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Less Litter Lifestyle 5: Die Haare schön 0 

Die ganze Serie

Der Herbst bringt viel Frucht mit sich. Essbare Nüsse sammeln wahrscheinlich viele, die diese Serie lesen, aber richtig interessant ist auch, was man mit nicht essbaren Nüssen machen kann. Die auffälligste unter den nicht essbaren Nüssen dürfte die Rosskastanie sein. Mal abgesehen von ihrem Nutzen als Pferdefutter, dem sie ihren Namen verdankt, reinigt sie auch noch gut. Wie, dazu komme ich nach dem Bild zum Artikel.

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Ich schreibe weiter, sobald ich mich davon abhalten kann, mir für diese Bildkomposition auf die eigene Schulter zu klopfen

Vor ein paar Jahren kam die aus Indien stammende Waschnuss bei ökologisch denkenden Menschen in Mode, eine an so genannten Saponinen reiche Nuss, die in ihrem Herkunftsland traditionell zum Waschen von Kleidung genutzt wird. Leider führte der westliche Bedarf an Waschnüssen zu einem starken Preisanstieg und inzwischen können viele Inder sich die Nuss nicht mehr leisten und müssen auf eben jene Waschmittel ausweichen, die im Westen durch die Waschnuss ersetzt werden sollten. Vom langen Weg aus Asien zu uns ganz zu schweigen. Das konnte nicht Sinn der Sache sein und so suchte man nach Alternativen zur Waschnuss.
Und tatsächlich, auch in Europa sind Pflanzen mit hohem Saponingehalt heimisch. Mit der Rosskastanie gar eine, deren Saponingehalt ähnlich hoch bis höher war als jener der Waschnuss.lll-shampoo

Phase 1: Waschmittel und Flüssigseife

Flüssigwaschmittel aus Kastanien ist sehr einfach herzustellen. Man nehme je nach Größe 5-8 Kastanien, zerschniede oder zerhämmere sie und bedecke sie mit Wasser. Die Kastanien müssen vollständig mit Wasser bedeckt sein. Das Ganze lässt man dann über Nacht stehen und gießt die gelbliche, leicht Blasen schlagende Flüssigkeit durch ein nicht zu feines Sieb. Das Sieb sollte so sein, dass es die Kastanienstücke rausfiltert, aber die Seife gut durchlässt.
Für Weisswäsche ist das Waschmittel so nicht geeignet, aber auch das geht mit ein paar zusätzlichen Schritten. Dazu entfernt man die braune Schale von den Kastanien (das geht bei geschnittenen leichter als bei ganzen oder mit dem Hammer zerschlagenen) und gibt bei der Wäsche noch einen Teelöffel Backpulver dazu.
Im Grunde kann man das Waschmittel auch als Flüssigseife nutzen. Aber wir können noch einen drauflegen und auf dieser Basis Shampoo herstellen.
Nicht zu viel machen: Die Kastanienseife hält sich etwa eine Woche. Zur Vorratshaltung sollte man Kastanien nehmen und entweder einfrieren, oder zerkleinert trocknen (etwa 2 Stunden zerschnitten oder zerhämmert bei 50°C im Ofen oder Trockner).

Phase 2: Shampoo

Für das Shampoo brauchen wir zwei Ladungen von dem Waschmittel. Der Grund dafür ist unsere zweite Zutat: Eine Quitte oder ein halber Apfel ergänzen die Seife um deren Vitamine und Fruchtsäuren, die bei der Haarpflege helfen. Natürlich geht auch eine andere Menge, ¼ Apfel ist nur ein etwas unpraktisches Maß für Rezepte.
Das Obst wird mitsamt der Kerngehäuse kleingeschnitten.
Obst und Seife kommen in einen Kochtopf und werden etwa 25 Minuten abgedeckt köcheln gelassen, danach werden mit einem groben Sieb die restlichen Obststücke rausgefiltert. Wenn das Shampoo zu flüssig ist, kann man es mit Speisestärke andicken.
Manche Rezepte verwenden andere Mittel zum Andicken (etwa Pektin oder Flohsamenschalen), aber Speisestärke bindet am schnellsten ab, ist am günstigsten, in jedem Supermarkt zu finden und in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden.
Auch das Shampoo hält im Kühlschrank etwa eine Woche. Für die Vorratshaltung kann man es einfrieren oder wie Marmelade einkochen.

