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State of the Städtchen 2015 1 

Wir unterbrechen den üblichen Rhythmus zwischen Weihnachten und Neujahr für die obligatorischen Jahresrück- und -ausblicke

State of the Städtchen

Es gibt keinen Weg um diese Erkenntnis herum: Politisch war 2015 kein gutes Jahr für Mönchengladbach. Seit die GroKo 2014 die Leitung im Stadtrat übernommen hat, geht etliches schief. Die GEM als städtischer Entsorger, deren Rekommunalisierung neben Gründen der Auftragsvergabe auch zwecks direkterer politischer Kontrolle von der Ampel angestoßen wurde, wurde von der GroKo zum Gegenteil gemacht: Jetzt wird der komplette Bereich der Sauberkeit und Entsorgung samt der Grünpflege aus der Stadtverwaltung ausgegliedert und in ein neues Unternehmen, die „Stadtbetriebe Mönchengladbach“ (ja, die heissen wirklich so aussagelos) eingesetzt. Damit ist die Handlungsfähigkeit der Politik in grade jenem Feld massiv eingeschränkt, das die GroKo immer wieder groß als ihr Hauptziel darstellt, der Sauberkeit der Stadt.
Überhaupt, die „Sauberkeitsoffensive“! Die macht sich derzeit vor allem durch zu hoch aufgehangene Putzlappen nutzlose Plakate bemerkbar, die dazu auffordern, seinen Müll aufzuheben. Und durch zusätzliche Putzeinsätze im Geropark, der dann hübsch aufgeputzt der Presse vorgeführt wird, während ich zugleich aus Stadtteilen wie Lürrip immer wieder Beschwerden höre, die im Geropark eingesetzten Kräfte fehlen dann in den als Peripherie geltenden Stadtteilen. Potemkinsche Sauberkeit, wenn man so will.
Aber kosten darf das. Eine Menge, ein paar Millionen allein um die neuen Stadtbetriebe auszustatten, womit auch immer. Man könnte meinen, die Müllabfuhr habe bislang keine Müllwagen besessen und müsse nun dringend welche besorgen, so viel Geld wird da reingepumpt. Und wo wir schon dabei sind, bauen wir doch auch gleich ein neues Rathaus. Zur Erinnerung: Die Ampel zerbrach damals am — deutlich sinnvolleren, weil der Bildung dienenden — Plan, eine neue Bibliothek zu bauen.
All dies mit Hilfe von Glaskugeleien (Kommunales Investitionsförderungsgesetz) und vor allem Steuererhöhungen. Zugegeben, Steuern hat auch die Ampel erhöht, aber es gibt doch einen großen Unterschied: Die Ampel tat dies ausschließlich, um den Haushalt aus seiner Schieflage zu befreien. In den regelmäßig knallharten Verhandlungen der Ampelfraktionen galt stets die Maxime, dass alle neuen Vorhaben mit Streichungen und Kürzungen bei anderen Vorhaben zu kompensieren waren. Nicht um einen Cent wurde der Haushalt für Projekte zusätzlich belastet, darauf hatten die Ampelpartner einen eifersüchtigen Blick. Das war selten angenehm, aber doch oft gut für die Stadt, denn so konnte ihre Entwicklung eine neue Richtung erhalten, die Stadt begann innerhalb von nur fünf Jahren, ihr Gesicht zu verändern.
Der Nachhall der Ampelzeit sorgt noch für positive Entwicklungen in der Stadt. Wer sich etwa die Neujahrsrede des Oberbürgermeisters anschaut, der findet unter dem Punkte „Aufschwung“ praktisch ausschließlich Vorhaben, die der Politik der Ampel entstammen. Einzig das Pfefferminzhäuschen ist ein noch älteres Vorhaben, welches unter der Ampel zu seinem Abschluss geführt wurde. Selbst das aktuell bejubelte Bevölkerungswachstum läuft schon seit 2012.
Die gegenwärtige politische Situation in MG ist desolat: Die GroKo arbeitet im Grunde als eine Groß-CDU, deren politisches Wirken vor allem von Selbstverliebtheit geprägt ist. Während Parolen wie jene von der Sauberkeitsoffensive angesichts der offenbar werdenden Konzeptlosigkeit dahinter verpuffen, droht der von der Ampel mit Müh und Not gekittete Haushalt sein Ausgleichsziel 2018 zu verfehlen. Die GroKo arbeitet mit hübschen Schlagworten und verlangt dann von der Verwaltung, diese möge doch bitte definieren, was genau es eigentlich ist, was die GroKo fordert (so geschehen zuletzt beim Thema „Demographiemanagement“). Andernorts zerstört man im Namen der Attraktivität der Stadt eben jene Attraktivität, indem man auf Einrichtungen wie den Margarethengarten oder die verbliebenen Grünflächen Wohngebiete setzt, natürlich nur für „gehobenes Wohnen“. Und die Unerwünschten? Die werden vertrieben, ob man dazu nun unerwünschten Gruppen den Aufenthalt an Bushaltestellen untersagt oder gleich das komplette Arbeitslosenzentrum zu schließen droht.
Die SPD hat darin versagt, als Koalitionspartner die politische Arbeit mitzuprägen. Eine Zusammenarbeit hätte diese typischen Erscheinungen einer Alleinherrschaft verhindert und ein symbiotisches Ganzes ergeben können, welches der Stadt insgesamt durchaus nutzen könnte. Doch mit einem SPD-Fraktionsvorsitzenden, der in der Aussenwirkung alles abnickt was die CDU sich so ausdenkt, ist das nicht zu machen. Ebensowenig mit einer Sozialdezernentin Schall, der zum einen mal eben wichtige Teile des Sozialbereichs entzogen wurden um sie Mosaikdezernent Dr. Fischer (Schule, Sport, Freizeit und nun eben auch noch Ausländer) zuzuschustern, die aber zum anderen auch ständig nett die Klappe hält, was auch immer die GroKo macht.
Nein, politisch steht es nicht gut um Mönchengladbach. Es steht desaströs und es droht, nicht besser zu werden.

