Sieben am Sonntag 10.09.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Arpeggio of Blue Steel war eine sehr gute computeranimierte Animeserie über den Widerstand eines U-Bootes gegen eine mysteriöse Flotte, die die Weltmeere kurzerhand zur Sperrzone für alle menschlichen Schiffe erklärt hat, was für Länder wie Japan zu einer wirtschaftlichen Katastrophe wurde.
Eine Besonderheit der Serie war ihr Titelsong, der nicht allein steht, sondern zu dem ein komplettes Lied gehört. Das sprachliche Durcheinander ist dabei für japanische Liedtexte nicht untypisch, hier ist es mal Japanisch und Englisch, die Kombination mit Deutsch ist aber ebenfalls beliebt. Letzteres sieht man auch in der Serie, die hier und da Nietzsche-Zitate in der deutschen Originalfassung einsprengt.
Hier nun das komplette Lied mitsamt dem dazugehörigen Video, welches eine ganz andere Thematik angeht als der Anime, für den es produziert wurde.

Lesung der Woche

Komisch, der Text enthielt doch gar nicht das Wort "Hatschi" - BIld: Thomas Maria Claßen

Komisch, der Text enthielt doch gar nicht das Wort „Hatschi“ – Bild: Thomas Maria Claßen

Im Rahmen der Buchaktiv-Aktion in der Schauzeit gab es heute auch einen Nachmittag mit Lesungen. Neben Inge Jansen, Kirstin Grabowski, Karl-Heinz Thifessen, Thomas Maria Claßen und Arnold Küsters durfte auch ich hier aus meinem Kurzgeschichtenfundus vortragen und wählte dazu drei meiner Kurzgeschichten – zwei sehr kurze und eine etwas längere (Späte Rache, Invasiv und Schicht).
Das war eine sehr schöne Veranstaltung mit gutem Publikum und einer angenehmen Vielfalt an Lesenden. Für Buchaktiv das Highlight der Veranstaltung. Mal schauen, wann wir sowas wiederholen.
Das Buch dazu erscheint dann im Oktober, die Kurzgeschichtensammlung Stückwerk. Stückwerk ist nicht ganz eine direkte Übersetzung von How to Sing Butterflies als vielmehr dessen deutsches Gegenstück, in dem viele Geschichten übersetzt eingeflossen sind, aber auch neue Geschichten dazukommen.

Beleuchtung der Woche

Kerze in Form einer Hand, von der nach dem Abbrennen das Skelett übrig bleibt

Sehr handlich. Und nein, dafür werde ich mich nicht entschuldigen, egal, wie flach der war – Bild: Fancy/

De Vergänglichkeit von Kerzen hat nun ein Ende, denn von dieser Kerze bleibt ein Skelett zurück. Und zwischendurch blutet sie hübsch.
Is doch mal eine nette Idee, was man mit ein wenig rotem Wachs und einem nicht brennbaren Kern so machen kann. Perfekt für die anstehende Halloween-Vorsaison.
Aktuell 35 $ bei Fancy.

Rausschmiss der Woche

Heckler & Koch hat recht plötzlich seinen Vorstandsvorsitzenden gefeuert. Das allein würde es noch nicht in diese Liste bringen, was interessiert mich der Rausschmiss irgendeines Managers bei einem Rüstungskonzern.
Nein, wirklich interessant wird das erst im Kontext, der so richtig tief blicken lässt: Besagter Manager war es, der kurz zuvor öffentlich verkündete, die Firma wolle künftig keine Waffen mehr in Krisengebiete liefern.
Was andere als eine absolute Mindestanforderung an die ethische Verantwortung von Rüstungskonzernen sehen, galt intern wohl als geschäftsschädigendes Verhalten. Denn bei Heckler & Koch sieht man lieber Kinder sterben als Umsätze sinken. Schön, dass die das so deutlich klargestellt haben. Wie im Frmenmotto angedeutet: „Keine Kompromisse!“ Eigentlich schade, dass ich von denen als Nichtkunde nichts boykottieren kann.

Tierchen der Woche

Raupe des Buchen-Streckfußes

Haarige Rettung: Raupe des Buchen-Streckfußes

Schwalbenschwanzraupe

Schwalbenschwanzraupe in Farbe und bunt

Tagpfauenauge

Und mal ein Erwachsener hier: Tagpfauenauge

Irgendwie hatte ich eine kleine Insektenwoche, sepziell eine Schmetterlingswoche. Am Montag begegneten mir unterwegs gleich zwei Raupen in Not. Zunächst eine aus dem Baum gefallene Raupe des Buch-Streckfußes. Ich stellte später fest, dass ich richtig vermutet hatte, als ich sie in die nahe Buche setzte. So, wie sie sich sofort nach den Blättern streckte, als sie in die Nähe der Buche kam, schien mir das aber auch recht eindeutig.
Es folgte ein paar hundert Meter weiter eine sehr bunte Raupe, die auf dem Bürgersteig neben einer Blumenwiese lag. Diese tat ich einfach in die Wiese zurück. Sie stellte sich als schwer angeschlagene Raupe eines Schwalbenschwanzes heraus. So, wie sie aussah, hatte sie irgendetwas gestört, als sie grade dabei war, ihren Kokon zu bauen.
Und heute dann folgte ein wahrer Schwarm an Schmetterlingen. In den Brennnesseln der Dahler Oase waren die dort massenhaft auftretenden Raupen des Tagpfauenauges zu Faltern herangereift und saßen nun überall auf den Wegen herum, um sich zu sonnen.

Foto der Woche

Fotografie von Fotografen, die eine Katze fotografieren

Mau? – Bild: Pictures in History/Facebook via John Osinski

Wer eine historischer Persönlichkeit ist und wer nicht, nimmt manchmal kuriose Züge an. So war etwa Bill Clintons Katze Socks in den 90ern durchaus ein kleiner Medienstar. Was natürlich Aufmerksamkeit bedeutet und die mögen Katzen allgemein nur, wenn sie selbst entscheiden, wann ihnen diese zuteil wird. Entsprechend genervt stelle ich mir ihren Gemütszustand auf diesem Bild vor.

Fahrrad der Woche

Das darkste Einhorn seit langem - Bild: Deviantart/Easterforest92

Das darkste Einhorn seit langem – Bild: Deviantart/Easterforest92

Ich bin nicht sicher, ob Easterforest92 bei Deviantart Deutscher ist, aber das hier ist sein FP (Fahrradpanzer) 9. Die „Kühlerfigur“ ist ja schon so sehr hübsch, aber das kleine Detail mit den am Lenker angebrachten Zügeln ist noch mal eine schöne kleine Detailverliebtheit.


