Zweiwöchige Zehn 05.08.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal wieder für zwei Wochen, weil sich die Feriensaison für mich irgendwie zum genauen Gegenteil entwickelt und ich mal wieder einen Freitag verpasst habe. Unter anderem gab es heute ein neues Buch abzuschließen, aber dazu komme ich gleich

1. How to Sing Butterflies

How to Sng Butterflies DXEndlich mal wieder habe ich ein neues Buch fertiggestellt. Eigentlich sogar zwei, denn die Kurzgeschichtensammlung erscheint in einer Standardausgabe und einer DX Edition. Das allein wird schon ein interessantes Experiment.
Die Standardausgabe ist eine einfache Sammlung von 22 englischsprachigen Kurz- und Kürzestgeschichten, darunter drei erstmalig veröffentlichte Titel (Regulatory Measures -Science-Fiction-, Ghostly -Fantasy/Literarisch- und Curiosity -Western-) und vier aus dem Deutschen erstmalig ins Englische übersetzte Geschichten (Khamel, Feuchten Fußes, Schwarzer Schwinge und Staksigen Schrittes). Die Sammlung spannt durch alle Genres der Fantastik sowie Xenofiction und wie immer man genrelose Fiktion nennen mag. Insgesamt fast 13.000 Wörter (12.944) zum Preis von 1,99 € sind es geworden, verteilt auf Geschichten von wenigen Wörtern Länge bis zu solchen von um die zweitausend Wörtern.
Die DX Edition enthält alle Inhalte der Standardausgabe, ergänzt sie aber mit zusätzlichen Kommentaren zu jeder Geschichte. Darin erfahren interessierte Leser mehr zu Idee und Entstehung der Geschichten. Etwas über 21.000 Wörter fasst diese Ausgabe mit dem zusätzlichen Inhalt für 2,99 €.
Die beiden Editionen sind aktuell in der Prüfung und sollten die Nacht bei Amazon und dann nach und nach bei den anderen Shops auftauchen. Und diesmal nur zwei Tage später als geplant. Ich werde besser mit diesen Terminen.

2. #OffeneTuer

Was in der Rolle von Twitter zum Attentat von München bei vielen in den Köpfen bleiben wird, sind die Vorurteile der Rechten, die sich dort sofort ausbreiteten. Das hat mit unseren Gehirnen zu tun, die negative Erfahrungen wichtiger nehmen als positive (gut fürs berleben als Steinzeitmensch, schlecht für die Laune).
Was dabei ein wenig untergeht, ist eine deutlich größere Reaktion bei Twitter: Etliche, die unter dem Hashtag #OffeneTuer jenen Übernachtungsmöglichkeiten boten, die unterwegs von der Ausgangssperre der Polizei überrascht worden waren. Einschließlich vieler Moscheen und Kirchen.

Aktion Offene Tür

Bild: Facebook/Islamische Zeitung

3. Wüstengemüse

Die Gruppe Roots Up nutzt einen alten Pfadfindertrick zum Wassersammeln für eine variation des Gewächshaus-Prinzips, die es ermöglicht, im trockenen Äthiopien durstiges Gemüse wie Kohlpflanzen anzubauen.

4. Heimische Papaya

Im oberfränkischen Kleintattau gibt es jetzt Tropenfrüchte aus dem Gewächshaus. An sich noch nicht so erstaunlich, aber dieses Gewächshaus wird mit Abwärme aus der Umgebugn betrieben, hat also mit den wegen des Energieverbrauchs in Verruf stehenden üblichen Gewächshäusern wenig zu tun.

5. Silizium-Luft-Akku

Aus dem nahen Jülich kommt ein großer Schritt zu besseren Batterien für großtechnische Anwendungen. Die Silizium-Luft-Batterie ist ein extrem langlebiger Energieträger potenziell hoher Kapazität. Ob und wann sie alltagstauglich wird, bleibt abzuwarten, aber auf jeden Fall ist sie dem einen großen Schritt näher gekommen.

Schema einer Silizium-Luft-Batterie

Funktionsprinzip der SiOx-Batterie – BIld: ingenieur.de

6. Getty Images wird verklagt

Leider haben viele Stockphoto-Seiten die unangenehme Angewohnheit, sich gemeinfreie oder sonstwie frei lizenzierte Bilder abzugreifen und auf deren Veröffentlichungsrechte eine Gebühr zu verlangen. Getty Images ist da ein besonders auffälliger Kandidat, die gerne auch gegen Verwendungen eigentlic gemeinfreier Bilder aus ihrer Sammlung klagen. Nun, sie haben es jetzt geschafft, eine Fotografin wegen der Verwendung ihrer eigenen Bilder zu verklagen. Die fand das gar nicht lustig und verklagte im Gegenzug Getty Images wegen vorenthaltener Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Dollar.
Upps.

7. Grafitti in leserlich

Das schlimmste an Grafitti ist ganz klar die Sauklaue, in der sie verfasst sind. Nun, der französische Künstler Mathieu Tremblin leistet dagegen Abhilfe.

Typografisch bereinigte Grafitti an einem Brückenfeiler

Stellt sich heraus, dass es dadurch auch nicht viel verständlicher wird – Bild: Mathieu Tremblin

8. Neuer Rekord für die Erneuerbaren

Portugal hat es geschafft, ganze vier Tage am Stück rechnerisch vollständig von Erneuerbaren Energien versorgt zu werden. Weiter so!

9. NX

Wahrscheinlich spekuliert Eurogamer nur, aber die Gerüchte um die kommende Nintendo-Konsole NX sind schon interessant: Eine Mischung aus tragbarem System und Fernsehkonsole mit Modulen statt optischen Disks als Speicher ist nicht so aussergewöhnlich, wie es scheint. Ich fände das durchaus interessant. Ich behaupte mal, das ist es, was die WiiU eigentlich immer werden wollte, bevor sie halbfertig auf den Markt geworfen wurde.

NX-Entwurf laut Eurogamer

NX-Entwurf laut Eurogamer

10. Major Tom Over

Mit diesem Beitrag verschwindet das letzte Musikvideo im Blog von der Startseite. Das geht natürlich überhaupt gar nicht, also ist hier zum Ausgleich der damalige ISS-Kommandant Chris Hadfield mit einer 2013er Coverversion von David Bowies Space Oddity


Punkt Te O

Erneut ist das Urheberrecht in der Debatte. Ausgangspunkt ist diesmal ein Statement beachtlicher Dämlichkeit bei movie4k.to, einer von vielen .to-Seiten, die illegal Filme streamen. Nun geht der Streit wieder los: Piraten sind böse. Copyright ist böse. Ihr seid doof.
Hach, wenn es doch nur so einfach wäre. Denn dummerweise haben beide Seiten Recht. Irgendwie. Die eigentliche Diskussion besteht in zwei Thesen, die sich diametral entgegenstehen. Und nun werde ich versuchen herauszustellen, was die beiden Thesen zu ihrer Verteidigung vorzubringen haben.

1. Piraten sind doof
Die Position hier ist nicht schwierig darzustellen: Piraten „stehleb“ (Ich komme im nächsten Satz auf den Begriff zurück) Medienerzeugnisse und schaden damit den Erzeugern dieser Inhalte (Autoren, Musiker, Programmierer, Journalisten usw.).
Die Piraten (die soziale Gruppe, nicht unbedingt die Partei gleichen Namens) selber machen eine Semantik-Diskussion um das „Stehlen“ auf, die offen gestanden wenig sinnvoll ist. Ja, es wird kein Original entwendet, somit ist es technisch gesehen kein Diebstahl. Allerdings besitzt der Urheberrechtsverletzer nach dem Akt einen Gegenstand, an dem er keine legalen Besitzrechte erworben hat, womit es zwar nicht gestohlen wurde, aber dennoch die Definition von „Diebesgut&ldquO; erfüllt.

