de.wikipedia.org: Eine Motzschrift 0 

Die deutsche Wikipedia. Hort für profilierungssüchtige Wichtigtuer, die zeigen wollen, wie toll sie sind.
Nun gut, das Risiko war von Anfang an bekannt, aber damals meinte man die Verfasser der Artikel. Statt dessen hat es aber die Moderatoren und Admins erwischt – zumindest in Deutschland.

Einen Moderatoren der deutschen Wikipedia hat man sich als Dampflok vorzustellen, die immerzu gradeaus über ein Gleis prescht.
Dies allerdings eben stets nur gradeaus. Nun könnte man meinen „Gut, ignoriert die Lok die Weichen halt, ist ja weit und breit kein anderer Zug, mit dem sie zusammenstoßen könnte“ – aber sie ignoriert die Weichen nicht einfach. Wenn die Moderatorenlok eine Weiche passiert, so biegt sie sie grade oder schmilzt sie gleich ganz ein. Aus ihren Auslässen zischt der Dampf dabei aus dem Kessel, man vermeint den Qualm leise ein „Relevanzkriterien“ oder auch „Neutralität“ zu flüstern – wenn es richtig laut wird auch mal ein „Eigenrecherche“ oder ähnliches.

Das wäre dann der Löschwahn. Es ist unglaublich, was die Wikipedianer alles für löschenswert halten. MOGIS zum Beispiel, einen der wichtigsten Konterakteure in der Internetsperrendiskussion.
Aber zur bloßen Löschwut hat Fefe schon einen besseren Kommentar geschrieben, als ich es hier auf die Schnelle kann:

Liebe Wikipedia-Forenblockwarte. Laßt mich als Friedensangebot mal ein häufiges Mißverständnis aufklären, dem auf Wikipedia immer wieder Blockwarte zum Opfer fallen. Das Relevanzkriterium bezieht sich nicht darauf, ob ihr oder irgendjemand einen bestimmten Begriff für relevant haltet. Sondern ob der Text, der da zu dem Begriff steht, relevant für die Erklärung des Begriffes ist.

Denn das ist das schöne bei einem Wiki. Niemand erleidet einen Schaden, wenn noch ein weiterer Eintrag dabei ist. Es gibt kein Buch, was dann zu dick zum Herumtragen würde. Es gibt keine Elektronen, die alle werden. Und nur weil ihr einen Begriff nicht kennt, heißt das noch lange nicht, dass der auch für die andere Milliarde Internetnutzer irrelevant ist. Wer sich diese Entscheidung über andere anmaßt, hat den Beruf verfehlt und hätte doch Heiseforentroll bleiben sollen.

Ein Hinweis sei noch ergänzt: In der englischen Wikipedia gibt es das in diesem Ausmaß nicht. Im Gegenteil, dort finden sich völlig selbstverständlich eigene Artikel beispielsweise zu praktisch jeder Comicfigur der 40er Jahre. Und hat ein solcher Artikel mal ein deutsches Gegenstück, so ist der englische um Längen besser (ich benutze die deutsche Wikipedia eben deshalb schon lange so gut wie nicht mehr).

Viel interessanter ist die Selektivität. Diese geschieht nach mehreren Kriterien:
1. Naturwissenschaft vor
Es ist auffällig, wie wenig bei den Naturwissenschaften gelöscht wird. Noch weniger bei der Mathematik, wo wirklich jeder nur für kleinste Sondergruppen relevante Kleinkram drinstehen darf – und das noch dazu in einer Kürze, die anderswo gleich Protest auslösen würde.

2. Rechts vor Links
Die Verkehrsregelgrundlage gilt auch in der Wikipedia – man vergleiche mal eine beliebige linke Persönlichkeit mit einer etwas prominenteren Unionsfigur – „Kritik“-Abschnitte bei konservativen Politikern sind eine seltenheit, während man einen linken Politiker, der diesen Abschnitt nicht aufweist, erstmal finden muss.

