Sieben am Sonntag 30.07.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.
Diese Woche wegen dem Ausfall letzte Woche (manchmal fallen Familiengeburtstage halt auf einen Sonntag und dann muss man Prioritäten setzen) diesmal nicht exakt sieben Einträge (es sind acht, wenn ich mich nicht verzählt habe).

Musik der Woche

Selbstverständlich geht die Musik der Woche diese Woche nach dem Suizid des Sängers an Linkin Park, eine der Bands meiner musikgeschmacklich prägenden Jahre. Damals, in der kurzen Phase der Weltgeschichte, als es Musikfernsehen gab, in dem tatsächlich Musik lief. Manchmal 24 Stunden am Tag. Dafür braucht man heute ein Radio. Ihr wisst schon, so ein Volksempfänger, nur ohne Hitler. Gibt es Radio überhaupt noch?

Kuchen der Woche

Käsekuchen-Cupcakes

Ich gründe eine Nation in Schwarz-Weiss-Lila – Bild: Svenja Goßen

Zur Zeit fallen im Garten täglich mehrere Kilo an Brombeeren an – weit mehr, als die lokale Vogel- und Menschenwelt gemeinsam verspeisen können.
Manches davon wird Konfitüre, manches davon wird Obst, aber manch anderes landet in Küchenexperimenten.
So hatte ich etwa noch ein paar Cashews da und wollte schon eine halbe Ewigkeit mal veganen Käsekuchen aus Cashew-Mus (oder wie ich sage: Cäsekuchen) machen. Der geht auch mit Beerenobst als Zugabe und so kam alles zu diesen Küchlein zusammen.
Boden: Zerkrümelte Oreos mit etwas Kokosöl mischen und unten in die Formen drücken.
Cäse: Cashews im Mixer pürieren, Kokosmilch und flüssige Süße (Originalrezept: Ahornsirup, nach Blick auf das Preisschild: Agavendicksaft) dazugeben, bis die Konsistenz gut dickflüssig ist. Hälfte der Masse auf die Oreos geben, andere Hälfte mit pürierten Beeren mischen und dann über die erste Schicht geben.
Alles über Nacht in den Kühlschrank, fertig. Gekühlt servieren.
Mengenangaben: Ein Schlobb hiervon, ein Schlubb davon. Die gehen ganz gut nach Gefühl.
Die waren praktischerweise in der Mache, als ich bei einer Veganerin zum Grillen eingeladen wurde. Perfekte Versuchskaninchen, die in diesem Fall positiv anschlugen.

Kraftwerk der Woche

Solarzellen auf Schwimmpontons

Alle meine Panelchen schwimmen auf dem See – Bild: Sungrow

Ein ehemaliger Kohletagebau bau Huainan in China hat eine neue Funktion erhalten: Nach seiner Flutung schwimmen dort nun 165.000 Solarpanele und versorgen die Umgebung mit 40 MW Strom.
Das macht Sinn: Der künstliche See bietet eine große Oberfläche und vermutlich auch den Raum, um unter der Oberfläche große Speicherkapazitäten aufzubauen. Hinzu kommt der Wehmutstropfen, dass der Restsee belastet ist, also wohl zu schnell und ohne ausreichenden Wasserschutz gefüllt wurde. Tagebaurestseen zu füllen ist durch die Bodenchemie der tiefen Gruben eine ziemlich schwierige Angelegenheit.

Versteigerung der Woche

Donald Trump malt die Skyline von New York

Wolkenkratzer, Wolkenkratzer, Johnny Bravo, Wolkenkrat… Moment, was? – Bild: Nate D. Sanders Auctions

Ein, ähm, Werk, von Donald Trump kam diese Woche in Baltimore unter den Hammer. Das Werk, welches die Skyline von Trumps Heimatstadt New York City darstellt ist zwar nicht künstlerisch, aber irgendwie dennoch interessant. Vier Mittelfinger umringen das Haupt von Johnny Bravo, darunter ein Weg. Ich… bin nicht sehr gut in Bildanalyse.
Die Auktion endete nach ganzen elf Mitbietenden bei etwa 30.000 US$

