eBook-Cover des Monats April 2012 0 

10. Mexikanisch Kochen für Deutsche
Dieses Buch hatte es in gewisser Weise einfach: Das frische Konzept ergibt gleich einen guten Titel und nationale Stereotype kombinieren geht immer, wenn das Cover ein solches Konzept schnell kommunizieren und Aufmerksamkeit erregen soll. Hier also haben wir 11 Chilis, die den Bundesadler formen. Der Inhalt ist zwar ein mexikanisches Kochbuch aber mit der Besonderheit, dass es die Zutatenlisten so abändert, dass man mit dem Sortiment eines durchschnittlichen Supermarkts in unseren Gefilden kochen kann.
Das Ergebnis ist mit dem viel Raum einnehmenden gelblich-orangen Hintergrund farblich etwas eintönig, der Adler und die Schrift hätten ruhig größer sein können.

9. A Brief History of Dogs
Das Bild ist einfach, funktioniert ohne Verluste in der verkleinerten Ansicht und passt zum Thema des Buches. Mit dem Hirschgeweih im Hintergrund und dem vor seinem Herrchen liegenden Hund auf dem Boden fasst es die Enden der Geschichte ganz gut zusammen und schafft zugleich ein einheitliches Bild – meine erste Idee wären ein mit Wölfen kämpfendes Mammut und Paris Hilton samt Chihuahua in der Handtasche gewesen. Zum Glück stammt das Cover aber nicht von mir.
In der Vergrößerung kommt noch eine Besonderheit zum Vorschein: Die Struktur ähnelt einem alten Buchumschlag, der schon vor Jahren seinen Schutzumschlag verloren und den Händen seiner Leser ausgesetzt war. Interessanter Effekt für ein Geschichtsbuch.

8. Eco-Sex
Was man alles öko machen kann…
Eco-Sex hat ein extrem effektiv gestaltetes Cover: Der Titel kann wegen seiner Kürze groß genug ausfallen, um auch bei größter Verkleinerung noch gut lesbar zu sein, das Titelbild passt perfekt zum Thema. Die ganze Gestaltung ist mit dem bettwäscheartigen Rankenmuster locker, die Schriftart passt sich dem an und fällt leicht verspielt aus.
Ähnlich wie bei Mexikanisch Kochen für Deutsche gilt auch hier: Das Konzept allein verkauft das Buch schon, aber ein gutes Cover hilft nochmal zusätzlich. Dieses hier ist professionell gestaltet und man sieht es. Allerdings unterscheidet es sich leider sehr stark von allen anderen Covern der Bücher dieser Autorin.

7. Octopope!
Selbstverständlich habe ich dieses Buch zum Papstgeburtstag gekauft. Ich meine: Dieser Titel, dieses Cover – es war mir völlig egal, ob das Buch gut war (der Preis von 0,89 € half natürlich). Die Idee allein gehörte honoriert. Das wichtigste Element dieser Geschichte ist die komplette Absurdität und Respektlosigkeit des Konzeptes, das Cover transportiert genau das auf den Punkt.
Das Grundkonzept ist das: Was, wenn die katholische Kirche mehr wie ein College wäre? Beziehungsweise, auf europäische Verhältnisse übertragen, eine Uni.
Das Ergebnis ist eine lustige kurze Satire auf organisierte Religion, die Gesellschaft und Dogmatik im Tonfall eines angetrunkenen Langzeitstudenten. Und ja, natürlich wählen die Kraken einen neuen Papst.

6. Tumbler
Tumbler, ein locker geschriebener Roman um eine gestrandete Minenarbeiterin in einem Asteroidenfeld geht bei seiner Covergestaltung ebenfalls die Richtung, die Stimmung der Geschichte möglichst wörtlich und direkt wiederzugeben. Dazu bekommen wir das Bild einer sitzenden Astronauten auf einem der schwebenden Felsblöcke im All. Das ist ein effektives Bild, weil durchaus neu: Astronauten sehe zumindest ich seltsamerweise so gut wie nie sitzend dargestellt, wenn sie nicht grade ein Fahrzeug steuern.
Der Gesichtsausdruck ist auch untypisch für Abbildungen von Astronauten, was sehr schön auffällt. Vermutlich sollte er aber wohl eher in Richtung „schmollend“ gehen, herausgekommen ist aber mehr ein gelangweilter Gesichtsausdruck. Naja.
Der Titelschriftzug bringt auch hier eine gewisse Verspieltheit ein, um die Stimmung zu unterstreichen.

5. Heartless
Ein wenig Subtilität schadet dem Fantasy-Genre auf seinen Covern nichts und das Bild von der jungen Frau als Reflexion im Auge des Drachen ist da ein guter Anfang.
Dieses Cover ist kein reines eBook-Cover und auch kein Indie-Cover, sondern ein professionelles Cover des Verlages Bethany House, der es auch für die Taschenbuchausgabe verwendet. Aber auch unter den zunehmend gleicher aussehenden Genrecovern der Verlage fällt es noch auf und ist zudem sehr schön gemalt. Der Schriftzug ist für starke Verkleinerungen einen Tick zu verspielt, insbesondere der Name der Autorin geht im Rauschen unter.

4. How to Train Your Zombie
Noch etwas Verspieltes, diesmal im Comicstil. Das Titelmotiv ist ausgezeichnet gemacht, die Gesichtsausdrücke der drei Charaktere sagen alles, was man zur Einführung in die Geschichte wissen muss. Zwar ist in der Verkleinerung die Halsleine nicht zu sehen, das macht aber nicht allzu viel aus, da die Gruppe auch so optisch gut wirkt und offensichtlich ist, wer Zombie und wer Besitzerin ist.
Die Geschichte dreht sich um eine Frau, deren Mann in den letzten Tagen eines Zombie-Ausbruchs doch noch gebissen wird und wie sie sich an den neuen Alltag mit ihrem infizierten Mitbewohner gewöhnt und darin einlebt. Quasi ein etwas ausführlicherer Blick auf die Welt nach dem Ende von Shawn of the Dead.

3. Mad Science Institute
Wahrscheinlich muss man als Europäer erstmal wissen, dass dieses Motiv einen relativ häufigen Stil von Universitäts-Wappen in den USA darstellt, siehe beispielsweise auch Canis Canem Edit. Da das Cover ursprünglich nicht auf europäische Leser abzielt geht das völlig in Ordnung. Zumindest die Zeichen für Radioaktivität und Biogefahr sind auch hierzulande ausreichend geläufig und die Brille oben auf dem Wappen ist auch kulturübergreifend bekannt.
Die Geschichte um eine Art Akademie für wahnsinnige Wissenschaftler ist auf jeden Fall erkennbar. Möglicherweise hätte man die Schriftart noch etwas besser an das Logo anpassen können, es sieht aber auch so nicht schlecht aus und ist gut zu lesen.

2. Legend of Ukotha
Diese Gestaltung fällt zwar schon bei der Taschenbuchausgabe auf, bei der eBook-Ausgabe, der man nicht ansieht, dass sie zweidimensional ist, wirkt sie noch stärker. Dazu kommt natürlich auch der Kontrast zwischen dem modernen Medium und dem nach frühneuzeitlichen und noch älteren Vorbildern gestalteten Motiv. Die riesigen goldenen Scharniere mit ihrer detaillierten Ausarbeitung und der exotische Name „Ukotha“ verraten das Buch als Fantasy-Roman. Zwar ist „Legend of“ kaum zu lesen, aber der wichtigste Bestandteil des Titels und mit ihm die inhaltliche Zuordnung für den potenziellen Leser fallen ins Auge.
Die Geschichte ist offen gestanden nicht weiter bemerkenswerte, aber kurzweilig geschriebene, Stangenware aus dem Genre-Schrank.