Dennoch kann Medienpiraterie einen gewissen Nutzen haben.
Cory Doctorow nutzt den freien Download seiner Bücher als Werbemaßnahme für diese. Seine Bücher über Überwachungssysteme und Society Hacking sprechen eine Zielgruppe an, die man so erreicht. Eine Zielgruppe, die bereit ist, für erlebte Qualität Geld zu geben.
Dann ist da dieses kleine Juwel (setzt euch, das ist ein 85-Minuten-Film):

Das ist The Man from Earth. Ein Indie-Film. Ursprünglich ein Flop, wurde er zu einem kommerziell erfolgreichen Geheimtipp, als er im Internet die Runde machte. Die Macher des Films bedankten sich später bei den Piraten dafür. Ich selbst habe nach dem Ansehen auf Youtube die DVD gekauft. Was sich durchaus wiederholen könnte, etwa wenn ich Bokusatsu Tenshi Dokuro-Chan zu einem annehmbaren Preis finde.
Auch der Fernsehmarkt wäre ein anderer, wenn diverse Serien (Doctor Who, Fringe, Game of Thrones) nicht ein riesiges Publikum ausserhalb ihres Heimatmarktes hätten.
Wer sich die Beispiele allerdings ansieht, findet die Hinweise auf ein Problem: The Man from Earth ist im Kern ein Kammerspiel, das ohne nennenswertes Budget auskommt. Fernsehserien indes sidn ohnehin nicht auf die Einnahmen aus der Fernsehausstrahlung angewiesen, sie finanzieren sich über Zweitverwertungen (DVD-Verkäufe, Sendelizenzen für Wiederholungen bei anderen Sendern) und teilweise auch über Merchandise. Große Kinofilme hingegen sind auf die Ticketverkäufe an den Kinokassen angewiesen.
Und hier wird es interessant.

Nehmen wir ein beliebtes Piraterie-Argument beim Wort und sagen, dass Medienpiraterie der Vorauswahl guter Werke dient (sprich, man schaut vorher, ob ein Film was taugt und geht ins Kino, wenn dem der Fall ist). Dann bekommen wir ein Problem: Schlechte Filme lohnen nicht mehr.
Nur, wenn schlechte Filme sich nicht mehr lohnen, woher weiss ein Filmstudio dann noch, ob ein Film sich überhaupt lohnt? Sowohl die Chance auf einen guten als auch das Risiko eines schlechten Films steigen erheblich mit der Neuartigkeit dessen, was er cinematografisch und erzählerisch versucht. Das Risiko der Ablehnung eines sich von der Masse abhebenden Films ist enorm und das lässt aus der Perspektive der Studios nur einen Schluss zu: Keine Experimente!
Und noch schlimmer: Online-Vorabschau tötet nicht nur schlechte Filme, es zerstört auch den soliden Mittelbau. Denn wer einen Film bereits gesehen hat, wird ihn nur dann noch einmal sehen wollen, wenn er wirklich verdammt gut war. Ein Film der nur ein ganz brauchbarer Zeitvertreib ist, aber nichts weiter besonderes, wird untergehen. Das ist beispielsweise meine Theorie, was Disney mit Prince of Persia und John Carter passiert ist, beides gute, aber eben nicht überwältigende Filme.
Wenn die Studios nun aber keine Risiken mehr eingehen, werden immer mehr Filme zum soliden Mittelbau zählen: Sie bieten nichts neues, sind aber kompetent gemacht. Der lohnt aber immer weniger, worauf die Studios mit noch weniger Risiko reagieren.
Deshalb wird die Hollywood-Ästhetik immer einheitlicher. Deshalb dreht sich praktisch jeder Hollywood-Film um einen austauschbaren Helden, der eine ebenso austauschbare Frau in Nöten retten muss (oder ist eine wahlweise ein Remake, eine Verfilmung von irgendwas oder eine Buddy-Komödie). Deswegen sind die Standardkost von der Stange liefernden J.J. Abrams und Joss Whedon Hollywoods neue Stars und gibt es auf absehbare Zeit keinen nächsten Tarrantino. Und deshalb ist der kommerziell größte Film der letzten zehn Jahre ein objektiv betrachtet ziemlich uninteressantes Pocahontas mit Schlümpfen.

(PS: Das komischste an diesem Artikel dürfte ironischerweise die Anzahl von Youtube-Einbindungen und -Links sein)

Das alles wäre ein negativer Trend, der zwar traurig, aber nicht wirklich schlimm. Medien kommen und gehen. Dass ein neues Medium ein altes verdrängt ist legitimer Teil des technischen und kulturellen Fortschritts, selbst wenn man das im Einzelfall schade finden mag.
Aber hier ist es keine neue Technologie, keine neue künstlerische Vision, welche die alten Medien bedroht. Es ist reine Profitgier.
Zentren der Medienpiraterie sind mit Werbung überfrachtete und somit hochprofitable Seiten, die ständig versuchen, einem kostenpflichtige Zugänge und Abos auf irgendwelche Download-Plattformen zu verkaufen. Die Vergütungen für diese Verkäufe werden oft nur noch von Bank- und Versicherungstantiemen übertroffen. Es ist ein extrem profitables Geschäft. Von wegen harmlos und nichtkommerziell.
Einfach nur eine nichtkommerzielle Platform für Nutzer zu sein, das konnten Netzwerke wie Napster, eDonkey und BitTorrent für sich veranschlagen. Dies sind Phänomene, die passieren und auf die Medienanbieter eine Antwort finden müssen. Das ist legitimer technischer Fortschritt. Aber wenn Seitenbetreiber anfangen, damit ihre Geldbörsen vollzuscheffeln, ist die Linie überschritten, weil hier aktiv und aus niederen Gründen eine ganze Branche zerstört wird. Und den Nutzern wird noch einer vom Robin Hood vorgelogen.

2. Medienindustrie ist doof
Man kann nicht behaupten, dass es die Medienindustrie ihren Gegnern schwer machen würde: Über gute 100 Jahre ist mit Plattenfirmen, Verlagen, Buchhandlungen und Filmstudios ein Netzwerk von Industrien gewachsen, die ihre ursprüngliche Funktion als Vermarktungs- und Distributionskanäle längst zu Beiwerk degradiert haben.
Die großen Vertreter dieser Zünfte (in vorheriger Reihenfolge der Branchen Bertelsmann, Bertelsmann, Bertelsmann/Amazon und TimeWarner/Disney) haben schon lange jegliches Interesse an künstlerischer Qualität verloren und vertreiben nur noch jenes, von dem sie glauben, dass es sich gut verkauft. Dank des Selbstverlags können sie inzwischen sogar dazu übergehen, nur Dinge zu verkaufen, die sich bereits gut verkauft haben, was zugleich zum weiter oben angesprochenen Problem der Filmwirtschaft als auch zu solchen Entwicklungen führt.
Die Filmstudios haben es verpasst, hier trifft die Argumentation der Piraten ins Schwarze, sich auf neue Geschäftsmodelle einzurichten.
Andererseits, auf welche auch: Crowdfunding ist eine gute Methode, Projekte von einem Budget bis in den sechsstelligen Bereich zu stemmen. Hollywood fängt bei siebenstelligen Filmbudgets überhaupt erst an. Die Zahl der Marken, die sich über Zweitverwertungen und Lizenzen finanzieren können, ist gering (Filme, deren Titel mit „Star“ anfangen sind ein guter Ansatz – Star Wars; Star Trek, Stargate) und eine neue Marke mit dieser Erwartung aufzubauen, ist nur bei Fernsehserien (Mein kleines Pony) und Videospielen (Pokemon, Skylanders) realistisch.
Was die anderen Branchen angeht: Konservenmusik ist bereits auf iTunes & Co. übergegangen, Literatur und Wissenschaft sind drauf und dran, das Verlagswesen komplett abzuschaffen, Fernsehfiktion war noch nie auf Ausstrahlungseinnahmen alleine angewiesen.

Dieser Teil des Artikels sollte eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen, aber nach der Reflexion während des Schreibens dieses Textes stückweise über drei Tage verstehe ich die Medienhäuser deutlich besser: Die Landschaft ist bereits in jenem Umbruch, den die „Piraten“ fordern.
Aussen vor ist dabei einzig die Filmindustrie, für die es ganz einfach keinen Weg gibt, anders zu sein, als sie es momentan ist. Teilweise hat sie sich da selbst reingeritten, teilweise ist es das auch durch Filmpiraterie steigende finanzielle Risiko, wenn man etwas neues probiert (ziemlich vermurkster Satz, ich weiss, aber grammatisch korrekt).
Somit verhindert die Medienpiraterie letztlich genau jene Reform, die ihre Akteure vordergründig beständig fordern.

3. Synthese: Alle doof Die unbekannte Zukunft
Wie gesagt, das ging in eine sehr andere Richtung, als ich erwartet hatte. Mein Blick auf die Medienpiraterie war deutlich positiver, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe. Vor allem aber war mein Blick auf die Medienindustrie deutlich negativer.
Ja, die Industrie verhält sich den Künstlern gegenüber oft auch nicht besser als die Piraten. Das ist aber kein Argument für die Legitimität der Piraten. Bestenfalls ist es eines gegen die große Medienunternehmen.
Man kann die Argumentation fahren, dass Piraterie Exzellenz durch bekannt machen belohnt, dies aber zu einem so hohen Preis für das „nur“ kompetente bis gute, dass letztlich auch die Exzellenz schwindet.