Anwendung

Das Waschmittel wird wie normales Flüssigwaschmittel benutzt. Zu beachten ist aber, dass es das Wasser nicht entkalkt, das muss man also hin und wieder zusätzlich machen, um die Waschmaschine zu pflegen.
Ähnlich wie die Zahnpasta schäumt auch das Shampoo nicht annähernd so stark wie vertraute Industrieprodukte, die gezielt mit Stoffen versehen werden, die das Schäumen fördern. Das tut der Reinigungswirkung keinen Abbruch, ist aber halt ungewohnt.

Müllvermeidung

Aus eigener Ernte vermeidet man natürlich den gesamten Verpackungsabfall von Waschmittel- und Shampooflaschen, aber auch gekauft gibt es Obst und Kastanien reicht leicht unverpackt zu kaufen. Bei Weisswäsche und Shampoo fallen die Verpackungen von Stärke und Backpulver an, das ist aber im Vergleich zur normalen Abfallmenge für diese Produkte so gut wie nichts.

Nächste Woche geht es weiter mit unserer Herbsternte. Wir machen kuhfreie „Milch“ aus Nüssen. Denn für eine eigene Kuh dürften die meisten dann doch etwas wenig Platz haben.

Less Litter Lifestyle 4: Brause Ahoi! 0 

Die ganze Serie

Es war ein wenig länger als geplant, aber jetzt ist alles wieder normal. Um das zu halten, habe ich die Serie vom bei mir oft gefüllten Montag auf Dienstag verschoben, nicht wundern.
Was sich nicht verschoben hat, ist der Inhalt: Nach der Limonade in Teil 3 kommt nun wie versprochen die Limonade zum Mitnehmen, sprich das Brausepulver.

Von links nach rechts: Orange, Zitrone und Vanille. Im Glas prickelt ebenfalls Orange

Von links nach rechts: Orange, Zitrone und Vanille. Im Glas prickelt ebenfalls Orange

Das Grundprinzip hat sich seit der flüssig hergestellten Limonade nicht verändert: Imme rnoch kommt das Sprudeln von einer Reaktion zwischen Natron und einer Säure. Aber während die flüssige Variante mit der natürlichen Säure in Saft und Essig reagierte, müssen wir das hier anders bewerkstelligen, denn diesmal soll unsere Mischung haltbar und leicht zu transportieren sein. Das geht mit einer relativ schweren Flasche Saft nicht wirklich gut. Aber wir haben eine andere Option.
Bergsteigern verdanken wir eine Survival-Erfindung namens Aqua mirabilis, das Wunderwasser. Es war ein in kleinen Säckeln mitgeführtes Pulver, mit dem man aus jedem gefundenen Wasser ein schnelle Erfrischung herstellen konnte. Es sterilisierte das Wasser zwar nicht, aber immerhin tötete die Natron-Säure-Reaktion doch genug Keime, um das Risiko einer Krankheitsübertragung stark zu vermindern.
Darum müssen wir uns heutzutage nur noch wenig Sorgen machen. Wir haben Leitungswasser guter Qualität in nahezu jedem Haus. Was bleibt, ist eine leicht zu lagernde und zu transportierende Limonadengrundlage. Und natürlich ihr direkter Nachkomme, das Brausepulver mit Geschmack.

Aqua mirabilis

Und hier die schön formatierte Version zum Teilen in den Bild-Netzwerken

Und hier die schön formatierte Version zum Teilen in den Bild-Netzwerken

Die Mischung von Aqua mirabilis ist denkbar einfach. Um genug Pulver für ein Glas herzustellen, mischt man einfach die folgenden Zutaten:

  • ½ TL Zitronensäure
  • ¼ TL Natron
  • ½ TL leicht löslicher Zucker (Puder- oder Traubenzucker)

Das war es schon. Das ganze gibt man dann in ein Glas mit Wasser, lässt es sich auflösen und fertig ist die traditionelle Bergsteigererfrischung.