1. Girl in Pieces
Über die Buchcover von 40K wollte ich schon länger etwas sagen, jetzt habe ich endlich mal eine gute Gelegenheit dazu. Interessant an diesem im eBook-Bereich sehr aktiven italienischen Verlag ist das Aufsprengen des streng rechteckigen Formats – zwar ist die grobe Form rechteckig, doch Elemente wie das Verlagslogo und der Titel ragen leicht über den Rand hinaus. Eine optische Spielerei, die so nur bei eBooks möglich ist. Ich würde in Zukunft gerne mehr Cover sehen, die in gewissem Maße mit diesen Möglichkeiten spielen.
Die Titelbilder wirken immer etwas zusammengewürfelt, doch da es hier um eine in 11.395 Stücken aufgefundene Leiche geht, passt das dann wieder hervorragend.

Ausserdem erwähnenswert

eBook-Cover des Monats März 2012 0 

Letzten Monat gab es kaum was, diesen Monat ist die Liste an Kandidaten ewig lang geworden, darunter einige der besten, die ich bisher gesehen habe. Daher auch die lange „Auch-erwähnenswert“-Reihe. Darunter erstmalig auch ein französischer Titel. Also denn:

10. Geliebte Teufelin
Der Schriftzug ist gradezu übertrieben „weiblich“, das wirkt schon fast absurd.
Eigentlich reicht dafür schon das starke Motiv des Stöckelschuhs mit dem roten Zeug an der Spitze. Letzteres sieht zwar aus wir verschmierter Lippenstift, ist aber dennoch wohl als Blut erkennbar. Die Frau, um die es geht ist in der Tat die Tochter des Teufels und so macht das ganze dann auch Sinn. Ja, Satanina (oder wie auch immer) dürfte wohl Blut an ihren Schuhspitzen haben. Die selbstverständlich schwarz sind, wie die restlichen Schuhe und mit rotem Innenfutter. Die Mauer ist rein farblich kein sonderlich attraktiver Hintergrund, passt aber zu einem allgemeinen Kerkermotiv.
Das Buch ist allem Anschein nach inzwischen leider nicht mehr erhältlich und zum Autoren Hans Bisplingshof findet Google nichts. Hmm.

9. The Banshee and the Linebacker
Was für dieses Cover spricht ist die Anwendung des Elements Farbe. Für eine in Irland spielende paranormale Romanze ist grün perfekt, da es die irische Farbe ist. Und grüner als dieses Cover geht kaum. Zusammen mit dem prominent platzierten Wort „Banshee“ – der bekanntesten irischen Sagenfigur – bekommen wir eine Überdosis Irland auf diesem Cover.
Die handwerkliche Ausführung ist keine Profiarbeit, aber sie funktioniert, alle Farben sind natürlich und harmoniseren daher mit dem vorherrschenden Grün. Und das ist allem Anschein nach der absolute Fokus in der Gestaltung. Sicher keine schlechte Entscheidung für die Verkäufe am in den USA und Irland wichtigen St. Patrick’s Day, einem Festtag, an dem zu Ehren der Smaragdinsel alles grün sein muss.

8. Goody Two Shoes
Noch mehr Grün bekommen wir mit Esmeralda Greene, aber wer so heisst (ob nun wirklich oder als Pseudonym), der sollte die Farbe auch konsequent überall einsetzen. Und anschließend nur knallorange tragen, um nicht erkannt zu werden. Dass es ein Pseudonam ist, ist sehr wahrscheinlich, denn es handelt sich um das fast nie unter Klarnamen verlegte Genre der Erotikgeschichte, wie das Motiv unschwer erkennen lässt.
Auffällig sind hier zwei Dinge: Einerseits das für das Genre überraschend geschmackvolle Cover (das auf eine tatsächlich weibliche Autorin hindeutet), andererseits die kreative Anwendung des Titelschriftzugs. Er folgt der Silhouette der Beine und entspricht in Farbe und Struktur den Strings der Schuhe.

7. The Toymaker
Das ist die Art Science-Fiction-Cover, die ich seit den frühen 90ern so sehr vermisse: Cover mit tatsächlichen Science-Fiction Elementen als Titelbild. Sowas gibt es im Printbereich nur noch bei den Groschenromanen, Buchverlage gefallen sich in abstrakten Motiven, die nur wenig auf das Buch selbst zurückschließen lassen (ausser beim Steampunk).
Die Biene auf The Toymaker ist ein cleveres kleines Bild, sieht es doch auf den ersten Blick und in der Verkleinerung aus wie eine Biene, bei der aber irgendetwas nicht stimmt. Bei näherer Betrachtung finden wir dann einen winzigen Roboter vor. Dass dieser auf dem Bild etwas Blut zu saugen scheint hilft, das Teil als bedrohlich darzustellen.

6. Ressort: Verbrechen
Der Titel scheint erstmal absurd, aber es geht um einen Journalisten, nicht um einen Ermittler. Ich kenne zwar keine Zeitung mit einem eigenen Ressort für Verbrechen, aber meinetwegen: Künstlerische Freiheit.
Das Motiv nutzt Kontraste um zu wirken und stellt dem scharlachroten Kleid der Leiche einen fast eintönig hellgrauen Hintergrund gegenüber. In der Vergrößerung bin ich ziemlich verwirrt, wo bei diesem Bild oben und unten ist, der wichtige Punkt ist aber: Der uninteressant gefärbte Hintergrund hilft, das kräftige Rot hervorzuheben und so aus der Liste an Covern unter den Suchergebnissen herauszustechen.
Leichter Punktabzug für den im Vergleich zum Titel riesigen Autorennamen. Man sollte nicht darauf hinweisen müssen, dass weder Leiche noch Mörder Scott Nicholson sind.

5. The Zona
Die meisten deutschen Leser dürften mit dem Titelbild wenig anfangen können, daher das als Einleitung: Dies ist ein Bild eines Graffiti der Flagge des US-Bundesstaates Arizona. Da das originäre Publikum des Romans wohl Einwohner Arizonas oder zumindest der USA sind, ist das kein bedeutendes Manko. Den Stil eines verdreckten Graffiti hält das Cover komplett durch, vom Bild über den Titel bis zum Autoren. Damit macht der Roman sein Thema, ein post-apokalyptisch dystopisches Arizona in nicht allzu fener Zukunft deutlich und setzt die Stimmung visuell greifbar um. Was ein wenig fehlt ist noch ein Hinweis darauf, dass es sich um eine kirchenkritische Dystopie handelt, ein kleines Kreuz oder dergleichen wäre nett gewesen. Alles in allem aber ein sehr gelungenes Cover aus einem Guss.

