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Vorm Abgrund stehen und weitergehen 2 

Ich hatte nicht erwartet, dass der Misserfolg der Grünen in NRW dermaßen hohe und vor allem langlebige Wellen schlägt. In der Debatte geht grade eine Menge schief. Es ist alles andere als einfach, das in eine vernünftige Reihenfolge zu vertexten, aber ich will es mal versuchen. Gleich als Ausblick: Ich halte thematische und konzeptionelle Oberflächlichkeit und mangelnde Kommunikation für das Hauptproblem. Weiter geht es in den Abschnitten nach dem Bildchen.

Ja, das 1. und 2. hat einen Sinn. Den hat nur niemand verstanden. Einschließlich der meisten Wahlkämpfer

Ja, das 1. und 2. hat einen Sinn. Den hat nur niemand verstanden. Einschließlich der meisten Wahlkämpfer.
Dazu komme ich nachher noch.

Professionalisierung kontra Profil

2015 gab es auf der LDK (Landesdeligiertenkonferenz=Landesparteitag) einen Antrag zum Thema „Keine religiösen Symbole an und in Gebäuden des Landes“. Völlig gleich, was man von diesem Thema hält, es war eine wichtige Debatte zu der Zeit. Debattiert wurde es freilich nicht, es wurde von der Tagesordnung genommen mit dem Hinweis, der Vorstand bespreche das nochmal intern. Das war wegweisend: Fortan gab es keine Debatten. Wir waren voll auf die Presse hereingefallen, die jegliche Prozesse öffentlicher Findung von Positionen gerne als Zerstrittenheit darstellt. Und wir tun dies im übrigen immer noch, selbst jetzt grade in Bezug auf die Landtagswahl. Bloß keine Kontroversen führen! Es soll eine missverstandene Geschlossenheit demonstriert werden, die verhindert, dass man die Probleme anspricht.
Die Partei, insbesondere die Parteileitung, jagt einem Phantom der Professionalisierung hinterher.

Bloß nichts sagen

Kann sich jemand an konkrete Forderungen der Grünen zur Landtagswahl erinnern? Nein? Nun, das hat einen Grund: Das Nachäffen der Wahlkämpfe anderer (vornehmlich Österreich und Baden-Württemberg), kombiniert mit Professionalisierung in Form von Zielgruppenanalyse. Das eine ist, dass uns dank Zielgruppenanalyse alle weggebrochen sind, die nicht zu unserer Kernzielgruppe gehörten. Das andere ist die grundsätzlich mangelnde Konkretheit.
Eine Lehre, die aus Österreich immer wieder betont wurde, war der Erfolg politisch hohler Lifestyle-Events. Forderungen machen nur schlechte Presse, Events machen gute Laune. Wenn der Landesverband etwa feststellt:

Die wirtschaftliche Zukunft des Industrielandes NRW hängt vom Gelingen der Energiewende und dem ökologischen Umbau der Wirtschaft ab. Es ist uns nicht gelungen, die Chancen dieses Wandels herauszustellen.

dann kann ich dazu nur sagen: Wir haben es ja auch gar nicht versucht! Ich wüsste keine einzige Veranstaltung auf Landesebene, bei der dies getan wurde. Wir waren aktiv so unpolitisch wie es für eine Partei nur ging. Leichte Beute für eine umso politischer agierende konservative bis neoliberale Seite, die den Leuten erfolgreich einreden konnte, sie seien in NRW unsicher und überhaupt wäre alles ganz schlimm. Wir hatten genug im Programm, aber nur abstrakte Sprüche ohne konkrete Aussagen auf den Plakaten.
Das gilt allerdings für alle Ebenen: Die Führung hat es präsentiert, aber wir an der Basis haben es geschluckt, bestenfalls geschwiegen.

Und manchmal haben wir diskutiert, dann aber halt Blödsinn. Wen interessiert es, ob die Kinder bis zum Abitur acht oder neun Jahre brauchen? Das interessiert niemanden. An diese Stelle hätte eine Debatte über Unterrichtsinhalte und Vermittlungsmethoden gehört, um diesem Blödsinn den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor er verfängt.
Doch ob G8, Ganztagseinrichtungen oder Inklusion: Der Karren ist vor die Wand gesetzt worden, weil wir das Ziel im Auge hatten, aber niemand den Weg kannte. Und wenn man in so einer Situation einfach eine grade Linie von Start zu Ziel fährt, der läuft halt Gefahr, dazwischen ein paar Wände zu übersehen. Oder auch ein paar Bergketten.

Kurz vor der Wahl kamen nochmal ein paar Themen auf den Tisch. Das Ticket um für 2 € am Tag durch ganz NRW fahren zu können (zum Vergleich für alle, die das zu teuer finden, das entspricht für einen Monat etwa drei Tagen hin und zurück für meine alte Pendelstrecke Mönchengladbach-Düsseldorf) kam und das Thema Bienen.

Die Blindheit, mit der wir übersehen haben, dass soziale Fragen das sind, was die Menschen zur Zeit umtreibt, war beachtlich. Nein, Martin Schulz‘ Kanzlerkandidatur war keine Überraschung. Das war von dem Moment an offensichtlich, als er sich am Höhepunkt seiner Popularität aus Brüssel zurückzog. Und selbst wenn — man brauchte keinen Schulzzug, um die Bedeutung der Themen Armut und Verelendung zu erkennen. Wir selbst zeigen ja immer wieder auf das Thema der sich öffnenden wirtschaftlichen (ich finde die Bezeichnung als soziale Schere etwas bekloppt, es geht ja um Einkommen, nicht um den Freundeskreis) Schere. Alle reden über die Flüchtlinge (ja, immer noch), wo bleiben unsere Konzepte zur Integration? Gut, wir haben ja auch keine für die Inklusion, wir hoffen bei solchen Wörtern mit „In-“ stets, das sich das von selber löst, wenn wir nur fest genug daran glauben (siehe obige Aussage mit den Wänden).

Aber welcher Teufel treibt eigentlich eine bereits kriselnde Partei dazu, Koalitionen auszuschließen? Ich meine, ich will auch keine schwarz-grüne Koalition, aber um Himmels Willen, durch einen solchen Beschluss gewinnt man niemanden und vertreibt dafür so manche Wechselwähler.

Und dann die interne Kommunikation: Unsere Kampagne wurde intern als Geheimsache behandelt, als könne man den Orts- und Kreisverbänden nicht vertrauen. Was auch zur Folge hatte, dass nur eine kleine Anzahl von Mitgliedern die Erklärung der auf unaufgeklärte albern wirkenden 1.-2.-Plakate kannte. Solche Marketing-Eskapaden jenseits der Lebenswelt der Kundschaft sind ein typisches Phänomen fehlgeleiteter Professionalisierung.

Alle gegen uns

Natürlich hat das auch externe Ursachen. Die Berichterstattung über die Grünen ist unterirdisch und von Sensationsgier geprägt.
Randnotizen und vorsichtige Überlegungen, ob etwas vielleicht eine sinnvolle Idee sein könnte, werden zu massiven Forderungen aufgebläht. Jede Diskussion darüber wird zu einem Streit stilisiert. Damit haben wir umzugehen verlernt. Statt dies als Gelegenheit aufzugreifen, für seine Positionen zu werben oder die Debatte ins Rollen zu bringen, ziehen wir uns zurück und überlassen jenen das Feld, die daraus einen Strick für die Partei drehen. Wir meisseln unsere Aussagen immer glatter, immer inhaltsloser, damit sich ja niemand daran stößt.
Doch warum sonst werden wir denn an der anderen statt gewählt wenn nicht, um genau das anzusprechen, was die anderen nicht ansprechen?

Hier ist, was ich von der Grünen Partei in Zukunft als Ziel ihrer politischen Kultur erwarte:
Mehr Mut zur Meinung.
Mehr Mut zur Debatte.
Mehr Mut zur Individualität.
Weniger Marketing-Bla.

Dann wird das auch wieder was.

Ich verstehe den Ruf nach Geschlossenheit, aber ich befürchte, wir verwechseln diese mit demonstrativer Lernresistenz. Letztere wäre der berühmte Schritt, den man in Zukunft weitergehen will, wenn man heute am Abgrund steht.


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Grün muss 0 

Es gibt derzeit diesen seltsamen Mythos, die Grünen hätten sich erledigt. Ihr Ziele seien erreicht, es gäbe nichts mehr für sie zu tun. Das ist absurd. Natürlich haben die Grünen einiges erreicht, aber sie, wir, sind weit davon entfernt, zu erreichen, wofür wir einst als neue Kraft angetreten sind.
Ja, wir haben unsere Probleme. Beispielsweise konnte ich im internen Netz schlichtweg keines unserer Plakate als einfache Bilddatei zum Einbinden auf einer Webseite finden und muss daher nun die 11 Ziele nehmen. Und ja es gibt auch politische Probleme. Ich komme da weiter unten noch zu. Aber vor allem: Unsere Mission ist noch nicht am Ende. Umes ganz klar zu sagen: Die Welt ist am Arsch und niemanden ausser uns scheint das zu interessieren.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Die Welt retten

Ja, richtig gelesen, die Welt ist am Arsch. Und die Volksparteien geht das passenderweise an selbigem vorbei. Wenn sie die Probleme nicht ausdrücklich per Dekret für nichtexistent erklären, wie das die marktradikalen Parteien FDP und AfD beim Klimawandel tun.
Der Klimawandel läuft, ob es den Lobbyisten der fossilen Energien gefällt oder nicht und er ist ein echtes Problem. Selbst jene, die es besser wissen müssten, sehen ihn als abstraktes Phänomen, welches den gegenwärtigen Profiten gefälligst nicht im Weg zu stehen hat. Eine Suppe, die spätere Generationen gefälligst auszulöffeln haben. Dabei beginnen wir bereits die Folgen zu sehen. Jahrelange Dürren treiben Länder in den Bürgerkrieg. Neue Krankheitserreger breiten sich in exotischen Ländern wie Hawaii oder — mancher wird schon dort gewesen sein — Deutschland aus.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Kann man den Grünen vorwerfen, nicht genug zu tun? Vielleicht. Aber zum einen sind sie die einzigen, die überhaupt etwas dagegen tun, zum anderen tun sie dies im ständigen Kampf mit jenen Kräften, die in ihrer Kurzsichtigkeit lieber den Planeten vor die Hunde gehen lassen als auch nur einen Euro weniger Profit zu machen. Gegen jene, die meinen, es brächte ja eh nichts, dann könnten wir auch gleich mit Öl ins Feuer gießen.
Und das selbe Problem sehen wir auch anderswo. Deutschland versagt grade massiv dabei, an den wichtigen Zukunftstechnologien teilzuhaben. Erneuerbare Energien? In die Pleite getrieben! Elektromobilität? Nach Lippenbekenntnissen ignoriert! Und wo andere uns ablösen wollen, fangen sie Stimmen mit Rückschritt — ich meine, Jagderlaubnis auf Katzen, wirklich? Unterdessen will die SPD nicht mal die moderate Forderung mitmachen, wenigstens die 10 schlimmsten Dreckschleudern im Rheinischen Braunkohlenrevier abzuschalten.