Platz für Experimente

Wer nun verschiedene Geschmacksrichtungen erhalten möchte, gibt statt dem Zucker einfach eine entsprechende Mischung dazu. Wichtig ist, dass sie trocken ist, damit Natron und Säure nicht zu reagieren beginnen, bevor sie ins Wasser kommen.
Ich habe für das Bild jeweils eine Halbhalb-Mischung aus getrocknet gemahlener Orangenschale und Traubenzucker, eine solche aus Zitronenschale und Traubenzucker sowie Vanillezucker benutzt, im Glas sprudelt die Orangenvariante. Der Geschmack der beiden Fruchtvarianten ist bis auf die spürbaren Stückchen im Getränk identisch mit der im Titel des Beitrags angedeuteten Markenbrause. Die Vanillebrause lässt sich schlecht vergleichen, denn Vanillebrause habe ich noch nie irgendwo fertig gesehen — sie riecht besser, als sie schmeckt, schmeckt aber auch nicht schlecht.
Das deutet schon an: Macht man die Brause selbst, kann man alles ausprobieren. Warum zum Beispiel nicht Lavendel-Brause? Gefriergetrocknete Erdbeeren zermahlen dazugeben? Oder wie wäre es nächstes Jahr mit etwas Pulver von getrockneten Wurzelstücken des Ingwers aus dem zweiten Teil der Reihe? Gar Knoblauchpul… okay, es gibt doch einen Schritt zuviel. Oder doch nicht? Es sind eure Geschmacksnerven!
Manche Rezepte aus dem Netz nutzen übrigens Wackelpuddingpulver für den Geschmack. Mit seinen Portionstütchen nicht die beste Variante für die Abfallvermeidung, aber halt auch möglich, zum Beispiel als einfache Bezugsquelle für Waldmeistergeschmack.

Müllvermeidung

Das kommt natürlich sehr auf die Quellen der Rohstoffe an. Kauft man diese in Großgebinden, vermeidet man die ganzen Tütchen, welche bei der portionsweise abgepackten Fertigbrause anfallen. Als Bonus hat man die Möglichkeit, nach Herzenslust zu experimentieren und meidet einige zwiefelhafte Inhaltsstoffe des Originals wie Acesulfam-K und Saccharin.

Nächste Woche

Es ist herbstlichster Herbst und damit kommen wir zu den Dingen, die nur im Herbst gehen. Ich empfehle, sich draussen schon mal mit Kastanien und Nüssen einzudecken. Nächste Woche verarbeiten wir dann die Kastanien zu Shampoo und Waschmittel.

Less Litter Lifestyle 3: Limonade 0 

Die ganze Serie

Das Wetter ist heute ebenso wie schon am Wochenende großartig hier im Rheinland und so bietet sich an, eine Erfrischung vorzustellen.

Drei Flaschen Limonade auf einem Tisch im Park

Limo selbstgemacht, der Park war zum Glück schon fertig da

Das englische Wort „soda“ hat im Deutschen zwei mögliche Übersetzungen: Natron und Limonade (oder auch allgemein Sprudelgetränk). Das hat seinen Grund. Bevor Limonade mit komprimiertem CO2 hergestellt wurde, wie wir das heute kennen, verwendete man Natron, um den Sprudel ins Getränk zu bekommen.
Und weil das mit Zitrusfrüchten besser geht als mit anderen, ist es im Deutschen auch Limonade.
Nun muss ich gleich vorab sagen: Das Getränk unterscheidet sich schon deutlich von Limonade in Flaschen. Es sprudelt nicht lange und erinnert vom Mundgefühl her eher an Ahoj-Brause. Auch diese beruht auf dem selben Prinzip: Trifft Natron auf eine Säure, zerstören die Säure und das Natron sich gegenseitig, wobei CO2 entsteht — es sprudelt. Das ist zwar ungeeignet, um Limonade für das Abfüllen in Flaschen herzustellen, aber für eine schnelle Erfrischung ist es ideal.

Hier habe ich im Grunde zwei Rezepte erfolgreich ausprobiert – eines unter dem Namen „Omas Erfrischung“, das andere in den Varianten Zitrone und Limette in den praktischen Henkelgläsern oben im Bild. Ich mag die Henkelgläser.

Es sprudelt: Zitrusfruchtlimos mit Natron

Limo aus drei Zutaten (plus Wasser)

Und hier das praktisch betxtete Bild zum Weiterteilen des Artikels

Die meisten Rezepte im Netz kommen mir sehr dünn und wässrig vor, deshalb habe ich die Menge Saft etwas erhöht, bis es mir schmeckte. Einfach ein wenig die Mengen variieren, jeder Geschmackssinn ist anders. Es hat mit Zitronen und Limetten hervorragend funktioniert, aber auch andere Zitrusfrüchte müssten ohne Zugabe von zusätzlicher Säure gehen.