Sieben am Sonntag 26.03.2017

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.

Musik der Woche

Ich habe mich einige Zeit schon gefragt, wo der Sinn darin liegt, Die Schöne und das Biest als Realfilm neu zu verfilmen. Und zwar nicht das Buch, sondern das Drehbuch zur Disney-Version. Ich meine, der Film war so gut wie perfekt. Was ich dabei natürlich nicht bedacht hatte war, dass Deadpool in dem Film nicht vorkam. Glücklicherweise haben ein paar Fans auf Youtube dieses Manko ausgleichen können.

Handyzubehör der Woche

Ein Hund wird mit einem tennisball dazu gebracht, in die Kamera zu schauen

Aber schnell, sonst beisst Schlabberschnäuzchen ins Telefon und apportiert es – Bild: Clever Dog Products/Indiegogo

Hier ist etwas, was so gut wie nie funktioniert: Haustiere im Porträt fotografieren.
Es ist ausserdem etwas, was eine herrlich bekloppt wirkende Lösung hat: Die wunderbar benannte Firme Clever Dog Products verkauft jetzt diese Lösung. Der Pooch Selfie ist eine Halterung, mit der man einen (mitgelieferten) Tennisball oben am Handy fotografiert. Hasso und Rex schauen auf den Ball, doch statt, dass ihn jemand wirft, blitzt es plötzlich.
Doofe hinterhältige Menschen.

Fahrrad der Woche

Entschuldigen Sie, Ihr Dach hat ein Loch! - BIld: Lindenau

Entschuldigen Sie, Ihr Dach hat ein Loch! – Bild: Lindenau

Bei der Suche nach Inspiration fürs Velomobildesign (ja, ich denke immer noch hin und wieder an diese Idee) stieß ich plötzlich auf das obige Foto eines neuen Modells, des Sunglieder One. Was mir auffiel, war der eindeutig düsseldorfer Hintergrund. Unverwechselbar der Medienhafen. Sollte es etwa ein neues velomobil hier aus der Gegend geben?
Und tatsächlich, der Sunglider One und sein offenes Schwestermodell Sunglider Easy stammen von hier. Sogar noch näher, als ich erwartet hatte: Es handelt sich um Modelle des Liegradbetriebs Lindauer aus Willich am Flughafen Mönchengladbach.
Ich erinnerte mich dunkel, dass da mal was geplant war.
Es handelt sich um Velomobile mit unterstützendem Motor, der in der Fahrt über Solarzellen aufgeladen wird. Damit erreichen sie eine beachtliche Reichweite und selbst wenn diese erschöpft ist, können sie als Fahrräder weiterfahren.
Das Design unterscheidet sich deutlich von bisher erhältlichen Velomobilen, die meist eine viel prominentere Raketenform haben. Was den Sunglidern an Aerodynamik fehlt, machen sie mit Technik wett. Nur leider sind sie damit auch für Velomobile in der oberen Preisklasse. Der Easy kommt auf für diese Fahrzeuge recht übliche 6.990 € während der geschlossene One es auf stolze 9.990 € bringt.

Spielzeug der Woche

Der Weg zur Weltherrschaft ist frei! In die Welt, meine Steine! Überwuchetr alles! Alles! - Bild: Nimuno Loops/Indiegogo

Der Weg zur Weltherrschaft ist frei! In die Welt, meine Steine! Überwuchert alles! Alles! – Bild: Nimuno Loops/Indiegogo

Zielerreichung ist das eine. Ziele übertreffen ist etwas anderes. Ein Ziel um 18000% zu übertreffen ist noch ein Mal etwas ganz anderes. Gut, bei einem Ziel von nur 8.000 $ nicht so schwer wie bei manch anderen Zielen, aber dennoch: Was macht ein Hersteller mit einem Überschuss von 1.439.981 $?
Das Produkt war aber auch perfekt für eine Internetkampagne, denn eines der Dinge, nach denen das Internet verrückt ist, ist Lego. Die dänischen Bauklötze sind ein noch größerer Hit als in so manchem Kinderzimmer.
Doch worum geht es nun? Nimuno Loops sind ein Klebeband, auf dessen Oberseite zu Lego passende Noppen angebracht sind. Damit kann man aus nahezu jeder Oberfläche eine Lego-Platte machen, um Figuren und Konstrukte darauf aufzubauen. Keine Ahnung, wie viel das Klebeband aushält, aber das wird sich zeigen. Denn genug Geld für die Serienherstellung ist ja jetzt definitiv vorhanden.

Plastik der Woche

Und noch ein wenig Plastikkram: Die TAZ vermeldet diese Woche, Forscher an der TU München arbeiten an einem biologisch abbaubaren Kunststoffersatz aus Ernteabfällen des Getreideanbaus. Nunja, strenggenommen Rückstände aus der Weissmehlproduktion, aber das sind jetzt Details.
Richtig bleibt natürlich, dass Vermeidung besser ist als Optimierung. Aber Plastiktüten sind nicht annähernd so vermeidbar, wie wir das gerne hätten. Spätestens, wenn man etwas feuchtigkeitsempfindliches wie Papier oder Gebäck kauft, braucht man doch wieder in irgendeiner Form eine leichte und wasserdichte Verpackung wie sie nur Plastik so gut bietet. Und als Mülltüten sind sie auch die beste verfügbare Option.

Besuch der Woche

Am Donnerstag hatten wir bei den Gladbacher Grünen Dr. Renate Knauf da, die das Konzept des Friedwaldes vorstellte. Hinter dem vom Friedhof abgeleiteten Begriff verbirgt sich ein Waldstück, in dem unter den Bäumen Urnen Verstorbener begraben werden. Die Urnen lösen sich nach drei Jahren im Boden auf und die Asche geht zurück in die Natur.
Anders als der Name suggerieren mag, ist der Wald dabei dort, wo dies gesetzlich möglich ist, nicht umzäunt (umfriedet), es ist nur ein Verweis auf den friedhofsähnlichen Charakter.
Zu hoffen ist jetzt natürlich, dass auch hierzustadte eine solche Einrichtung entsteht. Zum einen als Angebot (für mich wäre das als letzte Ruhestätte sehr attraktiv), zum anderen ist es aber auch eine Form von Nutzung, die den Erhalt des dortigen Waldes garantiert. Es ist kein Friedhof mit bunt geschmückten Gräbern, sondern eben ein weitestgehend natürlicher Wald, in dem Überreste und Schilder Verstorbener sowie einige Wege angelegt wurden.