3. Neutralitätswahn
Das ist kein Wikipedia-Phänomen, sondern ein mehr oder weniger deutsches: es gibt offenbar ernsthaft Leute, die glauben, man könne beliebige Sachverhalte neutral darstellen. Mal ehrlich: Wer kommt auf so einen Schmarn?
Zumal die Wikipedia ja ständig davon spricht, eine Enzyklopädie zu sein. Eine Enzyklopädie aber ist ein politisches Werk – gemeint ist wahrscheinlich ein Lexikon (beides ist in englisch eine encyclopedia), das aber ist die Wikipedia ganz einfach nicht, da ein Lexikon sich durch den schnellen Überblick auszeichnet, Wikipedias Anspruch abe rin ausführlicher Information besteht.

4. Internetunverständnis
Es gehört zu den großen Ironien der Weltgeschichte, dass die Wikipedianer das Internet nicht zu verstehen haben scheinen. Beispielsweise hat die Wikipedia praktisch unbegrenzt Platz für neue Artikel – woraus folgert, dass eine Löchung nur erfolgen sollte, wenn es dafür gute Gründe gibt. Denn, um Fefe nochmal zu zitieren:
Mein Anspruch an die Wikipedia ist, dass ich, wenn mir jemand von Tschunk erzählt, bei der Wikipedia nachschlagen kann, was das eigentlich ist. Oder wenn mir einer von MOGIS erzählt. Genau wie ich das machen kann, wenn mir jemand von Anonymous erzählt.

Und wisst ihr was: In der englischen Wikipedia funktioniert das auch. Sogar mit Tschunk.

Erstaunlich ist auch, dass die Wikipedia Blogs nicht als Quelle akzeptiert – das gilt zwar auch bei anderen Sprachversionen der Wikipedia, dort aber nur bis zu einer gewissen Grenze.
Wenn ein Artikel sich zum Beispiel um einen Politiker dreht, der ein Blog hat, so wird dieses Blog selbstverständlich als Quelle gelten. Hierzulande undenkbar, bevor nicht eine Tageszeitung o.ä. ihrerseits den Blogeintrag übernommen hat.

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Alte deutsche Traditionen 0 

Etwas Medienaufmerksamkeit hat es ja bekommen, als gestern in Stuttgart eine Gruppe uninformierter besorgter Eltern so genannte „Killerspiele“ einsammelte. Oder genauer, „nur solche Spiele, die vom amerikanischen Militär entwickelt wurden, um die Gewaltschwelle zu senken“ – solche Spiele aber gibt es gar nicht, es sollte also gar nichts eingesammelt werden?
Nun, die besorgten Eltern hatten das natürlich nicht überprüft und offenbar alles genommen, was nicht unter 18 freigegeben war. Jedenfalls wäre es leicht sbstrus geworden, hätte man die Killerspielegegner erst überzeugen müssen, dass man da wirklich ein Killerspiel mithat. Klar eine leere Positivliste mit Spielen, die vom amerikanischen Militär zur Senkung der Gewaltschwelle entwickelt wurden, wäre etwas peinlich gewesen (lustigerweise hat man aber Schach explizit ausgeschlossen).

Pikant ist dabei die Platzwahl: Ein Opernplatz war es. Denn der Amokläufer von Winnenden war bekennender Opernfan.
Was ironischerweise auffällig ist (anders als Konsum so genannter Killerspiele) und deshalb eigentlich ein viel verdächtigerer Kandidat für den Auslöser oder zumindest ein Warnhinweis wäre – denn bei solch extremen Phänomenen sollte man ja eher nach ungewöhnlichem Verhalten suchen als nach Normalität. Und ein Operngang ist für einen Jugendlichen um Längen ungewöhnlicher als ein Kilerspiel.
Alerdings haben die Plätze vor Opern ja auch ansonsten schöne deutsche Tradition, Unter den Linden in Berlin fält mir hier spontan ein:

Bücherverbrennung Unter den Linden in Berlin

Wer das jetzt für übertrieben hält, dem sei gesagt: Auch die eingesammelten Spiele sollten verbrannt bzw. einer Müllverbrennungsanlage zugeführt werden.
Und jeder, der jetzt anfängt mit: „Es sind doch nur Spiele!“, dem rufe ich ein schallendes „Aber es waren doch nur Buchstaben auf Papier“ entgegen. Kulturträger ist Kulturträger, ob man ihn mag oder nicht, von der hohen Literatur bis zum letzten Bastei-FickLiebesromanschund.