4. Blood Sisters
Vampirromane gehören zu den Genres, die mit Covern oft großes Glück haben. Selbst die schlechteren haben noch immer eine gewisse mystische Qualität an sich. Dieses hier ist definitiv eines der besseren (sonst wäre es nicht in der Liste). Sehr gefällt mir das Spiel mit der Farbe rot und roten Objekten: Lippenstift, die Rose und Blut gehen in einen Farbkontext über, der sowohl Vampirismus (Verbindung Mund-Blut) als auch die damit verbundenen romantischen Ideen (Rose) gut repräsentiert. Das ebenfalls mit Vampiren verbundene Thema des Todes schlägt sich im Schwarz der Rose und der Kleidung der Protagonistin wider.
Am stärksten wirkt aber die durch das Blut rot gefärbte schwarze Rose. Das ist ein ungewöhnliches Bildelement, das aufzufallen und anzusprechen weiss. Ein vorbildliches Beispiel für einen Ausgleich von Bildsprache und Auffälligkeit.

3. Boris Makes a Friend
Awwwwwwwwwwwwwwwwwwww… Tschuldigung, niedlicher Roboter im Visier.
Der zweite Boris-Band fährt alles an Niedlichkeit auf, was er bieten kann und stimmt so auf die Geschichte des Comics ein. Das Bild selbst ist eine recht einfache Umsetzung des Titels mit Boris, wie er sein Spiegelbild entdeckt. Hübsch ist noch der Schriftzug am Gebäude hinter dem offensichtlichen Fenster: Future Site of (???) Vista Estates, also speziell der Teil mit „Future“, also Zukunft. Das Format, die grauen Streifen und die Bandnummer in einem Umriss von Boris‘ Kopf machen eindeutig klar, dass es sich um den zweiten Band einer Reihe handelt wobei dieser aus der Reihe das mit Abstand beste Cover hat.

2. Yarns & Stories of Abraham Lincoln
Lincoln und sein Hut sind immer für einen Scherz gut. Hier haben wir eines der wenigen eBook-Cover, bei dem ich schon beim Anblick schmunzeln musste. Clevere Anwendung des ikonischen Kleidungsstücks, ohne das einige seinen Träger gar nicht erst erkennen würden. Der Zeichenstil ist frisch und comichaft und verstärkt die klare Botschaft, dass dies ein lustiges Buch ist. Auf jeden Fall weiss ich jetzt, dass Lincoln im bett die Socken anbehält. Ein wichtiger Erkenntnisgewinn.
Beeindruckend ist, dass das Cover definitiv zum Buch passt – obwohl letzteres ein Titel aus dem Jahre 1901 in kommentierter und illustrierter Neuausgabe ist.

1. Isla Lacra
Cover mit einem Motiv im Motiv kommen bei mir immer gut an und das aus gutem Grunde: Sie funktionieren verkleinert, indem sie nur ein Motiv sehen lassen, aber die Ahnung mit sich bringen, dass etwas nicht stimmt. Das weckt das Interesse des potenziellen Kunden. Wir hatten das auf Platz 7 mit dem Toymaker schon einmal in dieser Liste und der Gewinner der ersten solchen Liste ist immer noch der beste Vertreter dieses Ansatzes.
Isla Lacra nun verbirgt in seiner Palmsilhouette ein interessanteres Bild: Den Rücken einer Frau mit gefesselten Händen. Dass es praktischerweise auch um eine entführte Frau auf den Florida Keys geht schadet dabei nicht.

Ausserdem erwähnenswerte Cover diesen Monat:

Für den April nehme ich gerne wieder per Twitter, Mial oder Kommentar Vorschläge entgegen.

eBooks und das liebe Geld 1 

Oder das böse Geld, je nachdem wie ihr das eben haltet, das ist ja trotz aller römischen Kloweisheiten immer noch eine strittige Frage. So oder so ist die Frage der angemessenen Bezahlung eine der größten unter eBook-Autoren und auch eine der unbeantwortetsten (ja, ich weiss, dass man das nicht steigern kann, ich ignoriere es lediglich um einen halbwegs graden Satz bauen zu können ohne eine Klammer einfügen zu müssen, die mehr als eine komplette Zeile lan… ach, Mist).

Ich muss ehrlich sagen, dass die Frage für mich nur in geringem Maße eine ist. Ich verlange einfach, was ich bezahlen würde. Diesen Sinn habe ich über Jahre durch Flohmarktbesuche geschärft, was ich jedem empfehlen kann, der Preisfindung für Objekte ohne festen Warenwert trainieren will. Also: Indie-Autoren, geht auf den Trödelmarkt. Mindestens einmal auf jeder der beiden Seiten des Tisches (oder Teppichs, oder Anhängers, oder was auch immer als Verkaufsfläche dient). Dort kann man dann lernen, was die Dinge den Leuten wirklich wert sind statt was die Hersteller ihrerseits gerne dafür verlangen. Grade bei Kultur (sprich: Büchern, aber auch Filmen, weniger bei Videospielen) ist die Differenz zuweilen enorm. Mein Preismuster, eBooks im Bereich von 0,89 bis 4,99 € anzubieten und alle Preise darüber nur für wirklich, wirklich verdammt gute Autoren sowie einige Sachbücher mit ausreichend hohem Informationsgehalt gelten zu lassen kommt aus diesen Erfahrungen in der Frage, was den Leuten ein Buch wirklich wert ist.

Nun höre ich bereits den Aufschrei, für eine solche mit Herzblut über Monate wenn nicht Jahre geschriebene Arbeit wie den eigenen Roman könne man nie im Leben so wenig Geld verlangen. Dem liegen mE zwei fehlerhafte Wahrnehmungen zu Grunde:

  1. Der Preis wird vom Autoren am Einzelexemplar beurteilt
  2. Der Preis wird mit gedruckten Büchern verglichen ohne zu sehen, wieso diese eigentlich so teuer sind

Und weil da jetzt schon niedliche kleine Zahlen davorstehen fang ich mit dem ersten Punkt an. Ist auch kürzer anzugehen:
Beim Schreiben des Buches entsteht nur einmal Arbeitsaufwand, weitgehend unabhängig davon, wie oft sich das Buch verkauft. Ich sag „weitgehdn“, weil Marketing ja durchaus einen Einfluss hat, aber auch dieser Aufwand und diese Kosten fallen nur einmalig an und sind zudem freiwillig. Die zentrale Leistung beim Schreiben ist das Schreiben und das ist in der Regel abgeschlossen, sobald das Buch raus ist.
Der Verdienst aber fällt jedes Mal an, wenn ein Exemplar verkauft wird. Der Autor lebt nicht von den Tantiemen eines Buches, sondern von den Tantiemen seiner Gesamtauflage. Diese sind für den Autoren ausschlaggebend. Wofür das Buch beim Kunden landet kann ihm relativ egal sein, worauf es ankommt ist, den Preis so einzustellen, dass ein möglichst hoher Betrag bei ihm ankommt – dazu kann es eine bessere Strategie sein, viele Exemplare billig zu verkaufen als wenige oder gar keine teuer (muss aber nicht). Der einzige, für den der Preis eines Einzelexemplars eine entscheidende Rolle spielen sollte ist der Leser.