Wahl der Woche

v.l.n.r.: Ulla Schmitz, Thomas Diehl, Anita Parker

v.l.n.r.: Ulla Schmitz, Thomas Diehl, Anita Parker

Das war zwar schon in der Woche davor, aber da hatte ich wegen eines weggelaufenen Fotoapparates noch kein Bild dazu und das sollte schon sein. Dann also diese Woche: Mit der letzten Wahl der Mitgliederversammlung bin ich nun Vorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen Mönchengladbach.
Ich denke, bei der Wahl hat sich mit Anita Parker (Sprecherin), Ulla Schmitz (Kassiererin), Lena Zingsheim, Franz Bauman, Gerd Schaeben und Peter Walter (Beisitz) sowie mir ein klasse Team zusammengefunden. Das Saarland deutet heute schwierige Wasser für die Partei an, aber da bekommen wir sie schon durch. Ich denke sogar, das ist die Gelegenheit, um Motivation zu schöpfen, besser zu werden. Lasst euch überraschen, von uns wird man hören.


Projekt Rana 0.3.0

Aufwand
bis 20.12.15

Grashüpf0r
245 €
Schwalben-schwanz
79 €
Bachforelle
60 €
Helferlein
0 €
Recherche
10 €
Zeit
0h 15m

Fünf Monate sind ins Land gegangen, in denen sich am Projekt Rana nichts mehr getan hat. Wenigstens nichts groß berichtenswertes. Gespräche, Recherchen und Tests haben mich in der Zwischenzeit zu der Erkenntnis gebracht, dass die Hecklenkung des Rana Schwalbenschwanz zwar möglich, aber zum Fahren aus verschiedenen Gründen wenig brauchbar ist. Die Lenkung über Schaltung/Bremsen der Vorderräder wie bei der Rana Bachforelle angedacht funktioniert hingegen nur bedingt — Bremssteuerung geht, Schaltsteuerung geht nicht (das niedriger geschaltete Rad wird im Gesamtkonstrukt mitgetrieben), womit das ganze bergauf quasi unbrauchbar wird.
Die einzige Lösung, um beim Konzept eines frontgesteuerten Dreirad zu bleiben wäre gewesen, Kardangelenke einzubauen, um sowohl Steuerung als auch Antrieb auf die Vorderachse legen zu können. Das ist möglich, aber zum einen recht komplex, zum anderen bringen diese Gelenke ordentlich Reibungsverluste in den Antrieb. Dennoch, als Gedankenspiel ganz interessant.

ebay zur Rettung!

Nun begab es sich, dass mein Vater mich bat, mal nach einem neuen Dreirad für meine Mutter Ausschau zu halten. Ihr wisst schon, diese Deltas mit klassischem Aufrecht-Sitz und Korb für Einkäufe hinten dran. Meine Mutter hat vor Jahren ihren Ford Fiesta gegen so ein Gefährt eingetauscht. Das brachte mich zu ebay zurück und prompt verpasste ich das Höchstgebot bei einer Auktion für ein Liegedreirad, doch meine Jagdlust war geweckt.
Ende November funktionierte es dann: Für knapp über 200 € schoss ich ein Liegerad. Naja, mehr oder weniger den Rumpf eines Liegerades. Aber immerhin fahrtüchtig und damit deutlich günstiger als jeder Erwerb eines neuen und sogar jener der meisten gebrauchten Exemplare. Gut, es hatte nur zwei Räder, aber hey, niemand ist perfekt.
Seitdem habe ich zunächst Kleinkram angebracht: Licht, Rückspiegel und eine Gepäckspinne als Provisorium am Gepäckträger. Womit es jetzt immerhin auch auf der Straße fahren darf (naja, fast, ein Bremskabel muss noch erneuert werden). Danach folgen die optisch auffälligeren, aber verkehrsrechtlich weniger relevanten Änderungen: Korrekte Längeneinstellung des Tretlagers (aktuell zu weit vorne für meine Beine) einschließlich entsprechender Kürzung der Kette sowie Bespannung des Sitzrahmens. Und danach gibt es dann rein optionale Änderungen, allen voran eine Alu- statt Stahlgabel für das Vorderrad (beginnt ohnehin stellenweise zu rosten). Dazwischen will ich auch noch eine zentral gesteuerte Beleuchtung einbauen, mit Schaltern und Kontrollleuchten, damit ich zum Einschalten der Beleuchtung nicht absteigen muss und immer im Blick habe, ob z.B. das Rücklicht noch Saft hat.

Finde den Unterschied!

Finde den Unterschied!

Velomobiles Potenzial des Grashüpf0r

Ungeachtete der Einspurigkeit des Fahrzeugs hat der Grashüpf0r einige Eigenschaften, die ich mir für die beiden mehrspurigen Rana-Entwürfe gewünscht hatte: Das Antriebsrad hat 28 ″ und die Steuerräder haben 20″, auch wenn sie jetzt die Positionen und Anzahl getauscht haben. Das aber wäre ohnehin die Konsequenz aus dem Wechsel auf Hinterradantrieb mit Vorderradlenkung.
Die Sitzhöhe entspricht mit 60 cm ziemlich genau dem Ansinnen, einen Sitz in der selben Höhe wie ein Auto zu haben. Tretlage rund Sitzfläche sind auf selber Höhe, was sehr angenehm ist — ein Aspekt, den ich bei den Dreirädern gar nicht im Blick hatte. Der fest in den Rahmen verbaute Gepäckträger ist eine hervorragende Basis für einen Kofferraum wie ich ihn mir vorgestellt hatte.
Alles, was fehlt, ist im Grunde die Halterung für die Vorderräder. Da diese nun nicht mehr angetrieben sind, ist eine Achse überflüssig, nur eine Lenkstange (mit ein paar Gelenken) muss zwischen den Rädern laufen. Ich kann diese mit Standardkomponenten umsetzen, etwa indem ich die Rahmen von zwei identischen 20″-Kinderrädern zweckentfremde.
Ob ich diesen Plan durchführe, werde ich anhand meiner Fahrerfahrungen entscheiden.
Jetzt gibt es zunächst einiges an Erfahrungen zu sammeln. Ist die Sitzhöhe für den Straßenverkehr wirklich so günstig, wie ich glaube? Wie gut fährt sich das Ganze bergauf? Wie schnell gewöhnen sich meine Beine an die andere Art zu treten (horizontal statt abwärts)? Ist die halb liegende Position auf langen Strecken so angenehm, wie ich hoffe? Welche Fragen finde ich heraus, von denen ich noch gar nichts ahne?
Immerhin kann ich schon sagen, die Lenkung mit starrer Nase und die Nutzung eines Rückspiegels sind Dinge, an die ich mich schnell gewöhnen konnte. Mangels Automobilerfahrung waren das für mich komplett unbekannte Elemente des Fahrens mehrspuriger Fahrzeuge.