Ich finde es übrigens erstaunlich, dass diese Aktion überhaupt durchgeführt werden konnte: 2006 ging ich bei Schriftstellern und Internetaktivisten mit dem Vorhaben hausieren, aus Protest gegen die zunehmende Zensur in Deutschland, auch damals im Kontext der Killerspieledebatte, eine symbolische Bücherverbrennung zu machen. Bei dieser würden eigens für die Verbrennung gedruckte Bücher mit Texten über oder gegen Zensur sowie dem Zensurparagrafen des Grundgesetzes verbrannt werden, um darauf aufmerksam zu machen, dass das problem auch heute noch besteht.
Das war vor Zensursula und Winnenden, vor dem Beschluss der Innenministerkonferenz, ein Killerspieleverbot zu erlassen. Aber bereits nachdem das Verbot im Koalitionsvertrag der scharz-roten Bundesregierung stand.
Jedenfalls traf das Vorhaben zwar auf Verständnis, aber dennoch durchgehend Ablehnung ob der Erinnerungen, die man damit grade in Deutschland ins Gedächtnis rufen würde. Was aber genau mien Ziel war, aber ein etwaiges Missverständnis war natürlich unausweichlich. Was mich letztlich auch davon abbrachte, wiel das Vorhaben mächtig nach hinten hätte losgehen können.
Und jetzt, drei jahre später, läuft so eine Aktion ab und es gibt kaum einen Aufschrei – keiner ausserhalb der Blogosphäre spricht auch nur von der Tradition, in der das ganze steht. Für mich ist das besorgniserregend. Den größten Aufschrei gab es noch wegen des Logos der Aktion, welches nach Meinung der einflussreichen amerikanischen Seite GamePolitics Killerspieler in die Nähe von nazis rückte, aber das war nur ein (überaus ironisches) Missverständnis.
Ich meine gut, sonderlich erfolgreich war die Aktion wohl ohnehin nicht.

Interessant auhc mal wieder die Meinungen der „Experten“ – das ZDF hat mal ausnahmsweise jemanden gefunden, der ausgewogen urteilt – und dann auf die falsche Pressedarstellung reinfällt. Denn im Gegensatz zu seiner Aussage spielen „Amokläufer“ keineswegs durchgehend „Killerspiele“ – tatsächlich ist dies nur für 20% aller Amokläufer der letzten 10 Jahre bekannt, der Rest ist eher durch Nichtspielen solcher Spiele aufgefallen. Die normale Rate liegt je nach Umfrage zwischen 60 und 80% – „Amokläufer“ sind also statistisch hochsignifikant Nichtspieler!

Mal sehen, worüber ich dann in 5 Jahren berichte. Sollte die Geschichte sich weiter wiederholen… nunja:

Reichskristallnacht

Und so werden aus undeutschem Schrifttum Kilerspiele und statt der Synagogen brennen nächstes mal die Moscheen. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland.
Und keiner merkt, was da grade passiert. Genau wie beim letzten Mal.

PS: Dass der Kontext der historischen Wiederholung größer ist als nur dieses eine Ereignis, darauf werde ich in diesem Blog in Zukunft noch zurückkommen. Es ist teils erschreckend, was sich da alles zusammenbraut.

Psychedelische Musikeinlage 0 

Oh, wieder Zeit für eine Musikeinlage. Na, das ist doch die Gelegenheit, eine offenbar kaum erinnerte Filmstelle hervorzukramen: Die Drogenszene aus Dumbo, Pink Elephants on Parade.
Dabei ist die Szene nicht unwichtig: Am nächsten morgen entdeckt ein völlig verkaterter Dumbo, dass er mit seinen übergroßen Ohren fliegen kann.

