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Mediale KW 18/2015 0 

Deutlich bessere Woche als die letzte Woche. Jetzt mit Angabe zu Genre, Herkunft und der Sprachversion, die ich für die Bewertung zum Maßstab nehme (mit Angabe, falls deutsch verfügbar ist).

Wo die Zukunft war: Das Gernsback-Kontinuum (Buch/Kindle)

Fantastic Realism (?), William Gibson 2015, deutsche Übersetzung
William Gibson hat als einer der Begründer des Cyberpunk sehr deutlich erleben können, wie es ist, wenn die Science-Fiction von der Zukunft überholt wird. So verwundert es nicht, dass grade er eine solche Geschichte schreibt: Ein Fotograf reist durch die USA, um die Überreste jener Zukunft festzuhalten, die man sich in den 50ern vorstellte. Spektakuläre Bauten und Ideen einer Zukunft, die nie Gegenwart wurde. Je mehr er sich damit beschäftigt, um so öfter sieht er Stücke dieser Zukunft vor seinen Augen, für kurze Momente werden sie gleichsam wahr.
Das Gernsback-Kontinuum ist weniger eine Kurzgeschichte als ein Setting und hat schon daher etwas von einer Kurzgeschichte, die normalerweise nicht Text wäre. Es ist die textliche Version des Bildes eines surrealistischen Künstlers, der in seinen Bildern Geister der Vergangenheit über die heutige Welt legt. Und wie bei einem Gemälde sind die Fragen nicht im Text oder im Subtext, es sind keine Fragen des Werkes. Die Fragen sind im Geist des Betrachters, es sind seine Fragen. Wohin geht die Zukunft, wenn sie nie war?
eBook bei Amazon | buecher.de | iTunes | Thalia

Grüne Schulterbeklopfung: Das konvivialistische Manifest (Buch/Kindle)

Gemeinsame Erklärung, Frankreich 2013, deutsche Übersetzung
Das konvivialistische Manifest ist einer dieser großen Texte, die für andere Leute als mich gedacht sind. Einfach, weil ich das alles nicht nur bereits gelesen habe und weiss, sondern auch, weil es bereits weitgehend mit meinen Überzeugungen übereinstimmt. Wachstum braucht Maß, die Erde geht kaputt, die Gier einiger Mächtiger verschiebt das Gleichgewicht der Mächte zum Schaden der Mehrheit… ich muss diese Selbstverständlichkeiten nicht wieder und wieder in irgendwelchen Manifesten und [Verb]t-Euchs lesen, das ist schlichtweg Zeitverschwendung die davon abhält, den Arsch aus dem Sessel zu bewegen um was an diesen Problemen zu tun.
Wenn sich mein Hintern in einem Sessel befindet um Medien zu konsumieren, verlange ich als allermindestes, etwas Neues zu erfahren.

Nietzsche im U-Boot-Krieg: Arpeggio of Blue Steel (Serie/Netflix)

Science-Fiction, Japan 2013, OmU

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2039: Eine plötzlich auftauchende Flotte gehobener Schiffe des 2. Weltkriegs vernichtet, ausgestattet mit Waffen jenseits allem, was die Menschheit kennt und gesteuert von Künstlichen Intelligenzen, alle Verbindungen zwischen den Kontinenten. Die Nebelflotte genannten Schiffe machen es unmöglich, sich aufs oder über das offene Meer zu begeben. Japan, abhängig von Lieferungen aus Übersee und ohnehin schwer von den steigenden Meeresspiegeln des Klimawandels getroffen, steht am Rande des Zusammenbruchs. Seine letzte Hoffnung ist ein neu entwickelter Torpedo, den es aber in seiner Lage nicht mehr selbst in ausreichender Menge herstellen kann – der Prototyp muss über den Pazifik in die USA gebracht werden. I-401, ein desertiertes U-Boot der Nebelflotte, ist das einzige Schiff, das eine solche Fahrt überleben kann.
Das alles ist nur der Hintergrund für die eigentliche Geschichte. Eingebettet in beeindruckende Seeschlachten und versteckt hinter etwas, was zunächst ein Harem-Anime (Anime-Genre mit einem männlichen Protagonisten unter zahlreichen Frauen, die ihn alle begehren) zu drohen scheint, beginnt Arpeggio of Blue Steel schnell, ernste Fragen zu stellen.
Die Schiffe arbeiten auf Direktive der „Generaldirektive“ ohne zu wissen, woher diese (oder sie selbst) eigentlich kommen. Doch durch ihre neuen menschlichen Avatare und in Kontakt mit I-401 und ihrem Kapitän, Gonzou Chihara, beginnen die KIs der Schiffe, sich zu verändern. Sie entwickeln Persönlichkeiten, Emotionen, beginnen ihre Funktion als Waffen für einen unbekannten Auftraggeber in Frage zu stellen. Diese internen Konflikte der Nebelflotte sind das eigentlich interessante an der Serie. Man kann das auf so viele Arten lesen, ich wage kaum eine Auswahl: Religiöser Schismus, Auswirkungen von Sinnsuche auf die Weltsicht, Gehorsam gegen Autonomie, eine Möglichkeit der Weiterentwicklung einmal geweckter KI, das Wesen des Menschseins, Krieg und seine Waffen. Dass am Ende einige der wesentlichsten Fragen nie beantwortet wurden, ist dabei kein Fehler, es ist ein weiteres Statement. Die Welt ist nicht einfach und am Ende macht sie nicht einmal wirklich Sinn. Dass der Turm der I-401 mit einem Nietzsche-Zitat geschmückt ist, ist kein Zufall.
Serie bei Crunchyroll | Netflix

Anderdisney: Bärenbrüder (Film/Netflix)

Fantasy-Abenteuer, USA 2003, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

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Wie sähe Hollywood aus, wäre es nicht christlich, sondern schamanistisch geprägt? Disneys Ausflug in die Steinzeit gewährt einen Einblick in eine solche Parallelwelt.
Der junge Jäger Kenai provoziert einen Bären zum Angriff, was seinen Bruder das leben kostet. Erfüllt von Wut tötet Kenai den Bären, aber wird dafür von den Geistern der Verstorbenen bestraft: Er wird selbst zum Bären, verfolgt von seinem verbliebenen Bruder, der bei aller vorgetragener Ruhe nach dem zweiten Tod eines Geschwisters nun seinerseits auf Rache aus ist.
Bärenbrüder ist der Disneyfilm mit den klar schlechtesten Kritiken. Das ist unfair, wenigstens nach dem zu urteilen, was ich bisher von Home on the Range gehört habe. Der Film hat seine Fehler, etwa den deutlich schlechter als in Tarzan eingebundenen Phil Collins, der für genau einen Song auftaucht, wahrscheinlich damit man was für den Trailer hat. Die Geschichte ist jetzt auch nicht die kreativste der Welt und der große Twist ist nur für Koda und Kenai selbst ein solcher, Zuschauer dürften ihn beim ersten Treffen mit Koda kommen sehen.
Keines von Disneys großen Meisterwerken, aber trotzdem ein Film, den man wenigstens ein Mal gesehen haben sollte, um etwas gänzlich anderes aus diesem Hause zu sehen.
Film bei Netflix

Diesmal mit Buchbezug: The Congress (Film/Netflix)

Science-Fiction, Frankreich/Israel 2013, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

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Stanisław Lems Der futurologische Kongress wurde nie verfilmt, obwohl es einer der Bände um Ijon Tichy ist – die Folge der nach ihm benannten Serie mit dem selben Titel basiert auf einer komplett anderen Geschichte lems. Das ändert auch Ari Folman nur teilweise, denn sein Film ist mehr inspiriert von Lem, als eine Umsetzung. Übenrommen hat er dabei seltsamerweise jene Teile der Geschichte, die am schwersten verfilmbar erscheinen.
Schauspielerin Robin Wright erhält das Angebot, von der Filmfirma Miramount digitalisiert zu werden. Echte Schauspieler verschwinden und werden durch digitale Nachbildungen ersetzt, die für die Studios berechenbarer, günstiger und breiter verwertbar sind. Robin, in ihren 40ern und damit nicht mehr das junge hübsche Mädchen, das Hollywood in ihr sucht, stimmt nach einigen Bedenken zu. 20 Jahre später wird sie erneut von Miramount eingeladen, diesmal zum futurologischen Kongress in Abrahama, einer Stadt, in der alle Einwohner und Besucher durch die Einnahme von Drogen eine gemeinsame Illusion sehen, eine Welt aus Zeichentrickfiguren, in der alles möglich scheint. Bei einem Überfall auf Abrahama bekommt Robin eine Überdosis Hallucinogene ab – sie kann nicht länger zwischen Realität und Illusion unterscheiden und wird eingefroren, bis eine Heilung möglich ist. So kommt sie schließlich weitere 20 Jahre in die Zukunft: Ihr Zustand ist zum Normalzustand der Menschheit geworden, die „andere Seite der Wahrheit“ hinter den Illusionen ein rätselhafter Ort, den niemand mehr wahrnimmt.
Dies sei direkt gesagt: Wer Logiklöcher sucht, der wird sie zuhauf finden. Es ist völlig unklar, wie sich die hallucinogene Welt zur echten verhält, wie irgendjemand in der Illusion überlebt oder wie diverse Aktionen in der Animation auf die echte Welt zurückwirken. Vielleicht ist alles eingebildet und alle stehen nur ins Leer stierend herum, aber dann macht die Autofahrt zum Kongress keinen Sinn.
Bei Lem geht es aus der Welt des Kommunismus in die Halluzination. In gewisser Weise macht es sogar mehr Sinn, die Geschichte nach Hollywood zu verlegen und mit der Digitalisierung in Verbindung zu bringen.Eine Zukunftsvision, in der niemand mehr die reale Welt kennt oder auch nur wahrnimmt hat im Internetzeitalter noch ein Mal einen ganz anderen Schlag.
The Congress gehört zu den Filmen, die man nicht als Film aufnehmen sollte, dann fällt er in sich zusammen. Er ist eine reine Metapher für eine aus den Rudern laufende Welt und die immer mehr zur parallelen Scheinwelt werdende Allgegenwart der Medienkonzerne.
Film bei Netflix

Feminismus-Schau: Die Anstalt 29.04.2015 (Show/Youtube)

Kabarett, Deutschland 2015, deutsch

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Ja, die Anstalt ist auch dann noch gut, wenn ich beim Thema nicht mit den Machern übereinstimme. Konkret stört mich etwas der Singular des Femismus, als würden Alice Schwarzer und Charlotte Roche sich zur selben Bewegung zählen.

