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eBook-Erotika 0 

Einer der großen Vorteile des eBooks ist, dass sich auch geringste Auflagen noch lohnen, insbesondere für Selbstverleger. Und selbst, wenn es sich nicht lohnt, lockt der aktuelle Hype genug Autoren, um es zu versuchen. Das bedeutet, dass auch kleinste Nischen bedient werden können, was dann sowohl Kunden als auch Autoren freut. Doch wie extrem kann das werden?
Um das zu sehen nehme ich einfach die größte aller Industrien dazu, das Geschäft mit dem Sex. Liebesromane haben ja bereits einige wirklich absurde Subgenres (Zeitreise- und Vampirromanzen sind eigenständige Kategorien mit Kinoverfilmungen und allem), aber was passiert, wenn wir uns ein Genre ansehen, das jetzt schon alle nur erdenklichen Nischen bedient? Was passiert, wenn wir den nischenreichsten Markt der Welt noch nischenreicher machen?
Ganz einfach: eBook-Erotika! In einer Welt, in der Hentai allgemein bekannt ist und Rule 34 eines der Grundprinzipien des Internet ist, wie viel seltsamer kann es noch werden?
Sex mit Monstern und Dinosauriern ist ja grade etwas in die Schlagzeilen gekommen, dabei ist das wirklich vergleichsweise harmlos und vor allem normal. Vergleichsweise.
Da ich täglich für eBooksfuerlau die Listen durchstöbere stoße ich da natürlich auf so einiges. Ich muss nicht einmal suchen. Hier sind die abgefahrensten Beispiele, die ich bisher finden konnte.

Eine Regel: Keine Fanfiction. Ich weiss, es gibt explizite Fanfiction von so ziemlich allem. Von Twilight-BDSM in Millionenauflage zu der ich bereits etwas geschrieben habe bis zu Human Centipede mit Erdbeersperma. Wenn ich damit anfange, wird dieser Artikel nie fertig.

Vielleicht liegt es an der geringeren Größe des deutschsprachigen Marktes oder daran, dass dieser relativ neu ist, aber die deutschsprachigen Werke in dieser Kategorie waren alle relativ zahm. Ab und an mal etwas BDSM oder Vampire und Werwölfe, aber alles im Rahmen entweder üblicher literarischer Erotik oder mehr oder weniger bekannter sexueller Vorlieben.
So fällt Scharfe Schnitte denn auch weniger durch ungewöhnliche Vorlieben als durch eine aussergewöhnliche Story auf: Eine Prostituierte hilft einem Ermittler bei der Suche nach einem Mörder, dessen einziges bekanntes Erkennungsmerkmal ein auffälliges Intimpiercing ist.
Seltsam, aber nicht wirklich etwas, was man nicht in einem x-beliebigen Sexshop finden kann, wenn man nur lang genug sucht. Der Rest der Liste kann das problemlos steigern.
Nur für Kindle

Zum letzten Eintrag in dieser Liste, der dramaturgisch Sinn macht. Elmore DeVille hat sich dem Genre erotische Fantasy verschrieben, also im Grunde richtige Fantasy, in der Sex halt eine besonders prominente Rolle spielt.
Herausragendes Beispiel dieses Stils ist Nymph Mania. Der Punkt ist der, dass in der Welt Eletain Magie eine Art Nebenwirkung von Sex ist. Beim Sex wird die Magie der Partner entfesselt und zu mächtigen Zaubern kombiniert. Und selbstverständlich gibt es in dieser Welt andauernd magische Duelle.
Das ist offengestanden ein ziemlich gutes Beispiel für das Potenzial, das wirklich kreativ eingesetzter Sex in fiktionalen Welten hat. Es ist auch das einzige Werk in dieser Liste, für das ich ohne Zögern Geld ausgeben würde.
Kindle-Version bei Amazon
Diverse Formate bei Smashwords

Okay, einen Titel aus der Sparte Dinosaurier-Erotika hab ich dann doch in dieser Liste. Der Punkt hier ist Balaur: Ein obskurer Cousin des Velociraptor aus Rumänien mit zwei der berühmten Sichelklauen der Raptoren an jedem Fuß. Einen ausserhalb von Fachkreisen fast völlig unbekannten Dromaeosaurier zum Titelstar eines eBooks zu machen ist einfach eine so seltsame Entscheidung.
Andererseits war Velociraptor vor Jurassic Park auch bestenfalls als der kleine Bruder von Deinonychus bekannt.
Ein praktisches Problem bei der ganzen Sache ist, dass Dinosaurier wahrscheinlich überhaupt keine zur Penetration irgendwelcher Körperöffnungen geeigneten Körperteile hatten. Andererseits ist der Dino auf dem Titelbild definitiv ein Mann in einem Dinosaurierkostüm – man beachte die zusätzlichen Beine, die da aus den Knien ragen. Aber ”Sex mit einem Mann in einem Dinosaurierkostüm“ klingt irgendwie langweilig. Vergleichsweise.

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Lesetipps Evolution 0 

Während ich an weiteren Bänden von Meilensteine der Evolution schraube dachte ich mir, eine kleine Zeitüberbrückung wäre nicht schlecht.
Es gibt zwar keine andere Serie wie die „Meilensteine“, aber wenigstens ein paar Werke mit einem ähnlichen Ansatz, wissenschaftlich fundierte Tiergeschichten aus der Urzeit zu schreiben und dabei auch gleich ein wenig Wissenschaft zu vermitteln. Davon habe ich hier einfach mal einige gesammelt.
Was die Meilensteine angeht, so bin ich aktuell dabei, die restlichen geplanten Bände parallel zu bearbeiten, um sie alle in einem Rutsch zu veröffentlichen. Das wären 5 weitere Urzeitbände sowie 2 Bände im Zeitalter des Menschen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob diese beiden Bände gemeinsam mit den Urzeitbänden oder später einzeln erscheinen werden, einfach weil sie sich so sehr von den übrigen Bänden unterscheiden. Danach kommt dann der große Sammelband, der dann auch auf Papier.
Aber wie gesagt, bis dahin gibt es zur Überbrückung ein paar Tipps (Amazon-Links mangels Alternative):

Anja Steinhörster
Hanna das Dinozwergenmädchen
Sprache: Deutsch

Die einzige aktuell als eBook erhältliche deutschsprachige Geschichte aus der Sicht eines Urtiers ist dieses kleine Märchen mit einem Sauropodenbaby in der Gegend des heutigen Münchehagen. Für sehr junge Leser geschrieben, mit stark vermenschlichten, sprechenden Dinosauriern und ähnlichem. Alles in allem sehr niedlich, mit 4,11 € auf 37 Seiten (laut Amazon-Schätzung) für eBook-Verhältnisse wohl etwas teuer, aber noch im Rahmen.
Meine Empfehlung gilt bei diesem Buch vor allem für Eltern mit dinobegeistertem Nachwuchs.

Robert T. Bakker
Raptor Red
Sprache: Deutsch (aus dem Englischen übersetzt)

Der Klassiker unter den Tiergeschichten mit Dinosauriern. Robert T. Bakker ist jener Paläontologe, dessen Buch The Dinosaur Heresis das moderne Bild von Dinosauriern als aktive warmblütige Kreaturen geprägt hat. Dass unser Bild von den Dinosauriern heute ein völlig anderes ist als in den 1950ern ist zu großen Teilen sein Verdienst.
Raptor Red ist die Lebensgeschichte eines frisch in Nordamerika eingetroffenen Utahraptor-Weibchens (größere Verwandte des eigentlich nur schäferhundgroßen Velociraptor). Bakker nutzt die Geschichte, um ein lebendiges Bild der damaligen Welt zu zeichnen und seine Theorien über diese Tiere zu präsentieren. Ein kurzer Epilog ergänzt die Geschichte um einige Fakten über die Utahraptoren und ihre Welt. Kein Buch auf dieser Liste ist den Meilensteinen ähnlicher als Raptor Red, auch wenn es inzwischen wie alle Dinosaurierbücher aus den 90ern deutlich veraltet ist und die Romanhandlung stärker im Vordergrund steht. Meine uneingeschränkte Empfehlung für Fans meiner Reihe.

Anne Genadinos
Troodon
Sprache: Französisch

Troodon (oft auch Tröodon geschrieben) ist ein kleinerer Maniraptor (=Raptoren), der als besonders intelligent gilt und durch große Augen auffällt. Er gehörte (gemeinsam mit dem noch obskureren Syntarsus) zu den ersten Dinosauriern, die mit Gefieder dargestellt wurden. Eine Art B-Promi der Dinowelt – durchaus noch bekannt, aber nicht bekannt genug um in die Popkultur Eingang gefunden zu haben wie einige andere Dinosaurier.
Das Cover ist natürlich eine Katastrophe, aber darüber sehe ich hier mal hinweg. Die Geschichte stellt diesen kleinen Dinosaurier vor und legt dabei besonderes Augenmerk auf sein Gefieder und die Verwandtschaft der Maniraptoren mit den Vögeln (auch das Thema von Schwarzer Schwinge, das seinen Blick allerdings auf die kleinsten der Raptoren – Microraptor und Archaeopteryx – richtet). Das Buch ähnelt stark Raptor Red, wenn auch sehr knapp gefasst.

