Petitionnerstag XLI 0 

14-tägiges Vertragswiderrufsrecht für alle Verträge

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
dass die 14-tätige Widerrufsfrist für Verbraucher bei Vertragsabschlüssen in jedem Fall gilt, insbesondere bei Vertragsabschlüssen im Telekommunikationsbereich, unabhängig davon, ob sie über Internet, telefonisch oder persönlich vor Ort abgeschlossen werden.

Für schadfreie Rechtsvereinfachungen bin ich immer zu haben.

Berufsschulfreistellung für erwachsene Azubis

Der Deutsche Bundestag möge eine Änderung von § 9 des Jugendarbeitschutzgesetzes beschließen, wonach minder- und volljährige Auszubildene in der dualen Berufsausbildung an Berufsschultagen freizustellen sind.

Macht Sinn, wie soll eine Ausbildung anders funktionieren?

Umsatzsteuerfreiheit für aufgrund der SGB erbrachten Leistungen der Einzelfallhilfe

Der Deutsche Bundestag möge eine Änderung im Umsatzsteuerrecht beschließen, durch welche die aufgrund der Sozialgesetzbücher erbrachten Leistungen der Einzelfallhilfe eindeutig umsatzsteuerfrei sind. Dies soll unabhängig davon gelten, ob die Leistungen durch Einrichtungen (Trägermodell) oder selbstständig durch dafür qualifizierte Personen (Einzelfallhelferinnen und Einzelfallhelfer) auf Honorarbasis erbracht werden.

Klingt sinnvoll.

Beamte in die reguläre Krankenvorsorge

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Beihilfe für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes ersatzlos abzuschaffen. Beamte und Mitarbeiter des öfffentlichen Dienstes sollen der regulären Krankenversicherung unterliegen. Sie können hierbei entscheiden, ob sie sich gesetzlich oder privat versichern wollen. Der Dienstherr zahlt die regulären Beiträge zur Krankenversicherung.

Der Abbau von Sondergruppen in der Krankenversorgung ist ein sinnvoller Schritt wenn man, wie ich, mittel- bis langfristig eine Deprivatisierung dieses Sektors verfolgt.

Nichteinführung des Betreuungsgeldes

Ich möchte dringend darauf hinweisen, dass die Planungen zum Betreuungsgeld von 150 Euro, das an Eltern ausgezahlt werden soll, die ihr Kind nicht in eine Kindertagesbetreuung schicken, den Bemühungen zur frühkindlichen Bildung, die in den letzten Jahren forciert worden sind, entgegenwirken wird. Ich bitte den Bundestag, von der Einführung des Betreuungsgeldes abzusehen.

Schwierig. Einerseits sehe ich durchaus das Problem, dass ein betreuungsgeld Kinder aktiv aus dem Bildungssystem heraushält. Andererseits sehe ich auch eine Entwicklung, die Kinder ihren Eltern zunehmend entfremdet.
Bei letzterem ist der Trend zur schulischen Kompletterziehung aber mehr Auswirkung als Ursache. Das Schulsystem reagiert nur auf die zunehmende Zahl dessen, was man früher Schlüsselkinder nannte. Schwierig.

Anhebung und Begrenzung des Betreuungsgeldes

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die Auszahlung des geplanten Betreuungsgeldes auf die Einkommensgruppe bis 20.000 Euro Nettoverdienst pro Jahr und Bürger zu begrenzen und den Betrag dieser Zuwendung entsprechend den daraus resultierenden Einsparungen anzuheben. Das Betreuungsgeld kommt damit derjenigen Bevölkerungschicht zugute, die es dringend braucht und sichert gleichzeitig den sozialen Frieden in unserem Land. Bei Beziehern von „Hartz IV“ ist demfolgend unbedingt adäquat zu handeln!

Das ist schon weniger zwickmühlig: Einkommensschwache Familien, für die Tagesbetreuung ebenso wie Daheimbetreuung eine starke finanzielle Belastung darstellen zu fördenr, erscheint mir sinnvoll.

Lebensmittelampel

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Angaben zu Nährwert-Informationen auf Lebensmittelverpackungen (Kohlehydrate, Fett, Eiweiß, Zucker) zwingend in einer Farbscala (Ampelsystem: ROT, GELB, GRÜN) je wie gesund die Lebensmittel Bezug nehmend auf den Tagesverbrauch einer Person anzubringen sind.