Ringelreihen mit Popcorn: Looper (Film/BluRay)

Science-Fiction, USA 2013, englisch (deutsche Synchro verfügbar)

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Ein vergessener Nachtrag aus der letzten Woche. 2044: Eine Art Mafia des Jahres 2074 nutzt die einzige existierende Zeitmaschine, um Menschen in der Vergangenheit töten zu lassen und so ihre Spuren zu verwischen. Das letzte Opfer jedes Killers (so genannte Looper) ist man selbst, dann geht es für die restliche Zeit in eine luxuriöse Rente, bis man an den Punkt seiner Zukunft gelangt, an dem man zu seinem jüngeren Selbst geschickt und erschossen wird. Joe ist ein Looper, macht seine Arbeit und wird dafür reich. Doch plötzlich steht ein Looper nach dem anderen vor seinem letzten Opfer – und da Joe im Alter zu Bruce Willis wird, entkommt dieser. Von jetzt an verfolgt Joe sein älteres Selbst, die Looper-Organisation verfolgt beide und der alte Joe sucht den späteren Boss der Loopers, damit das alles nie geschehen sein wird.
Die Logik von Zeitreisen ist schwierig, aber ich halte mich in solchen Fällen an die Maxime: Wir haben keine Erfahrung mit Zeitreisen, ergo wissen wir auch nicht das Geringste darüber, welche Folgen vermeintliche Paradoxone haben oder wie und ob Kausalität Zeitreisende nach ihrer Ankunft in der Vergangenheit trifft. Okay? Gut!
Nur bleibt ansonsten nicht viel zu sagen: Looper ist unterhaltsames Popcornkino. Was heraussticht, ist das Ende. Nicht nur, weil es überrascht, sondern auch, weil es so unfilmisch ist. Es ist ein Ende, das man vom geschriebenen Text erwarten kann, wo seine Plötzlichkeit in der Beschreibung ausgeglichen wird. Im Film geschieht das Ende in kaum mehr als einer Sekunde und alles ist mit einem einzigen Schnitt vorbei. Womit dieser Beitrag den Kreis mit dem Gernsback-Kontinuum am Anfang geschlossen hat.

Mediale KW 17/2015 0 

Bei meinen Freitäglichen Fünf gibt es das beste Echo regelmäßig auf dort Platz findende Besprechungen von Medieninhalten, die mir gefallen haben: Filme, Bücher, Videospiele und dergleichen. Es scheint mir also logisch, diesen teil auszubauen und zu einer eigenen Reihe zu machen: Die Mediale KW, jeden Montag kurze Besprechungen der Filme, Bücher, Spiele etc., die ich in der jeweiligen Woche gesehen/gelesen/gespielt/etc. habe.
Diese Woche: Zwei gute Bücher, drei schlechte Filme

Wortreich: ABC der Verlagssprache (Buch/Kindle)

Wilhelm Ruprecht Frieling ist lange dabei. Also hat er 40 Jahre Erfahrung im Verlagsgewerbe durchstöbert und die Ergebnisse in einem Lexikon des Verlagsjargons und wichtiger Begriffe der Branche zusammengefasst. Und mit 3.500 Lemmata (ich habe nicht nachgezählt, weil ich noch nicht vollständig dem Wahnsinn verfallen bin) kann sich das Ergebnis sehen lassen.
Diese Sammlung funktioniert als genau das, was sie sein soll: Ein Verzeichnis von Fachbegriffen, das schnell zur Hand ist und alle wichtigen Begriffe knapp erläutert, manchmal etwas sehr knapp. Stellenweise scheint der Humor des Verfassers durch, etwa wenn „ABC“ seinen eigenen Eintrag erhält. Die Papierausgabe ist ohne Einschränkungen zu empfehlen. Mir stand die Kindle-Ausgabe zur Verfügung, die der Autor mir mit der freundlichen Bitte um eine Bewertung überlassen hat.
Die Kindle-Ausgabe hätte wahrscheinlich eine komplett eigene Formatierung vertragen, denn bei einem solchen Werk fällt der Verlust des schnellen Durchblätterns als Suchoption schon sehr auf. Die Navigation führt bis zum ersten Eintrag eines Buchstabens und von da an heisst es Suchen. Verweise sind als Links verwoben, dennoch ist die Suche nach einem Startpunkt einiges an Aufwand. Wahrscheinlich wäre es für Kindle sinnvoll gewesen, eine feinere Navigation einzusetzen, die innerhalb der Abschnitte Unterabschnitte definiert – etwa mit Links auf das jeweils erste Auftreten der Kombination zwei Buchstaben am Wortanfang. Und während es im Papierbuch keinen Verlust darstellt, auch Einträge zum Beispiel für die Casus des Latein zu haben, tragen diese auf Kindle einzig dazu bei, die Anzahl der Klicks zu erhöhen die nötig ist, einen Begriff zu finden.
Die Papierversion ist ein hervorragendes Nachschlagewerk, wenn auch die einzelnen Einträge meist sehr knapp ausgeführt sind. Eben gezielt zum schnellen Nachschauen. Für die Kindle-Ausgabe gilt dies im Grunde auch, sie ist nur nicht ganz so komfortabel nutzbar und bildet ein gutes Beispiel dafür, dass Papierbücher und eBooks manchmal einfach unterschiedliche Gestaltungsansätze erfordern.

Pacificas Antithese: Flotilla (Buch/Kindle)

Es gibt überraschend wenige Werke in der Science-Fiction, die sich explizit mit schwimmenden Städten beschäftigen. Das kleine Genre lässt sich durch zwei Werke sehr gut abstecken: Auf der einen Seite mein eigenes Introduction, auf der anderen Daniel Haights Flotilla. Pacifica in Introduction ist der hoffnungsvolle Versuch, durch Abstreifen einer falsch laufenden Geschichte und Gegenwart ein Utopia zu bauen; Colony D in Flotilla ist eine nur von Hoffnung und zwielichtigen Aktivitäten am Leben gehaltene Fischfabrik. Beide dürften unbewusst Bioshocks Unterwasserstadt Rapture viel zu verdanken haben und über diese Schiene findet sich dann auch Ayn Rands Erbe in all seinen möglichen Auswirkungen wieder. Das Leben einer solchen Stadt in drei Porträts: Aufbau (Pacifica), Untergang (Colony D) und Ruinen (Rapture).
Zur Geschichte: Teenager Jim wird im Rahmen seiner Kur vom drohenden Alkoholismus zu seinem geschiedenen Vater geschickt, der mit dem Boot Horner C Teil der schwimmenden Colony D ist, einer Art schwimmender Fischfarm im Pazifik vor Kalifornien. Die Kolonie ist dreckig und ihre Einwohner rangieren allesamt von bizarr bis zweifelhaft. Jeder Tag ist gefüllt von harter Arbeit und dem Leben auf dem Meer zum täglichen Leben notwendige Dinge abzutrotzen erweist sich als gewaltige Herausforderung. Dass Jims Vater ständig versucht, dem harten Leben als Fischfarmer zu entkommen, macht es ihm nicht einfacher, landet er so doch regelmäßig in den halbgaren Plänen seines Vaters. Und das sind die Tage, an denen es gut läuft…
Ein wenig kann Flotilla seine Leser vor den Kopf stoßen. Figuren verschwinden plötzlich aus der Handlung, andere kommen hinzu und es ist nie klar, wer für die Geschichte eigentlich wichtig ist und wer nicht. Das ist zwar realistisch, aber auch etwas lästig. Und auch der Fokus der Geschichte mag so manchen Leser überraschen: Es geht nicht um die Kolonie, es geht um Jims Erwachsenwerden. Dies ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte in einem sehr unklassischen Szenario. Und so endet die Geschichte dann auch einigermaßen abrupt und mit vielen offenen Fragen inmitten eines Kriegsausbruchs, nachdem Jim in das Erwachsenenleben hinein gefunden hat.

Gravity ohne meine zweitliebste Schwäbin: Tron Legacy (Film/Netflix)

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Hier ist eine Frage an alle aus meiner Generation und älter, aber nicht ein Jahr jünger: „Erinnert ihr euch an Tron?“ Okay, das war eine Fangfrage, die Antwort lautet natürlich: „Äh, naja, also, äh… sah gut aus!“
Seien wir ehrlich, die meisten kennen von Tron noch die Optik und ein-zwei beeindruckende Szenen wie das Motorradduell und den ersten Auftritt dieser komischen Tor-Raumschiff-Hybriden. Das Problem mit Tron Legacy ist, dass es ein besseres Gedächtnis hat als die Fans des Films (oder zumindest als ich). Ich bin sicher, die Geschichte um das ausser Kontrolle geratene Programm Clu, das ursprünglich die Welt des Grid zur perfekten Welt formen sollte, ist groß episch und bedeutsam. Nur ist der vorherige Film so lange her, dass die Geschichte zu einem in der Schwerelosigkeit treibenden hübschen Ornament wird.
Und wenn ich in der Schwerelosigkeit treibende hübsche Ornamente suche, bevorzuge ich Sandra Bullock in Gravity.

Teutates sei mit uns: Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät (Film/Netflix)

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Astérix bei den Briten ist wie alle Astérix-Filme vor 1990 ein hervorragender Trickfilm. Im Auftrag ihrer Majestät ist nicht Astérix bei den Briten.
Das Beeindruckendste an diesem Film ist die chirurgische Präzision, mit der alles Gute aus der vorherigen Verfilmung herausoperiert und durch langweilige Albernheiten ersetzt wurde, wie man sie in praktisch jeder modernen Komödie sehen kann. Die Überfahrt nach Britannien ist hier das beste Beispiel: Der Cartoon bringt die Piraten und einen der besten Witze des Films ein, der Realfilm macht daraus einen ereignislosen Abschnitt mit einem schmerzhaften Inder-Klischee. Nunja, wenigstens die Normannen waren lustig.
Erster und wahrscheinlich auch letzter Realfilm dieser Reihe, den ich gesehen habe.