Man gebe in dieser Reihenfolge in eine Flasche oder ein großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • Saft einer Zitrone oder Limette (bzw. 4 EL purer Saft aus der Flasche)
  • 1 EL Zucker
  • 1 TL Natron

Sobald das Natron zugegeben wird, beginnt das Gebräu, stark zu schäumen. Sobald der Schaum anfängt zurückzugehen, kann es getrunken werden. Da das Sprudeln keine halbe Stunde hält, würde ich es immer frisch und portionsweise zubereiten.

Erst nach dem Sprudeln trinkbar: Omas Erfrischung

Okay, das war im ersten Moment eine unangenehme Erfahrung: Omas Erfrischung ist im Grunde Essiglimonade. Mir haben einige Leute bestätigt, dass das keine Erfindung der verlinkten Seite ist. Das Prinzip ist ähnlich den obigen Limos und sie ist wohl eine der Urgroßmütter unserer heutigen Limonaden. Und immerhin, ist das Sprudeln einmal abgeklungen, ist das Ergebnis ganz trinkbar. Nicht vom vag chemischen Geruch der Essigessenz abschrecken lassen.
Allerdings nicht mit der geringen Menge an Wasser und Natron, die das Originalrezept angibt.

Es kommen nacheinander in eine Flasche oder großes Glas:

  • ¼ l Wasser
  • 2 TL Braune Essig-Essenz
  • 2TL Zucker
  • 1 TL Natron

Dieses Getränk wird weniger stark schäumen als die Limonade, aber dennoch sichtbar reagieren. Erst trinken, wenn sich das Natron aufgelöst hat, dann ist der starke Essiggeschmack zu einem trinkbaren Aroma reduziert.
Im Bild oben ist das Getränk klar, das liegt aber daran, dass ich nur klare Essigessenz bekommen habe. Mit brauner Essenz ist es entsprechend eingefärbt.

Müllvermeidung

Selbst wer seine Limonade bereits selber macht, spart auf diese Weise die Patronen ein, die ein Sprudelautomat im Betrieb verbraucht. De Menge an Getränken, die man so sprudeln lassen kann, ist natürlich beschränkt, denn wir brauchen als Grundlage Säuren. Dieses Problem werden wir nächste Woche lösen, wenn wir auf der selben Grundlage in jeder nur denkbaren Geschmacksrichtung Brausepulver machen.

Less Litter Lifestyle 2: Ingwer 0 

Die ganze Serie

Ingwer-Pflanze an einer Mauer

Fürs Foto darf er auch mal raus

Kurze Mitteilung vorab: Ab sofort sind alle Beiträge dieser Reihe untereinander direkt vernetzt. Einfach aus dem Auswahlfeld „Die ganze Serie“ unter der Überschrift den gesuchten Artikel rauspicken, draufklicken, fertig.
Und nun zum eigentlichen Artikel.

Nicht alle tropischen Gewürze lassen sich einfach im Haus anbauen. Vanille zum Beispiel ist eine mehrere Meter hohe kletternde Orchidee mit intensivem Duft. Einige andere dagegen sind extrem einfach. Und um eine solch einfache Gewürzpflanze der Tropen geht es heute.
Ingwer ist eine sich weltweit immer größerer Beliebtheit erfreuende Pflanze aus Asien, die vor allem für ihr scharfes Rhyzom bekannt ist, das geraspelt verarbeitet wird. Die Zahl der verfügbaren Rezepte ist groß und vielfältig, aber auch als Heilmittel (magenberuhigend und von Innen infektionshemmend) ist er beliebt. Und Ingwer ist eine sehr pflegeleichte Zimmerpflanze.

Anzucht und Pflege

Ingwer zählt zu jenen Pflanzen, die man nicht teuer im Gartengeschäft erwerben muss. Im Gegenzug erfordert er allerdings etwas Geduld. Wir brauchen:

  • 1 Ingwerknolle, unbeschädigt und nicht verschrumpelt
  • Lockere Blumenerde
  • 1 großen Blumentopf