Stephen Penner
Professor Barrister’s Dinosaur Mysteries
Sprache: Englisch

Diese Serie kannte ich bis gestern nicht und sie ist eine echte Überraschung: Stephen Penner ist eigentlich ein Thriller-Autor, aber mit dieser Reihe hat er einige Kinderbücher über Dinosaurier herausgebracht. Die Serie folgt zwei Kindern und einem Paläontologen mit Zeitmaschine, die nach der Entdeckung eines auf seltsame Weise veränderten Fossils in der Urzeit die Erklärung für die ungewöhnlichen Merkmale des Fundes suchen.
Jeder Band der Serie umfasst eine kurze Geschichte um die drei Charaktere und ihre Reise zu den Dinosauriern, gefolgt von Vorstellungen einiger Dinosaurierarten und einem Text über das Thema des jeweiligen Bandes. Die Ähnlichkeit zu den Meilensteinen ist allerdings zufällig – der erste Band erschien 2010 während meine Reihe 2012 startete ohne dass ich von Penners Reihe je gehört hatte. Professor Barrister’s Dinosaur Mysteries sind für jüngere Kinder geschrieben, aber auch für ältere unterhaltsam.
Im ersten Band treffen wir Troodon wieder, im vierten die kleineren Raptoren wie Microraptor.

Sissel Jo-Gasan
Dinosaurierfedern
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Dänischen)

Und nun zu etwas völlig anderem. Naja, nicht ganz, wir bleiben bei Populärliteratur mit Raptoren. Was wir hier haben ist ein skandinavischer Krimi mit Dinosauriern. Im deutschen Print sauteuer (offenbar wollen die Verlage nicht, dass man ihre Bücher kauft), für Kindle leider nur auf Englisch erhältlich, was sehr schade ist. Zudem scheint die englische Übersetzung den Rezensionen nach die deutlich bessere zu sein.
Es geht um einen Forscher, der an einigen Dinosaurierfedern arbeitet und kurz vor der Veröffentlichung seiner Ergebnisse mit Hilfe von Bandwürmern ermordet wird. Das ganze ist ein recht ruhiger, wenig brutaler Krimi im wissenschaftlichen Umfeld, der interessante Einblicke in die Biologie, allen voran in die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Vögeln und Dinosauriern sowie in die Welt der Parasiten, gewährt.

Dougal Dixon
A Survival Guide: Living with Dinosaurs in the Late Jurassic Period
Sprache: Englisch

Achja, Dougal Dixon.
Dixon gehört zu den kreativsten Sachbuchautoren der Gegenwart. Sein The New Dinosaurs ist zwar wunderschön, erreicht aber inzwischen antiquarisch stolze Preise (für Späterleser: zur Zeit des Schreibens je nach Edition und Zustand zwischen 40 und 450 €). Es ist letztlich die Grundlage für die „Was wäre wenn…“ Kapitel in den Meilenstein-Bänden. Bei dem Preis empfehle ich aber lieber etwas gegenwärtig zu einem vernünftigen Preis verfügbares.
The Survival Guide ist genau das: Ein Survival-Ratgeber für im Jura gestrandete. Das ist ein relativ absurdes Szenario, aber es ist ein schöner Ansatz, um diese längst vergangene Welt vorzustellen und gedanklich zu erkunden.

Darren Naish, C.M. Kosemen, John Conway
All Yesterdays
Sprache: Englisch
Auch bei iTunes, Lulu und bei Lulu auf Papier

Kommen wir etwas von den Romanen weg: All Yesterdays ist ein Buch, das sich mit der Art und Weise beschäftigt, wie Dinosaurier und ähnliche prähistorische Kreaturen in der Kunst bzw. in Illustrationen dargestellt werden. Nicht nur ein flammendes Plädoyer dafür, Dinosaurier stärker als ganz normale Tiere in ganz normalen Situationen darzustellen, sondern grundsätzlich für mehr Kreativität und Mut bei der Darstellung dessen, was die Fossilien nicht zeigen: Seltsame Hautlappen und Körper, deren Skelette durch Muskeln, Fett, Haut und Gefieder nicht einmal mehr zu erahnen sind. Verhaltensweisen und Momente im Leben dieser Tiere, an die noch keiner gedacht hat. Illustriert ist das ganze mit Beispielen der ganzen Bandbreite, von im Schlamm wälzenden Sauropoden bis zu Therizinosauriern, die unter ihrem Federkleid kaum noch zu erkennen sind.
Dazu kommt die zweite Hälfte des Buches, „All Todays“, die den Spieß umdreht: Wie würden wir die heutigen Tiere rekonstruieren, wenn wir nur ihre Skelette kennen und dabei genauso vorgehen wie heute bei den Dinosauriern. Diese Bilder sind einmalige Augenöffner. Nur, die Schwäne… die auf Grundlage ihrer Skelette gezeichneten Schwäne werden eure Albträume nie wieder verlassen.
Obwohl… show, don’t tell:

Gern geschehen.

Die Geschichte von Big Al
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Englischen)

Und weiter zu den Filmen. Viele Dokus sind sehr nah am Konzept meiner Serie, mit einer Geschichte, die um zusätzliche Sachinformationen ergänzt ist.
Die Geschichte von Big Al ist dabei das meines Erachtens beste Beispiel. Der Film, eine Sonderfolge von Im reich der Dinosaurier, folgt einem Allosaurier durch sein leben im späten Jura, vom Ei bis zum Tod. Dazwischen sind immer wieder Informationen eingestreut, woher wir die dargestellten Ereignisse kennen. Big A selbst ist zweimal vorhanden – einmal als Tier in der Filmhandlung und einmal als Skelett in den Erklärungen, in denen die Ereignisse im Leben eines speziellen Allosauriers an Spuren in den Knochen nachvollzogen werden kann. Ein absolut faszinierender Film über die Möglichkeiten der heutigen Paläontologie und darüber, was ein einzelnes Skelett alles verrät.

Die Reise der Dinosaurier: Flucht aus dem Eis
Sprache: Deutsch (übersetzt aus dem Englischen)

Dieser Film begleitet einen Edmontosaurier auf seiner jährlichen Reise aus dem Sommerquartier in Alaska in die Winterquartiere weiter südlich. Der Schmalz ist stellenweise etwas dick aufgetragen, aber insgesamt ist das eine ganz nette Geschichte über die jahreszeitlichen Wanderungen, die einige Dinosaurier in dieser Zeit wohl unternommen haben. Die Entstehung der Jahreszeiten sind ein Thema, das nur selten behandelt wird. Dabei ist es eine faszinierende Geschichte und Dinosaurier im Schnee sind auf jeden Fall ein eher selten zu sehendes Bild, das aber definitiv der damaligen Realität entstammt.
Das Thema der Jahreszeiten in der Kreidezeit werde ich in den „Meilensteinen“ übrigens im Band Klirrender Kälte aufgreifen, wobei ich mich eher auf Pachyrhinosaurier konzentriere. Edmontosaurier kommen aber auch vor.

Zurück zu mir
So, kurz noch zum Stand der „Meilensteine“: Wie gesagt schreibe ich grade an den restlichen Bänden in einem Schwung, wobei ich immer eine Rubrik in allen 7 Variationen verfasse, so dass sie tatsächlich im Gleichschritt vorankommen. Die beiden Bände, die in der Zeit des Menschen spielen (einer über Zucht, einer über Gentechnik) haken etwas, weil die Themen so anders sind als in den Urzeit-Bänden.
Es wird also eine große Welle von mindestens 5 gleichzeitig erscheinenden Titeln geben, voraussichtlich zum Monatswechsel April/Mai.
Damit einher gehen Aktualisierungen der beiden bereits erschienenen Bände, bei denen es auch die Ergänzung eines neuen Kapitels für beide geben wird.
Die Themen der 5 übrigen Urzeitbände sind die kambrische Explosion, die Entstehung der Vögel, der amerikanische Faunentausch, die ersten Wälder und die Entstehung der Jahreszeiten in ihrer heutigen Form. Ich habe diese Themen vor allem deshalb gewählt, weil sie so verschieden sind und die Möglichkeit bieten, am Anfang der Bände jeweils sehr unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Einige der früher geplanten Bände fallen damit zu Gunsten anderer Themen weg. Wenn ich in Zukunft einen Ansatz finde, beispielsweise das Massensterben am Ende des Perm interessant zu machen, werde ich dies tun, aber vorerst sind diese sieben Bände (fünf Urzeit-Bände plus Zucht und Gentechnik) der Rest der Serie. Was noch folgt ist ein schön gestalteter großer Band auf Papier.

Danach werde ich mich vorerst etwas anderem widmen. Ich habe viele Ideen ausserhalb dieser Serie, die ich gerne umsetzen würde. Vielleicht etwas Cyberpunk? Oder Steampunk? Auf jeden Fall etwas ganz anderes.
Und wie gesagt: Wenn ich neue, passende Ideen finde, kehre ich auch zu den „Meilensteinen“ zurück. Gelegentliche Aktualisieurngen sind natürlich immer drin.

