die ursprüngliche Idee stammt von Joe Konrath, aber Scott Gordon hat daraus jetzt eine (voraussichtlich) regelmäßige Veranstaltung gemacht.
Für die letzte Challenge erfuhr ich etwas zu spät davon, aber diesmal passte es und schrieb ich in unter acht Stunden diese kleine Tour durch die schwimmende Stadt Pacifica mit den Augen des chinesischen Neuankömmlings Chang Wu auf dem Weg zu seinem Bewerbungsgespräch. Er weiss, dass er in der Botschaft arbeiten soll und dass dies mit seinem akademischen Hintergrund zu tun hat, aber aufgrund der Geheimhaltung von Pacifica in dieser Sache nicht, was genau seine Aufgabe ist.

Pacifica ist ein großer Topf Ideen, zusammengeschmolzen zum Bild einer Stadt, wie es sie heute nicht gibt. Als Handlungsort spukte sie mir schon eine ganze Weile im Kopf herum, zunächst als Atlantis, dann aufgrund der besseren Voraussetzungen im Pazifik. Die Stadt nimmt in meiner Vorstellung von 2028 bis etwa 2100 Form an, absorbiert dabei die technologischen Fortschritte dieser Zeit und bildet einen Ort ständigen Wandels, angetrieben und befüllt von Kreativität, Innovation und Dingen, die nur an einem solchen Ort ohne Geschichte gefunden werden können. Und nur ein kleiner Teil davon, die Situation der Stadt im Jahre 2061, findet in dieser Geschichte Niederschlag. Das Bild einer Stadt, die langsam eine Geschichte erhält und zugleich eine neue Zukunft baut.
Als Kurzgeschichte von nur 2.100 Wörtern (etwa 2.400 mit Impressum und dem ganzen Kram) ist Introduction näher an dem, was ich in der Schule als Kurzgeschichte kennen gelernt habe, als an dem, was heutzutage unter dem Begriff läuft: Sehr kurze Episoden aus der Welt, die komplett auf das Ende als eigentlichen Inhalt der Geschichte ausgerichtet sind. Alles davor ist der Aufbau einer Welt und einer Situation, die dem Ende Kontext verleiht, in manchen Fällen, wie hier in der Science-Fiction, auch Plausibilität.
Zugleich implizieren die hier vorgefundenen Dinge und Ereignisse so viel über den Rest der Welt, dass ich eine einzige große Spielwiese für Science-Fiction-Ideen erhalte. Was ist mit Alt-Venedig passiert? Wie hat Italien und Europa reagiert? Was hat es mit den Hunden auf sich? Oder mit der Strickleiter zu den Sternen? Wer ist/war Laetitia Färber? In dieser Geschichte ist spekulativer Spass für Jahre angelegt!

Unzufrieden bin ich offen gestanden mit dem Cover. Dass ich das Projekt letztlich mit einem so langweiligen Cover abgeschlossen habe liegt daran, dass ich ganz einfach kein brauchbares Motiv gefunden habe. Das war etwas frustrierend. Ich hoffe, ich finde später noch ein Motiv und werde das Cover dann ersetzen.
Theoretisch sollte es möglich sein, ausreichend subtil mit grafischen Elementen auf das Ende hinzuweisen, aber ich habe auf die Schnelle nichts gefunden, was das Ende nicht gleich komplett verraten würde. Schon während des Schreibens war mein größtes Problem, das Ende nicht bereits im Dialog zwischen Chang Wu und seinem Interviewer Aldo Esposito zu verraten. Ich denke, das ist ein Problem, das ganz einfach mit dieser Art Geschichte einhergeht, vor allem als eigenständige Veröffentlichung.