Inspiratives Potenzial des Horror Vacui

Ja, ich weiss, dass Horror vacui eigentlich das genaue Gegenteil dessen bezeichnet, was der begriff sagt. Ist mir aber wurscht, weiss ja sonst kaum einer, der nicht Kunstgeschichte studiert hat. Wobei, die Begriffsgeschichte, wie die Motivation eines Phänomens zur Bezeichnung des eigentlichen Phänomens wurde… aber lassen wir das. Und ergötzen wir uns auch nicht all zu lange an diesem Zwischentitel. Nicht all zu lang, aber doch ein wenig. So, genug daran gelabt, weiter geht’s.
Tarek Shukrallah findet in der ersten Ausgabe des hervorragenden Gladbacher Jugendmagazins Nix Los die perfekte Umschreibung für das, was ich mit der Überschrift meine:

Mönchengladbach ist, was die Stärke der selbstverwalteten Jugendprojekte angeht, ein wundervolles Beispiel dafür was passiert, wenn eine Stadt sich einen feuchten Kehricht um ihren Nachwuchs kümmert

Wo ein Vakuum ist, da treten jene Kräfte auf, die es zu füllen beginnen.
Mönchengladbach entwickelt eine blühende Kulturszene. Nicht in der städtisch geförderten Kultur wie dem für den Alltag letztlich belanglos gewordenen Theater, das nur einer gewissen Rezipientengruppe vorrangig in einer gesellschaftlichen Oberschicht (oder gehobenen Alters) dient. Sondern unten. Bei den Künstlern, die ihre Objekte auf den Märkten Greta und Claus feilbieten. Bei jenen, die mit Projekten Aufmerksamkeit erregen. Norbert Krauses bundesweit beachtete Aktionen, auch wenn ich deren Besonderheit persönlich oft nicht verstehe. Hannah von Dahlen und das Projekt MG anders sehen mit ihrem Fokus auf den Charme der Details wie auch des Hässlichen. Eine überraschend große Zahl von Schriftstellern der Stadt. Die Kreativen der Hochschule, auch wenn sie nur selten bleiben. Johannes Jansen und die Freimeister mit ihrem großen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Plätzen und Ankern der vielfach vermissten Stadtidentität.
Und so kann ich doch noch positiv vermerken: Diese Stadt hat die Fähigkeit zum Aufbruch. Er muss in der aktuellen Lage von unten kommen, denn dort sitzt aktuell in dieser Stadt das Talent, der Wille, die Kraft. Sieht man in dieser Stadt nach unten, fühlt es sich nach Aufbruch an. Und damit meine ich nicht die Schlaglöcher und schlecht geflickten Kanalarbeiten, wegen derer ich in dieser Stadt als Zweiradfahrer ausschließlich Mountainbike fahre.

In dunklen Tagen 0 

Achso, ISIS=Islam.
Deshalb sind die im Krieg mit den anderen Muslimen.
Deswegen sind Millionen Muslime auf der Flucht aus den von ISIS kontrollierten Gebieten.
Deshalb gab es vorgestern ein Attentat auf Beirut.
Das ist alles soooo logisch!

Rassistische Dummschwätzer!

Terrorist sein ist keine Religion, Terrorist sein ist eine Geisteskrankheit. Religion erleichtert lediglich den Überträgern die Infektion und ja, manche Religion ist anfälliger als andere. Man muss sie dafür kritisieren, aber man muss doch auch immer diesen wichtigen Unterschied im Auge behalten. Wer ihn vergisst, droht seinerseits, sich anzustecken.

Dass solche Dinge ausdrücklich gesagt werden müssen, das sind die Folgen des Terrorismus vor denen ich mehr Angst habe, als ich vor dem Terrorismus jemals haben können werde. Die Ausbreitung von Rassismus, die Spaltung der Gesellschaft, der Eintritt in eine sich beständig gegenseitig befeuernde Rückkopplung aus Angst, Gewalt und Unterdrückung.

Mag sich mancher über die Bezeichnung als „rassistischer Dummschwätzer“ beschweren, ich halte nichts anderes als diesen Anwurf für angebracht. In schweren Zeiten ist nichts wichtiger als Klarheit.
Dies sind dunkle Tage. Wie dunkel wir sie werden lassen, dafür sind allerdings wir selbst verantwortlich. Und dafür ist notwendig klar zu benennen, in welcher Gestalt uns das Dunkel heimsucht.

Nous sommes unis. Nous sommes forts. Nous sommes la lumière face à la marée des ténèbres.

Politische KW 24/2015 0 

Meine kleine politische Bilanz der Woche, jeden Sonntag hier im Blog. (Wie immer ausgelassen: Die Fraktionssitzung am Montag mit Vorbesprechung der Woche)

Dienstag

Das Bild ist in Ordnung, die sind leicht schräg. Hoffe ich. (Bild: Lena Zingsheim)

Das Bild ist in Ordnung, die sind halt leicht schräg. Hoffe ich. (Bild: Lena Zingsheim)


Der Dienstag brachte für die Grüne Jugend Mönchengladbach eine neue Satzung, mit der sie auch endlich zur Grünen Jugend NRW gehören kann. Bisher gab es da wegen Differenzen der Satzungen Probleme.
Eine dieser Differenzen war das Höchstalter, was zu der Situation führte, dass ich noch über die neue Satzung abstimmen durfte (bis 35), mit deren Inkrafttreten dann aber nicht mehr (bis 28). Jedenfalls ging alles gut, es gibt somit eine neue Satzung, einen neuen Vorstand und die in Prüfung befindliche Mitgliedschaft als letzter fehlender Kreisverband im Landesverband NRW.

Samstag

Oberkassel auch 2015 wieder voller Räder

Zum Ausgleich des letzten Bildes jetzt einmal in die andere Richtung schwenken, im Durchschnitt passt’s dann wieder halbwegs (Bild: eigen)


Am Samstag ging’s vom Marktplatz Rheydt zur Sternfahrt des ADFC nach Düsseldorf. Dieses Jahr an einem Samstag, was zwar mit dem Düsseldorfer Fahrradtag in den Rheinpromenaden zusammenfiel, aber halt auch viele an der Fahrt hinderte. Dennoch und trotz eines verregneten Starts war die Gladbacher Gruppe, der ich mich anschloss, auf genau 50 Fahrer angewachsen (52 mit den beiden Gladbacherinnen, die uns in Korschenbroich abfingen). Nächstes Mal erwarte ich da aber mehr von den 1.200 Mitfahrern der Gladbacher Sternfahrt ;-) Dann ist auch wieder Sonntag.
Jedenfalls war es wieder eine angenehme Tour (Rheinufertunnel, huiiiiiiiiii!), es gab einiges zu sehen (neben zwei Velomobilen – Alleweder und WAW – fuhren ein Streetstepper, einiges an Liegerädern, ein Rad mit optionalem Handantrieb und einiges mehr mit) und vor allem haben die über 2.000 Radler quer durch Düsseldorf definitiv auf sich aufmerksam machen können.
Das Ziel nach aussen kann bei der Sternfahrt letztlich ja nur sein, zu zeigen: Wir sind viele! Und das hat mal wieder funktioniert.
Nächstes Jahr dann hoffentlich mit dem fahrbereiten Velomobil/Dreirad (je nach Baustufe).

Politische KW 23/2015 1 

Meine kleine politische Bilanz der Woche, jeden Sonntag hier im Blog.

