Freitägliche Fünf 13.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wird weggeworfen, umgeworfen, entworfen, sich weggeschmissen und wieder weggeworfen.

1. Der Gartenkompostblumenturm

Endlich mal wieder Gelegenheit für ein schönes Kompositum: Gartenkompostblumensteckturmeinrichtung.

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. - Bild: Garden Tower Project

Werft mehr Lebensmittel weg, dann kriegt ihr auch Blumen. Oder so. – Bild: Garden Tower Project


Das Konzept ist im Grunde simpel: In der Mitte ist Raum für Garten- und Küchenabfälle, die kompostiert werden sollen, drumherum wachsen die Pflanzen, die der Kompost dann direkt nährt.
Das Projekt aus Indiana will ein solches System kommerziell anbieten und das sieht schon ganz gut aus, mit modular aufgebautem Turm und so weiter. Eine interessante Möglichkeit zur Verwertung von Grünabfällen in Haushalten ohne Zugriff auf einen Garten. Gedacht ist das Ganze für die Kompostierung mit Würmern, da diese vergleichsweise schnell und fast völlig geruchlos verläuft, was in Wohngegenden klar von Vorteil ist.

2. EuGH schwächt Verlage

Der Europäische Gerichthof hat in einem Urteil gegen die VG Wort die Verlage gegenüber den Autoren deutlich geschwächt. Bislang erhielten die Verlage Anteile aus den Einnahmen, die der VG Wort als Verwertungsgesellschaft von Bibliotheken und Herstellern von z.B. Kopierern zukommen. Dies haben nun praktisch alle Instanzen als rechtswidrig eingestuft: Einnahmen aus der Wahrnehmung von Urheberrechten stehen einzig den Urhebern zu.
Damit setzt sich der Trend fort, dass in den Kreativbranchen die Rolle der Kreativen immer größer wird, während die nach und nach überflüssig werdenden Verwerter (Verlage, Musiklabell usw.) immer mehr auf verlorenem Posten stehen.

3. Harmonie 20 in der zeitung

Die Mädels von der Harmonie 20 haben es mit ihrem verlängerten temporären Lädchen nochmal in die Zeitung geschafft. Sogar mit Teaser auf der Titelseite der RP. Sehr schön.
Der Laden war in der Schauzeit belegt worden, als in Rheydt Leerstände von Künstlern belegt wurden. Dieser Laden (sowie Engel & Helden in der Hauptstraße) sind geblieben.

4. Dieses herrliche Satirevideo


Ich bin jedenfalls ziemlich sicher, dass das Satire ist. Abgehackte Aussprache, die jede Silbe überbetont, extrem aufgesetztes Grinsen und Bewegungsmuster eines Roboters. Die kann das nicht ernst meinen, so auch noch Tipps und Coachings anzubieten.
„Wirkungsexpertin“ – das ist so herrlich absurd.

5. Neue Haustiere

Als kleine Nachwirkung der Apfelbaumaktion habe ich jetzt Würmer.
Nein, nicht, orrrr… Kompostwürmer! Etwa ein Dutzend als Start für einen Wurmkomposter. Momentan leben die noch in einem Plastikbeutel, weil ich keinen für einen Wurmkomposter geeigneten Eimer habe (mit Deckel und Ablaufhahn), aber zu fressen haben die schon und für die ersten ein-zwei Wochen geht das auch so. Nächste Woche kriegen die aber ein vernünftiges Zuhause.


Wo veröffentliche ich meine eBooks am besten?

Eine der schwierigsten Fragen für jeden, der selbst eBooks rausbringen will, kommt gleich zu Anfang dieser hoffentlich glorreichen Karriere: Wo verkauf ich die überhaupt? Es gibt ja inzwischen viele Optionen und auch wenn Amazon die größte ist, will man doch auch andere Kanäle erreichen. Vor allem in Deutschland, wo Kindle-Konkurrent Tolino inzwischen fest etabliert ist und auch über den Buchhandel versorgt wird.
Die Antwort auf diese Frage zu finden ist eine lange Suche, zumal sie sich auch immer wieder verändert. Neue Plattformen tauchen auf und verschwinden, alte verändern sich auf verschiedenste Weisen. Daher ist keine Antwort endgültig.
Als Hilfe für Neueinsteiger will ich dennoch kurz vorstellen, wie ich nach mittlerweile vier Jahren Suche und Erfahrungen meine eBooks vertreibe und warum ich die Plattformen gewählt habe, die ich gewählt habe.