Das Prinzip ist sehr einfach: Knolle vom Gemüsehändler mit den Triebspitzen nach oben in die Erde, gut bedecken, regelmäßig gießen (etwa alle 2-3 Tage ist für Ingwer gut, zuviel Wasser dagegen behagt ihr gar nicht) und nach etwa einem Monat kommen die ersten Triebe, die einen bis anderthalb Meter hoch werden. Die Pflanze oben im Bild wurde im April gepflanzt und hat am ersten Augustwochenende mit dem älteren Trieb eine Höhe von 1,10 Metern erreicht. Wenn man das Rhyzom vor dem Einpflanzen über Nacht in Wasser legt, soll es in der Hälfte der Zeit gehen, das habe ich aber nicht ausprobiert.
Die Pflanze kommt gut an einem hellen Standort, der nicht im direkten Sonnenlicht ist. Als tropische Pflanze braucht Ingwer einen Standort im Haus, draussen benötigt er dauerhaft Temperaturen über 20°C. Die Erde sollte locker sein, bei mir ist es Kokoserde (ein Abfallprodukt aus dem Kokosnussanbau).
Eigentlich sind wir jetzt im August reichlich spät für Ingwer, da er im November in die Winterruhe geht, aber genug Zeit, damit die Wurzel wenigstens ein bisschen wächst, bevor das passiert, sollte noch sein. Ansonsten: Beitrag für März/April vormerken.

Ernte

Wenn die Pflanze im September-November in Winterruhe geht, welken die Blätter und die Pflanze zieht sich in die Wurzel zurück. Jetzt das Gießen stark zurückstellen. Im November kann dann geerntet werden, wozu man die ganze Pflanze aus der Erde zieht und dann Triebe udn Wurzeln vom Rhyzom entfernt. Das Rhyzom kann jetzt in große Stücke getrennt werden, die entweder als Gewürz Verwendung finden (für lange Haltbarkeit in Scheiben geschnitten trocknen) oder bis zum nächsten März in einem dunklen und kühlen (aber frostsicheren) Raum aufbewahrt werden, um dann eine neue Ingwerpflanze und damit neue Ingwerwurzeln zu erhalten.
Wem eine Pflanze zu wenig Ingwer bringt, der kann aus dem Rhyzom jetzt auch weitere Pflanzen erhalten. Dazu braucht es ein nicht zu kleines Stück Ingwerwurzel mit einer Triebspitze. Die Pflanze blüht zwar auch, aber die von tropischen Vögeln bestäubten Ingwerblüten werden bei uns nicht befruchtet, auf Samen braucht man also nicht spekulieren. Allerdings sind die nur wenige Tage stehenden Blüten sehr schön und anders als bei anderen Gewürzpflanzen, wie etwa Minze, kann man die Blüte ruhig gewähren lassen, sie mindert nicht das Aroma.
Wir werden unsere Ingwerwurzel, ob nun eine gekaufte oder sogar schon eine eigens angebaute, in dieser Serie übrigens noch ein-zweimal als Zutat sehen.

Müllvermeidung

Klare Sache: Das ganze Projekt erzeugt praktisch gar keinen Abfall, vielleicht noch eine Tüte, wenn man den Ingwer unnötigerweise eingepackt bekommen haben sollte. Hinzu kommt die etwaige Verpackung der Erde.
Theoretisch kann man mit dem eigenen Ingwer den Abfall sogar noch stärker reduzieren als wenn man unverpackten Ingwer vom Bioladen kauft. Wie? Nun, auch die Blätter des Ingwer sind essbar und würzig, sie können in Streifen geschnitten in Suppen oder Salaten verwendet werden.

Nächste Woche

Was nächste Woce kommt, mache ich ein wetterabhängig, ich hab da zwei Optionen. Sonnig und warm gibt es eine Erfrischung, bei Regenwetter wird gehandwerkt.

Less Litter Lifestyle 1: Zahnpasta 0 

Die ganze Serie

Zahnpasta im Glas im Bad

Auch die Bilder werden hier manchmal recycelt

So, wie heute morgen schon angekündigt geht es nun mit der Zahnpasta los. Die war ja schon im Juli in diesem Blog zu finden, aber diesmal kommen noch ein paar Erfahrungen hinzu. Und sie bekommt ihren ganz eigenen Beitrag mit mehr Informationen und Eyecatcher-Version des Artikelbildes. Ja, das ist eine Miniversion des Blogdesigns, wie es auch im geplanten Youtube-Kanal Verwendung finden wird.
Aber genug davon, zum eigentlichen Sinn des Beitrags: Selbst gemachte Zahnpasta.