Dies in einer großen Schriftart und für jeden Verbraucher eindeutigen Gestaltung sichtbar anzubringen auf allen Lebensmitteln. (Vgl. der Umsetzung in anderen europäischen Länder.)

Oh, ein Wiedergänger. Im Petitionnerstag XV (boah, ist das lange her) sagte ich, dass mir der Nutzen der Lebensmittelampel fraglich erscheint. Dabei bleibe ich und halte die aktuelle Närhwerttabelle auf den meisten Produkten für besser. Die Ampel pauschalisiert mir zu stark. Sie ist einfache rzu verstehen, aber mit dme Argument könnte man auch die BILD als beste Tageszeitung der Welt bezeichnen.

Widerspruchsregelung für Organspenden

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …für die Bundesrepublik Deutschland die Widerspruchsregelung für Organspenden einzuführen.

Erhöhung der Zahl der Organspender durch Organentnahme von Verstorbenen, die zeitlebens nicht zugestimmt, aber eben auch nicht widersprochen haben?
Das halte ich für höchst bedenklich.

Arbeitszeitbegrenzung für Schwerbehinderte

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass Schwerbehinderte nur 38,5 Stunden in der Woche arbeiten dürfen, sowohl in der 5 Tagewoche als auch in der 6 Tagewoche.

Lieber Petent: Warum?
Wenn ich querschnittsgelähmt 40-Stunden-Woche arbeiten wollte, warum sollte ich das nicht dürfen?

Abschaffung der Schaumweinsteuer

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …die Sektsteuer abzuschaffen.

Wieso man grade jetzt eine Luxussteuer abschaffen sollte, ist mir nicht ersichtlich. Eine Luxussteuersenkung (Mehrwertsteuer für Hotels) pro Legislaturperiode sollte reichen.

Verbot von Mogelpackungen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen das Verpackungen von Lebensmitteln und die Auszeichnung in Supermärkten eindeutig und lesbar zu sein hat. Außerdem kann es nicht angehen, dass Firmen „Mogelpackungen auf den Markt bringen ohne auf eine neue Abfüllungen hinzuweisen.

Mal wieder eine Petition für etwas, was bereits gilt.

Kindergelderhöhung für Kleinkinder

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …Die Regelleistung für Kinder unter 6 Jahren auf 276 Euro festzusetzen.

Das dieswöchige „Ich habe keine Ahnung, worum es geht“-Petition.
Ja, ich kenne die Kindergeldbeträge, der Petent bezieht sich in der weiteren begründung aber auf einen Regelsatz, von dem der aktuele Satz 60% sein sollen. Welcher Regelsatz und welcher der drei unterschiedlichen Kindergeldbeträge 60% davon sind, verschweigt er leider.

Korrekte ALG-II-Auszahlung

Der deutsche Bundestag möge darauf hinwirken, dass Regelleistungen nach dem SGBII (ArbeitslosengeldII, Sozialhilfe etc.) korrekt ausgezahlt werden. In Fällen, in denen ein Leistungsempfänger ein Einkommen zukünftig zu erwarten hat, darf dieses Einkommen erst ab dem Tag auf die Leistung angerechnet werden, an dem es dem Leistungsempfänger zur Verfügung steht. In der Praxis wird dies häufig nicht berücksichtigt und Leistungsempfängern die Zahlung verweigert. Diese Vorgehensweise ist rechtswidrig.

Hier ist der Bundestag einfach die falsche Adresse: Der Bundestag hat nichts damit zu tun, ob ein von ihm erlassenes Gesetz auch eingehalten wird.
Dafür sind die Gerichte zuständig.

3. Türchen 2009 0 

Es ist Dezember und weil ich von einem Pizza-Anbieter einen Adventskalender mit Schokolade als Werbegeschenk bekommen habe, werde ich für jedes Türchen einen Blogeintrag schreiben. den 1. Dezember habe ich verpasst, da war ein Flugzeug drin.
Was in den Beiträgen drin ist? Woher soll ich das vorher wissen?

3. Dezember: Geschenkkarton
Blogkonversion: Jokey Schlumpf geht mal gar nicht

Jokey SchlumpfNa, kennt den noch wer?
Das ist Jokey Schlumpf. Jokey liebte es, den anderen Schlümpfe Streiche zu spielen – am liebsten verteilte er Geschenke, die explodierten, wenn jemand sie öffnete.
Und jetzt stellt euch mal vor, die Schlümpfe würden heute erfunden werden. Wäre Jokey noch dabei? Und wenn ja, wie lange würde er es bleiben?