Die zweite Wahrnehmung gründet einfach darin, dass der Durchschnittskunde nicht weiss, welche Kosten alle in ein Buch einfließen. Es sind ja nicht nur Druck, Marketing, Verkauf, Steuer und Lektorat. Nein, viel wichtiger ist das aufgeblähte Management, das auf jeder dieser Ebenen verdient. Verlagshäuser sind riesige Wirtschaftsunternehmen mit eigenen Anwälten, Steuerberatern, Handelsvertretern, Organisatoren, Werbeleuten usw. usf. Der Buchhandel nimmt sich vom Preis mal eben 50-60% vom Ladenpreis, die sich Grossist und Buchladen teilen. 5% Druckerei, 7% Mehrwertsteuer, etliches an Kleinkram… am Ende erhält der Autor zwischen 8 und 12% vom Preis des Buches (in der Regel 8%, bewährte Autoren 10%, Bestseller bis zu 12%). Und selbst wenn die Verlage wollten, könnten sie nicht mehr bezahlen, denn sie haben ihre eigene Verwaltung und den ganzen Arbeitnehmerapparat zu bezahlen. Deshalb ist auch Imre Töröks Forderung, die Verlage sollten Autoren fair bezahlen unsinnig – die Verlage könnten die Autoren nicht einmal fair bezahlen ohne damit Harakiri zu begehen, wenn sie wollten.
Indie-Autoren haben diesen ganzen Überbau nicht. Und das macht einiges aus: Verkauft ein Indie-Autor ein Exemplar eines Buches für 2,99 €, hat er davon etwa 2 € Einkünfte. Für die selben Einkünfte müsste ein verlagsgebundener eBook-Autor (der etwa 20-25% des Verkaufspreises erhält) ein Buch für etwa 8-10 € verkaufen, der Verfasser eines Printbuches muss dem Kunden dafür 20 € abnehmen. Oder kurzgefasst: Aus Autorensicht entspricht ein Verkauf eines eBooks für 3 € dem Verkauf eines normalen Buches für 20 €. Die Einkünfte aus einem eBook für 9,99 € entsprechen denen aus einem Papierbuch für etwa 70-80 €.
Ich bin der festen Überzeugung, wer meint, eBook-Preise seien zu gering weiss mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, wie wenig Autoren eigentlich an einem klassisch verlegten Buch verdienen. Wenn gleichzeitig Autoren mehr Geld verdienen können und Leser dafür weniger Geld ausgeben müssen, dann nenne ich das eine Win-Win-Situation, die zu bekämpfen keine gute Idee wäre. Klar, die großen Verlierer hierbei sind die plötzlich ausserhalb des Spiels stehenden Verleger, die vom notwendigen Mittelmann zu jemandem geworden sind, der beim Kontakt zum Kunden nur noch im Weg steht. Ich glaube aber, dass mit der Unabhängigkeit der Autoren mehr gewonnen ist als durch den Untergang des Verlagswesens verloren geht. Kulturell wie auch was Arbeitsplätze angeht (das Management wird arbeitslos, dafür können dank höherer Einkünfte künftig deutlich mehr Autoren vom Schreiben leben).

Und das ist, in einem Beitrag, weshalb ich es nicht verstehe, wenn selbstverlegte Autoren sich über zu niedrige eBook-Preise aufregen.
Es gibt noch einige zusätzliche Fragen, die da rein spielen, etwa die sozialpolitische Frage nach dem Zugang zu Wissen und Kultur für einen möglichst breiten Bevölkerungsanteil. Aber das ist nochmal eine andere Diskussion.

Nachtrag für FeministInnen, Feminist_innen usw.: Ja ich weiss, dieser Text ist nicht gegendert. Sind meine Texte fast nie, aber normalerweise tauchen in meinen Texten auch keine Berufsbezeichnungen in solcher Dichte auf. Daher ein paar vorläufige Sätze hierzu: Ich halte es – da bin ich mit den russischen Feministen einig – für diskriminierend, männliche und weibliche Autoren (oder sonstige Berufsstände) sprachlich zu unterscheiden. Ich überlege daher derzeit, einfach die Berufsbezeichnung mit dem Artikel „das“ zu verwenden, das ergibt nicht annähernd so üble grammatisch-orthografische Verrenkungen wie der ganzen „-innen“-Quatsch. Manchmal merkt man mir den Sprachwissenschaftler halt doch an. Dazu mehr, wenn ich mir eine abschließende Meinung dazu gebildet habe.

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eBook-Cover des Monats Februar 2012 0 

Im Februar sind mir nicht ganz so viele wirklich gute Cover aufgefallen wie zuvor. Das ist schade, kann aber an meinem etwas knapperen Zeitbudget diesen Monat gelegen haben. Auffällig ist, dass diesmal deutlich mehr realistisch gemalte Cover dabei sind. Das ist wohl Zufall, die Cover sind ja nicht alle aus dem Februar, sie sind mir nur im Februar erstmals aufgefallen.
Also dann:

10. The Audacity of Dope
Ein Cover, das das Thema des Romans klar visualisiert: Cannabis und Flugzeugterrorismus. Dass allerdings die Sache mit dem Flugzeug und die darauf folgenden politischen Verwicklungen für die Geschichte deutlich zentraler sind als die Drogen könnte einige Leser befremden. Der Titel mischt da allerdings fröhlich mit.
Dafür gibt es dann also Punktabzug und nur Platz 10: Ein Cover sollte dem Leser die Stimmung und möglichst auch den Inhalt eines Romans verraten. Dieses Cover schafft das so grade noch und es ist für sich genommen auch sehr attraktiv, ein paar Details sind jedoch nicht stimmig.

9. Desolate
Eins Strafkolonie vor der antarktischen Küste ist der Handlungsort dieses Romans. Auch hier gilt wieder: Sehr attraktives Cover, das dem Titel und Ort des Geschehens gerecht wird. Das Problem ist, dass das Buch einen völlig anderen Fokus als die Kälte und Lebensfeindlichkeit des Kontinents hat und eher in Richtung Das Ding aus einer anderen Welt geht.
Ich vermute, das Coverfoto wurde quasi ohne Budget mit der eigenen Kamera gemacht, als es grade ausreichend verschneit war. Dafür ist es sehr gut und es ist wohl kaum die Schuld des Budgets, wenn das Bild nur einigermaßen passt. Immerhin passt es halbwegs und sieht gut aus. Die Gänge des Gefängnisses oder die Mine zu zeigen war dagegen wohl einfach nicht ohne mehr Geld möglich. Insofern: Das Ideal aus dem herausgeholt, was möglich war. Hat immerhin noch für die Top-10 gereicht.

8. Winter Woman
Winter Woman setzt aussergewöhnlich gut den Gestaltungsgrundsatz um, ein Cover einmalig zu gestalten und zugleich vertraut zu wirken.
Die Schriftart und das Motiv des Pferdetrecks verraten recht schnell das Genre (Western), aber die Farbgestaltung hebt sich deutlich von den im Genre üblichen Gelb- und Brauntönen ab. Es hilft natürlich, dass das Buch das passende Szenario bietet. Ein Blizzard ist im Western ein eher seltenes Ereignis, obwohl es für die Siedler im Winter natürlich alles andere als ungewöhnlich war. Den Schneesturm auf dem Cover darzustellen hilft, eine der Besonderheiten des Buchs herauszustellen.
Schade nur, dass dabei der im Buch wichtige Konflikt mit den Mormonen und dem Indianer untergegangen sind. Seine Aufgabe, das Auge des Lesers auf sich zu ziehen und ihn zum weiteren Informieren über den Inhalt des Buches zu bewegen, schafft es aber locker.