Zur Fraktionssitzung am Montag gibt es wie üblich nicht viel zu sagen, am Dienstag folgte der Aufsichtsrat der MGMG, aus dem ich nicht öffentlich berichten darf. Am Mittwoch durfte dann mein grade geschriebener Antrag unangesprochen in die Tonne wandern, die Kostenersparnis durch Einsatz von Fahrrädern im Kurierdienst der Stadt zu ermitteln — dies allerdings durchaus aus positiven Gründen.
Das hier, Mittwoch vormittag an der Kreuzung Bahnstraße/Engelsholt angebracht, kann man dagegen getrost unter „kreative Betätigung unserer Stadtverwaltung“ abhaken und ignorieren. Dürfte allerdings sinnlos Geld gekostet haben.

Ich war etwas gespalten, ob ich das Rund-Radeln am Freitag mit in die Politische KW zählen soll, da es für mich doch mehr Freizeit mit politischer Nebenwirkung/-Aussage ist. Aber das Problem klärte sich durch die Streckenführung von selbst. Diese führte nämlich auch über die Viktoriastraße, wo ich brandneue Markierungen der Parkplätze entdeckte. Und siehe da, der Bürgersteig nördlich des Aldi ist endlich brauchbar geworden indem die Autos komplett auf die Straße geschickt wurden.
Damit ist das Gebiet nun 30er Zone, der als Radweg ungeeignete Radweg zum Bürgersteig umgewidmet und dieser Bürgersteig dann auch auf eine brauchbare Breite gebracht worden, indem die Autos auf die Straße verbannt wurden.
Das Thema läuft schon länger. Es hat lange gedauert, aber endlich ist diese Sache halbwegs durchgestanden. Mir hätte ja schon die Ummarkierung der Parkplätze gereicht, aber manchmal braucht es offenbar fünf Jahre um in einer relativ unwichtigen Nebenstraße ein paar offensichtlich nicht dem heutigen Recht entsprechend angelegte Parkplätze zu ändern.
Nun, wie dem auch sei, Schlacht erfolgreich geschlagen.

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

Viktoriastraße 2012 und 2015. Der gemeinte Unterschied ist nicht das Herbstlaub

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Politische KW 22/2015 1 

Hallo und willkommen zurück zur Politischen KW. Nach langer Zeit bin ich wieder stärker in der politischen Arbeit involviert. Zudem denke ich inzwischen, dass es doch einfach effizienter ist, ein Mal in der Woche gebündelt zu berichten.
Was die Politische KW ist? Ein wöchentlicher Bericht darüber, was ich in der vergangenen Woche politisch so getan habe.
Neu übrigens die unterstrichelten Wörter. Die sind ab sofort dazu da, Abkürzungen, Fach- und Insiderbegriffe zu erklären. Einfach Maus auf einen dieser Begriffe halten, eine kurze Erläuterung sollte erscheinen. Denn Politiker neigen ja leider sehr oft zu einer eigenen Sprache, die sich durch den täglichen Umgang mit verschiedenen Begriffen mit der Zeit einfach einschleicht.

Mittwoch traf sich der Umweltausschuss an der abgeschlossenen Regenabflussausbesserungsmaßnahme Bungtbach (die NEW spricht gerne von Renaturierung, weil das in vielerlei Hinsicht besser klingt). Wie ich aus der Presse erfuhr, fanden wir das alle ganz toll. Nun, sagen wir mal so, es ist ein positives Ergebnis, da geht aber noch was. Zum Beispiel eine Lösung für die unterirdisch durch Kanäle laufenden letzten 200 Meter die verhindern, dass sich jemals Leben von weiter unten im Flusssystem den Bach hoch ausbreitet. Das Wasser soll vorbildlich sauber sein. ich überlege, diese These zu testen, indem ich Brunnenkresse pflanze und schaue, wie sie dort gedeiht. Gut aussehen tut es auf jeden Fall.
In der eigentlichen Sitzung im Volksbad nach der Exkursion (nein, nicht badend, es gibt einen Veranstaltungsraum dort, wobei ein Umweltausschuss im Freibadbecken mal was anderes wäre) gab es dann Themen wie die Umstrukturierung der GEM, den Stand des Katastrophenschutzes (beides mit umfangreichen Diskussionen, beispielsweise interessierten mich die Möglichkeiten des Katastrophenschutzes, bei Stromausfall zu agieren), den Stand der Luftqualität und die Abfallstatistik anzuhören. Beschlossen wurde die Teilnahme der Stadt am Stadtradeln sowie unser Antrag, Möglichkeiten zu untersuchen, Müllbehälter auf Spielplätzen besser zu sichern, damit der Müll nicht über die Spielplätze verteilt wird.

Donnerstag galt es, die LDK in Bielefeld mit den Mönchengladbacher Grünen vorzubereiten.
Zu den restlichen Punkten und warum ich sie hier nicht weiter anspreche mehr unter dem Punkt Samstag/Sonntag, hier nur zu den zwei Themen, die ich als kontrovers betrachtete und daher dort gezielter vorstellte.
Da war zum einen der Antrag mit dem klaren Titel „Keine religiösen Symbole an und in Gebäuden des Landes“:

Der Staat – und damit auch das Land NRW – sind säkulare Angelegenheiten. Religiöse Symbole haben – von Regelungen des Denkmalschutzes abgesehen – an und in Gebäuden des Landes nichts verloren.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass alle staatlichen und kommunalen Stellen angewiesen werden, ggf. noch vorhandene Symbole abzuhängen.

Wer meine Position zu Religion kennt wird nicht überrascht sein, dass ich den voll unterstütze. Mir war aber auch klar, dass er kontrovers sein würde und so stellte ich ihn vor, um darüber zu debattieren. Ich hatte mir eine interessante Debatte erhofft und die gab es auch. Was ich nicht unbedingt erwartet hatte war, dass die Anwesenden in der Vorbereitung mit deutlicher Mehrheit für den Antrag stimmten. Immer schön, wenn man positiv überrascht wird.

Zum anderen gab es einen Antrag zu Ausschlusskriterien bei der Parteimitgliedschaft, ich habe den sich im Vergleich zur alten Fassung veränderten Passus unterstrichelt (für die alte Version die Maus auf den unterstrichelten Text halten):

Die Mitgliedschaft oder Mitarbeit in nationalistischen, rassistischen, antisemitischen, antifeministischen und/oder homophoben Organisationen ist mit einer Mitgliedschaft im Landesverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nicht vereinbar