Symbolbild der Woche

Finger in einer Mausefalle

Hochrepräsentativ – Bild: Stadt MG

Wenn man etwas in den sozialen Medien veröffentlicht, braucht man dafür idealerweise ein Bild, das hilft mit den Klickzahlen. So sind diese Beiträge beispielsweise so strukturiert, dass immer ein gewünschtes Bild als Vorschau erscheint, wenn jemand Links dazu auf Facebook oder Twitter setzt. Manchmal aber ist es gar nicht so einfach, ein passendes Bild für einen Beitrag zu finden. Dann packt man halt ein eingekauftes Bild von einem Lizenzhändler rein, das irgendwie eine sehr esoterische Verbindung mit dem Thema hat. So wie das über diesem Absatz. Und hier die Meldung, die mit diesem Bild seitens der Pressestelle der Stadt Mönchengladbach einher ging:
In die Falle gegangen: Mit 113 km/h ist gestern kurz nach 18 Uhr ein Fahrzeug in der Rheydter Innenstadt geblitzt worden. Der Raser wurde an der Dahlener Straße ertappt. Er muss sich auf ein Bußgeld in Höhe von 280 Euro, zwei Monate Führerscheinentzug und zwei Punkte einstellen. Wir wünschen euch ein unfallfreies Wochenende!

Spezialeffekt der Woche

Früher gab es ja Bluescreens. Das waren blaue Leinwände, vor denen Schauspieler aufgenommen wurden, um sie dann am Computer mit einem eingefügten Hintergrund zu ersetzen. Blau war dazu ganz gut, weil es weniger stark als andere Farben Schatten sichtbar macht (örks, der Satz fühlt sich irgendwie verunglückt an).
Nur leider ist blau nicht nur die häufigste Farbe für Kleidung, es ist auch eine wichtige Farbe in der Cinematographie (wegen dem schönen Kontrast zu orange). Also ist man allgemein auf Greenscreens gewechselt –
wortwörtlich das Selbe in Grün. Grün trägt man nicht so oft wie Blau, aber manchmal halt doch. Und damit kann man dann wie Jessie McLaren auf Twitter viel Spass haben, wenn man die richtige Software hat.

Fahrkarte der Woche

Ja, das Video ist nicht grade ideal geschnitten und Katrin kommt etwas gekünstelt daher, etwa wie ein Werbespot für Versicherungen, aber dass das Ansinnen, dem Wirrwarr aus Verkehrsverbünden mit einem übergreifenden „MobilPass“ ein Ende zu bereiten, ein gutes ist, davon bin ich überzeugt.
So macht man Verkehrswende!

Reform der Woche

Im Stierkampf verletzter Stier

Auf Mallorca endlich illegal – Bild: Michael Helmer

Die Balearen verbieten das Verletzen und Töten von Stieren im Stierkampf.
Stück für Stück endet diese unsägliche „Tradition“ (ich hab’s eh nicht so mit Traditionen).
Auch einige andere traditionelle Veranstaltungen mit Stieren wie die Stierhatz werden in ihrer Form deutlich eingeschränkt.


Freitägliche Fünf 22.07.2016

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal geht es vor allem ins Grüne. Eingebettet, falls sich wer über die Optik der Seite wundert, in die ersten Ausläufer einer Überholung des hiesigen Blogdesigns.

1. Critical Mass Viersen

Quasi von letzter Woche nachgereicht: Die Critical Mass in Viersen am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Laut ADFC waren es 40-50 Teilnehmer. Auffällig war die Vielfalt an Fahrzeugtypen: Neben diversen Arten von normalen Niederrädern fanden sich unter anderem Lastenräder, Kurz- und Langliegeräder, gleich zwei Velomobile, ein Handbike und ein Liegedreirad. Kräftige Unterstützung aus Mönchengladbach steuerten wir Großstadtradler bei.

Für jeden etwas dabei - Bild: StadtradelnMG bei Twitter

Für jeden etwas dabei – Bild: StadtradelnMG bei Twitter

2.SuperMEAT

Das Projekt SuperMEAT hat sein Crowdfunding-Ziel bei Indiegogo erreicht. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was die mit den 100.000 USD machen, wenn sie für einen Prototypen eine halbe Million brauchen. Naja, besser als nichts.
Das Ziel von SuperMEAT ist es, in großem Maßstab Fleisch ohne Tiere herzustellen. Ob das funktioniert und wer das nun alles wieder für widernatürlich hält, werden wir dann sehen.