7. Guide to Learning Python Decorators
Juhu, ein Wortspiel!
Die schönsten Wortspiele sind jene, die man erst auf den zweiten Blick erkennt während der erste Blick einen nur zu einem „Was zum…“ bringt. Dieser Effekt des ersten Blicks lockt das Auge und lädt dazu ein, sich näher mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Das ist dann die Gelegenheit, den potenziellen Käufer zu einem tatsächlichen Käufer (und vielleicht sogar Leser) zu machen.
Um dem Autor dieses Buches das Geschäft zu vermiesen: Was Sie hier sehen ist der weisse Streifen in der Seite eines grünen Baumpython, also eben eine Pythondekoration. Das eigentliche Buch handelt natürlich nicht davon, wie man Schlangen dekoriert (hmm, warum eigentlich nicht?), sondern von einer besonderen Notationstechnik in der gleichnamigen Programmiersprache.

6. Don Coyote de la Merika
Vielleicht finde ich noch heraus, was der Titel mit der Geschichte zu tun hat, aber immerhin setzt das Cover den Titel gut um. Das einzige, an was man sich bei Don Quichote meist erinnert ist dass er gegen Windmühlen kämpfte. Diese Windmühlen sind immer noch da, nur sind es jetzt Windkraftwerke statt Häuser mit großen, windgetriebenen Mühlsteinen. Die Welt der Geschichte ist eine postapokalyptische Zukunft, aber gut zu wissen, dass es auch in dieser noch Windräder gibt.
Kein perfektes Cover für das Buch (es sei denn, da kommt nach der Leseprobe noch etwas deutlich anderes), aber ein perfektes Cover für seinen Titel. Unter der Annahme, dass der Coverdesigner wie so oft nur den Titel kannte: Sehr gelungen.

5. Flavours of Thought
Frage -> Nachdenken -> Idee!
Ein Cover, drei Bilder, ein kleiner Comic. Das Motiv geht aber über das Offensichtliche hinaus: In dem Buch geht es darum, Gedanken in insgesamt 21 kategorien einzuteilen, die wiederum zu drei Obergruppen gehören. Aus diesen sollen sich dann Kombinationen bilden lassen können, um mit typischen Problemen wie vorübergehender Depression, Selbstzweifeln und ähnlichem besser umgehen zu können. Was das Buch taugt, weiss ich nicht, ich niege dazu, von diesen ganzen Psychoberatern Abstand zu halten. Aber das Cover setzt den Grundgedanken grafisch einfach um, bildet aus den drei Einzelbildern eine Art kurze Geschichte und bleibt ansonsten zurückhaltend in schlichtem Schwarz, was sich positiv von der grafisch oftmals überladenen und bunten Konkurrenz und vor allem der Farbigkeit der Mitbewerber aus dem benachbarten Esoterikmarkt abhebt.

4. The Tinkerer’s Daughter
Clockpunk! Ich mag Clock und Steampunk und bin damit offenbar alles andere als allein.
Dieses Cover ist relativ einfach, es zeigt eine Frau in typischer Steampunk-Kleidung (was man verkleinert eider nur schlecht erkennt) mit einem Wolf vor einigen Zahnrädern. Die Zahnräder sind es, die das Genre verraten, sie sind typisch für die Ästhetik des Genres. Die Farbgebung der Zahnräder fällt etwas aus dem Rahmen und auch der Wolf ist kein typisches Merkmal bei solchen alternativen Zukunftsszenarien.
Der Wolf hat seinen Grund, denn das Buch mischt Steampunk mit klassischer Fantasy in Form einer halbelfischen Protagonistin und einer Fantasywelt. Dass man das nicht wirklich sieht ist noch zu verschmerzen, denn Clockpunk ist ein sehr kleines Genre und Werke in dieser Ästhetik fallen noch immer auf. Die Frage ist natürlich, wie lang das so bleibt.

3. Thirst
Das ist ein interessantes Cover. Ich weiss selbst nicht, woran, aber die Zuordnung zum Vanmpirroman fällt ohne eine einzige Blutspur oder sichtbare Eckzähne überraschend leicht. Wahrscheinlich ist es der einfache Titel in Kombination mit der schwarzen Farbe und der Symbolik des Kreuzes, das neben seiner klassischen Bedeutung im Christentum inzwischen auch eine Bedeutung als Waffe gegen Vampire angenommen hat. Das allein ist schon eine interessante Entwicklung, die etliche Soziologen im Brot halten wird.
Die verdeckten Augen, die Spitze und dieses leichte Lächeln auf den Lippen fasse ich in einem Wort zusammen: Sexy! Was passt, wenn man an die sexuelle Natur des literarischen Vampirmotivs denkt.

2. Manly Knits
In meiner Zeit im düsseldorfer AStA hat einer unserer Referenten einen Kurs „Häkeln für Männer“ gegeben. Entsprechend begeistert bin ich von der Existenz eines solchen Buches. Es ist nicht das seltsamste Buch in meiner Sammlung (das wäre dieses hier), aber es hat schon ein gewisses Grundniveau an Seltsamkeit.
Der gehäkelte Helm als Grundmotiv bringt ganz klar rüber, was man von diesem Buch zu erwarten hat, der Titel macht es dann unmissverständlich. Ob es sein Ziel erreicht, Männern ein eher ungewöhnliches Hobby beizubringen, kann ich nicht beurteilen. Aber jene, die es bereits betreiben können jetzt zumindest ein Buch vorzeigen, das lästige Fragen ein für allemal beendet. Das nennt man dann wohl Fortschritt.

1. Kaiserkrieger 1: Die Ankunft
Auch in der Science-Fiction muss man das Rad nicht neu erfinden und entsprechend einfach ist der Grundgedanke von Kaiserkrieger, übrigens dem einzigen deutschsprachigen Werk diesen Monat: Ein Kreuzer des Deutschen Kaiserreichs kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet sich plötzlich im Alten Rom wieder, kurz vor seinem Untergang. Und von da an mischt man dann in den lokalen Angelegenheiten mit und bringt kräftig die Geschichtsschreibung durcheinander.
Diese Prämisse wurde grafisch naheliegend und ohne Schnickschnack umgesetzt: Eine Galeere zerbricht am Rumpf des etliche Jahrhunderte moderneren Kriegsschiffes. Simpel, aber für Fans des Genres reicht das vollkommen um zu erkennen, worum es geht.

eBook-Cover des Monats Januar 2012 0 

Da mir im Laufe der Zeit immer wieder besonders gut gemachte eBook-Cover auffallen und ich offenbar gut eine monatliche Top-10-Liste zusammenbekomme, mache ich das doch glatt. Ich finde, ein Anstieg der allgemeinen Qualität unserer Cover kommt allen zu Gute.
Regeln: Es kann jedes Cover mitspielen, das ich im betreffendne Monat gesehen und das mir als besonders gut aufgefallen ist. Wer einen Vorschlag für die nächste Runde hat, kann den gerne in den Kommentaren einbringen. Keine Selbstvorschläge und auch von mir gestaltete Cover können nicht teilnehmen.
Mit dieser kurzen Einführung auf in die diesmonatige Liste:

10: Marx für Eilige
Marx für Eilige wäre ein wirklich schönes Cover. Die Silhouette des bekanntesten deutschen Philosophen auf jene eines Segway zu stellen ist die vielleicht einfachste Art, den Titel des Buches kurzerhand in Bildsprache umzusetzen.
Da es sich um ein Sachbuch handelt und Karl Marx jedem in irgendeiner Form bekannt sein sollte reicht das auch. Das Verlagslogo fügt sich sehr gut ins Gesamtbild ein.
Deutliche Abzüge und deshalb auch nur einen 10. Platz gibt es aber für die Farbwahl (Rosa? Ernsthaft?) und vor allem für die missglückte JPG-Konvertierung. Ein Bild mit so großen einfarbigen Flächen würde kein Grafiker der Welt als JPG abspeichern, das müsste in den Formaten GIF oder PNG gemacht werden. Sonst entstehen die hier im rosa Hintergrund kaum zu übersehenden Bildfehler. Dass ein derart grober Fehler nicht bereits vor der Einstellung des Titels bei Amazon aufgefallen ist, verwundert mich.
Trotzdem ist das Motiv und die Gestaltung an sich hervorragend und clever.