Teils ist die Lösung die Ausschaltung der Mittelleute: Der Rückschnitt der Verlage und Vertriebe auf das, was sie einst waren, einfache Dienstleister für die eigentlichen Wertschöpfer, die Künstler und Autoren. Vielleicht gibt es auch einen Weg, wie Filmstudios sich verbessern können, den mögen klügere Menschen als ich es bin vorschlagen, denn ich habe keinen Vorschlag, wie das gehen soll (ausser durch die vollständige Abschaffung des Blockbusters, was aber wohl niemand will und letztlich zwischen all dem Schrott auch viel Qualität kostet).
Faire Preise sind eine Option, aber im Ernst: Die Preise für Musik und (mit wenigen Ausnahmen) Filme sind fair, jene für Videospiele sind es teilweise (wenn man mal die ca. 60 € für neue Konsolenspiele auslässt). eBooks sind noch zu teuer, aber auch dieses Problem schwindet mit der Etablierung verlagsunabhängiger Autoren zunehmend.

Die Medienwelt ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es lange gedauert hat, auf diesen Weg zu gelangen. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei Probleme mehr gäbe (Seriously, fuck you, Xbox One DRM scheme!). Man muss den Piraten zu Gute halten, Teil der Motivation zur Verbesserung der wirtschaftlichen Seite des Medienkonsums gewesen zu sein.

Ganz zuletzt sei es noch ein Mal gesagt: Ich habe kein Problem mit den Piraten selbst. Sie können, wie weiter oben aufgezeigt, Nutzen für die Künstler bringen, wenn auch nur in Ausnahmefällen.
Es gibt auch noch legitime Begründungen für bestimmte Bereiche, etwa diese gottverdammte Aufteilung der Datenträger-Welt in Distributionsregionen (für mich als großer Fan spezifisch japanischer Videospiel-Genres wie Shmup und Visual Novel ein echtes Problem). Womit ich ein Problem habe, sind jene Leute, die mit Medienpiraterie unter Ausschluss der Urheber Geld machen.
Portale wie movie2k/movie4k/kinox und was sonst alles auf die TLD .to hört. Die scheinheilig erzählen, wie wenig Geld Künstler für ihre Leistung bekommen und wie die Firmen das ganze Geld machen. Und sogleich daran gehen, auch diesen kümmerlichen Rest an Künstlereinkünften für sich einzusacken. Wo man fragen muss: Wenn jemand, der 90% der Einnahmen für sich behält, böse ist, was ist dann jemand, der 100% behält?


Spätsommerliche Frühlingsgedanken – Causa Julia Schramm

So, ich schreib jetzt auch mal was über Julia Schramm alias @laprintemps. Ja, da müsst ihr jetzt durch, es ist ein relativ wichtiges Ereignis im Untergang einer Partei in der Auseinandersetzung ums Urheberrecht und in der Entwicklung des Buchmarktes.

Kurzfassung
Einfach diesem Link folgen.

Langfassung
Man kann der Piratenpartei sicherlich nicht vorwerfen, sie habe keine Position zum Urheberrecht. Im Gegenteil, sie hat derer in ihrem Programm mindestens drei. Wie vollkommen widersprüchlich diese Positionen (kurzgefasst: Freies privates Filesharing, vergütete Urheber sowie freier Zugang zu Kunst, Kultur und Wissenschaft) merkt Julia Schramm grade am eigenen Leibe – oder besser, bekommt sie aufgezeigt, zu merken scheint sie es nicht, wenn ich ihre Tweets so lese.
Ich werde jetzt nicht noch einmal die Partei an sich und ihre Meinung zum Filesharing thematisieren. Das habe ich bereits getan, meine eigene Position zum Thema findet sich dort ebenfalls. Und ich denke, ich habe auch schon demonstriert, dass ich meinen Umgang mit Raubkopierern ernst meine.
Das ist auch schon der Punkt aus der Kurzfassung: Es geht um Glaubwürdigkeit. Julia Schramm hat bereits einiges an Spott geerntet, als sie laut unbestätigten Presseberichten 100.000 € für ein Buch erhielt.

Nun ist dieses Buch also erschienen und noch am ersten Tag wird Dropbox per Copyright Notification dazu gebracht, eine PDF des Buches zu löschen. Das ist auf jeden Fall schonmal politisch ungeschickt, zumal man davon ausgehen kann, dass der Verlag den Skandal (wenn auch nicht absichtlich) provoziert hat: Da die Autorin Piratin war wusste der Verlag Albert Knaus selbstverständlich, dass das Buch sofort in den einschlägigen Plattformen auftauchen würde und hat vorsorglich danach Ausschau gehalten.
Das wäre nicht weiter schlimm, ginge es in dem Buch nicht explizit und deutlich auch gegen die „Content-Mafia“. Geistiges Eigentum wird als „Kampfbegriff“ bezeichnet und Künstlern (darunter Schriftstellern) wird die eigene Geistesleistung aberkannt (was den Rezensionen zufolge bei diesem Buch wohl sogar gerechtfertigt sein dürfte). Wer eine solche Position vertritt, der verwirkt ganz einfach seine Glaubwürdigkeit, wenn er dann plötzlich anfängt, sein geistiges Eigentum (das ja nur ein Kampfbegriff ist) zu verteidigen.
Die Option, die Online gestellten Kopien schlichtweg zu ignorieren hat immer bestanden, das demonstriere ich ja selber (Schadet es mir? Vielleicht, vielleicht nicht. Woher zum Teufel soll ich das wissen?). Oder steckt hier einfach der Gedanke hinter, mit Vernunft kommt man zwar in einen Parteivorstand, aber sicherlich nicht auf die Bestsellerlisten?

Schramm und die Piraten sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie standen nie für Inhalte, sondern für einen Stil. Geprägt von Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Entsprechend war ihr Hauptvorwurf den anderen Parteien (vor allem aber den Grünen und der SPD) gegenüber immer der fehlender Glaubwürdigkeit.
Ohne Glaubwürdigkeit aber hat die Piratenpartei nichts zu bieten. Das Programm ist umfangreich, aber leer. Der Reiz der Protestpartei ist raus, weil sie ihre Radikalität fast sofort abgelegt haben, nachdem sie einigermaßen in den Medien waren. Sachthemen werden nur noch am Rande überhaupt behandelt.
Wenn jetzt noch die Glaubwürdigkeit flöten geht war die Piratenpartei Deutschland das kürzeste Strohfeuer in der Geschichte der Bundesrepublik.


Entsetzen

Hinweis Dieser Eintrag ist ursprünglich drei Wochen alt. Ich habe ihn letztlich nicht veröffentlicht, weil er mir veraltet erschien. Diese Annahme hat sich inzwischen erschreckenderweise als falsch herausgestellt. Hier daher eine aktualisierte Fassung zur Veröffentlichung.

Es ist eine Menge entsetzenswertes geschehen seit der letzten Bundestagswahl. Die Hotelsteuer ist zurecht immer noch nicht vergessen. Dass kein einziger der bereits erschreckend zahlreichen rausgeschmissenen Minister aus dem richtigen Grund (nämlich wegen seiner schlechten Arbeit) gefeuert wurde und sich selbiges auch bei Niebel abzeichnet. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg, der nur „dank“ Fukushima gestoppt wurde. Das Asse-Desaster. Kristina Schröders fortdauernder Linksextremismus-Unfug (nebst so ziemlich allem anderen, was ihr so über die Lippen kommt). Vorratsdatenspeicherung. Staatstrojaner. ACTA. Merkels Wahlkampf für Sarkozy. Die Verstrickungen des BND mit neonazistischen Terroristen.
Das meiste davon aber waren politische Entsetzlichkeiten, deren Bewertung entsprechend politisch ist. Ich kann verstehen, dass an all diesen Dingen einige Personen oder Kreise Interesse haben. Ich mag es ablehnen, aber es ist zumindest ersichtlich, wo das alles herkommt.

Heute nun kam das erste aus jeglicher Sichtweise entsetzliche Werk der Bundesregierung zum Vorschein. Ein Werk himmelschreiender Dämlichkeit, das in absolut niemandes Interesse sein kann.