Ihc frage mich, ob es einfach nur die Unschuld der Kindheit ist, die Jokey in den 80ern möglich machte oder ob heute einfach nur die ganze Terrorismus-Panik so viel größer ist, dass wir uns sowas nichtmal mehr trauen würden, im Kinderfernsehen zu sehen.
Bei den Schlümpfen ist es akzeptiert, weil die einfach so lange tradiert sind. Mehr oder weniger.

Jokey hatte, soweit ich das sehen kann, als einziger Schlumpf keinen deutschen Namen. Dabei wäre „Scherzi Schlumpf“ oder sowas einfach gewesen – aber das wäre wohl zu offensichtlich gewesen. Bomben als Spass – sowas ging in den 80ern grade noch (Terrorismus setzte sie damals noch eher selten ein), im Urpsungsjahrzehnt der Schlümpfe, den späten 50ern war derkulturelle Kontext eh ein anderer – aber heute?

Sicher, andere Schlümpfe sind bei genauerer Betrachtung ebenfalls kontrovers – der Patriarch Papa Schlumpf und die klischeeüberladene Schlumpfine fallen sofort auf. Von dne wohl eher versehentlichen weltanschaulichen Aussagen mal ganz abgesehen.
Aber Jokey ist der einzige Schlumpf, der heute auch ein Mainstreampublikum für in einer Kindersendung unmöglich halten würde.
Und das sagt viel über unsere Zeit aus. Vor allem über unsere seltsame Prioritätensetzung.

In diesem Sinne:

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Die märtyrische Mauer 1 

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, Symbol der Trennung der Welt in Ost- und Westblock.
Der Kalte Krieg, die vermutlich friedlichste Zeit auf diesem Planeten seit Anbeginn der Geschichtsschreibung, war eine gewaltige Bürde für die Deutschen, die nicht breit waren, ihre einmal konstruierte Nationalität, aus der sie zuvor schon die Österreicher entlassen hatten, noch weiter zu verkleinern. Das gilt für den Westen besonders, aber auch für den Osten, wenn hier auch der beginn einer eigenen Nationalität langsam zu keimen begann. Doch das sollte man erst nach dem Mauerfal merken, als das Land plötzlich in Ossis und Wessis geteilt war, obwohl (oder weil?) die Mauer doch nun weg war. Das nannte man dann „Mauer in den Köpfen“.
Die Deutschen waren so lange sie stand Märtyrer für einen Frieden, den man so nicht gesehen hatte: Die ständige Bedrohung des Atomkrieges und die schiere Macht von USA und UdSSR hatte vermocht, jahrzehntelang brodelnde Konflikte klein zu halten – zum Preis der deutschen Teilung.

Doch mit dem Abriss der Mauer, wechselte die Märtyrerrolle auf diese über. Und das sogar noch wesentlich stärker als sie zuvor die Deutschen trugen.
„Die Mauer“ sollte ein Symbol werden für das Ende des Kalten Krieges und ein propagiertes Zeitalter des Friedens. Dass mit dem Ende des Kalten Krieges all die alten Wunden auf- und sich in desaströsen Konflikten bahn brechen würden, das war damals noch nicht klar. Diese Erkenntnis kam erst langsam auf, als Jugoslawien zerbrach und die USA über zwei Jahrzehnte eine Invasion praktisch des gesamten Nahen Ostens starteten.

Die Mauer sollte ein Symbol werden für ein Unrechtsregime, das dann auch gleich ins übernatürliche dämonisiert wurde, damit man mit dem Finger draufzeigen konnte – bald darauf würde der alte Westen beginnen, sich im Rahmen einer allumfassenden Sicherheitsrhetorik zunehmend dem DDR-geprägten Überwachungsstaat anzunähern.
Doch da man mit dem Finger auf die DDR zeigen konnte, hielt auch hier die Mauer als Märtyrer ihren Kopf hin. Schutzheilige des Überwachungsstaates wurde sie nun, ein märtyrisches Ablenkungsmanöver.