Lippenbekentnisse und Gier

Überhaupt, die Altetablierten und ihre Blendgranaten. „Seht, wir tun was“, wird da gerne gerufen und dann tropft es vor laufender Kamera auf den heissen Stein mit einem Schnitt in dem Sekundenbruchteil, bevor der Tropfen zischend als Dampfwölkchen verpufft. Da lässt sich dann die Bundesregierung für lächerliche 25 Millionen € für Radschnellwege feiern, ein Betrag, mit dem man auf Höhe Düsseldorfs noch nicht mal die Hälfte der Strecke vom Rhein an die deutsche Westgrenze schafft. Merkel lässt sich als Klimakanzlerin feiern, während ihre Regierung die Solarindustrie zu Grund richtet und mit dem Dieselskandal eine zunehmend veraltende deutsche Autoindustrie deckt, statt ihr endlich mal in den faulen Arsch zu treten, damit sie als einstige Erfinderin des Automobils nun den Anschluss nicht verliert.
Die Presse gefällt sich unterdessen darin, möglichst plakative Halbwahrheiten zu verbreiten, die sich besser verkaufen als die Fakten. So wie beim Veggie-Day. Oder zuletzt auch bei der Frage nach einer deutlichen Vereinfachung der Steuerformulare, die ganz nebenbei auch der Gleichberechtigung dienen würde.

Das Problem mit den Opportunisten

Natürlich haben die Grünen auch interne Probleme. Wenn ein Winfried Kretschmann beispielsweise aus seinem Kalkül als Ministerpräsident die großen Autobauer in Stuttgart deckt, ist die Zeit gekommen, Willy Brandt rauszukramen und einfach die Sozialdemokraten durch die Grünen zu ersetzen:brandt-sozenJede ausreichend große Partei hat das Problem, dass einzelne Gruppen dazu übergehen, lieber im Dienste guter Wahlergebnisse Opportunismus zu betreiben statt für ihre Sache einzutreten.
Aber das sind Einzelpersonen. Wir können es uns nicht leisten, ihren Verfehlungen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken und darüber aus den Augen zu verlieren, dass es um so viel mehr geht, als die Dummheiten von ein paar Opportunisten, die es geschafft haben, auf dem grünen Ticket mitzufahren.

Wie es ist

Wir stehen vor großen Herausforderungen. Und die Grünen sind die einzigen in der Politik, die sowohl willens als auch in der Lage sind, sich ihnen zu stellen. Sie sind nicht perfekt, sie sind nicht allmächtig, aber sie sind das Beste, was wir haben.

Veilchendienstagszug 2017 0 

Willkommen zur jährlichen Kritik des Veilchendienstagszugs in Mönchengladbach. Kurz für neu Hinzugekommene: In Mönchengladbach feiert man den Straßenkarneval erst am Dienstag, unter vergleichsweise geringer medialer Aufmerksamkeit. Die Lustigkeit schwankt stark und mein Job hier im Blog ist es, das alles doof zu finden und zu loben, wenn mich mal ein Wagen an meine düsseldorfer Heimat erinnert, wo man Karneval besser kann.

Karnevalswagen zum Vandalismus gegen Karnevalswagen

Sei der Fairnis halber erwähnt

Man muss ohne Frage erwähnen, dass der Karneval in Mönchengladbach 2017 mit einem Vandalismusproblem zu kämpfen hatte. Unbekannte sind in die Halle auf dem aufgegebenen Gelände der britischen Instandhaltungseinheit REME eingedrungen und haben die dort zwischen den Jahren aufbewahrten Wagen teilweise schwer beschädigt. Ich werde dies nicht weiter bewerten, da ich mir selber uneins bin, ob darin nicht auch eine Chance lag, endlich von den jedes Jahr nahezu identischen Prunkwagen wegzukommen, die den hiesigen Karneval beherrschen und ihm seine Langweiligkeit geben. Aber selbstverständlich ist das bei der hiesigen Karnevalsstruktur ein herber Verlust auch an Zeit und Kraft, die in die Reparatur der Wagen fließen musste. Der obige Wagen thematisiert das, auch wenn er mir nicht so aussieht, als wäre er selbst dann sonderlich toll gewesen, wenn er fertig geworden wäre. Wie ein Blick auf das Jahr 2015 beweist. Auch ein Bildwitz braucht Witz.

Das ich überhaupt hier berichte, ist dieses Jahr ein Unfall: Eigentlich wollte ich mit einer Fußgruppe zu Tihange mitlaufen, die musste aber leider wegen einer Grippewelle ausfallen. Sehr schade. Wer meine Zugkritiken kennt weiss, dass ich hohe Ansprüche an die konzeptionelle Qualität der Beiträge stelle. Ich meine, ich bin Düsseldorfer, wir stellen grundsätzlich immer hohe Ansprüche an alles.

Karikatur, in der Angela Merkel Vampire in Gestalt von Trump, Putin und Erdogan abzuwehren versucht

Apropos Bildwitz

Die Rheinische Post hat einen sehr effektiven Weg gefunden, jährlich ein aktuelles Motiv mitzufahren. Das ist fraglos eine der Gladbacher Sachen, die funktionieren.
Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Die RP als Garant der Wahrheit, der war gut!

Aber auch der Hauptwagen der Rheinischen Pest fährt einen aktuellen Bezug. Dem bin ich jetzt zwar thematisch nicht wirklich affin (als wären Falschmeldungen ein reines Internetphänomen), aber er ist optisch wie konzeptionell witzig umgesetzt.
Wagen mit Werbung des Einkaufzentrums Minto

Werbeeinblendung

Was mal wieder auffiel, waren die reinen Werbewagen. Jener des Einkaufszentrums Minto war wenigstens unfreiwillig komisch und hat einen jährlich wechselnden Spruch, der Rest gehört zur Kategorie „alle Jahre wieder das selbe.“
Trump als Drache

Okay, das ist immerhin eine halbe Idee. Nächstes Jahr dann die andere Hälfte?

Die KG Holt darf sich ein paar Sonderpunkte dafür aufschreiben, ihren Wagen genutzt zu haben, um Platz für ein politisches Motiv zu haben. Ich weiss zwar nicht genau, was uns der Drache mit Trumps Kopf sagen will, aber es ist immerhin schonmal ein erkennbar politisches Motiv. Das ist mehr als alle anderen geschafft haben. Dorfbroich hätte diese Fläche übrigens auch, stellt aber lieber eine etwas uninspirierte Narrenfigur drauf. Nächstes Jahr dann, Dorfbroich?
Die Sparkasse treibt's bunt

Die Sparkasse treibt’s bunt

Der Preis für das gruseligste Motiv geht an die Sparkasse für den über die Weltkugel schmelzenden Wasserturm. Das hat ohne Zweifel einen Hauch H.P. Lovecraft.
Aufschrift: „Wir lieben die Welt&hellip…der Mäuse“

Aufschrift: „Wir lieben die Welt……der Mäuse“

Die Volksbank bekommt den Sonderpreis für das witzige Detail des Jahres mit dem Heckaufkleber ihres Wagen. Ein richtiger Witz! Im Gladbacher Karneval! Das kann nur ein Irrtum sein.
vdz-2017-eulenvdz-2017-oktopusseBeim besten Kostüm dürfen sich die Eulen aus Neuwerk mit den Kraken aus Windberg bekakeln. Der Rest der Menschheit darf jetzt nach „bekakeln“ googeln.
tdf-vdz-2017Den Wagen zur Tour de France 2017, die am 2. Juli auch unsere Stadt durchfahren wird, sollte man wegen seines Aufwandes durchaus mal erwähnt haben. Aber sonst auch wegen nichts.

Insgesamt fand ich den Zug 2017 sehr langweilig. Nach der Hälfte wollte ich gehen. Nachdem ich etwas vor dem Ende in der Gruppenplanung sehen konnte, dass nur noch wenige der bereits angesprochenen witzlosen Prunkwagen und ein par Musikkapellen folgten, tat ich dies auch und wurde nur davon aufgehalten, dass ich im Publikum noch einen Freund traf. Karneval wurde 2017 in Gladbach mit X geschrieben. Wie in „nix“.
Ich verstehe das nicht. Ich kenne kein Volk, das besser meckern kann als die Gladbacher. Warum haben wir dann einen so handzahmen Karneval?