Feuchten Fußes 2.0 oder: Der Fischlurch und die Negerlein 0 

Seit ein paar Tagen ist die stark erweiterte zweiten Auflage des ersten Bandes der Reihe „Meilensteine der Evolution“ , Feuchten Fußes für Kindle erhältlich. Unter den Neuerungen findet sich auch ein Versionslog, das die Veränderungen im Vergleich zur ersten Auflage kurz zusammenfasst. Hier möchte ich für Interessierte detailierter auf die Ändeurngen und die Hintergründe eingehen.

Die Zensur-und-Neger-Debatte
In der Woche, in der ich die letzten Schliffe am Buch vorgenommen habe, ging eine große Debatte durch die deutschen Feuilletons: Otfried Preußlers Verlag hatte angekündigt, den Kinderbuchklassiker Die kleine Hexe zu überarbeiten und dabei neben dem unbestreitbar überholungsbedürftigen „durchwichsen&dquo; auch den „Neger“ gestrichen.
Da es nicht wirklich um meine Meinung zu dieser Debatte geht hier nur eine Kurzfassung: Ich halte „Neger“ historisch für einen unproblematischen Begriff, der aber durch die antirassistische Bewegung nachträglich als rassistisch deklariert wurde. Damit ist der Begriff rassistisch geworden, denn es liegt in der Natur von Sprache, dass Wortbedeutungen im semantisch-lexikalischen Konsens und nicht im historischen Kontext erschlossen werden. Oder anders gesagt: Es ist egal, ob ein Wort einst etwas bestimmtes bedeutet hat oder eine bestimmte Konnotation besaß, ausschlaggebend ist, welche Bedeutung und Konnotation es heutzutage hat. Somit ist Neger heutzutage rassistisch konnotiert. Ich persönlich halte das teils als Eigenbezeichnung schwarzer Deutscher geführte „Afro-Deutsche“ für um einiges rassistischer (weil es de facto Herkunft als genetisch verankert bezeichnet), aber sei’s drum.
Per Schlenker zurück zum Thema: Ist die Änderung des Buches legitim? Kann man ein Kulturerzeugnis nachträglich verändern, um sich verändernden kulturellen Rahmenbedingungen gerecht zu werden? Sollte man das? Das Thema, dass die Szene, in der bei Preußler der „Neger“ vorkommt, mir eher ein Plädoyer für Völkerverständigung zu sein scheint, mal ganz aussen vor gelassen.

Die Frage nach der Legitimität von Veränderungen in Literatur ist auch für mich und für die Änderungen in Feuchten Fußes relevant. Während ich den Sachbuchteil immer an den aktuellen Stand der Forschung anpassen und wann immer nötig aktualisieren wollte, hielt ich mich damit aus dem Teil, den die kleine Kurzgeschichte ausmacht, weitgehend heraus. Das war zumindest der Plan.
Nur gab es einen Punkt in der Geschichte, der ein Problem darstellte. Die Geschichte handelt von einem Acanthostega, einem der ersten Amphibien und seinen Ausflügen an Land. Dabei trifft er mehrfach auf kleine Landamphibien, die ersten echten Landtiere. Unserem wasserbewohnenden Hauptdarsteller erscheinen diese Wesen abstoßend, aus seiner Perspektive sind Amphibien ohne Kiemen so etwas wie bedauernswerte Entwicklungsfehler. Im Laufe der Geschichte wird aber klar, dass diese Tiere ein deutlich müheloseres Leben haben als Acanthostega, der mehr schlecht als Recht auf dem Land leben kann und im Wasser in ständiger Gefahr vor großen Raubfischen lebt. Der Punkt der Geschichte ist, dass scheinbare Nachteile unter den richtigen Bedingungen zu Vorteilen werden können.
Nun war die erste Begegnung wohl etwas stark formuliert und ich überlegte nach dem Hinweis einer Leserin aus der fremden Ferne (Rheydt, kannte die Frau aber zuvor nicht), sie zu entschärfen. Sie konnte sozialdarwinistisch ausgelegt werden. Auch wenn das Ende der Geschichte dieser Interpretation klar widerspricht, war es besser, sie erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dennoch haderte ich: Eine bereits veröffentlichte Geschichte verändern? Ist das legitim?
Aber ja, das ist es.

Man muss sich vor Augen führen, dass ein Großteil der Literatur, die wir hierzulande lesen ohnehin Übersetzungen sind, also nicht der ursprüngliche Text des Autoren. Darunter übrigens auch Pippi Langstrumpf, um das es eine ähnliche Diskussion (der Vater als Negerkönig und Pippis Idee von der Transformation zur Negerprinzessin) gab. Die andere Sache ist die, dass der Rest dessen, was wir lesen oft mehrfach lektoriert wurde.
So ein Lektorat hat man sich nicht als einfache Rechtschreib- und Kommasetzungsprüfung vorzustellen. Der Lektor bearbeitet auch – gewöhnlich gemeinsam mit dem Verfasser – Stil und Satzbau; er analysiert und kritisiert Logik, Realismus, Vermarktbarkeit (!) und Plot der Geschichte und schlägt dem Autoren Änderungen für eine überarbeitete Fassung vor, bevor diese dann in zwei bis drei Anläufen bis zum Druck durchgereicht wird. Wohlgemerkt erst, wenn der Lektor zufrieden ist.
Was wir Leser schließlich in den Fingern halten ist nur sehr selten der ursprüngliche Text des Autoren. Die Autorenautorität ist eine schöne Vorstellung, die uns die Illusion leben lässt, Literatur sei grundlegend authentisch. Die Zerstörung dieser Illusion führt bei vielen Menschen zu einer Art Kulturschock, auf den in der Regel mit Verdrängung und Erkenntnisverweigerung reagiert wird. Es ist dieser Kulturschock, aus dem sich die Wut gegen die Streichung von Preußlers Neger speist (das und der Versuch der Fremdbestimmung von Sprache als sehr intimen Teil der Persönlichkeit ihres Sprechers, was den entscheidenden Unterschied zwischen dem Durchwichsen und dem Neger ausmacht).
Ich bin unter vorrangig deswegen selbstverlegt, weil ich genau dieses Lektoratstheater nicht mitmachen, sondern die Autorität über meine Texte behalten will. Viele mir persönlich bekannte Kollegen geben ihrerseits den selben Grund an.

Das hat aber auch Konsequenzen: Wenn wir die volle Verantwortung für unsere Texte übernehmen, sind wir eben auch verantwortlich, wenn etwas falsches oder missverständliches drinsteht. Darauf müssen wir reagieren – wir können den Fehler belassen oder wir können ihn verändern. Natürlich können wir ihn auch ignorieren.
Ich entschied mich letztlich, dass alle Teile von Feuchten Fußes, auch die Kurzgeschichte, einen klaren Lehrzweck verfolgen und diesem unterworfen sind. Daher ist auch für diesen Teil eine Änderung legitim, wenn sie nötig erscheint. Wir unabhängige Autoren haben als solche die Verantwortung, unsere Werke so gut wie möglich zu machen und notfalls zu diesem Zweck auch mit Augenmaß Änderungen vorzunehmen, wenn es dem Zweck der Geschichte dienlich ist.

Neue Kapitel
Das ist schnell erklärt: Die zweite Auflage hat einige jene Kapitel dazugewonnen, die zuvor im zweiten Band Staksigen Schrittes erstmals aufgenommen wurden.

Cover
Auf das überarbeitete Cover hatte ich ja bereits bei der Veröffentlichung von Staksigen Schrittes hingewiesen. Die Cover der Reihe sollen ein einheitliches Erscheinungsbild haben und das erreiche ich mit der Überarbeitung hin zu einer professioneller wirkenden Bildkomposition recht gut.
Die Schriften sind neu, die Proportionen sind neu und der kleine Greererpeton nimmt jetzt weniger Platz ein und ist gespiegelt, um dem Titelschriftzug Platz zu machen. Nebenbei habe ich auch den Untertitel geändert, er ist jetzt präziser. Leider habe ich vergessen, das auch im Buch anzupassen, die Anpassung erfolgt dann mit der nächsten Aktualisierung.
Was ich diesmal anders als bei Staksigen Schrittes sehr gut tun kann unc auch tun werde ist noch ein Vergleich des alten mit dem neuen Coverstil (alt links, neu rechts):

Die Wissenschaft dahinter
Hier habe ich ein Detail der Forschungsgeschichte ergänzt. Es geht darum, wie ein schwedischer Paläontologe jahrelang die Forschung aufgehalten hat, indem er wichtige Fossilien in seinen Besitz brachte und als einziger untersuchen konnte, was zu deutlich falschen Vorstellungen über die Entwicklung der ersten Landwirbeltiere führte. Das ganze ist eine spannende Geschichte für Freunde der Wissenschaftsgeschichte, im Buch ist nunmehr eine Kurzfassung zu finden.

PS
Bisherigen Käufern sollte die neue Version in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen. Amazon ist, was das angeht, leider sehr langsam.

