Veilchendienstagszug 2018: Ich habe fertig

Es ist mal wieder Veilchendienstag im Lande, der Tag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch, von dem jeder weiss, dass es ihn geben m√ľsste, den aber trotzdem keiner kennt. Und wenn, dann als Mardi Gras genanntes floridanisches Nacktbes√§ufnis. Also quasi das selbe wie Karneval hier auch, nur mit weniger Klamotten und etwas mehr Ballermannstimmung. Etwas. Aber bleiben wir in M√∂nchengladbach, so ungerne man so etwas auch allgemein tun mag.

Ich sollte vielleicht vorausschicken, dass ich nach nur vier Stunden Schlaf und zwei Stunden warten (ich dachte, der Zug fängt ganz normal um 11:11 an, er tat dies aber um 13:11, denn dass Karneval karnevalistisch ist, war dann doch etwas viel erwartet) eventuell nicht begeisterungsfähig genug war, um einen Straßenkarneval zu kommentieren.
Allerdings wird der Beitrag zum Zug dieses Jahr wohl etwas k√ľrzer – es gab einfach nicht viel erz√§hlenswertes.

Doch es ist laut Dein MG der l√§ngste Zug Deutschlands. Ob er wirklich l√§nger ist als die Z√ľge am Vortag in D√ľsseldorf und K√∂ln, wage ich erstmal zu bezweifeln, aber gef√ľhlt kommt das ganz gut hin. Die geringe Zahl an Fotos f√ľr 2018 l√§sst wom√∂glich erahnen, warum. Wenn nicht, schreibe ich eh noch genug dazu. Also, tief Luft holen und los:

Technisch gesehen liegt Weihnachten ja in der Karnevalssaison

Technisch gesehen liegt Weihnachten ja in der Karnevalssaison

Gleich zu Anfang gab es diesmal die alljährliche Seltsamkeit, dass ein Dach des Weihnachtsdorfes mit dem Zug durch die Gegend fuhr. Das darf inzwischen allerdings auch als Tradition zählen. Und wie gesagt: Da der rheinische Karneval vom 11.11. bis Aschermittwoch läuft, ist Weihnachten technisch gesehen ein Karnevalstag.
Immer √Ąrger mit den Bullen

Immer √Ąrger mit den Bullen

Den meisten Aufwand d√ľrfte dieses Jahr die Trabrennbahn betrieben haben, die tats√§chlich einen neuen Wagen aufgebaut haben, um ihr 125. anzuk√ľndigen. Das hat jetzt nichts witziges, aber vielleicht verstehe ich einfach nur den Bezug mit der Kuh nicht.
Ab in den Hardter Dschungel

Ab in den Hardter Dschungel

Man nimmt, was man kriegen kann

Man nimmt, was man kriegen kann

Dass man auch aus dem allj√§hrlich gleichen Wagen jedesmal etwas frisches machen kann, beweist das Minto. Dessen Team schafft jedes Jahr einen neuen Spruch. Er reimt sich, er ist auf Platt, mehr Anspr√ľche habe ich doch an einen Karnevalsspruch nicht. W√§re sogar als Motto geeignet gewesen.
Und dann ist da der Wagen aus Hardt. Der ist wahrscheinlich auch immer gleich, aber er wirkt farblich einfach frischer. Das mag eine Illusion sein, aber dann ist es eine gute.
Nik Eberts, Gladbachs einziger nichtexilierter Komiker

Nik Eberts, Gladbachs einziger nichtexilierter Komiker

Auch die Rheinische Post zeigt jedes Jahr erneut, dass der Aufwand, einen frischen Wagen hinzustellen, nicht annähernd so groß ist, wie manche meinen mögen. Der Wagen bleibt der selbe, aber jedes Jahr ist eine andere aktuelle Karikatur von Nik Ebert drauf.
Klassische Mottowagen sind ja im Grunde dreidimensionale Karikaturen, da ist das ein guter Ansatz f√ľr einen schnell gemachten Mottowagen. Dass wir hier keinen Jacques Tilly haben, macht nichts, wenn man sich nur zu helfen weiss. Dann macht man das halt in 2D.
Leider ist das dann auch der einzige verbliebene Funken Witzigkeit im Gladbacher Karneval. Und auch das Motto findet sich bei den Wagen des Zuges eher selten, es bleibt eine Perlenkette von Pappmachéfahrzeugen.
Lichtgestalt? Fotografier ich doch mit dem kleinen Finger!

Lichtgestalt? Fotografier ich doch mit dem kleinen Finger!

Das war der einzige, der aus dem Motto was gemacht hat, begleitet von einer passenden Fu√ügruppe aus Sonnen und Monden. Von den Fu√ügruppen habe ich leider keine Fotos gemacht, das h√§tte sich wohl viel mehr gelohnt. Denn da ist die Kreativit√§t, die den Wagen so schmerzhaft fehlt. Dass gleich vier Gruppen das Motto „Immer zu zweit – Halt Pohl und All Rheydt“ in Form von Kost√ľmen als rote und gelbe M&Ms interpretiert haben, dar√ľber sei das Naser√ľmpfen anderen √ľberlassen. Ich bin zwar auch eher kommerzkritisch eingestellt, aber das geht schon klar, passiert halt mal.