Heute wurde der Entwurf für das Leistungsschutzrecht vorgestellt. In Zukunft wird also das Zitatrecht abgeschafft. Ein Recht, das das bisherige Urheberrecht ausdrücklich einräumt, sogar mit einer besonderen Freiheit für tagesaktuelle Inhalte, also Zitate aus Presseorganen.
Dies wurde nunmehr umgekehrt. Die Presseverlage hatte es offenbar gestört, dass Seiten wie Google für sie kostenlos Werbung machten und haben dies nun unterbunden. Das Vorhaben ist so himmelschreiend dämlich, dass inzwischen ausser Axel Springer kein Verlag mehr dafür ist. Und Günter Krings, der die bisherige explizite Sonderregelung für tagesaktuelle Inhalte für eine „Schutzlücke“ hält.
Wie kann ein promovierter Jurist einen explizit geregelten Sachverhalt als Lücke gleichwelcher Art bezeichnen? Derlei Unfug entbiehrt jeglicher Logik, ob diese Regelung nun Krings‘ politischen Vorstellungen entspricht oder nicht.

Überhaupt, Günter Krings. Der Vertreter Mönchengladbachs im Bundestag und Vize-Vorsitzende der dortigen CDU-Fraktion wurde mir mal als fähiger Kopf beschrieben – damals, als ich in die hiesige Politik kam und noch kaum jemanden aus dieser Sphäre kannte.
Inzwischen frage ich mich ernsthaft, auf welcher Grundlage diese Beschreibung seiner Person entstand. Ich bekomme den Mann vor allem im Bereich der Neuen Medien mit, weil ich da auch selbst viel mit zu tun habe. Noch in keiner einzigen Mediendebatte habe ich erlebt, dass Krings, wenn er sich zu Wort meldete (und das tut er oft) eine auch nur halbwegs brauchbare Position vorzuweisen hatte. Killerspiele, Leistungsschutzrecht, ACTA, Netzsperren – egal, welches netzpolitische Thema man sucht, immer wieder taucht Krings auf. Und immer auf der Seite der Rückwärtsgewandten, die die neue Welt nicht verstehen und sie einfach nur verhindern wollen. Von der wirren Verschwörtungstheorie zu ACTA mal ganz zu schweigen.

Dann ist da die Sache mit dem Melderecht.
Über den Inhalt noch etwas zu sagen ist hier vergebliche Liebesmüh, der ist inzwischen ja glücklicherweise bekannt geworden. Dass aber eine solche Regelung zeitlich in das Fußball-EM-Spiel Deutschland-Italien gelegt und dann noch die „Rede zum Protokoll“, jener Stinkefinger der Regierung gegen die Debattenkultur des Parlamentes und die Demokratie bei dem Reden nicht gehalten sondern nur nachträglich schriftlich geliefert werden, genutzt wurde, das lässt schon Absicht vermuten. Da wusste jemand ganz genau, was für ein Dreck da vorgeschlagen wurde und hat es so eingestilt, dass es möglichst niemand merkte.
Hier ist die gesamte Bundestagsdebatte dazu:

Ins Bild passt auch Kristina Schröder. Deren Unfug war bislang zumindest unter Berücksichtigung einer etwaigen politischen Motivation (etwa ihres Skeptizismus gegen den Schwarzer-Feminismus) nachvollziehbar. Ihr neuester Vorstoß aber ist nur mehr politischer Dadaismus.

Die aktuelle Bundespolitik ist an solchen Stellen nicht mehr würdig kritisiert zu werden. Sie ist der Argumente nicht würdig, ist sie doch selber keiner sinnvollen Argumentation fähig. Und doch ist es nötig. Aber es ist nicht einfach gegen puren Blödsinn zu argumentieren. Frust und Entsetzen stehen dem Kampf gegen die Dummheit im Weg.
Seht diesen Beitrag als textliches Gegenstück einer Urschreitherapie. Das musste einfach raus.


Politische KW 20-2012

Die Woche nach der Landtagswahl. Und dann noch eine mit einem Feiertag mittendrin. Das bedeutet etwas Ruhe und Erholung von den letzten Wochen. Trotzdem ist der Beitrag zu dieser Woche wieder einer der längeren. Ich mache etwas falsch.

Montag
Ein großes Thema in der Fraktion war natürlich die Landtagswahl am Sonntag. Die Analyse ist ganz interessant: Obwohl die Ergebnisse deutlich sichtbar aus der Landespolitik und nicht aus der Kommunalpolitik kommen, gibt es doch einen klaren kommunalen Einfluss. Besonders auffällig: Die meisten Parteien haben überall dort überdurchschnittlich abgeschlossen, wo sie Mitglieder wohnen haben. Die eine Ausnahme hiervon, die mir aufgefallen ist, ist interessanterweise die FDP. Dort ist es eher umgekehrt.
Dabei ist das weniger auf der Ebene der Wahlkreise (etwa entsprechend den Stadtteilen), als vielmehr auf der Ebene der Stimmbezirke (einzelne Wahllokale).
Für uns gilt: Wir haben unser Ergebnis ungefähr gehalten. Ich bin damit sehr zufrieden, andere weniger. Nunja.
Ein anderes interessantes Detail ist das überdurchschnittliche Abschneiden im Bereich Hermges (aber nicht in Ohler, das zum selben Wahlkreis gehört). Grüne und Piraten haben hier zusammen mehr als 20% der Stimmen. Man sieht dem Hochschulviertel das studentische Milieu nicht an, aber an solchen Subtilitäten bemerkt man es dann doch.

In einem anderen Kontext kam noch das Thema Straßenbahn auf. Dazu nur eine Sache: Ich mag die Dinger nicht. Es gibt kein radfahrerfeindlicheres Verkehrsmittel als die Straßenbahn mit ihren mitten auf der Straße liegenden Schienen. O-Busse meinetwegen, aber bitte nicht dieser Schrott

Dienstag
Am Abend ging es mal wieder in die Waldhausener Straße, zum nunmehr (vorerst) letzten Laborgespräch zur Altstadtvitalisierung. Das hieß zwar, ich konnte nicht auf einer Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung im Schloss Rheydt sein, aber nach allem, was ich gehört habe war die ohnehin nicht so prickelnd.
Während also anderswo wenig kompetent über Bürgerbeteiligung gesprochen wurde, haben wir (die BV Nord) diese (hoffentlich kompetenter) umgesetzt.
Thema waren Verkehr und „Parken“* in der Altstadt. Einigkeit herrschte unter allen Beteiligten, dass die Autos stärker in den umliegenden Tiefgaragen und Stellplatztürmen stehen sollen und nicht mehr auf den Straßen rund um die Altstadt, wo nur Anwohner (bzw. verwaltungstechnisch korrekt Bewohner) ihre Autos abstellen können sollen. Es gibt direkt umliegend genug große, nachts weitgehend leerstehende Anlagen.
Ich bin der Meinung, dazu braucht es ein weiträumiges System von Hinweisen auf diese Anlagen. Das griff Martin Heinen (CDU) auf und schlug eine Art Marke „Altstadtparken“ mit klar wiedererkennbarem Logo vor, die ein einheitliches Hinweissystem erhalten und gemeinsame Preise etc. bilden.
Das andere große Thema, das aufkam, ist die Schule. Das Gymnasium am Geroweiher samt Montessori-Grundschule ist ein Riesenkomplex mitten im Stadtteil mit entsprechend vielen Schülern. Da Eltern heutzutage ihren Kindern keine 5 Meter Fußweg mehr zuzutrauen scheinen (scheiss Auto-Gewöhnung) bedeutet das jede Menge Verkehr in der Altstadt, in Straßen, die ihn nicht aufnehmen können. Einschließlich rückwärtsfahren in einer langen, engen Gasse, weil der Platz nicht zum Wenden fürs Rausfahren reicht. Man kann sie nicht per „Anlieger frei“ raushalten, denn jemand, der sein Kind zur Schule bringt ist ein Anlieger (er hat ein Anliegen – ja, das ist die Bedeutung von „Anlieger“).
Die andere Option wäre, im Geropark den Weg hinter der Bushaltestelle so zu verändern, dass man dort zu Anfang und Ende der Schule mit dem Auto anfahren kann. Dazu müsste man von der Bushaltestelle bis zum Parkweg einen zusätzlichen Weg anlegen. Normalerweise wäre der ein Fußweg, nur zur Schule darf man mit dem Auto drauf. Da es keinen anderen Grund gäbe diesen Weg mit dem Auto zu benutzen, als Kinder hinzubringen bzw. abzuholen, sollte das kein großes Problem für den Park sein. Es ist definitiv eine einfachere und auch ökologisch bessere Lösung als der Bau einer komplett neuen Sackgasse in den Park – vor allem, da der Park nicht in seiner Natur als Park eingeschränkt wird. Das Problem ist: Eine dermaßen große Schule muss auch vernünftig zugänglich sein. Das ist bisher nicht der Fall und deshalb haben wir die Probleme mit den irrlichternden Eltern in der Altstadt.