Ich finde es ziemlich interessant, wie viele Leute Dumbo kennen, sich aber nicht mehr an diese Szene erinnern.
Immehrin musste man bis in die späten 60er warten, bis es wieder einen solchen Drogentripp in Filmform gab:

Okay, heute sieht das ganze Kinderprogramm so aus.
Oder so:

PS: The Grim Adventures of Billy & Mandy ist trotzdem klasse.

Qualitätsjournalismus (aka Léchez-moi) 0 

Bis heute morgen ein Link per Twitter kam kannte ich die TMZ nicht. Offenbar ist das eine Webseite, die versucht, die BILD qualitativ zu unterbieten.
Das ist verständlich, gehört die BILD doch nach Definition der SPD zum Qualitätsjournalismus (denn das ist alles, was auf totem Holz verkauft wird). Erstaunlich ist aber, dass die TMZ das auch noch schafft.

Sehen wir uns mal den Artikel an, der da vertwittert wurde:

Farmer Causes Udder Chaos in Brussels

Posted Oct 7th 2009 12:25AM by TMZ Staff

A farmer used his cow as a weapon and sprayed cops with milk during a protest in Brussels the other day.

Leche-Proteste in Brüssel

The protest was over the falling leche prices in Europe.

Milk doesn’t always do the body good.

Read more: http://www.tmz.com/2009/10/07/farmer-causes-udder-chaos-in-brussels/#ixzz0TLeH5LHY

Na, wer findet alle Fehler?
Auflösung hinter dem Link bzw. weiter unten:

Weiterlesen »

Ein Virus als Kunst 0 

Nein, um Genetik geht es hier nicht, sondenr um Computer. Eine Gruppe von Künstlern (ein Begriff, der keine Anführungszeichen braucht, weil er die ohnehin schon enthält) hat ein Videospiel entwickelt, in dem man mit jedem besiegten Gegner eine zufällige Datei auf seiner Festplatte löscht.

Ja, wirklich.
Lose/Lose heisst das Ganze und soll echte Konsequenzen an das Spielgeschehen binden. Ziemlich rabiate, meiner Meinung nach – von der Notiz bis zur Systemdatei kann alles dabei sein. Einfach mal so unwiederbringlich eine Datei zu löschen als Spielmechanik einzuführen, ist nicht gewagt, es ist dumm.

Die Idee, Aggression und Angriff im Spiel als selbstverständliche Ziele zu reflektieren ist gar nicht mal schlecht, aber die Strafe ist zu hoch, weil sie missbraucht werden kann und Leute vom Spielen abhalten dürfte.
Dabei scheint den Künstlenr nicht bewusst zu sein, wie groß der Verlust ist, stellen sie doch die Frage:

At what point does our virtual data become as important to us as physical possessions?

übersetzt:

An welchem Punkt werden unsere virtuellen Daten für uns wichtiger als unsere materiellen Besitztümer?

Seltsamer Ansatz, stellt er doch eine genaue Umkehrung der sonst üblichen Ansätze dar – ein dermaßen materialistischer Ansatz ist selten.
Denn den meisten Menschen sind ihre „virtuellen Daten“ (Gedanken, Ideen, Werke) wichtiger als etwaige materielle Güter. Für Künstler, die von ihren „virtuellen Daten“ in Form ihrer Werke leben und sich teils durch diese definieren, ein gradezu notwendiger Ansatz.

Zumindest die Ironie, dass das Spiel selbst nur ein Satz virtueller Daten ist, entgeht den Schöpfern nicht: Verliert man, löscht sich die Spieldatei selber.
Bis dahin hat man potenziell wesentlich wichtigere Dinge verloren – vom Urlaubsvideo bis zur halbfertigen Doktorarbeit.

Es gibt übrigens ein ähnliches Spiel, bei dem man aber vorher auswählt, welche Dateien man löschen will (indem man sie alle in einen Ordner packt und diesen Ordner dann fürs Spiel auswählt). Da das wesentlich intelligenter ist, verlinke ich Directory Blaster an Stelle von Lose/Lose: Download hier.

PS: Verdammt, war das hart, hier keine Witze über Windows zu reissen.