Ich k√∂nnte jetzt das Lied von 2017 wiederholen. 2018 hat den damals schon g√§nzlich √ľbersehenswerten Zug noch einmal √ľbertroffen. Ich bin in der Tat nach der H√§lfte gegangen, dies aber so, dass ich am gesamten Zug und dem Aufstellungsbereich entlangkam, um trotzdem noch alle Wagen sehen zu k√∂nnen. Es war nichts dabei, was des Fotografierens wert gewesen w√§re.
So wird das nichts, den Zug aus dem Gladbacher Karneval zu streichen ist so kein Verlust mehr. Und das ist schade. Aber das ist halt keine lustige Veranstaltung, das ist nur ein Schaulaufen mit dem die Karnevalsvereine dokumentieren, dass sie existieren. Sch√ľtzenmarsch mit ein paar mehr Farben und mehr Liedern √ľber K√∂ln (aus irgendeinem Grund).

Ich habe erstmal genug. Ich bin inzwischen √ľberzeugt, dass der wirklich gute Zug 2010 (dessen Bilder leider bei einem Serverumzug gefressen wurden) das Korn eines blinden Huhns war. 2019 will ich auf der anderen Seite der Kamera dabei sein. Mit was Witzigem. Ich habe auch schon eine Idee.
Was Gr√ľnes. Was Selbstironisches. Mit ohne Pferde. Wird gut.
Doch darauf m√ľsst ihr jetzt ein Jahr warten.
Aber das ist der Punkt: Der Stra√üenkarneval muss aus der Br√§sigkeitsspirale raus. So, wie jetzt, ist das nix. So wird der in ein paar Jahren sang- und klanglos verschwinden. Dagegen m√ľssen wir anpacken. Apropos, hat jemand mal den Jacques Tilly gefragt, was er davon hielte, seine Wagen einen Tag l√§nger leben zu lassen und nochmal in MG vorzuf√ľhren?


Veilchendienstagszug 2017

Willkommen zur j√§hrlichen Kritik des Veilchendienstagszugs in M√∂nchengladbach. Kurz f√ľr neu Hinzugekommene: In M√∂nchengladbach feiert man den Stra√üenkarneval erst am Dienstag, unter vergleichsweise geringer medialer Aufmerksamkeit. Die Lustigkeit schwankt stark und mein Job hier im Blog ist es, das alles doof zu finden und zu loben, wenn mich mal ein Wagen an meine d√ľsseldorfer Heimat erinnert, wo man Karneval besser kann.

Karnevalswagen zum Vandalismus gegen Karnevalswagen

Sei der Fairnis halber erwähnt

Man muss ohne Frage erwähnen, dass der Karneval in Mönchengladbach 2017 mit einem Vandalismusproblem zu kämpfen hatte. Unbekannte sind in die Halle auf dem aufgegebenen Gelände der britischen Instandhaltungseinheit REME eingedrungen und haben die dort zwischen den Jahren aufbewahrten Wagen teilweise schwer beschädigt. Ich werde dies nicht weiter bewerten, da ich mir selber uneins bin, ob darin nicht auch eine Chance lag, endlich von den jedes Jahr nahezu identischen Prunkwagen wegzukommen, die den hiesigen Karneval beherrschen und ihm seine Langweiligkeit geben. Aber selbstverständlich ist das bei der hiesigen Karnevalsstruktur ein herber Verlust auch an Zeit und Kraft, die in die Reparatur der Wagen fließen musste. Der obige Wagen thematisiert das, auch wenn er mir nicht so aussieht, als wäre er selbst dann sonderlich toll gewesen, wenn er fertig geworden wäre. Wie ein Blick auf das Jahr 2015 beweist. Auch ein Bildwitz braucht Witz.

Das ich √ľberhaupt hier berichte, ist dieses Jahr ein Unfall: Eigentlich wollte ich mit einer Fu√ügruppe zu Tihange mitlaufen, die musste aber leider wegen einer Grippewelle ausfallen. Sehr schade. Wer meine Zugkritiken kennt weiss, dass ich hohe Anspr√ľche an die konzeptionelle Qualit√§t der Beitr√§ge stelle. Ich meine, ich bin D√ľsseldorfer, wir stellen grunds√§tzlich immer hohe Anspr√ľche an alles.