9: Carniboars
Carniboars ist ein schönes Beispiel für ein Seriencover: Genau wie der andere Band, When Land Sharks Attack! zeigt es einfarbig den Kopf des titelgebenden Ungeheuers. Während der Haikopf es nicht in die Liste geschafft hat, hat sich das Raubschwein durch sein auffälliges Design seinen Platz hier redlich verdient. Das… Ding sieht fremd und bedrohlich aus, die Farbgebung mit auffälligem Orange auf schwarzem Hintergrund betont das Motiv, sodass es dem vorbeirauschenden Auge schnell auffällt.
Der kleine Strich über dem Auge des Tiers ist ein Detail, das dieses Bild sehr schön abrundet. Das ist das i-Tüpfelchen, das dem eher langweilig becoverten Landsharks fehlt und zeigt, wie kleine Details ein Konzept abrunden können.

8: Pandora – End of Days Vol. One
Es hat etwas gedauert, aber hier ist ein Panoramacover, das alles richtig macht. Wenig überraschend kommt es aus dem Comicbereich, wo man mit kreativer Bildgestaltung und Bild-Text-Kombinationen viel Erfahrung hat. Das Motiv stellt eine Leere voller bedrohlicher Wesen dar. Das Panoramaformat ist so gut zur Darstellung von Leere geeignet, dass es für viele Cover zum Problem wird, hier aber wurde dieser Effekt bewusst genutzt, um eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen.
Die Details sind sehr genau durchdacht: Der Mond teilt das Bild in zwei Hälften. Die Leere ist nicht einfach schwarz, sondern gefüllt mit Gebäuden, Autowracks und „Personen“. Die Heldin mit Zopf und Rock bildet einen starken optischen Kontrast dazu, insbesondere durch ihre Körperhaltung, die keinerlei Angst erkennen lässt.

7: My Clockwork Muse
Nach Karl Marx darf auch Edgar Allan Poe sich ein hippes Accessoire zulegen: Eine Sonnenbrille! Und eine Pistole hat er auch. Das ist auch so ein Bild, das sofort ins Auge fällt, zugleich aber klar erkennbar einen Bezug zu Poe hat, de rhier als Protagonist agieren darf.
Die Geschichte dreht sich um einen Mörder, der Poes Geschichten nachvollzieht. Poe wendet seine beim Schreiben von Detektivgeschichten erworbenen Fähigkeiten an, um den Fall aufzuklären. Das ist eine seltsame Verbindung aus Horror à la Lovecraft, historischem Roman und Real Person Fiction. Das Cover selbst erinnert an den Steampunk-Sil, was zu diesem Genre-Mix durchaus passt.

6: Dracula
Graf Vlad Tepesz darf sich auch als Klassiker noch in diese Liste einreihen. Während die meisten Klassiker von Amazon noch nicht einmal ein richtiges Cover erhalten, darf sich Dracula einer Sonderbehandlung erfreuen. Damit ist er zwar nicht der einzige kostenlose gemeinfreie Titel mit vernünftiger Titelgestaltung, aber er befindet sich in ausgewählter Nachbarschaft.
Die Gestaltung selbst ist so einfach wie naheliegend und effektiv: Schriftzug in stilisiert alter Schrift, etwas Blut, das von oben herunterläuft. Mehr braucht es nicht, mehr wäre wahrscheinlich völlig fehl am Platze. Es ist Dracula, das Titelbild muss niemandem erklären, wer oder was Dracula ist und worum es in diesem Buch geht.
Er ist Dracula und ein Vampir. Wer das nicht mitbekommen hat, hat die letzten 200 Jahre in einem Sarg geschlafen. Und mit dieser Gewissheit, dass jeder weiss, worum es geht, kann das Cover gezielt schlicht auftreten.

5: All my Friends are Dead
Oooooooooooh…!
Der arme kleine, niedliche Dino! Alle seine Freunde sind tot und jetzt schaut er traurig auf genau diese Worte.
Niedlichkeit ist eine dieser Emotionen, die, richtig gemacht, richtig stark verfangen können. Eine andere solche Emotion ist Mitleid. Beides bringt dieses Cover mit seinem Zusammenspiel aus Bild und Text sehr gut rüber.
Vermuten würde man hier wohl ein Kinderbuch über einen traurigen Dinosaurier. Das Problem des Covers ist, dass es ein Witzeband ist voller betexteter Bilder mit dem Anfang „All my Friends are…“. Wer das weiss, dem erschließt sich auch das Cover, aber leider funktioniert das nicht umgekehrt.
Daraus immerhin habe ich etwas Neues gelernt: Man sollte immer zusätzlich an jemandem, der das Buch gar nicht kennt testen, ob er die inhaltliche Stoßrichtung des Titels einigermaßen korrekt erkennt.

4: Buck Johnson Serie
Okay, ein Drache. Erstmal nichts Besonderes. Farblich mit seinen Brauntönen schön gestaltet, aber letztlich sagt es nichts über die Geschich… ist das ein Cowboyhut? Und ein Lasso?
Ich liebe es, wenn Fantasy aus alteingesessenen Umgebungen wie der mittelalterlichen Märchenwelt ausbricht und andere Epochen und Genres übernimmt. Hier nun also der erste mir bekannte Fantasy-Western (Steampunk zähle ich zur Science-Fiction). Und er ist sehr effektiv verpackt: Die Farbgebung ist westerntypisch, aber auch in der Fantasy unverdächtig. Der Cowboyhut und das Lasso sind es dann, die die ungewöhnliche Mischugn verraten und den geneigten Leser darüber in Kenntnis setzen, dass ihn hier etwas anderes erwartet als er zunächst dachte.
Minuspunkt dafür, dass die Cover der ersten beiden Bände bis auf den Untertitel identisch sind, das hat sich aber mit dem dritten Band zum Glück erledigt.

3: Little Chick’s First Day
Hier ist die Kategorie Kinderbuch jetzt richtig.
Niemand, aber auch wirklich niemand, der nicht bei Gutfried o.ä. arbeitet, findet ein frisch geschlüpftes Küken nicht süß.
Auch hier ist die Farbgebung sehr vorteilhaft: Das knallige Gelb des Kükens sticht vor dem eher blassen Hintergrund deutlich hervor und wird von den Bändern oben und unten bekräftigt, da sonst zu wenig Gelb da wäre, um das Auge des Surfers auf sich zu ziehen. „Niedlich“ ist eine Kategorie, auf die es bei Kinderbüchern besonders ankommt. Entweder man gestaltet sein Buch süßer als Feigen in Honig mit Zuckerguss oder man geht absichtlich in die andere Richtung und liefert groteske Bücher wie Der Grüffelo. An kleinen Kindern ist halt alles süß, auch ihre Bücher. Und wehe, man sagt den Eltern etwas anderes ;-) .

