Sieben am Sonntag 28.01.2018

Sieben Dinge der Woche, ausgewählt zum Ende der Woche. Eine Chronik des alltäglichen Wahnsinns, der Erfreulichkeiten, Merkwürdigkeiten und sonstigen -keiten, der Fundstücke und Dings. Jeden Sonntag, mehr oder weniger.
Dann woll’n wir mal, ich habe diese Tage eine Menge durchzugehen. In den nächsten Tagen gibt es auch noch einen Nachbericht vom Parteitag und zu den Bussen der Hindenburgstraße fühle ich mich auch zu einem Kommentar berufen.

Musik der Woche

Dieser Tage ist mit Dolores O’Riordan die Sängerin der Band Cranberries im Alter von nur 46 Jahren verstorben.
Zur Erinnerung an sie sei hier mal nicht Zombie ausgewählt, auch wenn das natürlich der bekannteste Hit der Band ist. Aber ich nehme statt des Nordirlandkonflikts dann doch lieber etwas alltagsnäheres: Sehnsucht — Linger.

App der Woche

Logo von Too Good to GoDie App Too Good to Go ist ein weiterer Ansatz, um Lebensmittelverschwendung zu minimieren. Ähnlich wie beim Foodsharing, aber in Form einer App und ohne feste Abholstandorte, gibt es hier Lebensmittel, die sonst weggeworfen werden worden wären, wiel sie nicht mehr als verkaufbar gelten. Dies sind hier Restaurants, Bäckereien, Geschäfte un ähnliches.
Die App gibt es hier für Android-Geräte.

Flachköpper der Woche

Mike Hughes vor seiner Rakete

Da biste platt! Und die Erde erst! – Bild: Mike Hughes

Das ist Mike Hughes. Gut, wusstet ihr schon, steht ja direkt unter dem Bild.
Viel interessanter ist, was Hughes mit dieser Rakete vor hat. Er will ein für allemal beweisen, dass die Erde flach ist. Wenn ich das richtig verstehe, will Hughes mit einer selbstgebauten Rakete hoch genug steigen, um die flache Erde beobachten und filmen zu können.
Der erste Versuch wurde bereits abgebrochen, da Hughes keine Genehmigung für einen Raketenstart hatte und der Staat Kalifornien einschritt. Warum er für diese Beobachtung nicht einfach in ein Flugzeug steigt, ist mir nicht wirklich klar, aber wahrscheinlich glauben die geistigen Flacköpper Flacherdler, die Fensterscheiben in Flugzeugen seien manipuliert. Filmen soll das bloß keiner, fremde Drohnen werden abgeschossen. Mit anderen Worten, er behält sich die Möglichkeit vor, uns sonstwas zu erzählen, sollte das Experiment erneut scheitern, diesmal an der Tatsache, dass die Erde rund ist.
Aber hey, er hat für 200.000 US$ eine (laut Erbauer) funktionierende Rakete gebaut. Das ist immehrin eine beeindruckende Leistung.

Fahrradzubehör der Woche

Wie haben wir ohne überlebt? - Bild: Pinterest

Wie haben wir ohne überlebt? – Bild: Pinterest

Das ist Lumigrids, ein Zubehör, mit dem sich im Dunkeln Schlaglöcher erkennen lassen.
Eine Lampe auf dem Lenker strahlt ein Gitter auf den Boden. Dieses wird durch Unebenheiten verzerrt und so verraten sich den Radfahrenden eben jene Schlaglöcher, die ja gerne in größeren Anhäufungen auftauchen und sich nachts irgendwie rudelweise mit reicher Beute auf die Jagd nach Radlerhintern und Pkw-Stoßdämpfern machen.

Tardis der Woche

Erinnert sich noch wer an Friederike letzte Woche? Den Sturm, der in NRW ordentlich Bäume geschüttelt und Häuserdächer abgedeckt hat? Nun, die Dame hat in Düsseldorf auch die Tardis aufgespürt. Naja, eine Tardis. Ich muss sagen, von der düsseldorfer Version dieses Kultfahrzeuges hatte ich mir irgendwie etwas edleres erwartet.
Link zum Video (geht nach Facebook)

Saubermann der Woche

AJ-fender31Ich bin nicht sicher, ob diese Idee für einen Schmutzfänger am Fahrrad wirklich funktioniert oder ob er den Dreck nicht eher so richtig fies verteilt, aber clever ist der Einfall allemal.

Musik der Wo… Moment mal!


Less Litter Lifestyle 5: Die Haare schön

Die ganze Serie

Der Herbst bringt viel Frucht mit sich. Essbare Nüsse sammeln wahrscheinlich viele, die diese Serie lesen, aber richtig interessant ist auch, was man mit nicht essbaren Nüssen machen kann. Die auffälligste unter den nicht essbaren Nüssen dürfte die Rosskastanie sein. Mal abgesehen von ihrem Nutzen als Pferdefutter, dem sie ihren Namen verdankt, reinigt sie auch noch gut. Wie, dazu komme ich nach dem Bild zum Artikel.