Karikatur, in der Angela Merkel Vampire in Gestalt von Trump, Putin und Erdogan abzuwehren versucht

Apropos Bildwitz

Die Rheinische Post hat einen sehr effektiven Weg gefunden, jährlich ein aktuelles Motiv mitzufahren. Das ist fraglos eine der Gladbacher Sachen, die funktionieren.
Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Aber auch der Hauptwagen der Rheinischen Pest fährt einen aktuellen Bezug. Dem bin ich jetzt zwar thematisch nicht wirklich affin (als wären Falschmeldungen ein reines Internetphänomen), aber er ist optisch wie konzeptionell witzig umgesetzt.
Wagen mit Werbung des Einkaufzentrums Minto

Werbeeinblendung

Was mal wieder auffiel, waren die reinen Werbewagen. Jener des Einkaufszentrums Minto war wenigstens unfreiwillig komisch und hat einen j√§hrlich wechselnden Spruch, der Rest geh√∂rt zur Kategorie „alle Jahre wieder das selbe.“
Trump als Drache

Okay, das ist immerhin eine halbe Idee. Nächstes Jahr dann die andere Hälfte?

Die KG Holt darf sich ein paar Sonderpunkte daf√ľr aufschreiben, ihren Wagen genutzt zu haben, um Platz f√ľr ein politisches Motiv zu haben. Ich weiss zwar nicht genau, was uns der Drache mit Trumps Kopf sagen will, aber es ist immerhin schonmal ein erkennbar politisches Motiv. Das ist mehr als alle anderen geschafft haben. Dorfbroich h√§tte diese Fl√§che √ľbrigens auch, stellt aber lieber eine etwas uninspirierte Narrenfigur drauf. N√§chstes Jahr dann, Dorfbroich?
Die Sparkasse treibt's bunt

Die Sparkasse treibt’s bunt

Der Preis f√ľr das gruseligste Motiv geht an die Sparkasse f√ľr den √ľber die Weltkugel schmelzenden Wasserturm. Das hat ohne Zweifel einen Hauch H.P. Lovecraft.
Aufschrift: „Wir lieben die Welt&hellip…der M√§use“

Aufschrift: „Wir lieben die Welt……der M√§use“

Die Volksbank bekommt den Sonderpreis f√ľr das witzige Detail des Jahres mit dem Heckaufkleber ihres Wagen. Ein richtiger Witz! Im Gladbacher Karneval! Das kann nur ein Irrtum sein.
vdz-2017-eulenvdz-2017-oktopusseBeim besten Kost√ľm d√ľrfen sich die Eulen aus Neuwerk mit den Kraken aus Windberg bekakeln. Der Rest der Menschheit darf jetzt nach „bekakeln“ googeln.
tdf-vdz-2017Den Wagen zur Tour de France 2017, die am 2. Juli auch unsere Stadt durchfahren wird, sollte man wegen seines Aufwandes durchaus mal erwähnt haben. Aber sonst auch wegen nichts.

Insgesamt fand ich den Zug 2017 sehr langweilig. Nach der H√§lfte wollte ich gehen. Nachdem ich etwas vor dem Ende in der Gruppenplanung sehen konnte, dass nur noch wenige der bereits angesprochenen witzlosen Prunkwagen und ein par Musikkapellen folgten, tat ich dies auch und wurde nur davon aufgehalten, dass ich im Publikum noch einen Freund traf. Karneval wurde 2017 in Gladbach mit X geschrieben. Wie in „nix“.
Ich verstehe das nicht. Ich kenne kein Volk, das besser meckern kann als die Gladbacher. Warum haben wir dann einen so handzahmen Karneval?


Veilchendienstagszug 2016

Vorgeplänkel

Es gilt weiterhin, was ich letztes Jahr schon schrieb:

So sehr ich den rheinischen Karneval mit seiner Schunkelei und dem Schenkelklopferhumor auch verachte, und so sehr ich auch ein ausgepr√§gtes Unwohlsein in der N√§he von Clowns und kost√ľmierten Menschen versp√ľre, eines hat auch mir doch immer gefallen: Der Stra√üenkarneval mit seinem Zug/Zuch/Zoch (je nach Regiolekt).

Wenig weiss ich mehr zu sch√§tzen als gute Satire und die gro√üen Karnevalsz√ľge im Rheinland tragen diese quasi als Markenzeichen. Das ist zwar in D√ľsseldorf und K√∂ln gegenw√§rtig vor allem dem ebenso unerm√ľdlichen wie pointenstarken Wagenbauer Jacques Tilly zu verdanken, aber auch M√∂nchengladbach, mit dem einzigen gro√üen Zug am Veilchendienstag in Deutschland (New Orleans ist keine so direkte Konkurrenz), zeigte hier immer wieder Potenzial. 2010 war ein in diesem Sinne sehr guter Zug, 2015 zeigte Potenzial.
Auf 2016 war ich sehr gespannt, weil Bernd Gothe, der Vorsitzende des M√∂nchengladbacher Karnevalsvereins (MKV) eine Neuausrichtung des Gladbacher Karnevals angek√ľndigt hatte. Richtig konzipiert h√§tte das Ansinnen, nicht mehr direkt mit den anderen Hochburgen zu konkurrieren viel Potenzial f√ľr einen ganz eigenen Zug. Es hatte aber auch das Potenzial, in der Praxis zu einem „Unser Karneval soll √∂mmeliger werden“ zu katastrophieren. Also, was ist es geworden? Nun:

Die Bestechung

Eine Ausbeute an Wurfmaterial , wie ich sie sonst nur aus meiner Kindheit in D√ľsseldorf kenne ist schonmal nicht schlecht. Das lag auch daran, dass ich kurz vor Ende des Zuges meine erh√∂hte Fotografierposition aufgab und direkt an den Stra√üenrand ging. W√§ren mir nicht irgendwann die Jacken- und Hosentaschen ausgegangen, es s√§he noch besser aus.
Jetzt habe ich neben einem Bumerang, Einkaufs-Chip und Quietscheentchen noch ein-zwei S√ľ√üigkeiten einstecken k√∂nnen:

Ein Einkaufswagenchip! Wie cool ist das denn?