Der Riese: Amazon

Da besteht gar keine Diskussion, Amazon ist so groß, den kann man nicht auslassen. Sofern man nichts anderes einstellt, vertreibt Amazon alle hochgeladenen eBooks weltweit. Für eBooks mit einem Preis zwischen 2,99 und 9,99 € gibt es 70%, für alle anderen Preise (und einige Länder, in denen die 70% nicht gelten) gibt es 35% vom Preis als Honorar. Die Plattform ist Marktführer und das merke ich bei den Verkäufen auch deutlich.
Amazon zahlt zuverlässig 90 Tage nach Monatsende per Scheck oder Überweisung aufs Girokonto, selbst wenn nur 10 Cent verdient wurden. Absolut vorbildlich.
Ich habe lange fertige Mobi-Dateien bei Amazon hochgeladen, das dazu nötige Programm ist aber inzwischen veraltet und hat Probleme auf Systemen mit Internet Explorer zu laufen, daher lade ich inzwischen Word-Dateien zu Amazon hoch. Auch das funktioniert reibungslos. eBooks von Amazon lassen sich allerdings nur auf Kindle-Geräten sowie per App auf Systemen mit Android, iOS oder Windows lesen. Alternative Lesegeräte wie Tolino erreicht Amazon nicht.
Exklusive Bindung an Amazon („KDP Select“) ist möglich, aber freiwillig.
Amazon direkt zu beliefern ist alternativlos für Bücher im Preissegment 2,99–9,99 €, sollte aber um einen Vertrieb für ePub ergänzt werden, denn warum sollte man Geld liegen lassen?

Ergänzung fürs Deutsche: Xinxii

Neben Amazons Kindle gibt es noch eine Reihe anderer eBook-Lesegeräte und um diese zu beliefern, muss man andere Händler neben Amazon erreichen. Der bekannteste Konkurrent des Kindle dürfte der Tolino sein, aber auch Kobo, Oyo und einige andere Geräte existieren. Und was vielen nicht bewusst ist: Auch Apple verkauft in seinem iBooks Store eBooks für seine Geräte. All diese Kanäle verkaufen eBooks im Format ePub, der großen Alternative zu Amazons Mobi/AWZ-Format. Für die Leser macht das keinen Unterschied und auch für die Autoren nur einen geringen, denn auch ePub lassen sich einfach aus Word-Dateien erzeugen. Ich selber nutze dazu das Programm Calibre.
Xinxii hatte es in der deutschen Anbieterlandschaft einfach, mich zu überzeugen. Es liefert an eine gute Auswahl von Händlern, bietet mir die Möglichkeit, Amazon separat zu beliefern (was sich lohnt, da man so aus seinen Amazon-Verkäufen mehr Geld bekommt) und erlaubt es, die ePub-Datei so an die Händler auszuliefern, wie man sie selbst erstellt hat.
Letzteres ist für mich sehr wichtig. Die meisten Anbieter in Deutschland haben einen Online-Editor, mit dem man seine eBooks online bearbeiten kann. Das klingt auf den ersten Blick komfortabel, bringt aber Probleme mit sich, wenn man komplexere Layouts hat. Ein Beispiel: Alle Bände meiner Reihe sowie mein Buch Unter Wittgensteins Löwen enthalten Seitenumbrüche innerhalb von Kapiteln. Bei den Meilensteinen etwa sind die Listen der Tierarten jeweils ein Kapitel, jeder einzelne Eintrag in den Listen endet aber mit einem Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu beginnen. Eigentlich kein Problem für ePub. Die Editoren bei den von mir vorher ausprobierten Anbietern BookRix und Neobooks kamen damit aber nicht klar — alles zwischen dem ersten Seitenumbruch und dem Anfang des nächsten Kapitels verschwand kurzerhand aus dem jeweiligen Buch. Neobooks hat inzwischen einen neuen Editor vorgestellt, aber für mich zu spät, ich werde es gar nicht erst ausprobieren. Der momentan in vieler Munde präsente Neuling Tolino Media nutzt den Editor von Neobooks, daher gilt für diesen neuen Dienst das selbe. Bei Xinxii weiss ich, dass es funktioniert und das reicht mir.
Somit gilt für mich: Xinxii erhält meine klare Empfehlung für ePub im deutschsprachigen Raum, kombiniert mit direkter Lieferung an Amazon.

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Beispiel für einen Seitenwechsel ohne ein neues Kapitel zu starten, hier im Buch Schwarzer Schwinge in der Kindle App für Windows bei Doppelseitenansicht