Alles in allem habe ich an dieser Veröffentlichung fünf Stunden gearbeitet, davon vier für die Geschichte. Ich denke, zukünftige Beiträge zur Challenge werden länger sein, jetzt, da ich den zeitrahmen etwas besser kenne und weiss, dass Luft nach oben ist. Eine noch kürzere Geschichte als diese würde ich auf jeden Fall kostenlos anbieten wollen, 2.100 Wörter ist so ziemlich das absolute Minimum, für das ich mich wage, Geld zu verlangen.

Das Einstellen bei Amazon lief wie immer gut und flüssig.
Etwas Sorgen hatte mit Smashwords gemacht. Ich habe noch nie zuvor bei Smashwords veröffentlicht und viel beunruhigendes über den Meatgrinder gehört. Der Meatgrinder (deutsch: Fleischwolf) ist ein Programm, mit dem Smashwords seine Dateien für den Verkauf erzeugt. Anders als Amazon, wo ich eine praktisch fertige Kindle-Datei einreichen kann, nimmt Smashwords eine Word-Datei und erzeugt daraus die diversen eBook-Formate.
Der Meatgrinder ist berüchtigt dafür, beim geringsten Formatierungsfehler in der Word-Datei die Annahme zu verweigern. Innerlich war ich also darauf vorbereitet, gestern nacht zwei oder drei Versuche durchspielen zu müssen, um die Geschichte hochzuladen. Und dann: Erfolg beim ersten Versuch, die Datei wurde sofort konvertiert und zum Verkauf übernommen. Sie wartet jetzt auf Freigabe für den Premium-Vertrieb, was bedeutet, dass das eBook bei erfolgreicher Überprüfung dann auch bei anderen eBook-Verkäufern wie Kobo, Barnes & Noble und iBooks erhältlich sein wird.

Hier erstmal die Links, die bisher verfügbar sind, die weiteren trage ich dann in der englischen Bücherliste nach, wenn sie kommen:
Smashwords (Formate ePub, Mobi/Kindle, PDF, LRF, RTF, PDB, TXT sowie zum online lesen)
Amazon.de (Kindle)

Zur Erinnerung für die Newsletter-Abonnenten: Ihr bekommt heute noch einen Coupon für Smashwords ;-)

Und damit auf zum nächsten Projekt: Schwarzer Schwinge ist so gut wie fertig, es fehlen noch etwa 4.000 Wörter plus ein Tag für den letzten Schliff am Text. Damit werde ich es erstmals schaffen, in einem Monat zwei Projekte fertigzustellen, vorausgesetzt, ich breche mir nicht plötzlich beide Hände. Und die Füße. Und den Hals, dass ich nicht mal mehr mit der Nase tippen kann. Oder… lassen wir die Szenarien, ich mach einfach.
Meine aktuell neu gefundene Produktivität in eigener Sache bringt grade so einen schönen Enthusiasmus-Schub mit sich, den muss ich nutzen. Also, Schwarzer Schwinge in den sieben verbliebenen Tagen des Monats minus je einem Tag fürs Korrigieren und Publizieren? Das pack ich. Tschakka!