Ein Einkaufswagenchip! Wie cool ist das denn?

Also, bestochen wurde ich schonmal gut, aber ich bin bekanntlich unbestechlich.

Disclaimer

Wenn ich mopper, dann weil ich gesehen habe, wie viel besser der Karneval in MG sein kann, wenn er sich traut, Eisen anzupacken und nicht, weil ich dem Zug B√∂ses will. Im Gegenteil, ich sehne mich gradezu nach einem Veilchendienstagszug mit Chuzpe. Deswegen messe ich ihn an den Z√ľgen der drei Rosenmontagshochburgen und auch an fr√ľheren Z√ľgen in M√∂nchengladbach. Denn fr√ľher und anderswo ist immer alles besser.

Der Zug

P√ľnktlich zu Beginn zog der Regen ab und das bisschen Gedr√∂ppel zwischendurch z√§hlt nicht, also gute meteorologische Voraussetzungen f√ľr einen gelungenen Zug. Dass der erste Wagen Werbung f√ľr die Ritterfestspiele auf Schloss Rheydt als Kamelle warf, ergab einen etwas befremdlichen Auftakt, aber nun gut.
Allerdings war das auch der Einstieg in das, was den Zug durchzog: Er war nicht lustig, daf√ľr war er aber repr√§sentativ. Die Karnevalsvereine zeigten wie jedes Jahr ihre Prunkwagen vor, wie √ľblich mit einer aktualisierten Jahreszahl in der Bemalung, fertig ist der Karnevalswagen. Sehr repr√§sentativ, aber auch sehr, sehr langweilig.
Daneben wurde wie gro√ü in der Presse angek√ľndigt der Rumpf einer Junkers F13 durch die Gegend kutschiert, gefolgt von einer Art Diorama aus Bauteilen des Gladbacher Weihnachtsmarktes mit Werbung f√ľr eben jenen Markt. Es folgte das Minto, das sich wenigstens die M√ľhe gab, ein Motto auf Platt auf den Wagen zu malen. Alle drei Wagen w√§ren hervorragend f√ľr eine Art Stadtparade, die man etwa zum Eine-Stadt-Fest zwischen Rheydt und Gladbach fahren lassen k√∂nnte (Hey, MGMG, wie w√§re es mit einer solchen Stadtparade zum Eine-Stadt-Fest?), aber wenig n√§rrisch oder gar lustig.

Ja, ein kaputtes Flugzeug. T√§t√§, t√§t√§, t√§t√§!?! Oka,y das ist ein bisschen unfair der historischen Bedeutung der Junkers F13 gegen√ľber, aber mal im Ernst, das ist ein Karnevalszug!

Ja, ein kaputtes Flugzeug. T√§t√§, t√§t√§, t√§t√§!?! Okay, das ist ein bisschen unfair der historischen Bedeutung der Junkers F13 gegen√ľber, aber mal im Ernst, das ist ein Karnevalszug!

Ja, okay, warum nicht

Ja, okay, warum nicht

Nein, viel lustiger wird's nicht, aber sie haben sich mit dem Spruch wenigstens M√ľhe gegeben

Nein, viel lustiger wird’s nicht, aber sie haben sich mit dem Spruch wenigstens M√ľhe gegeben

Motto des Zuges war dieses Jahr „M’r donnt wat m’r k√∂nne“, was mich durchaus zu begeistern wusste. Ich nahm es als positives Zeichen, dass M√∂nchengladbach endlich mal ein Motto auf Platt hat, wie sich das f√ľr Karneval geh√∂rt. Gleich zu Anfang lief ein Typ quer und jenseits von Reih und Glied durch den Zug und hielt ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: „Ech donn wat ech will!“ Die R√ľckseite des Schildes war ein Spiegel. Dieser Mann hat eine Medaille verdient.
Man kann das Motto durchaus positiv lesen und dazu war ich auch bereit. Was ich nicht ahnte war dabei, dass die Liste dessen, was wir k√∂nnen offenbar keinen Eintrag „lustig“ umfasst. Zu denken geben sollte mir dabei, dass auch der heimische Karikaturist Nik Ebert den Spruch in seinem Beitrag zum Thema st√§dtische Sauberkeit in seiner negativen Auslegung umsetzte. Und immerhin war er derjenige, der dieses Motto vorgeschlagen hatte!
Die M√ľlltonne sagt: „Na los! Versuch's nochmal!“