Sondereinlage: BoD

Eine Sonderrolle spielt für mich im deutschen Markt BoD, einer der ältesten Online-Anbieter für Selbstverlag im deutschsprachigen Raum. Normalerweise nutze ich BoD nicht, da es wie viele deutsche Anbieter in meine Dateien hineinfuscht und damit für viele meiner Bücher ungeeignet ist (siehe Ausführungen zu Neobooks/Tolino weiter oben). BoD geht sogar so weit, mein Impressum durch ein eigenes von BoD zu ersetzen. Das mag zwar ganz nett gemeint sein, da BoD den Autoren damit auch die rechtliche Verantwortung für die Inhalte abnimmt, wenn das Impressum allerdings neben den Kontaktdaten zusätzliche Angaben wie zum Beispiel erforderliche Bildnachweise enthält, wird das unter Umständen zu einem ernsthaften Problem. Meine Bände der Reihe Meilensteine der Evolution etwa enthalten regelmäßig recht umfangreiche Bildnachweise, da sie eben auch relativ viele Bilder aus unterschiedlichen Quellen enthalten.
Ausserdem verlangt BoD Exklusivrecht zur Veröffentlichung und hat eine Frist, wenn man Bücher dort wieder löschen will. Und dennoch habe ich die Fantasy-Kurzgeschichte Khamel über BoD veröffentlicht und werde wahrscheinlich weitere Kurzgeschichten über diese Plattform rausbringen. Warum?
Die Antwort liegt im Preis des eBooks: BoD eröffnet mir die Möglichkeit, einen Preis von 0,49 € einzustellen. Für Kurzgeschichten wie Khamel scheint mir das ein fairer Preis zu sein, den ich (soweit mir bekannt) nirgendwo sonst einstellen kann. Auch sind die Einkünfte für Bücher unter 2,99 € besser als bei Amazon, da BoD bei Amazon offenbar andere Konditionen bekommt als Selbstverleger und somit auch mehr an die Autoren weitergeben kann. Daneben liefert BoD als einziger von mir ausprobierter Distributor an den kostenlosen Verleihservice readfy für Android- und iOS-Geräte.
Es wird allerdings interessant zu beobachten, ob der in der Betaphase befindliche Neuling Pocketstory in Zukunft Angebote in dieser Richtung ergänzt.
Bis dahin: Bod empfohlen für eBooks unter 2,99 €, wenn diese keine aufwendigen Layouts haben und wenn es kein Problem ist, dass BoD das Impressum durch ein eigenes ersetzt. Dafür kommen die Bücher über BoD an nahezu alle Händler. Aber Achtung: Ein über BoD verbreitetes eBook darf wegen des Vertrages von BoD über keinen anderen Kanal vertrieben werden.

Fürs Englische: Draft2Digital

Da ich auch englische eBooks verkaufe, brauche ich natürlich auch dort einen Vertrieb für die anderen Händler eben Amazon. Überraschenderweise ist das dortige Angebot an alternativen Vertrieben nicht ganz so bunt wie im deutschsprachigen Bereich.
Die beiden großen Anbieter sind Smashwords und Draft2Digital. Smashwords ist für seinen Meatgrinder gefürchtet: Mna lädt dort eine Word-Datei hoch, die dann in diverse Formate konvertiert wird. Das ist theoretisch super, der Meatgrinder gilt aber als extrem fehleranfällig und man kann mehrere Anläufe brauchen, bis ein Dokument so perfekt ist, dass es als fehlerfreies Ergebnis aus dem Meatgrinder heraus kommt.
Ein für mich deutlich größeres Problem ist, dass man in Smashwords für jeden Namen ein eigenes Nutzerkonto braucht – Veröffentlichung unter Pseudonym oder von Werken anderer Autoren sowie Kollaborationen sind so schlichtweg nicht ohne erheblichen Aufwand möglich. Das hat Smashwords in meinen Augen das Genick gebrochen.
Draft2Digital ist da bedeutend besser und beliefert eine lange Liste von Händlern. Es bietet die Möglichkeit, seine Dateien direkt in der endgültigen Form hochzuladen und als kleiner Bonus liefert Draft2Digital die Bücher auch an die Tolino-Händler. Damit ist es der einzige Anbieter, der englischsprachige Werke auch an alle wichtigen deutschen Händler (Amazon, Tolino, iTunes, Kobo) ausliefert. Es ist möglich, Händler herauszunehmen, um niemanden doppelt zu beliefern.
Draft2Digital ist meine Empfehlung für englischsprachige eBooks in Kombination mit Amazon. Wer einfache eBooks ohne komplexe Layouts unter einem einzigen Namen vertreibt, für den lohnt es sich allerdings, sich auch Smashwords mal anzuschauen.

Andere Optionen

Es gibt natürlich noch mehr als diese paar Möglichkeiten.
Apple erfordert eine amerikanische Steuernummer, daher habe ich mit diesem Unternehmen nie direkt gearbeitet.
Epubli will vorab Geld, daher hab ich es nie ausprobiert, Tredition und Ruckzuckbuch wollen richtig viel Geld, also ditto. Feiyr nimmt meines Wissens Geld bei Löschung eines eBooks, was mich ebenfalls vom Ausprobieren abhält, denn was, wenn mir das Angebot gar nicht zusagt? Dann müsste ich Geld dafür bezahlen, dass es mir nicht gefällt. Absurd.
Mit dem Vertrieb von Papierbüchern im Selbstverlag habe ich bisher ganz allgemein keine Erfahrungen sammeln können, aber das steht an. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, dürfte hier aber BoD mit Abstand die beste Möglichkeit sein.