Stand

Die Frage ist aktuell natürlich, welche der bereits vorhandenen Teile jetzt weiter verwendet werden können. Die Anhängerkupplungen kann ich hier wohl vergessen, da sie beide an Rahmenteilen ansetzen, die bei diesem Gefährt schlichtweg nicht vorhanden sind. Die Griffüberzüge haben sich mit der Drehgriffschaltung des aktuellen Rades ebenfalls erledigt. Wandert also in die Ersatzteilkiste und wird vielleicht nochmal rausgeholt, wenn ich die Idee mit dem vorn gesteuerten und angetriebenen Dreirad wieder rausholen sollte — interessant wäre das allemal.
Der 20″-Kinderrahmen dagegen ist möglicherweise noch brauchbar: Zwei davon könnten bei einem zukünftigen Umbau zum Dreirad zum Ausleger werden, der die Radaufhängungen trägt, was auch hieße, dass ich dann zwecks Symmetrie einen zweiten, identischen Rahmen benötige. Der sollte beschaffbar sein, der Rahmen war ja aktuelle Neuware. Die Schläuche sind direkt weiter verwendbar, da das Triebrad ja wie von Anfang an geplant einen Größe von 28″ aufweist.

Ich brauche einen größeren Ordner

Letzter Stand der Komponenten, zur Erinnerung. Nicht im Bild: Ein Kinderradrahmen.

Hi-Tech! (redundante Teile, die nicht verbaut werden, nicht im Bild)

Hi-Tech! (redundante Teile, die nicht verbaut werden, nicht im Bild)

Davon ab ist zum Kaufpreis des Liegerads von 225 € noch jener für die zusätzlichen Teile zu zählen. Das wären beim jetzigen Stand das Rücklicht (3,50 €), eine Gepäckspinne als provisorischer Gepäckträger (1,50 €), ein Rückspiegel (2,50 €), ein Scheinwerfer (1,50 €) sowie einige Elektronikbauteile für die zukünftige Lichtanlage (bisher 10 €). Einen zweiten Scheinwerfer hatte ich noch rumliegen, ich konnte also sowohl am Lenker wie auch am Ausleger einen Scheinwerfer anbringen, was ich bei einem Gefährt dieser Form als notwendig erachte (frontale Sichtbarkeit sowie Sichtbarkeit der Fahrzeuglänge).
Beim Preis nicht mitgezählt habe ich mal eine Matte weisses Mossgummi (149 €, kam aber mit einem kostenlosen Tablet-Computer, was ich fehr finde) und eine Packung Rocher (3,50 €, war aber mit Rochers gefüllt), beides ebenfalls Bauteile der Beleuchtungsanlage. Was es damit auf sich hat? Nächstes Mal!


Projekt Rana 0.0.3b – Sitzspinnereien

Aufwand
bis 4.7.15

Schwalben-schwanz
79 €
Bachforelle
60 €
Helferlein
0 €
Recherche
10 €
Zeit
0h 0m

Eine Woche, in der sich aus gleich zwei Gründen nichts getan hat. Zum einen ist die aktuelle Hitze nicht grade dem Erledigen freiwilliger zusätzlicher Arbeit zuträglich (oder überhaupt dem Erledigen von Arbeit, aber was muss, muss und hat Vorrang). Plötzlich verstehe ich, wieso in den USA Klimaanlagen so verbreitet sind. Zum anderen verlief die Zahlung für die Hinterradschwinge des Schwalbenschwanz etwas holprig. Paypal wollte trotz vorhandenem Guthaben den Betrag über die Bank überwiesen bekommen, was natürlich etwas länger dauerte. Ich vermute es hat etwas mit dem eingesetzten Gutschein zu tun — oder ich hab bei der Eingabe der Zahlungsmethode einen Fehler gemacht. Dann war für den Versand noch eine Telefonnummer nötig. Jedenfalls ging die Schwinge nun erst am Donnerstag in England raus und ist noch nicht da.
Somit keine Veränderung am Projekt selber.
Aber ich kann ja weiter die Planung ausführen. Wie letzte Woche angedeutet geht es um die Sitzgelegenheit.

Sitzen im Velomobil

Der offensichtlichste Unterschied zwischen Velomobil und normalem Fahrrad ist, dass Velomobile meist auf Liegerädern basieren und somit eine relativ nah am Boden hängende Sitzschale statt eines Sattels haben. Die Beine zeigen vom sattel nicht nach unten, sondern nach vorne, oft sogar leicht nach oben.
Nun haben die Rana-Modelle hier eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Velomobilen: Sie sollen halbwegs gleichauf mit den Autofahrern sein, was einen relativ hoch liegenden und relativ wenig zurückgelehnten Sitz erfordert. Aerodynamik ist hier kein so großer Punkt, da die fertigen Ranas ohnehin nicht ohne Verdeck fahren sollen.
Dennoch müssen die Sitzschalen etwas zurückgelehnt sein, um ein vernünftiges Treten in die vorn liegende Pedale zu ermöglichen, denn eine Unterbringung der Pedale unter dem Sitz ist nicht möglich – das Fahrzeug müsste dann fast zwei Meter Höhe erreichen, um den Beinen Platz zu lassen.
Ich könnte jetzt hergehen und wie die meisten Konstrukteure von Velomobilen lange Messungen ausführen, um dann aus möglichst leichten Materialien einen solchen Sattel zu bauen. Dieses Vorgehen ist sinnvoll, weil bei Liegerädern durch die liegende Haltung des Fahrers sehr stark auf den Rücken geachtet werden muss.
Dieses Problem haben die Ranas nicht, ich sitze deutlich aufrechter als die meisten Velonauten (ja, den Begriff gibt es) und das bedeutet, ich kann es mir viel, viel einfacher machen: Ich halte in nächster Zeit Ausschau nach zwei geeigneten gebrauchten Gartenstühlen aus leichten Materialien bei denen es möglich ist, die Beine abzusägen ohne dass der ganze Stuhl zusammenklappt. Ein normaler Bistrostuhl aus Alurohr mit geflochtener Sitzfläche wiegt, wenn es hoch kommt, 1,9 kg und kostet gebraucht um die 20 €. Ware zweiter Wahl gibt es zu diesem Preis neu und da das Rad am Ende eh ein Verdeck bekommt, sieht man den Stuhl ja eh nur kurz beim Ein- und Aussteigen. Besser geht’s nicht. Es ist nicht so, als hätte ich die Möglichkeiten, einen noch leichteren Stuhl zu konstruieren.

