Neues eBook: Introduction

Diesen Monat habe ich mal was neues probiert und erstmals an der Eight Hour Challenge teilgenommen.
Bei dieser geht es darum, innerhalb von acht Stunden ein eBook zu schreiben, zu korrigieren, veröffentlichungsbereit zu machen und zu publizieren (Zeit der Überprüfung durch den Verkäufer nicht eingeschlossen). Die ursprüngliche Idee stammt von Joe Konrath, aber Scott Gordon hat daraus jetzt eine (voraussichtlich) regelmäßige Veranstaltung gemacht.
Für die letzte Challenge erfuhr ich etwas zu spät davon, aber diesmal passte es und schrieb ich in unter acht Stunden diese kleine Tour durch die schwimmende Stadt Pacifica mit den Augen des chinesischen Neuankömmlings Chang Wu auf dem Weg zu seinem Bewerbungsgespräch. Er weiss, dass er in der Botschaft arbeiten soll und dass dies mit seinem akademischen Hintergrund zu tun hat, aber aufgrund der Geheimhaltung von Pacifica in dieser Sache nicht, was genau seine Aufgabe ist.

Pacifica ist ein großer Topf Ideen, zusammengeschmolzen zum Bild einer Stadt, wie es sie heute nicht gibt. Als Handlungsort spukte sie mir schon eine ganze Weile im Kopf herum, zunächst als Atlantis, dann aufgrund der besseren Voraussetzungen im Pazifik. Die Stadt nimmt in meiner Vorstellung von 2028 bis etwa 2100 Form an, absorbiert dabei die technologischen Fortschritte dieser Zeit und bildet einen Ort ständigen Wandels, angetrieben und befüllt von Kreativität, Innovation und Dingen, die nur an einem solchen Ort ohne Geschichte gefunden werden können. Und nur ein kleiner Teil davon, die Situation der Stadt im Jahre 2061, findet in dieser Geschichte Niederschlag. Das Bild einer Stadt, die langsam eine Geschichte erhält und zugleich eine neue Zukunft baut.
Als Kurzgeschichte von nur 2.100 Wörtern (etwa 2.400 mit Impressum und dem ganzen Kram) ist Introduction näher an dem, was ich in der Schule als Kurzgeschichte kennen gelernt habe, als an dem, was heutzutage unter dem Begriff läuft: Sehr kurze Episoden aus der Welt, die komplett auf das Ende als eigentlichen Inhalt der Geschichte ausgerichtet sind. Alles davor ist der Aufbau einer Welt und einer Situation, die dem Ende Kontext verleiht, in manchen Fällen, wie hier in der Science-Fiction, auch Plausibilität.
Zugleich implizieren die hier vorgefundenen Dinge und Ereignisse so viel über den Rest der Welt, dass ich eine einzige große Spielwiese für Science-Fiction-Ideen erhalte. Was ist mit Alt-Venedig passiert? Wie hat Italien und Europa reagiert? Was hat es mit den Hunden auf sich? Oder mit der Strickleiter zu den Sternen? Wer ist/war Laetitia Färber? In dieser Geschichte ist spekulativer Spass für Jahre angelegt!

Unzufrieden bin ich offen gestanden mit dem Cover. Dass ich das Projekt letztlich mit einem so langweiligen Cover abgeschlossen habe liegt daran, dass ich ganz einfach kein brauchbares Motiv gefunden habe. Das war etwas frustrierend. Ich hoffe, ich finde später noch ein Motiv und werde das Cover dann ersetzen.
Theoretisch sollte es möglich sein, ausreichend subtil mit grafischen Elementen auf das Ende hinzuweisen, aber ich habe auf die Schnelle nichts gefunden, was das Ende nicht gleich komplett verraten würde. Schon während des Schreibens war mein größtes Problem, das Ende nicht bereits im Dialog zwischen Chang Wu und seinem Interviewer Aldo Esposito zu verraten. Ich denke, das ist ein Problem, das ganz einfach mit dieser Art Geschichte einhergeht, vor allem als eigenständige Veröffentlichung.