Samstag
Auch mal interessant: Kaum hält man die Linken von der Propaganda ab unterhält man sich am Stand der Linken mit den Leuten, kommt das Radio vorbei und fragt, was man vom Urheberrecht so hält. In genau dieser Konkretion. Innerhalb von 15 Sekunden, damit man daraus für die Sendung eine O-Ton-Einblendung machen kann.
Also geht nur ein „das Urheberrecht ist reformbedürftig, aber im Kern gut“. Das Thema ist aber um einiges komplexer als das. Früher oder später werde ich das Thema hier weiter vertiefen. Eher früher. Das Thema hat sich eine grundsätzliche Klärung verdient. Jetzt ist aber grade Mitternacht durch, da bin ich nicht mehr fit genug für eine solche Grundsatzerklärung.

* Ich habe entschieden, das Wort „parken“ und sein Wortfeld so möglichst nicht mehr zu benutzen. Ich spreche lieber vom Abstellen der Autos, das klingt weniger freundlich. Auf einem Parkplatz wachsen keine Bäume, geschweige denn ein Park, und es ist somit eine Fehlbenennung.


Filesharing oder: Diesseits und Jenseits der virtuellen Schulhofmauer

Es gibt so Themen, über die jeder jeden möglichen Blödsinn behauptet obwohl sie keiner versteht. Das Internet ist so ein Beispiel dafür, ebenso das Urheberrecht. Das mag jetzt für viele keine große Überraschung. Die Sache ist nur die: Jene, die behaupten, Ahnung zu haben, sind in der Regel auch nur andersrum ahnungslos.
Aber der Reihe nach.

Materielle Metaphern
Trotz Zweiwort-Alliteration nicht etwa einer meiner Buchtitel, sondern das meiner Meinung nach größte Problem in der Diskussion ums Internet: Das Internet ist eine Technologie, die vollkommen neue Denkmodelle, Wirtschaftsabläufe und Begriffe benötigt und hervorbringt. Ein linguistisch, philosophisch und psychologisch hochspannender Prozess, um den es mir jetzt grade aber nur am Rande geht. Ich möchte statt dessen ein Problem ansprechen: Praktisch jeder, der über das Internet redet nutzt zumindest teilweise Begriffe aus der materiellen Welt. Und genau diese durch ihre unpassende Übertragung in die virtuelle Welt missratenen materiellen Metaphern sind das Kernproblem der aktuellen Netzdiskussion.
Ein besonders amüsanter und unfugiger (ja, das Wort habe ich grade erfunden, na und?) Auswuchs ist dabei im Positionspapier der digitalen Linken zum Urheberrecht zu finden:

3. Weiterverkauf von MP3s und E-Books ermöglichen! Heute ist es oftmals untersagt, gekaufte MP3-Musikdateien oder elektronische Bücher weiterzuverkaufen. Dies greift in die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein. Schließlich dürfen Musik auf CDs oder Bücher in Papierform auch legal weiterverkauft werden. DIE LINKE fordert ein Recht auf Weiterverkauf von digitalen Kulturgütern.

Das ist der Wunsch, eine praktische Eigenschaft materieller Güter doch bitte auch in der virtuellen Welt zu haben. Weil man es so kennt und für praktisch erachtet. Das ist einfach nur Quark und ich werde es auch weiterhin so nennen bis mir jemand ein Verfahren nennt, wie das mit virtuellen Waren überhaupt gehen soll. Es müsste ja sichergestellt werden, dass die Originaldatei dabei auch gelöscht wird, sonst ist es kein Weiterverkauf, sondern eine kommerzielle Raubkopie (und kommerzielle Raubkopien will niemand, nicht einmal die Piratenpartei).
Womit wir nach dem kleinen Schmankerl auch schon beim eigentlichen Knackpunkt wären: Die Piratenpartei und ihr Verständnis vom Urheberrecht im Netz, genauer vom Umgang mit Filesharing. Da versteckt sich die Metapher etwas, aber man findet sie nach etwas umherstochern in der Argumentation pro Filesharing doch recht schnell: Der virtuelle Schulhof. Und damit kommen wir zu der Ahnungslosigkeit, die ich den scheinbar netzkompetenten vorzuwerfen gedenke.

Der virtuelle Schulhof
Eine der zentralen Forderungen der Piratenpartei ist die Legalisierung von nicht-kommerziellem Filesharing kommerzieller Inhalte. De Überzeugung, dieses sei vollkommen harmlos wird dabei oft damit untermauert, dass früher auf den Schulhöfen ja auch die mit den Lieblingsbands und neuesten Alben bespielten Kassetten getauscht wurden (für alle unter 30: Diese Dinger).
Dabei wird der zentrale Unterschied übersehen: Beim Filesharing im Internet (egal ob über P2P oder Cloud-Dienste wie MegaUpload) gibt man seine Dateien an eine unberechenbar große anonyme Masse von Websurfern weiter. Anonym noch nicht einmal im Sinne von „kein Klarname“, sondern im Sinne von „du kennst alle die doch gar nicht“. Wichtig hieran ist der Punkt mit der Masse: Wenn ein paar Schüler Kassetten tauschen, ist der Schaden gering. Wenn eine Million Nutzer eine einzige Kopie des Albums bei BitTorrent ziehen, dann ist da für den Künstler ein schmerzhafter Verlust drin, selbst wenn nur 1 Promille der Lader das Album dadurch nicht mehr kaufen.
Durch eine Legalisierung der Weitergabe kommerzieller Inhalte in nicht-kommerzieller Form würde diese alltäglich werden. Die Verwertungsindustrie ginge zu Grunde. Das wäre an sich auch kein Problem, aber wer bezahlt dann beispielsweise die 200.000.000 USD, die die Produktion von Titanic gekostet hat? 200.000.000 USD für einen Film über ein sinkendes Schiff per Crowdfunding? Vergesst es! Und auf kleinerem Niveau: Wer zahlt denn dann überhaupt noch für die Werke der Urheber und warum, wenn kostenlos doch völlig legal ist?
Erhalten die Urheber aber kein Geld für ihre Werke, sinkt nicht nur die Motivation, künstlerische Werke zu erschaffen. Es sinkt auch die Möglichkeit dazu, denn die Zahl der Kulturschaffenden, die „ganz nebenbei“ auch noch arbeiten müssen steigt. Und damit die zur Verfügung stehende Zeit der Urheber. Die in großem Umfang benötigte Zeit zur Erzeugung von Kultur zusammenzukratzen wird zur Selbstausbeutung, zu der immer weniger bereit sein werden. Es bedarf eines Interessenausgleiches.

Kim Dotcom, Pirate Bay und andere mehr oder Unschuldige
Aber vorher noch zu einer anderen Frage: Wann genau ist der Bruch des Urheberrechts zur nicht-kommerziellen Verteilung ein Problem? Wann ist die Schwelle vom virtuellen Schulhof zur Künstlerausbeutung überschritten? Ich sage: Sobald die Links öffentlich gemacht werden.
Wenn die Links, ob nun ein Weblink zum Filehoster, ein ed2k-Link oder eine Torrent-Datei, öffentlich verteilt werden, geht die datei an die anonyme Masse. Solange man die Dateien oder Links im Bekanntenkreis per eMail, Chat oder Datenträger rumschickt, ist man auf der Ebene des virtuellen Schulhofes. Aus dieser Schwellensetzung aber folgt das genau gegenteilige Rechtsverständnis, aus dem sich dereinst in Schweden die Piratpartiet gründete. Pirate Bay, das ja „nur“ Links verteilt wäre somit der Verbrecher im System, weil es die Dateien aus dem virtuellen Schulhof hinaus in die Öffentlichkeit „schmuggelt“. Die Piraten sind Schmuggler. Nun gut, so viel schlechter als Jack Sparrow ist Han Solo als Ikonografie nun auch nicht. Dennoch ist festzuhalten: Wenn etwas unterbunden werden sollte, dann die (vom Urheber) nicht autorisierte Weitergabe der Links.
Der international gesuchte Verbrecher Kim Schmitz Dotcom dagegen hat nach dieser Logik nichts verbotenes getan: Er hat einen Schulhof gebaut. Dort konnten Leute ihre Dateien abspeichern und teilen, indem sie die Links weitergaben. Das war kein Verbrechen. Gut, er hat damit eine Menge Geld gemacht, aber Geld verdienen ist ja nichts Illegales. Auch die Weitergabe der Links war, solange im persönlichen Bekanntenkreis verbleibend, kein Problem. Problematisch war vielmehr, dass Leute öffentlich Links auf bei MegaUpload gespeicherte Dateien sammelten, die nicht hätten öffentlich verteilt werden dürfen.
Womit wir ein Problem gefunden haben: Wir jagen und verteidigen jeweils die Falschen. Jene, die wir als unschuldig und zu Unrecht gejagt erachten, weil sie ja nur Links streuen, sind das eigentliche Problem. Das beste daran: Die öffentlichen Linkstreuer lassen sich problemlos ohne staatliche Spionage bekämpfen, weil man Webseiten relativ einfach abschalten kann, wenn sie illegal sind.