City of Ember (Film/BluRay)

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City of Ember bekommt von mir noch nicht mal eine pseudo-clevere Überschrift. Hauptsächlich, weil ich drei Tage nach Ansehen schon wieder so gut wie vergessen habe, dass ich ihn sah.
Im Vorfeld eines vermutlichen Weltuntergangs (so ganz klar ist das nicht) wird die unterirdische Stadt Ember gebaut. Betrieben von einem einzelnen gigantischen Generator soll sie 200 Jahre überdauern, bevor sich eine Schatulle mit Anweisungen zum Verlassen öffnet. Doch die Schatulle geht verloren und das Amt des Präsidenten, der die Schatulle bewahrt, wird durch korrupte Nachfolger zersetzt.
Die 200 Jahre verstreichen und niemand bemerkt, wie sich die unter einem Schrank verstaute und vergessene Schatulle öffnet. Gefunden wird sie von der kleinen plänefressenden Schwester der Protagonistin. Von da an suchen zwei Holzplanken mit Namen, die ich bereits vergessen habe, nach dem Ausgang und kämpfen gegen einen korrupten Präsidenten, der so albern ist, dass er von Bill Murray gespielt wird.
Ein wenig wirkt City of Ember wie der Versuch eines Steampunk-Enthusiasten mit einer Kiste alter Glühbirnen, das Set von Metropolis nachzubauen und diesen Aufwand dann mit einem Film zu rechtfertigen. Das Ergebnis ist nett anzuschauen, hat aber irgendwie nichts zu erzählen.

Apnoe-Flachköpper: Rezension zu Free Rainer 0 

Dank Netflix sehe ich in letzter Zeit einige Filme, die ich schon lange schauen wollte. Einer davon war Free Rainer. Es kommt selten vor, dass ich zu einem konsumierten Medium nachher so viel sagen will, dass ich dafür einen Blogbeitrag bemühe. Free Rainer ist ein solcher Fall, einfach, weil er so ein seltsames Erlebnis war, zugleich aber auch unfreiwillig einige Probleme der gegenwärtigen Kulturdiskussion veranschaulicht.

Die Geschichte
Rainer ist der verkokste Produzent von strunzdämlichen Unterhaltungssendungen beim Privatsender TTS, einem hauchdünn verpackten Klon von RTL2. Nachdem er einen Anschlag schwer verletzt überlebt, kommt er als veränderter Mensch zurück – seine Fieberträume und die Geschichte der Attentäterin Pegah bringen ihn zu der Erkenntnis, dass seine Produkte den Menschen und der Gesellschaft insgesamt geschadet haben. Sein Versuch, eine Sendung mit mehr Anspruch ins Programm zu bringen, scheitert kläglich und er kündigt beim Sender, um der Ursache für die Volksverblödung durch das Fernsehen auf den Grund zu gehen: Den Quoten.
Nachdem er herausfindet, dass die Quoten tatsächlich die Sehgewohnheiten einiger weniger gemessener Haushalte darstellen, entwickelt er einen neuen Plan. Mit Hilfe einer kleinen Gruppe Arbeitsloser (und des paranoiden Sozialphobikers Philipp) manipuliert er die Einschaltquoten, um niveauvolle Sendungen plötzlich profitabel erscheinen zu lassen.

Kritik
Free Rainer anzuschauen ist ein seltsames Erlebnis. Man sieht ihn und während der Abspann läuft ist da dieses angenehme, warme Gefühl, etwas gehaltvolles gesehen zu haben. Kulturkritik, die Entwicklung der Vorstellung einer besseren Welt, nah genug an der unseren um wahr zu werden, ein Hoffnungsschimmer der Möglichkeiten, eine Eulenspiegeliade. Die Mischung aus konsensfähigen Überzeugungen (Marke „Reality TV ist scheisse und verblödet“), Humanismus (Der Mensch ist zu besserem fähig, man muss ihn nur anstupsen) und der Regisseur Weingartner eigenen Revolutionsromantik (noch deutlicher im Vorgänger Die fetten Jahre sind vorbei) ist die perfekte Droge für so manchen eher links gesinnten Geist. Dieses warme Gefühl, das da entsteht muss in etwa das sein, was andere beim Betrachten eines Heimatfilms empfinden, nur halt mit Revoluzzer- stat Alpenromantik.
Für einen Moment. Dann kommen die Fragen. Dann kommt die Erkenntnis, dass diese ganze Kulturkritik doch sehr simpel gestrickt ist.
Es sind anfangs nur kleine Misstöne, die man im Film bemerkt, aber als Nebensätze übersprungen hat. Dass der Film ein paar mal Schwarz-Weiss-Bild als visuellen Hinweis auf hohen kulturellen Wert des neuen Fernsehprogramms nutzt — geschenkt. Dass die Mathematik erschreckende Salti schlägt, wenn bei einem Prozentanteil ein Balken schrumpft, ohne dass andere steigen — na gut, das ist halt kein Film über Mathematik. Immerhin wird das Fernsehen ausgewogen dargestellt: Gutes wie schlechtes Programm existieren, das Medium selbst kann auf verschiedene Arten genutzt werden.
Aber schon da ist dieser kleine Moment, den der Film anschließend übergeht. In einer Diskussion, welche Programme gut sind, wirft einer der engagierten Arbeitslosen American Chopper ein. Im Film ist es nicht mehr als ein Gag, aber der wahre Kern geht dabei unter: Qualität ist zu großen Teilen subjektiv. Des einen Prollo-Mist auf Sendern wie DMax ist des anderen Arte-Äquivalent. Und warum eigentlich nicht? Einem Kunstkritiker eine Folge der Chrom anbetenden amerikanischen Motorradfans vorzuführen wäre ein ebenso amüsantes wie potenziell fruchtbares Experiment. Was genau macht einen Picasso (oder wegen der industriellen Reproduzierbarkeit vielleicht passender, einen Warhol) eigentlich wertvoller als eine Harley Davidson? Den Film interessiert die Frage nicht weiter. Aber das ist schon in Ordnung, denn der Film lässt für eine solche Diskussion keine Zeit, sie den Rezensenten zu überlassen ist wahrscheinlich kein Fehler.
Dann jedoch kodiert der Film weiter den Kontrast zwischen guter und schlechter Kultur. Kann man machen, wenn man über Inhalte spricht. Das aber tut Weingartner nicht. Er arbeitet mit Oberfläche. Bücher und die Oper werden als Indikatoren dafür benutzt, dass es der Kultur besser gehe. Videospiele und Musicals sind die Stellvertreter verdummender Unkultur. Während das Fernsehen differenzierte Betrachtung erhält, tauchen am Rande andere Medien als gänzlich gut oder schlecht auf. Sie sind auf Schlüsselreize reduziert, die ebenso unterkomplex die angelernten Reflexe der Zielgruppe auslösen, wie es jenes schlechte Fernsehen tut, dem der Film dies vorwirft. Dass der Großteil aller Bücher (auch aus den Verlagen) nach den meisten Maßstäben Schund ist, dass Videospiele sich mit ihren ganz eigenen narrativen Möglichkeiten zunehmend neben den anderen Kunstformen etablieren, fällt da unter den Tisch. Oper=Gut, Musical=Schlecht ist sogar eine Unterscheidung, die man nur treffen kann, wenn man ordentlich aus Vorurteilen schöpft (mir ist noch nicht mal klar, was genau der Unterschied sein soll).

Free Rainer leidet damit an Halbreflektiertheit. Der Film hat das sprichwörtliche Herz am rechten Fleck, trägt aber in sich die Saat dessen, was er kritisiert. Das Ansprechen von Schlüsselreizen in der Zielgruppe, letztlich die Grundlage, auf der das gerne kritisierte Schrottfernsehen es schafft, so viele Zuschauer anzuziehen: Es konzentriert sich auf die Schlüsselreize seiner (allerdings viel größeren) Zielgruppe.
So kann sich der links geneigte Zuschauer dem warmen Gefühl in der Brust hingeben, er habe grade etwas profundes, wahres, revolutionäres gesehen. Und wird damit selbst Opfer der Einlullung in einfache Denkmuster.
Es gibt nichts, was Free Rainer wirklich hinterfragt. Der Film baut Vorurteile des Kultursnobismus zu einer angenehmen Gutenachtgeschichte für die Anhänger eben jener.

Damit illustriert Free Rainer das Hauptproblem der gegenwärtigen Kulturdebatte: Es wird nur noch mit Vorurteilen umhergeschmissen. Diese und jene Medienerscheinung verblödet, jene andere hingegen ist richtige Kultur, was auch immer das eigentlich sein soll. Der gesamte Kulturbetrieb ist zu einem an mangelnder Selbstreflexion leidenden Zirkus geworden, dessen Publikum sich nur zu bereitwillig von einfachen Erzählungen einlullen lässt.

Aber wisst ihr was: Das geht in Ordnung. Das angenehm warme Gefühl in der Brust beim Ansehen einer Schmonzette ist durchaus ein Wert für sich, wenn man ihn zu dosieren weiss. Angenehme Gefühle dieser Art sollen ja sogar das Leben verlängern. Ob dieses Gefühl nun aus der Hochzeit am Ende oder der erfolgreichen Revolution folgt, ist dabei allerdings nur eine Frage von Nuancen. Beides ist in der selben Weise Schmonzette.

Andererseits, wenn ich mir die Verwendung von Musik im Film ansehen, die gerne mal dem Publikum vorschreibt, was es grade zu empfinden hat, kann es durchaus auch sein, dass das Regisseur Weingartner durchaus bewusst ist.

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eBook-Genreranking 16.11.2014 0 

Eine der häufigsten Fragen von Selbstverlegern im eBook-Bereich ist, welche Genres sich am besten verkaufen. Und entsprechend viele Methoden wurden entwickelt, diese Frage zu beantworten. Sei es der Bestsellerrang des bestverkauften Werkes, der Anteil der Genres an den Bestsellerlisten, das Ergebnis von Umfragen oder einfach die Voreingenommenheit des Feuilletons. Mir erscheint das alles wenig brauchbar, weil es jeweils auf zu wenig Daten beruht und schnell von einzelnen Titeln und Autoren, die im Trend liegen, aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.
Also habe ich noch eine Methode mitgebracht. Die ist hauptsächlich für meine eigene Marktübersicht gedacht, aber wenn ich das schon mache, kann ich es auch gleich noch um ein paar Genres ergänzen und dann das Blog damit füllen.