Zahnpasta ist ein zentrales Produkt jedes Haushaltes, das recht viel Müll macht. Im Verhältnis zum Inhalt sind die Tuben nicht wenig und wirklich wiederverwertbar sind sie eigentlich auch nicht, weil sie schwer zu reinigen sind. Wahrscheinlich landen Zahnpastatuben trotz des Grünen Punktes nahezu komplett in der Verbrennung. Also die unschönste Variante von Altagsabfall, ausser vielleicht Batterien.
Es gibt verschiedene Ansätze für Ersatz, aber Zahnpulver, Dentaltabs, Salz und das Kauen auf Miswak-Zweigen sind einfach zu unkonventionell, um sie Einsteigern zu empfehlen. Wir wollen ja nah an dem bleiben, was die Leute kennen.
Die Zahnpasta auf Kokosöl-Basis unterscheidet sich auch von herkömmlicher Zahnpasta, aber die Anwendung ist praktisch identisch. Sie schäumt halt nicht, sondern schmilzt im Mund zu einem Öl, das im Geschmack süß (ohne das Xylitol salzig) mit einer Note des eingesetzten ätherischen Öls ist.
Die Zutaten gibt es in Großpackungen in gut sortierten Drogerien. Nur Xylitol muss man möglicherweise etwas länger suchen, einzelne Drogerien haben aber auch diesen erhältlich.

Die Zusammenstellung ist eine Mischung aus unterschiedlichen Rezepten für Kokosöl-Zahnpasta nach ausgiebiger Prüfung der Zutaten und was die Medizin über ihre Wirkung zu sagen hat. Ein paar Zutaten sind dabei rausgeflogen.
Die manchmal empfohlene Mineralerde scheuert zu stark und kann die Zähne schädigen. Das Natron erfüllt ihre Aufgaben weniger aggressiv.
Kalzium-Magnesium-Pulver hat bei mir schlichtweg nicht funktioniert. Zum einen habe ich keines bekommen, sodass ich entsprechende Tabletten im Mörser zerstoßen habe. Das Ergebnis löste sich größtenteils nicht im Kokosöl und machte die ganze Mischung zu fest.

Rezept

Zutaten

  • 3 EL Kokosöl
  • 1½ EL Xylit
  • 1 EL Natron
  • ca. 10 Tropfen ätherisches Öl (eine Minze oder Zitrusfrucht)
  • etwas helles Sesamöl (optional)

Herstellung
Das Kokosöl ist unser Träger. Als erstes müssen wir das bei Zimmertemperatur feste Kokosöl verflüssigen. Das ist recht einfach, da Kokosöl bereits bei 26-29°C schmilzt, es reicht also, das Glas in die Mittagssonne oder warmes Wasser zu stellen.
Die festen Zutaten und das ätherische Öl können dann einfach eingerührt werden.
Sollte das Ergebnis nach dem Abkühlen zu fest erscheinen, kann man helles Sesamöl (kein dunkles, da es einen starken Eigengeschmack hat) zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Anwendung

Mit einem Löffelchen o.ä. auf die Zahnbürste geben. Diese Paste schäumt nicht wie gekaufte Zahnpasta, daher reicht hier keine erbsengroße Menge, sondern etwa doppelt so viel. Im Gegenzug ist deutlich weniger Ausspülen nach dem Zähneputzen nötig.
Kokosöl schmilzt relativ schnell, bei mir sind im Sommer 2016 sowohl reines Öl als auch die Zahnpasta bei 28°C vollkommen flüssig geworden.

Wirkung

Kokosöl oder Kokosfett ist ein sehr wertvolles Öl, welches in vielen Kosmetika und Lebensmitteln verwendet werden kann. Sein Schmelzpunkt oberhalb der Raum- und unterhalb der Körpertemperatur macht es für unseren Zweck fast ideal. Daneben gibt es auch Studien, die Kokosöl eine positive Wirkung auf Karies bescheinigen. Kokosöl wirkt direkt antibakteriell.
Xylit, auch als Xylitol, Birkenzucker oder unter dem Handelsnamen Xucker bekannt, ist normalerweise eine Süßstoff. Bereits seit den 1970ern wurde wiederholt nachgewiesen, dass Xylit bei der Bekämpfung von Karies helfen kann. Plaque-Bakterien halten ihn für Zucker und nehmen ihn auf, können ihn jedoch anschließend nicht verdauen, wodurch sie ausgehungert werden. Aber Achtung: Hunden kein Xylit geben, für die ist es anders als für Menschen giftig.
Eine wichtige Wirkung von Natron ist das Neutralisieren von Säuren. Im Kern sind es nicht die Bakterien, die unsere Zähne schädigen, sondern die von ihnen ausgeschiedenen Säuren, wenn sie Zucker fressen. Natron hilft, diese Säuren zu bekämpfen. Hinzu kommt, dass es ein leicht scheuert, was das Entfernen von Ablagerungen an den Zähnen erleichtert. Handelsübliche Zahnpasta setzt zu genau diesem Zweck häufig mikroskopische Plastikkügelchen ein, die stark in der Kritik stehen.
Unter den ätherischen Ölen sind es vor allem jene der Minzen und Zitrusfrüchte, die den Speichelfluss fördern. Speichel ist die natürliche Waffe des Körpers gegen Keime und Säuren im Mundraum, ausserdem fördert er die Verdauung.