Alles in allem habe ich an dieser Veröffentlichung fünf Stunden gearbeitet, davon vier für die Geschichte. Ich denke, zukünftige Beiträge zur Challenge werden länger sein, jetzt, da ich den zeitrahmen etwas besser kenne und weiss, dass Luft nach oben ist. Eine noch kürzere Geschichte als diese würde ich auf jeden Fall kostenlos anbieten wollen, 2.100 Wörter ist so ziemlich das absolute Minimum, für das ich mich wage, Geld zu verlangen.

Das Einstellen bei Amazon lief wie immer gut und flüssig.
Etwas Sorgen hatte mit Smashwords gemacht. Ich habe noch nie zuvor bei Smashwords veröffentlicht und viel beunruhigendes über den Meatgrinder gehört. Der Meatgrinder (deutsch: Fleischwolf) ist ein Programm, mit dem Smashwords seine Dateien für den Verkauf erzeugt. Anders als Amazon, wo ich eine praktisch fertige Kindle-Datei einreichen kann, nimmt Smashwords eine Word-Datei und erzeugt daraus die diversen eBook-Formate.
Der Meatgrinder ist berüchtigt dafür, beim geringsten Formatierungsfehler in der Word-Datei die Annahme zu verweigern. Innerlich war ich also darauf vorbereitet, gestern nacht zwei oder drei Versuche durchspielen zu müssen, um die Geschichte hochzuladen. Und dann: Erfolg beim ersten Versuch, die Datei wurde sofort konvertiert und zum Verkauf übernommen. Sie wartet jetzt auf Freigabe für den Premium-Vertrieb, was bedeutet, dass das eBook bei erfolgreicher Überprüfung dann auch bei anderen eBook-Verkäufern wie Kobo, Barnes & Noble und iBooks erhältlich sein wird.

Hier erstmal die Links, die bisher verfügbar sind, die weiteren trage ich dann in der englischen Bücherliste nach, wenn sie kommen:
Smashwords (Formate ePub, Mobi/Kindle, PDF, LRF, RTF, PDB, TXT sowie zum online lesen)
Amazon.de (Kindle)

Zur Erinnerung für die Newsletter-Abonnenten: Ihr bekommt heute noch einen Coupon für Smashwords ;-)

Und damit auf zum nächsten Projekt: Schwarzer Schwinge ist so gut wie fertig, es fehlen noch etwa 4.000 Wörter plus ein Tag für den letzten Schliff am Text. Damit werde ich es erstmals schaffen, in einem Monat zwei Projekte fertigzustellen, vorausgesetzt, ich breche mir nicht plötzlich beide Hände. Und die Füße. Und den Hals, dass ich nicht mal mehr mit der Nase tippen kann. Oder… lassen wir die Szenarien, ich mach einfach.
Meine aktuell neu gefundene Produktivität in eigener Sache bringt grade so einen schönen Enthusiasmus-Schub mit sich, den muss ich nutzen. Also, Schwarzer Schwinge in den sieben verbliebenen Tagen des Monats minus je einem Tag fürs Korrigieren und Publizieren? Das pack ich. Tschakka!


eBook-Land: Woche 19

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 44,67 € | Händler: 6

Eine kleine Veränderung noch einmal: Den Abschnitt „Kindle gegen Bücherregal“ gebe ich auf, da er offenbar niemanden interessiert hat. Protest wie immer bitte unten in den Kommentaren. Oder meinetwegen auch per Twitter, Facebook oder wüster Beschimpfung auf der Straße. Ich bin Politiker bei den Grünen, ich bin sowas gewöhnt.
Diesmal kommt eBook-Land einen Tag später, da mich mitten im Schreiben diese Mitteilung erreichte, woraufhin ich erstmal offline ging und kurz danach auch bis in den späten Abend eine Sitzung hatte. Ich bitte um Verständnis dafür.