Ratswebcam – Operation Bildstörung 0 

Dass das Wörtchen „Jein“ eine deutsche Erfindung ist, sagt so unglaublich viel über die hiesigen Entscheidungsträger aus. Eine andere beliebte deutsche Phrase ist die „Angst vor der eigenen Courage.“ Trifft beides zusammen und würzt es mit einer Prise Peinlichkeit, kommt das Possenspiel „Ratswebcam Mönchengladbach“ heraus.
Dass es ein Rheydter war, der dem Begriff „possierlich“ zu Ruhm verhalf (Tierfilmer Heinz Sielmann), passt übrigens ebenfalls hervorragend. Doch nun zum Thema „Volksvertreter in geheimer Mission“:

Eine Person, die auffällig dem Oberbürgermeister von Mönchengladbach ähnelt, durch einen Augenbalken anonymisiert

Psst, den darf man online nicht sehen – Ursprungsbild: Wikimedia-User Neozoon CC-BY-SA

Ich mag diese Geschichte ja, die lässt sich so richtig schön als Romanhandlung aufbauen. Wer also auch schon immer Bücher schreiben wollte, aufpassen, ich führ euch das mal vor. Und einige der handelnden Personen führen sich praktischerweise selber vor.

Prolog

Es war einmal, vor langer Zeit (Januar 2010) in einer fremden Galaxie (Twitter), da gab es eine Diskussion über das Thema „Live-Übertragung der Ratssitzungen im Internet“, oder kurz: Ratswebcam. Torben Schultz und ich selbst traten dort als Potagonisten auf, während etwaige Antagonisten in den Schatten verblieben. Wenn ich mich recht entsinne, gab es dazu sogar schon 2009 Gespräche.
Nun war es nicht einfach, alle von dieser Sache zu überzeugen. Schon damals hatte so mancher Sorge um das Recht am eigenen Bild angemeldet. Und so verschwand das Thema wieder. Doch es verblieb immer in den Hinterköpfen, kam hier wie dort mal wieder auf und setzte sich in dieser Form fest.

Akt 1: Aufbau

Ein solches kurzes Aufkeimen des Pflänzchens „Webcam“ gab es 2014. Die Junge Union findet Kameras nämlich allgemein ganz toll und fordert sie daher gerne an jedem sich bietenden Ort. Das ist nur konsequent, wenn auch etwas rückwärts gedacht: Wer die Bürger überwachen will kann dies nicht intellektuell redlich tun, ohne auch deren Vertreter in Amtsausübung unter Beobachtung zu stellen.
Ich würde ja eher sagen, dass relevante öffentliche Veranstaltungen der gewählten Volksvertreter grundsätzlich zugänglich zu machen sind, während es nicht zu rechtfertigen ist, Menschen allein aufgrund ihrer Anwesenheit auf einem öffentlichen Platz mit einer Kamera zu konfrontieren, aber hey, das ist jetzt ein anderes Thema. Na gut, man kann es jetzt schon als Subplot einbauen, immerhin wird es im Finale wichtig.
Nun erwirkte die JU 2014 einen CDU-Beschluss zur Einführung einer Webcam, die Stadtratssitzungen live übertragen sollte. So weit, so gut. Und da die JU dennoch artig als Antagonist agiert, tut sie so, als wäre die Idee auf ihrem eigenen Mist gewachsen, ganz im Gegensatz zu unseren sympathischen Helden, die stets ihre Mitstreiter aufs Podest heben. Ausser ihre Mitstreiter sind Chewbacca, aber das ist jetzt was anderes. Chewbacca kriegt halt keine Medaillen.
So oder so, wir haben jetzt Protagonisten, eine Andeutung, wer sich zum Antagonisten entwickeln könnte und die Grundlagen für einen Konflikt.

Akt 2: Der Konflikt

Irgendwie fehlt dem Konflikt Selbstdarsteller gegen Teamspieler noch ein wenig der Wumms. Kein Problem, da kann ja noch was kommen, erstmal steuern wir jetzt auf das große Überraschungsmoment zu. Eine Weile muss jetzt noch alles gutgehen, dann kommt der Wumms. Und dann muss der Wumms richtig wummsen. Mal sehen, was unsere Figuren so machen.
Zunächst geht alles gut und steuert auf ein vermeintliches Happy Ending zu. Alle in der Geschichte nennenswerten Betroffenen treffen sich, tauschen Positionen aus und finden ein gemeinsames Ziel, welches dann umgesetzt wird. Der Rat beschließt die Live-Übertragung und Aufzeichnung der Ratssitzungen für ein paar Testläufe. Der Beschluss wird einstimmig angenommen. Und in der ersten übertragenen Sitzung macht sogar niemand von seinem eingeräumten Recht Gebrauch, die Übertragung durch Hochhalten blauer Karten für seine oder ihre Beiträge pausieren zu lassen. Schön.
Unsere Antagonistin, nun die CDU als Mutter der JU, bringt zwar zeitgleich ein paar etwas zweifelhaftere Beschlüsse mit, bei der sie die ursprünglich für notwendig erklärte Video-Überwachung des Sonnenhausplatzes kurzum zu „touristischen Webcams“ umdeklariert, aber jedes gute Ensemble in der Literatur hat halt einen Opportunisten, der insgeheim nur darauf wartet, seinen eigenen Nutzen aus der ganzen Sache zu ziehen. Die Sitzung war zur arbeitnehmerunfreundlichen Zeit von 13:00 Uhr angesetzt, da die Sendeleitung Fußball halt wichtiger fand als Politik. Die Presse macht sich etwas über die Sitzung lustig, aber so ist die Presse halt. [Anm. d. Red.: Bitte nochmal ins Lektorat. Der Beitrag vom Schnettler ist zu platt, niemand schreibt ernsthaft so einen politisch voreingenommenen Scheiss]
Aber hier endlich kommt der Wumms.
Und wir haben ihn geschickt versteckt. Ein ranghoher Vertreter unserer Antagonistin, dessen Name übrigens von seinem flegelhaften Benehmen in Ratssitzungen inspiriert ist [Anm. d. Red.: „Doktor Flegemilch“ ist als Name etwas zu platt, können wir da noch was machen?], hat im Laufe der Sitzung wie üblich Argumente durch Lautstärke ersetzt. Er war sich auch nicht zu schade, Leuten anderer Meinung aufgrund dessen gesundheitliche Probleme zu unterstellen, wie wir im Zeitungsartikel subtil angedeutet haben. [Anm. d. Red.: Das nennst du „subtil andeuten“? Stümper!] [Anm. d. Verf.: Jetzt langt’s mir aber! Der Rest wird ohne Redaktion gemacht]
*räusper*
Das ist ihm nunmehr verständlicherweise peinlich. Er lässt sich also aus der später veröffentlichten Aufzeichnung der Übertragung ohne jegliche Begründung rausschneiden. Aber man kann den Grund ja erahnen, es muss ja nicht alles immer so offensichtlich reingeschrieben werden. Man sollte immer damit rechnen, dass die Leser schlauer sind als der Autor und es nicht mögen, wenn man all zu direkt Offensichtlichkeiten ausführt.
In den Reihen der Dezernenten kommt einer dazu, der regelmäßig durch Grimassen und Nickerchen in Ratssitzungen auffällt und dies ebenfalls ungern im Video hätte. Er ist nicht so wichtig, geben wir ihm einen langweiligen Namen. Doc Fischer oder so.
Die restlichen Dezernenten und der Oberbürgermeister bekommen ebenfalls Angst vor der eigenen Courage und lassen sich entfernen. Das ist natürlich ein absolut unerwarteter Twist, sind diese Personen doch sonst nicht grade als kamerascheu aufgefallen.
Übrig bleibt eine Art Greatest-Hits-Album des Duos Schultz & Dr. Wolkowski. Das finden diese sowie der bisher in dieser Geschichte eher im Hintergrund agierende Gutowski nicht ganz so toll, wie man meinen könnte, denn es sind Protagonisten, die als Volksvertreter das Bestreben haben, im Sinne des Volkes zu handeln.
Und da haben wir ihn, den richtig großen Konflikt. Das Volk will wissen, was seine Vertreter tun, doch deren Anführer wollen das Volk nur mit ihnen genehmen Kostproben bei Laune halten. Klare Motivationen, klare Zuordnungen, klare Problemlage. Heimlichtuer gegen Volksfreunde! Herrlich! Hollywood-Material!
Moment, wir brauchen noch einen guten Kontext für das große Finale. Genau, ich weiss: Ein paar Tage später ist Karneval! Großartig! Könnte man nicht besser erfinden!

Akt 3: Finale

Werden unsere Helden triumphieren? Werden unsere Antagonisten geläutert und erkennen, dass sie als Gewählte ihren Wählern diese Transparenz schuldig sind? Werden Sie auf den Herausschnitt bestehen und dafür konsequenterweise die Videoüberwachung des öffentlichen Raumes beenden? Oder werden auf dem Sonnenhausplatz in Zukunft blaue Karten zum Hochhalten verteilt? Wird gar doch die Angst obsiegen? Kommt irgendwann nochmal eine Anspielung auf „Krieg der Sterne“? Wird Schultz der Presse je beigebracht bekommen, dass er mit einem T geschrieben wird?
All das und (wahrscheinlich) noch einiges mehr im Finale dieser großartigen Saga, die mit viel zu viel Anführungszeichen, aber dennoch recht harmlos, begann!

Romankritik

Rezension von Irgendson Fatzke
Ein recht seltsamer komödienhafter Regiokrimi mit starker Provinz-Atmosphäre aus einer vorgeblichen Weltstadt tief im Westen. Viel zu langsamer Anfang, die Motivation einiger Antagonisten bleibt unklar, offenes Ende. Und natürlich wenige Tage vor Karneval, so wie in Hollywood Szenen in Chinatown immer zum chinesischen Neujahr stattfinden. Das Manuskript hätte insgesamt mehr redaktionelle Betreuung gebraucht.
2 von 5 Sternen

Pff, Kritiker, was wissen die schon?