eBook-Land Woche 21

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 66,44 € | Händler: 6

In eigener Sache
Heute also ist mein Angebot klassischer SF-Romane um ein weiteres Buch gewachsen, denn Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 001: Der Beherrscher des Luftmeeres ist seit heute für 0,89 € bei Amazon erhältlich. Wie in dem letzten Blogbeitrag vor diesem erwähnt habe ich dabei auch mein Vorgehen bei der Konvertierung ins eBook-Format gewechselt: Statt meine Textverarbeitungssoftware eine html erzeugen zu lassen mache ich das jetzt von Hand und kopiere dabei den Text kurzerhand rüber, nachdem ich ihn in der Textverarbeitung aufgeschrieben habe. Das ist ein wenig aufwendiger, führt aber zu saubereren Ergebnissen im schlussendlich erzeugten Code.
Die Umstellung ist dabei relativ gering – all zu viel Raum nimmt der Code neben dem sichtbaren Text nicht ein und da ich schon die zweite und auch die kommende dritte Auflage von Dieses Cover ist Müll! direkt im Code bearbeite hab ich mich ohnehin dran gewöhnt.
Was mich dabei jetzt ein wenig annagt ist, dass von den vier Titeln, die ich bis jetzt rausgebracht habe nur einer von mir ist. Das gefällt mir ganz einfach nicht, also werde ich etwas dagegen tun: Ich widme mich diese Woche gezielt der Fertigstellung der dritten Auflage von Dieses Cover ist Müll und direkt danach von Feuchten Fußes. Feuchten Fußes, ebenso wie sein schon geplanter Nachfolger Schwarzer Schwinge, wird ein für mich persönlich interessantes Experiment, da es sowohl ein Sachbuch als auch eine Kurzgeschichte ist. Es gehört in das kleine Genre der Xenofiction, Geschichten mit nichtmenschlichen Hauptfiguren, ein Genre, das mich seit meiner Kindheit fasziniert hat. Die erste Hilfe bietet dabei eine Geschichte um die Lebewesen, die auf der Schwelle zum jeweiligen evolutionären Durchbruch (Schritt an Land, Entstehung der Vögel) stehen, die andere Hälfte liefert die wissenschaftlichen Fakten dazu. Ich bin gespannt, wie das Ergebnis, das hoffentlich nächste Woche endlich fertig ist, ankommen wird.
Gleichzeitig stelle ich meine Romanprojekte erstmal zurück. Ich werde etwas hinzufügen, wenn es mir spontan einfällt und lohnend erscheint, aber ich werde die Romane (Castor, Sünde, Neanderthalensis) vorerst warten lassen. Sie brauchen einfach zu lange und ich denke es ist momentan eine bessere Idee, einen Grundstock aufzubauen, um dann mit mehr Ruhe an diese Werke gehen zu können. Statt dessen konzentriere ich mich auf die Sachbücher und kurze Formate wie eben die Reihe Meilensteine der Evolution, da diese in kürzerer Zeit schreibbar sind. Vergessen werde ich die Romane aber mit Sicherheit nicht – sie sind immer noch das große Ziel meines Schreibens. Die Übung, die ich durch die vorgezogenen Projekte erhalte tut ihnen vielleicht sogar ganz gut. Insbesondere hinter Neanderthalensis steht eine Idee, die von einem erfahreneren Schreiber besonders profitiert.

Aus der Szene
Während in der Schweiz eine Volksabstimmung die Buchpreisbindung endgültig abschafft agiert auch die deutsche Bundesregierung in Sachen eBook-Preise – indem sie eine ermäßigte Mehrwertsteuer und somit Gleichstellung mit Printbüchern klar verneint. Mit einer Begründung, die sich herunterbrechen lässt auf „Woll’n wir halt nicht“. Wahrscheinlich soll sich das Hotelsteuer-Debakel nicht wiederholen.
Unterdessen hat die Welt Spass mit falschen Übersetzungen von juristischen Fachbegriffen und macht aus einer Beschwerde gegen Preisabsprachen der Verlage untereinander und mit Apple einen Angriff auf die Buchpreisbindung in Deutschland. Schön wär’s.
Apropos Welt. Die gehört ja zum Axel-Springer-Konzern, der sich erst letzte Woche in Begleitung einiger anderer Verlage das Leistungsschutzrecht erkämpft hat. Bereits am nächsten Tag wird ihnen plötzlich klar, dass das eine ziemlich schlechte Idee für einen Verlag sein könnte, der regelmäßig anderswo abschreibt und kommt für Twitterer kurzerhand zu der Lösung, diese per Dreifachraute ihre Leistungsschutzrechte abtreten zu lassen. Wer braucht bei sowas noch Satire?
Und nun zu etwas völlig anderem: Google verschmilzt seine Medienplattformen und somit haben wir inzwischen Google Play. Unterschiede zu bisher sind mir soweit keine aufgefallen, es gibt nur ein paar neue technische Probleme. So erscheint etwa beim Versuch, meine Sammlung zu sehen die Fehlermeldung „We’re sorry, the document you requested is not available in your country.“. Wohlgemerkt bei meiner Büchersammlung, nicht bei einzelnen Büchern in meiner Sammlung.