Die alte Fassung nutzt mit „neo-faschistisch“ einen schwierig abzugrenzenden Begriff. Die neue Fassung ersetzt ihn mit fünf noch schwieriger abzugrenzenden Begriffen. Okay, drei, auf den Inhalt von „homophob“ und „rassistisch“ können wir uns wahrscheinlich recht schnell einigen, auch wenn es da schwierige Grenzfälle gibt. Aber der Rest — ohje.
Antisemitisch — wir hatten vor drei Jahren eine Debatte zur Legalität der Beschneidung. Da fiel der Begriff des Antisemitismus recht häufig. Meine Position in der Debatte war recht eindeutig — und wurde teils klar als antisemitisch eingeordnet. In Amerika ist die Debatte so weit, dass israelkritische Juden (aus verschiedenen Gründen ein durchaus großer Teil des Judentums) als jüdische Antisemiten bezeichnet werden (Noam Chomsky ist ein prominentes Beispiel).
Nationalistisch — klar, niemand will eindeutige Pegida-Anhänger bei den Grünen, aber Nationalismus hört nicht an den deutschen Grenzen auf. Was ist mit den Nationalbewegungen in Schottland, Baskenland, Katalonien, Kurdistan? Oder der Nepalhilfe? Diese Gruppen sind alle in gewisser Weise nationalistisch. Wo ist die Grenze? Oder sind nur jene Nationalisten Nationalisten, denen wir keine Sympathie entgegenbringen? Nur jene, die wir nicht (nationalistisch) romantisieren können? Ich bin gar nicht gegen die Unabhängigkeit von Schotten, Basken, Katalonen oder Kurden. Aber wir sollten aufpassen, was die Begriffe, die wir so benutzen eigentlich bedeuten. Nationalismus etwa, (kurz gefasst) die Überzeugung, dass ein Volk mit dem es beherbergenden Staat möglichst deckungsgleich sein sollte.
Antifeministisch — das werfen sich verschiedene feministische Bewegungen ja gegenseitig an den Kopf. Weitgehend unbrauchbare Vokabel. Besonders eklatant, dass sich aktuell zunehmend Gruppen formen, die Feminismus durch Gleichberechtigung ersetzen wollen, welche dann als antifeministisch bezeichnet werden. Einige wollten zusätzlich oder statt dessen „sexistisch“ in der Liste haben — was zu bestimmten Formen des Feminismus in Widerspruch stünde. Alice Schwarzers Emma beispielsweise ist offen sexistisch, wenn sie Männer als die grundsätzlich schlechteren Menschen darstellt.
Es gibt noch ein paar formaljuristische Details, die in der alten Version aber identisch waren.

Freitag abend hätte ich eigentlich in Titz sein sollen, hätte ich mir den Termin nicht eine Stunde später notiert als er war. Damit habe ich meine Abfahrt in Wanlo verpasst. Sehr unangenehm, aber passiert. Habe mich mit Pizza und Freunden getröstet. Muss auch mal sein.

Samstag und Sonntag folgte die uninteressanteste LDK, die ich je erleben durfte. Die haben wir vermutlich gemacht, damit wir dieses Jahr eine gemacht haben (und um ein paar Gremien wie den Landesfinanzrat und den Landesfrauenrat zu besetzen, was halt auch nötig ist). Im Grunde haben wir in den Anträgen zu den politischen Inhalten der Partei das grüne Parteiprogramm noch einmal bestätigt. Jedenfalls bin ich ziemlich sicher, dass es wenige überraschen wird, dass Grüne für Naturschutz, Klimaschutz, kulturelle Pluralität, Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht, Hilfe für Flüchtlinge, freies Internet und so weiter einstehen. Egal, was Kretschmann unten in Stuttgart erzählt, Kretschmann ist nicht die Partei.
Bis auf einen kleinen Einwurf zum Elektrosmog beim Thema Freifunk, der dennoch mit höchstens zehn Gegenstimmen angenommen wurde, lief praktisch alles einstimmig. Die Debatten bestanden dann auch aus Ausführungen, warum der Antrag zu unterstützen sei (bis auf das Freifunk-Thema eben). Fad. Mein größtes Amüsement war es, im Foyer den Stand von Gelsenwasser auszulachen, weil Gelse in österreichisch Stechmücke heisst und Gelsenwasser somit Mückenbrühe.
Übrigens hatten wir für den Freifunk einen Bonusgladbacher aus einer anderen Partei dabei: Reiner Gutowski von der Piratenpartei durfte uns danken, dass wir sein Projekt unterstützen.

Na, wo ist Walter?

Na, wo ist Walter Reiner?


Zu meiner großen Enttäuschung gab es keine Abstimmung zu den beiden kontroversen Anträgen. Deren Bearbeitung will nun der Landesvorstand übernehmen. Schade ist dies vor allem um den Antrag gegen religiöse Symbole. Der hatte keine ernsthaften Chancen auf eine landesweite Mehrheit, aber das war für mich auch nicht der Punkt: Er hätte eine interessante Debatte ausgelöst. Und so etwas brauchen wir dringend. Wir Grüne. Wir Nordrhein-Westfalen. Wir Deutsche. Wir Bürger der bräsigen Republik Merkel.

Was nicht heissen soll, dass es dort nichts zu tun gab: Wenn es inhaltlich wenig interessant ist, nutzt man die Zeit zwischen den Abstimmungen halt, um sich mit den Kollegen aus den anderen Städten und Kreisen politisch auszutauschen und zu koordinieren.

Ein Highlight war dann aber am frühen Sonntag die Rede von Toni Hofreiter. Ein Rundumschlag der Themen der Partei mit der spürbaren Lust, sie offensiv in die politische Debatte zu bringen und die Regierung herauszufordern. Und mit Zitaten wie diesen:

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Na, wer findet meinen Hinterkopf? Bild: dpa/Krato

Auf Twitter habe ich meine Kritik natürlich etwas diplomatischer formuliert, die richtigen werden es verstanden haben:


„Harmonisch“…

Sonstiges: Dienstag gab es eine Fraktionssitzung zur Vorbereitung der Woche, aber die sidn meistens nicht spannend genug, um da etwas zu berichten

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Karstadt Rheydt 1 

Ich sage es heute nicht zum ersten Mal, wenn ich sage, dass Mönchengladbach und Rheydt nur als Doppelzentrum einer Stadt überleben können, wenn sie jeweils eigene Zentren entwickeln. Wenn sie jeweils etwas zu bieten vermögen, was die andere nicht in vergleichbarer Form zu bieten hat.

Karstadt in Rheydt steht in meinen Augen schon lange für eine andere Herangehensweise: Rheydt als verkleinertes Abziehbild von Gladbach. Natürlich ist die (inzwischen bestätigte) Meldung über die Mitte 2016 anstehende Schließung des Hauses ein Schock. Aber wie hilflos die Politik in der Stadt mit Versuchen reagiert, das seit Jahren kriselnde Althergebrachte krampfhaft zu erhalten, ist schon erschreckend und wird Rheydt letztlich auch schaden. Sicher, OB Reiners hat Recht, wenn er auf die Anstrengungen der Stadt zum Erhalt des Kaufhauses verweist und man mag dies für sich betrachtet als Verdienst (wohlgemerkt des vorherigen OB Norbert Bude, des alten Bezirksvorstehers Karl Sasserath und des alten Rates) anerkennen, hier geht es mir aber um größere Zusammenhänge.