Stand

Wie gesagt, nichts neues zu sehen.
Der Ordner ist ein bisschen voller geworden, weil ich weitere Unterlagen ausgedruckt habe, um sie auch ohne Computer im Hof parat haben zu können. Nächste Woche kommt dann die Hinterradaufhängung für den Schwalbenschwanz an.
Im Vergleich zur Planung fehlen bei der Umsetzung aktuell noch vier Schläuche (zwei mal 28 Zoll, sowie je ein 26 und 20 Zoll), die Räder samt Reifen und die beiden Stühle. Dann geht es erstmals an tatsächliche Bauarbeiten (nämlich das Absägen der Stuhlbeine) und ich muss anfangen, konkret an Rahmen und Antrieb zu gehen. Und beim Antrieb kommt dann für mich das echte Neuland.

Ich brauche einen größeren Ordner

Ich brauche immer noch einen größeren Ordner


Projekt Rana 0.0.3 – Gedanken zu Rädern und Reifen

Aufwand
bis 27.6.15

Schwalben-schwanz
79 €
Bachforelle
60 €
Helferlein
0 €
Recherche
10 €
Zeit
0h 0m

Während es bisher eher abstrakt um das Konzept an sich ging, komme ich diese Woche auf für den eigentlichen Bau relevante Einzelheiten zu sprechen. Ohne eine Entscheidung über die Größe und Ausführung der Räder komme ich nicht wirklich weiter, sind die Räder doch wichtige Bauteile bei so einem Fahrrad. Die Entscheidung stand auch wegen der konkret beschafften Bauteile diese Woche an.
Es gibt ein wichtiges Designziel für Projekt Rana, das ich noch nicht erwähnt hatte: Möglichst viele Teile sollen im Notfall aus dem nächsten größeren Supermarkt oder Fahrradgeschäft mit standardmäßig vorhandener Lagerware repariert oder ersetzt werden können. Das bedeutet natürlich, so wenig Spezialbauteile wie möglich zu verwenden. Grade bei den Rädern als empfindlichstem Teil jedes Fahrrads ist das ein wichtiger Punkt.

Allgemeines

Mehrspurige Fahrzeuge haben es nicht so leicht, Hindernissen auszuweichen, wie einspurige Fahrräder mit hoher Sitzposition. Dinge wie Glasscherben sind schwieriger zu sehen und die drei Spuren bergen das dreifache Risiko, dass eines der Räder eine große Scherbe abkriegt. Kein Fahrer kann im Alltag ständig die Sicherheit von drei Rädern ausserhalb des Sichtfeldes im Blick haben.
Also müssen die Räder so pannensicher sein wie nur möglich. Es mag nach Overkill klingen, pannensichere Reifen mit selbstreparierenden Schläuchen zu kombinieren, aber Overkill ist grade gut genug. Nur einen Vollgummischlauch lasse ich wegen des Gewichts bleiben.
Hier liegt auch eine Motivation für den Einbau von Standardteilen: Ist ein Schlauch doch mal komplett hinüber, ist er dann einfacher zu ersetzen. Da bin ich gebranntes Kind, ich stand vor einigen Wochen mit einem Durchstich direkt am Ventil in der Walachei hinter Wanlo. Das war lästig.

Triebräder

Die Entscheidung für die Vorderräder war recht einfach: Als Antriebsräder bei beiden Rana-Varianten bietet sich ein möglichst großes Rad an, denn je größer das Rad, desto höher die zurückgelegte Strecke pro Umdrehung.
28 Zoll ist das größte der drei Standardformate, also bekommen die Ranas 28-Zoll-Vorderräder. Als Antriebsräder sollen sie zudem möglichst viel Vortrieb bringen, also bekommen sie ein entsprechendes Reifenprofil.
Das Velomobil wiegt mit absoluter Sicherheit mehr als ein Fahrrad, daher sind die Antriebsräder maximal auf Zugkraft ausgelegt.

Heckrad

Beim Heckrad gilt im Grunde das Gegenteil: Es wird mehr oder weniger mitgeschleppt und passiv mitgedreht, ohne zum Antrieb beizutragen. Da ein kleineres Rad mit geringer Masse leichter in Drehung zu versetzen ist, sollten die Hinterräder der Ranas also kleiner sein als die Vorderräder. Zudem habe ich den Eindruck, dass kleinere Räder stärker lenken.
Hier bieten sich zwei gängige Optionen an: 26 oder 20 Zoll.
Fast alles Zubehör gibt es auch für 26 Zoll, Ersatzteile sind im Notfall schnell zur Hand, wenn man den nächsten Fahrradladen findet.
20 Zoll ist nicht ganz so gängig was Zubehör und Ersatzteile angeht, dafür verstärken diese die Vorteile der geringeren Größe und sind zudem so klein, dass ich die Nutzung eines Vollgummireifens durchaus bedenken würde (natürlich nur mit zusätzlicher Federung/Dämpfung in der Aufhängung, aber die ist bei Liegerädern eh nötig, um den Rücken zu schützen). Loopwheels gibt es in dieser Größe zwar ebenfalls, aber die kosten ungefähr so viel pro Rad wie die beiden Ranas aller Voraussicht nach jeweils insgesamt kosten werden.
Ich werde beim Schwalbenschwanz ein 20-Zoll-Hinterrad einsetzen. Damit kann der Hinterbau niedriger werden und wird nicht ganz so durch den Schwenkbereich des Rades begrenzt. Das starre Hinterrad der Bachforelle soll dagegen auf 26 Zoll kommen, vor allem wegen der besseren Verfügbarkeit von Ersatzteilen in fast jedem größeren Kaufhaus. Wobei auch hier 20 Zoll klare Vorteile böten, allem voran mehr Platz über dem Rad.