Die M√ľlltonne sagt: „Na los! Versuch’s nochmal!“

Daneben verdankt der Zug Ebert aber in Form der jährlichen rollenden RP-Karikatur auch den einzigen Wagen mit politischer Aussage. Dass diese beiden Wagen recht einfach zu gestalten waren, da es ja nur fahrende Plakatwände sind, kommt Eberts Motiven sicherlich zu Gute. Vielleicht wären mehr solcher Wagen ein Ansatz, um auch in Zukunft Satire im Zug zu haben? Es ist nicht so, als wäre die Heimatstadt von Nik Ebert und Volker Fucking Pispers der politischen Spitzen unfähig, auch wenn man das bei ihrem Karneval ab und an glauben könnte.
Eine Seltenheit 2016, Politik auf dem Korn! Das Asylrecht mit Rennreifen von Nik Ebert

Eine Seltenheit 2016, Politik auf dem Korn! Das Asylrecht mit Rennreifen von Nik Ebert

Lokalpolitisch gab es genau einen aktuellen Bezug, der KjG aus Hardt nahm sich der 30er- und 40er-Zonen in der Stadt an, mit Kappen in Form von Autos und einem Spruch auf dem Wagen. Ich muss damit nicht √ľbereinstimmen, um das gut und vor allem karnevalistisch zu finden. Daumen hoch f√ľr den einzigen lokalpolitischen Beitrag des ganzen Zuges 2016!
Auf dem Wagen steht etwas zu klein f√ľr das Foto: „30, 40 statt 50. Gladbachs Blitzer sind nicht g√ľnstig“

Auf dem Wagen steht etwas zu klein f√ľr das Foto: „30, 40 statt 50. Gladbachs Blitzer sind nicht g√ľnstig“

Okay, es gab noch ein lokalpolitisches Motiv, aber das war ein wenig √§lter. Bernd Gothe hatte zuvor zur Neukonzeption auch angek√ľndigt, es werde beim Zug „Nostalgiewagen“ geben, also Nachbauten alter Wagen, deren Erinnerung wachgehalten werden soll. Ich m√∂chte das Ergebnis nicht zu sehr kleinmachen, der Wagen zur Umbenennung von M√ľnchen-Gladbach in M√∂nchengladbach aus dem Jahre 1949 ist solide, wenn auch etwas fad. Die Idee, das Ereignis sinnbildlich durch einen Bayern und einen M√∂nch darzustellen, ist durchaus eine neue Auff√ľhrung wert. Nur sonderlich aktuell ist das nat√ľrlich nicht.
Du weisst, der Karneval hat ein Problem, wenn selbst der Karnevalsverband impliziert, dass der Karneval fr√ľher besser war. Allerdings hat er damit ja auch Recht.

Du weisst, der Karneval hat ein Problem, wenn selbst der Karnevalsverband impliziert, dass der Karneval fr√ľher besser war. Allerdings hat er damit ja auch Recht.

Ehrenthalber erw√§hnt sei noch der von der Pressestelle der Stadt gro√ü angek√ľndigte Fairtrade-Wagen, der 2016 erstmals mitfuhr. Tats√§chlich einer der gr√∂√üten Wagen der Parade, wenn auch einer in der langen Reihe konzeptionell nicht weiter erw√§hnenswerter Beitr√§ge wie die Prunkwagen: Da, aber es findet sich nichts lustiges daran. In einem starken Zug ein willkommener Einschub, so aber nur ein weiteres Glied einer durchweg langweiligen Kette.
Allerdings der aufwändigste und einer der schönsten Prunkwagen im Zug

Allerdings der aufwändigste und einer der schönsten Prunkwagen im Zug

Alles in allem, wie schon angeklungen, ein furchtbar langweiliger Zug, der allein deswegen ein paar Perlen aufwies, weil sich dies bei etwa 50 beitragenden Gruppen praktisch nicht vermeiden lie√ü. Die Ansage des Karnevalsverbands war, gar nicht erst zu versuchen, mit D√ľsseldorf und K√∂ln zu konkurrieren, sondern etwas ganz eigenes zu versuchen. Daf√ľr steht auch das diesj√§hrige Motto, aber das ist gradezu eine Verleumdung, denn der Gladbacher Stra√üenkarneval kann durchaus auch lustig und bissig sein, das hat er in vergangenen Jahren immer mal wieder bewiesen. Das Ergebnis ist der langweiligste Zug, den ich bislang in einer Gro√üstadt erlebt habe. Allerdings weiss der sich zu retten: Selbst ein langweiliger Gladbacher Zug weiss die Zuschauer mit Musik und S√ľ√üigkeiten bei Laune zu halten.
Und ganz klare Sache: Wenn wir nun an der Talsohle sind, so kann es nur noch aufw√§rts gehen. Ich h√§tte offen gestanden nicht √ľbel Lust, eine Gegenveranstaltung aufzumachen, Arbeitstitel „Karneval in lustig!“ Vielleicht j√§hrlich tags√ľber zu Silvester als Jahresr√ľckblick, gezielt mit politisch bissigen Wagen und Satire? Etwas, was schon im Konzept jede Br√§sigkeit verhindert. Ich meine, Silvester liegt ja auch zwischen Hoppediz‘ Erwachen und Aschermittwoch.