In eigener Sache
Viel gibt es nicht zu berichten, mir ist aber aufgefallen, dass die Verkäufe auf allen großen Märkten, in denen ich präsent bin (USA, UK, Deutschland) überraschend anziehen. Da die drei Bücher von unterschiedlichen Autoren sind und ich nur eines davon (mein eigenes) nennenswert beworben habe, ist das auffällig, aber ich kann noch nicht wirklich etwas damit anfangen. Kann man davon ausgehen, dass eBooks bei Amazon nach drei Monaten Präsenz im Bestand eine Art Eigenwachstumseffekt zeigen? Oder hängt das mit dem Wachstum des Marktes zusammen? Oder ist es am Ende nur Zufall?Fragen, die ich mit meinen spärlichen Daten nicht beantworten kann. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Dafür kann ich zur Lösung einer anderen Frage beitragen: Lohnt es sich, eBooks vorübergehend kostenlos anzubieten? Ich habe ja ein Twitter-Konto, das sich auf die Bewerbung kostenloser eBook-Angebote spezialisiert hat. Und da das bei Amazon und iTunes Affiliate-Links nutzt, habe ich daraus einige extrem interessante Datensätze bekommen, was das Verhalten der Nutzer solcher Angebote angeht. Noch ist das nicht ausgewertet, aber was sich abzeichnet ist: Es hängt davon ab, was man will, aber im Gegensatz zu den bisherigen Annahmen lohnt es sich für Verfasser von Einzelwerken mehr als für Anbieter mit eBook-Serien, denn die Käufer kostenloser Werke geben grundsätzlich kein Geld für eBooks aus und lassen sich offenbar auch von Serieneinstiegen kaum ködern. Daie Daten sagen offenbar aber auch, dass ein kostenloses Angebot praktisch keinen finanziellen Verlust darstellt, da man damit Leser erreicht, die ohnehin nie Geld ausgegeben hätten. Das gibt es dann nächste Woche ausführlich mit Zahlen und allem, wahrscheinlich in einem separaten Beitrag, weil es wirklich umfangreich wird.
Was die Anführungszeichen angeht, fand ich die Teilnahme an der hiesigen Umfrage etwas mager, daher habe ich sie nochmal beim Umfrageportal Toluna eingestellt. Auch darüber werde ich berichten, sobald die Zahlen endgültig sind. Zu meiner Überraschung führen die klassisch-deutschen Anführungszeichen im Moment deutlich. So deutlich, dass ich mich fragen muss, wieso die anderen Optionen hierzulande im Buchdesign überhaupt Anwendung finden.

Aus der Szene
Die großen Nachrichten der Woche sind Buchlöschungen: Zunächst die etwas untergegangene Meldung, dass Amazon zur Durchsetzung seiner Preisvorstellungen tausende zu teure eBooks gelöscht hat. Anders als bei früheren Skandalen bleiben gekaufte Bücher nun den Kunden zwar verfügbar, aber es ist doch auffällig, wie stark Amazon versucht, in die Marktstrategien der Verlage einzugreifen. Die mögen Müll sein, aber einem Buchhändler steht es eigentlich nicht zu, so tief in die Tätigkeit der Verlage einzugreifen.
Wem das allerdings noch weniger zusteht, sind die Dienstleister der Finanztransaktionen. Entsprechend war es denn auch der größere Skandal, dass Paypal – nicht zum ersten Mal – aktiv in das verkaufte Warenangebot eingreift und Smashwords nun also diverse Erotika-Inhalte untersagt. Die Inhalte sind ohne Frage solche, die auch ich nicht sehen will (Sodomie, Inzest, Pseudo-Inzest, nicht einvernehmliches S/M), aber sie sind als Buchinhalt nicht illegal (Pseudo-Inzest, also Inzest unter entfernt Verwandten oder Verschwägerten sowieso nicht) und wenn ein Händler diese anbieten will, so soll er dies tun. Ich muss es ja nicht lesen.
Zu einem angenehmeren Thema: Bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) gab es endlich mal einen differenzierten Artikel zum Thema Status des Urheberrechts, der weder den Verschärfern noch den Auflösern nach dem Mund spricht. Das war eine angenehme Überraschung.
Der VdZ (Verband der Zeitungsverleger) beschwert sich in Brüssel darüber, dass Google kostenlos Werbung für sie macht, was ausser bei mir auch bei CARTA zu Verwunderung führt.
Auf jeden Fall noch hinweisen möchte ich auf Emily Bolds Beitrag zur Zukunft des eBooks oder genauer gesagt auf die Kommentare dazu. Auf jeden Fall lohnendes Lesefutter.
Achja, Apples Kopierschutz wurde erstmals geknackt.
Ebenfalls unter „ferner liefen“: Eine Studie stellt wenig überraschend fest, dass eBooks nicht im stationären Buchhandel verkauft werden. Wie davon irgendjemand überrascht sein kann, ist mir ein ernsthaftes Rätsel.