Stand

Ein Teil fehlt im Foto unten, weil es noch unterwegs ist: eBay hatte mir einen heute auslaufenden Gutschein über 30 € geschickt. Bedingung waren die Nutzung von Paypal zur Zahlung und ein Mindestumsatz von 60 €. Diese habe ich genutzt, um für den Schwalbenschwanz ein voll gefederte Hinterradaufhängung zu kaufen. Separate Aufhängungen sind gar nicht so leicht zu finden, also habe ich einen 20-Zoll-Rahmen mit ausbaubarer Federschwinge für knapp 68 € (bzw. £39.99) erworben (minus Gutschein). Da ich nur eine Schwinge dieser Größe brauchte, erscheint mir der Gutschein damit gut angelegt.
In jedes Projekt sind zehn Euro für je zwei 28-Zoll-Schläuche für die Vorderräder gegangen. Ich habe zwar jetzt nur zwei davon da, aber die Kosten sind trotzdem schon fest.
Die fünf € für die Recherche gehen auf zwei Bücher zurück. Das Fahrrad: Geschichte – Modelle – Radsport (kein Autor; Garant-Verlag) hat sich als weniger brauchbar erwiesen, als ich dachte, bringt aber immerhin eine sehr breite Sammlung von Radmodellen als Inspirationsquelle mit. Für vier € Neupreis kann man da dennoch nichts sagen. Ehrlich gesagt staune ich über diesen Preis für ein Buch in so guter technischen Ausstattung.
Dazu kommt ein € für Mehr Freude am Fahrrad der Stiftung Warentest, gefunden beim Hephata-Shop. Das Jahr 2000 liefert damit eine gute Einführung ins Thema Fahrrad. Nicht viel neues und noch weniger, was sich auf Liegeräder und Velomobile übertragen lässt, aber eine Einführung in Reifenprofile, Pedaloptionen, Bremssysteme und Rahmenfederung ist auf keinen Fall ein Fehler.

Ich brauche einen größeren Ordner

Ich brauche einen größeren Ordner


Es zeichnet sich ab, dass das Fahrzeug größenmäßig schneller wächst, als ich erwartet hatte. Wenn es so weitergeht, wie es aktuell aussieht, habe ich spätestens in zwei Wochen einen Fahrradrahmen und zwei Sitzflächen rumliegen. An diesem Punkt beginnt das Ganze dann, zu groß zu werden, um es bei mir unterzubringen. Bedeutet: Eine Garage muss her. Allerdings sollte eine normale Garage für alle Teilprojekte reichen, es ist also nicht ganz so schlimm.
Es gilt nur, etwas zu einem vernünftigen Preis zu finden und dann auch ein Fahrrad reinstellen zu dürfen. Und ja, letzteres ist tatsächlich ein Problem. So fragte mich der letzte Garagenvermieter, mit dem ich sprach, was ich denn reinstellen wollte. Daraufhin meinte er, er wolle lieber ein Auto in der Garage stehen haben, denn die seien schließlich für Autos, damit keine Seitenspiegel abgeschlagen werden und so weiter. Ich fand das Ganze zwar überaus befremdlich, aber da war nichts zu machen.
Ich meine, hey, ich bezahle und stell kein Gerümpel rein, das muss doch reichen.

Nächste Woche dreht sich alles um meinen Hintern. Sitzschale, ich meine um die Sitzschale.


Projekt Rana 0.0.2 – Schwalbenschwanz, Bachforelle und Helferlein

Aufwand
bis 21.6.15

Schwalben-schwanz
1 €
Bachforelle
50 €
Helferlein
0 €
Recherche
5 €
Zeit
0h 0m

Nach dem Vorgeplänkel von vorletzter Woche folgt nun etwas mehr Vorgeplänkel. Diese Woche lege ich den Plan für das zukünftige Vorgehen auf und stelle schon mal ein paar bereits vorhandene Bauteile bereit. Ab dieser Woche findet sich rechts oben in den Beiträgen auch eine Übersicht über angesammelte Kosten und den Zeitaufwand (letzteres nur die reine Bauzeit, dazu kommt die je nach Situation und Möglichkeiten sehr unterschiedliche Zeit um das Material zu sammeln). Ich bin selbst gespannt, wie viel Projekt Rana letztlich kosten wird.
Was ich ab dieser Woche mache ist die Aufteilung des Projektes auf zwei Unterprojekte: Rana Schwalbenschwanz und Rana Bachforelle.

Rana Schwalbenschwanz

Das zuletzt vorgestellte Projekt läuft jetzt unter dem Namen Rana Schwalbenschwanz Der Grund ist das Hinterende der Verkleidung im Endstadium, der zweigeteilt ist, um dem gelenkten Hinterrad Platz zu lassen. Das Verdeck des Schwalbenschwanz endet in zwei schräg nach oben führenden Fortsätzen, die als Träger für die Heckbeleuchtung, als aerodynamische Hilfe und als Halter für ein nach vorne klappbares Regendach dienen.
Die Teilung des Hecks scheint mir die effektivste Art, der Hinterradlenkung so viel Spiel wie möglich zu geben, der Rest ergibt sich daraus. Das schwenkende Hinterrad verträgt sich nicht gut mit dem Ziehen eines Hängers. Theoretisch ist es möglich, die Ausleger so zu gestalten, dass beide Anhängerkupplungen angebracht werden können, aber das würde das Gewicht des Hecks deutlich erhöhen.
Wenn dieses Modell funktioniert, kann ich es später immer noch entsprechend ändern.
Der gesamte Entwurf geht letztlich auf die Erfordernisse der Lenkung zurück. Ich finde interessant, wie viel sich aus dieser einen technischen Eigenheit sowohl an Erfordernissen als auch an Möglichkeiten ergibt. Die Verstauung des Dachs etwa ergab sich aus der Frage, was ich mit der aerodynamisch ungünstigen Lücke zwischen den Auslegern mache.