Die Idee ist, die Top100 jedes Genres zu nehmen und zu schauen, wo die jeweilige Nummer 1 und Nummer 100 in den Gesamtverkaufszahlen stehen. Damit habe ich einerseits den Rang des erfolgreichsten Buches, kann aber auch sehen, ob es sich bei diesem nur um einen Ausreisser handelt. Ich nutze hierfür Kindle, wiel die Daten von dort besonders einfach zu bekommen sind.
Kurzgefasst kann man sagen: Je höher die Nummer 1 im Gesamtranking und je geringer der Abstand zur Nummer 100, desto besser. Verfolgt man das über mehrere Wochen, sollten durch die schiere Datenmenge Trends erkennbar und statistische Spitzen abgefangen werden.
Ungefähr so:

Belletristik
Die Belletristik läuft ausser Konkurrenz, da es in Deutschland nicht üblich ist, diese als Genre zu betrachten. Das führt dazu, dass sich in ihr Bücher diverser Genres wiederfinden, etwa nahezu das komplette Romantik-Abteil. Eine echte Genre-Zuteilung ist für diesen Teil der Literatur nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, da das Genre stilistisch definiert ist und somit jedes Buch einzeln bewertet werden müsste.
Am ehesten entspricht der Belletristik bei Amazon die Kategorie „Gegenwartsliteratur“.
Und hier ist auch schon der Beweis. Die #1 ist zugleich der Bestseller bei den Liebesromanen, die #100 kommt im gesamten Kindle-Shop auf Rang 277. Damit wäre die Gegenwartsliteratur das zweit-erfolgreichste Genre auf Kindle, da es aber viele Vertreter der Genreliteratur (vor allem Liebesromane, Thriller, Krimi) mit umfasst, wäre alles andere auch sehr erstaunlich. Seine Top100 sind im Grunde eine Mischung aus den Top20 aller normalerweise in der Gegenwart spielender Genres. Das ist so ziemlich alles ausser Science-Fiction, Fantasy und historischem Roman.
Aber hey, vielleicht kann ja jemand etwas mit diesen Daten anfangen, vielleicht gibt es irgendwann in Zukunft sogar mal eine echte Überraschung und die gesamte Leserschaft stürzt sich auf Science-Fiction, hier sind sie also.
Dennoch interessant: Platz 100 ist übrigens mit 14,99 € das teuerste eingeflossene Buch im Bereich Fiktion. Der erste Platz ist von einer Selbstverlegerin belegt.

Liebesgeschichten
Kommen wir zum ersten echten Genre.
Wie gesagt ist Zauberhafte Weihnachten von Daniela Felbermayr zugleich der Bestseller in der gesamten Gegenwartsliteratur. Das ist ein guter Start für ihr Genre. Im gesamten eBook-Angebot nimmt es Platz 3 ein. Das andere Ende bildet Karola Löwensteins Gloomy Passion auf Rang 182. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der Romantik-Top100 sind zugleich in den Gesamt-Top100. Selbst alle anderen Genres zusammen können ein solches Ergebnis nicht übertreffen.
Allerdings wirkt das durch Bände mit mehreren Genres auch in andere Listen hinein: Die Nummer 8 unter den Liebesgeschichten findet sich als Nummer 1 in der Fantasy wieder. Doch dazu später mehr.
Es ist kein Geheimnis dass Romantik auf dem Kindle gut läuft, dieses Ergebnis erstaunt mich dann aber doch. Übrigens ist das noch ohne den ebenfalls sehr lukrativen Bereich der Erotik, da viele Werke aus diesem genre einer eigenen Erotik-Kategorie angehören. Bücher in der Kategorie „Erotik“ erhalten keinen Gesamtverkaufsrang, das ist Amazons Methode, die Bestsellerlisten „sauber“ zu halten.

Krimi/Thriller
Amazon packt beide Genres in eine Kategorie. Da die beiden aber auch nur sehr schwer zu unterscheiden sind, ist das wohl besser so. Sonst müssten wir uns nur streiten, wie legitim die Einordnung einzelner Bücher ist. Davon hat keiner was.
Hier haben wir ein beispiel für einen (allerdings nur sehr leichten) statistischen Ausreisser, den unsere Methode auflöst: Es handelt sich „nur“ um das zweit-erfolgreichste echte Genre (also ohne die Gegenwartsliteratur zu zählen), aber der Bestseller des Genres, Roger Stelljes‘ Die Minnesota-Verschwörung ist zugleich das zur Erhebungszeit meistverkaufte Kindle-Buch überhaupt. Diesmal kein Selbstverleger, aber fast, es handelt sich um die von Amazon angefertigte Übersetzung eines amerikanischen Selbstverlegers. Erstaunlicherweise der einzige deutschsprachige Titel dieses Autors.
Auf Rang 100 begegnet uns eine kleine Überraschung. Robert Galbraith ist Fantasy-Fans besser unter dem Namen Joanne K. Rowling bekannt. Auch wenn Rowlings Ausflug in den Krimi nicht als ihr Meisterstück gilt, ist es doch erstaunlich, dass sich 99 andere Werke, darunter vornehmlich Selbstverleger, vor sie stellen können. Insgesamt ist das eine nur hier und dort mit bekannten Namen gesprinkelte Liste. Dan Brown, Nele Neuhaus und Charlotte Link tauchen auf, spielen aber keine so große Rolle. Die großen Endlos-Serien aus der Bastei spielen überhaupt keine Rolle. Das war zwar auch bei den Liebesgeschichten so, aber angesichts der Größe von Namen wie Jerry Cotton überrascht es dennoch – bei den Romanzen finden sich wenigstens ab und an bewährte Marken wie Julia und Cora.

Fantasy
Immerhin noch auf die 16 im Gesamtangebot bringt es Mella Dumonts Fantasy-Bestseller Himbeermond. Dass das Buch gleichzeitig in der Liebes-Kategorie steht und dort auch gleich Rang 8 belegen kann, hilft sicherlich. Ihr Gegenstück am Hinterende der Top100 trägt den verwirrenden Titel HEROES Jägerherz – Hunter: Jägerherz – Hunter, bei dem ich nicht sicher bin, was nun der Untertitel wovon ist. Allerdings hat es auch hier Romantik-Elemente einschließlich eines Covers, welches so sonst nur in Erotik und Romanze auftaucht. Es erreicht im Gesamtvergleich nur noch die 970. Der Abstand zur den beiden größten Genres ist also schon sehr deutlich.
Die Ähnlichkeit der beiden Vertreter täuscht allerdings: In der Fantasy findet sich ein sehr lebendiges Gemisch von Subgenres, von denen keines echte Dominanz zeigt. Da steht romantische neben düsterer und diese dann neben epischer Fantasy. Urban Fantasy ist allerdings seltener vertreten, als einen der Hype glauben macht. Auffällig ist, dass die einzelnen Bände von Serien in der Fantasy regelmäßig sehr nah beieinander liegen. Nicht nur verkaufen Serien sich in der Fantasy gut, sie verkaufen sich auch noch am Stück.

Science-Fiction
Wieder mit ordentlichem Abstand kann Markus Sakeys Die Abnormen die SF-Charts anführen. Platz 40 ist es geworden, mit Sarah Marie Kellers Ein schwarzes Feuer am anderen Ende auf 2.880. Und als wäre das für SF-Autoren noch nicht unschön genug, sind die Top100 auch noch von einer einzigen Serie durchsetzt, mit der man mithalten muss. Ja natürlich, Perry Rhodan in all seinen Iterationen samt Spin-Offs und Sonderbänden. Perry Rhodan; Perry Rhodan Neo, Atlan… gegen den unsterblichen Unsterblichen ist in der deutschsprachigen Science-Fiction kaum ein Kraut gewachsen. Insgesamt laufen auch in der SF Serien gut, verteilen sich dabei aber anders als in der Fantasy über die kompletten Top 100.

Horror
Hier ist der zweite große Ausreisser in der Statistik. Andreas Adlons Bestseller im Horror schafft es insgesamt auf Platz 6. Im steht eine Ausgabe von Bram Stokers Dracula (!) entgegen, die es nur auf Rang 3.380 schafft. Das ist allerdings wenig überraschend, Horror war immer schon ein Genre mit einer solch seltsamen Zusammensetzung – einerseits verkauft er sich schlecht, andererseits macht er einzelne Autoren zu Millionären. Wahrscheinlich sähe es noch schlechter aus, wenn diverse Endzeit-Geschichten, die im Horror auftauchen, der Science-Fiction zugeschlagen würden.

Fachbücher
Wem Horror zu populär ist, dem seien Fachbücher ans Herz gelegt. Die reichen von Platz 442 (Michael Lietser: Endlich selbstbewusst!) bis zu 4.350 (Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst). Mit wenigen Ausnahmen sind das alles Ratgeber zu diversen Themen: Hilfe mit dem iPhone, Hausapotheke von seriös bis Homöopathie, jede Menge Selbstbewusstsein, Geld verdienen, Inspirationen und sonstige Selbsthilfe.
Das sind durchaus noch lukrative Ränge, aber man kann durchaus sagen, dass bei den Fachbüchern nur Geld verdient, wer es unter die ersten 100 schafft. Alles dahinter ist grob überschlagen Groschenpicken.

Naturwissenschaften & Technik
Wo wir grade beim Groschenpicken sind: Nur wahnsinnige und überzeugte gehen in diese Kategorie. Ich sage abe rnicht, zu welcher der beiden Gruppen ich zähle. Dr. Claudia Berger kann noch auf 1.075 warnen: Im Darm steckt der Tod. Das Grundwissen Mathematikstudium wird dagegen auf 10.045 vermittelt. Das bedeutet nach meinen Erfahrungen weniger als ein verkauftes Exemplar am Tag. Dass es zudem ein eBook mit einem Preis von 46,99 € in die Top100 schafft, dürfte als ähnlich große Warnflagge gelten: Wer mit eBooks Geld verdienen will, sollte sich tunlichst von den Naturwissenschaften fernhalten.

Fazit
Noch sind es nur sehr wenige Daten, aber es bestätigt sich, was andere Verfahren sagen: Romantik beherrscht den Kindle-Markt wie nichts sonst, andere Genres der Fiktion folgen mit merklichem, aber überwindbarem Abstand. Sachbücher dagegen sind für die Einkommen ihrer Verfasser eine Katastrophe mit sehr wenig Hoffnung auf nennenswerten Profit. Horror hat aktuell eine seltsame Verteilung in den Verkaufsrängen – insgesamt schwach mit einigen wenigen sehr starken Autoren im vorderen Bereich.
Mal sehen, wie die Trends in den nächsten Wochen laufen.