Das war 2016 0 

Okay, es ist der 31. Dezember und damit Zeit für den Jahesrückblick. Und es war ein Jahr, in dem man gut sehen konnte, wieso Jahresrückblicke nicht vor dem letzten Tag geschrieben werden sollten. Ich meine, Carrie Fisher und ihre Mutter starben beide in der Woche zwischen Heiligabend und Neujahr. Liebe Fernsehsender, nehmt euch einfach an mir ein Beispiel: Jahresrückblicke gibt es ausschließlich am 31. Dezember.
Nun, da das klargestellt ist, weiter zum Rückblick auf mein 2016. Mein öffentliches 2016, den Rest erfahren jene, die es etwas angeht. Andernorts. Vielleicht. Wenn sie fragen. Vielleicht. Aber jetzt erstmal Musik und dann weiter im Text.

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Weg ins Fahrradies

Das Jahr begann mit einem Fahrradtransport, als ich am 2. Januar meinen Eltern half, ein Dreirad aus einem Dorf am tiefsten Niederrhein (oder ist Gronau schon Münsterland?) abzuholen, also kann ich auch mit den Rädern weitermachen. Es war ja auch mein erstes Jahr mit Liegerad.

Ausschnitt aus der Fahrraddemo Sternfahrt Düsseldorf 2016 mit verschiedenen Rädern und Fahrern, im Vordergrund der Autor des Blogs

Entspannt, cool und ein tolles Fotomotiv: Ich in Düsseldorf – Bild: Zoe Duisberg/ADFC NRW

Trotz einiger Reparaturen, die anfangs nötig wurden und einer gebrochenen Schraube, die zu weiterem Reparaturbedarf führte muss ich sagen: Ich bin zufrieden. Das Gefährt brachte mich zu den Sternfahrten des Jahres in Düsseldorf und Mönchengladbach (Köln übersprang ich trotz anderer Absichten wegen des Wetters), aber auch zu meinen Touren ins Braunkohlenrevier und auf der längsten Tour des Jahres zu einer Tihange-Demo in Aachen.
Das Fahren ist nach kurzer Eingewöhnung angenehm und schnell, nur die Rennhaken an den Pedalen waren mehr lästig als hilfreich und so lernte ich sie praktisch sofort zu ignorieren. Als kleinen Bonus konnte ich dank der hohen Lage der Beine mehrmals trockenen Fußes recht tiefe Pfützen durchqueren. Das war natürlich keine Absicht aber wenn der Radweg bei Aachen plötzlich unter der Landstraße durchführt, um die Seite zu wechseln, macht man daran nach einem Wolkenbruch recht wenig.
Wie erwartet teilt sich das Liegerad nun mit meinem alten Mountainbike die Aufgaben. Das MTB zieht Lasten und trät mich, wenn ich einen Rucksack brauche, das Liegerad übernimmt die längeren Strecken und Tagesausflüge. Was nicht heissen soll, dass der Lieger nicht ebenfalls einiges an Transportvolumen hätte, was ich im August ausprobieren konnte, als mir auffiel, dass bei einem Stand in Neuwerk alles bereits im Vorfeld vor Ort gebracht war, ausser dem Tisch. Das hat übrigens überraschend gut funktioniert, als wäre der Tisch dafür gemacht.
Liegefahrrad mit einem mit Kabelbindern daran befestigten Klapptisch

Mein Beitrag zum Wikipedia-Eintrag für das Stichwort Eleganz

Die andere Option für die Überschrift dieses Abschnitts wäre übrigens Road to EldoRADo gewesen. Schätzt euch glücklich.

Schrifstellerei und so

Cover of How to Sing Butterflies How to Sing Butterflies DX Edition2016 war kein so produktives Jahr, wie ich mir das gewünscht hatte. Ein großer Teil davon war das, was ich als „Unglück des 11. März“ im Gedächtnis behalten werde. An diesem Tag kam es auf meinem Laptop zu einem umfassenden Festplattenausfall, ausgelöst durch einen Systemabsturz,der wiederum auf einen Absturz von Flash zurückging. Ich hatte kein aktuelles Backup und tatsächlich grade erst mein letztes Backup auf genau diesem Rechner zwischengespeichert. Das war eine ziemliche Katastrophe.
Nun, ich habe dennoch eines meiner anvisierten Projekte zum Abschluss bringen können. Die englische Sammlung How to Sing Butterflies vereint den Großteil meiner Kurzgeschichten in einem Band, von dem zwei Varianten erschienen sind: Eine Standardausgabe mit den Geschichten und eine DX-Ausgabe, ergänzt um Hintergründe zu jeder Geschichte. Ich zähle einige der Kurzgeschichten wie die Titelgeschichte und Sleeper Hit derzeit als meine besten kreativen Arbeiten.
Eine dieser Arbeiten schaffte es dann auch 2016 in meinen ersten Beitrag in einer Anthologie, wobei die Auswahl schon 2015 getroffen wurde. Die Indies Unlimted 2015 Flash Fiction Anthology enthält 52 Geschichten mit je bis zu 250 Wörtern. Flash Fiction ist nicht einfach, aber eine sehr willkommene Herausforderung. Bei mir funktioniert das üblicherweise so, dass ich einen spontanen Gedanken habe und den dann umsetze um selbst zu schauen, was daraus erwächst. Kombiniert mit der Kürze des Formats, welches zu einer sehr bewusst gewählten und dichten Sprache führt, eine sehr schöne Literaturform sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben.
Mein Beitrag in dieser Anthologie war Delayed Vengeance, eine für mich eher untypische, weil vollkommen in der Gegenwart verhaftete Geschichte um einen Polizisten und seine Pensionszeit auf einem Kreuzfahrtschiff. Sie ist in beiden Sammlungen erschienen, in denen ich dieses Jahr vertreten war.
Im Dezember folgte der Veröffentlichung dieser Anthologie eine Papierausgabe, meine erste Veröffentlichung auf Papier, wenn man redaktionell de facto nicht bearbeitete Fanzines ignoriert.
Eine SF-Weihnachtskurzgeschichte schaffte es nicht in die Anthologie, für die ich sie geschrieben habe. Sie wird 2017 gute Verwendung finden. Eine weitere SF-Weihnachtskurzgeschichte verfasste ich diesen Monat für eine Blogparade im englischen Blog, auch sie wird nächstes Jahr eine weitere gute Verwendung finden.

Zum 1. Mai beendete ich das (vor allem für Twitterverhältnisse) langjährige Projekt eBooks für lau. Es war mein erfolgreichstes Internetprojekt seit dem Exergaming-Blog Sporle & Co. im letzten Jahrzehnt, aber irgendwann war seine Zeit dann vorbei. Es wurde zunehmend schwieriger, das Verlinken kostenloser eBooks wirtschaftlich tragbar zu halten. Andere Plattformen wie XTME begannen, auch runtergesetzte Angebote bezahlter Bücher zu verlinken, das aber war in diesem Twitterkonzept schwieriger, da jeder Link für sich selbst stand. Und so beendete ich eBooks für lau nach fast fünf Jahren. Letztlich war es einfach an der Zeit.

Das Jahr endet schriftstellerisch mit dem ersten Auftrag, ein komplettes Buch aus dem Englischen zu übersetzen. Mehr oder weniger schriftstellerisch, es handelt sich um ein Kochbuch für Schmortöpfe. In einer besonderen Premiere ist das mein erster Vertrag mit Partnern auf drei Kontinenten (Nordamerika, Europa, Asien) – auch mal was neues.
Diese Übersetzung seht ihr dann 2017.

2017 deutet in diesem Bereich mit meinem ersten Besuch eines Autorentreffs in Mönchengladbach an, etwas, was ich weiterführen will. Es sieht nach diesem ersten Mal so aus, als würde das auch meiner Produktivität helfen. Ich muss sowieso wieder mehr im deutschsprachigen Raum machen.

Etwas anderes im kreativen Bereich war dann noch die Bildgestaltung. Ich habe mich zwischendurch daran versucht, mal ein Bild gezielt auf die sozialen Medien ausgerichtet zu erstellen, statt den jeweiligen Text einfach als Text zu schreiben. Hier die Ergebnisse.

Tatsächlich extrem entspannend

Tatsächlich extrem entspannend

Ich mag Füchse und das Original dieses Liedes war gemein zu ihnen

Ich mag Füchse und das Original dieses Liedes war gemein zu ihnen

Von solchen Experimenten wird es in Zukunft mehr geben.