Rana Bachforelle

Die Alternative zum ist die nach aussen hin deutlich konventionellere Rana Bachforelle. Letzte Woche hatte ich erwähnt, dass eine Lenkung nach Art von Raupenfahrzeugen über die Gangschaltung ihre Probleme hat. Wenn ich das allerdings mit separater Bremsmöglichkeit für beide Vorderräder kombiniere, wird es schon interessanter. Normalerweise brauchen Tadpole-Dreiräder eine Umlenkung der Bremse, die dafür sorgt, dass beide Vorderräder gleich abgebremst werden, sonst droht das Fahrzeug, zu drehen. Genau das will ich aber ja erreichen, die Bachforelle soll durch einseitiges Bremsen (beim Rollen) bzw. Schalten (bei angetriebener Fahrt) wenden. Beim bremsen muss man halt Fingergefühl beweisen und eventuelles Driften mit über die Nutzung der Bremshebel ausgleichen.
Mit dieser Lösung haben wir ein Fahrzeug, bei dem alle drei Räder starr sind. Die Hülle muss also keinerlei Rücksicht auf Bewegungsfreiheit für die Räder nehmen und kann voll verschlossen ausgeführt werden.
Daraus ergibt sich dann der Name der Bachforelle, das Heck läuft wie bei den meisten Velomobilen nach hinten eng zu und schließt mit einer schmalen senkrechten Säule ab, die Platz für Beleuchtung und (in diesem Fall) die Anhängerkupplungen bietet. Ausserdem ist theoretisch Platz für einen Kofferraum vorhanden.
Wenn ich die beiden Konzepte vergleiche, habe ich hier zwei Velomobile für sehr unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten, die lustigerweise genau dem widersprechen, was zumindest ich von ihrem Aussehen erwarten würde. Die kleine schlanke Bachforelle ist ein Transporter mit Stauraum und Erweiterungsmöglichkeit; der größer wirkende Schwalbenschwanz ist ein Fahrzeug für Freizeit und lange Strecken. Und sämtliche Unterschiede ergeben sich nur aus der jeweiligen Lenktechnik, alles andere ist im Ansatz identisch.

Helferlein

Vor den Rädern kommt das HeLFErLeiN. Und weil ich manchmal einfach spinne hatte ich ursprünglich angedacht, daraus eine Abkürzung zu basteln: HEckLenkungsFahrzeug zur ERprobung, LEIcht Nachzubauen. Ja. Ich habe den Gedanken recht schnell aufgegeben und entschieden, dass Helferlein einfach nur Helferlein ist. Es ist definitiv besser so.
Aber was ist Helferlein nun?
Einfach gesagt ist Helferlein ein Brett auf Rädern. Okay, das ist jetzt wieder zu einfach gesagt. Zum Ausgleich hier kompliziert gesagt: Helferlein ist eine Plattform zur Erprobung des Lenkverhaltens meiner beiden Entwürfe, ergo sind es eigentlich zwei Helferlein. Mehr oder weniger offene Seifenkisten mit einer Lenkung basierend auf den Rana-Entwürfen. Sie sind nicht angetrieben oder gefedert, aber um die Lenkung zu testen während ich damit einen Hügel runterrolle, sind sie absolut ausreichend. Hügel und Rampen habe ich hier in Mönchengladbach genug, die ganze Stadt sitzt auf einer Hügelkette, ich selber wohne nahe einer Kuppe.
Bevor ich mehrere hundert € in den Sand setze, weil das Konzept sich als Blödsinn erweist, finde ich es lieber vorher mit einem Teil von vielleicht 70 € Materialwert heraus.

Versionsnummern

Die Versionsnummern oben erhalten ihren Sinn aus den Projektphasen.
Die ersten Beiträge führen die Nummer 0.0.X. Mit dem ersten Entwurf geht es zu 0.1.X, 0.2.X startet mit der Fertigstellung des ersten Helferlein. Der Bau der Ranas (in dieser Phase noch ohne Verdeck) ist 0.3.X und schließt ab mit 1.0.0, dann geht es an Feinschliff und Verdeck zu 2.0.0, dem vollen Velomobil.
Die letzte Ziffer kann beliebig hohe Werte annehmen, sollte das aber nach Möglichkeit nicht tun.
Mit anderen Wortern: Die Versionsnummern tun so als gäbe es ständig Fortschritt reflektieren das langsame, aber stetige Vorankommen des Projekts.

Teilesammlung

Nach der ersten (Doppel-)Woche gibt es diese paar gesammelten Teile. Das ist durchaus im Zeitplan, es ist ja Sinn der ganzen Vorgehensweise in sehr kleinen Schritten zum Ziel zu kommen. So wie ich es auch beständig in diesem Blog tue, um es immer weiter zu verbessern. Im Moment bin ich ja noch gar nicht hundertprozentig sicher, welche Teile ich überhaupt alle brauchen werde. Daher diese noch sehr kleine Sammlung.
Die Anhängerkupplungen hatte ich ja noch rumliegen, ich hatte sie im ersten Beitrag erwähnt. Da die Bachforelle besser für die Anbringung geeignet ist als der Schwalbenschwanz, habe ich deren gerundeten Neupreis diesem Projekt zugeschlagen.
Die Lenkgriffüberzüge hab ich zufällig beim Discounter gefunden. Die kommen in den Schwalbenschwanz, während ich davon ausgehe, die Bachforelle besser ohne diese steuern zu können, da sie keinen traditionellen Lenker hat, sondern eine feste Grifffläche zum präzisen Ziehen an den Brems-/Schalthebeln benötigt.
Zwei der Recherche-€ gehen je zur Hälfte an den Ordner und die Ausdrucke. Die anderen drei sind der aktuelle Gebrauchtpreis von Rob van der Plas‘ Fahrräder bei Amazon, das einzige zum Thema Radkonstruktion relevante Buch in meinem Bücherschrank. Ich bin ziemlich sicher, mein Bücherschrank wird demnächst etwas wachsen.

Woche 1: In der Branche nennt man das Deutliches Ausbaupotenzial. Aber hey, Potenzial ist was gutes!

Woche 1: In der Branche nennt man das Deutliches Ausbaupotenzial. Aber hey, Potenzial ist was gutes!


Ansonsten habe ich mich in den letzten zwei Wochen mit jedem Liegerad- und Dreiradfahrer unterhalten, den ich finden konnte. Interessant waren dabei vor allem die Erfahrungen zweier Eigenbauer heute und bei der Sternfahrt nach Düsseldorf, was Arbeitsmaterialien und Möglichkeiten angeht.
Wie genau ich den Locher und den Teppichboden verbaue, weiss ich noch nicht sicher. Ich habe sie zunächst mal aus meiner Kalkulation rausgelassen ;-) .

Nächste Woche: Überlegungen zu Rädern und Reifen.