Daten erhoben am Sonntag, 16.11.2014 um ca. 20 Uhr

Infelix Austria 0 

Zeit mit Fremdsprachen anzugeben, die ich nicht kann. Oder mit der Fähigkeit, ein Wörterbuch zu benutzen um zu schauen, was das Gegenteil zu „felix“ ist. Oder abeer mich als Nichtjurist mit Rechtsfragen zu beschäftigen, weil sie mich betreffen. Moment, das lässt sich steigern: Mit internationalem Recht, und zwar Steuer- und Verlagsrecht zugleich. Ohne Netz und doppelten Boden!

Österreich hat vorgestern beschlossen, dass sein Buchpreisbindungsgesetz in Zukunft auch für eBooks gilt. Das Gesetz allein scheint recht harmlos zu sein. Albern und ein Rückschritt, wenn man bedenkt, dass eBooks mangels individueller Liefer- und Herstellungskosten keinerlei Preisevorteile für Großkonzerne bieten, aber harmlos.
Man will halt das Kulturgut Buch schützen. Warum man grade dieses Kulturgut schützt und nicht etwa das Kulturgut Film, Musik oder Theater — weiss der Geier. Das ist jetzt nicht das Thema.

Das Thema ist der Widerstreit zwischen Buchpreisbindung und unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen. Ich hatte bereits 2012 darauf hingewiesen, dass dies problematisch sein könnte.
Dazu muss man wissen, dass sich zum 1. Januar die Zuordnung der Mehrwertsteuerschuld beim Verkauf digitaler Waren in Europa ändert. Wurde diese bisher nach dem Sitz des Verkäufers zugeordnet, geschieht dies in Zukunft über den Wohnsitz des Kunden. Das allein bringt schon Probleme mit sich, die ich im August im englischen Blog geschildert habe.

Österreich hat das Ganze für Selbstverleger von einer schwierigen Situation zu einer Katastrophe gesteigert. Wieso? NUn:

1. Unsere eBooks werden in Zukunft in Deutschland und Österreich unterschiedlich besteuert.
2. Bei Amazon funktioniert die Preiseingabe über Angabe des Nettopreises. Österreich und Deutschland werden beide über amazon.de beliefert (amazon.at ist nur eine Maske) und verfügen somit über nur ein Feld für die Preisangabe. Damit bekommen Deutschland und Österreich für Käufe über Amazon unterschiedliche Bruttopreise.
3. Andere Händler wie Apple und die Tolino-Grupppe (Thalia, Weltbild, Buecher.de und weitere) nehmen den Bruttopreis als Grundangabe entgegen und verkauft dadurch an beide Länder zum selben Preis.
4. Das bedeutet, eBooks sind in Österreich (bzw.. für österreichische Autoren in Deutschland) bei verschiedenen Händlern unterschiedlich bepreist. Und das ist nach dem in beiden Ländern vorhandenen und auf deutschsprachige eBooks angewandten Buchpreisbindungsgesetz in beiden Ländern illegal.

Es gibt ein paar wahrscheinlich mögliche Lösungen. Schauen wir mal:
a) Nicht mehr bei Amazon verkaufen – angesichts der Bedeutung von Amazon die schlechteste Option
b) Exklusiv bei Amazon verkaufen – das wird wohl die häufigste Reaktion, da Amazon der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Verkäufer ist. Na, das Gesetz schützt den Buchhandel ja toll, liebe Österreicher!
c) Über Distributoren verkaufen – das bedeutet natürlich zusätzliche Umsatzeinbußen durch den Anteil, den der Distributor für seine Dienste vom Buchpreis nimmt, ist aber wohl die beste Option. Das Problem der Preisangleichung liegt dann bei den Distributoren.
d) Amazon mit einer separaten Ausgabe für Deutschland oder Österreich beliefern, die einen an die Steuersätze des anderen Landes angepassten Nettopreis erhält. Der konkrete Prozess ist einigermaßen kompliziert, ausserdem hat man dann jedes eBook zweimal zu verwalten.

Und dann ist da noch das Problem des Verkaufs deutschsprachiger Werke bei Händlern, die nicht originär in Euro arbeiten, also etwa Smashwords und Lulu. Diesen Sonderaspekt werde ich gar nicht erst anpacken, aber wer eine Promotion in internationalem Recht schreiben will, darf sich gerne herausgefordert fühlen.

Und erneut ist selbstverlegen von eBooks in Europa komplizierter geworden, als unbedingt nötig. Und gleichzeitig wird die Marktmacht von Amazon weiter gestärkt, indem man den Autoren einen neuen Grund gibt, Amazon exklusiv mit Inhalten zu beliefern.
Aber um das zu wissen, hätte der österreichische Bundestag ja einen Selbstverleger als Experten einbestellen müssen. Oder wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Aber seit wann bestellt man in Parlamenten Experten, die tatsächlich wissen, wovon sie reden, wenn man doch ein hübsches Gesetz einführen will, mit dem man das ebenfalls nicht aus Experten bestehende Volk erfreuen kann?

Khamel und wie Gladbach Kalmrill wurde 0 

Während ich andernorts ein paar Probleme mit BoD habe, hatte ich ja noch einen Artikel zu Khamel zugesagt und dazu, wie Mönchengladbach mit Kalmrill zu einem Fantasy-Gegenstück gekommen ist. Hier isser:

Khamel

Wahrscheinlich die biblischste Geschichte die ich je geschrieben habe. Khamel folgt in 1.400 Wörtern (ich fasse mich ungern unnötig lang) der Hexe Larina, die ein Jahr zuvor ihren Assistenten Khamel durch ein Nadelöhr geschickt hat und ihn jetzt zurückholen will, um ihr Kunststück abzuschließen. Zugleich beendet sie damit ihre Ausbildung zur Hexe des höchsten Ranges, einer berühmten Hexe.
Die Idee geht zurück auf den Scherz eines US-Komikers (ich weiss leider nicht mehr, welcher), der meinte, Kreationisten wären Menschen, die keine Metaphern verstehen und deshalb beim Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr an ein reales Ereignis mit einem Nähwerkzeug und einem sehr unglücklichen Paarhufer denken.
Ich fügte dem Kamel ein H hinzu und kam so auf einen real existierenden arabischen Männernamen, einfach weil man auch in meinen Fantasy-Geschichten mit Kamelen nicht sprechen kann. Ich wählte ein Zauberstück als passenden Kontext für ein Szenario, in dem es Sinn machen würde, durch ein Nadelöhr gehen zu wollen. Und so kam Larina hinzu, deren Name ein reines Fantasieprodukt ist.
Sie begegnet nun den Hoffnungen, die ihre Taten in den Bewohnern des recht unbedeutenden Städtchens Kalmrill aufkeimen lassen, bevor sie schließlich bereit ist, ihr Werk zu vollenden.

Kalmrill

Eines vorab: Dass Kalmrill und Khamel sich lautlich so ähnlich sind, ist ein absoluter Zufall. Es fiel mir überhaupt erst auf, als ich die deutsche Übersetzung von Khamel anfertigte. Aber wie kam es nun zu Kalmrill?
Khamel sollte ursprünglich in einer beliebigen Fantasy-Stadt spielen. Doch da spielte mir mein Unterbewusstsein einen Streich. Es gehörte zur Geschichte, dass Larina die Stadt durch ein Tor betrat und sich zum Marktplatz begab. Mein Geist war so tückisch, mir in diesem Moment ein Bild der Weiherstraße in Mönchengladbach zu liefern, mitsamt dem einst dort vorhandenen Stadttor.
Von da an war es logisch: Mönchengladbach war mit seinem historischen Aufbau im Bereich innerhalb der einstigen Stadtmauer nahezu perfekt — ein klar definiertes Stadtgebiet, Rathaus und Münster direkt am Tor zwischen Mauer und Marktplatz und ein Marktplatz mittig auf der Hügelkuppe. So wurde Mönchengladbach der Ort meiner Geschichte.
Es passte gut — die Geschichte sollte ohnehin in einer Welt spielen, welche die unsere ist, nur ergänzt darum, dass fast alle Mythen und Legenden unserer Welt wahr sind, insbesondere die lokalen. Wo wir Geldern finden, gibt es dort den Sumpf des Drachen Gelre. Auf den Dächern von Paris leben Gargoyles, die amerikanische Prärie wird von den mythischen Bestien der Indianerlegenden bewohnt, all sowas.
Nun schrieb ich die Geschichte in Englisch und „Gladbach“ ist in Englisch kein guter Name. Klingt auch nicht gut: Glädbätsch. Also musste ein guter englischer Name her. Mein alter Scherzname Friar’s Even Creek war das auch eher nicht.
Aber dann ging ich andere Übersetzungen für „glatt“ durch und kam recht schnell auf „calm“, also ruhig, jener Aspekt des zentralen Baches, der ihm den Namen des glatten Baches gegeben hatte. Ein Thesaurus brachte mich auf das seltene Synonym „rill“ für „creek“, das englische Geschwister unserer deutschen Rille. Calmrill. Ja, das funktionierte, Calmrill. So könnte gut ein Ort im Auenland heissen.
Bei der Übersetzung ins Deutsche beschloss ich, den Namen eingedeutscht beizubehalten und nicht zu Gladbach zurück zu übersetzen. Und so kam das Fantasy-Gegenstück von Gladbach zum Namen Kalmrill.

Kommerz

Newsletter-Empfänger durften bereits gestern in den Genuss der Geschichte kommen, alle anderen können sie im Laufe der Woche in allen wichtigen eBook-Shops für 0,49 € erwerben, je nachdem, wie schnell diese die Veröffentlichung aufnehmen. Sie wird ausserdem über readfy und Skoobe zum Ausleihen bereit stehen.

eBook-Umstelleritis 1 

Nachtrag Die Gratis-Aktion ist nicht möglich, da es technische Probleme mit BoD (der selbe Drecks-Editor wie bei Neobooks, fertig hochgeladene ePubs werden von diesem hier sogar kurzerhand zurechtgestutzt) gab und ich auf Xinxii ausweichen musste, die diese Möglichkeit nicht bieten./Nachtrag

Die nächsten Tage wird es ein paar Veränderungen bei meinen eBooks geben. Links verändern sich, Bücher werden kurze Zeit nicht mehr lieferbar sein und danach an neuen Stellen auftauchen. Hier ist eine Übersicht, was passiert, warum und was das für die Leser bedeutet. Und wieso ich nächste Woche drei eBooks verschenke.