Politisch immer voran

Dass es 2016 mehrmals galt, bei Aufmärschen rechter Gruppen und Bündnisse Flagge zu zeigen, darauf hätte ich gern verzichten können, aber leider war 2016 ein großes Jahr für den politischen Rückschritt. International wie national war es 2016 überaus frustrierend, als Politiker im linken Spektrum zu stehen. Ich bin dieses Jahr müde geworden, immer das Schlechte zu bekämpfen.
Glücklicherweise gab es aber auch noch andere Anlässe für Demos. Okay, glücklicherweise ist hier nicht ganz richtig, aber ihr wisst, was ich meine. Tihange hatte ich ja schon erwähnt, Garzweiler II war ebenfalls ein sehr präsentes Thema. Die beiden Infostände gegen Massentierhaltung vor Lidl-Filialen in Rheydt und Gladbach waren aber sehr angenehm und effektiv.
Im Gegenzug ist es mir wichtig geworden, das Gute zu fördern und mich dafür einzusetzen. 2016 trat ich bei den Fachgruppen (Landesarbeitsgemeinschaften) Verkehr und Säkulares der Grünen NRW bei, um auf Landesebene aktiv daran arbeiten zu können. Das gipfelte vorerst am ersten Dezemberwochenende auf dem Landesparteitag in Oberhausen, mit dem ich sehr zufrieden bin (hinter dem Link: Eine lange Liste von Forderungen, die wir aus Mönchengladbach ins Landtagswahlprogramm der Grünen einbringen konnten).
Zufrieden war ich zuvor auch mit der Podiumsdiskussion zum Radverkehr in Mönchengladbach, veranstaltet vom ADFC. Hier konnte ich unter Beifall mein Ansinnen vorstellen, Mönchengladbach zu einem wichtigen Knotenpunkt eines landesweiten Radschnellwegenetzes zu machen, das sich nun ja auch in allgemeinerer Form im Landtagswahlprogramm wiederfindet. Hier im Blog brachte ich dazu innerstädtisch ein vielleicht etwas utopisch anmutendes, aber dankbar diskutiertes Konzept ein.

Exkursion an den Braunkohlentagebau Garzweiler II

Heute noch stehen wir am Abgrund, doch morgen schon sind wir einen Schritt weit… äh, Moment mal

Abseits der Parteipolitik gab es dann noch ein Gartenprojekt. Ein Bürgergarten in meiner Nachbarschaft. Doch auch wenn ich mich sehr freue, kommen die Unterschriftsberechtigten nicht so richtig in die Hufe mit den letzten Details zum Pachtvertrag. Das ist eien seltsame Mischung aus Begeisterung und Enttäuschung, aber noch läuft der Prozess. 2017 muss das was werden,momentan sieht es immer noch so aus wie im Sommer, nur halt winterlicher.
Obstwiese an einem Hang

Ackerdistel Hugo und seine Freunde

Weiter im Blog

Vergleich der Gestaltung des Blogs von Mitte 2015 bis Ende 2016

Ein Blog, zwei Jahre

Möglicherweise habe ich etwas zu viel am Blogdesign rumgeschraubt, aber das Ergebnis ist ein perfekt auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes, einmaliges und ennoch schlichtes Design mit ein paar hübschen Finessen. Das einst in meinen Augen recht hässliche Blog hat sich zu einem modernen Stück Internet entwickelt, in dem übrigens so gut wie alles ohne spezielle Skripte umgesetzt ist.
Für das letzte Beispiel habe ich einen anderen Beitrag ausgewählt, um meinen veränderten Umgang mit Bildern zu betonen. Jeder Beitrag hat inzwischen auf den ersten Blick ein Bild oder ein Video eingebettet, damit es nicht mehr nach trostloser Buchstabenwand aussieht. Das hat auch den Effekt, dass es in den sozialen Netzwerken ein schöneres Vorschaubild gibt.
Die Reihe Less Litter Lifestyle ist gestalterisch als Experiment gestartet, gezielt Pinterest anzusprechen und zugleich das Design des Blogs auch für andere Medieninhalte zu verwenden.
Ich glaube, damit ist das Blog nun so gut wie fertig. Es ist vor allem auch bereit für meine Pläne für 2017. Doch dazu morgen mehr.

Soweit die großen Dinge. Es gibt viele kleine Dinge, viele persönliche Dinge. Menschen, die ich getroffen habe, Dinge, die ich erlebt und gelernt habe, vieles, von dem ich glaube, dass es nicht in dieses Blog gehört oder wenigstens nicht in einen Jahresrückblick. Ich war nicht so produktiv, wie ich von mir selbst erwarte, aber das bedeutet in keinster Weise ein Jahr, in dem nichts geschehen ist. Ich könnte jetzt eine Diaschau mit mehreren hundert Fotos aus 2016 starten. In keinem Jahr zuvor habe ich je so viele Fotos gemacht.
Es war für mich auch ein Jahr vieler Vorbereitungen für ein aufregendes Folgejahr. Privat, beruflich, politisch.

Wir sehen und morgen zum Ausblick auf 2017. Esst bis dahin mal wieder was Gesundes. Macht euch einfach einen Smoothie mit eurem Lieblingsobst und Nüssen. Bis bald!

Eine Tüte Jellybeans und Rumkugeln vor einem Küchenmixer

Bestes Rezept meiner Sammlung. Mit Abstand. Und 2016 ganz allein ausgedacht!

LDK 2016 in Oberhausen, die Zweite 1 

Dieses Jahr gab es zwei Landesdelegiertenkonferenzen (LDK, so nennen u.a. die Grünen ihren Parteitag) in Oberhausen. Von der ersten im September berichtete ich nicht, da ich diese reine Wahlveranstaltung für nicht sooo wahnsinnig spannend hielt. Konnte man ja auch alles online verfolgen. Eine kurze Suche bei Youtube hilft.
Am vergangenen Wochenende dagegen ging es um das Landtagswahlprogramm, also um Inhalte. Das finde ich dann deutlich interessanter.

Viele Kreise, ein Landesprogramm - Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW

Viele Kreise, ein Landesprogramm – Bild: Bündnis 90/Die Grünen NRW


Natürlich kann man auch diese über drei Tage gehende Konferenz bei Youtube nachschauen: Tag 1 (vier Stunden), Tag 2 (zwölf Stunden) und Tag 3 (sechs Stunden). Aber es gibt mehr zu erzählen, als das.

Wahlzeugs

Tag zwei war dann doch zu großen Teilen ein Wahlmarathon, denn ich nach vorne stellen möchte, weil er kurz angesprochen werden kann. Denn es gab mit Peter Walter einen Kandidaten aus Mönchengladbach. Dessen nachdenkliche Wahlrede zur Friedenspolitik gibt es ab etwa 3:27:50 in der Aufzeichnung zum zweiten Tag nachzuhören. Er konnte sich damit auf Platz 30 der Liste zur Bundestagswahl behaupten. Dafür durfte er einen dieser komischen Grabkränze mitnehmen, die wohl den Versuch eines weihnachtlichen Blumenstrausses darstellten.
Wir sind stolz auf unseren Peter!
Daneben gab es noch eine Debatte zur Kandidatur Christoph Butterwegges zum Bundespräsidenten, vorgeschlagen von der Linkspartei. Eine Abstimmung dazu gab es nicht da der Antrag zurückgezogen wurde. Ich habe mir die letzten Tage eine Meinung zu Butterwegge gebildet: Butterwegge ist fraglos ein Populist, allerdings genau die Art von Populist, die wir grade dringend brauchen. Einer, der deutliche linke Positionen zurück in eine verneoliberalisierte Bundesrepublik bringt, die es zu diskutieren lohnt.

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Wir basteln einen Radschnellweg Lürrip-Innenstadt 5 

Nachtrag, Januar 2018: Inzwischen enthält die Planung der City Ost eine Fahrradbrücke über die Breitenbachstraße. Ich habe angefangen nachzubohren, ob man nicht die ehemalige Bahntrasse zum Geneickener Bahnhof (der rechte türkise Bereich in der zweiten Karte) überplanen kann. Vergisst man die durchgehende Hochtrasse und setzt statt dessen noch eine Brücke über die Korschenbroicher Straße, sind wir von dieser Idee gar nicht mehr so weit weg.

Ich hatte in den letzten Tagen mehrfach angedeutet, dass ich mir einen Radschnellweg südlich des Hauptbahnhofes MG vorstellen könnte, quasi als Ergänzung zum SPD-Vorschlag eines solchen Weges im Norden der Stadt (der in meinen Augen irgendwie kein wirkliches Streckenziel hat, er wäre halt da). Ich will das nun etwas genauer ausführen. Aber zunächst ein paar Karten zum Erschrecken, dann die Erklärung:

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße Zum Vergrößern aufs Bild klicken

Grün: Ebenerdig/vorhandener Bahndamm
dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau: potenzielle Fahrradverbindung Heinrich-Sturm-Straße
Zum Vergrößern aufs Bild klicken
Hinweis: Eine Rampe zur Kranzstraße fehlt hier nur versehentlich

dunkelblau: Hochtrasse gelb: Rampe hellblau:potenzielle Weiterführungen

dunkelblau: Hochtrasse
gelb: Rampe
hellblau:potenzielle Weiterführungen

Ziele

Ein Radschnellweg ist meines Erachtens dann sinnvoll, wenn er vorhandene Strukturen verknüpft oder zusammenfasst oder aber wenn er lohnende Ziele ansteuert.
Also zunächst zu den vorhandenen Strukturen: Es gibt in Mönchengladbach einige gute oder potenziell gute Verbindungen. Der von Wickrath weit in den Niederrhein führende Nierswanderweg sticht hervor, daneben gibt es noch die Richard-Wagner-Straße/Brucknerallee (Hermges-Rheydt), die Landwehr (Dahl-Ohler-Pongs), die Korschenbroicher Straße (Mönchengladbach-Neuss) und einige wenig bis nicht genutzte Straßen im Raum Rheindahlen/Hardt, über die Fahrten in Richtung Süden (Erkelenz, Heinsberg, Aachen) und Niederlande (Roermond) möglich sind. Hinzu kommen Planungen für eine Fahrradstraße in der Heinrich-Sturm-Straße (als auch heute schon nutzbare Unterquerung des Bahndammes) und der genannte Radschnellweg weiter nördlich. Im Bereich der von mir angedachten Strecke gibt es noch ein paar kleinere Verbindungen, die ich nicht alle aufzählen möchte.
Relevante Ziele in Gladbach sind sicherlich die beiden Hauptbahnhöfe mit ihren Radstationen und der jeweiligen Anbindung zur Innenstadt, die größeren Stadtteilzentren (Wickrath, Rheindahlen), das Umland (u.a. Krefeld, Viersen, Neuss/Düsseldorf, Heinsberg, Niederlande) und natürlich die Verknüpfung der Stadtteile untereinander.