2: Angel Fire
Angel Fire ist ein überraschend häufiger Titel auf dem Kindle. Um so überraschender, dass dies der einzige Titel ist, der diesen Namen bildlich so effektiv umsetzt. Das Bild mit den aus Feuer bestehenden Flügeln ist ein echter Augenfang, wobei auch hier die gelbe Farbgebung auf dem dunkleren roten Hintergrund hilft. Trotzdem bleibt das Farbschema harmonisch, alles ist irgendwie mit Feuer assoziierbar.
Der Protagonistin hätte ich eine komplett andere Pose gegeben, bei dieser ist nicht ganz klar, was sie bedeuten soll. Zum Ausgleich gibt es Bonuspunkte für die hervorragende Lesbarkeit von Titel und Autorin auch bei größter im Shop auftretender Verkleinerung.
Übrigens das erste klassisch gestaltete Fantasy-Cover hier.

1: Trafficked
Gute Fotocover sind schwer, besonders mit Models. Nicht wegen zickiger Models oder dergleichen. Wenn ich das behaupten würde, wüsste ich drei Freundinnen, die mich nachher hauen. Ausserdem ist es nicht wahr. Nein, das Problem ist die Farbkomposition in Verbindung mit der Beleuchtung sowie das Zusammenspiel mit dem Titelschriftzug. Im Bereich der Romanzen hat man es hier etwas leichter, da eine übergrelle Ausleuchtung wie in einer Fernsehseifenoper dort als normal gilt.
Das hier ist das Gegenteil. Es geht um Menschenhandel und Zwangsprostitution, sensible Themen. Das Titelbild dieses Romans setzt darauf, das Thema so direkt wie möglich anzusprechen. Hände und Beine sind zu sehen, gefesselt. Die eigentliche Person ist im Dunkel verschwunden. Das stärkste Element aber sind die Hände, dem Betrachter entgegengestreckt und mit aufgeschriebenem Hilferuf.
Kein komplexes Bild, aber es enthält alle Aussage, die es benötigt.

Ausser Konkurrenz: Felix – Held in Ausbildung
Diesen Band habe ich im Dezember glatt vergessen zu berücksichtigen, was hiermit nachgetragen sei.
Ein Cover, das wortwörtlich eine Geschichte erzählt – und zwar eine lustige. In starker Verkleinerung sieht man das leider zunächst nicht. Bonus für die Hintergrundgestaltung in Form eines Blatts Papier mit Ringlochung.

eBook-Land: Woche 3 0 

Und wieder eine Woche rum. Phase 1 ist angelaufen und die Vorbereitungen für Phase 2 laufen auf Hochtouren. Es wird spannend.

Phase 1: Armata und Nr. 2

Für Leser meines Blogs und meine Twitter-Follower mehr oder weniger unübersehbar ist der erste der beiden gemeinfreien Einträge, Armata von Thomas Erskine inzwischen bei Amazon fürs Kindle erhältlich. Das Buch ist selbstverständlich weltweit verfügbar. Trotz Schluckauf bei Amazon: Es ist bereits seit Samstag im Verkauf, heute erhielt ich die Mail, dass es innerhalb von 36-72 Stunden reingestellt wird…
Mein Vorhaben, auf der ersten Seite der Vorschau Links auf eine Printausgabe des Buchs zu setzen hat funktioniert und diese sind nun enthalten. Gebracht hat mir das Buch bisher sagenhafte 0,30 €. Das ist aber okay. Es hat einmal eingestellt Jahre, um Geld einzubringen. Kein Grund zur Eile. Zugegeben, etwas mehr hatte ich mir da schon erhofft, aber was nicht ist kann ja noch werden.
Gemeinfreie Titel kann man normalerweise nicht auf die übliche Weise bewerben, man muss darauf hoffen, dass das Werk an sich bekannter wird und Interessierte Leser es dann suchen. Also werde ich Armata beizeiten einen Wikipedia-Eintrag verpassen. Natürlich ohne Link auf Amazon, die Funktionsweise dessen wäre (Achtung, von mir selbst erfundenes Fachchinesisch) die Erzeugung von Kollateralkundschaft: Kunden, die nicht direkt mein Produkt suchen, sondern nur etwas in dieser Richtung und denen ich dann (aufgrund des niedrigen Preises) das beste Angebot mache.
Der zweite Titel ist in Arbeit, aber auch hier gilt: Ich kann vorab nix sagen, weil ich verhindern will, dass mir jemand anders mit der Veröffentlichung zuvorkommt. Er sollte dieses Wochenende online gehen.

Phase 2: Entscheidung steht

Die wichtigste Entscheidung für Phase 2 (Sachbücher/Ratgeber) war ja, welche der zahlreichen Titel auf meiner Ideenliste ich hier als erste umsetze.
Diese Entscheidung ist nun gefallen. Und zu einem der Bücher kann ich sogar vorab was sagen.
Das eine ist ein Ratgeber zu einem Thema, zu dem ich gute Ratgeber schmerzlich vermisse und den der eBook-Bereich definitiv gebrauchen kann. Ich kann schonmal verraten, dass ich bei der bereits erfolgten Gestaltung des Covers ernsthafte Probleme hatte, nicht einfach loszulachen. Spätestens, als ich meinen Namen in pinker 3D-Schrift… ach, ihr werdet schon sehen.
Der Titel, den ich verraten kann ist ein Sachbuch über die ersten Amphibien. Es enthält natürlich eine kleine Besonderheit, die ich wiederum nicht verrate, aber neben dem Thema kann ich schonmal den Titel und das Cover (beides noch vorläufig) zeigen. Endlich mal ein Titel halbwegs ohne Geheimniskrämerei:
Feuchten Fußes - Neues Cover
Ja, wie man unschwer erkennen kann denke ich daran, zu diesem Titel später weitere Bände zuzufügen, die sich mit anderen Schlüsselmomenten in der Evolutionsgeschichte beschäftigen. Ursprünglich wollte ich daraus ein Buch machen, dass die ersten Landgänge mehrerer Tiergruppen zeigt und quasi zum Vergleich nebeneinander stellt, aber leider ist von den ersten Landgängen der Gliederfüßer kaum etwas bekannt, von Tieren mit weichen Körpern ganz zu schweigen.
Weitere Bände würden beispielsweise die ersten Vögel, die ersten Mehrzeller, die Burgess-Fauna und natürlich das Ende der Dinosaurier thematisieren. Die Erdgeschichte ist lang und voller faszinierender Entwicklungen, vom ersten Wurm bis zum Menschen mit allem dazwischen und sogar ein bisschen darüber hinaus.
Die Amphibien sind mir wichtig, um ein Buch abliefern zu können, dass die Behauptungen der Kreationisten zu diesen Tieren entkräftigt. Denn hier haben diese Spinner leider leichtes Spiel — wer kennt schon Tierchen wie die auf dem Cover abgebildeten Tiktaalik und Greererpeton, die den Übergang zwischen Fischen und Lurchen darstellen, dessen Existenz diese Leute ja zu widerlegen suchen, weil sie nicht mit ihrem Verständnis von der Bibel übereinstimmt.

Erfahrungen als Kunde

Fangen wir mal mit dem Negativen an: Ich habe diese Woche ein Kindle-Buch versehentlich gekauft. Ich halte es für ein großes Problem bei eBooks, dass es zwar die Option gibt, diese sofort zu kaufen, aber nicht jene, sie in den Einkaufswagen zu legen wie bei nicht-virtuellen Waren. Nun gut, das Buch ist zum Glück ohnehin eines, das ich später kaufen wollte (ich wollte eigentlich auf „Zum Wunschzettel hinzufügen“ klicken) und so hab ich gelernt, da wachsamer zu sein ohne dass großer Schaden entstanden wäre. Es war zum Glück nicht dieses hier: Nuclear Energy.
Ja, das ist ein eBook für 4.486,51 €. Die 51 Cent machen’s.

