Less Litter Lifestyle 5: Die Haare schön

Die ganze Serie

Der Herbst bringt viel Frucht mit sich. Essbare NĂŒsse sammeln wahrscheinlich viele, die diese Serie lesen, aber richtig interessant ist auch, was man mit nicht essbaren NĂŒssen machen kann. Die auffĂ€lligste unter den nicht essbaren NĂŒssen dĂŒrfte die Rosskastanie sein. Mal abgesehen von ihrem Nutzen als Pferdefutter, dem sie ihren Namen verdankt, reinigt sie auch noch gut. Wie, dazu komme ich nach dem Bild zum Artikel.

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir fĂŒr diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir fĂŒr diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Vor ein paar Jahren kam die aus Indien stammende Waschnuss bei ökologisch denkenden Menschen in Mode, eine an so genannten Saponinen reiche Nuss, die in ihrem Herkunftsland traditionell zum Waschen von Kleidung genutzt wird. Leider fĂŒhrte der westliche Bedarf an WaschnĂŒssen zu einem starken Preisanstieg und inzwischen können viele Inder sich die Nuss nicht mehr leisten und mĂŒssen auf eben jene Waschmittel ausweichen, die im Westen durch die Waschnuss ersetzt werden sollten. Vom langen Weg aus Asien zu uns ganz zu schweigen. Das konnte nicht Sinn der Sache sein und so suchte man nach Alternativen zur Waschnuss.
Und tatsÀchlich, auch in Europa sind Pflanzen mit hohem Saponingehalt heimisch. Mit der Rosskastanie gar eine, deren Saponingehalt Àhnlich hoch bis höher war als jener der Waschnuss.lll-shampoo

Phase 1: Waschmittel und FlĂŒssigseife

FlĂŒssigwaschmittel aus Kastanien ist sehr einfach herzustellen. Man nehme je nach GrĂ¶ĂŸe 5-8 Kastanien, zerschniede oder zerhĂ€mmere sie und bedecke sie mit Wasser. Die Kastanien mĂŒssen vollstĂ€ndig mit Wasser bedeckt sein. Das Ganze lĂ€sst man dann ĂŒber Nacht stehen und gießt die gelbliche, leicht Blasen schlagende FlĂŒssigkeit durch ein nicht zu feines Sieb. Das Sieb sollte so sein, dass es die KastanienstĂŒcke rausfiltert, aber die Seife gut durchlĂ€sst.
FĂŒr WeisswĂ€sche ist das Waschmittel so nicht geeignet, aber auch das geht mit ein paar zusĂ€tzlichen Schritten. Dazu entfernt man die braune Schale von den Kastanien (das geht bei geschnittenen leichter als bei ganzen oder mit dem Hammer zerschlagenen) und gibt bei der WĂ€sche noch einen Teelöffel Backpulver dazu.
Im Grunde kann man das Waschmittel auch als FlĂŒssigseife nutzen. Aber wir können noch einen drauflegen und auf dieser Basis Shampoo herstellen.
Nicht zu viel machen: Die Kastanienseife hÀlt sich etwa eine Woche. Zur Vorratshaltung sollte man Kastanien nehmen und entweder einfrieren, oder zerkleinert trocknen (etwa 2 Stunden zerschnitten oder zerhÀmmert bei 50°C im Ofen oder Trockner).

Phase 2: Shampoo

FĂŒr das Shampoo brauchen wir zwei Ladungen von dem Waschmittel. Der Grund dafĂŒr ist unsere zweite Zutat: Eine Quitte oder ein halber Apfel ergĂ€nzen die Seife um deren Vitamine und FruchtsĂ€uren, die bei der Haarpflege helfen. NatĂŒrlich geht auch eine andere Menge, ¼ Apfel ist nur ein etwas unpraktisches Maß fĂŒr Rezepte.
Das Obst wird mitsamt der KerngehÀuse kleingeschnitten.
Obst und Seife kommen in einen Kochtopf und werden etwa 25 Minuten abgedeckt köcheln gelassen, danach werden mit einem groben Sieb die restlichen ObststĂŒcke rausgefiltert. Wenn das Shampoo zu flĂŒssig ist, kann man es mit SpeisestĂ€rke andicken.
Manche Rezepte verwenden andere Mittel zum Andicken (etwa Pektin oder Flohsamenschalen), aber SpeisestĂ€rke bindet am schnellsten ab, ist am gĂŒnstigsten, in jedem Supermarkt zu finden und in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden.
Auch das Shampoo hĂ€lt im KĂŒhlschrank etwa eine Woche. FĂŒr die Vorratshaltung kann man es einfrieren oder wie Marmelade einkochen.

Anwendung

Das Waschmittel wird wie normales FlĂŒssigwaschmittel benutzt. Zu beachten ist aber, dass es das Wasser nicht entkalkt, das muss man also hin und wieder zusĂ€tzlich machen, um die Waschmaschine zu pflegen.
Ähnlich wie die Zahnpasta schĂ€umt auch das Shampoo nicht annĂ€hernd so stark wie vertraute Industrieprodukte, die gezielt mit Stoffen versehen werden, die das SchĂ€umen fördern. Das tut der Reinigungswirkung keinen Abbruch, ist aber halt ungewohnt.

MĂŒllvermeidung

Aus eigener Ernte vermeidet man natĂŒrlich den gesamten Verpackungsabfall von Waschmittel- und Shampooflaschen, aber auch gekauft gibt es Obst und Kastanien reicht leicht unverpackt zu kaufen. Bei WeisswĂ€sche und Shampoo fallen die Verpackungen von StĂ€rke und Backpulver an, das ist aber im Vergleich zur normalen Abfallmenge fĂŒr diese Produkte so gut wie nichts.

NĂ€chste Woche geht es weiter mit unserer Herbsternte. Wir machen kuhfreie „Milch“ aus NĂŒssen. Denn fĂŒr eine eigene Kuh dĂŒrften die meisten dann doch etwas wenig Platz haben.