Der Beherrscher des Luftmeeres

Hui mal wieder ein kleines Buch-Making-Of. Diesmal wieder ein gemeinfreies Werk in eBook-Form: Der Beherrscher des Luftmeeres, der erste Band der Heftromanreihe Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Nun denn:

Das Buch (naja, Heft)
Der Luftpirat, erschienen ab 1908, war die vermutlich erste Science-Fiction-Heftromanreihe. Sie dreht sich um die Figur des Kapitän Mors, ein rätselhafter Ingenieur und Menschenrechtsidealisten. Nachdem eine Gruppe von Aufrührern, denen er sich nicht anschließen will, sein Anwesen in Georgien zerstört und seine Familie ermordet flieht er und baut im verborgenen sein größtes Werk: Ein lenkbares Luftschiff von nie dagewesener Größe und Geschwindigkeit. Auf dem Erdboden fälschlich als Verbrecher verfolgt erklärt er sich zum Beherrscher der Lüfte und nimmt aus Rache den Kampf gegen all jene auf, die sich gegen Freiheit und Menschenrechte stellen.
Beim Lesen und übertragen des Texte kam mir sofort eine klare Assoziation in den Sinn: Steampunk-Batman!
Mors ist ein im verborgenen lebender, hochgebildeter Verbrecherjäger mit Geheimidentität, der vorzugsweise nachts aus der Luft auf seine Gegner herabstößt und dabei Angst und Schrecken verbreitet. Er verfügt über Technologie knapp jenseits dessen, was seine Zeitgenossen haben und trägt eine Maske. Gebt dem Mann Fledermausohren und rasiert ihm den Bart ab und ihr habt den Vater von Bruce Wayne. Das ist vermutlich reiner Zufall, aber dennoch amüsant.
Der Luftpirat markiert einen interessanten Moment in der Science-Fiction, nämlich den Endpunkt jener Zeit, die heute das Genre des Steampunk inspiriert. Flugzeuge konnten damals bestenfalls um die 100 Meter hüpfen. Luftschiffe waren die große Zukunftstechnologie, angetrieben von den Erfolgen des Grafen Zeppelin in Deutschland und des Erfinders Santos-Dumonts in Frankreich. Und hätte das Flugzeug im Ersten Weltkrieg nicht den gewaltigen Entwicklungsschub erhalten, den es dank des Militärs bekam, hätte unsere Gegenwart sehr anders aussehen können. Inzwischen hat sich ein eigenes Genre der Science-Fiction zu diesem längst vergangenen Zeitalter herausgebildet, der aktuell sehr erfolgreiche Steampunk.
Der Beherrscher des Luftmeeres ist der erste Band der Serie und führt den Hauptcharakter, einige seiner Crew und seine Feinde ein. Die Geschichte lässt sich, wie jeder Band der Serie, allein lesen und ist sehr kurz.

Beim Text habe ich ein neues Verfahren gewählt: Statt wie bisher den Text in LibreOffice zu verfassen und von diesem in HTML abzuspeichern habe ich ihn diesmal zwar in LibreOffice geschrieben (direkte Abschrift des Originals), dann aber per Kopieren/Einfügen in eine einfache Textdatei übertragen und den HTML-Code manuell hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein deutlich sauberer HTML-Code, der sich besser und reibungsloser in das eBook-Format übertragen lässt. Das alte Verfahren hatte hin und wieder Fehlermeldungen produziert, die ich erst bearbeiten musste, jetzt klappt es reibungslos. Dieses Verfahren werde ich in Zukunft immer wählen. Die Rechtschreibung habe ich wie bei den beiden englischen Bänden zwecks Authentizität beibehalten, was insbesondere bei den ß auffällt. 1908 schrieb man bereits die deutsche Einheitsschreibung nach Duden, daher sind hier wenig Stolperfallen zu erwarten.