Herr Prisac, √ľbernehmen Sie!

Selbst mit Bildstörung ziehe ich dieses Jahr ganz klar Prisacs Miniatur-Zug vor, der Mann weiss, wie man standesgemäß moppert und dabei unterhält. Das gehört einfach als alleroberstes zu den Dingen, die ich von einem gelungenen Karnevalszug erwarte.

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Veilchendienstagszug 2015

Es gilt: Bildchen klicken f√ľr gr√∂√üere Ansicht (Laden kann je nach Verbindung etwas dauern).

Vorgeplänkel

So sehr ich den rheinischen Karneval mit seiner Schunkelei und dem Schenkelklopferhumor auch verachte, und so sehr ich auch ein ausgepr√§gtes Unwohlsein in der N√§he von Clowns und kost√ľmierten Menschen versp√ľre, eines hat auch mir doch immer gefallen: Der Stra√üenkarneval mit seinem Zug/Zuch/Zoch (je nach Regiolekt).
Insbesondere die Rosenmontagsz√ľge fahren dabei kreativ gestaltete Wagen mit Skulptur gewordenen Karikaturen auf, die man nur hier einmalig sehen kann. Viel davon ist nat√ľrlich auch dem K√∂nig der Wagenbauer, Jacques Tilly, zu verdanken.
Ich habe zuletzt 2010 √ľber den Zug geschrieben (damals unter anderer URI, weswegen momentan die Bilder fehlen, das will ich noch nachbessern sobald ich das Backup des damaligen Upload-Ordners finde). Damals stand M√∂nchengladbach durchaus in dieser karnevalistischen Tradition der politischen Themenwagen, bei denen mit Kreativit√§t und viel Arbeit so wundersch√∂n auf die Politik, lokal wie national, gekloppt wurde.
Seit 2012 hat Mönchengladbach dieses Element weitgehend verloren, von 2013 war ich so enttäuscht, dass ich den Besuch 2014 kurzerhand ausgelassen habe. Und jetzt ist 2015. Mal schauen, wie sich der Gladbacher Zuch gemacht hat.

Immerhin gab es trotz meines daf√ľr ung√ľnstigen (aber f√ľrs Fotografieren superen) Standortes ganz gut Kamelle. Ich frage mich, was schneller ist, mein Fotofinger oder meine Zahnreihen…

Mein Psychiater meint, ich sollte mir selbst keine rhetorischen Fragen stellen, das sei seltsam

Disclaimer

Wenn ich mopper, dann weil ich gesehen habe, wie viel besser der Karneval in MG sein kann, wenn er sich traut, Eisen anzupacken und nicht, weil ich dem Zug B√∂ses will. Im Gegenteil, ich sehne mich gradezu nach einem Veilchendienstagszug mit Chuzpe. Deswegen messe ich ihn an den Z√ľgen der drei Rosenmontagshochburgen und auch an fr√ľheren Z√ľgen in M√∂nchengladbach. Denn fr√ľher und anderswo ist immer alles besser.

Der Zuch

Fangen wir positiv an: Die Fußgruppen waren sehr schön und kreativ umgesetzt, selbst die Bollerwagen zum Transport des Wurfmaterials waren entsprechend dem Jahresmotto verkleidet, meist als Drachen.
Das Motto war auch recht gut: „Gladbach hat auf jeden Fall ‚Äėnen saaagenhaften Karneval“ ist mit seinem Anklang von Lautmalerei um L√§ngen besser als die in dieser Stadt leider sehr unkarnevalistisch hochdeutsch-br√§sige Mottotradition. Und das ohne den Erfinder des Mottos (Nik Ebert, bekannt als Karikaturist f√ľr die lokale Rheinische Post) auszutauschen. Lernt da wer dazu? Sehr sch√∂n!

Und jetzt zur Bissigkeit.
Den bissigsten lokalen Wagen habe ich leider zu Fotografieren verpasst, ein Fu√ügruppenbegleitw√§gelchen (Deutsche Sprache, du Kompositaparadies!) mit der Beschriftung „Gladbach verzockt? Minto, JHQ, Masterplan“. Nicht ganz 2010 mit seinem ein Cable Car die Hindenburgstra√üe hochkurbelnden Oberb√ľrgermeister Bude, aber das Herz sitzt am rechten Fleck. Nicht jeder kann einen gro√üen Wagen mit komplexem Figurenaufbau herstellen und das ist v√∂llig okay.
Eher unfreiwillig politisch scheint mir dieser Wagen, den auch die Peta hätte einsetzen können:
Ja, da sind zwei Clowns im K√§fig. Artgerechte Haltung f√ľr Clowns, wenn ihr mich fragt.
Und passend dazu eine Fu√ügruppe in Baumkost√ľmen. Denn diese d√ľrften im Tiergarten bleiben, weil sie leise sind (Bezug).