Auf ins eBook-Land

Zeit für ein Experiment: Schon länger will ich in den eBook-Markt einsteigen. Ich halte diesen für die Zukunft und Print-Bücher für die nächsten Opfer der Digitalisierung nach Schreibmaschine, Videokassette und MC (usw. usf.).
Jetzt endlich erreicht der Markt einen Punkt, an dem er interessant wird: eReader haben keine Bildschirme mehr, sondern wesentlich angenehmer lesbare eInk-Displays, die wie Papier aussehen und sich auch so lesen (was wesentlich angenehmer und besser für die Augen ist).

Mit dem Kindle und Smashwords sind Plattformen aufgetaucht, die es erlauben, den Markt zentral zu bedienen und nicht für jedes einzelne Lesegerät eine eigene Distribution verwalten zu müssen.
Nachdem ich mich nun seit eingen Wochen gezielt mit diesen im deutschen Markt noch sehr neuen Systemen auseinandergesetzt habe, wage ich also den Sprung. Hier ist mein Plan, vom Erfolg oder Misserfolg jeder Phase werde ich dann berichten.
Bitte entschuldigt, dass ich keine Titel preisgebe, ich möchte halt verhindern, dass mir wer zuvorkommt, speziell bei den beiden gemeinfreien Werken und den Sachbüchern, wo die Titel sehr eindeutig gewählt sind (der Leser soll’s ja finden).