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Vor ein paar Jahren kam die aus Indien stammende Waschnuss bei ökologisch denkenden Menschen in Mode, eine an so genannten Saponinen reiche Nuss, die in ihrem Herkunftsland traditionell zum Waschen von Kleidung genutzt wird. Leider führte der westliche Bedarf an Waschnüssen zu einem starken Preisanstieg und inzwischen können viele Inder sich die Nuss nicht mehr leisten und müssen auf eben jene Waschmittel ausweichen, die im Westen durch die Waschnuss ersetzt werden sollten. Vom langen Weg aus Asien zu uns ganz zu schweigen. Das konnte nicht Sinn der Sache sein und so suchte man nach Alternativen zur Waschnuss.
Und tatsächlich, auch in Europa sind Pflanzen mit hohem Saponingehalt heimisch. Mit der Rosskastanie gar eine, deren Saponingehalt ähnlich hoch bis höher war als jener der Waschnuss.lll-shampoo

Phase 1: Waschmittel und Flüssigseife

Flüssigwaschmittel aus Kastanien ist sehr einfach herzustellen. Man nehme je nach Größe 5-8 Kastanien, zerschniede oder zerhämmere sie und bedecke sie mit Wasser. Die Kastanien müssen vollständig mit Wasser bedeckt sein. Das Ganze lässt man dann über Nacht stehen und gießt die gelbliche, leicht Blasen schlagende Flüssigkeit durch ein nicht zu feines Sieb. Das Sieb sollte so sein, dass es die Kastanienstücke rausfiltert, aber die Seife gut durchlässt.
Für Weisswäsche ist das Waschmittel so nicht geeignet, aber auch das geht mit ein paar zusätzlichen Schritten. Dazu entfernt man die braune Schale von den Kastanien (das geht bei geschnittenen leichter als bei ganzen oder mit dem Hammer zerschlagenen) und gibt bei der Wäsche noch einen Teelöffel Backpulver dazu.
Im Grunde kann man das Waschmittel auch als Flüssigseife nutzen. Aber wir können noch einen drauflegen und auf dieser Basis Shampoo herstellen.
Nicht zu viel machen: Die Kastanienseife hält sich etwa eine Woche. Zur Vorratshaltung sollte man Kastanien nehmen und entweder einfrieren, oder zerkleinert trocknen (etwa 2 Stunden zerschnitten oder zerhämmert bei 50°C im Ofen oder Trockner).

Phase 2: Shampoo

Für das Shampoo brauchen wir zwei Ladungen von dem Waschmittel. Der Grund dafür ist unsere zweite Zutat: Eine Quitte oder ein halber Apfel ergänzen die Seife um deren Vitamine und Fruchtsäuren, die bei der Haarpflege helfen. Natürlich geht auch eine andere Menge, ¼ Apfel ist nur ein etwas unpraktisches Maß für Rezepte.
Das Obst wird mitsamt der Kerngehäuse kleingeschnitten.
Obst und Seife kommen in einen Kochtopf und werden etwa 25 Minuten abgedeckt köcheln gelassen, danach werden mit einem groben Sieb die restlichen Obststücke rausgefiltert. Wenn das Shampoo zu flüssig ist, kann man es mit Speisestärke andicken.
Manche Rezepte verwenden andere Mittel zum Andicken (etwa Pektin oder Flohsamenschalen), aber Speisestärke bindet am schnellsten ab, ist am günstigsten, in jedem Supermarkt zu finden und in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden.
Auch das Shampoo hält im Kühlschrank etwa eine Woche. Für die Vorratshaltung kann man es einfrieren oder wie Marmelade einkochen.

Anwendung

Das Waschmittel wird wie normales Flüssigwaschmittel benutzt. Zu beachten ist aber, dass es das Wasser nicht entkalkt, das muss man also hin und wieder zusätzlich machen, um die Waschmaschine zu pflegen.
Ähnlich wie die Zahnpasta schäumt auch das Shampoo nicht annähernd so stark wie vertraute Industrieprodukte, die gezielt mit Stoffen versehen werden, die das Schäumen fördern. Das tut der Reinigungswirkung keinen Abbruch, ist aber halt ungewohnt.

Müllvermeidung

Aus eigener Ernte vermeidet man natürlich den gesamten Verpackungsabfall von Waschmittel- und Shampooflaschen, aber auch gekauft gibt es Obst und Kastanien reicht leicht unverpackt zu kaufen. Bei Weisswäsche und Shampoo fallen die Verpackungen von Stärke und Backpulver an, das ist aber im Vergleich zur normalen Abfallmenge für diese Produkte so gut wie nichts.