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Moderne Bauphysik: Eine Einführung, Teil 1 0 

Für unsere erste Lektion nehmen wir eine zwar nicht sonderlich wichtige, dafür aber einfache Materie, welche in der Architektur – ähnlich wie ja auch in der Politik – in rauen Mengen produziert wird: Heisse Luft.

Ich möchte zunächst deren wichtigste Eigenschaft erläutern: Wie alle im Alltag vorkommenden Materialien wird Luft beim Erhitzen leichter, wodurch die wärmere Luft nach oben steigt, die kühlere hingegen fällt.
Das führt zum beispiel dazu, dass niedrige Räume besser zu beheizen ist, weil sich die warme Luft näher am Lebensbereich der Bewohner befindet.

So, und hier die zugehörige Klausurfrage:

F: Wenn in kurzer Zeit zwei Bauwerke in Mönchengladbach (Sporthalle Hephata und GEM-Fahrzeughalle) errichtet werden, die sich beide durch eine Hallenhöhe von etwa 5 Metern auszeichnen und bei denen die Heizkörper an der Decke angebracht sind, ist der Architekt dann a) ein Vollhonk b) inkompetent c) wahrscheinlich ein Betrüger, der sich nur als Innenarchitekt ausgibt oder d) ein Trottel?
Und wie nennt man jemanden, der dieses Plan auch noch bestätigt und das „Werk“ schließlich zum Bezug/zur Nutzung anwendet?

Bosnusaufgabe: Berechnen Sie den gemeinsamen IQ aller Beteiligten relativ zu einer Scheibe Toastbrot mit Erdbeermarmelade.

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Mangels Zeit: Kurz kommentiertes 0 

Ein bisschen Kleinkram, der sich angesammelt hat und zwar erwähnenswert ist, aber nicht ausreichend Inhalt für einen eigenen Blogeintrag bietet, gesammelt und kurz zur allgemeinen Belustigung und/oder Information abgehackt:

FDP empfiehlt: Keine FDP wählen
Das Konzept des Wahlversprechens hat ja was für sich. Vielversprechend finde ich allerdings die Variante, die die FDP nun gefunden hat: Nichtwahlversprechen, also versprechen darüber, was die Partei tun wird, wenn sie nicht in die Regierung kommt.
Das liest sich dann so:

Als überzeugter Liberaler werde ich mich entschlossen dafür einsetzen, dieses Gesetz (v.d. Leyens Zensurgesetz – d. Red. shadaik) wieder abzuschaffen. Die FDP wird ihr Vorgehen von dem Ausgang der Bundestagswahl abhängig machen. Einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht halte ich für wahrscheinlich, sofern eine Regierungsbeteiligung der FDP ausbleiben sollte.

Oder auf deutsch: Wenn ihr uns nicht wählt, gehen wir gerichtlich gegen das Zensurgesetz vor. Wählt ihr usn hingegen und wir kommen in die Regierung, halten wir die Klappe.
Das ist kein Witz, das ist Jörg Behlen

Axel Springer will keine Leser
Auf Wiedersehen, Springerpresse.
Auf 60 Jahre Qualitätsjournalismus wie diesen:

Killerkanickel

Das mit der Beute funktioniert übrigens so: Der Pfeilhase wartet geduldig auf einem Stein, bis das Gras ihn nicht mehr bemerkt und über die Sache wächst. Und dann schlägt unser Killerkanickel zu: Ein Grashalm nach dem anderem wird zu einem grausamen, tragischen Tod zermümmelt.
(Mit Dank an MeineGitarreBrauchtStrom drüben im FGH)

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Für Steinmeier eingesprungen 3 

Frank-Walter Steinmeier macht aktuell in Twitterversum und Blogosphäre Furore mit seinen netzpolitischen Forderungen e.
„Zensur“ heisst es da (mal wieder allenthalben. Bei Ursula von der Leyen war der Fall noch klar.
Steinmeier ist im Wahlkampf. Und nicht so dumm wie seine Kollegin im Familienministerium.