Phase 1: Gemeinfreies
Angefangen wird mit etwas sicherem: Gemeinfreien (auch unter dem juristen-englischen Fachbegriff „Public Domain“ bekannt) Werken auf englisch.
In den USA nimmt der eBook-Markt inzwischen um die 10% des gesamten Buchmarktes ein, daher ist hier leichter einzusteigen. Zudem sehe ich im Angebot gemeinfreier Werke immer noch erhebliche Lücken, von denen ich zwei (Frühwerke der Science-Fiction) schließen will.
Das eine ist ein relativ unbekannter Roman von 1817, der noch gar nicht als eBook bei Amazon erhältlich ist (ebensowenig bei praktisch allen Sammlungen gemeinfreier Werke im Netz), absurderweise aber gleich mehrfach als teurere Print-Ausgabe (ab 20 €) da er literaturgeschichtlich durchaus von Interesse ist. Diesen werde ich ordentlich formatieren, mit einem Nachwort zu Werk und Autor ergänzen (ich wusste, englische Literatur als Nebenfach würde sich mal lohnen!) und ein Inhaltsverzeichnis beigeben. Ich halte diesen Roman für einen wertvollen Beitrag in der Geschichte des Genres und habe ihn daher ausgewählt. Ich will ihn ganz einfach selbst als eBook haben und wo ich schonmal dabei bin, ihn zu konvertieren, kann ich das Ergebnis auch gleich verkaufen.
Das andere ist ein Roman von 1897, der zwar bei Amazon kostenlos fürs Kindle erhältlich ist, aber in einer dermaßen miserablen Qualität, dass er praktisch unlesbar ist. Hier will ich das Original – ein wunderschön bebilderter Roman mit für seine Zeit innovativer Formatierung – in eBook-Form umsetzen und das Ganze ebenfalls mit Inhaltsverzeichnis und Anmerkungen zum Werk ergänzen.
Beide werden, da das Ursprungsmaterial gemeinfrei ist, für 0,99 $ bzw. 0,99 € verkauft werden. Einerseits will ich für Werke, die man auch kostenlos haben kann, in eBook-Form nicht mehr als 0,99-1,99 € verlangen, andererseits kann ich so mit dem niedrigsten möglichen Preis Erfahrungen sammeln.
Der Preis ist für solche Werke auch durchaus üblich geworden und wie beispielsweise der neusser eBook-Verleger Jürgen Schulze (Null Papier Verlag) in Amazons Foren berichtet, der Grimms Märchen aufwendig bearbeitet für diesen Preis verkauft, lohnt sich die Mühe durchaus auch für 99 Cent, weil entsprechend mehr verkauft wird und eBooks nach der Erstellung praktisch keine Kosten mehr verursachen. Wohlgemerkt ist Schulzes aufwendig bearbeitete Märchensammlung eine Art ewiger Bestseller auf dem Kindle und dürfte um die 100 Stück am Tag umsetzen.
Das ist übrigens keine irgendwie neue Masche aus der eBook-Welt, wie viele Kritiker elektronischer Bücher meinen: Es ist das altbekannte Reclam-Prinzip.

Phase 2: Ratgeber
Ans andere Ende des Spektrums geht es dann in Phase 2.
Ratgeber sind sowohl im Aufwand als auch im Preis mit im höchsten Bereich bei den Kindle-Büchern. Praktisch im Gegenzug ist der Markt allerdings sehr klein und bietet etliche Nischen, die noch niemand besetzt.
Ich denke zur Zeit an zwei ähnlich aufgemachte Ratgeber (Grundlage für eine Reihe oder vielleicht ein Franchise) für 4,99 €. Das ist der höchste Preis, den ich persönlich für ein eBook ausgeben würde (mit wenigen Ausnahmen) und somit auch der höchste, den ich verlangen werde. Der hohe Preis rechtfertigt sich mE durch den Rechercheaufwand und die Tatsache, dass ich diese Ratgeber nach Veröffentlichung falls nötig aktualisieren werde, man also eine entsprechende Dienstleistung mitkauft.
Die Möglichkeit zur Aktualisierung ist eine technisch interessante Besonderheit von eBooks, von der insbesondere Sachbücher und Ratgeber profitieren, die sonst schnell veralten.
Mit den deutschsprachigen Ratgebern gehe ich in den aktuell am wenigsten entwickelten Markt, der mir rein technisch zugänglich ist, was wenig Konkurrenz, aber auch weniger potenzielle Käufer bedeutet. Zugleich aber auch die Möglichkeit, sich mit einem guten Buch frühzeitig und nachhaltig in den kindle-eigenen Bestsellerlisten einzunisten. Eine Option, die in Phase 1 allein schon wegen der starken Konkurrenz völlig utopisch wäre.
Inhaltlich handelt es sich um zwei Ratgeber für jeweils eine Bevölkerungsgruppe. Beides sind Titel, die ich in der aktuellen Ratgeberlandschaft (einschließlich Print) schwer vermisse und Wissensgebiete mit denen ich durch meine politische Tätigkeit vertraut geworden bin.