3. Seltene Schmetterlinge nebenan

Raupen des Jakobskrautbären an Jakobs-Kreuzkraut

Wenn Ringelsocken Insekten wären. Der kleine Schmetterling unten rechts gehört übrigens nicht zur selben Art und ist mir erst nach dem Fotografieren aufgefallen – Bild: eigen

Am Donnerstag entschied ich mich, erneut das gute Wetter zu nutzen. Das eigentlich beabsichtigte Bild (die Dächer von Rheydt über die Felder an der Landwehr hinweg fotografiert) wurde aufgrund der zu grellen Lichtverhältnisse eher so mittelmäßig, aber auf dem Rückweg begab ich mich noch durch eine stillgelegte Kiesgrube in der Nähe, wo ich massenhaft Raupen des Jakobskrautbären fand.
Der Jakobskrautbär ist ein seltener und schöner Nachtfalter, der allerdings manchmal in großer Zahl an einzelnen Stellen auftritt. Einfach zu fotografieren waren die mit meiner Kompaktkamera nicht, da die ständig auf den Hintergrund fokussierte, aber ein paar Bilder habe ich doch bekommen. Sehr schöne Raupen, die ich noch nicht kannte.

4. Nutria

Nutria im Wasser

Niedlicher Niers-Nager – Bild: eigen

Die große Nutria-Population von Mönchengladbach ist bekannt, aber Dienstag habe ich erstmals ein Exemplar völlig unversteckt selbst gesehen. Ich mag die, sehen aus wie zu groß geratene Meerschweinchen. Und sie gehören auch zu den unproblematischeren Neozoen, die keine nennenswerten Schäden anrichten.

5.Purino Bambini Urban Gardening

Logo des Bambini Urban Gardening

Bild: Purino

Das Purino hat am Donnerstag einen eigenen Garten für Zutaten angelegt, dessen Erzeugnisse auch im Restaurant verarbeitet werden. Auch wenn ich beim Standort (im Hardter Wald) nicht sicher bin, ob das nun wirklich gut ist, grundsätzlich ist es aber eine gute Sache, wenn Gastbetriebe Zutaten im eigenen Garten anbauen.


Veganer, Wurst und Weltrettung

Die Überschrift ginge auch als Wurstveganerweltrettung, aber so ist’s auch hübsch.

Thema hier: Veganer und warum sie so oft zu missionieren scheinen. Und warum alle anderen das auch machen, es nur nicht merken — vielleicht sogar noch mehr. Anlass sind einige Beiträge bei Fefe von vorletzter Woche (ja, ich bin spät dran), in denen er sich über missionierende Veganer beschwert. Ich finde das allgemein unfair (und sprachlich unfehr immer attraktiver, aber das geht jetzt vom Thema ab), grade Veganern immer die Mission vorzuwerfen. Ich bin selber kein Veganer, aber an diesen Ernährungsweise grundsätzlich interessierter Nutzer einiger veganer Produkte und habe viel mit Veganern zu tun. Und ganz ehrlich, ich kenne kaum eine Gruppe, die einen besseren Grund zum „Missionieren“ hat als Veganer.
Also: Warum missionieren Veganer eigentlich so oft?

Die einfachen Antworten vorab

Grund für Veganismus ist in Mitteleuropa meistens einer der folgenden drei, seltene Gründe wie jene der Religion (vegane Religionen sind hier sehr selten) mal ignorierend:

  • Ethische Gründe bedeuten in der Regel, dass man dagegen ist, dass Tiere für die Bedürfnisse des Menschen sterben und/oder leiden. Grundlage ist entweder die Ansicht, dass der Mensch kein Recht hat, andere Tiere zu töten (ohne angegriffen worden zu sein) oder dass der Mensch durch seine ungewöhnliche Gabe der Intelligenz die Pflicht erhält, diese zur Vermeidung jeglichen Leides einzusetzen, auch für Nicht-Menschen.
    Dass diese Gruppe zur „Missionierung“ neigt, ist wenig verwunderlich, schließlich ist ihr Ansinnen der Vermeidung von Leid nicht erreicht, solange nur sie selbst auf den Konsum tierischer Produkte verzichten. Etwa so wie es einem Polizisten bei der Verfolgung eines Verbrechers nicht reichen kann, dass er selber keine Straftaten begeht. Aus der ethischen Begründung des Veganismus lässt sich also eine moralische Pflicht ableiten, die Idee weiterzugeben.
  • Umweltschutz ist ein anderer häufiger Grund für Veganismus. Viehwirtschaft ist mit enormem Verbrauch natürlicher Ressourcen verbunden — sowohl direkt bei den Tieren als auch in Form der gewaltigen mengen Nahrung, die durch die Tiere gehen statt wirtschaftlich und ökologisch deutlich günstiger direkt auf den Tellern landen zu können. Besonders Rindfleisch und Milchprodukte sind extrem belastend für die Umwelt. So sehr, dass ein Normalesser bei Milchverzicht sich klimaschonender verhalten als Vegetarier, die zwar auf Rindfleisch verzichten, dafür aber meist mehr Milchprodukte zu sich nehmen.
    Diese Gruppe ist schon seltener „missionarisch“ tätig, da die moralische Pflicht zur Bekehrung weniger akut ist. Zwar ist es natürlich besser, wenn mehr Menschen dabei helfen, die Umwelt zu schützen, aber das Gefühl der Nutzlosigkeiten der eigenen Bemühungen ist weniger stark ausgeprägt, da man das Gefühl hat, „seinen Anteil“ zu erfüllen.
  • Gesundheitliche Gründe sind die letzte simple Gruppe, bevor wir zu den komplizierteren kommen. Sie begründen die Entscheidung zum Verzicht auf Tierprodukte mit der potenziellen Gesundheitsschädlichkeit vieler tierischer Nahrungsmittel, von Wurst über Fleisch bis Milch. In wie weit das den Tatsachen entspricht, ist umstritten, aber hier nicht Thema. Allerdings sind diese Veganer auch oft nicht so strikt und nehmen ab und an Dinge wie Bienenkotze Honig zu sich, was mögliche gesundheitliche Probleme ausgleicht. Zudem ernähren sie sich noch stärker als andere Veganer bewusst und wissen daher, die bei schlecht umgesetztem Veganismus möglichen Mangelerscheinungen zu vermeiden.
    Diese Menschen haben eigentlich nur selten Grund zur Weiterverbreitung ihrer Ansichten, es sei denn, sie wollen ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Das zentrale Wort hier ist eigentlich. Denn jetzt kommen wir dazu, wie Veganer jeglicher Couleur zu Missionaren gemacht werden.