Staksigen Schrittes 0 

Es ist vollbracht: Nach viel zu langer Bearbeitungszeit ist der zweite Band von Meilensteine der Evolution fertig und steht zum Verkauf. Na gut, „fertig“ nenne ich meine Sachbücher eigentlich nicht, mehr „veröffentlichungsbereit“. Denn deswegen gibt es ja ab und an Aktualisierungen – einerseits veralten Sachbücher mit dem Fortschritt der Forschung, andererseits gibt es immer wieder neue Ideen, was ich mit einem Grundkonzept machen kann.
Und genau für letzteres ist Staksigen Schrittes ein gutes Beispiel. Es gibt einige neue Inhalte, die so im ersten Band Feuchten Fußes noch nicht vorhanden waren. Diese sind nun im zweiten Band und werden bald für den ersten nachgereicht. Doch eins nach dem anderen.

Staksigen Schrittes
Anmerkenswert ist, dass die Geschichte zu Anfang des Buches im Vergleich zu Feuchten Fußes doch sehr anders ist. Hatte Feuchten Fußes eine richtige kleine Geschichte mit einer Hauptfigur, die sich emotional durch ihre Lebensumstände und Begegnungen entwickelt (soweit ein Lurch das eben kann), ist Staksigen Schrittes mehr eine Szene, ein normaler Tag Stunden vor dem Ende der Welt. Mehr eine Beschreibung des Lebens damals als eine echte Geschichte.
Ich bin gespannt, ob und wie dieser andere Ansatz ankommt.
Eine andere Veränderung betrifft die Artenporträts: Ich hätte alle Arten weiter vor weissem Hintergrund darstellen können, aber die größere Auswahl an Bildern im Vergleich zu den frühen Amphibien erlaubte mir, an einigen Stellen komplette Lebensbilder der Tiere einzusetzen. Ich entschied mich, diese Möglichkeit wahrzunehmen und deshalb gibt es jetzt statt dem reinen Pteranodon zwei Pteranodon über dem Meer.

Bild: Heinrich Harder

Die Alternative hätte so ausgesehen, auch hübsch, aber letztlich wenig interessant:

BIld: Matthew Martyniuk

Neu: Fiktionsfilter
Der andere mit diesem Band neu in die Serie eingeführte Bestandteil ist eine kleine Idee, auf die ich beim Lesen dieser Buchbesprechung gekommen bin, genauer durch diesen Abschnitt:

As for the text – well, it’s Bakker, so you probably already know what to expect. It can get a little twee at times, and he indulges in some plausible speculation that isn’t signposted as such

Das ist ein guter Punkt. Bücher über ausgestorbene Lebewesen enthalten oft viel Spekulation, die nötig ist, um ein geschlossenes, realistisches Bild von diesen Tieren zu erhalten. Spätestens wenn man eine Geschichte um diese Tiere schreibt wie ich es in Meilensteine der Evolution tue, wird es unvermeidbar, Eigenschaften zu schildern, die möglich und plausibel sind, die aber nicht aus den Fossilien abgeleitet werden können.
Da Schreitenden Staksigen Schrittes deutlich ausführlicher als Feuchten Fußes in die damalige Welt eintaucht, ist das hier besonders wichtig. Die Stars der einführenden Geschichte sind zwei Quetzalcoatlus, doch wir wissen nicht, ob diese Flugsaurier einzeln, in Paaren oder gar in Rudeln auf Nahrungssuche gingen und wahrscheinlich werden wir es nie wissen. Es kommt ein Tyrannosaurier vor. Dass er wie in der Geschichte ein Gefieder hatte ist wahrscheinlich, aber nicht sicher; geschweige denn, wie es gefärbt war. Wie ein Tyrannosaurier auf zwei umherlaufende Flugsaurier reagieren würde können wir ebenfalls nicht aus den Fossilien wissen.
Fakt und Fiktion in dieser Weise klar zu trennen schärft die Fähigkeit, dies zu trennen und bietet einen guten Ansatzpunkt zu erklären, woher wir bestimmte Dinge wissen oder warum wir sie annehmen können. Die Geschichte muss dadurch nicht verlieren, sie darf beide Bereiche ruhig vermischen. Jede Geschichte ist am Ende eine plausible Fiktion. Wenn es darum geht, Leute für Wissenschaft zu interessieren, ist es aber auch eine gute Idee, klar zu sagen, was wir wissen, was wir nicht wissen und was wir nicht wissen können.
Daher dieses neue Kapitel. Ich mag es sehr.

Neu: Zeitbild
Neu ist ein kurzer Abschnitt, der die Welt zu jener Zeit vorstellt, in der der jeweilige Band angesiedelt ist. Geografie, Klima, Tier- und Pflanzenwelt… ein knapper Überblick, was wir wissen und wie ähnlich oder unterschiedlich die damalige Welt zu unserer war. Die Geschichte am Anfang liefert einen Ausschnitt daraus, dieses neue Kapitel ergänzt diesen um das Gesamtbild.

Neu: Die Nebendarsteller
Das ist eine Ergänzung, über die ich schon bei Feuchten Fußes nachgedacht, dort aber mangels nennenswerter Inhalte (nur ein einziger Süßwasserhai) nicht umgesetzt habe.
Dieser neue Abschnitt ist in der Form identisch mit den Artenporträts, stellt aber jene Tiere vor, die zwar in der Geschichte vorkommen, mit dem eigentlichen Thema des Buches aber nichts oder nur wenig zu tun haben. In Feuchten Fußes war dies der Süßwasserhai, der unseren Acanthostega zur Flucht aufs Land veranlasste. Alle anderen Tiere waren frühe Amphibien um die das Buch sich ja drehte und erschienen daher unter den Artenporträts. Das war auch dem Handlungszeitraum geschuldet, wo ausser diesen nichts an Land lebte, was größer war als ein Tausendfüßer. Mit den Quetzalcoatlus in Staksigen Schrittes kommen wir in die Zeit der großen Berühmtheiten unter den Dinosauriern. Also kommen in der Geschichte auch Dinosaurier vor: Raptoren, Entenschnabelsaurier und der kreidezeitliche Superstar T. rex. Diese drei erhalten nun also ebenfalls kurze Porträts.

Neu: Was wäre wenn…
Meine Lieblingsneuheit in diesem Band ist das neue Kapitel „Was wäre wenn…“. ich war immer schon ein Fan alternativer Geschichtsschreibung und der Frage, wie unsere Welt aussähe, wenn bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit anders abgelaufen wären. Solche Gedankenspiele helfen, die Bedeutsamkeit eines historischen Ereignisses zu ermessen.
Also spiele ich das Szenario einmal durch: Wie sähe die Welt heute aus, wenn die Flugsaurier das große Massensterben am Ende der Kreidezeit überlebt hätten?
Das Ergebnis ist eine Welt, in der giraffengroße flugunfähige Flugsaurier in den Steppen Jagd auf kleine Säugetiere machen. Sowas hier:

Flightless Pterosaur of Doom by ~Osmatar on deviantART
Diese Art der gedanklichen Spielerei mit Wahrscheinlichkeiten und Plausibilitäten ist ein durchaus beliebtes Hobby unter Paläontologen und hat im Internet unter dem Begriff „Speculative Biology“ eine komplette Szene hervorgebracht. Und warum auch nicht?

Das Cover
Das Cover von Staksigen Schrittes hat im Vergleich zu Feuchten Fußes ein paar stilistische Änderungen durchgemacht, die meines Erachtens einfach professioneller wirken. Das Ergebnis sieht nunmehr so aus:

Das Bild im oberen Bereich nimmt nun relativ viel Raum ein. Ich habe aufgegeben, oberen und unteren Bildteil ineinander übergehen zu lassen und im Ergebnis hat das gesamte Cover Konturen gewonnen und wirkt sauberer.
Es gibt weiterhin ein anderes Tier im unteren Bereich, dieses ist jetzt aber deutlich kleiner als vorher, wo der Greererpeton fast so groß war wie Acanthostega, die Hauptfigur des Bandes. Das ist hier als Notwendigkeit geschehen, da der gewaltige Kopfkamm des Nyctosaurus ein kleineres Bild nötig machte. Die obere Spitze ragt immer noch ins obere Bild, was ich aber absichtlich belassen habe um das Gesamtbild etwas aufzulockern. Ich denke, dieses Größenverhältnis werde ich in Zukunft grob beibehalten.
Die Schrift für Autor, Titel und Untertitel ist etwas größer und klarer. Letzteres hat einen etwas blöden Grund: Ich hatte vergessen, welche Schriftart ich ursprünglich benutzt hatte und habe bei der Gelegenheit noch einmal eine neue ausgewählt. Consolas ist eine hübsche Monospace-Schrift, die auch bei starker Verkleinerung noch gut lesbar bleibt und somit allgemein ein guter Kandidat für eBook-Cover. Tja, eine Riesen-Fontsammlung auf dem Rechner und die beste für den aktuellen Verwendungszweck ist doch wieder eine Windows-Standardschrift.
Bleibt noch die Fußzeile zu erwähnen. Diese ist geblieben, aber auch hier gibt es ein paar subtile Unterschiede. Zum einen ist die Bandnummer hinter dem Serientitel verschwunden. Meilensteine der Evolution hat keine vorgegebene Lesereihenfolge, da die Bände sich nicht auf einander beziehen, also gibt es auch keinen Grund, den Bänden Nummern zu geben. Im Gegenzug ist der Schriftzug etwas größer geworden.
Wer genau hinsieht wird erkennen können, dass der Nyctosaurus etwas in den schwarzen Balken hineinragt. Damit soll das Cover weiter zu einem Ganzen zusammengebunden werden. Beim ersten Band hatte ich das noch vermieden, wodurch das untere Tier aber etwas im leeren Raum zu schweben scheint.
Die nächste Auflage von Feuchten Fußes hat im selben Zuge bereits ein in der selben Weise überarbeitetes Cover erhalten, das mit der nächsten Aktualisierung auch bei Amazon ankommt:

Die Zukunft der Reihe
Nach dem zweiten Band kommt nun erstmal der erste dran: Wie schon angedeutet wird Feuchten Fußes um die Neuerungen aus Staksigen Schrittes ergänzt und das aktualisierte Cover dazugepackt. Ausserdem gibt es eine kleinere Änderung in der beginnenden Kurzgeschichte, nachdem mich eine Leserin auf eine möglicherweise missverständliche Formulierung aufmerksam gemacht hat. Das sollte nicht lange dauern, die meisten der Neuerungen sind bereits im Manuskript übernommen und müssen nur noch feingeschliffen werden. Wenn nichts dazwischenkommt geht das noch dieses Wochenende raus.
Danach arbeite ich weiter am ursprünglich zweiten Band, Schwarzer Schwinge. Es hat sich herausgestellt, dass die Kurzgeschichte am Anfang der Bände das schwierigste an den Fortsetzungen ist. Es ist nicht einfach, eine Geschichte mit Tieren zu erzählen, ohne sie zu vermenschlichen, was ich bewusst vermeiden will. Aber jetzt habe ich einen Ansatz für Schwarzer Schwinge und ich kann den bereits halbfertig auf meiner Festplatte liegenden Band endlich komplettieren. Dabei werde ich wahrscheinlich noch eine Neuerung einführen, mit der die Möglichkeiten der Serie etwas erweitert werden. Ich überlege nämlich, in Zukunft auch auf die menschlichen Einflüsse auf die Evolution einzugehen – Ausrottung, Domestizierung, Zucht und Gentechnik. Um diese Themen, vor allem die Gentechnik, angemessen behandeln zu können muss ich die Möglichkeiten der Serie aber noch etwas ausbauen. Für die nächsten Bände bleibe ich vorerst noch in der Urzeit, noch gibt es mehr als genug Ereignisse in vorgeschichtlicher Zeit.
Oh und dann sollen die Bücher natürlich auch noch anderswo als bei Amazon verfügbar sein. Amazon ist zwar ganz nett, aber es gibt ja noch andere nette Händler und vor allem auch solche, bei denen das alternative ePub-Format verkauft wird. Und ja, Apple ist mit auf der Liste.

Als kleine Vorschau für den dritten Band hier noch das Cover von Schwarzer Schwinge. Das waren dann aber auch genug Cover für einen Tag ;-)

Korrektur vom 25.1.2013 – An einer Stelle im text stand noch der Arbeitstitel des Buchs, „„Schreitenden Schrittes“. Diesen habe ich aufgegeben, weil er unsinnig war.

2013: Ausblick, Vorsätze 0 

Direkt zu den Sektionen: Ausblick Vorsätze

Ich möchte für 2013 ein paar Vorhersagen aufstellen und Vorsätze festlegen.
Die Vorhersagen sind für mich selbst überraschend, aber ich halte sie für nicht unwahrscheinlich. Ich glaube ernsthaft, 2013 wird international ein historisches Jahr mit weitreichenden Auswirkungen in die weitere Zukunft. Deutschland läuft dabei Gefahr, von den Entwicklungen abgehangen zu werden. Merkels Regierung steht schon bald ähnlich isoliert da wie einst Honecker kurz vor dem Ende der Sowjetunion – die Welt dreht sich weiter, allein ein deutscher Staat weigert sich stetig, mitzudrehen und gräbt sich in veralteter Ideologie ein.

Ausblick

Die Armutsschere wird absurd
Die Armutsschere spreizt sich bekanntlich immer weiter, aber 2013 werden wir einige wirklich absurde Folgen dieser Entwicklung sehen. Der Lebensstil von Arm und Reich zeigt 2013 deutliche Tendenzen einer vollständigen Trennung, vor allem im Konsum.
Teilweise wird das in Entwicklungen offensichtlich, die noch vor einigen Jahren nur als Satire möglich gewesen wären. So wird es bei den Superreichen eine Raumfahrtbewegung geben, die zwar noch niemanden ins All bringt, aber mehrere erfolgreiche Testläufe bringt, die es breit in die Presse schaffen.

Das Erbe Angela Merkels
Angela Merkel bleibt Kanzlerin, aber nur mangels Alternativen. Deutschland ist in einer Kombination aus fortgesetzter Krise und unfähiger Regierung unregierbar geworden, aber auch hier ändert sich nichts, weil die Bevölkerung in der Mehrheit keine Alternativen sieht. Die dritte Amtszeit Angela Merkels geht als Das große Siechtum in die deutsche Geschichte ein. Währenddessen sammelt sich zunehmend Widerstand in der Bevölkerung, der sich weiter in regionalen Donnerschlägen à lá Stuttgart 21 entlädt, aber die oberen Ränge der Bundesregierung nicht wirksam erreicht.
Eine große Revolution wird es schon wegen des Mischmasch ans Partikularinteressen nicht geben, aber regionale Konflikte werden langsam an Intensität zunehmen. Politisch extreme Kräfte nähern sich in den Umfragen beunruhigend der 5%-Hürde, bei den etablierten Parteien erstarken populistische Kandidaten samt ihrer Flügel. Die FDP wird alle durch eine große interne Reform überraschen, bei der die Marktradikalen zu Gunsten der klassischen Liberalen untergehen werden. Der Erfolg dieser Reform entscheidet über Fortbestehen oder endgültigen Untergang der Partei, vor allem aber ist es die erste sichtbare Weichenstellung für die politische Landschaft nach der Ära Merkel.
Die Piratenpartei spielt keine nennenswerte Rolle mehr, selbst wenn sie in den Bundestag einziehen sollte.

Mönchengladbach: Ruhe vor dem Sturm
2014 sind Kommunalwahlen und ich gehe fest davon aus, dass sich schon aus diesem Grund 2013 in Mönchengladbach politisch nicht viel tun wird. Jeder will sich profilieren und gleichzeitig dem eigenen beabsichtigten Profil (vermeintlich) schadende Vorhaben verhindern. Damit wird sich die Politik hierzustadte gegenseitig auf den Füßen stehen.
Diese Situation wird weitergehen, bis die beginnende heisse Phase des Wahlkampfes im Laufe des Herbstes das Bündnis zerreisst.

Die Welt verändert sich grundlegend
In den USA kommt es zu einem großen Kurswechsel. Obama muss sich in seiner zweiten Amtszeit nicht mehr um die Wiederwahl kümmern und wird einige überraschende Entscheidungen verkünden. In Frankreich wird Hollande einige seiner Versprechen erfüllen – sehr zum Ärger Deutschlands. Der Nahe Osten versinkt in einem zweiten Anlauf des Arabischen Frühlings, nachdem der erste gescheitert ist. Die neue Revolution wird, ausgehend von Syrien und Palästina, zu einer Art internationalem Bürgerkrieg von Indien bis in die Türkei. Wir Zentraleuropäer werden davon aber nicht viel bemerken.

Medienwelt
In Deutschland wird mindestens eine als gesund geltende Tageszeitung empfindlich einbrechen. Mehrere unabhängige Filmprojekte aus dem Internet feiern Erfolge an den Kinokassen. Das eBook wird weiterwachsen, aber es wird nicht viel in der Art wirklich neues geben.

Vorsätze

Blog
2012 habe ich es in der ersten Jahreshälfte einigermaßen geschafft, regelmäßig hier zu schreiben. Dann kam die Sommerpause, in der alles ein wenig durcheinander kam und danach kam ich nicht wieder in einen brauchbaren Schreibrytmus. Dabei gab es nun wirklich genug potenzielle Inhalte für das Blog.
2013 will ich wieder dahin kommen, regelmäßig hier zu schreiben. Die Themen bleiben das bekannte Potpourri: Politik mit Fokus auf der lokalen Ebene, auf der ich selbst tätig bin, eBooks und hin und wieder mal was anderes, vor allem aus den Bereichen Wissenschaft & Technik. Angeblich eine viel zu polymorphe Mischung für ein konsistentes Blog, aber trotz dieser schönen Sammlung an Xenolemata halte ich das für mich persönlich für irrelevant – das ist mein Blog, es berichtet nicht wirklich, sondern spiegelt mehr mich und meine Interessen. Trotz eines bedauerlichen Mangels an Dinosauriern.

eBooks
Letztes Jahr habe ich mein Ziel in diesem Bereich bei weitem nicht erreicht. Das will ich 2013 ändern. Allerdings gebe ich diesmal kein pauschales Zeil von 10 Büchern im Jahr aus, sondern ein konkreteres, was den Motivationseffekt des Vorsatzes steigern sollte.
Das bedeutet, ich will 2013 mindestens diese Bücher fertigstellen: 2 weitere Bände der Reihe Meilensteine der Evolution, 1 Roman (wahrscheinlich Ètrenne, zu dem ich beizeiten mehr schreibe), 1 Kochbuch (unter Synonym, das aber nur um Verwechslungen mit den anderen Büchern zu vermeiden).