Phase 3: Kurzgeschichten
Ich habe eine gut gefüllte Schublade an Kurzgeschichten aller Genres und Spielarten. Daneben eine Reihe Konzepte für Kurzgeschichten, die ich nie geschrieben habe, aber die ich heute noch schreiben könnte.
Meine Kurgeschichten nehmen den Begriff „kurz“ sehr eng, mehr als 5 Seiten gibt es da nicht, daher werde ich für eine einzelne Geschichte kein Geld verlangen. Dafür sind sie definitiv zu kurz. Aber wenn ich einige davon sammel, gibt es einen ganz brauchbaren Sammelband.
Im Printbereich sind Kurzgeschichtensammlungen im Grunde vollkommen unverkaufbar, selbst bei bekannten Schriftstellern. Sie sind mehr Werbe- und Prestigematerial der verlage als ein echtes Geschäft. Die Aussichten auf eine Printveröffentlichung sind daher verschwindend, wenn die Geschichten nicht gezielt von einem Verlag angefragt werden.
Da aber ein eBook wie bereits angemerkt nach der Veröffentlichung praktisch nichts kostet, kann eine solche Sammlung hier dennoch lohnen. Ich würde sie als „loss leader“ positionieren – ein eBook für 0,99 €, dessen Hauptzweck es ist, neugierige Leser auf einen neuen Autoren aufmerksam zu machen. So kann ich den Effekt des Loss-Leader-Konzepts ebenso austesten wie die Annahme des 99-Cent-Preises im deutschsprachigen Bereich und die Chancen für Kurzgeschichtensammlungen auf dem Kindle.

Phase 4: Romane
Romane gelten in der Printwelt mit gutem Grund als brotlose Kunst, wird der Markt doch von Sach- und Kinderbüchern beherrscht. Aber: Der eBook-Markt ist anders, hier beherrscht der Roman das Geschehen.
Ich schreibe seit meiner Gymnasialzeit (seit etwa 16) Romane, habe aber nie versucht, sie zu veröffentlichen, weil ich meine Rechte nicht abtreten möchte und die Bezahlung im Printbereich (maximal 12% des Buchpreises) für eine Unverschämtheit halte. Hinzu kommt auch hier die Kürze: Mit um die 120 Seiten sind die den meisten Verlagen von vorneherein zu kurz. Das halte ich inzwischen für einen Glücksfall, Denn seit meinen Jugend…werken (…sünden?) hab ich mich doch enorm weiterentwickelt. Zwar blieb ich dem fantastischen Genre treu, aber im Gegensatz zu den Space Operas à la Perry Rhodan, die als Genre zwar beliebt, aber zumeist literarisch wertlos sind, schreibe ich inzwischen Geschichten mit so bahnbrechenden Erfindungen wie Aussagen und Konzepten.
Die Wahl des Buches fiel im Gespräch mit einer Freundin, die dieses für das mit Abstand interessanteste Konzept hielt, welches ich ihr vorstellte (sie ist bei sowas angenehm ehrlich, was für solche Fragen nicht zu hoch geschätzt werden kann). Zugleich ist es eine Geschichte, für deren Veröffentlichung ich mich in genau der richtigen Szene für eine Initialzündung mit Wumms bewege (nein, nicht die Grünen, sondern die säkular-atheistische Szene).
Ein dystopischer Roman mit einem in diesem Genre kaum vertretenen Thema. Das ist im Grunde die Phase, auf die ich am gespanntesten bin. Einfach weil das mein persönliches Lieblingsprojekt ist und mein Herz bei der Schreiberei definitiv am Roman hängt.
Als idealer Preis für Romane hat sich bei amazon.com 2,99 $ herausgestellt. Das würde ich 1:1 übertragen, Romane also für 2,99 € rausbringen. Anders als die meisten Autoren habe ich ja bereits einen Loss Leader und muss dafür keinen kompletten Roman auf 0,99 € setzen, was ich persönlich als zu niedrig empfinde.