Das Cover
Anders als mein erstes veröffentlichtes gemeinfreies eBook, Armata hatte dieser Band zwar ein eigenes Cover, aber es war leider nicht in brauchbarer Auflösung zu haben und alles was ich hatte war eine modifizierte Schwarzweiss-Version aus einem modernen Sammelband. Also nahm ich, was ich hatte und puzzelte daraus ein neues Cover zusammen.
Dabei folgte ich einem Stil, den viele Volksausgaben größerer Bücher damals verfolgten: Ein schwarzes Titelbild mit einem verkleinerten Abbild des Originaltitelbildes in der Mitte. Das Logo hatte ich online von einem Bild von Band 45 und war anscheinend immer so schief. Das Titelbild von einem anderen online gefundenen Bild des Covers der ersten Ausgabe nahm ich dazu und vergrößerte soweit ich grade noch vertreten konnte. Das Ergebnis ist beim näheren Ansehen keine Schönheit, funktioniert aber und ist zumindest auch nicht wirklich schlecht. Es hat ein wenig vom Flair dieser Zeit.
Die Titelschriftzüge setzte ich in der dem Original nahen Schriftart Leipzig Fraktur, eine sehr gute freie Frakturschrift, die auch die wichtigsten Ligaturen und sowohl das lange als auch das runde s enthält. Das war hier wichtig, da ich beide S-Formen brauchte. Im Gegenzug merke ich grade, dass ich das „ch“ nicht als Ligatur gesetzt habe. Naja, es gibt schlimmeres und der Upload ist nunmal schon erfolgt. Trotzdem blöd.
Der Kontrast zwischen Antiqua-Logo und Fraktur-Titel war übrigens schon im Original enthalten.

Einstellen
Blieb noch, das ganze bei Amazon hochzuladen und auf die Freischaltung im Shop zu warten.
Eine Weile hatte ich überlegt, das Heft nach dem Preisschema für moderne Heftromane für 1,49 € zu verkaufen. Da es aber sehr kurz ist, bin ich letztendlich doch beim Amazon-Mindestpreis von 0,89 € geblieben.
Nun denn, Sonntag abend eingestellt und heute gegen 5 Uhr morgens (laut eMail-Benachrichtigung) online gegangen. Das war etwas länger als die letzten Werke, aber immer noch in Ordnung.

Schlussgedanken
Das Cover ist nicht ideal und sobald ich die Möglichkeit erhalte, einen Scan des Originals zu machen oder zu bekommen, tausche ich es aus. Immer noch unschlüssig bin ich, ob ich den Text nicht doch noch in die neue Rechtschreibung oder gar meine Hausorthografie übertragen soll. Grammatik und wortwahl unterscheiden sich nur äusserst geringfügig vom modernen Gebrauch, ein echtes Problem wäre das also nicht.
Aber dafür ist wenigstens bei den Anführungszeichen inzwischen alles klar: Die Leserschaft will offenbar die aus der Schule bekannte deutsche Setzung, also hat dieses Buch genau diese auch bekommen. Wenigstens eine Detailfrage abgehakt.
Wenn dieser Band funktioniert folgen die anderen irgendwann in bunt gewürfelter Reihenfolge (erstmal muss man an die Hefte rankommen, 9 Hefte scheinen überhaupt nicht mehr vollständig zu existieren). Und damit ran ans nächste Projekt.


eBook-Land: Woche 16

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 35,84 € | Händler: 6

Kurzer Text diesmal, es gibt nicht viel zu erzählen.
Kurz hinweisen möchte ich nochmal auf die Umfrage rechts oben, die jetzt noch etwa 3 Tage läuft. Da dürfen ruhig noch mehr Leute mitstimmen ;-) .