Zudem: In einigen zentralen Punkten hat Steinmeier Recht.
Etwa, wenn er sagt, dass das Internet neue Regeln erfordert – also eben nicht einfach nur ein weiteres Medium ist, welches genauso einfach und auf genau die selbe Weise zu regulieren ist wie die anderen.
Steinmeier spricht an keiner Stelle von Zensur und meint so wohl auch nicht – zumindest nicht in stärkerem Maße als in anderen Medien auch. Wovon er hingegen spricht, ist dies:

1. Ein zeitgemäßes Medienkonzentrationsrecht, das vor allem auch der Entwicklung der Speichermedien (on demand) Rechnung trägt und neue Vermachtungsstrukturen (Google und Co.) klein hält.

Keine Ahnung, wie sowas aussehen soll, aber: Ein Kartellrecht fürs Internet? Warum nicht?
Denn die Vormacht etwa von Google ist auch Datenschützern und anderen Netzbewegungen ein Dorn im Auge – wer jetzt bei Steinmeier aufschreit, an anderer Stelle aber vom „Datenkraken“ spricht, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich nicht seine eigene Position unter den Füßen wegzieht.

2. Nach wie vor: Breitband aufs flache Land, gleiches Netz für alle!

Ganz einfach eine gute Forderung.

3. Ein Reformmodell – zum Beispiel als Stiftung – für eine unabhängige deutsche Nachrichtenagentur für den Fall, dass sich das Geschäftsmodell von dpa trotz notwendiger innerer Reformen auf Dauer nicht trägt und sich weitere Gesellschafter abwenden.

Ja, die BILD-Zitierer und Unfugerzähler von der dpa brauchen eine Reform – aber eine wesentlich heftigere, als sie Steinmeier wohl vorschwebt. Das wirkt auch aufs Urheber- und Medienrecht aus: Materialien Öffentlich-Rechtlicher Anstalten etwa gehören ins Gemeingut (neudeutsch: Public Domain) oder zumindest unter eine sehr liberale Lizenz.
Die dpa, welche ernsthaft versucht, Pressemitteilungen (deren Sinn und Zweck ja die Weiterverbreitung ist) urheberrechtlich schützen zu lassen, steht einem modernen Medienrecht im Wege – gemeinsam mit weiteren Institutionen.

4. Erleichterungen im Pressefusionsrecht für die Zeitungen sowie die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verlage im Urheberrrecht, damit kostspielig erstellte Inhalte nicht beliebig kostenlos kommerziell verwertet werden können.

Okay, hier dürfen die Piraten doch mal motzen. Der teil vor dem „und“ ist vollkommener Schwachsinn, der hinter dem „und“ hingegen bereits umgesetzt. das war 1837.
Doch, Moment, achten wir auf die Zwischentöne: Leistungsschutzrecht für die Verlage – Steinmeier will die Urheber weiter entmündigen.
Etwas, worin das deutsche Urheberrecht ohnehin groß ist – wussten Sie etwa, dass Sie als Urheber kein Recht haben, Ihr Recht abzugeben oder darauf zu verzichten? Selbst, wenn Sie wollen?

5. Ein Rechtsrahmen für Internetangebote, der sicherstellt, dass die sich heute schon abzeichnenden und die schon realisierten Möglichkeiten des Missbrauchs die positiven Möglichkeiten nicht verdunkeln.

Das ist erstmal komplett inhaltslos. Deshalb fällt es aber auch in den Bereich: Da kann man nicht gegen sein.
Sicher, hier ist der Knackpunkt an Steinmeier: Er vermeidet es offensichtlich, riskante Formulieurngen und konkrete Forderungen in den Mund zu nehmen. Aber eben durm sprechen wir hier von harmlosen Floskeln, die wohl eher dazu gedacht sind, mit der CDU mitzuhalten, die in diesem Thema viel offensiver, aber auch kontroverser auftritt.

6. Anreize für private TV-Veranstalter, ihrer öffentlichen Aufgabe mehr als bisher nachzukommen.

Bei aller Häme – ich sehe hier keine Defizite bei den Privatsendern.