Schild mit Text dazu leider nicht im Bild, hab ich zu spät gesehen


Gummipunkte gibt es von mir f√ľr die Junge Union. Schilderwald. Jetzt nicht so das Knallerthema und es gibt sch√∂nere Wagendesigns, aber immer wieder gern genommen und den Gedanken, etwas Politik in den Zug zu bringen, muss man einfach mal anerkennen. Ignoriert mein Gemopper, der Weg ist der Richtige. Mehr davon! Go, Christdemokraten!

Heyho, Junge Union! Dabei hab ich gar nicht getrunken. Zumindest nicht SO viel


Okay, ich habe die JU gelobt. Also, ein bisschen. Wie toppe ich das? Nun, ich lobe jetzt auch noch die Rheinische Post! Die hat das einfache Prinzip, auf einem immergleichen Wagen jedes Jahr ein anderes Nik-Ebert-Motiv zu zeigen, in 2D auf einer weissen Wand. Nicht wirklich die Hohekunst des Wagenbaus, aber das Motiv hat jeden Respekt verdient. Hier ist M√∂nchengladbachs Charlie-Hebdo-Motiv, wegen dem ich den RP-L√§ufern auch die Shirts mit der Aufschrift „Charlie RP“ verzeihe.

Ohne Worte, aber komischerweise mit Dialog... ich bin ja schon ruhig


Erw√§hnt seien noch ganze zwei richtige Motivwagen zu √ľberregionalen politischen Themen:

Flughafen Berlin

Bundesuschi in Aktion


Erwähnenswert noch ein paar Wagen die beweisen, dass das wagenbauerische Talent durchaus da ist, aber nicht genutzt wird, um mal etwas gewagtere Motive aufzubauen. Schade, aber trotzdem schöne Wagen.

Schuhthron

Teufelei

Lokomotufftuff

Schweinderl


Und dann war da noch die gr√∂√üte aller Legenden dieser Stadt, unser stadteigenes Ungeheuer, unser Star f√ľrs Boulevard, Vernichter von Dackeln und Verschrecker von Hausfrauen. Kuno samt Dackel, auch wenn mein Autofokus die R√ľckseite des Halteverbotsschildes wohl wesentlich interessanter fand. Naja, ein Fisch der darf auch mal verschwommen sein.

Rock On, Killerwels vom Volksgartenweiher, du bist cool


Ganz im Ernst, der Gladbacher Karneval ist ein kurzweiliger Zug und kann schon was. Ich finde nur, er lässt sehr viel Potenzial liegen. Vielleicht brauchen wir wirklich einen eigenen Jacques Tilly, der mit seinen Wagen etwas Pepp in die Sache bringt und andere herausfordert, es ihm gleichzutun. Vielleicht kann ja jemand Prisac einen Wagenbauerkurs geben? Der ist im Moment bei Playmobil und hätte sich nach den letzten Jahren ein Upgrade auf Pappmaché redlich verdient. Apropos, hier sein Veilchendienstagszug 2015:

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Seht ihr, so sieht Karnevall aus, √ľber den ich nicht mecker. Okay, das Intro ist vielleicht etwas zu la… ist ja schon gut!

Ausserdem gelernt

  • √úber Blackface regen sich ausserhalb der USA (wo das einen besonderen kulturhistorischen Hintergrund hat) nur Weisse auf. Schwarze sind von als Jamaikanern verkleideten Bl√§sern begeistert und wenn sie bis dahin am Rand des Zuges nur ein bisschen gewippt haben, fangen sie an zu h√ľpfen. Mindestens drei jedenfalls.
  • Der Chefredakteur der RP wirft mir manchmal B√§lle zu. Ich kann die aber gekonnt abwehren.
  • Manche Witze halten sich versteckt. Ich fand einen im Ziehwagen f√ľr Wurfmaterial halb vergrabenen Wellpappkarton klasse, einer der sch√∂nsten Spr√ľche dieses Zuges: „Well, it’s Pappe“ – ich weiss, ich bin seltsam
  • Es gibt eine Ritter Sport Kakao-Keks. Warum hat mir das keiner gesagt? Wo krieg ich die g√ľnstig? So ungef√§hr 1x die Jahresproduktion. Die is lecker!
  • Die Android-Autokorrektur kennt VDZ nicht und √§ndert es in vdH, was ich wiederum nicht kenne. Huh.
  • Politiker sind quer durch den Zug zu finden, aber grunds√§tzlich nur auf den wirklich langweiligen Wagen, die sich damit begn√ľgen, ein paar Kamellewerfer auf einen themenneutralen Pappmach√©quader zu setzen