Zu den angenehmeren Dingen: Ja, mein Bücherregal schrumpft (langsam) weiter. Diesmal hat es H.P. Lovecraft getroffen, von dem fürs Kindle eine Gesamtausgabe für 0,99 Cent erhältlich ist. Wobei das dann wirklich hart an der Grenze der Entwertung schwebt und ein höherer Preis meines Erachtens tatsächlich angemessener gewesen wäre.

Buch eBook Verbleib Grund
aussortiert, noch bei mir Sammlung sämtlicher Werke erhalten

Ein praktischer Nebeneffekt der ganzen Schreiberei die letzten Woche übrigens: Die Zahl meiner Tippfehler hat sich deutlich reduziert.

Plattgefahrene Grottenolme 3 

Axolotl. Hat die Natur eigentlich jemals ein niedlicheres Amphibium erschaffen als das Axolotl?
Da ich schonmal ein Axolotl gesehen habe, dessen hintere Hälfte das Mittagessen einer Schildkröte geworden war, habe ich auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie Axolotl Roadkill aussieht. Hauptsächlich ein kleiner Haufen zermanschter Organe. Niedlicher zermanschter Organe.

Womit mir schonmal klar ist, wieso der gleichnamige Roman (Niedlicher zermanschte Organe Axolotl Roadkill) so heisst. denn es entspricht ziemlich genau dem, was mit ihm passiert.
Aber nacheinander, in Phasen:

1. Axolotl

Süß, oder?
Also: Es kommt eine junge Autorin und schreibt ein Buch. Dieses Buch ist pseudointellektueller Müll genau das, was die Feuilletons gerne sehen, wenn sie sich nicht grade ein völlig bescheuertes Wort als Eigenbezeichnung ausdenken (ernsthaft, war „Literatur“ nicht gut genug?). Also etwas, was bei der breiten leserschaft kaum weitere beachtung verdient, denn seien wir mal ehrlich: Die meisten in den Feuille… auf den Literaturseiten gut besprochenen Werke sind irrelevanter, gekünstelter Kram, den eh nur Literaturstudenten lesen. Sie sind der Grund für den schlechten Ruf der Literatur in Deutschland.
Aber nunja: Das Buch wird also hochgefeiert, verkauft sich (im Normalfall ungelsen) in die Regale der Möchtegern-Gebildeten und bekommt ein-zwei bedeutend genannte Preise.
So läuft der Hochliteratur-Teil des Buchverlagswesens.
Dass die Autorin erst 17 ist und dennoch gestelzt gebildet und hochnasig angeberisch kryptisch-intellektuell zu schreiben vermag, verhilft ihr zu etwas mehr Hype als normalerweise. dennoch gilt: Niemand ausserhalb der Literaturseiten beachtet sie und wenn doch, dann eher negativ (siehe jene wenigen Kritiken auf amazon.de, die älter sind als der Kopier-Skandal).

2. Noch ein Axolotl

Doch zur Rettung eilt da auch schon der Skandal!
Das Axolotl Buch ist nämlich ein Klon Plagiat! Zack, schon hat man einen Skandal, der die Presse und Blogosphäre durchzieht, das Buch bekannt macht und es auf Platz 1 der Verkaufscharts katapultiert.
Und jeder deutschsprachige Blogger des Planeten, mich offensichtlich eingeschlossen, macht den Scheiss mit.
Ja, so funktioniert Marketing – mit Skandalen macht man Kohle.
Das Buch wird ein Hit, die Autorin reich und die Zeitungen können plötzlich die Rolle wechseln und opportunistisch die Kopiererei verteidigen, die sie sonst so verurteilen, sobald es um ihre eigenen Texte geht. Was aber ehrlicher ist in einer Zeit, in der Tageszeitungen zu 95% aus abgeschriebenen Agenturmeldungen und Pressemitteilungen bestehen.
Und die Blogger dürfen mal wieder so richtig tief ins besserwisserische Klohaus ihrer eigenen Existenz greifen und Dinge sagen wie „War doch klar, das hätte eine 17-jährige nie schreiben können!“ Das allerdings offenbart mehr über Menschenbild und Vorurteile der Schreiber als über 17-jährige – eine 17-jährige kann theoretisch über so ziemlich alles schreiben, über das auch eine (sagen wir mal) 34-jährige schreiben kann. Ausser vielleicht das Ausfüllen von Steuererklärungen. Wieso auch nicht?
Mir unterdessen wird klar, dass ich da grade den wohl selbstreferenziellsten Absatz meines Lebens geschrieben habe, weil ich grade besserwisserisch über besserwissende Besserwisser herziehe.
Für die Blogger ist es aber auch ein interessanter Lesermagnet und so ergibt sich eine positive Rückkopplung dergestalt:
Skandal zieht Leser an -> Skandal wird publik -> Publiker Skandal zieht noch mehr Leser an -> Skandal wird noch publiker
Das nutzen Blogger dann teilweise in schon abstrus anmutenden beiträgen über die (bei großen Skandalen völlig normale, siehe Zensursula) plötzliche Vervokabularisierung des Namens der Autorin, bei denen mein Linguistikstudium nur mit hängenden Kopf zu schniefen anfängt.

3. Plattgefahrene Grottenolme
Nein, kein Bild diesmal.
Das Ende der Geschichte bleibt abzuwarten. Einige erwarten eine Revolution unserer Ideen vom Urheberrehct, andere das Ende der Karriere von Helene Hegemann.
Naja – das Thema wird zum Jahresende niemanden mehr interessieren und wenn Hegemanns Karriere enden sollten, dann wegen ihres literarischen Niveaus. Wahrscheinlicher ist aber, dass „Such das Plagiat“ bei ihren Romanen eine Art Volkssport (naja, Feuilletonistensport) wird. Und das Buch selbst ist dabei unter die Räder gekommen und liegt jetzt als besagter Organhaufen auf dem Seziertisch in der schule – was bei einem Buch das beste ist, was ihm passierne kann, verkaufstechnisch gesprochen.
Wenn Helene hegemann indes marketingtechnisch so gut ist, wie es aktuell scheint, kann ihr das dann aber egal sein, weil sie mit den Millionenauflagen von Axolotl Roadkill reich genug ist, alles zu schreiben, was sie will. Wobei, das wiederum ist oft eine Voraussetzung für das Verfassen von Büchern, die tatsächlich gut sind.
Als Beispiel für die letzte These: Ich halte Die Blechtrommel für Grass‘ mit Abstand schlechtesten Roman – aber er hat den Weg freigemacht für den Rest von Grass‘ Werk. Den halte ich zwar auch nicht für gut, aber immerhin für um Längen besser als sein skandalträchtiges Debüt.

PS: Technisch gesehen sind Axolotl Tigersalamander, keine Grottenolme. Aber Grottenolme sind ihnen optisch ähnlicher und haben einen viel lustigeren Namen als Tigersalamander. Versucht mal, „Olm“ zu sagen, ohne dabei völlig bescheuert auszusehen.
PPS: Okay, das muss noch:

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