7. Ein Gebührenmodell, das die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht auf eine abschüssige Bahn schiebt.

Warum nicht? Wie aus meinen Kommentar zu Punkt 6. hervorgeht, sind die privaten Sender weitgehend ausreichend na gut, das ict übertrieben: Sie sind auch nicht schlechter als die Öffentlich-Rechtlichen Sender.

8. Das Auflegen und jährliche Fortschreiben eines Medienatlas mit allen für die Vorstellungen des Art. 5 GG relevanten Daten für Deutschland als eine gemeinsame Anstrengung von Bund und Ländern.

Okay, das versteh ich ganz einfach nicht. Wovon redet Steinmeier hier? Ein Verfassungsschutzbericht fürs Internet? Glaubt Steinmeier ernsthaft, das Internet ließe sich kontrollieren oder auch nur überblicken?
mE eine illusorische und schon deshalb harmlose Vorstellung.

Alles in allem: Das meiste hier ist harmlos bis vernünftig. Punkt 5 ist bedenklich, aber wahrscheinlich noch nichtmal wirklich ein Ziel, sondern mehr rhetorische Wahlkampfstrategie.
Punkt 4 hingegen ist widersprüchlich (zu Punkt 1) bis dumm und überflüssig. Aber der betrifft die ohnehin nach und nach aussterbenden Printmedien.
Ausserdem ist das dermaßen offensichtlich, dass ich es eigentlich gar nicht mehr erwähnen brauche.

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Die Kraft 0 

Wer den Bundestagswahlkampf verfolgt, der hat es ja schon mitbekommen. Die CDU hat die Kraft.
Also ungefähr so:

Und hier noch das original für alle, die die Anspielungen nicht verstehen (Oder Webspeak: Orko! ROFL):

Ja, die holprige Übersetzung ist original. hier eine verbesserte version:

Und als wäre das noch nicht genug ein kleines Rätsel: Wenn die CDU die Kraft hat, wieso ist die Kraft dann SPD-Landesvorsitzende in NRW?

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Hörtipp und Glückwunschbekundung: Weg mit der GEMA 0 

Die GEMA, jene unsäglich kontraproduktiv gewordene Interessevertretung der einiger weniger, besonders einkommensstarker Musiker, erhält Konkurrenz.
Denn während immer mehr Künstler mit ihren vorsintflutlichen Methoden, Lizenzbedingungen und Ideen unzufrieden sind, entstehen Alternativen. Schlechter als die GEMA können diese nicht sein, folglich sind sie besser:

Verwertungsgesellschaften wie die GEMA scheinen den Anschluss an das Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit verloren zu haben. Als “Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte vertritt sie diejenigen Komponisten, Textdichter und Verleger von Musikwerken die in ihr Mitglied sind.” (wikipedia). Doch für viele Musikschaffende ist diese Interessenvertretung nur noch unbefriedigend. Der Künstler kann für seine Werke keine alternativen Lizenzen vergeben. So untersagt es die GEMA beispielsweise ihren Mitgliedern, Creative Commons oder freie Lizenzen zu verwenden: “Ein Mitglied der GEMA hat seine Nutzungsrechte alleine der GEMA übertragen und kann daher erst nach Kündigung des Berechtigungsvertrages mit der GEMA seine Rechte Creative Commons zur Verfügung stellen. Einzelne Musikstücke können nicht von der GEMA-Verwertung ausgeschlossen werden. Es gilt das ” Alles oder Nichts Prinzip”. Grund genug nachzufragen, wie eine neue Verwertungsgesellschaft aussehen müsste, in der die CC-Lizenzen miteingeschlossen werden. Oder ist die GEMA überhaupt noch reformierbar? Wir sprachen mit Volker Tripp – Jurist und Betreiber des netlabels ideology.

Das Interview gibt es als MP3 bei breitband-online.

Die Glückwunschbekundung gilt dabei der Entwicklung einer neuen Alternative zur GEMA. Wobei es eigentlich entweder eine GEMA bräuchte, die das Geld nicht jenen zuschachert, die ohnehin schon genug verdienen – oder aber eben gar keine.

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