Auch erhielt „die Mauer“ über den bestimmten Artikel eine Einmaligkeit, die sie nicht hatte. Das immerhin hatte sie mit dem NS-Staat gemeinsam, der als singuläres Phänomen dasteht statt als immer noch brodelnde Gefahr, die sich jederzeit wiederholen kann.
das hängt einerseits mit den Sicherheitsbestrebungen Großdeutschlands und des Westens zusammen, aber auch mit dem Willen, ähnliche Phänomene zu verdrängen.
Dass Israel etwa eine Mauer – Verzeihung, einen Schutzwall – quer durchs Land baut, das blendet man gerne aus, schließlich haben wir die historische Pflicht, jede Scheisse, die da unten passiert gutzuheissen Israel zu unterstützen. Und vor allem ist es ja ein großer Unterschied, ob eine Mauer (plus Todesstreifen mit allem drum und dran) nun ein antifaschistischer (DDR) oder ein antiterroristischer (Israel) Schutzwall ist.

Der Fall der Mauer sollte auch eine neue Identität der Deutschen stiften – die datumsgleiche Reichspogromnacht verlor an Bedeutung für die Erinnerung der Deutschen, ebenso die Ausrufung der Weimarer Republik 1918, Hitlers Putschversuch 1923 und viele weitere. Der Begriff „Schicksalstag der Deutschen“ wurde ein bloßes Echo oder gleich komplett auf die Mauer bezogen.
An diesem Tag verloren die Deutschen ihre Geschichte, plötzlich waren historische Ereignisse kein Teil des Gegenwartsverständnisses mehr.

Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich freue mich über den Fall der Mauer.
Was mich nicht erfreut ist der Umgang damit – wir dürfen die Mauer nicht als Phänomen der Vergangenheit betrachten. Alles, was je passiert ist liegt im Bereich dessen, zu was Menschen fähig sind – im Guten wie im Schlechten. Wolen wir die mauer wirklich erinnern, müssen wir ihre Wirkungen, ihre Nachahmer in der Gegenwart sehen. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen von der Historisierung und immer im Kopf behalten: Die Geschichte ist immer ein Teil unserer Gegenwart, ja sie ist ein Produkt unserer Gegenwart (denn was wie in unseren Geschichtsbüchern steht, dass entscheiden die Menschen der Gegenwart). Wir dürfen nie den Fehler machen zu glauben, sie sei vorbei.
Geschichte ist nicht einfach nur Vergangenheit, sie ist ein Ergebnis menschlichen Handelns. Und wir sind immer noch die selbe Menschheit wie vor 20, 60, 100 Jahren. Vergesst nie: Alles, was bereits geschehen ist, kann jederzeit irgendwo wieder geschehen.
Genau deshalb ist Geschichte auch nicht nur Selbstzweck – sie zeigt uns, wozu Menschen fähig sind. Im Guten wie im Schlechten. Geschichte ist immer ein Abbild der Gegenwart, der menschlichen Psyche. Mögen wir das nie vergessen: Geschichte ist nie Vergangenheit.
Und sie hat besseres verdient als die Behandlung als Ablenkungsmanöver.

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Witzerwelle 0 

Hiermit läute ich offiziell ein neues politisches Zeitalter in Deutschland ein – das Zeitalter der Westerwelle-Witze.

Die letzte Bundesregierung war ja, was die Humorlosigkeit angeht, deutscher als alle anderen vor ihr. oder fällt einem hier auch nur ein guter Merkel-Witz ein?
Das ändert sich dank Westerwelles inzwischen berühmte gewordenen Englisch-Probleme nun, die bieten reichlich Witzmaterial für die nächsten Jahre. Den hier fand ich gut, bleibt aber nicht lange frisch:

CDU und FDP einigen sich in Frage der Zensur: Westerwelle kriegt in Englisch eine 4

Da lob ich mir ökologisches Denken. Bei Westerwelle kann man nämlich einfach alte Kohl-Witze recyceln. Und da die Ära Kohl schon so lange vorbei ist, fällt das heute kaum noch wem auf.
Hier ist einer, einfach Thatcher und Kohl durch Clinton und Westerwelle ersetzen, fertig is:

Helmut Kohl und Maggy Thatcher gehen nach dem Gespräch noch in den Biergarten. Das Bier kommt an und beide prosten sich zu.
Thatcher: To your health!
Kohl: To your Dunkles!