Zunehmend scheint mir, Stadtplanung sei in ihren Ansätzen unterkomplex um die Probleme einer mittleren Großstadt mit mehreren Zentren zu behandeln. Bei den ganz großen Städten funktioniert es schon wegen der räumlichen Entfernungen von allein, aber bei den mittelgroßen wie eben Mönchengladbach (oder auch zum Beispiel Wuppertal, das ähnliche Probleme hat) muss eine solche Struktur gepflegt werden.
Dieser Mangel schlägt sich in der Diskussion deutlich nieder: Ständig geht es um „Frequenzbringer“. Da wird davon ausgegangen, dass es nur darum geht, Menschen in die Stadt zu holen. Ob dies nun die Besucher einer Bibliothek, eines Einkaufszentrums, eines Wochenmarkts oder eines Schwimmbades sind, derlei Details gehen im Begriff des Frequenzbringers unter. Doch damit verschwinden eben auch die Auswirkungen der unterschiedlichen Gründe in die Innenstadt zu fahren auf deren Verhalten innerhalb der Innenstadt. Menschen als gleich zu betrachten ist zwar durchaus löblich, wenn wir von Innenstädten und damit von Geschäftsräumen sprechen müssen wir sie aber sehr wohl einteilen, denn hier geht es letzten Endes um Marketing. Was wir brauchen, sind Zielgruppen.

Zielgruppen sind zunächst einmal ein böses Wort aus der Werbewirtschaft. Dabei ist die Aufteilung der Gesellschaft in Zielgruppen durchaus von Vorteil. Denn es ist immer noch besser als die Bedienung des kleinsten gemeinsamen Nenners aller. Natürlich, eine solche Gleichschaltung des Konsums ist für denjenigen einträglich, der es schafft, die Schaltpulte des Kollektivs unter Kontrolle zu bekommen. Doch in eine solche Position kommen nur wenige und für die vielen anderen bleibt dann keine Kundschaft mehr übrig, weil die Nischen im Einheitsbrei untergegangen sind. Sind die Zielgruppen intakt, kann ein Aldi problemlos neben einem Rewe stehen, da beide unterschiedliche Kundschaft anziehen (natürlich mit einer gewissen Überschneidung). Sind die Zielgruppen nicht intakt kommt ein Amazon daher und verleibt sich praktisch den gesamten Online-Versandhandel ein.

Da die Stadtplanung nur den abstrakten Frequenzbringer und die von ihm als Frequenz gebrachte anonyme Menschenmasse kennt, läuft sie zwangsläufig auf die Schaffung einer Struktur wie Amazon hinaus: das Zentrum mit den meisten und kräftigsten Frequenzbringern zieht mit der Zeit nahezu sämtliche Frequenz auf sich, die anderen Zentren gehen langsam unter. Wer hier bestehen will muss sich, hier schließt der Kreis, an eine klar definierte Zielgruppe richten.
Und hier liegt das Problem mit Karstadt: Karstadt ist nichts weiter als ein Kaufhof des Südens. Und mit dem Bau des Pfefferminzhäuschens („Minto“) in Gladbach hat es sein Amazon erhalten. In einer Stadt, in der ein Minto steht, kann kein Karstadt mehr stehen. Wir haben Karstadt umgebracht.

Was jetzt nötig ist, gleicht einer Neugründung der rheydter Innenstadt. Wir müssen den sich abzeichnenden Leerstand als Chance sehen, als Raum zum Füllen. Nicht mit neuen Ladenlokalen, wie dies die EWMG bereits anplant. Das ist nichts weiter als Hospizdienst an einer sterbenskranken Innenstadt. Rheydt braucht etwas neues, was Gladbach nicht hat und was in Gladbach auch kulturell nicht in dieser Form hinpassen würde.

Meinen Vorschlag, den Wochenmarkt im Gebäude unterzubringen und den von der Bevölkerung gut angenommenen Marktplatz ganzwöchig frei zu haben, habe ich ja bereits in den Ring geworfen. Ich halte den Wochenmarkt in Rheydt weiterhin für eine stadtweit in dieser Größe und Qualität einmalige Einrichtung, die viel für ein eigenständiges Profil dieser Innenstadt tun kann. Wochenmärkte sind vor allem für genau jene Zielgruppen interessant, die ungern das Angebot von Shopping-Malls nutzen – beispielsweise die vor einigen Jahren allgegenwärtigen LOHAS. Eine Stärkung des Wochenmarktes ist eine Stärkung Rheydts bei genau jenen Menschen, für die Rheydt potenziell attraktiver ist als Gladbach. Ein wetterunabhängiger Markt in der bestehenden Bebauung wäre eine großartige Entwicklung für den Süden der Stadt.
Ja, auch Gladbach hat Wochenmärkte, aber nichts in Größe und Qualität mit Rheydt vergleichbares. Und das wird es auch nie haben, denn Wochenmärkte sind für die dort zu findenden Zielgruppen beständig weniger attraktiv. Sie werden in Gladbach nicht verschwinden, aber bei Fortführung der aktuellen Trends doch eine deutlich kleinere Rolle spielen. Und das muss durchaus kein Fehler sein, denn wenn Gladbach nicht mehr versucht, alles auf ein Mal zu sein, steckt darin auch für den Norden der Stadt ein eigenes Profil. Und davon profitieren dann beide Hälften der Stadt.

Andere Vorschläge, die mir zwischenzeitlich zu Ohren gekommen sind:

  • Zentralbibliothek in das größere Gebäude in Rheydt verlegen, jetzige Zentralbibliothek zur Stadtteilbibliothek umnutzen – ich sehe jetzt schon so manches Monokel fliegen, aber von den Gebäuden her ist das durchaus eine Überlegung wert. Auch eine Bibliothek ist von den erreichten Zielgruppen sehr weit von einer Mall entfernt
  • Komplettes Gebäude für die Verwaltung nutzen – das birgt für die Stadtverwaltung großes Einsparpotenzial, bringt allerdings für die Innenstadt selber sehr wenig
  • Abreissen – meiner Meinung nach zu teuer
  • Historisches Museum (alte Überlegung von mir) – das Gebäude eignet sich baulich sicher auch als Museum. Da gibt es in Rheydt ja einige Möglichkeiten, wofür man eines bauen könnte: Hugo Junkers, Sportmuseum (man denke an den Vorschlag Olympiabrunnen, Rheydt hat viele bedeutende Sportler hervorgebracht), Goebbels-Mahnstätte…

Wer hat noch weitere Vorschläge? Ich bin gespannt!

Unbürgertum 0 

In gewisser Weise kann dieser Beitrag als eine Fortsetzung meines letztjährigen zur „Heimatliebe“ gelten. Damals ging es um die Lokalpolitik. Heute geht es um Nationalität. Und so gilt aus diesem früheren Beitrag weiterhin:

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe für Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung für mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsächlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter).