Modelle des Interessenausgleichs
Aufgrund der globalen Struktur des Netzes werden wir das Streuen von Links allerdings niemals komplett unterbinden können. Also bedarf es eines Interessenausgleiches. Die meisten Modelle setzen damit an, Internetnutzer für die (meist nur vermutete) Nutzung der Plattformen bezahlen zu lassen.
Besonders beliebt scheint im Moment die Idee einer Kulturflatrate. Anhänger finden sich quer durch alle größeren demokratischen Parteien: Piraten, Grüne, Linke, SPD, FDP – teilweise sogar in der CDU. Aber die Kulturflatrate birgt auch Probleme. Neben dem Grundproblem eines Gemeinverdachtes (jeder zahlt, ob er kopiert oder nicht) jenes des Verteilungsschlüssels. Die Kulturflatrate würde auf eine Art Über-GEMA hinauslaufen. Und wie toll die GEMA ist, dazu muss ich glaube ich nicht sehr viel erzählen.
Ganz hübsch finde ich die vom CCC vorgeschlagene Kulturwertmark, also eine Art Flattr für Künstler. Ich muss aber ehrlich gestehen: Ich verstehe Flattr, Kachingle & Co. einfach nicht. Ich habe es auch nicht versucht. Genau das ist aber das Problem: Eine Technologie muss in ihrer Nutzung von einer breiten Bevölkerungsmehrheit verstanden werden, wenn sie solch zentrale Bedeutung für eine Volkswirtschaft erlangen soll, siehe Bitcoin. Oder kurz gesagt: Dieses System ist zu sehr vom bekannten Alltag der nicht-vernerdeten Normalbevölkerung entfernt.

Mein Vorschlag: DigiThek
Gerne hört man von den Filesharing-Apologeten, runtergeladene Inhalte wären nur ein Test, bei Gefallen wird gekauft. Nun gut, nehmen wir diese beim Wort und bauen unser System darauf auf: Man kann Medien §bdquo;ausleihen“ und kostenlos oder gegen eine Pauschale für einen gewissen Zeitraum ausleihen. Sagen wir, je nach Medieninhalt, eine Woche bis einen Monat, analog zu normalen Bibliotheken. Das mE ideale Mittel dazu wäre nicht die in der Zahl der Ausleiher begrenzte Onleihe und ähnlicher Quatsch, sondern eine P2P-Plattform wie BitTorrent. Die Besonderheit hierbei wäre, dass diese Plattform eine digitale Rechteverwaltung (DRM) nutzt. Nach dem Download sind Dateien für den Ausleihzeitraum auf dem runterladenden Rechner und ein-zwei vom Besitzer des Rechners autorisierten Geräten nutzbar (beispielsweise 2 PCs, ein MP3-Player, ein Handy und ein eBook-Reader oder Tablet-PC). Bis zum Ende des Ausleihzeitraumes ist die Nutzung in diesem Rahmen kostenlos. Ob die Dauer dessen vom Urheber, Verwerter oder nach Medienart festgelegt wird, das mögen die Betreiber regeln.
Der Nutzer hat bis zum Ende des Ausleihzeitraumes jederzeit die Möglichkeit, für die Entfernung des Kopierschutzes zu bezahlen. Und ich meine Entfernung: Wer für eine Ware bezahlt hat, dem sollte das Recht zuteil werden, sein erworbenes Produkt ohne weitere Einschränkungen zu nutzen, er erhält die pure Datei ohne jede weitere Kopierschutzmaßnahme. Er hat dafür bezahlt, jetzt darf er damit (ausser weiterverkaufen oder ausserhalb des metaphorischen Schulhofes verteilen) machen, was er will, wo er will und in welcher Form er will. Den Preis dafür legt der Urheber oder sein Verwerter fest.
Inhalte werden von den Urhebern ins System gespeist, die dabei auch festlegen, was die Befreiung vom DRM kosten soll. Dabei können sie selbstverständlich auch die Option wählen, diese Befreiung kostenlos zu machen oder gar Dateien gleich ohne DRM zu verteilen (ähnlich den Inhalten bei Legaltorrent).

Ich bin kein Programmierer, erst recht nicht mit Erfahrung im Einrichten von P2P-Clients und Multi-Device DRM, ich kann sowas nicht bauen. Aber als Kunde und Urheber wäre ich bei einer solchen Plattform von Anfang an dabei. Ich erinnere mich an geleakte eMails an Dotcom (finde die URL nicht wieder, Fefe hatte vor Monaten mal darauf hingewiesen), die durchscheinen ließen, dass auch die Film- und Musikindustrie so etwas durchaus nicht abgeneigt wäre.
Also wer ist Programmierer mit entsprechender Erfahrung und möchte das Konzept des Medienkaufs im Internet mal gründlich umkrempeln? Und klar, richtig Geld steckt da auch drin, denn natürlich darf der Betreiber der Plattform einen Anteil am Verkaufspreis behalten.

Nachtrag: Auf das unsägliche Argument, Künstler seien ja nur „Filter“ die aus dem kulturellen gemeingut schaffen sage ich mal nichts weiter als das: Erzählt ihr auch einem Bauarbeiter, er habe keine eigene Arbeit geleistet, weil die Steine, aus denen er grade ein Haus gebaut hat vorher schon in der gegen rumlagen?


eBook-Land Woche 24

Bücher im Verkauf: 4 | Eigene: 1 | Einkünfte: 75,95 € | Händler: 6

In eigener Sache
Vor einem Monat schrieb ich vor über die bisherigen Erkenntnisse aus meinem Twitter-Konto eBooksfuerlau und wie ich damit kein Geld machte. Am nächsten Tag änderte sich das plötzlich und der März war für dieses Angebot großartig. Was passierte war, dass eine einzelne Mitteilung sehr oft weiterverbreitet wurde. Plötzlich kam eine Massenwirkung auf und da einige Leser neben dem kostenlosen Download auch noch einen Einkauf mitnahmen bekam ich davon wie von Anfang an geplant etwas ab. Insgesamt rechnete Amazon meinen Links Umsätze von 1.177,39 € zu, wovon mir etwa 5% Vergütung zukommen. Wobei man sagen muss, dass da eine Kamera für etwas über 700 € drinsteckt (Hinweis: ich kann sehen, was über meine Links wie oft gekauft wird, aber nicht, wer kauft, datenschutztechnisch also keine Panik). Rechnet man diese raus, scheint das Ganze stabil zu bleiben – der aktuelle Stand für die ersten beiden Märztage sind 21,46 €.
Nach diesem kleinen Ausflug in die Zahlenwelt zurück zu den eigenen eBooks: Feuchten Fußes ist endlich fertig und wird heute noch bei Amazon KDP hochgeladen. Mehr dazu, sobald das Buch bei Amazon ins Angebot aufgenommen wurde. Damit einher geht die Bekanntgabe der restlichen bisher geplanten Titel der Reihe: Schwarzer Schwinge war ja schon bekannt, danach folgen Klirrender Kälte, Zackigen Zahnes und Schreitenden Schrittes. Ein sechster, noch namenloser Band, macht die Serie Meilensteine der Evolution dann vorerst komplett. Jeder Band wird nach der Veröffentlichung für 90 Tage nur bei Amazon erhältlich sein, davon am Anfang zwei Tage kostenlos. Danach folgt die Veröffentlichung bei weiteren eBook-Anbietern (von Apple bis Xinxii). Ist die Serie komplett, wird es noch zwei Sammlungen mit je drei Bänden geben, einer sammelt die drei Bände aus dem Zeitalter der Dinosaurier (2, 3, 5) und einer die drei aus der Zeit davor (1, 4, 6). Die Einzelbände werden für 1,49 € erhältlich sein, die Sammelausgaben für 3,99 € oder 3,49 € (das entscheide ich noch konkret). Sollte ich die Reihe danach weiterführen geht es erstmal für drei Bände in das Zeitalter der Säugetiere um alle drei großen Erdzeitalter abzudecken und für jedes einen Sammelband anbieten zu können. Danach gibt es dann in punkto Erdzeitalter Kraut und Rüben, wobei ich dann lieber zu etwas anderem wechseln würde, wovon mich nur wirtschaftlich völlig überraschend großer Erfolg abbringen würde – auf jeden Fall wird es dann keine monatlichen Ergänzungen mehr geben, eher gelegentlich mal einen wenn ich eine gute Idee für ein noch nicht behandeltes Thema habe.
Die Bände können völlig unabhängig voneinander in beliebiger Reihenfolge gelesen werden, sie beziehen sich nicht aufeinander. Ja, die Titel mit der zweiteiligen Alliteration bleiben Erkennungszeichen der Einzeltitel der Reihe. Wenn alles läuft wie geplant erscheint die Serie von März an mit einem neuen Band pro Monat. Sie sind wie auch am Preis erkennbar relativ kurz, daher geht das.