Definition Radschnellweg

Okay, das ist für die nächsten Ausführungen wichtig, vorab zu klären: Ich definiere den Radschnellweg im Folgenden als eine zu anderen Verkehrsträgern kreuzungsfreie Verbindung, die rein für die Benutzung durch Fahrräder (der Einfachheit halber einschließlich Pedelecs und Mofas) gedacht ist. Es gibt noch ein paar weitere Bedingungen für die Bezeichnung, die unabhängig vom Konzept leicht umsetzbar sind und daher hier keine Rolle spielen sollen. Also quasi als Fahrradgegenstück zur Autobahn.
Damit lege ich einen höheren Standard an, als der Radschnellweg 1 im Ruhrgebiet. Daraus folgt: Eine Umsetzung mit Abstrichen ist natürlich möglich, das hier ist die Maximalvariante.

RS-MG-OS

Der Radschnellweg Mönchengladbach Ost-Süd (hoffentlich offensichtlicher Arbeitstitel) fände seinen Anfangspunkt am S-Bahn-Haltepunkt MG-Lürrip, unweit der Korschenbroicher Straße, die hier ostwärts über den Nierswanderweg und in Richtung Neuss führt. Diese Nähe kann in der weiteren Zukunft als Anknüpfungspunkt für eine Verbindung des Gladbacher OS-Weges mit dem Endstück der bereits geplanten Verbindung Monheim-Düsseldorf-Neuss dienen. In Kombination mit den Überlegungen, den nördlichen Radschnellweg nach Krefeld anzubinden, würde Mönchengladbach dann zu einem zentralen Knotenpunkt des landesweiten Radschnellwegenetzes.
Von hier aus bietet sich zunächst an, den Weg auf dem derzeit noch leeren ehemaligen Bahndamm zu führen, der sich schon jetzt vom Bahnhof Lürrip bis zur Breitenbachstraße befahren lässt, allerdings als abgeräumtes ehemaliges Bahngelände nur mit einem guten Mountainbike. Das ist der einfache Teil, der praktisch sofort umgesetzt werden könnte. In der Karte ist das das große ebenerdig (grün) angelegte Stück.
An der Breitenbachstraße kann man den Weg natürlich in das Straßennetz zurückführen. Für den Namen „Radschnellweg“ wäre dies aber dann doch etwas mickrig. Aber wie kommen wir weiter? Nun, wie wäre es damit:

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich - Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Also, der radweg, nicht der Hafen natürlich – Bild: Ole Malling für Dissing und Weitling Architektur

Das ist Cykelslangen, ein auf einer Hochtrasse angelegter Radweg in Kopenhagen. Am oberen Ende auf dem Bild beginnt er mit einer Rampe und steigt auf eine Höhe von 5,50 Metern.
Ich könnte mir vorstellen, mit einer solche Hochbahnführung auf Höhe der Bahntrasse den Radschnellweg weiterzuführen, mit mehreren Rampen an geeigneten Stellen. Wohlgemerkt auf Höhe der Bahntrasse, nicht auf der vorhandenen Bahntrasse. Der Weg würde südlich an die Bahntrasse angeflanscht. Da sich der Weg an der Südseite des Bahndammes befinden würde, gäbe es auch nichts, was durch den Radweg verschattet würde, die Sonne steht ja in unseren Breiten eher selten im Norden. Dieser erhöhte Teil kann dann an unterschiedlichen Stellen in Höhe des Berliner Platzes enden, beispielsweise in Form einer Rampe zur Oststraße, die abzweigende Schienenverbindung ins Rheydter Industriegebiet begleitend oder in die geplante Unterführung zwischen Theodor-Heuss-Straße und Korschenbroicher Straße hinein.
Man muss aber auch ehrlich sein: Das ist ein teures Vorhaben. Ein Brückenbauwerk dieser Länge dürfte über den Daumen gepeilt so etwa 2-3 Millionen Euro kosten. Das kann die Stadt nicht tragen, das müsste ganz klar im Landesprogramm für Radschnellwege getragen werden, wenn man es umsetzen will.

Weiter in die Zukunft

Der südliche Endpunkt kann in der weiteren Entwicklung natürlich noch weiter entwickelt werden. Es könnte sich beispielsweise sehr lohnen, den Weg entlang der abspaltenden Bahntrasse bis zum Geneickener Bahnhof weiterzuführen, wo die Bahntrasse endet und ein bereits vorhandener Radweg anschließt, der bis zur Odenkirchener Straße läuft. Dort endet er zwar recht abrupt, aber immerhin.
Die attraktivere Verbindung wäre eine Lösung, um die Theodor-Heuss-Straße zu überqueren und auf die Dessauer Straße oder die August-Oster-Straße zu kommen, wo eine Verbindung zur Richard-Wagner-Straße und somit zur angedachten Radwegeführung zum Hauptbahnhof Rheydt möglich wäre. Ist die Theodor-Heuss-Straße einmal gequert, kann man den Radverkehr auch zur Landwehr leiten, an der entlang es zum Stadtwald und von da aus ins westliche Umland geht. Hier haben wir dann unsere Verbindung zur Schiene Erkelenz-Aachen und in die Niederlande.
Andernorts im Streckenverlauf ist es dann noch nötig, die Lücke zwischen diesem Radschnellweg und dem im Norden zu schließen.
So oder so wäre Mönchengladbach mit einem solchen Vorhaben ein bedeutender Knotenpunkt für den überörtlichen Radverkehr. Das kann sich für die Stadt enorm lohnen.

Spinne ich?

Vermutlich. Aberich halte spinnen für den wichtigsten Schritt auf dem Weg in die Zukunft. Erstmal spinnen, dann auf das realisierbare runterbrechen und dann machen. Aber man muss auch sagen: Wir haben es geschafft, in relativ wenigen Jahren ein Autobahnnetz durch die gesamte Bundesrepublik zu bauen. Da ist das hier nichts gegen.


Abschied von Borschemich: Die sterbenden Toten 0 

Vor einer Woche habe ich begonnen, an das im Abriss befindliche Dorf Borschemich zu erinnern. Natürlich habe ich nicht nur von St. Martinus Bilder gemacht und so gehen die Bilder weiter. Heute möchte ich mich der Begegnungen mit dem Tode widmen, die mich auf meinen Ausflügen nach Borschemich im letzten Sommer erwartet hatten.

Gerd Beeck

Die erste Begegnung mit den Spuren des Ablebens einstiger Einwohner fand nicht wie erwartet auf dem Friedhof statt. Borschemich war ein Dorf, in dem gelebt wurde. Menschen, die leben, erinnern und sie tun dies auch abseits der dafür offiziell zugewiesenen Flächen.
Ich stellte mein Fahrrad am ersten Tag in einem Hintergarten direkt an der Glockengasse ab und schloss es fest. Die verwilderten Gärten boten noch genug Möglichkeiten durchzukommen und so bewegte ich mich ostwärts durch die Hintergärten der Sankt-Martinus-Straße zur Von-Paland-Straße. Dort standen einige Treibhäuser in den Hintergärten, aber diese sind jetzt nicht Thema. Thema ist ein Fund direkt vor den Treibhäusern, in einem großen Hintergarten. Was das da war, was plötzlich vor meinen Füßen unter dem Gras lag, war sofort klar und so fegte ich den Fund schnell frei um zu sehen, wem das Stück gehörte.Grabstein H. Gerd BeeckLiegt hier jemand oder haben nur Angehörige den Grabstein in den Garten genommen, als das Grab Ende der 1990er aufgelöst wurde? Wer war Gerd Beeck? Ich weiss es nicht. Alles, was Google mir auf die Suchanfrage nach Gerd Beeck aus Borschemich liefert, ist mein eigenes Bild dieses Grabsteins.

Das Hündchen

Es ist angesichts der allgegenwärtigen Zerstörung der Gebäude, Wege und Gärten schwierig, auf der Karte von Borschemich, die (gegenwärtig) bei Google Maps aus lebendigeren Zeiten stammt, die Orte wiederzufinden, an denen man war. Am Rande des Ortsrestes, direkt neben einem bereits abgerissenen Baufeld, kam ich in einige weitere Hintergärten. Ein paar Schuppen waren zwischen den Bäumen der bewaldeten Gärten verstreut.
Es war hier, dass ich zum Ende des ersten Tages die unheimlichste Begegnung in Borschemich erfuhr.
Es lag direkt hinter der Tür eines Schuppens, von dem es einst einen Weg zur Straße gegeben haben musste, da ein Autoanhänger darin stand.Hundemumie in BorschemichWieder Fragen: Hatte dieser Hund hier gelebt, war es ein Borschemicher, der die Umsiedlung nicht mitmachen wollte? Vermisst ihn jemand? Oder war es ein entlaufenes oder gar wild geborenes Tier von anderswo, das hier einen trockenen Ort gefunden hatte und unbehelligt sein Leben leben konnte, so kurz oder lang es auch gewesen sein mag?