Die karnate Inquisition

Hier wird es komplizierter, das deutet schon die Fremdwörter in der Überschrift an. „Karnat“: fleischlich, „Inquisition“: Befragung.
Um das nachvollziehen zu können empfehle ich jedem Nicht–Veganer einfach mal, für etwa einen Monat Veganer zu spielen. Es ist dazu kein Verzicht nötig, noch nicht ein Mal die Übernahme veganer Ernährung. Spielen Sie, wann immer sie öffentlich sind, einfach mal Veganer. Erwähnen Sie ein oder zwei Mal, dass Sie eine vegane Ernährung ausprobieren. Keine Sore, man wird es Ihnen abnehmen, denn wer sich auf ein solches Experiment einlässt ist offensichtlich offen genug, ab und an etwas Neues auszuprobieren und nicht in den eigenen Vorurteilen zu verharren. Es bedeutet zwar, beim Ausgehen erst später ein Steak essen zu dürfen, wenn man wieder alleine ist (na gut, doch ein bisschen Verzicht), aber für einen Monat sollte das gehen und es bietet erheblichen Erkenntnisgewinn.
Schnell dürfte Ihnen eines auffallen: Menschen, die Fleisch essen, sind unglaublich vehement in ihrer Überzeugung, dass dies etwas Gutes ist. Sobald ihnen auch nur irgendwie zu Ohren kommt, dass Sie sich vegan ernähren, werden die Missionierungsversuche beginnen. Niemand missioniert mehr als Normalos, in deren Gegenwart der Begriff „vegan“ fällt. Sie werden sich ausgiebig und völlig unaufgefordert anhören dürfen, wie schädlich vegane Ernährung sei, dass sie dem Klima ja gar nichts nütze, dass Fleisch zu essen doch ganz natürlich und Fleisch ausserdem doch so lecker sei und so weite rund so fort. Selbst eigentlich gemäßigte Leute fangen plötzlich an, beinahe Verschwörungstheorien um eine Vegetarierlobby aufzubauen. Und dann kommt quasi aus dem Nichts der Vorwurf der Missionierung, sobald man es wagt, dem Redeschwall der Nicht-Veganer zu trotzen. Die Absurdität ist beachtlich.
Man fragt sich unweigerlich, wieso es Allesessern so schwer fällt, als einschränkend wahrgenommene Überzeugungen bezüglich der Ernährung anderer zu akzeptieren. Ja, manche sind einfach Besserwisser, die eine willkommene Gelegenheit wittern, ihr Hobby auszuleben. Aber nicht alle Fälle lassen sich so erklären, dafür sind es zu viele.
Die Veganer fühlen sich da schnell in die Ecke gedrängt und wer in die Ecke gedrängt wird, wehrt sich halt. Und so werden dann auch viele Veganer, die aus eigenem Antrieb nicht missionieren müssten zu Missionaren. Bei denen ist es dann weniger ein Angriff als eine Art offensive Verteidigung; der Versuch, einen Schutzraum um sich zu erschaffen, in dem man nicht ständig von den missionierenden Steak-Gourmands belästigt wird, die einen von den Vorzügen des Fleischgenusses zu überzeugen suchen.
Das erklärt dann vielleicht auch, warum Gruppen wie Peta so oft mit Aktionsformaten arbeiten, die genau niemanden überzeugen, dafür aber viele Menschen abschrecken können.

Also, liebe Normalos: Bevor ihr euch wieder über missionierende Veganer beschwert, kurz an die eigene Nase packen. Natürlich, es gibt Veganer, die eine Art Missionierung als moralische Pflicht ansehen und die wird es immer geben. Aber viele Fleisch-Liebhaber tragen ganz klar ihren Teil zur Radikalisierung von Veganern bei, wenn sie diese nicht sogar auslösen. Ich habe in der Regel Verteidiger des Fleisches als deutlich lauter und missionarischer erlebt als die meisten vegetarisch oder vegan lebenden Menschen. Aber das fällt oft nicht auf, weil sie auf Seiten der gesellschaftlich-mehrheitlichen Norm stehen.

Ersatzprodukte

Kurz noch zu einem Kritikpunkt am Veganismus, den ich nie verstanden habe: Was genau spricht gegen Fleischersatzprodukte?
Das ist relevant, denn ich halte auch das für eine Form von Intoleranz durch die Nicht-Veganer: Wer keine tierischen Produkte zu sich nimmt, der soll gefälligst (unnötigen) Verzicht üben, denn er verdient Strafe? Vegane Ernährung richtet sich ja nicht gegen die Wurst, sondern dagegen, dass für die Wurst ein Tier sterben musste. Warum also sollten vegane Wurst oder auch Ersatzprodukte für in der hiesigen Küche schlichtweg unverzichtbare Zutaten wie Milch ein Problem darstellen?
Mir ist das unbegreiflich. Das ist für mich nichts weiter als ein Ausdruck der Unfähigkeit von Normalos, die aus der Norm fallenden zu verstehen. Für den Wunsch nach einer Form von Buße für die Abweichler.
Ein bisschen so, wie den Homosexuellen das Recht auf Ehe zu verweigern. Es geht nicht um die Sache, denn dafür gibt es gar keine Begründung. Es geht darum, was man als normal zu akzeptieren bereit ist. Und vielleicht um die Angst davor, sich selbst und das eigene Bild von Normalität hinterfragen zu müssen und der Antwort nicht mehr so sicher sein zu können, wie man immer glaubte. Darum, Antworten ernsthaft suchen zu müssen statt die althergebrachten einfach unhinterfragt übernehmen zu können.