Immer im Hintergrund laufen unterdessen einige andere eBooks, die nicht zu dieser Reihe gehören, allen voran Ratgeber aus diversen Bereichen. Diese erscheinen nach dem alten Programmiererbrauch: Wenn sie fertig sind. Ich habe mir inzwischen die Arbeitsweise angewöhnt, in kurzen Kapiteln zu schreiben, von denen ich dann am Abend (gewöhnlich schreibe ich immer zwischen 20 und 24 Uhr) mal eben eines in zwei Stunden schreiben und später nachbearbeiten kann. Das ist sehr effektiv, man kommt jeden Tag etwas weiter. Und wenn es nur eine neue Kapitelüberschrift mit ein paar Notizen zum späteren Ausformulieren sind.

Freundliche Hinweise
Erneut darf ich hier auf Miriam Pharo hinweisen, deren Verlag sich kein Format entgehen lässt und auf Buch, eBook und App nun ein MP3-Hörbuch folgen lässt. Es freut mich für Miriam, dass sie einen so engagierten und multimedial offensiven Verlag hat, sowas ist selten. Ich bin selber eher kein Hörbuchkonsument und lese Bücher lieber, aber davon muss sich ja niemand abhalten lassen. Übrigens denke ich selber auch daran, meine geplanten Kurzgeschichtensammlungen als Hörbücher anzubieten. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig hin.

Aus der Szene
Es war die Woche der Urheberrechtler Verwertungsrechtler, die sich als Urheberrechtler ausgeben und dabei jede Menge Unsinn erzählen. Oder der Ahnungslosen, die eigentlich noch schlimmer sind, weil sie es besser wissen müssten. Ich weiss nicht wieso Leute, die für ihre Arbeit von der Verwertungswirtschaft je nach Branche nur 4-8% des Gewinns aus ihren Schöpfungen erhalten (oder wie bei der GEMA für die Aufführung ihrer eigenen Musik bezahlen dürfen) diese Verwertungswirtschaft verteidigen. Stockholm-Syndrom? Und die allem Anschein nach durch übertrieben lange Urheberrechtszeiträume (70 Jahre nach dem Tod!) dafür sorgt, dass breite Teile der Kulturerzeugnisse des 20. Jahrhunderts verloren gehen sofern es sich nicht um Best- oder Longseller mit immer neuen Auflagen handelt.
Nun gut, diese Industrie hat es aber auch zunehmend schwer. Nachdem Amazon schon ein Modell vorgestellt hat, das diese Verwerter auf das notwendigste reduziert folgt nun auch noch Barnes & Noble mit einer Deutschlandtochter – der bisher einzige große eBook-Händler, auf dessen Marktplatz Europäer keinen Zugriff hatten. Gleichzeitig präsentiert LG das erste biegsame eInk-Display, zum wirtschaftlichen kommt also auch der technische Fortschritt.
In der englischsprachigen Welt entsteht grade eine große Diskussion über Spam und das Selbstverständnis der Spammer, die selbst kurzerhand eigene Definitionen von „Spam“ erfinden um vorzugaukeln, sie handelten „ethisch“. Ausgelöst wurde das alles von diesem Beitrag der irischen Indie-Autorin Catherine Ryan Howard. Spannend, ich empfehle auch die Kommentare unter dem Beitrag und die dortigen Links zu lesen.


eBook-Land: Woche 20

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 58,76 € | Händler: 6

In eigener Sache
Fangen wir mit einem rückwärtigen Rudermanöver an: Meine Analyse der Umsätze von eBooksfuerlau muss warten, da es da überraschend neue Entwicklungen gibt. Konkret hat genau ein Tweet mit einem Verweis auf nur ein Buch die komplette Statistik aus dem Gleichgewicht geworfen. Jetzt muss ich erstmal abwarten, wie sich das weiter entwickelt und darf dann komplett neu in die Statistik gehen. Das ist überraschend, weil ich nicht gedacht hätte, dass bei knapp 800 Klicks pro Monat ein einzelner Titel nochmal so ausschlagen kann.

Bieten kann ich dafür die Ergebnisse der Umfrage, welche Anführungszeichen die besten für die Buchgestaltung sind. Nachdem ich mit dem Ergebnis der Umfrage hier etwas enttuscht war (4 Teilnehmer), habe ich sie noch einmal bei Toluna erstellt und dabei die Frage etwas präzisiert, indem ich „in Büchern“ hinzufügte. Die Teilnehmerzahl war nicht wirklich repräsentativ (36), aber ich hätte die Frage ja auch nicht gestellt, wenn sie einfach wäre. Auch so ist der Vorsprung jener Zeichensetzung, die wir aus der Schule kennen deutlich, knapp über ⅔ sprachen sich dafür aus. Das hat mich überrascht, da die Setzung mit den Spitzklammern ähnlichen französischen Anführungszeichen weit verbreitet ist. Während ich dies schreibe greife ich den erstbesten Roman aus meinem Regal, kriege Der Rote von Bernhard Kegel in die Finger und sehe prompt traditionell französische Anführungszeichen. Ich suche weiter und finde endlich eine Ausnahme – eine alte Ausgabe von Solaris, die wörtliche Rede gar nicht mit Anführungszeichen versieht. Sonst immer mit einer der beiden französischen Varianten. Hmm. Nach 14 Bänden habe ich endlich einen gefunden, der deutsche Anführungszeichen verwendet – aber der ist ohnehin in Fraktur gesetzt und entsprechend alt.
Wenn also unter den Lesern ein Buchgestalter ist: Woher kommt diese Diskrepanz? Hat es einen Grund, warum kaum ein Roman die deutschen Anführungszeichen verwendet?
Hier die Ergebnisse der beiden Umfragen:

Freundliche Hinweise
Lindsay Buroker hat den dritten Band ihrer Steampunk-Reihe Flash Gold mit dem Titel Peacemaker herausgebracht. Er ist jetzt bei Amazon und Smashwords erhältlich.

Aus der Szene
Eine relativ ruhige Woche, fand ich, nur zwei Schlagzeilen von wirklich nennenswertem Einfluss. Das erste ist eine Fortsetzung der Versuche einzelner eBook-Verkäufer, mehr Einfluss auf ihr Programm zu nehmen. Diesmal ist es ein für Kenner üblicher Verdächtiger – Apple weigert sich, Bücher mit Links zu Amazon in den Verkauf zu nehmen. Da es mit Seth Godin einen der prominenteren eBook-Autoren und zudem einen Marketing-Experten getroffen hat dürfte das seitens Apple eine wirklich schlechte Idee gewesen sein. In Deutschland unterdessen lamentiern die Zeitungsverlage, angeführt vom Axel-Springer-Verlag (wem sonst) sich das Recht herbei, Geld dafür zu erhalten, dass Internetanbieter (allen voran Google) ihre Inhalte zitiert und damit Leser auf die Webseiten der Zeitungen bringt.
Gleichzeitig eine Unterhöhlung des Zitatrechts und ein Schuss ins eigene Knie, da die eigenen Angebote so schlechter gefunden werden und die Einkünfte der Zeitungen im Online-Bereich mangels Leser tiefer in den Sinkflug gehen als zuvor. Das ist schon ein besonderes Kunststück.


eBook-Land: Woche 19

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 44,67 € | Händler: 6

Eine kleine Veränderung noch einmal: Den Abschnitt „Kindle gegen Bücherregal“ gebe ich auf, da er offenbar niemanden interessiert hat. Protest wie immer bitte unten in den Kommentaren. Oder meinetwegen auch per Twitter, Facebook oder wüster Beschimpfung auf der Straße. Ich bin Politiker bei den Grünen, ich bin sowas gewöhnt.
Diesmal kommt eBook-Land einen Tag später, da mich mitten im Schreiben diese Mitteilung erreichte, woraufhin ich erstmal offline ging und kurz danach auch bis in den späten Abend eine Sitzung hatte. Ich bitte um Verständnis dafür.