Stand der Dinge

Beinahe vier Jahre ist es nun her, dass ich mein erstes eBook bei Amazon zum Verkauf gestellt habe. Das war am 17. November 2011. Im Internet eine Ewigkeit, in der sich entsprechend viel verändert.
Damals war Amazon meine erste und einfachste Plattform – die Dateien waren leicht zu erstellen und da sie aus html bestanden, bis zum letzten Punkt kontrollierbar ohne dass die Ergebnisse zu rigide wurden. Das Mobi-Format war großartig, ePub erschien mir zu überladen und zu uneinheitlich. Zwar war es immer der Plan, später auch auf anderen Plattformen zu veröffentlichen, aber Amazon hatte Priorität.
Doch der Markt wuchs ständig und bald wollten auch andere Stücke vom Kuchen – vor allem in Deutschland entwickelte sich mit Tolino ein echter Konkurrent. Wer in Deutschland am Markt bestehen will, muss heute auf beiden Plattformen sein: Tolino und Kindle. Ein paar andere wie Google Play und iBooks schaden auch nicht. Doch das war nicht unbedingt einfach, es gab keinen direkten Einstieg wie bei Amazon mit seinem Kindle Direct, man musste als Selbstverleger über Dritte gehen.
Dazu kommt ein neues Problem: De facto erfolgt für europäische Selbstverleger eine heftige Mehrwertsteuererhöhung für über Amazon und iBooks verkaufte eBooks, von 3% auf 19%. Die eBooks mit einem Preis ab 2,99 € können das ab, aber bei denen darunter ist das wegen der ohnehin geringeren Tantiemen (nur 35% statt 70% vom Nettopreis) ein empfindlicher Einbruch. Und viele meiner Bücher, darunter die Meilensteine der Evolution als mit Abstand erfolgreichstes Produkt fallen in diese Preisklasse. Durch den vertrieb über einen Dienstleister kann ich diesen Effekt mildern, ohne die Preise anzuheben (für die Meilensteine etwa von 1,49 € auf 1,99 €).
Ich habe in letzter Zeit mit Methoden experimentiert, meine eBooks auf anderen Plattformen unterzubringen. Und jetzt endlich habe ich ein Modell dafür, wie ich meine Distributoren nutze. Das muss ich jetzt umsetzen:

Deutsche eBooks unter 2,99 €: BoD
Deutsche eBooks über 2,99 €: Amazon KDP + Xinxii
Englische eBooks: KDP + Draft2Digital
Papierbücher: epubli oder BoD, je nachdem welcher für das jeweilige Projekt günstiger ist

Was sich ändert

Von den Änderungen sind die folgenden Bücher betroffen:
Meilensteine der Evolution – alle Bände: Diese sind bisher bei Amazon KDP gelistet und werden in Zukunft zu BoD übergehen. ich kann aus vertraglichen Gründen nicht gleichzeitig über BoD und direkt über Amazon an Amazon liefern, weswegen ich den Vertrieb entsprechend umstellen muss.
Die Meilensteine werden weiter bei Amazon erhältlich sein, aber für etwa einen Tag werden sie aus dem Shop verschwinden, um später mit neuer ASIN (und somit unter neuen Links) wieder aufzutauchen. In den folgenden Tagen werden sie bei weiteren Shops auftauchen, darunter iBooks und die Shops der Tolino-Allianz (u.a. Thalia, Weltbild, lokaler Buchhandel) sowie bei den Leihdiensten Skoobe und readfy.
Das bedeutet leider auch, dass bisherige Amazon-Käufer zukünftige Aktualisierungen der Reihe nicht mehr erhalten werden. Um das auszugleichen (und zugegebenermaßen auch als Werbeaktion) werden die drei bisher erschienenen Bände der Reihe bis einschließlich Mittwoch gratis verfügbar sein. Je nachdem, wie schnell BoD die Änderungen danach durchführt evtl. auch bis Donnerstag, aber darauf würde ich mich als Leser nicht verlassen ;-)
Das gilt für alle Shops, welche die Bücher der Reihe bis dahin in ihr Sortiment aufgenommen haben. Danach gehen die Bücher dauerhaft auf die gewohnten 1,49 € Verkaufspreis.

Unter Wittgensteins Löwen: Das Schicksal der Löwen ist weniger radikal. Bei Amazon ändert sich gar nichts, nur die übrigen Shops werden einen kleinen Schluckauf bekommen, während ich den Vertrieb der ePub-Version von Neobooks zu Xinxii übertrage. Damit habe ich auch die Möglichkeit, die ePub gestalterisch meinen relativ hohen Ansprüchen an die Kindle-Version anzupassen, so dass beide Versionen in Zukunft absolut gleichwertig sind. Der für mich überraschend lästig aufgebaute Editor von Neobooks hatte mir da übel mitgespielt.

Die Zukunft

Ein Mal umgesetzt sollte danach wieder alles glatt laufen.
Seit mittlerweile drei Monaten bin ich mit meiner Produktivität sehr zufrieden. Die deutsche Übersetzung von Khamel ist fertig, aber ich musste nachträglich noch ein paar Tippfehler bereinigen (Newsletter-Empfänger haben die Geschichte heute in fertig korrigierter Form als Bonus erhalten). Bei einer Geschichte von nur 1.400 Wörtern sehr unangenehm, sowas übersehen zu haben. Da ich wieder neue Ideen habe, werden zudem die Meilensteine nicht so schnell enden.
Ansonsten habe ich für die Zukunft noch ein paar Überraschungen im Ärmel, die aber dann inhaltlicher Art und garantiert nicht so lästig wie die Vertriebsumstellung.
Und morgen erzähle ich euch dann von Khamel, der Stadt Kalmrill und wie Mönchengladbach ein Fantasy-Gegenstück bekam.

Neues eBook „Unter Wittgensteins Löwen“ – und ein Fisch 0 

Und dabei bin ich doch Steinbock

Unter Wittgensteins Löwen ist fertig, das Buch über mein Verhältnis zur Religion als Nichtgläubiger. Es enthält den wichtigsten Fisch meines Lebens (siehe links), einen frechener Vogel in der eickener Fußgängerzone und natürlich Löwen. Ausserdem Anita Sarkeesian, Immanuel Kant und ein bisschen auch Ludwig Wittgenstein. Karlheinz Deschner in einem Nebensatz. Das nenn ich mal ein Crossover!
Daneben war es auch mein erster Gehversuch mit Neobooks und sagen wir mal so: Ich werde in Zukunft noch andere Optionen ausprobieren, eBooks bei den Tolino-Händlern ins Programm zu bringen.
Doch eins nach dem anderen.

Buchlinks
Beginnen wir mit dem Kommerz für alle, die diesen aller Voraussicht nach ziemlich langen Beitrag nicht komplett durchlesen wollen. Unter Wittgensteins Löwen ist ab sofort erhältlich bei Amazon (Kindle) und Neobooks (ePub, PDF), weitere Händler folgen in den nächsten Tagen über Neobooks‘ Netzwerk, darunter auch die Tolino-Händler. Preis: 2,99 €. Eine Papierversion folgt im Oktober.

Von Facebook zum eBook
Dieses Buch geht auf Diskussionen um das Thema Religion und Glauben zurück, die im Juni/Juli dieses Jahres an mehreren Stellen und angeregt durch verschiedene Beiträge auf Facebook statt fanden. Es ist schwierig, alte Facebook-Einträge wiederzufinden, deshalb versuche ich es erst gar nicht; das ist einer der Gründe, warum ich Facebook nicht als Blog-Plattform nutze. Den damaligen Mitdiskutanten von der „Gegenseite“ habe ich im Buch eine Danksagung zukommen lassen: Wilbert Schiffeler, Martin Püschel, Peter Beckers.
Manch einer mag sich an meinen damaligen Blogbeitrag zum Thema erinnern, in dem erstmals der Bezug zu Wittgensteins Zitat aufschien, das mir damals schon für meine Verwirrung der Religion gegenüber so perfekt erschien: Leben mit Wittgensteins Löwen oder: Religion und ich

Wenn der Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen
– Ludwig Wittgenstein

Vieles blieb damals offen, weil es nicht zum Kernthema des Beitrages gehörte oder weil ich einige Dinge nicht kannte – etwa eine reihe von nicht-personellen Gottesvorstellungen oder auch den christlichen Atheismus. Das Buch füllt viele dieser Lücken und geht in deutlich fundamentalere Kritik der Prämissen hinter religiösen Vorstellungen und Argumenten gegen den Unglauben oder Atheismus. Das hat natürlich auch zu neuer Beschäftigung mit dem Thema geführt. Und damit nicht eben zu einer Besänftigung meiner Empfindungen der Religion gegenüber.
Meine Grundauffassung ist, dass jeder Mensch jede Freiheit genießen soll, die nicht die Freiheit anderer Menschen übermäßig einschränkt. Die unmittelbare Folgerung daraus wäre Ignostizismus oder Apatheismus, Positionen, die daraus bestehen, die Religionen einfach zu ignorieren und sich nicht weiter mit ihnen zu beschäftigen. Sollen die Gläubigen doch glauben, was sie wollen, was geht das mich an. Doch diese Position ist zum Ende durchdacht nicht haltbar, wenn sie nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Der damalige Schluss, dass Neutralität in der Frage der Religion kein gangbarer Weg sei, so lange sich die Religiösen ständig in die Belange der Gesamtbevölkerung einschließlich ihrer anders- und nichtreligiösen Mitglieder einmischen, hat sich in der Zwischenzeit nur noch bestärkt.
In anderen Kontexten bringt man das auf die Formel „Keine Toleranz der Intoleranz“.
Es gibt dabei ein paar Kollateralschäden, die sich erst in längerer Form herausarbeiten lassen. Die Idee von den Lehren der Geschichte erhält in einem Kapitel zu den Verdiensten (und Untaten) im Namen des Christentums Schlagseite. Dem Begriff der Seele ergeht es noch deutlich schlechter. Und die Unterteilung in gute Gläubige und böse Extremisten wird auch gut durchgegrillt.
Dabei ist es eigentlich ein relativ dünnes Buch, problemlos an einem Nachmittag durchlesbar. Ich mag es halt nicht, Themen ohne triftigen Grund ewig in die Länge zu ziehen. Einige Themen erschienen mir auch nicht wichtig genug, ihnen ein Kapitel zu widmen, etwa das Argument, am Christentum müsse doch etwas dran sein, wenn es so viele Anhänger hat. Ja klar, und Justin Bieber muss einer der größten Musiker der Welt sein, seht nur seine Follower-Zahlen! Wenn die Fragen oft genug kommen, gibt es vielleicht eine Fortsetzung oder erweiterte Neuauflage.