Zum Abschluss ein Bild vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Zum Abschluss ein BIld vom Ende der Welt: Vegane Bratlinge mit Salat! (Bild: Wikimedia Commons)

Meine Position

In einem Artikel zu diesem Thema scheint es mir wichtig, die eigene Position darzulegen, daher folgendes: ich bin selbst kein Veganer, verzichte aber aus ethischen Gründen in allen Bereichen ausser der Ernährung auf tierische Produkte (also z.B. auf Leder) und nutze aus einer Mischung aus ethischen und ökologischen Gründen regelmäßig vegetarische und vegane Lebensmittel, vor allem Ersatz für diverse Milchprodukte.


Freitägliche Fünf 06.11.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diese Woche wieder eine selbst für diese Reihe ungewöhnlich klimafreundliche Ausgabe plus Gebärdensprachendolmetscher.

1. Fossilfreies Münster

Kreuzfeier - Bild: Fossil Free Deutschland

Kreuzfeier – Bild: Fossil Free Deutschland


Nein, das Geologisch-Paläontologische Museum Münster wird nicht geschlossen, keine Angst. Immerhin liegt da der größte Ammonit der Welt, sowas macht man nicht zu.
Hier geht es um fossile Brennstoffe: Münster hat als erste Stadt in Deutschland entschieden, keine weiteren Gelder in Kohle, Öl udn Gas zu investieren und zieht ihre bisherigen Investitionen zurück beziehungsweise verkauft diese. Diese Investitionen, die in den letzten Jahren als Verlustgeschäfte zunehmend zu einem Problem für viele Städte vor allem im Ruhrgebiet werden, sind eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine für den Weiterbetrieb insbesondere von Kohlekraftwerken.

2. Simax

Simax ist ein in der Entwicklung befindlicher virtueller Gebärdesprachenübersetzer. Die Software wird mit einem Text gefüttert, setzt diesen in die jeweilige Gebärdensprache um und das Ergebnis wird dann noch ein Mal von einem Gebärdendolmetscher geprüft.
Ganz ehrlich: In der aktuellen Phase ist mir der Nutzen noch nicht so wirklich klar. Gehörlose haben ja weniger mit Text als mit Sprechsprache Probleme. Aber vielleicht kommt das in der nächsten Phase? Das Projekt hat jedenfalls noch einen langen Weg vor sich, Maschinenübersetzung ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe, die noch keine Software gemeistert hat und die auf absehbare Zeit eine Krücke bleiben wird. Aber besser mit als ohne Krücke.

3. Radabstellen im Flur

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! - Bild: Manuel Rossel

Das ist ja gar kein richtiges Fahrrad, da fehlen ca. 2 kg Dreck! – Bild: Manuel Rossel


Aus Chile stammt diese Idee von Fahrradabstellmöbeln für kleine (Designer-)Wohnungen. Designer Manuel Rossel hat eine ganze Kollektion dieser Möbel entwickelt, das da oben ist mein Lieblingsstück. Einfach, weil es das alltagstauglichste ist.
Natürlich sind die alle unrealistisch sauber und rechnen ihre Preise in nahezu astronomischen Einheiten (Das Teil da? US$ 191.000, runtergesetzt von 239.000), aber ich sehe das mehr als Inspiration für alle, die selber sowas basteln möchten. Halt in weniger hübsch und sauber, dafür mehr praktisch (mein Deutsch war vorhin auch noch irgendwie besser). Die Idee, Schuhregal und Fahrradständer zu kombinieren ist ja nun nicht grade die schlechteste.

4. Chia und Quinoa aus der Region

Die Tage gab es einen Artikel mit Sarah Wiener, der neben ein paar wahren Worten auch viel Blödsinn über vegane Ernährung enthielt. Der größte Quatsch war der Vorwurf, Veganer würden durch ihren Konsum von Quinoa und Chia-Samen das Weltklima stärker belasten als Allesesser, denn diese Pseudogetreide kämen aus Südamerika. Also anders als das vielgelobte argentinische Rind, das bekanntlich aus Straßburg stammt, welches im Mittelalter den Beinamen Argentina führte. Es wird dort auch nur mit bestem Alpensoja gefüttert. Klar. Nunja, was soll man vom Focus auch erwarten?
So oder so, das Problem könnte sich bald erledigt haben: In Stuttgart ist nun der Anbau von Quinoa gelungen, an Chia wird noch geforscht. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das nicht weit von den weltberühmten straßburger Rinderfarmen ist und somit nicht ganz so im klimatischen Hintertreffen liegen sollte. Der Anbau ist sogar in vielerlei Hinsicht sparsamer für Ressourcen wie Wasser und Stickstoff als Weizen.