Nächste Woche geht es weiter mit unserer Herbsternte. Wir machen kuhfreie „Milch“ aus Nüssen. Denn für eine eigene Kuh dürften die meisten dann doch etwas wenig Platz haben.


Less Litter Lifestyle 3: Limonade

Die ganze Serie

Das Wetter ist heute ebenso wie schon am Wochenende großartig hier im Rheinland und so bietet sich an, eine Erfrischung vorzustellen.

Drei Flaschen Limonade auf einem Tisch im Park

Limo selbstgemacht, der Park war zum Glück schon fertig da

Das englische Wort „soda“ hat im Deutschen zwei mögliche Übersetzungen: Natron und Limonade (oder auch allgemein Sprudelgetränk). Das hat seinen Grund. Bevor Limonade mit komprimiertem CO2 hergestellt wurde, wie wir das heute kennen, verwendete man Natron, um den Sprudel ins Getränk zu bekommen.
Und weil das mit Zitrusfrüchten besser geht als mit anderen, ist es im Deutschen auch Limonade.
Nun muss ich gleich vorab sagen: Das Getränk unterscheidet sich schon deutlich von Limonade in Flaschen. Es sprudelt nicht lange und erinnert vom Mundgefühl her eher an Ahoj-Brause. Auch diese beruht auf dem selben Prinzip: Trifft Natron auf eine Säure, zerstören die Säure und das Natron sich gegenseitig, wobei CO2 entsteht — es sprudelt. Das ist zwar ungeeignet, um Limonade für das Abfüllen in Flaschen herzustellen, aber für eine schnelle Erfrischung ist es ideal.

Hier habe ich im Grunde zwei Rezepte erfolgreich ausprobiert – eines unter dem Namen „Omas Erfrischung“, das andere in den Varianten Zitrone und Limette in den praktischen Henkelgläsern oben im Bild. Ich mag die Henkelgläser.

Es sprudelt: Zitrusfruchtlimos mit Natron

Limo aus drei Zutaten (plus Wasser)

Und hier das praktisch betxtete Bild zum Weiterteilen des Artikels

Die meisten Rezepte im Netz kommen mir sehr dünn und wässrig vor, deshalb habe ich die Menge Saft etwas erhöht, bis es mir schmeckte. Einfach ein wenig die Mengen variieren, jeder Geschmackssinn ist anders. Es hat mit Zitronen und Limetten hervorragend funktioniert, aber auch andere Zitrusfrüchte müssten ohne Zugabe von zusätzlicher Säure gehen.

Man gebe in dieser Reihenfolge in eine Flasche oder ein großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • Saft einer Zitrone oder Limette (bzw. 4 EL purer Saft aus der Flasche)
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Natron

Sobald das Natron zugegeben wird, beginnt das Gebräu, stark zu schäumen. Sobald der Schaum anfängt zurückzugehen, kann es getrunken werden. Da das Sprudeln keine halbe Stunde hält, würde ich es immer frisch und portionsweise zubereiten.

Erst nach dem Sprudeln trinkbar: Omas Erfrischung

Okay, das war im ersten Moment eine unangenehme Erfahrung: Omas Erfrischung ist im Grunde Essiglimonade. Mir haben einige Leute bestätigt, dass das keine Erfindung der verlinkten Seite ist. Das Prinzip ist ähnlich den obigen Limos und sie ist wohl eine der Urgroßmütter unserer heutigen Limonaden. Und immerhin, ist das Sprudeln einmal abgeklungen, ist das Ergebnis ganz trinkbar. Nicht vom vag chemischen Geruch der Essigessenz abschrecken lassen.
Allerdings nicht mit der geringen Menge an Wasser und Natron, die das Originalrezept angibt.

Es kommen nacheinander in eine Flasche oder großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • 2 TL Braune Essig-Essenz
  • 2TL Zucker
  • 1 TL Natron

Dieses Getränk wird weniger stark schäumen als die Limonade, aber dennoch sichtbar reagieren. Erst trinken, wenn sich das Natron aufgelöst hat, dann ist der starke Essiggeschmack zu einem trinkbaren Aroma reduziert.
Im Bild oben ist das Getränk klar, das liegt aber daran, dass ich nur klare Essigessenz bekommen habe. Mit brauner Essenz ist es entsprechend eingefärbt.

Müllvermeidung

Selbst wer seine Limonade bereits selber macht, spart auf diese Weise die Patronen ein, die ein Sprudelautomat im Betrieb verbraucht. De Menge an Getränken, die man so sprudeln lassen kann, ist natürlich beschränkt, denn wir brauchen als Grundlage Säuren. Dieses Problem werden wir nächste Woche lösen, wenn wir auf der selben Grundlage in jeder nur denkbaren Geschmacksrichtung Brausepulver machen.