Der wichtigste Fisch meines Lebens
Das Buch enthält — abgesehen vom Titelbild — genau eine Abbildung, den ganz oben in diesem Beitrag gezeigten Quastenflosser. Ich habe ihn in den letzten Tagen und auch im Buch als den wichtigsten Fisch meines Lebens bezeichnet. Und nun zur Geschichte hinter diesem Fisch, die sich natürlich auch im Buch findet, gleich im ersten Kapitel nach dem Vorwort.
Es begab sich einst, dass ich ein Kindergartenkind war. Das war Ende der 80er, wenn mich nicht alles täuscht 1986–1988. Dort fand ich neben vielen anderen Dingen eine Art von Spielzeug, die etwas mir völlig fremdes und faszinierendes zeigte: Eine Serie von Stempeln mit Tieren der Urzeit. Sie beruhte auf den immer wieder aufgelegten Bildern von Zdeněk Burian und hatte bei der Umsetzung in die einfarbige Welt der Kinderstempel wenig von deren eindrucksvoller Wirkung verloren.
Der Eusthenopteron war es, der mir davon am stärksten in Erinnerung geblieben ist und so wurde er der Quell meiner lebenslangen Faszination für das Leben der Urzeit, für die sich ständig verändernde Welt und für die unerforschte Umwelt ausserhalb des Lebensbereichs der Menschheit. Es weitete sich bald aus zu einer Faszination für exotische Tiere an sich und bald auch zurück auf heimische Tiere — mein Weg zum Interesse am damals aufblühenden Thema Umweltschutz war geebnet.
Und eben über die Evolution auch jener in den Atheismus. Der Fisch passte nicht zu dem, was die Lehrer mir später in Reli erzählen wollten. Eusthenopteron sowie meine zu diesem Zeitpunkt bereits vorhandenes Wissen, dass Märchen und Fernsehsendungen nur erfundene Geschichten waren, ließen mich die Geschichten der Christen sofort in die selbe Welt der Märchen und Legenden einordnen. Ich kannte Eusthenopteron, ich hatte von einigen anderen Wesen der Urzeit wie dem Neandertaler sogar Knochen gesehen (damals noch im wunderbar provinziellen Fuhlrott-Museum in einem Fachwerkhaus im Wald). Vom Christentum dagegen war ich bis zu meiner Schulzeit weitgehend unbeleckt.

Mein erstes eBook über die Evolution hatte selbstverständlich Quastenflosser

Auch wenn der Fisch meinen Atheismus sicher nicht allein verursacht hat, er markiert doch einen wichtigen Punkt in dieser Entwicklung. Es war eine nicht so abwegige Entwicklung, die Welt als ständigem Wandel unterworfen und eben nicht fertig geschaffen zu betrachten, wenn die Welt sich doch in genau dieser Zeit völlig veränderte. Erst verschwand die DDR, dann die Schallplatte, dann die Schreibmaschine und viele Kleinigkeiten. 1993 kam Jurassic Park auf einer nie dagewesenen Welle popkultureller Präsenz für die Dinosaurier, die sich bereits Ende der 80er aufzubauen begonnen hatte und die mich mit voller Breitseite traf. Eine Welle mit Fischbestand.
Und ich habe ihn noch. Ich weiss nicht mehr, ob mein Fisch der aus dem Kindergarten war oder ob ich ihn später kaufte. Einige dieser Stempel hatte ich gekauft, bei Spielwaren Gerads am Harmonieplatz in Rheydt, ich glaube, sie hatten damals eine DMark gekostet. Auf jeden Fall wusste ich beim Schreiben des Buches noch, dass ich ihn in irgendeine Kiste voller Spielzeugdinosaurier gepackt hatte.
Also habe ich für dieses Buch die alten Spielzeugkisten hervorgekramt, mich durch Schichten von Dinosauriern (und gelegentlich mal einem Matchbox-Auto und jeder Menge Lego) gegraben und mir dabei nur deshalb keine Staublunge eingefangen, weil der Staub so dick war, dass er sich nicht mehr ohne Absicht aufwirbeln ließ. In der vorletzten Kiste fand ich sie dann, fünf Stempel: Brontosaurus, Pteranodon, Eryops, Irischer Elch und eben Eusthenopteron.
Dieses Buch war in meinen Augen nicht komplett ohne meinen Fisch. Und so borgte ich mir im Grünen Büro ein Stempelkissen (mein eigenes war knochentrocken), stempelte Eusthenopterons auf ein Blatt Papier, kämpfte mit einem vor Jahren aus dem Schrott gezogenen halb defekten Scanner, den ich noch nie installiert geschweige denn verwendet hatte (sonst hätte ich gewusst, dass er halb defekt war).
Ich schnitt den besten Abdruck aus, konvertierte das ursprünglich blaue Bild in schwarz-weiss, um es auch in der Papierausgabe ohne zusätzliche Kosten nutzen zu können und setzte ihn als finales Stückchen in den Code der Buchdatei ein.

Neobooks
Und nun zu etwas völlig anderem: Erneut habe ich mit einem eBook ein Experiment gewagt, dieses Mal war es der Versuch, das eBook auf dem deutschen Markt auch als ePub herauszubringen. ePub ist das Format, das die meisten eBook-Reader lesen können, auf denen nicht „Kindle“ steht. Dafür entschied ich mich wegen der guten Konditionen und des großen Vertriebsnetzes für Neobooks.
Ich muss sagen, ich bin nicht begeistert. Neobooks nimmt keine fertigen ePub-Dateien, sondern verlangt explizit eine DOC- oder DOCX-Datei, also Word. Das allein wäre nur leicht lästig, leider akzeptiert Neobooks aber allem Anschein nach auch keine Word-Dateien, die von LibreOffice erzeugt wurden, wenigstens keine halbwegs komplexen. Ärger, den man sich hätte sparen, wenn man eben einfach fertige ePubs einschicken könnte.
Also musste der Online-Editor die Arbeit übernehmen. Glücklicherweise war das Buch schon geschrieben, doch was war das — ich kann bei Neobooks nur in Kapiteln schreiben? Alles, was vor dem Inhaltsverzeichnis kommt, ließ sich nicht eigenständig erstellen? Und auch nur mit eingeschränkten Layout-Fähigkeiten, zum Beispiel ohne die Möglichkeit eines Seitenumbruchs innerhalb eines Kapitels, wie er in meinen Meilensteinen der Evolution ständig und in Unter Wittgensteins Löwen immerhin noch ein Mal vorkommt?
Hrmph.
Am Ende bastelte ich eine gut lesbare ePub-Version zusammen, die ich guten Gewissens so verkaufen kann, aber dennoch muss ich sagen: Die Kindle-Version ist in der Gestaltung deutlich besser und wer die Wahl, dem empfehle ich diese, der Preis ist ja mit 2,99 € identisch.
Neobooks nehme ich nicht wieder und werde statt dessen für die ePub-Ausgaben der Meilensteine der Evolution Xinxii ausprobieren.

Und was kommt jetzt?
Ich habe noch mein eBooks für die 8-Hour-Fiction-Challenge September 2014 fertigzustellen und werde somit übers Wochenende ins Englische wechseln, wo die Kurzgeschichte Khamel in einem Fantasy-Gegenstück zu Mönchengladbach namens Calmrill/Kalmrill wartet. Die Geschichte werde ich später mit Sicherheit auch noch ins Deutsche übersetzen.
Danach folgt Zackigen Zahnes und nach dessen Fertigstellung Anfang Oktober werde ich mich um die ePub-Versionen der bisherigen Bände der Meilensteine sowie um die Papierversion von Wittgensteins Löwen kümmern. Ob die Meilensteine dann auch Papierversionen erhalten, überlege ich noch, Versionen mit farbigen Illustrationen sind aber im Moment im Selbstverlag auf jeden Fall noch zu teuer.

Run for Cover 1 0 

Ich grab dann mal nach dem Dino-Dienstag eine zweite alte Serie in diesem Blog aus, die Cover des Monats. Mit einem Unterschied: Statt den 10 besten Covern, die ich vergangenen Monat gesehen habe, stelle ich mir jetzt (mehr oder weniger) wöchentlich eine Reihe von eBook-Covern vor, die mir aufgefallen sind, egal auf welche Weise.
Warum sind sie mir aufgefallen, was kann man meiner Meinung nach aus ihnen aus ihnen lernen? Nun (Bildlinks führen zu Amazon):

Diese zwei sind Variationen der selben Idee, die mir sehr gut gefällt: Bei historischen Büchern historische Stile von Illustrationen zu verwenden.
Die Hure Babylon ist das offensichtlichere Beispiel und solche Cover sieht man häufig.
Wirklich interessant ist Sak K’uk, weil es den Stil eines modernen Fantasy-Covers mit Elementen der alten Maya-Malerien kombiniert. Die beiden Personen im Vordergrund sind ein direkt modernisiert umgesetztes Maya-Motiv und der Stil des ursprünglichen Bildes bleibt in der Gesichtsform und Körperhaltung erhalten. Kein Mensch sitzt so, aber in den Darstellungen der Maya taucht genau diese Pose so auf. Eine subtile Art, potenzielle Leser, die nach Maya-Bezügen suchen zu zeigen, dass dieser Bezug besteht.

Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun, wenn man nicht riskieren will, verklagt zu werden, sobald es die falschen Leute merken. Beispiel hier: Mermaid Spell. Das Cover ist eine gestauchte Version eines offiziellen Posters für den vierten Teil der Filmreihe Fluch der Karibik, auf dem Bild die Meerjungfrau Syrena aus eben diesem Film.
Das ist der Grund, warum man sein Bildmaterial nicht aus irgendwelchen zwielichtigen Wallpapersammlungen im Internet beziehen sollte, sondern aus Quellen, bei denen Ursprung und Rechte der Bilder klar sind – Stock Photo Seiten, Universitäten, Wikipedia, staatliche Seiten, solche Quellen halt. Grade Disney klagt ziemlich gerne und schnell bei unberechtigter Nutzung seiner Bilder.
Im Zweifelsfall solle man immer die Google-Bildersuche bemühen, die eine Funktion bietet, ähnliche oder gleiche Bilder zu einem vorhandenen Bild zu finden. Man findet diese, indem man bei Google in die Bildersuche geht und dann rechts im Suchfeld die kleine Kamera anklickt. Es ist eines der nützlichsten Werkzeuge für die Suche nach der Quelle eines Bildes, die es gibt. Nutzt es.
Davon abgesehen ist das extrem verzerrte Bild auch nicht grade nett anzusehen.