Da, funktioniert immer noch. Der auch:

Helmut Kohl ist mit seiner Frau auf Safari. Sie sehen verschiedene Tiere: eines mit langem Hals, eins mit Rüssel und Stoßzähnen, eines mit Horn auf der Nase. Jedes mal fragt seine Frau: „Helmut, wie heißt denn das Tier?“ Kohl antwortet jedes mal ohne Zögern: „Dangerous“.
Seine Frau daraufhin ganz erstaunt: „Helmut, wie kannst du dir das alles merken, wenn du doch schon soviel in der Politik behalten musst?“
Darauf Kohl: „Das war ganz einfach Liebes. Über dem Safari-Park hing ein Schild und darauf stand ja: ‚Animals are dangerous'“

Und nicht nur das, auch andere politische Witze aus der Kohl-Ära lassen sich prima nochmal neu auflegen. Der hier zum Beispiel ist jetzt sogar noch aktueller als damals:

Kohl hat Mitterand zu Gast zum Saumagen-Essen. Mitterand stochert aber angewidert im Essen, bis Kohl ihm etwas ins Ohr flüstert. Darauf schlingt Mitterand den Saumagen herunter.
Nach dem Essen fragt nun Genscher ganz erstaunt Kohl: „Was hast du ihm denn gesagt, dass er plötzlich so einen Hunger hatte?“
Darauf Kohl: „Ich hab ihm gesagt, wenn er den Saumagen nicht isst, bekommt er das Saarland zurück samt Lafontaine.“

Und ja, nach der nächsten Bundestagswahl kram ich meine alten Otto-Platten aus der Ära Schmidt hervor. Wir sind hier so öko.

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Pedalokopter III: Paragrafenreiterei 0 

Pedalokopter ist ab sofort der Überbegriff für die Projekte Maple Nut und Rotopéde, also meinen pedalgetriebenen Hubschrauber. Ab sofort gibt es zu diesem Projekt jeden Mittwoch etwas neues – auch, um mich selbst an dem Projekt zu halten.

Eine im Voraus zu klärende Frage ist natürlich die, ob der Pedalokopter überhaupt abheben darf.
Dann wollen wir uns mal in die Paragrafen stürzen:

§1 Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO)

[…](4) Ein- oder zweisitzige Luftsportgeräte ohne Motor oder mit einem nicht fest mit dem Luftfahrzeug verbundenen Motor und mit einer höchstzulässigen Leermasse von 120 Kilogramm einschließlich Gurtzeug und Rettungsgerät sind von der Musterzulassung befreit. Für diese Luftfahrzeuge hat der Hersteller die Erfüllung der Lufttüchtigkeitsforderungen nach § 10a der Verordnung zur Prüfung von Luftfahrtgerät nachzuweisen. […]

[…]

§6
[…]
(2) Luftfahrtgeräte nach § 1 Abs. 4 sind von der Verkehrszulassung befreit. Flugmodelle mit einer höchstzulässigen Startmasse über 25 Kilogramm und bis zu 150 Kilogramm bedürfen keiner Verkehrszulassung, wenn deren Verkehrssicherheit nach der Verordnung zur Prüfung von Luftfahrtgerät bestätigt ist.

Daraus folgt: Bleibt das Gewicht des Geräts unter 120 kg (das bleibt es garantiert, 120 kg per Pedale mit Rotor in die Luft zu heben dürfte aussichtslos sein), ist keine Zulassung nötig. Hier handle ich als Hersteller auf eigene Verantwortung und habe nur dafür zu sorgen, dass die genannte Verordnung eingehalten wird.
Und bei genauerem Hinsehen nichtmal das: Da der Pedalokopter so oder so ein Einzelstück ist und bleiben soll, ist er von der Musterzulassung ausgenommen:

§1 LuftVZO
(3) Ein Luftfahrtgerät, dessen Nachbau nicht vorgesehen ist, wird als Einzelstück zugelassen. Einzelstücke sind von der Musterzulassung befreit.

Aber es kommt noch besser: Der Pedalhelikopter ist kein Luftfahrzeug, denn:

§1 Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
(2) Luftfahrzeuge sind
[…]
11.
sonstige für die Benutzung des Luftraums bestimmte Geräte, sofern sie in Höhen von mehr als dreißig Metern über Grund oder Wasser betrieben werden können

Da der Pedalhelikopter nie im Leben 30 Meter erreicht (ein Zehntel davon wäre der 15-fache Weltrekord), ist er kein Luftfahrzeug. Zwar nennt das Gesetz Drehflügler (Helikopter und Gyrokopter) als Luftfahrzeuge, da aber Segelflugzeuge auch separat von Flugzeugen genannt sind, ist davon auszugehen, dass nur motorisierte Helikopter gemeint sind.
Somit muss das Fahrzeug gar nicht zugelassen werden. Da es auch ganz klar kein Straßenfahrzeug ist, gibt es praktisch keine auf dieses Gefährt anwendbaren Verkehrsgesetze.
Sicherheitsmaßstäbe sind also eigene zu emritteln. Das Ergebnis dürfte eine Kombination aus StVO- und LuftVO-Regelungen sein, etwa in der Beleuchtung (Luftpositionslichter sowie Scheinwerfer und Rückstrahler für die Straße).