Schon länger stellt sich diese Frage angesichts der Frage der Einwanderung. Die aktuelle Aufmerksamkeit auf die Untergänge im Mittelmeer ist ja nur ein Schlaglicht in einer seit Jahren laufenden Entwicklung hin zu mehr Nationalismus und Rassismus im Alltag.

Ob dies nun deutscher Nationalismus ist oder europäischer, so groß ist der Unterschied nicht. Das eine ist halt ein etwas größerer Staat als das andere. Die Länder enden an fiktiven Linien auf den Landkarten, abgesichert durch Verträge unter den Regierungen, diese fiktiven Linien gegenseitig anzuerkennen. Sicher, diese Linien haben Auswirkungen, aber was sie nicht haben sind klare Ursachen. Historische Zufälle, geografische Hürden, Gutdünken irgendwelcher Fürsten, Könige und Kanzler — alles nur irgendein Quatsch ohne Substanz.

Und mit der Zeit haben wir angefangen, diesen Linien Bedeutung zuzumessen, die sie nicht haben. Definitionslinien einer gemeinsamen Zugehörigkeit, die wir auf irgendeine Weise (vermutlich Magie) allein durch den Zufall unseres Geburtsortes erworben haben sollen. Ich meine, natürlich hat die Umgebung unseres Aufwachsens einen Einfluss auf unsere Identität und unser Selbstbild. Aber das ist ein viel zu diffuser, unklarer Einfluss, als dass man daraus irgendetwas von Bedeutung herauslesen könnte. Und vor allem hat das wenig und zunehmend weniger damit zu tun, wo jene fiktiven Linien auf den Landkarten verlaufen.

Und daher nun kommt meine Frage zu dem ganzen Einwanderungsthema: Was genau gibt uns eigentlich das Recht, irgendwem sagen zu wollen, ob er unsere fiktiven Linien überquert oder nicht? Jemand geht von Punkt A nach Punkt B auf der Welt und dazwischen sind irgendwelche Linien. Na und? Lasst sie kommen und gehen, wie sie wollen. So wie es zwischen den Städten auch geschieht.
Es ist weder unser Verdienst, noch deren Schuld, dort geboren worden zu sein, wo wir/sie nun mal geboren sind. Und genau deshalb gibt es auch keine Pflicht, in seinem Urpsrungsland zu bleiben ebenso wie es kein Anrecht darauf gibt, Menschen ausschließen zu können. Nationen, Grenzen, sind bedeutungslos. Menschen zählen.

Die Frage, die für mich bleibt ist, was bin ich eigentlich? Die Begriffe, die ich fand, sidn alle in verschiedener Weise ungeeignet: Weltbürger, Kosmopolit, Transnationalist, Postnationalist… das sind alles Ideen mit Grundgedanken, denen ich nicht zustimmen kann. Vielleicht Anationalist, Staatsagnostiker, Unbürger? Das klingt gut. Unbürger.

Freitägliche Fünf 10.04.2015 0 

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Was lange währt, wird endlich fluffig.

1. Im Gegensatz zu manch anderem Dinofan begeistert mich diese Woche eine neue Studie zur Einordnung der Diplodociden (eine Gruppe langhalsiger Dinosaurier).
Warum? Nun, sie kommt zu dem Ergebnis, die Gattung Apatosaurus wieder aufzuspalten, da einige dieser Gattung zugeschlagene Fossilien zu unterschiedlich seien. Und welche sind das? Der Klassiker aller Dino-Klassiker, der zur Fehlbenennung erklärte Brontosaurus.
Brontosaurus is back, biotches!
Ausserdem kennt meine Rechtschreibprüfung Brontosaurus, aber nicht Apatosaurus. Weniger rote kriggelige Linien für mich! Yay!

2. Vor 300 Millionen Jahren gehörte das heutige Ruhrgebiet zu einem weltweiten System von Sümpfen, in denen die ersten Bäume wuchsen und welche die Basis für die heutigen Steinkohlevorkommen bildeten. Libellen mit 70 cm Spannweite lebten dort, Insekten mit sechs Flügeln, Tausendfüßer von bis zu drei Metern Länge und dazwischen liefen die frühen Amphibien und sogar die ersten echsenartigen Lebewesen herum. Das Karbon-Zeitalter ist ein faszinierender Abschnitt der Erdgeschichte. Ich wollte schon immer mal dort umherlaufen und zumindest virtuell ist das jetzt möglich.
Der Carboniferous Forest Simulator ist ein Projekt des Gelsenkircheners Heiko Achilles. Noch fehlen Tiere und einige Infotexte, aber der voll begehbare karbonifere Wald ist technisch beeindruckend, wunderschön und fremdartig.
Alles, was mir fehlt, ist ein ausreichend leistungsstarker PC, um das Teil selbst laufen zu haben.

wird erst beim Draufklicken geladen. Beim Laden werden Daten an youtube.com übermittelt

(Eigenwerbungsunverschämtheit: Der in Vorbereitung befindliche Band Flammender Farne der Reihe Meilensteine der Evolution wird in diesen Wäldern spielen)

3. Am letzten Samstag nahm ich folgendes Bild vom Hans-Jonas-Park auf, welches sich schnell in den sozialen Medien und schließlich auch in der Zeitung verbreitete. Das an sich ist erstmal unerfreulich. Also, das Foto, nicht die Verbreitung. Aber was dann geschah, wird dir die Sprache verschl… tschuldigung, kurz in den heftig-Modus gerutscht.
Erstmal das Bild:

Naherholung in MG. Für die Autos


Wir sehen einen Park an einem Hügel, auf dessen Gestaltung die Stadt sich durchaus was einbildet. Da kommen so Begriffe wie „Erholungsfunktion“ oder „Gestaltungsqualität“ in Papieren der Stadtverwaltung darüber. Und nun das. Leider kein aussergewöhnlicher Anblick in dieser Stadt, aber dieses Foto hat dann offenbar doch so manchen erschreckt. Gut so!
Ein so mancher war dann auch der Oberbürgermeister, zu dem das Bild schnell vorgedrungen war und er versprach Abhilfe. Und in der Tat konnte er heute Nachmittag dieses Bild von der Lösung hochladen:

Eine Shiitake-Farm, äh ich meine, kostengünstige Parkhindernisse - Bild: Hans Wilhelm Reiners


Gute schnelle Lösung. So gefällt mir das.

4. Ja, dieses Teil wird wahrscheinlich wie ein Kühlschrank im Wind stehen, wenn man ihn wirklich hinter seinem Fahrrad zieht, aber hey, es ist ein Wohnwagen für’s Fahrrad. Das ist cool.

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Ich hätte die Räder seitlich angebracht und die Wände einklappbar ausgeführt, damit der Anhänger in der Fahrt flacher wird. Aber ich hab halt nicht das Kleingeld, sowas zu entwickeln. Oder, noch wichtiger, das handwerkliche Geschick.