5. Transparente Solarenergie

Durchsichtige Solarzellen werden ja immer mal wieder erfunden. Hier ist ein neues, recht vielversprechendes Projekt aus Michigan:


Freitägliche Fünf 24.07.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal überaus unscharf.

1. Ich hab am Dienstag in Gladbach einen Hirschkäfer gefunden. Damit hatte ich definitiv nicht gerechnet, dass mir so einer über die Füße läuft. Ein Weibchen mit entsprechend kleineren Mandibeln, aber dennoch ganz eindeutig ein Hirschkäfer. Und auf den Fotos ungefähr so scharf wie das durchschnittliche Bigfoot-Foto. Naja, Handykamera bei unerwartetem Motiv halt.

Stillhalten? Fuck you, ich bin ein Käfer! Ich lauf und lauf und lauf… (eigenes Foto - offensichtlich)

Stillhalten? Fuck you, ich bin ein Käfer! Ich lauf und lauf und lauf… (eigenes Foto – offensichtlich)


Endlich mal wieder ein Tier gesehen, dass ich noch nie zuvor in der freien Natur gesehen habe.
Nachtrag: 28.07.2015: Nach weiterer Recherche stellt sich der Käfer als eine mit dem Hirschkäfer nahe verwandte Art heraus: Das Männchen des Balkenschröters oder Zwerghirschkäfer Dorcus parallelipipedus. Den wiederum habe ich nicht nur noch nie gesehen, ich hatte auch noch nie von ihm gehört.

2. Maastricht hat mir gefallen, auch wenn ich wegen dem Wetter am Sonntag dann doch mit dem Zug gefahren bin statt die ganze Rundtour mit dem Fahrrad zurückzulegen. Allerdings bin ich auch so mit acht Kilo Gepäck etwa 130 Kilometer gefahren. Nächstes Mal kaufe ich die Getränke unterwegs statt alle direkt mitzunehmen, das war eine blöde Idee.
Maastricht hat mich überrascht. Ich war wegen des Naturhistorischen Museums da und hatte nicht erwartet, so viel Geschichte zu finden. Basiliken, Museen und historische Bauten überall und alles trotz der geringen Entfernung zur Grenze so unglaublich niederländisch.
Ich werde noch ausführlicher vom Trip erzählen.
Und schaut mal, wie fröhlich der Mosasaurier schaut! Wie ein Hund, dem man ein komplettes Rinderbein mitgebracht hat.

Happy Mosasaur is happy!

Beim zweiten Mal verwackelt hintereinander kann ich es als meinen Stil bezeichnen, oder? (eigenes Foto)

3. Schöne Erfindung Nummer 1: Ein Rollstuhl, der die Welt für Rollstuhlfahrer deutlich alltagstauglicher macht.

Here is the technology that is…

Posted by Funniest And Craziest Videos on Donnerstag, 21. Mai 2015

4. Auch wenn ich vorerst bezweifel, dass die nach Speck schmeckende Rotalge wirklich nach Speck schmeckt, ist es doch eine interessante Bereicherung für die Mittagstische der Welt.

5. Am Dienstag habe ich erstmals an der Flash Fiction Challenge bei Indies Unlimited teilgenommen. Ich stieß da eher zufällig drauf, aber da es grade diese Woche um mein Lieblingsgenre (Science-Fiction) ging, habe ich spontan teilgenommen. Damit bin ich dann Finalist und letztlich Dritter von 13 Teilnehmern geworden. Gar nicht so schlecht. Die Geschichte gibt es hier (letzter Kommentar), ich werde sie demnächst auch leicht angepasst auf Youtube einsprechen.

Sieht doch nett aus, so ein „Finalist“-Schriftzug im Beitrag.

Sieht doch nett aus, so ein „Finalist“-Schriftzug im Beitrag.


Ich werde da sicherlich in Zukunft wieder teilnehmen.
Oh, und die Youtube-Geschichte – dazu später mehr.