Die einschlägigen Gesetze im einzelnen: LuftVZO, LuftGerPV, LuftVG, LuftVO und die Anlage zur LuftVO zu dne Positionslichtern von Luftfahrzeugen.

Womit das nicht nur geklärt wäre, ich bin auch überrascht, wie unkompliziert diese juristische Seite der Sache zu sein scheint.

Fortschritte seit letzter Woche

  • Luftfahrtrechtliche Recherchen im Groben abgeschlossen
  • Verbessertes Konzept des Lenkmechanismus für die Maple Nut

Hinweis: Ich bin kein Jurist. Bevor jemand die hier dargestellten Ausführungen übernimmt, empfehle ich die nochmalige Konsultation eines Anwalts, der sich in Luftfahrtrecht auskennt. Anwendung der Ausführungen in diesem Artikel erfolgt auf eigene Gefahr.

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Mal was positives zur Wahl 0 

Gut, okay, es ist jetzt also Weltuntergang.

Aber seht’s mal positiv: Unter anderem abgesetzt ist nunmehr das Inkompetenzteam aus Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, Unweltminister Sigmar Gabriel und Justizministerin Brigitte Zypries.
Ich werde nie verstehen, was die SPD 2005 geritten hat, ausgerechnet Schmidt und Zypries zu behalten und da mit Gabriel noch einen kohlefördernden Umweltminister draufzusetzen.

Zeitplan für den Pedalhelikopter, Phase 1 0 

Erfolgreiche Projekte brauchen einen Zeitplan und darin festgelegte Voraberfolge, um zu funktionieren: So kann man früh Fehler entdecken und korrigieren und sich andererseits bei Erfolgen motivieren.
Der motorlose Helikopter ist mein größtes Projekt und mir fiel auf, dass dafür etliche Daten gesammelt werdne müssen, bis das eigentliche Projekt gebaut werden kann. Daher und damit Leser wissen, wann sie mit weiteren Infos zu dem Projekt rechnen können ein erster Fahrplan zur Phase I, Datensammeln und Teiltests:

Leistungsmessung/Training beim Piloten (mir): ab sofort, kontinuierlich, Mesungen bis November 2009 abgeschlossen
Materialermittlung/Rotorentwurf: Dezember 2009
Konstruktionsbeginn Testrotor: Frühjahr 2010
Hubkraftmessung Testrotor: Sommer 2010

Ziel dieser Phase ist es, die Erfolgschancen des aktuell favorisierten Entwurfs zu ermitteln. Dafür sind die Leistungsdaten wichtig: Wie viel Kraft kann ich als Pilot in das System einspeisen, wie lange halte ich die Maximalbelastung durch und wie viel Gewicht kann der Rotor als Antriebsteil mit dieser Leistung heben?
Daraus ergeben sich dann die benötigte Rotorspanne, Rotorblattmaße, Anzahl der Rotoren (bis zu 4), Maximalgewicht des Fluggeräts und damit letztendlich auch die Maße des Hubschraubers.
Bei den Pilotenmessungen geht es um aufbringbare Kraft (annäherungsweise messbar an der Geschwindigkeit beim Radfahren) und maximale Geschwindigkeit der Beinmuskulatur (Eingangs-u/min).

Daraus folgt dann die Entscheidung, ob das Gesamtvehikel aussichtsreich ist und gebaut wird, oder ob es noch weiterer Verfeinerungen, etwa im Rotordesign, bedarf.
Für mich persönlich gibt es auch einen Mindeststandart, um es weiter zu versuchen: Ich will 2010 die Goldstufe des Deutschen Radsportabzeichens erreichen. Die Anforderungen sind nach kurzer Durchsicht durchaus erreichbar. Das ist ein wichtiger Meilenstein bei der Frage, ob ich genug Leistung in das System einspeisen kann um überehaupt Erfolgsaussichten zu haben. Ausserdem ist es nochmal eine zusätzliche Trainingsmotivation.