Politische Projekte
Auch mit politischen Projekten möchte ich weiterkommen und vor allem ein paar echte Pflöcke einschlagen. Das Ziel ist erneut, 4 größere Projekte erfolgreich anzustoßen oder mitzugestalten. Konkret denke ich an zwei Radwegeprojekte, ein Projekt für nachhaltige Luftfahrt, ein wirtschaftspolitisches Projekt. Aber diese Liste kann sich das Jahr über noch verändern, je nachdem, welche Themen von ausserhalb aufkommen oder mir in den nächsten 12 Monaten sonst so einfallen.

Projekt X
Ausserhalb dessen steht noch ein Projekt, dass ich dennoch hier zusätzlich einfüge. Dass ich zu diesem noch nichts sage ist keine Geheimniskrämerei oder soll es zumindest nicht sein. Aber ich überlege momentan, wie ich es möglichst gut präsentiere, denn dieses Projekt soll ein Erfolg werden und dafür braucht es eine gute Startpräsentation des Vorhabens.
Wie gesagt, es ist nicht direkt ein politisches Projekt, sondern mehr ein kulturelles und wirtschaftliches und ich werde dazu Crowdfunding anstoßen müssen. Es hat nichts mit meiner Partei zu tun und ist ein Projekt, das ich selber als Privatperson umsetzen will. Es geht, soviel kann ich schon sagen, um Bestattungs- und Erinnerungskultur.
Ich will es nicht 2013 komplett umsetzen, aber ich will es beginnen und bekannt machen. Wenn allein die Idee sich nur ausreichend verbreitet, wenn andernorts eine Diskussion darüber geführt wird, ist schon sehr viel erreicht. Wenn ich es dann in den nächsten Jahren auch noch umsetzen kann, wäre das natürlich absolut großartig.

Rückblick: 2012 0 

Wieder ist ein Jahr vorbei, Zeit zurückzublicken. Aber zunächst etwas Musik, die wieder sehr hübsch von DJ Earworm zusammengemischten Charthits des Jahres in den USA.

So und jetzt freu ich mich erstmal über die Verdienste dieses Jahr: Weltuntergang überlbet und auch noch den Friedensnobelpreis erhalten. Das macht sich bestimmt gut im Lebenslauf.

Mönchengladbach
Der Politikbetrieb wurde 2012 weitgehend von den insgesamt drei in einem Jahr zu beschließenden Haushalten gelähmt: Haushalt 2012, Haushaltssanierungsplan und Haushalt 2013. Entsprechend wenig geschah in diesem Jahr in der Politik.
Das Thema Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße kam immer mal wieder auf, wobei ich jede Gelegenheit genutzt habe, die Diskussion in die Öffentlichkeit zu bringen. Leider mit wenig Ergebnis bisher.
Die Radstation für den Hauptbahnhof Mönchengladbach ist nunmehr konkret geplant und soll so aussehen:

Mfi baut seine riesige Mall an der Hindenburgstraße, wofür immerhin das hässliche alte Theater abgerissen wurde. Der mfi-Bau ist zwar auch nicht sonderlich schön, aber immerhin ein Fortschritt. Und als Bonus wird damit die Stepgesstraße geschlossen, was ein wichtiger Rückschritt für den Autoverkehr ist (während Fahrräder dort weiter fahren dürfen). Nur leider kommen wir auch hier nicht damit voran, die restliche Stadt auf die absehbaren Veränderungen vorzubereiten, die so ein Riesenteil für die anderen Stadtteilzentren mit sich bringt. An der Waldhausener Straße gibt es erste kleine Ergebnisse der Altstadterneuerung, auch wenn Eckpunkte wie die Umgestaltung des Platzes an der Ecke Aachener Straße noch nicht vorankommen. Der Neubau der Stadtbibliothek ist ein spannendes Thema, das dank unserer Fraktion in der gesellschaftlichen Debatte ist. Dann ist da natürlich noch der Beitritt zum Stärkungspakt, mit dem die Stadt in einem Kraftakt aus den Schulden rauskommen soll. Wir werden sehen, wie das mit der wenig konstruktiven Bezirksregierung laufen wird.
Alles in allem ein ruhiges Jahr. Hätte politisch ruhig etwas aufregender sein können. Aber es wurden viele Grundsteine gelegt für 2013.

eBooks
Ich habe nicht ganz die Zahl an Titeln erreichen können, die ich erhofft habe und daraus werde ich meine Schlüsse ziehen müssen wie ich in diesem Bereich effizienter arbeiten kann.
Immerhin aber ging am 17. April mein erster Band von Meilensteine der Evolution in den Verkauf. Feuchten Fußes ist immer noch mein bestlaufendes Buch, was es umso wichtiger macht, endlich mit dem nächsten Band der Reihe voranzukommen. Tatsächlich ist Staksigen Schrittes fast fertig und sollte in den nächsten Tagen erhältlich sein, gefolgt vom ursprünglich als zweiten geplanten Band Schwarzer Schwinge.
Ebenfalls gut läuft inzwischen der Luftpirat, auch wenn der finanziell mit 0,30 € pro Verkauf nicht wirklich viel bringt. Trotzdem nett, wahrscheinlich werde ich weitere Bände der Reihe umsetzen (leider nicht alle, da so weit bekannt niemand alle Bände hat, ich erst recht nicht).
Übrigens sind die Verkäufe von Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum komplett weg, seit die eBook-Einführung von literaturcafe.de sich in einem neuen Kapitel ebenfalls des Themas annimmt.

Ergebnis: Vorsätze
Zum Ergebnis meiner Vorsätze für 2012: Mein Gewichtsziel von 85 kg habe ich erreicht und stabilisieren können. Ich bin wie geplant komplett vom Desktop-PC auf den Laptop umgestiegen. Den Umfang meiner Bibliothek habe ich nur geringfügig verringern können, aber immerhin etwas. Dies hielt allerdings wie erhofft genau mit der Zunahme an Papier Schritt, das ich an Ratsunterlagen unterbringen musste.
Nicht geklappt hat das Ziel, 10 Bücher neu zu veröffentlichen – es ist genau eines geworden, das zuvior erwähnte Feuchten Fußes. Ich habe mich definitiv in zu vielen Projekten auf ein mal verzettelt, mein Perfektionismus hat das Übrige getan. Politisch sieht es etwas besser aus: Die Radstation MG ist beschlossene Sache, Mönchengladbach hat eine neue Sperrzeitenverordnung und eine Grüne Jugend gibt es in MG dank sehr aktiver neuer Mitglieder auch wieder.

Vorhersagen im Check
Zum Jahresanfang habe ich einige Vorraussagen für 2012 gewagt. Genauer diese hier:

Kurze Vorhersage: Der CASTOR kommt an MG vorbei wenn nicht gar durch MG, wogegen es ordentlich Widerstand gibt. Ansonsten geht es in der Stadt um große Dinge: Verkehrsentwicklungsplan, Lärmaktionsplan, Grimshaws Masterplan, Luftreinhalteplan – wenn es mit „-plan“ aufhört, ist es 2012 Thema. Mit etwas Glück sogar der immer noch suboptimale Busfahrplan in der Stadt. Meister und Vizemeister im Fußkugeln heissen beide Borussia. In Deutschland kommt es zum Durchbruch des eBooks, was weitreichende Auswirkungen auf die hiesige Kulturpolitik und Medienindustrie haben wird. eBooks werden für den Buchmarkt das, was das Internet für die Zeitungen bereits ist. Piraten und FDP gehen am jeweils eigenen Erfolg zu Grunde, wenn auch auf unterschiedliche Weise (FDP weil ihre Erfolge uns zunehmend in den Abgrund reissen, Piraten weil sie durch ihre eigenen Erfolge überflüssig werden). Das Ende der Welt verhindert grade noch rechtzeitig einen verheerenden Wahlsieg der Republikaner in den USA.

Und hier nun das Ergebnis: Der CASTOR kam dank des überraschenden Landtagswahlkampfes nicht und wird jetzt wohl gar nicht mehr kommen, weil der Jüchener Atommüll in die USA soll, wo er herkommt. Die Pläne waren erwartungsgemäß das große Thema in der Lokalpolitik, nur der Verkehrsentwicklungsplan ist nicht wirklich vorangekommen. Borussia Dortmund wurde zwar Meister, Borussia Mönchengladbach aber „nur“ Tabellenvierter. eBooks sind das große Thema in der Buchbranche, selbst wer nicht darüber spricht, spricht darüber, wieso er nicht darüber spricht. Das Schicksal der FDP und der Piraten ist weitgehend so eingetroffen wie vorhergesagt, wobei ich bei den Piraten bei der Begründung für die Vorhersage noch zu viel zugetraut habe – das ist erschreckend. Das Ende der Welt kam nicht, aber die Republikaner haben ja auch nicht die Wahl in den USA gewonnen.
Gar nicht so schlechte Glaskugelei.