In eigener Sache
Viel gibt es nicht zu berichten, mir ist aber aufgefallen, dass die Verkäufe auf allen großen Märkten, in denen ich präsent bin (USA, UK, Deutschland) überraschend anziehen. Da die drei Bücher von unterschiedlichen Autoren sind und ich nur eines davon (mein eigenes) nennenswert beworben habe, ist das auffällig, aber ich kann noch nicht wirklich etwas damit anfangen. Kann man davon ausgehen, dass eBooks bei Amazon nach drei Monaten Präsenz im Bestand eine Art Eigenwachstumseffekt zeigen? Oder hängt das mit dem Wachstum des Marktes zusammen? Oder ist es am Ende nur Zufall?Fragen, die ich mit meinen spärlichen Daten nicht beantworten kann. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Dafür kann ich zur Lösung einer anderen Frage beitragen: Lohnt es sich, eBooks vorübergehend kostenlos anzubieten? Ich habe ja ein Twitter-Konto, das sich auf die Bewerbung kostenloser eBook-Angebote spezialisiert hat. Und da das bei Amazon und iTunes Affiliate-Links nutzt, habe ich daraus einige extrem interessante Datensätze bekommen, was das Verhalten der Nutzer solcher Angebote angeht. Noch ist das nicht ausgewertet, aber was sich abzeichnet ist: Es hängt davon ab, was man will, aber im Gegensatz zu den bisherigen Annahmen lohnt es sich für Verfasser von Einzelwerken mehr als für Anbieter mit eBook-Serien, denn die Käufer kostenloser Werke geben grundsätzlich kein Geld für eBooks aus und lassen sich offenbar auch von Serieneinstiegen kaum ködern. Daie Daten sagen offenbar aber auch, dass ein kostenloses Angebot praktisch keinen finanziellen Verlust darstellt, da man damit Leser erreicht, die ohnehin nie Geld ausgegeben hätten. Das gibt es dann nächste Woche ausführlich mit Zahlen und allem, wahrscheinlich in einem separaten Beitrag, weil es wirklich umfangreich wird.
Was die Anführungszeichen angeht, fand ich die Teilnahme an der hiesigen Umfrage etwas mager, daher habe ich sie nochmal beim Umfrageportal Toluna eingestellt. Auch darüber werde ich berichten, sobald die Zahlen endgültig sind. Zu meiner Überraschung führen die klassisch-deutschen Anführungszeichen im Moment deutlich. So deutlich, dass ich mich fragen muss, wieso die anderen Optionen hierzulande im Buchdesign überhaupt Anwendung finden.

Aus der Szene
Die großen Nachrichten der Woche sind Buchlöschungen: Zunächst die etwas untergegangene Meldung, dass Amazon zur Durchsetzung seiner Preisvorstellungen tausende zu teure eBooks gelöscht hat. Anders als bei früheren Skandalen bleiben gekaufte Bücher nun den Kunden zwar verfügbar, aber es ist doch auffällig, wie stark Amazon versucht, in die Marktstrategien der Verlage einzugreifen. Die mögen Müll sein, aber einem Buchhändler steht es eigentlich nicht zu, so tief in die Tätigkeit der Verlage einzugreifen.
Wem das allerdings noch weniger zusteht, sind die Dienstleister der Finanztransaktionen. Entsprechend war es denn auch der größere Skandal, dass Paypal – nicht zum ersten Mal – aktiv in das verkaufte Warenangebot eingreift und Smashwords nun also diverse Erotika-Inhalte untersagt. Die Inhalte sind ohne Frage solche, die auch ich nicht sehen will (Sodomie, Inzest, Pseudo-Inzest, nicht einvernehmliches S/M), aber sie sind als Buchinhalt nicht illegal (Pseudo-Inzest, also Inzest unter entfernt Verwandten oder Verschwägerten sowieso nicht) und wenn ein Händler diese anbieten will, so soll er dies tun. Ich muss es ja nicht lesen.
Zu einem angenehmeren Thema: Bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) gab es endlich mal einen differenzierten Artikel zum Thema Status des Urheberrechts, der weder den Verschärfern noch den Auflösern nach dem Mund spricht. Das war eine angenehme Überraschung.
Der VdZ (Verband der Zeitungsverleger) beschwert sich in Brüssel darüber, dass Google kostenlos Werbung für sie macht, was ausser bei mir auch bei CARTA zu Verwunderung führt.
Auf jeden Fall noch hinweisen möchte ich auf Emily Bolds Beitrag zur Zukunft des eBooks oder genauer gesagt auf die Kommentare dazu. Auf jeden Fall lohnendes Lesefutter.
Achja, Apples Kopierschutz wurde erstmals geknackt.
Ebenfalls unter „ferner liefen“: Eine Studie stellt wenig überraschend fest, dass eBooks nicht im stationären Buchhandel verkauft werden. Wie davon irgendjemand überrascht sein kann, ist mir ein ernsthaftes Rätsel.


Zur grünen Urheberrechtsreform

Eine der wohl beeindruckendsten Leistungen des Verlagswesens ist es, uns ein Urheberrecht, das mit jeder Reform weniger den Autoren und mehr den Verlagen dient als Fortschritt zu verkaufen. Inzwischen sind wir an einem Punkt, an dem die Rechte am Werk eines Urhebers 70 Jahre nach seinem Tod bestehen, also insgesamt gut 2 bis 3 Generationen ohne eigene Leistungen daran partizipieren können.
Das führt zum Verlust großer Mengen an Kulturerzeugnissen, denn nur eine absolute Minderheit an Werken wird auch nur 10 Jahre nach Veröffentlichung weiter gedruckt, von 70 Jahren nach dem Tod des Verfassers ganz zu schweigen. Da eine Ausnahme zu sein gleicht der Aufnahme in eine literarische Ruhmeshalle und wer das schafft, verdient mit seinen Werken genug Geld, um sich keine Sorgen um seine Erben machen zu müssen. 99% aller Bücher sind nur mehr antiquarisch verfügbar und ihre Neuauflage wird durch ungeklärte Urheberrechtsnachfolge verhindert. Beim Rest wird mit jeder Neuauflage ein Fortbestehen unwahrscheinlicher, da die zeitnahe Relevanz eines Werkes sinkt. Die Rate der durch solche Vorgänge vergessenen und damit verlorenen Werke dürfte sich 99,9% annähern. Um 70 Jahre nach seinem Tod noch verlegt und nicht vergessen zu werden, muss man schon Goethe sein. Und wenn man diese Bedeutungsstufe hat, dann verdienen die Verlage problemlos auch ab dem 71. Jahr an urheberrechtsfreien Werken (siehe Reclam). Wobei Goethe lustigerweise niemals einen Urheberrechtsschutz hatte und trotzdem über die Runden kam, aber das ist nochmal eine andere Geschichte.

Dann sind da noch Drecksvereine wie die GEMA, die von Künstlern sogar dann noch Geld kassiert, wenn sie ihre eigene Musik aufführen. Von solchem Kram wie der GEMA-Vermutung mal ganz zu schweigen (kurz gefasst: Jeder Künstler ist GEMA-Mitglied, es sei denn, er kann das Gegenteil belegen). Achja, und die Geschichte, dass die GEMA Musikvideos auf Youtube selbst dann sperren kann, wenn sie vom Künstler selbst eingestellt wurden, was ein offener Widerspruch zum Urheberrecht ist, das dem Verfasser eines Werkes die volle und unveräusserliche (!) Entscheidungsfreiheit über die Nutzung seiner eigenen Werke gewährt.

Dass die Verwertungsgesellschaften im Grünen-Beschluss zur Netzpolitik deutlich eingeschränkt werden sollen, ist also gut.
Mein persönlicher Vorschlag zur Frist war ja lebenslang zuzüglich 5 Jahre, damit die Verlage nicht urplötzlich vom Tode ihrer Autoren überrascht werden. Aber die Diskussion über den konkreten Zeitraum ist ja noch relativ offen. ZUmal das verlagswesen ja allem Anschein nach eh nicht mehr allzu lange existiert. Angesichts der eBook-Revolution gebe ich dem Verlagswesen noch etwa 100 Jahre, bis selbst der letzte Nischenverlag verschwunden ist.