(Fortschritte seit dem letzten Beitrag: verändertes Antriebskonzept für die Maple Nut, Konzeptoptimierung für Rotoraufhängung und Kraftübertragung, erstes Konzept für die Lenkungssteuerung, stabileres Rotorblattkonzept, mehrere alternative Rotorenmuster für die Maple Nut erstellt)

Projekte, Projekte 0 

Die letzten tage gab es zwei neue Wettbewerbsausschreibungen, an denen ich entschieden habe, mich zu versuchen. Und damit da noch mehr gute und kreative Ideen von noch mehr Leuten einfließen, stelle ich die auch hier vor, da ich die Wettbewerbe selbst für gut halte.

Visions of a Village Contest
Die Herausforderung hier ist es, auf einem DIN-A4-Blatt eine Vision eines neuen Dorfes zu entwickeln, welches durch neue Ansätze Low- und High-Tech zu einem nachhaltigen Lebenskonzept einer Gemeinschaft vereinigt.
Verlangt wird ein ausreichend detailiertes Konzept, um das Projekt später umsetzen zu können.

Preis: 1 x 2.500 €, 2 x 1.250 €
Einsendeschluss: 23. September
Mehr Infos: clear-village.org
Status: Idee soweit fertig, ich muss das nur alles als grafische Darstellung auf eine A4-Seite kriegen
Hoffnung: Anstoß für die Aufnahme neuer Konzepte in die Architektur. Mir persönlich geht es dabei um die enge Verknüpfung von natürlichem und menschengemachtem Raum.
Mehr dazu: Die eingereichten Konzepte sind geheimzuhalten, bis Clear Village sie freigibt. Ist das geschehen, gibt es sofort mehr Infos hier. Oder wenn ich es nicht schaffen sollte, das Konzept rechtzeitig einzureichen.

Igor I. Sikorsky Human Powered Helicopter Competition
Seit mittlerweile 30 Jahren ungelöst: Wie baut man einen Helikopter, der allein mit menschlicher Kraft fliegt. Der Traumm dahinter ist sogar noch älter – Kurd Laßwitz träumte ihn bereits in den 1880er Jahren.
Der Gewinner des Wettbewerbs muss für mindestens 60 Sekunden in einer Höhe von mindestens 3 Metern fliegen und darf dabei einen Raum von 10×10 Metern nicht verlassen.
Der bisherige Weltrekord bei einem menschengetriebenen Helikopter sind 20 Zentimeter für 19,46 Sekunden. Bisher sind nur zwei solche Geräte abgehoben: Die Da Vinci III aus Kalifornien und die Yuki I aus Japan:

Da Vinci III

Ausserdem findet man bei Youtube einige Maschinen, die nicht abgehoben sind.
Die Tatsache, dass diese beiden Maschinen aber doch abgehoben haben, ist faszinierend. Vor allem die Da Vinci III erscheint mir relativ ineffizient ( offene Luftschrauben sind keine guten Antriebe), daher sollte da noch einiges mehr drin sein. Dennoch: Alleine ein Fluggerät, welches ebenfalls 20 Sekunden in der Luft bleibt zu bauen, dürfte eine große Herausforderung sein – hauptsächlich wegen des Gewichts der Maschine selber.
Allerdings gibt es inzwischen ja regulär pedalgetriebene Luftkissenboote – ein Helikopter wäre das der nächste Schritt. Ebenfalls schon gebaut wurden seit den 1980ern drei pedalgetriebene Zepelline.

Preis: 250.000 US$ für den ersten Menschen, der es schafft
Wettbewerbsschluss: offen
Mehr Infos: Vertical Flight Society
Status: Designphase – ich verfolge aktuell zwei Konzepte. Eines (das Rotopéde) verbessert die Da Vinci III, eines (die Maple Nut) sieht komplett anders aus als die beiden bereits geflogenen Fahrzeuge uns setzt auf extrem simple Technik.
Hoffnung: Ich glaube nicht, dass ich so ein Gefährt jemals eine ganze Minute in der Luft halten können werde – aber schon etwas zu bauen, was überhaupt abhebt (und sei es nur eine Sekunde), ist eine große Herausforderung von der ich glaube, dass ich viel Spass an ihr haben werde.
Mehr dazu: Das hängt von der Entwicklung ab. Auf jeden Fall werde ich mehr dazu schreiben, sobald das Projekt die bloße Designphase verlässt oder diese abgeschlossen ist. Es kann ein-zwei Jahre dauern, bis erste Experimente (motorisierte Modelle) zur Umsetzung vorzeigbar sind.