Der Friedhof

Der zweite Tag brachte mich zum Friedhof des Ortes. Der Friedhof in Borschemich war in großen Teilen bereits geräumt, die Toten nach Neu-Borschemich umgebettet, eine im Vergleich zum alten Dorf lieblos wirkende Neubausiedlung im Norden von Erkelenz. Was zurückbleibt ist ein leerer Friedhof.Leerer Friedhof in Borschemich
Doch es gibt noch Spuren der Umsiedlung: Wo einst die Gräber lagen, finden sich nun kleine Holzschilder. Darauf vermerkt: Der Ortsname, die Nummer des Grabfeldes, Name und Todesjahr der verstorbenen Person, die Zielangabe „→Borschemich(neu)“ und eine Angabe, ob es sich um ein Einzel- oder Gemeinschaftsgrab handelt. Die Holzschilder liegen weit verstreut, offenbar nach der Arbeit der Grabumsiedler achtlos liegen gelassen. Es kümmert ja keinen mehr.grabschilder
Wie schon an der Kirche finden sich auch am Friedhof leere Nischen, wo einst Heiligenbilder oder Totenkerzen zu finden waren. Nur die Familie Lörkens harrte im September noch aus, im Leben mit Haus Paland wie auch im Tode mit der 190 Jahre alten Grabstätte, die allein auf dem sonst bereits umgesiedelten Friedhof mahnt. Inzwischen ist Haus Paland Geschichte. Der Grabstein wartet auf seinen neuen Ort, seine Aufschrift eine perfekte Mahnung in diesen Tagen, in denen das Dorf und sein altes Erbe des schnöden Mammons wegen im Abriss stehen: „Ruhestätte der Familie Lörkens seit 1826 – Haus Paland“.
Leere Heiligennische
Grab der Lörkens in Borschemich

Abschied von Borschemich: St. Martinus 1 

Am heutigen Montag hat RWE Power mit dem Abriss der Kirche St. Martinus begonnen. Während ich die bereits abgerissene uralte Wasserburg Haus Paland nicht mehr dokumentieren konnte, habe ich von der Kirche im September bei meinen letzten Besuchen im Geisterdorf einige Fotos machen können, vor allem auch aus dem Inneren des Gebäudes, ebenso wie bei vielen anderen Gebäuden des Dorfes. Da der heutige Abriss der Kirche als symbolisch für das Ende einer alten, traditionsreichen Siedlung im Dienste unseres anachronistischen Hungers nach Kohlestrom steht habe ich mich entschieden, den Großteil der Bilder heute gesammelt ins Blog zu stellen.
Dass ich kein professioneller Fotograf bin und zudem nur mit dem Handy fotografiert habe, daraus machen die meisten Bilder wohl keinen Hehl, aber sie sind Dokumente eines verschwindenden Ortes, die ich dennoch hier versammeln will. Ich stelle alle Bilder in diesem Beitrag unter die Lizenz CC-BY-SA 4.0 zur freien Weiterverbreitung unter Nennung der Quelle.

Aussen

Beginnen möchte ich die Reihe nicht mit dem ersten, sondern mit dem allumfassend passendsten Motiv. Die Seitentür des Hauptschiffes an der Westseite ist nicht nur ein wunderschönes Motiv, sondern auch inhaltlich eine perfekte Zusammenfassung der Zerstörung von Kulturgütern, die mit der Barbarei der RWE einhergeht. Alpha und Omega vielleicht, aber wir haben einen weiteren Buchstaben dahintergesetzt: Kohle!borschemich-alpha-omega
Es ist nicht einfach, die große Kirche aus den Straßen des Ortes in Gänze zu fotografieren. Damals, im September, stand noch die im November dann gefällte, große Magnolie in vollem Blatt und es gab Gebäude gegenüber, was ein Bild erschwerte. Entsprechend fehlt allen meinen Aufnahmen ein Stück der Kirche, doch als Eindruck der schieren Größe des Bauwerks ist das vielleicht deutlicher als ein erfolgreiches Gesamtbild. Von weitem schon überragte der Turm die Ortschaft, den ich im dritten Bild südwestlich von der Basis aus nach oben blickend aufgenommen habe um einen Eindruck seiner Höhe zu vermitteln.martinus-frontal-quer
martinus-frontal-hoch
martinus-westturm
Der Haupteingang der Kirche stellt sich künstlerisch nicht ganz so spektakulär dar wie der Seiteneingang, aber eine andere Tür war für mich von deutlich größerem Interesse: Die Tür des Seitenschiffes stand weit offen und dies erlaubte mir die Bilder aus dem Inneren im nächsten Abschnitt. Ignoriert den etwas peinlichen Daumen auf dem Bild, der ist auf beiden Aufnahmen, die ich von dieser Tür gemacht habe.martinus-fronttuer
martinus-seitenschiff-tuer

Innen

Die meisten Gebäude in Borschemich, die ich betreten konnte, waren von Moder und Feuchtigkeit durchzogen, es fanden sich zerbrochene Flaschen, Chips-Tüten und (oft in ihrer qualitativen Ausführung durchaus positiv) Graffiti.
Ganz anders dagegen das Innere der Kirche. Fast einen Zentimeter dick hatte sich ein weisser Staub auf alles gelegt, kein Abfall und kein Graffiti hatte diese Räume berührt. Nur Fußspuren — und auch derer nicht viele — störten die dicke Staubschicht. Bauweise und auch der Respekt der hier immer wieder kampierenden Menschen hatten dieses Gebäude konserviert. RWE spricht in diesem Zusammenhang ja gerne von Verbrechern, Vandalen und Plünderern, aber jeder einzelne davon verfügte offenbar über mehr Anstand als jene, die den Abriss des Dorfes verfügt hatten.martinus-hauptschiff
spuren-im-staub
spinnweben
Doch eines gab es, was nach Zerstörung aussah: Der einstige Altar lag in Trümmern. Das allerdings war kein Werk von marodierenden Unmenschen, es waren Spuren des letzten Aktes offiziellen dörflichen Lebens in dieser Kirche. Nach der Entweihung im November 2014 wurde der Altar demontiert und in Stücken an die Gemeindemitglieder gegeben.martinus-altar-ruine
Ein Motiv, dass sich im Ort immer wieder wiederholt ist der einzeln zurückgelassene Besen, oft mit einem Häuflein des letzten Kehrichts inmitten eines aufgegebenen Raumes. Zeuge eines letzten Aktes des Aufräumens, als sei das Schicksal dieser Räume nicht längst besiegelt. Oft ist es so, dass der ganze Raum leergeräumt ist, doch der Besen, der bleibt. Ein seltsames, leicht unheimliches, Bild. St. Martinus bildet hier keine Ausnahme.besen-st-martinus
In der Martinuskirche ist der Besen allerdings nicht die einzige auffällige Hinterlassenschaft. Während die Bänke bis auf das Kniebrett alle fehlen (so sie jemals vorhanden waren, ich kenne mich mit katholischen Kirchen nicht so aus), findet sich hinten im Hauptschiff der Beichtstuhl. Ein interessantes Objekt, um es zurückzulassen. Für mich persönlich auch eine etwas seltsame Begegnung — als ehemaliger Protestant habe ich noch nie in meinem Leben einen echten Beichtstuhl gesehen, ich kannte die Dinger nur aus Filmen.martinus-beichtstuhl
Wohl eher weniger beabsichtigt die andere auffällige Hinterlassenschaft der einstigen Nutzung, die Umrisse und Beschriftungen der einst an der Ostwand aufgehangenen Christuspassion.bilderschatten
Die Kirche war ein trotz seiner Masse überaus lichtdurchflutetes Gebäude, wie man schon zuvor auf den Bildern erkennen konnte, auf denen ich oft mit dem vielen Licht, welches der weisse Staub noch ein mal verstärkte, zu kämpfen hatte. Daher zum Abschluss des Inneren noch ein Bild von den Fenstern am Südende des Hauptschiffes.martinus-suedfenster

Garten

Die Kirche war im Süden von einem großen Waldgarten umgeben, in dem sich zahlreiche Heiligenfiguren in kleinen Grotten fanden. Die Figuren sind längst fort, was bis zuletzt blieb, waren die leeren Grotten. Ich möchte meine Bilderreihe zur Kirche von Borschemich mit zwei Bildern davon abrunden, die sich auch stärker als die Kirche selber in das Bild des Verfalls einfügen, welches der Ort insgesamt darstellte.grotte-martinus-1
grotte-martinus-2

Veilchendienstagszug 2016 0 

Vorgeplänkel

Es gilt weiterhin, was ich letztes Jahr schon schrieb:

So sehr ich den rheinischen Karneval mit seiner Schunkelei und dem Schenkelklopferhumor auch verachte, und so sehr ich auch ein ausgeprägtes Unwohlsein in der Nähe von Clowns und kostümierten Menschen verspüre, eines hat auch mir doch immer gefallen: Der Straßenkarneval mit seinem Zug/Zuch/Zoch (je nach Regiolekt).

Wenig weiss ich mehr zu schätzen als gute Satire und die großen Karnevalszüge im Rheinland tragen diese quasi als Markenzeichen. Das ist zwar in Düsseldorf und Köln gegenwärtig vor allem dem ebenso unermüdlichen wie pointenstarken Wagenbauer Jacques Tilly zu verdanken, aber auch Mönchengladbach, mit dem einzigen großen Zug am Veilchendienstag in Deutschland (New Orleans ist keine so direkte Konkurrenz), zeigte hier immer wieder Potenzial. 2010 war ein in diesem Sinne sehr guter Zug, 2015 zeigte Potenzial.
Auf 2016 war ich sehr gespannt, weil Bernd Gothe, der Vorsitzende des Mönchengladbacher Karnevalsvereins (MKV) eine Neuausrichtung des Gladbacher Karnevals angekündigt hatte. Richtig konzipiert hätte das Ansinnen, nicht mehr direkt mit den anderen Hochburgen zu konkurrieren viel Potenzial für einen ganz eigenen Zug. Es hatte aber auch das Potenzial, in der Praxis zu einem „Unser Karneval soll ömmeliger werden“ zu katastrophieren. Also, was ist es geworden? Nun:

Die Bestechung

Eine Ausbeute an Wurfmaterial , wie ich sie sonst nur aus meiner Kindheit in Düsseldorf kenne ist schonmal nicht schlecht. Das lag auch daran, dass ich kurz vor Ende des Zuges meine erhöhte Fotografierposition aufgab und direkt an den Straßenrand ging. Wären mir nicht irgendwann die Jacken- und Hosentaschen ausgegangen, es sähe noch besser aus.
Jetzt habe ich neben einem Bumerang, Einkaufs-Chip und Quietscheentchen noch ein-zwei Süßigkeiten einstecken können:

Ein Einkaufswagenchip! Wie cool ist das denn?