5. Endlich verstehe ich das Problem mit der „Gelesen“-Mitteilung in der Facebook-App. Und ein kleiner Einblick, wie Linguistik funktioniert, ist auch drin.

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Lesebestätigungen in eMails ignoriere ich übrigens grundsätzlich und klicke sie weg.

Veilchendienstagszug 2015 0 

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Vorgeplänkel

So sehr ich den rheinischen Karneval mit seiner Schunkelei und dem Schenkelklopferhumor auch verachte, und so sehr ich auch ein ausgeprägtes Unwohlsein in der Nähe von Clowns und kostümierten Menschen verspüre, eines hat auch mir doch immer gefallen: Der Straßenkarneval mit seinem Zug/Zuch/Zoch (je nach Regiolekt).
Insbesondere die Rosenmontagszüge fahren dabei kreativ gestaltete Wagen mit Skulptur gewordenen Karikaturen auf, die man nur hier einmalig sehen kann. Viel davon ist natürlich auch dem König der Wagenbauer, Jacques Tilly, zu verdanken.
Ich habe zuletzt 2010 über den Zug geschrieben (damals unter anderer URI, weswegen momentan die Bilder fehlen, das will ich noch nachbessern sobald ich das Backup des damaligen Upload-Ordners finde). Damals stand Mönchengladbach durchaus in dieser karnevalistischen Tradition der politischen Themenwagen, bei denen mit Kreativität und viel Arbeit so wunderschön auf die Politik, lokal wie national, gekloppt wurde.
Seit 2012 hat Mönchengladbach dieses Element weitgehend verloren, von 2013 war ich so enttäuscht, dass ich den Besuch 2014 kurzerhand ausgelassen habe. Und jetzt ist 2015. Mal schauen, wie sich der Gladbacher Zuch gemacht hat.

Immerhin gab es trotz meines dafür ungünstigen (aber fürs Fotografieren superen) Standortes ganz gut Kamelle. Ich frage mich, was schneller ist, mein Fotofinger oder meine Zahnreihen…

Mein Psychiater meint, ich sollte mir selbst keine rhetorischen Fragen stellen, das sei seltsam

Disclaimer

Wenn ich mopper, dann weil ich gesehen habe, wie viel besser der Karneval in MG sein kann, wenn er sich traut, Eisen anzupacken und nicht, weil ich dem Zug Böses will. Im Gegenteil, ich sehne mich gradezu nach einem Veilchendienstagszug mit Chuzpe. Deswegen messe ich ihn an den Zügen der drei Rosenmontagshochburgen und auch an früheren Zügen in Mönchengladbach. Denn früher und anderswo ist immer alles besser.

Der Zuch

Fangen wir positiv an: Die Fußgruppen waren sehr schön und kreativ umgesetzt, selbst die Bollerwagen zum Transport des Wurfmaterials waren entsprechend dem Jahresmotto verkleidet, meist als Drachen.
Das Motto war auch recht gut: „Gladbach hat auf jeden Fall ‘nen saaagenhaften Karneval“ ist mit seinem Anklang von Lautmalerei um Längen besser als die in dieser Stadt leider sehr unkarnevalistisch hochdeutsch-bräsige Mottotradition. Und das ohne den Erfinder des Mottos (Nik Ebert, bekannt als Karikaturist für die lokale Rheinische Post) auszutauschen. Lernt da wer dazu? Sehr schön!

Und jetzt zur Bissigkeit.
Den bissigsten lokalen Wagen habe ich leider zu Fotografieren verpasst, ein Fußgruppenbegleitwägelchen (Deutsche Sprache, du Kompositaparadies!) mit der Beschriftung „Gladbach verzockt? Minto, JHQ, Masterplan“. Nicht ganz 2010 mit seinem ein Cable Car die Hindenburgstraße hochkurbelnden Oberbürgermeister Bude, aber das Herz sitzt am rechten Fleck. Nicht jeder kann einen großen Wagen mit komplexem Figurenaufbau herstellen und das ist völlig okay.
Eher unfreiwillig politisch scheint mir dieser Wagen, den auch die Peta hätte einsetzen können:
Ja, da sind zwei Clowns im Käfig. Artgerechte Haltung für Clowns, wenn ihr mich fragt.
Und passend dazu eine Fußgruppe in Baumkostümen. Denn diese dürften im Tiergarten bleiben, weil sie leise sind (Bezug).

Schild mit Text dazu leider nicht im Bild, hab ich zu spät gesehen


Gummipunkte gibt es von mir für die Junge Union. Schilderwald. Jetzt nicht so das Knallerthema und es gibt schönere Wagendesigns, aber immer wieder gern genommen und den Gedanken, etwas Politik in den Zug zu bringen, muss man einfach mal anerkennen. Ignoriert mein Gemopper, der Weg ist der Richtige. Mehr davon! Go, Christdemokraten!

Heyho, Junge Union! Dabei hab ich gar nicht getrunken. Zumindest nicht SO viel


Okay, ich habe die JU gelobt. Also, ein bisschen. Wie toppe ich das? Nun, ich lobe jetzt auch noch die Rheinische Post! Die hat das einfache Prinzip, auf einem immergleichen Wagen jedes Jahr ein anderes Nik-Ebert-Motiv zu zeigen, in 2D auf einer weissen Wand. Nicht wirklich die Hohekunst des Wagenbaus, aber das Motiv hat jeden Respekt verdient. Hier ist Mönchengladbachs Charlie-Hebdo-Motiv, wegen dem ich den RP-Läufern auch die Shirts mit der Aufschrift „Charlie RP“ verzeihe.

Ohne Worte, aber komischerweise mit Dialog... ich bin ja schon ruhig


Erwähnt seien noch ganze zwei richtige Motivwagen zu überregionalen politischen Themen:

Flughafen Berlin

Bundesuschi in Aktion


Erwähnenswert noch ein paar Wagen die beweisen, dass das wagenbauerische Talent durchaus da ist, aber nicht genutzt wird, um mal etwas gewagtere Motive aufzubauen. Schade, aber trotzdem schöne Wagen.

Schuhthron

Teufelei

Lokomotufftuff

Schweinderl


Und dann war da noch die größte aller Legenden dieser Stadt, unser stadteigenes Ungeheuer, unser Star fürs Boulevard, Vernichter von Dackeln und Verschrecker von Hausfrauen. Kuno samt Dackel, auch wenn mein Autofokus die Rückseite des Halteverbotsschildes wohl wesentlich interessanter fand. Naja, ein Fisch der darf auch mal verschwommen sein.