MG Relevant: Veilchendienstag gibt Laut

M√∂nchengladbach, unter den Karnevalshochburgen die einzige, die nicht am Rosenmontag, sondern am darauf folgenden Veilchendienstag zieht, wird gerne mal unterschlagen. Haupts√§chlich, weil die gro√üen Fernsehsender der region alle in K√∂ln sitzen (RTL, WDR…), wo man noch nie davon geh√∂rt hat, dass der Dienstag zwischen Rosenmontag und Aschermittwoch auch einen Namen hat.
Nun leidet der Gladbacher Stra√üenkarneval aber auch darunter, dass er gew√∂hnlich wenig interessante Wagen hat. Ich meine, sie sehen h√ľbsch aus, aber anders als etwa in K√∂ln und D√ľsseldorf ziert sie nur selten eine Aussage – der Gladbacher Karneval ist h√ľbsch, aber unpolitisch. Man findet also im allgemeinen die Namen der Karnevalvereine auf den Wagen und dazwischen den ein oder anderen Fu√üballwagen.

Doch in einem f√ľr die Stadt ungew√∂hnlichen Fall von „So, jetzt packen wir mal was an“ hat sich das dieses Jahr dann doch leicht ge√§ndert. Und prompt gibt es ein paar auch √ľber die Stadtgrenzen hinaus vorstellenswerte Wagen. Oder zumindest mehr Politik als sonst.
Den wagen zur Fu√üballweltmeisterschaft 2011 habe ich leider nicht scharf drauf bekommen (der Autofokus hat sich auf einen Ast vor mir eingestellt), daf√ľr fange ich mit dem vielleicht kontroversesten wagen des Jahres in der Stadt an:

Ich bin eher ungl√ľcklich √ľber den Nahost-Bezug als √ľber das Motiv und den Satz darunter. Aber das ist jetzt nicht der Ort f√ľr diese Diskussion.

Die Rheindahlener haben ihr Flughafenthema gleich mehrfach politisiert, nicht schlecht.
Den Anfang macht die voraussichtliche Schlie√üung des „Flughafens“ Verkehrslandeplatz M√∂nchengladbach (mit diversen ehemaligen Zielen von dort aus mit dem Vermerk „canceled“), die Seite ist dann ein eher normaler Themenwagen und hinten kriegen wir nochmal was zum Nacktscanner geliefert, womit man auch dem diesj√§hrigen Zugmottot („Klamotte maake L√ľ√ľt“) gen√ľge getan hat:



Lustigerweise folgte diesem gleich der Wagen der AirBerlin:

Nicht weit dahinter der (erste) Wagen zur Koalition: Die Gladbacher Schildkröte mit abgeschlagenem schwarzen Kopf und einer Ampel als Ersatz. Der Kopf ist neu, der Körper hat immer noch die selben Stummelbeine.

Der Wagen stammt √ľbrigens aus einem Designwettbewerb der Rheinischen Post. Die hat auch selber Koalitionen thematisiert und bringt den wohl selbstironischsten RP-Wagen aller Zeiten (Absicht?). Wobei das bei den D√ľsseldorfern, von denen der Wagen offenbar stammt (vermute ich mal wegen dem Funkturm), nicht ganz so schlimm ist wie hier in MG.

Etwas weiter hinten findet sich noch ein Ampelwagen: Die Junge Union M√∂nchengladbach kommt mit einem umgebauten Baucontainer daher, mit der bestenfalls halbwegs originellen Beschriftung „Zu schnell f√ľr jede Ampel“. Lustig ist das nur, weil der Wagen sich wie alle anderen mit ca. 5 km/h vorw√§rts bewegt – und die Ampel 23 Pl√§tze weiter vorne vorwegf√§hrt. Als Schildkr√∂te! Pepp ist was anderes.
Hätte funktioniert, wenn die JU den Wagenplatz direkt vor der Ampelschildkröte bekommen hätte. Aber auch dann nur aus Zufall.

N√§chstes mal mehr anstrengen, bitte, ist ja peinlich…

Einfach nur Pech hatte der Guido/Merkel-Wagen.
„Minister f√ľr √Ąusseres“ ist so herrlich subtil und dann sehen wir einen Westerwelle auf merkels Dekollet√© fliegen – was funktioniert, bis man merkt, dass der doch schwul war. Naja, dumm gelaufen.

Und noch ein letzter Ampelwagen: Das √Ėmchen strickt dem Wasserturm M√∂nchengladbach eine neue M√ľtze aus rot-gr√ľn-gelber Wolle.

Bleibt zu hoffen, dass der Gladbacher Karneval weiter daran arbeitet, mehr als nur eine Wagenparade zu sein und sich öfter mal traut, auch Themen anzupacken. Teils aber auch bitte mit mehr Biss, das ist teils doch noch recht lahm. Wobei, wir haben halt keinen Jacques Tilly hier, der mal eben 5 Themenwagen pro Jahr baut, jeder davon ein Highlight.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Die Quantität stimmt schonmal: Geschätzte 5-6 km Zug sind ordentlich. Und auch an Internationalität mangelt es nicht: Neben Musikern aus den Niederlanden fuhr auch ein Wagen des Spreewaldhofs mit, dessen Besatzung mit Gurken um sich warf.