Orakellösung
Am 1. Januar hatte ich meinen letzten Einkauf 2011 gelistet um mal zu schauen, ob er als Orakel taugt. Schauen wir doch mal, es waren:

  • 3 Pfund Äpfel
  • 500 g FIMO
  • 1 Mülleimer
  • 4 LED-Glühbirnen
  • 5 Liter destiliertes Wasser
  • 1 Baguette
  • 1 neues Rücklicht fürs Fahrrad

Okay, also mal sehen: Ich bin definitiv gesünder als noch vor einem Jahr, mit weniger Fett, mehr Kraft und Ausdauer (Äpfel). Die Müllgebühren sind in MG ein überraschend großes Thema geworden (Mülleimer), ich habe meine Technik recht umfangreich modernisiert (LEDs) und bin viel Rad gefahren (Rücklicht). Aber Baguette und FIMO? Keine Ahnung. Immerhin weiss ich jetzt, dass dieses Päckchen FIMO da im Schrank jetzt auch schon ein Jahr hier rumliegt.
Also: Einkaufsorakel taugt nix. Oh, mein letzter Einkauf 2012 waren übrigens ein Handy und eine Bifi. Das ist vermutlich noch ein wenig unorakeliger, also lassen wir den Quatsch in Zukunft wieder.

Morgen dann mein Ausblick auf 2013.

eBook-Löschung: Die Überlebenden – feat @Prinz_Rupi 1 

In den letzten Tagen habe ich in meinen beiden eBook-Sammlungen (Kindle und ePub-Bücher) die Ratgeber-Abteilung durchforstet. Um genau zu sein die Diät- und Eigenverleger-Ratgeber. Der Ansatz war, nur die wirklich nützlichen zu behalten, jene, die mir neues brachten.
Nach einigen Tagen, in denen ich alle einschlägigen Titel durchforstet habe blieben 2 übrig. Der Zähler auf meinem Kindle sank um 58 Titel (ich habe sie nicht nur vom Gerät, sondern auch in meiner Kindle Cloud gelöscht), wie viele ePubs und PDFs ich gelöscht habe, weiss ich nicht einmal. Sie alle zeichneten sich dadurch aus, mir nichts zu erzählen, was ich nach fast einem Jahr im Geschäft nicht schon wusste und hunderte Male in Blogs gelesen hatte. Bei vielen dauerte das Blättern länger als das Durchfliegen des Textes. Welche zwei also schafften es, dem großen Löschen zu entgehen, warum und wie können andere Ratgeber-Autoren davon lernen?

Nun, diese zwei.

Es sind zwei sehr unterschiedliche Bände, jeder ist aus einem anderen Grund auf dem Lesegerät verblieben.

Zunächst zum einfachen: Rechterhands haben wir How I Made Over $42,000 in 1 Month Selling My Kindle eBooks von Cheryl Kaye Tardif. Sie durfte bleiben, weil sie sehr frisch und zugleich ehrlich schrieb.
Überzeugt hat mich ihr erster Rat zum Thema Marketing:

Be a blowfish

Die meisten Marketing-Ratgeber erzählen dir etwas vom Verkaufen deiner Qualitäten, von Zielgruppen, deren Ermittlung und deren Ansprache. Tardif sagt klar und gradeheraus: Pluster dich etwas auf.
Das also ist der eine Trick, um mich zum Weiterlesen zu bringen und auf meinem Lesegerät bleiben zu dürfen: Originalität gepaart mit Ehrlichkeit.

Der Band links ist Wilhelm Ruprecht Frielings Wie man erfolgreich E-Books verkauft, ein Interviewband des Verlegers mit erfolgreichen Selbstverlegern vor allem aus Deutschland.
Frielings Band macht etwas, was leider noch viel zu wenige machen und eigentlich im elektronischen Verlegen ein logischer Schritt sein sollte: Updates. Das Buch verspricht mir einfach, hin und wieder mit etwas neuem ergänzt zu werden, es hat dies mit einem Blog gemein: Was sich einmal interessant las verspricht, mehr davon zu liefern und gelegentlich auch den selten gewordenen völlig neuen Gedanken zu bringen. Selbst wenn das Buch mir aktuell wenig neues bietet, so kann doch mit jeder Aktualisierung ein Interview dazukommen, welches eine wirklich aussergewöhnliche Erkenntnis mit sich bringt, die das Geschäft potenziell komplett umkrempelt. Oder zumindest einen meiner sicherlich inzwischen eingefahrenen Fehler, den ich selbst nicht bemerke, ausbessert.
Amazon macht Aktualisierungen mangels automatischer Benachrichtigung der Kunden nicht grade komfortabel, aber es geht auf jeden Fall und ich hoffe sehr, dass die das mit der Automatisierung auch noch hinkriegen, wenn der Bedarf groß genug wird.

Ich arbeite mit beiden Methoden und die Resonanz in Rezensionen und Leserbriefen war bisher durchgehend überaus positiv. Also, liebe Sachbuchautoren: Nutzt diese Möglichkeit, im digitalen Zeitalter einen Zusatznutzen anzubieten und schreibt in einem angenehmen Stil, der näher am Blog als am klassischen Sachbuch ist. Die Leser werden es danken.

Mir bleibt noch, schleichwerbenderweise darauf hinzuweisen, dass für beide Bücher eine Aktualisierung in Arbeit ist, bei der jedes auch um ein neues Kapitel erweitert wird. Im Falle von Feuchten Fußes setze ich dabei direkt den Vorschlag eines Lesers um.
Das ist denn vielleicht auch mein dritter Tipp für zufriedene Leser: Bietet Kontaktmöglichkeiten. Alle meine eBooks enden mit einer Seite, auf der ich eMail, Twitter und Blogadresse aufliste und um Anmerkungen, Anregungen und Kritik bitte. Es ist sehr wirkungsvoll und ich denke, selbst jene Leser, die daraufhin nicht schreiben (etwa 99% aller Käufer), wissen zumindest die Möglichkeit zu schätzen.

Rezensionen und ich 0 

In den letzten Tagen haben einige Skandale das Ansehen von Rezensionen auf Online-Portalen erschüttert: John Lockes gekaufte Jubelkritiken und RJ Ellorys Sockenpuppen. Im Moment trifft das nur Amazon, aber es kann sich durchaus weiter ausbreiten. Allem Anschein nach zieht der Fall mit John Locke bereits weitere Funde bei anderen Autoren nach sich.
Glücklicherweise (in gewissem Sinne) ist das kein Problem, das man nur verlagsunabhängigen Autoren vorwerfen kann: Ellory ist ein erfolgreicher Krimi-Autor, der bei Orion bereits zwölf künstlerisch und finanziell erfolgreiche Romane veröffentlicht hat und 2013 einen dreizehnten folgen lassen wird.
John Locke war der erste unabhängige Autor, der eine Million Exemplare seiner eBooks verkaufen konnte und darüber prompt ein eBook geschrieben hat. Inzwischen ist er allerdings weitgehend vergessen (was die Frage erlaubt, ob der Skandal Absicht war). Locke gibt offen zu, sich wenig um das schriftstellerische Handwerk zu kümmern und mehr auf Geld aus zu sein. Er gilt auch als der Autor, der für die extreme Verbreitung des 0,99-€-Preises verantwortlich ist. Keine Verbindung zu diversen anderen John Lockes.

Rezensionen sind ein faszinierendes Thema für Schriftsteller: Als Lebenselixier verklärt, als Pfeilgift gefürchtet, Quell von Amüsement, Hoffnung, Streit und Verzweiflung. Rezensionen haben ihre eigene Geschichte als Beiläufer der Literatur, jenes Leben, was man in der Biologie mit dem so perfekt übertragbaren Begriff der Kulturfolgertum bezeichnet. Die Bekanntheit Marcel Reich-Ranickis zeigt, wie weit man es als guter Rezensent bringen kann.

Skandale wie die obigen schaden dem Ansehen nicht nur der Rezensionen und Rezensenten, sondern auch der Autoren. Wer solche Methoden nötig hat, der zeigt mangelndes Vertrauen in die Qualität seiner Werke (ob nun gerechtfertigt oder nicht). Und auch wenn das Phänomen keineswegs nur Indies betrifft bestärkt es letztlich die Vorurteile gegen diese, wogegen ich die Einstellung Joe Konraths, es handele sich um eine Hexenjagd und man solle sich auf „den eigentlichen Feind“, die großen Verlagshäuser, konzentrieren wenig hilfreich finde. Allerdings wird es solch schwarzen Schafe immer geben.