Müllvermeidung

Alle Bestandteile sind in Großverpackungen erhältlich, wobei das bei ätherischen Ölen Fläschchen von 10 ml sind. Ätherische Öle setzt man allerdings auch nur tröpfchenweise ein.
Damit sind sie nicht müllfrei, aber die Menge an Abfall ist deutlich niedriger als bei gekaufter Zahnpasta. Zudem ist diese Mischung so gesund, man kann sie theoretisch essen. Alle Zutaten sind extrem lange haltbar und lassen sich für verschiedenste Zwecke verwenden — sie werden uns in dieser Serie entsprechend alle wieder begegnen.

Nächste Woche begrünen wir dann unsere Fensterbänke mit einer weiteren überaus gesunden Zutat. Und das sogar komplett ohne Abfall!

Less Litter Lifestyle 0: Weniger Waste 3 

Die ganze Serie

Symbol der WEEE, eine durchgekreuzte Mülltonne

Ja, ich weiss, dass WEEE Symbol steht für Recycling von Elektronik, nicht Zero Waste. Egal

Mit diesem Beitrag möchte ich eine 52-teilige Reihe hier im Blog starten. 52 Ansätze für Zero Waste, die einfach im täglichen Leben umzusetzen sind. 52, weil 52 Wochen ein Jahr ergeben. Also, plus diesen Beitrag hier zur Einführung, der nicht mitzählt.
Allerdings nenne ich das Ganze nicht Zero Waste. Der Begriff Zero Waste bringt ein paar Probleme mit, die ich vermeiden möchte. Das größte Problem davon: Der Begriff klingt für manche leicht einschüchternd. Ja, null Abfall ist ein hehres und gutes Ziel, aber auch eines, welches vom Alltag der meisten Menschen weit entfernt ist. Wie bei vielen Plänen lässt sich mancher von der Größe des Ziel einschüchtern und letztlich abschrecken. Dabei ist jeder Schritt in Richtung der Produktion von weniger Abfall ein guter Beitrag für unsere Lebens- und Umwelt. Ich halte es daher für deutlich wichtiger, dass möglichst viele Menschen sich dem Ziel annähern, als dass ein paar wenige Auserwählte dort ankommen. Zero Waste ist für viele eine große Umstellung und der beste Weg zu solchen ist jener in kleinen Schritten, jeder für sich einfach und kaum ein Hindernis. S kann man einen gewaltigen Weg gehen und am Ende zurückschauen und plötzlich merken, wie weit man gekommen ist.
Zum anderen ist der Begriff Zero Waste auch leicht geflunkert. Eingeführt von Bea Johnson, bezieht und beschränkt er sich im Grunde auf das eigene Leben im Sinne des eigenen Haushaltes. Nur so ist er ehrlich, denn natürlich erzeugen die meisten von uns weiter Massen an Abfällen, auch die Zero-Wastler. Nur fallen diese Abfälle eben nicht mehr im eigenen Haus an, sondern irgendwo vorher in der Lieferkette. Niemand, der nicht vollkommener Selbstversorger ist, kann von sich behaupten, wirklich Null Abfall zu verursachen. Und selbst bei denen geht manchmal etwas einfach irreparabel kaputt und muss entsorgt werden, selbst wenn das nur alle paar Jahre passiert. Das mag man als kleinlich ansehen, aber es ist eine offene Flanke gegenüber jenen, die einfach nur rummäkeln wollen. Die muss man nicht ohne Zwang bieten.
Ausserdem hat mein Alternativbegriff eine Alliteration. Ich mag Alliterationen: Less Liter Lifestyle. In Englisch, wiel ich auf Deutsch keine hübsche Alliteration gefunden habe. Und weil der Begriff auch international tauglich sein soll.