Rock On, Killerwels vom Volksgartenweiher, du bist cool


Ganz im Ernst, der Gladbacher Karneval ist ein kurzweiliger Zug und kann schon was. Ich finde nur, er lässt sehr viel Potenzial liegen. Vielleicht brauchen wir wirklich einen eigenen Jacques Tilly, der mit seinen Wagen etwas Pepp in die Sache bringt und andere herausfordert, es ihm gleichzutun. Vielleicht kann ja jemand Prisac einen Wagenbauerkurs geben? Der ist im Moment bei Playmobil und hätte sich nach den letzten Jahren ein Upgrade auf Pappmaché redlich verdient. Apropos, hier sein Veilchendienstagszug 2015:

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Seht ihr, so sieht Karnevall aus, über den ich nicht mecker. Okay, das Intro ist vielleicht etwas zu la… ist ja schon gut!

Ausserdem gelernt

  • Über Blackface regen sich ausserhalb der USA (wo das einen besonderen kulturhistorischen Hintergrund hat) nur Weisse auf. Schwarze sind von als Jamaikanern verkleideten Bläsern begeistert und wenn sie bis dahin am Rand des Zuges nur ein bisschen gewippt haben, fangen sie an zu hüpfen. Mindestens drei jedenfalls.
  • Der Chefredakteur der RP wirft mir manchmal Bälle zu. Ich kann die aber gekonnt abwehren.
  • Manche Witze halten sich versteckt. Ich fand einen im Ziehwagen für Wurfmaterial halb vergrabenen Wellpappkarton klasse, einer der schönsten Sprüche dieses Zuges: „Well, it’s Pappe“ – ich weiss, ich bin seltsam
  • Es gibt eine Ritter Sport Kakao-Keks. Warum hat mir das keiner gesagt? Wo krieg ich die günstig? So ungefähr 1x die Jahresproduktion. Die is lecker!
  • Die Android-Autokorrektur kennt VDZ nicht und ändert es in vdH, was ich wiederum nicht kenne. Huh.
  • Politiker sind quer durch den Zug zu finden, aber grundsätzlich nur auf den wirklich langweiligen Wagen, die sich damit begnügen, ein paar Kamellewerfer auf einen themenneutralen Pappmachéquader zu setzen

La veille d’une nuit sombre 0 

Es ist nicht einfach, auch nach einer Woche nicht, den richtigen Ansatz zu finden, angemessen über den Anschlag auf die Redaktion der Charlie Hebdo zu sprechen. Wahrscheinlich liegt das Geheimnis darin, die Angemessenheit links liegen zu lassen und einfach zu schreiben. Über Freiheit, Maßhalten, und über Krieg.

Es geht um Mohammed-Karikaturen. Vor fast drei Jahren noch, im Mai 2012, war ich auf einer Demo vor der Moschee an der Steinsstraße in Rheydt, gegen ProNRW, die damals aggressiv mit einigen zu dieser Zeit berühmt gewordenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark auftraten. Heute stelle ich mich auf jene Seite, die das Recht der Charlie Hebdo und ihrer Genossen zu verteidigen bereit sind, ihre Karikaturen zu veröffentlichen. Klingt das nach einem Widerspruch? Es ist keiner. Ich habe auch nichts gegen den Stuhlgang, bitte dennoch darum, ihn nicht auf meinem Esstisch auszuführen.

ProNRW damals und die Attentäter von Paris vor wenigen Tagen haben eine wichtige Komponente des alltäglichen Umgangs miteinander vergessen: Vernunft.
Die Jyllands Posten, Charlie Hebdo und Titanic samt ihrer Genossen haben jedes Recht der Welt, ihre Karikaturen zu veröffentlichen. Ebenso haben andere das Recht, diese nicht zu mögen. Die notwendige Pflicht, die sich aus jedem Recht ergibt ist, es verantwortungsbewusst anzuwenden. Wer Menschen aus Missfallen an deren Äusserungen umbringt, hat ohne jede Frage jegliche Vernunft verloren. Wer wie damals ProNRW Menschen, die niemandem etwas getan haben, aktiv beleidigt, den muss man ebenso fragen, ob er noch ganz sauber tickt.
Das ist das größte Problem im menschlichen Umgang, das fehlende Gefühl von Vernunft, von Maß – letztlich das fehlende Gefühl dafür, dass die anderen genauso Menschen sind wie wir.

Die Islamisten sind ein Symptom dieser Krankheit. Die Rechten sind ein anderes. Der gegenwärtige Aufschwung von Verschwörungstheorien scheint mir ebenso dazuzugehören, denn auch die meisten dieser Theorien funktionieren nur genau so lange, wie man sich als Anhänger nicht klar macht, dass „die da“ ebenfalls Menschen sind.
Es ist das Klima, in dem große Kriege geboren werden. Denn je mehr man die anderen entmenschlicht, desto niedriger wird die Hemmschwelle, gegen sie vorzugehen.
Gruppen wie der IS sind bereits an dem Punkt, an dem man willens in den Krieg zieht und andere Menschen umbringt. Die Rhetorik vieler Rechter bei Veranstaltungen mit lustigen Abkürzungen (HoGeSa, Pegida usw.) lässt darauf schließen, dass diese davon ebenfalls nicht weit entfernt sind. Beide Gruppen arbeiten zudem aktiv daran, noch nicht an diesem Punkt angelangte Sympathisanten weiter in ihren Sumpf zu ziehen.

Wer jetzt auf den Ausbruch des Krieges wartet, der kann lange warten. Schon seit langem brechen Kriege nur noch in den wenigsten Fällen zu einem klar definierbaren Zeitpunkt aus. Und schon seit 1914 gibt es kaum noch Kriege, in denen eine der beteiligten Parteien schuld gewesen wäre (Ausnahmen wie 1939 existieren natürlich für beides immer). Europa wird keinen Krieg bekommen, weil niemand da ist, der ihn erklären könnte. Aber es wird im Konflikt dieser Gruppen eine lange und sehr dunkle Nacht geben.
Unvernunft in Form von Vorurteilen und Entmenschlichung ist gegenwärtig einmal mehr weit verbreitet, bei denen, aber ebenso auch bei uns. Es ist nun (das ist übrigens die Übersetzung der Überschrift) der Vorabend einer dunklen Nacht. Die Aufgabe jener, die dabei nicht mitmachen wollen wird es nun sein, Lichter zu entfachen.
Aber eines ist dabei wichtig zu merken: Wann entfacht man tatsächlich ein Licht und wann droht man in Wirklichkeit anderen mit einer brennenden Fackel? Wichtig, aber alles andere als einfach.

Um allerdings mit etwas Positivem abzuschließen: In Deutschland wird endlich etwas lauter über die Abschaffung des Gotteslästerungsparagraphen (§166 StGB) debattiert. Was mich auf ein neues Thema bringt, warum wir die widerliche Begrifflichkeit von der „Instrumentalisierung“ abschaffen sollten – für alle Kontexte. Aber dazu komme ich ein andermal.

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