Die Ursache hierfür liegt aber tiefer. Wenn Autoren eine Rezension schreiben, haben sie einen Gewissenskonflikt. Sie bewerten öffentlich einen direkten Konkurrenten ihres eigenen Produktes. Auch wenn man das kann, sobald man ein Buch schlecht findet und ihm eine entsprechende Wertung verpasst, wird man verdächtig, andere Autoren schlechtmachen zu wollen. Das schadet einem selbst. Schreibt man eine gute Kritik und der Leser identifiziert einen als Autoren vermuten viele Leser eine Gefälligkeitsrezension, also eine Bewertung anhand persönlicher Bekanntschaft und Sympathie anstelle literarischer Qualität. Das schadet dem gelobten Autoren.
Aus diesem Grund gibt es von mir keine Buchbesprechungen bei Amazon. Ich empfehle hin und wieder gute Bücher im Blog oder auf Twitter (wo das Verhältnis zu den Lesern ein anderes ist), aber auf den Rezensionsseiten wird es von mir nichts geben.

Die Sache mit dem Bücherregal 1 

In einer aktuellen Geschichte der dpa, 1:1 nachgedruckt in diversen „Qualitätsmedien“ ( Schwäbische, Westdeutsche Zeitung, Stern, Grenzecho, Rhein-Zeitung – ja, da merkt man richtig die schwere Arbeit, die im Zeitungsmachen steckt) lesen wir vom Untergang des Bücherregals und vom Bücherregal als „Visitenkarte“. Aber taugt das Bücherregal überhaupt als solche?

Ich sehe in dieser Idee einige Probleme und fange mit dem einfacheren an: Wenn ich jemandes Buchregale sehe kenne ich ihn in der Regel bereits recht gut. Natürlich gibt es Menschen, die eine Wohnung betreten und die man noch nicht kennt – das aber ist in der Regel vor allem unangenehmes Publikum oder solches aus unangenehmen Anlässen: Ärzte, Gerichtsvollzieher, Polizeibeamte, Einbrecher…
Der Punkt ist der: Wer mein Bücherregal sieht, den kenne ich bereits ausreichend gut, dass sich der Informationsgehalt dieses Anblicks in Grenzen hält (und ebenso umgekehrt). Es ist ein ganz brauchbarer Ansatz für Small Talk, aber das ist jeder andere Regalinhalt ebenso. Und wenn keine Regale da sind, dann der Wandbehang. Oder sonst etwas in der Wohnung.
Das ist noch ein eigener Unterpunkt hier: Eine Persönlichkeit schlägt sich im gesamten Wohnraum einer Person nieder, nicht nur im Bücherregal. Eigentlich sogar am allerwenigsten im Bücherregal, aber darauf komme ich im nächsten Punkt.

Das andere Problem ist die inhärente Oberflächlichkeit des Buchregalbetrachtens.
Welche Information bringt es denn, ein Buchregal einer Person anzuschauen? Ein Überblick über die Bücher, die eine Person besitzt. Die Bücher aber erzählen niemandem ausser ihrem Besitzer ihre Geschichte. Wurden sie gekauft, weil sie interessant waren, oder nur hübsch? Oder sind es Geschenke? Pflichtkäufe für Schule und Studium? Oder gar Käufe mit dem expliziten Ziel, sie ins Regal zu stellen, um Besucher zu beeindrucken oder damit das Regal hübscher aussieht?
Wer aus dem Buchregal Informationen über eine Person bezieht riskiert massive Fehleinschätzungen, denn grade diese zentralen Informationen über die Person, jene die sich in der individuellen Geschichte jedes Bandes in diesem Regal ausdrücken, grade die sind von allen Regalbefüllungen beim Buch am wenigsten sichtbar. Einfach weil es so viele mögliche Gründe gibt, Bücher zu kaufen.
Das unterscheidet Literatur von praktisch allen anderen Dingen, die wir in unsere Regale stellen – der bildungsbürgerliche Dünkel der Literatur, ausgerechnet die Überzeugung vom Buchregal als Visitenkarte führt zu bewusster Inszenierung des Bücherregals, zu einer Verfälschung eben jenes Spiegelbildes, welches die Regale darstellen sollen. Im Zweifelsfall ist ein Buchregal kein Blick in eine Seele, sondern Teil einer Maske.
Wie viel Persönlichkeit steckt dagegen in anderen Regalbefüllungen – sei es ästhetischer Geschmack, Kunstfertigkeit des Wohnungsbewohners (etwa bei Modellbauern, ein Hobby, dem ich als Gegentrend zum Digitalen eine glorreiche Zukunft vorhersage) oder der vom Dünkel meist unverfälschte Geschmack in der Musik und bildenden Kunst.
Das bedeutet natürlich eine kleine Revolution: Die Repräsentativität des Regals, ob real oder nicht, hat uns zu literarischen Lügnern erzogen. Wir stellen unsere Regale voll mit Büchern, deren Anblick Besucher beeindrucken soll und sonst nichts (es gibt da einen Buchhändlerwitz mit einer Bestellung von einem Regalmeter Goethe und „ausserdem noch was zum Lesen“, in dem viel Wahrheit steckt). Diese Lüge hat ganze Verlage ernährt, die hochgeistige Literatur verlegten, die in Wahrheit kaum jemanden interessiert. Was passiert mit diesen, wenn Literatur nicht mehr als Fassade taugt? Oder wird es immer ein paar Relikte geben, die diese Funktion beibehalten?

eBook-Land Woche 36 und 37 0 

Bücher im Verkauf: 5 | Eigene: 2 | Einkünfte: 221,52 € | Händler: 6

In eigener Sache
Der Juni war alles in allem kein guter Monat, sowohl Verkäufe als auch Einnahmen aus Werbeschaltungen gingen deutlich zurück. Damit bin ich offenbar nicht allein. Aber mit wöchentlich über 10 € Einnahmen kann ich mich eigentlich nicht beklagen: Das ist wenig Geld, aber es ist stetig und ich bin ja noch nicht einmal ein Jahr dabei. Und es kommt ja diesen Sommer noch einiges an Titeln dazu.
Es ist weit davon entfernt, davon leben zu können, aber dennoch bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Jetzt heisst es, darauf aufzubauen. Schön wären so 100 € die Woche, das würde mir schon einiges an Freizeit verschaffen, weil ich bei meiner derzeitigen Haupteinkommensquelle, dem Texten, die Aufträge etwas runterfahren könnte. Diese Zahl liegt mit dem richtigen Angebot definitiv im Bereich des Machbaren.


Freundliche Hinweise
Miriam Pharo hat wieder ein neues Buch raus und diesmal ist es auch gleich als eBook erhältlich – und noch bis Mittwoch kostenlos. Frikassee zum Frühstück ist ein Zukunftskrimi und die Fortsetzung von Jimmy der Mops. Jimmy hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen, dieser Band hier steckt aktuell in der Warteschleife, bis ich mit Harry Potter fertig bin, das sich als bessere Reihe herausgestellt hat, als ich erwartet hatte (ja, meine Erwartungen sinken erheblich sobald ein Buch ein Bestseller wird). Kritisieren kann ich bis jetzt nur die praktisch identischen Cover. Wäre da nicht die Zahl links oben auf dem zweiten Band wären sie auf dem Schwarzweiss-Display eines eBook-Readers identisch.
Ebenfalls hinweisen möchte ich auf eine Sommeraktion von Eileen Janket, die für einige Zeit alle ihre eBooks bei Amazon für 0,99 € anbietet. Ich bin sehr gespannt, ob ihr das den erhofften Erfolg bringt.

Aus der Szene
Sommerloch! Aber da wir diesmal zwei Wochen zu überblicken haben kommt dennoch ein bisschen was zusammen. Also denn:
Fangen wir mal mit dem Thema Finanzierungen an: Das eine ist die Nachricht, dass Seth Godin sein neues Buch innerhalb von vier Stunden per Kickstarter finanzieren konnte. Das ist toll, ich warne aber vor übermäßigem Enthusiasmus: Seth Godin ist Seth Godin, einer der bedeutendsten Marketing-Fachleute der englischsprachigen Welt und Bestsellerautor. Er hat damit ein paar Vorteile, die die meisten Autoren nicht haben, ähnlich wie Joanne K. Rowling bei der Eröffnung von Pottermore den dezenten Vorteil hatte, Joanne K. Rowling zu sein. INteressanter für Otto-Normal-Autor ist da schon der Erfolg von unglue.it mit der erstmaligen Freisetzung eines Buches über Spenden.
Die Buchhändler zeigen unterdessen erste Panikerscheinungen, wobei erste sehr plausible Orakeleien über das Ende des Kochbuchs nicht helfen. Aus der EU kommt zugleich eine Erklärung zum digitalen Buchmarkt, die allerdings noch etwas substanzlos ist.

Und dann gibt es da noch die Sache mit den datensammelnden eReader, die ich nicht so recht nachvollziehen kann: Bei jedem Besuch einer Webseite werden mehr Daten gesammelt (und vor allem nur halb-anonym, da mit einer Anbschlusskennung – IP – verbunden) als das. Hier erfährt der Verlag nur, dass irgendwelche Leser diese oder jene Passage markiert und bis zu einer bestimmten Stelle gelesen haben. Das sind wertvolle Daten, um bessere Bücher zu machen, aber daraus lassen sich keinerlei Erkenntnisse über die einzelnen Leser gewinnen. es sei denn, ein Buch wurde nur ein mal verkauft.

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