Hier eine kurze Erinnerung, dass manche Urteile einfach nur subjektiv sind. Am Ende kommt es immer wieder auf individuellen Geschmack an und man kann nicht alle zufrieden stellen.
Worauf ich hinaus will? ich finde laufenden Eigelb ziemlich widerlich und esse nur hartgekochte Eier.
Die Lehre hieraus ist diese: Manchen Menschen kann man es halt nicht recht machen. In einem gewissen Maße sollte man das nie vergessen.

Hier ausnahmsweise mal ein Papierbuch, das Cover eignet sich aber wegen seiner Einfachheit auch gut für ein eBook. Und dann auch noch eines, mit dessen Aussage ich vorne und hinten nicht überein bin. Aber auch, wenn ich die Idee von Europa als zweiten Fall Roms für falsch halte, das Cover transportiert sie hervorragend.
Die Idee ist, dass die EU ähnlich Roms an der Schwelle zum Übergang in eine Diktatur steht. Dafür kombiniert das Coverdesigner die beiden runden Symbole beider Staatengebilde – die zwölf Sterne beziehungsweise den Lorbeerkranz – zu einem gemeinsamen Mischsymbol, ein erster Hinweis auf die Gleichartigkeit, in der es in dem Buch geht. Schöne Bildsprache.

Hier ist ein Geheimnis: Wenn ihr wollt, dass ich euer Buch kaufe, packt einfach ein seltsames fiktives Tierchen drauf. Funktioniert allgemein für Science Fiction und Fantasy und diese Gleithörnchenspinne hier ist fast perfekt.
Nicht nur ist es seltsam, es ist auch noch pelzig und niedlich und hat Glubschaugen. Ich will so eins. Jetzt! Wo krieg ich so eins?
Das einzige Problem sind ein paar anatomische Plausibilitätsprobleme: Was bitte soll das für eine Flügelkonfiguration sein? Und fliegen die etwa, indem sie Feuer furzen? Trotzdem, der Ansatz ist richtig, wenn man mich als Käufer anziehen will. Vermutlich ein weiteres Beispiel dafür, dass diese Dinge immer auch ein gutes Maß Subjektivität in sich tragen. Wie zuvor gesagt, Geschmack ist immer auch subjektiv, das sollte man nie vergessen.

Meine gesammelten Überlegungen zum eBook-Coverdesign gibt es für Kindle in Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum (4. erweiterte Auflage in Arbeit).

Stichworte:

Endlich flügge: Schwarzer Schwinge 0 

Wenn ich „Ende August“ sage, dann wird es auch Ende August. Und wenn es sieben Stunden vor dem Ende ist, dürfte das knapp genug sein. Ja, Schwarzer Schwinge ist endlich raus. Ab jetzt. Für 1,49 €. Bei Amazon.
Hat ja auch lange genug gedauert.

Hat es sich gelohnt?
Wenn man die Serie mag… ;-)
Schwarzer Schwinge beschäftigt sich als dritter Band der Reihe mit der Vielfalt an gefiederten Dinosauriern und ihrem Weg zu den Vögeln. Es hat fliegende Agamen, Raptoren, anderes Federvieh und eine Gegenwart, in der Flugsaurier und Fledermäuse um die Lüfte kämpfen, während niemand ein Frühstücksei bekommt. Es ist ganz nebenbei auch der aktuell längste Teil der Serie. Selbst Code und Typografie profitieren von neu gelerntem Wissen, das direkt hier eingeflossen ist.
Das Thema des Ausflugs in die größeren Zusammenhänge der Evolution ist Variation, jener Mechanismus, der dazu führt, dass Lebewesen sich mit der Zeit überhaupt verändern können.

Das Schreiben war ein etwas anderer Prozess als sonst. Es war nicht so einfach wie bei den ersten zwei Bänden, eine Geschichte aus der Sicht der beteiligten Tierarten zu schreiben. Im Laufe der Entwicklung verschob ich den Ort des Geschehens von Bayern (wegen Archaeopteryx) nach Nordost-China, da es hier eine größere Vielfalt von gefiederten Dinosauriern gab, vor allem den für die Forschung der letzten Jahre extrem bedeutenden Microraptor. Als Protagonisten wählte ich dennoch, einfach um mal etwas anderes zu machen, ein Tier, das nichts mit dieser Entwicklung zu tun hatte: Die gleitende Agame Xianglong. Xianglong gab mir die Möglichkeit, ein wenig durch diese Welt zu streifen, viele verschiedene Dinge in dieser Welt zu zeigen, die von für die Entstehung der Vögel wichtigen Momenten zum Bersten gefüllt ist.
Ich muss gestehen, das war ein etwas zäheres Schreiben als sonst, aber schließlich fand ich dann doch einen Weg, den die Geschichte nehmen konnte und sollte und dann kam es doch noch zu Bit und Byte.

Sehr leicht fiel mir dafür das Zusatzmaterial. Trotz einiger kleiner Verzögerungen wie der Entdeckung von Kulindadromeus vor einigen Wochen ist dies ein spannendes Thema, das für mich eine besondere Faszination hat. All die Entdeckungen, die wir erst vor kurzem erkannt haben, die ganze Dramaturgie der Entdeckung von der einzelnen versteinerten Feder aus Bayern über einzelne Vögel zum großen Paukenschlag des Schatzfundes in China. Großartig, kann man kaum besser schreiben. Nur schade, dass die ganze Geschichte 150 Jahre dauerte.
Wie immer ein großer Spass war die Entwicklung der Überlegung, wie die Welt ohne Vögel aussähe. Ich liebe diesen Teil in jedem Band der Serie erneut, die Entdeckung des Möglichen und doch nie geschehenen, wie die Welt sich wie ein Netz um diese eine kleine Veränderung aufrollt, die Entdeckung all dieser kleinen Verknüpfungen in der Geschichte, das ist einfach nur purer Spass. Ich hoffe sehr, dieses Kapitel bringt zudem die Idee zum Tragen, wie aussergewöhnlich eine Welt ist, in der so seltsame Kreaturen wie Vögel existieren und wie sehr die Vögel unsere Welt beeinflussen.

Was mich beim Nachschauen der Amazon-Seite zum Buch grade übrigens begeistert: Die Leseprobe endet an der perfekten Stelle, mit dem Auftritt des Raubsauriers. Das war echt nicht geplant, aber es gefällt mir. Wer bis dahin gelesen hat, könnte keinen besseren Kaufanreiz mehr finden ^^. Aber das könnt ihr ja selbst lesen:

Experiment Querbezüge
Mit diesem Band kommt erstmals ein Konzept zum Tragen, das ich für diese Serie schon länger angedacht habe: Querbezüge. Man muss die Bände der Reihe in keiner bestimmten Reihenfolge lesen und man kann jeden Band für sich lesen, aber ich versuche dennoch, Bezüge einzubauen, an denen man sehen kann, dass all die Geschichten in einer Welt stattfinden, dass all diese großen Meilensteine, nach denen die Serie sich ja richtet, eingebettet sind in eine sich entwickelnde und verändernde Welt, in der manches geht und manches bleibt, doch alles zusammenhängt.
In Schwarzer Schwinge erwähne ich ein Verhalten einiger Raptoren, in den Baumkronen dem durch den Wald schleichenden Tyrannosaurier zu folgen, um Reste seiner Beute erhaschen zu können, wenn er sich nach der Jagd vollgefressen hat. Dieses Verhalten taucht hier nicht zum ersten Mal in der Reihe auf — die ungesehenen Raptoren in Staksigen Schrittes taten das selbe mit einem Tyrannosaurus rex.
Das wird nicht das letzte Mal sein, dass es solche Bezüge gibt, wenn es denn möglich ist, die Jahrmillionen damit zu überbrücken. Die Edmontosaurier aus Staksigen Schrittes sind die selbe Spezies „Hauptdarsteller“ im noch nicht erschienenen Klirrender Kälte und selbstverständlich erhält Flammender Farne (noch nicht erschienen) ein paar Fischlurche ähnlich denen aus Feuchten Fußes als Gastauftritte.
Kurze Zeit habe ich sogar überlegt, die Serie über eine kleine Seitenbemerkung mit meiner Science-Fiction zu verbinden, das aber letztlich gelassen, zumal von meiner SF ja ausser einer sehr kurzen Flash Fiction noch nichts offiziell erschienen ist.

Und was kommt jetzt?
Zwei Bücher in zwei Wochen sind eine gute Bilanz, mal sehen, ob ich das noch eine Weile aufrechterhalten kann. Der beste Kandidat dafür ist das ohnehin für September angekündigte Unter Wittgensteins Löwen, das Buch zu meinem verhältnis zur Religion. Das wird zwar aller Wahrscheinlichkeit nach länger als Schwarzer Schwinge, aber jedes Kapitel ist dank des autobiografischen Charakters des Buches ein wenig wie ein Blogeintrag. Und Blogbeiträge kann ich recht gut in schneller Abfolge schreiben. Also geht es jetzt daran. Nur das Lektorat könnte da ein–zwei zusätzliche Tage fressen. Naja, ich versuch das jetzt einfach.
Und danach? Wahrscheinlich eine englischsprachige Zombie-Geschichte, ich bin nur noch nicht sicher, welche. Entweder Desert King oder Boy. Ich neige zu Desert King, weil mir das im Moment leichter zu schreiben erscheint.
Die „Meilensteine“ gehen später dieses Jahr mit Zackigen Zahnes weiter, wenn alles klappt zum Monatswechsel September/Oktober.

Ich bin froh, mich selbst endlich genug in den Arsch getreten zu haben, um mit so guter Geschwindigkeit an den Büchern arbeiten zu können. 22.078 Wörter dieses Jahr nur in Büchern und Blog, zuzüglich diesem Beitrag. Das sind etwa 2 Novellen und auch 6.578 Wörter über meinem Ziel.

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