Projekt Rana 0.0.1

Einige Velomobile in der Übersicht

Einige Velomobile in der Übersicht – Ausschnitt aus einer Infografik von Icebike.org

Ich hatte ja gestern bereits angedeutet, dass zum Thema Velomobil heute noch was kommt. Für alle, denen der Begriff nichts sagt: Ein Velomobil ist ein mehrspuriges Fahrrad mit Verdeck/Karosserie. Oder anders betrachtet ein Auto mit Pedalantrieb statt Motor. Rechts von diesem Beitrag seht ihr eine Übersicht über einige Bautypen quer durch die letzten 100 Jahre. In der Regel basieren sie auf den Liegedreirädern, die man ab und an im Straßenverkehr sehen kann.
Velomobile sind relativ selten, die meistverkauften Typen bringen es auf ein paar hundert Stück. Das liegt zum einen am hohen Preis im durchgehend vierstelligen Bereich (der wiederum an den niedrigen Stückzahlen liegt, das sind letztlich Handwerksprodukte), zum anderen an der mangelnden Bekanntheit dieser Fahrzeuge.
Ich habe schon ewig Interesse an einem solchen Gefährt. Das Fahrrad ist mein bei weitem bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Aber bei aller Hartnäckigkeit und so gut die Kleidung auch ist, bei schlechtem Wetter ohne Verdeck zu fahren ist ganz einfach Scheisse. Die Geschwindigkeit und der durchaus unbequeme Sattel schränken die Reichweite deutlich ein — für mich liegt die Fahrradreichweite bei einem Umkreis von etwa 30 Kilometern (plus Rückfahrt). Das entspricht von Mönchengladbach etwa dem Weg bis zur niederländischen Grenze oder knapp über Düsseldorf hinaus. Meine längste an einem Tag zurückgelegte Strecke sind knapp über 110 Kilometer (Mönchengladbach-Aachen-Lüttich und Lüttich-Charleroi laut Google Maps jeweils 111 km), das allerdings mit Camping-Ausrüstung auf dem Gepäckträger. Das ist alles in allem nicht viel.
Velomobile sind wettergeschützt, angenehmer zu sitzen und bei gleicher Kraftanstrengung schneller (ausser bergauf). Viele haben auch noch einen Kofferraum, aber das ist nur Bonus. So oder so: Deutlich besser. Das ermöglicht es auch, kurz mal per Fahrrad ins Ruhrgebiet oder an die Nordsee zu fahren. Mit dem Fahrrad! An die Nordsee!
Allein, der Preis. Und da kommt der Velomojeep aus Heinsberg ins Spiel. Der ist für mich vor allem beweis für eins: Natürlich kann man solch ein Gefährt selbst bauen. Und in der Tat: Warum nicht? Ich behaupte nicht, dass der Eigenbau weniger kostet, aber das Geld verteilt sich dabei angenehm über einen größeren Zeitraum. Und das ist ein wichtiger Faktor, es ist das Prinzip hinter Ratenzahlung und Krediten, nur hier ohne Bank, quasi materiell umgesetzt. Ich kann morgen nicht in den Fahrradladen gehen und eine Leitra kaufen. Aber ich kann morgen in den Fahrradladen gehen und einen Satz gute Reifen dafür kaufen. Und in der nächsten die Beleuchtung. Und so weiter. Das selbe gilt entsprechend für den Zeitaufwand: Was folgt klingt um einiges umfangreicher, als es tatsächlich werden dürfte. Ich werde den Zeit- und Kostenaufwand des Projekts in den weiteren Beiträgen dieser Reihe fortlaufend festhalten.
Und mit diesen Gedanken begann Projekt Rana. Und dann kamen Ideen. Viele Ideen.

Projekt Rana muss kein Erfolg werden. Es kann eine völlige Fehlplanung sein. Es kann aus vielen Gründen unfertig enden. Das macht nichts. Denn egal, wie weit ich damit komme, es ist interessant.

In diesem ersten Beitrag sammel ich die bisherigen Ideen, die als Basis für alles weitere dienen. Wie ich das umsetzen will ist dann der Inhalt für die nächste Woche. Denn dieser hier wird jetzt schon verdammt lang und voll von Information.
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Freitägliche Fünf 05.06.2015

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut oder mir gefallen haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Diesmal eine Gremlinfahrradpolonäse im Weltraum über Kuba am Feiertag. Oder so.

1. Bei ebay ist dieses Selbstbau-Velomobil aufgetaucht. Das hat ein Tüftler in Heinsberg zusammengebaut, also quasi um die Ecke. Er hat dann festgestellt, dass Velomobile nichts für ihn sind.

Der Velomojeep (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)

Der Velomojeep. Ignoriert die Lupe, die tut nix. Faules Ding! (Bild: ebay-Nutzer Bovimame)


Ich find das Teil klasse. Dürfte noch mehr Aufmerksamkeit erregen als es normale Velomobile ohnehin schon tun. Die kleine Ladefläche ist so ein nettes Detail. Gut, die Aerodynamik ist offensichtlich nicht so der Brüller – zu kantig und zu flexibles Hüllenmaterial (Zeltplane?) in dem sich der Wind fäängt, aber trotzdem: Seht euch das Ding einfach nur mal an!
In einem besseren Monat hätte ich trotz einiger vom Anbieter eingeräumter Fehlerchen zugeschlagen. Ich will schon ewig ein Velomobil und 550 € sind für die Dinger Wechselgeld.
Eines hat es auch so bewirkt: Es hat mich inspiriert, selber den Bau eines Velomobils angehen zu wollen. Dummerweise kann ich nicht schweissen, aber ich bin durchaus bereit, Zeit zu investieren und Dinge zu lernen. Jetzt nicht unbedingt Schweissen, aber ich habe angefangen, mich mit Fahrrädern aus Bambus zu beschäftigen. Und wo ich schon am Innovieren bin habe ich eine ganze Liste von Ideen die dafür sorgen, dass das Projekt sicherlich nie fertig wird. Als wäre es noch nicht schwierig genug, ein Velomobil aus einem prinzipiell unzureichend biegefesten Werkstoff wie Bambus zu bauen. Aber trotzdem wahnsinnig interessant. Mehr zu Projekt Rana morgen.
Mit Dank an den Prisac für den Link.

2. Mit SpaceX hat erstmals ein nicht-militärischer Anbieter in den USA eine Lizenz für Satellitenstarts erhalten.

3. Die USA haben die unsinnige Listung Kubas als Terrorstaat aufgehoben. Es wird sehr spannend zu beobachten, wie das über Jahrzehnte an Isolation gewöhnte Kuba in der sich entwickelnden offeneren Welt mit dem Rest Amerikas interagieren wird. Kuba hat das Potenzial, viele aus der Not der Isolation geborene Ideen in die Nachhaltigkeitsbewegungen der westlichen Welt zu tragen.

4. Donnerstag war der erste Tag ohne irgendwelche Termine seit Pfingstsonntag. Ja, einschließlich dem Wochenende. Yay, freier Tag!

5. Hier ist eine Gremlin-Polonäse. Ihr könnt mir später danken.