In eigener Sache
Castor ist weiterhin im Zeitplan, ein bisher unangekündigtes Projekt (Der Molosser) ist aktuell im Lektorat und sollte noch vorher erscheinen.
Der Molosser wird ein etwas anderes Experiment: Drer Grundinhalt wird zeitgleich hier im Blog erscheinen, das eBook ist dann eine Art Bonusedition des Texts mit zahlreichen Extras. Erstens will ich das mal ausprobieren und zweitens will ich auch die Idee selber, die dort präsentiert wird, möglichst weit verbreiten. Also wird es diese hier kostenlos geben und wem das einen Euro wert ist oder wer zusätzliche Informationen haben will, für den gibt es das eBook. Im Erfolgsfalle wird da eine Serie draus.
Etwas länger als geplant ist unterdessen auch Feuchten Fußes im Lektorat. Da muss ich nochmal ran.

Aus der Szene
Der amüsanteste Meinungsaustausch zum eBook ist wohl diesmal diese Reaktion auf diesen Beitrag. Christian Stöcker schreibt – durchaus liebevoll und sich selbst dazuzählend – und Petra van Cronenburg platzt daraufhin die Hutschnur, weil sie ein Feindbild zu entdecken meint, welches der Text einfach nicht hergibt. Sicher ist er ab und an provokativ formuliert, aber feindselig? Sätze wie der folgende sind zwar starker Tobak, aber den braucht es auch, um die romantische Verklärung des Papiers zu durchbrechen und das Vorurteil zu durchbrechen, Papier sei an sich besser:

Es ist verblüffend, wie intensiv der Datenträger Papier mit bestimmten, geradezu mythischen Eigenschaften aufgeladen wird – obwohl doch auch die „Bild“-Zeitung, Hardcore-Pornografie und sogar „Mein Kampf“ auf Papier gedruckt werden. Die einzige Erklärung ist, dass hier wieder einmal jemand der so unbedingten wie anlasslosen Überzeugung ist, dass Papier als Datenträger Bildschirmen überlegen sei. Dass Nachrichten irgendwie besser, wahrer, wertvoller werden, wenn man sie auf Papier druckt, das danach quer durchs Land gekarrt werden muss, damit die Papierstapel frühmorgens überall auf den Türschwellen der Abonnenten abgelegt werden können.

Apple rudert nach der Diskussion um seine Nutzungbedingungen zurück und erhält möglicherweise Konkurrenz. Was zur absoluten Unzeit kommt, kocht doch das alte Zensurproblem doch wieder auf.
Telepolis tut inzwischen so, als hätte es Perry Rhodan, Flash Gordon und Buck Rogers nie und Kampfstern Galactica nicht bereits seit 35 Jahren gegeben. Wobei der Autor des Artikels aus der DDR ist und deerlei womöglich tatsächlich nicht mitbekommen hat. Dass die positive Utopie schon immer nur ein-zwei erwähnenswerte Werke pro Jahrzehnt hervorgebracht hat, wird da allerdings auch kurzerhand vergessen und vom Verschwinden positiver Utopien schwadroniert, nur weil grade keine in den Bestsellerlisten steht. Früher war halt alles besser, auch die Zukunft. In Sachen Überheblichkeit kann Telepolis aber trotzdem nicht mit dem englischen Guardian, wo Genre-Literatur eh Schund ist mithalten.


Kurzgeschichte: Ninjutsu

Die folgende Kurzgeschichte habe ich Ende November für einen Weihnachtsgeschichtenwettbewerb geschrieben. Leider war sie ein paar hundert Zeichen zu kurz für die Mindestanforderungen. Stärker wollte ich sie aber wirklich nicht strecken. Und ein wenig unkonventionell ist sie auch.
Nun, da heute Heiligabend ist, gebe ich die Geschichte statt dessen einfach frei an alle Leser weiter.

Schöne Weihnachten allen Lesern
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