Phase X: Schau’n mer Mal
Nach diesen 4 Phasen habe ich die wichtigsten Erfahrungen gesammelt und ich schätze, es ist etwa 1 Jahr vergangen. Dann werde ich schauen, wo ich für die weitere Zukunft meinen Schwerpunkt setze oder ob ich es (vorerst) bei diesen 6 Veröffentlichungen belasse, weil das Geschäft den Aufwand nicht wert ist.
Ich kann die Ratgeber um weitere Bände ergänzen. Ich kann die Ratgeber auch als Franchise vermarkten, sprich: Andere Autoren bezahlen für Nutzung des Grunddesigns, werden dafür in meinen Ratgebern mitbeworben und zahlen dafür – sagen wir mal – 10-20 Cent pro verkauftem Buch.
Ich kann meine alten Jugendsünden aus der Schublade holen, überarbeiten und dann zu einem geringerem Preis (1,99 oder 2,49 €) als die neueren Sachen veröffentlichen. Wie gesagt, ich halte sie nicht für literarisch wertvoll, aber gute Unterhaltung sind sie immer noch.
Ich kann weitere gemeinfreie Schätze heben, bearbeiten und für 99 Cent einstellen. Ich habe noch einiges an früher Science-Fiction aus der Kaiserzeit im Schrank und einige Romane aus der Weimarer Republik.
Am liebsten aber wäre mir, wenn ich die vielen, vielen Romankonzepte, die bei mir umherschwirren (sei es als Papiernotiz oder Romanfragment auf dem Rechner) endlich umsetzen könnte, wenn mir die Veröffentlichungstätigkeit endlich die zeitliche und finanzielle Freiheit geben würde, diese Bücher zu schreiben. Es ist eine breite Spanne innerhalb der fantastischen Literatur, vom Wissenschaftsthriller über Science-Fiction bis Fantasy, gewürzt mit ein paar Ausreissenr in ganz andere Genres wie meinem Braunkohle-Roman, einer Art Abenteuerroman für Kinder.
Dann ist da noch der ganze Bereich „normaler“ Sachbücher und akademischer Texte, in dem ich ebenfalls Ideen habe, bei denen ich aber davon ausgehe, dass sie erst im Laufe des Jahres 2012 fertig werden, wenn ich sie jetzt anfange. Speziell der Bereich akademischer Texte ist interessant, aber es gibt bisher noch keine richtig brauchbaren Übereinkunft über Form, Inhalt und Logistik solcher Texte als eBook (Stichworte Zitierbarkeit, Peer Review Process etc.).
Mittelfristig ist bestimmt auch ein weiterer Band mit Kurzgeschichten drin, die schreib ich immer mal wieder zwsichendurch, wenn mich der Schreibdrang und die Muse überfallen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Tätigkeit entwickelt, welche Erfahrungen ich dort mache und welche weiteren Möglichkeiten sich dadurch ergeben.
Ich bin begeistert von der Möglichkeit, Bücher als digitale Waren praktisch ohne direkte Kosten zu veröffentlichen. Mir kommt es bei Büchern auf den Inhalt an, die Erscheinungsform des gebundenen Papierstapels ist letztlich nicht mehr als eine Liefermethode für eben diesen Inhalt. Das Buch hat die Papyrusrolle abgelöst, diese die Schiefertafel und nun wird das eBook das pBuch ablösen.
Nicht von heute auf morgen, aber es wird passieren. Es ist schon von zu vielen toten Datenträgern behauptet worden, dass sie nie verschwinden werden. Ich habe aufgehört, derlei Dinge zu glauben, so sehr ich persönlich pBücher auch mag.
Denn analoge Schreibmaschinen, Videokassetten und den GameBoy mochte ich auch. Das aber interessiert den Lauf der Geschichte nicht sonderlich.

PS: Ja, alle Bücher werden vor Veröffentlichung komplett korrigiert und orthografisch besser aussehen als einer meiner Tweets oder Blogposts.
PPS: Ja, die nötige Gewerbeanmeldung für die Tätigkeit in dieser Branche habe ich.