Was kommt

52 einfache Ideen, um Abfall zu vermeiden, alle vorher von mir getestet und für machbar und gut befunden. Viele davon fallen in den Bereich des Selbermachens, aber wichtig ist mir, all zu komplexe Projekte zu vermeiden. Das ist kein Heimwerkerkurs und kein Werkunterricht in der Schule, das soll ein Projekt sein, dass nahezu jeder komplett durchziehen kann. Es wird nicht komplizierter als „mach einen Knoten“ oder „bohr zwei Löcher“.
Wir werden Zahnpasta und ganz ohne Soda-Streamer Limonade machen, Küchenreste auf der Fensterbank zu neuem Gemüse heranziehen, eine wiederverwendbare Alternative für Kabelbinder basteln und dergleichen mehr. Wie gesagt, insgesamt 52 Projekte, keines mit viel Zeitaufwand, jedes alltagsfähig und abfallreduzierend.
Ganz ehrlich: Ich habe bis jetzt die Hälfte der Projekte zusammen, aber 26 Wochen sollten genug Zeit sein, um den Rest auch noch zu füllen. Immerhin habe ich die erste Hälfte an zwei Nachmittagen zusammengestellt. Das bedeutet, auch für mich wird es im kommenden Jahr viele spannende Projekte auszuprobieren geben.

Was nicht kommt

Es gibt ein paar Ansichten und Bewegungen, die gerne im Verbund mit Zero Waste auftauchen, die ich bei Less Litter Lifestyle vermeiden möchte. Zum einen, weil sie nicht direkt mit dem Thema zusammenhängen, zum anderen, weil mehr Ballast die Hürden zum Einstieg für Interessierte erhöht.
Die ganze Aussteiger-Diskussion bleibt draussen, weil das einfach ein gewaltiger Schritt ist, der dem Prinzip der kleinen Schritte widerspricht.
Dann ist da die Sache mit dem Plastik. Ob Plastik grundsätzlich von übel ist, ist schlichtweg eine andere Diskussion. Es gibt sicherlich Anwendungen von Plastik, die fraglos schädlich sind. So findet Plastik oft in Einwegprodukten Verwendung. Um Ersatz für diese wird es in dieser Reihe selbstverständlich immer wieder gehen. Aber es gibt eben auch gute Plastikprodukte. Lego wird gerne genannt. Ich würde sogar sagen, Kondome sind ziemlich gute Einweg-Plastikprodukte (ja, auch Latex aus Gummibäumen ist eine Form von Plastik). Plastik ist ohnehin ein recht sinnloser Sammelbegriff, da es sehr viele Arten von Kunststoffen gibt, die zudem noch mit sehr viel unterschiedlichen Stoffen versetzt sind. Allerdings sage ich auch: Oft ist Holz besser, da es bei seiner Produktion atmosfärisches CO2 bindet, während dies bei den meisten Kunststoffen freigesetzt wird. Aber wie gesagt: Andere Diskussion.

Ein Medienexperiment

Diese Serie wird auf eine für dieses Blog neue Art konzipiert werden. Das wird auch in der Gestaltugn offensichtlich sein. Ich habe noch nie eine Serie gemacht, die gezielt andere Plattformen ansprach, doch LLL soll genau das werden.
Buch: Ja, sobald alle 52 Projekte versammelt und positiv getestet sind, werden sie gesammelt als eBook und Papierbuch verfügbar sein. Sie werden natürlich weiterhin hier im Blog zu finden sein.
Online: Das Buchprojekt war sogar das ursprüngliche Vorhaben hier. Mir wurde aber schnell eines klar: Jeder Ratschlag eines Ratgebers landet früher oder später im Netz. Dabei ist sogar egal, ob er gut ist oder nicht. Warum also die Sachen nicht gleich selbst online stellen? Und zwar vollständig! Zum einen hier im Blog, zum anderen aber auch bei der Plattform für Tipps, Tricks und Lifehacks, Pinterest. Ich werde mit dieser Serie erstmals versuchen, gezielt das Publikum bei Pinterest anzusprechen. Das wird für sich interessant.
Auffallen wir das Lesern aus anderen Quellen vor allem bei der Gestaltung der Bilder.

Los geht es heute spätnachmittags mit dem finalisierten Rezept für Zahnpasta aus Kokosöl.

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