Petitionnerstag XXIX 1 

Diese Woche werden wir öko: Erleichterungen für Elektroautos, schadstofffreie Kinderwagen und billige Energiesparlampen nebst verbesserter Fangquoten für Fische:

Schadstoffverbot für Kinderwagen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass es eine strikte Regulierung bei der Fertigung von Kinderwagen geben wird,die eine Verwendung von Schadstoffen verbietet oder reguliert.

Offenbar gibt es sowas tatsächlich noch nicht. Rgeuliert sind bisher nur Schadstoffe in Kinderspielzeug. Man sollte dieses Gesetz einfach auf Gebrauchsgegenstände für Kinder/Eltern ausweiten.

Beifang mit in die Fangquoten einrechnen

Der deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Regelung der Fangquoten geändert wird.

Konkret will der Petent, dass auch Beifang, also versehentlich gefangene Fische, in die Fangquoten eingehen. Dadurch würden die Tiere stärker geschont werden und es entstünde ein Druck auf die Fischer, Beifang zu minimieren.

Vierteljährliche Zahnsteinentfernung

Der Deutsche Bundestag muss beschließen, dass die Krankenkassen anstatt einmal im Jahr, viermal im Jahr die Kosten der Zahnsteinentfernung übernehmen!

Das wäre eine Rückkehr zu der Regelung, die bis 2004 geherrscht hat. Da der Zahnarzt die Zahnsteinentfernung, wenn nötig, eh mehr oder weniger nebenbei in der jährlichen Routineuntersuchung macht, kann ich mir nicht vorstellen, dass das viel kostet.

Ankündigungen von Zwangsversteigerungen ins Internet

Der Bundestag wolle beschließen, dass die Amtsgerichte zur Veröffentlichung aller Zwangversteigerungstermine im Internet verpflichtet sein sollen.

Das hielte ich für praktisch. Überhaupt wäre eine verbindliche Vorgabe, wo genau die Ankündigungen von Zwangsversteigerungen erfolgen sollen, sehr angenehm – für Versteigerer wie für eventuelle Interessenten.

Kindergeldkopplung ans Einkommen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen… der Kindergeldfreibetrag ist mit den regelmäßigen Durchschnittseinkommenserhöhungen oder der jährlichen Inflationsrate zu koppeln. Die starre Struktur der Freibetragsgrenzen, die unregelmäßig durch den Gesetzgeber verändert werden, machen ein Kopplung des Grenzbetrages an Inflation oder die durschschnittliche Einkommensentwicklung nötig.

Man könnte dies auch nutzen, um das Kindergeld besser zu verteilen: Mehr Geld an Arme, weniger an Reiche. Das allerdings widerspricht dem, was der Petent im Sinn hat, denn er will ja ein höheres Kindergeld bei höherem Einkommen. dennoch, mit dem Ansatz kann man mE in beide Richtungen arbeiten.
Die Frage ist, ob dabei der Verwaltungsaufwand nicht eher steigen und die Sache somit sehr teuer würde.

Anpassung der Rentenversicherung für ALG-II-Empfänger

Der Deutsche Bundestag muss beschließen, dass die Beitragsbemessungsgrundlage bei der Berechnung der Rentenbeiträge bei ALG II Empfängern von derzeit 205 € erheblich erhöht wird und der Realität angepasst wird!

Es geht um eine Anpassung an den Krankenversicheurngssatz, der wesentlich höher liegt. Wichtig ist dem petenten vor allem der sich aus den Abgaben ergebende Anspruch.

Preissenkung für Energiesparlampen

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, über den Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments eine Preisanpassung für Energiesparlampen an die der jetzt entsprechend Beschluss abzulösenden traditionellen Glühlampen zu erreichen.

Ich dneke nicht, dass die Lampenpreise durch die Politik geregelt werden sollten.

Wechselkennzeichen für Elektroautos

Der Deutsche Bundestag möge beschließen …
für Besitzer von Elektroautos (kein Hybrid) ein Wechselkennzeichen einzuführen. Das Kennzeichen eines PKW mit Verbrennungsmotor darf dann im Wechsel (nicht gleichzeitig) auf an einem Elektroauto verwendet werden, die Versicherung ist ebenfalls gültig.

Halte ich schlicht und einfach für nicht umsetzbar. Ein Kennzeichen = ein Fahrzeug, alles andere wäre mE absurd.

Nachtrag
Upps, ein X vergessen, das ist natürlich die Nummer 29 (XXIX), nicht 19 (XIX).

Ästhetik des Endes 0 

Das ist Los Angeles, vergangene Nacht.

Station Fire

Cosmic Variance via Aufklärung 2.0

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