Ein Einkaufswagenchip! Wie cool ist das denn?

Also, bestochen wurde ich schonmal gut, aber ich bin bekanntlich unbestechlich.

Disclaimer

Wenn ich mopper, dann weil ich gesehen habe, wie viel besser der Karneval in MG sein kann, wenn er sich traut, Eisen anzupacken und nicht, weil ich dem Zug Böses will. Im Gegenteil, ich sehne mich gradezu nach einem Veilchendienstagszug mit Chuzpe. Deswegen messe ich ihn an den Zügen der drei Rosenmontagshochburgen und auch an früheren Zügen in Mönchengladbach. Denn früher und anderswo ist immer alles besser.

Der Zug

Pünktlich zu Beginn zog der Regen ab und das bisschen Gedröppel zwischendurch zählt nicht, also gute meteorologische Voraussetzungen für einen gelungenen Zug. Dass der erste Wagen Werbung für die Ritterfestspiele auf Schloss Rheydt als Kamelle warf, ergab einen etwas befremdlichen Auftakt, aber nun gut.
Allerdings war das auch der Einstieg in das, was den Zug durchzog: Er war nicht lustig, dafür war er aber repräsentativ. Die Karnevalsvereine zeigten wie jedes Jahr ihre Prunkwagen vor, wie üblich mit einer aktualisierten Jahreszahl in der Bemalung, fertig ist der Karnevalswagen. Sehr repräsentativ, aber auch sehr, sehr langweilig.
Daneben wurde wie groß in der Presse angekündigt der Rumpf einer Junkers F13 durch die Gegend kutschiert, gefolgt von einer Art Diorama aus Bauteilen des Gladbacher Weihnachtsmarktes mit Werbung für eben jenen Markt. Es folgte das Minto, das sich wenigstens die Mühe gab, ein Motto auf Platt auf den Wagen zu malen. Alle drei Wagen wären hervorragend für eine Art Stadtparade, die man etwa zum Eine-Stadt-Fest zwischen Rheydt und Gladbach fahren lassen könnte (Hey, MGMG, wie wäre es mit einer solchen Stadtparade zum Eine-Stadt-Fest?), aber wenig närrisch oder gar lustig.

Ja, ein kaputtes Flugzeug. Tätä, tätä, tätä!?! Oka,y das ist ein bisschen unfair der historischen Bedeutung der Junkers F13 gegenüber, aber mal im Ernst, das ist ein Karnevalszug!

Ja, ein kaputtes Flugzeug. Tätä, tätä, tätä!?! Okay, das ist ein bisschen unfair der historischen Bedeutung der Junkers F13 gegenüber, aber mal im Ernst, das ist ein Karnevalszug!

Ja, okay, warum nicht

Ja, okay, warum nicht

Nein, viel lustiger wird's nicht, aber sie haben sich mit dem Spruch wenigstens Mühe gegeben

Nein, viel lustiger wird’s nicht, aber sie haben sich mit dem Spruch wenigstens Mühe gegeben

Motto des Zuges war dieses Jahr „M’r donnt wat m’r könne“, was mich durchaus zu begeistern wusste. Ich nahm es als positives Zeichen, dass Mönchengladbach endlich mal ein Motto auf Platt hat, wie sich das für Karneval gehört. Gleich zu Anfang lief ein Typ quer und jenseits von Reih und Glied durch den Zug und hielt ein Schild hoch, auf dem zu lesen war: „Ech donn wat ech will!“ Die Rückseite des Schildes war ein Spiegel. Dieser Mann hat eine Medaille verdient.
Man kann das Motto durchaus positiv lesen und dazu war ich auch bereit. Was ich nicht ahnte war dabei, dass die Liste dessen, was wir können offenbar keinen Eintrag „lustig“ umfasst. Zu denken geben sollte mir dabei, dass auch der heimische Karikaturist Nik Ebert den Spruch in seinem Beitrag zum Thema städtische Sauberkeit in seiner negativen Auslegung umsetzte. Und immerhin war er derjenige, der dieses Motto vorgeschlagen hatte!
Die Mülltonne sagt: „Na los! Versuch's nochmal!“

Die Mülltonne sagt: „Na los! Versuch’s nochmal!“

Daneben verdankt der Zug Ebert aber in Form der jährlichen rollenden RP-Karikatur auch den einzigen Wagen mit politischer Aussage. Dass diese beiden Wagen recht einfach zu gestalten waren, da es ja nur fahrende Plakatwände sind, kommt Eberts Motiven sicherlich zu Gute. Vielleicht wären mehr solcher Wagen ein Ansatz, um auch in Zukunft Satire im Zug zu haben? Es ist nicht so, als wäre die Heimatstadt von Nik Ebert und Volker Fucking Pispers der politischen Spitzen unfähig, auch wenn man das bei ihrem Karneval ab und an glauben könnte.
Eine Seltenheit 2016, Politik auf dem Korn! Das Asylrecht mit Rennreifen von Nik Ebert

Eine Seltenheit 2016, Politik auf dem Korn! Das Asylrecht mit Rennreifen von Nik Ebert

Lokalpolitisch gab es genau einen aktuellen Bezug, der KjG aus Hardt nahm sich der 30er- und 40er-Zonen in der Stadt an, mit Kappen in Form von Autos und einem Spruch auf dem Wagen. Ich muss damit nicht übereinstimmen, um das gut und vor allem karnevalistisch zu finden. Daumen hoch für den einzigen lokalpolitischen Beitrag des ganzen Zuges 2016!
Auf dem Wagen steht etwas zu klein für das Foto: „30, 40 statt 50. Gladbachs Blitzer sind nicht günstig“

Auf dem Wagen steht etwas zu klein für das Foto: „30, 40 statt 50. Gladbachs Blitzer sind nicht günstig“

Okay, es gab noch ein lokalpolitisches Motiv, aber das war ein wenig älter. Bernd Gothe hatte zuvor zur Neukonzeption auch angekündigt, es werde beim Zug „Nostalgiewagen“ geben, also Nachbauten alter Wagen, deren Erinnerung wachgehalten werden soll. Ich möchte das Ergebnis nicht zu sehr kleinmachen, der Wagen zur Umbenennung von München-Gladbach in Mönchengladbach aus dem Jahre 1949 ist solide, wenn auch etwas fad. Die Idee, das Ereignis sinnbildlich durch einen Bayern und einen Mönch darzustellen, ist durchaus eine neue Aufführung wert. Nur sonderlich aktuell ist das natürlich nicht.
Du weisst, der Karneval hat ein Problem, wenn selbst der Karnevalsverband impliziert, dass der Karneval früher besser war. Allerdings hat er damit ja auch Recht.

Du weisst, der Karneval hat ein Problem, wenn selbst der Karnevalsverband impliziert, dass der Karneval früher besser war. Allerdings hat er damit ja auch Recht.

Ehrenthalber erwähnt sei noch der von der Pressestelle der Stadt groß angekündigte Fairtrade-Wagen, der 2016 erstmals mitfuhr. Tatsächlich einer der größten Wagen der Parade, wenn auch einer in der langen Reihe konzeptionell nicht weiter erwähnenswerter Beiträge wie die Prunkwagen: Da, aber es findet sich nichts lustiges daran. In einem starken Zug ein willkommener Einschub, so aber nur ein weiteres Glied einer durchweg langweiligen Kette.
Allerdings der aufwändigste und einer der schönsten Prunkwagen im Zug

Allerdings der aufwändigste und einer der schönsten Prunkwagen im Zug

Alles in allem, wie schon angeklungen, ein furchtbar langweiliger Zug, der allein deswegen ein paar Perlen aufwies, weil sich dies bei etwa 50 beitragenden Gruppen praktisch nicht vermeiden ließ. Die Ansage des Karnevalsverbands war, gar nicht erst zu versuchen, mit Düsseldorf und Köln zu konkurrieren, sondern etwas ganz eigenes zu versuchen. Dafür steht auch das diesjährige Motto, aber das ist gradezu eine Verleumdung, denn der Gladbacher Straßenkarneval kann durchaus auch lustig und bissig sein, das hat er in vergangenen Jahren immer mal wieder bewiesen. Das Ergebnis ist der langweiligste Zug, den ich bislang in einer Großstadt erlebt habe. Allerdings weiss der sich zu retten: Selbst ein langweiliger Gladbacher Zug weiss die Zuschauer mit Musik und Süßigkeiten bei Laune zu halten.
Und ganz klare Sache: Wenn wir nun an der Talsohle sind, so kann es nur noch aufwärts gehen. Ich hätte offen gestanden nicht übel Lust, eine Gegenveranstaltung aufzumachen, Arbeitstitel „Karneval in lustig!“ Vielleicht jährlich tagsüber zu Silvester als Jahresrückblick, gezielt mit politisch bissigen Wagen und Satire? Etwas, was schon im Konzept jede Bräsigkeit verhindert. Ich meine, Silvester liegt ja auch zwischen Hoppediz‘ Erwachen und Aschermittwoch.

Herr Prisac, übernehmen Sie!

Selbst mit Bildstörung ziehe ich dieses Jahr ganz klar Prisacs Miniatur-Zug vor, der Mann weiss, wie man standesgemäß moppert und dabei unterhält. Das gehört einfach als alleroberstes zu den Dingen, die ich von einem gelungenen Karnevalszug erwarte.

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