Der Beherrscher des Luftmeeres 0 

Hui mal wieder ein kleines Buch-Making-Of. Diesmal wieder ein gemeinfreies Werk in eBook-Form: Der Beherrscher des Luftmeeres, der erste Band der Heftromanreihe Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Nun denn:

Das Buch (naja, Heft)
Der Luftpirat, erschienen ab 1908, war die vermutlich erste Science-Fiction-Heftromanreihe. Sie dreht sich um die Figur des Kapitän Mors, ein rätselhafter Ingenieur und Menschenrechtsidealisten. Nachdem eine Gruppe von Aufrührern, denen er sich nicht anschließen will, sein Anwesen in Georgien zerstört und seine Familie ermordet flieht er und baut im verborgenen sein größtes Werk: Ein lenkbares Luftschiff von nie dagewesener Größe und Geschwindigkeit. Auf dem Erdboden fälschlich als Verbrecher verfolgt erklärt er sich zum Beherrscher der Lüfte und nimmt aus Rache den Kampf gegen all jene auf, die sich gegen Freiheit und Menschenrechte stellen.
Beim Lesen und übertragen des Texte kam mir sofort eine klare Assoziation in den Sinn: Steampunk-Batman!
Mors ist ein im verborgenen lebender, hochgebildeter Verbrecherjäger mit Geheimidentität, der vorzugsweise nachts aus der Luft auf seine Gegner herabstößt und dabei Angst und Schrecken verbreitet. Er verfügt über Technologie knapp jenseits dessen, was seine Zeitgenossen haben und trägt eine Maske. Gebt dem Mann Fledermausohren und rasiert ihm den Bart ab und ihr habt den Vater von Bruce Wayne. Das ist vermutlich reiner Zufall, aber dennoch amüsant.
Der Luftpirat markiert einen interessanten Moment in der Science-Fiction, nämlich den Endpunkt jener Zeit, die heute das Genre des Steampunk inspiriert. Flugzeuge konnten damals bestenfalls um die 100 Meter hüpfen. Luftschiffe waren die große Zukunftstechnologie, angetrieben von den Erfolgen des Grafen Zeppelin in Deutschland und des Erfinders Santos-Dumonts in Frankreich. Und hätte das Flugzeug im Ersten Weltkrieg nicht den gewaltigen Entwicklungsschub erhalten, den es dank des Militärs bekam, hätte unsere Gegenwart sehr anders aussehen können. Inzwischen hat sich ein eigenes Genre der Science-Fiction zu diesem längst vergangenen Zeitalter herausgebildet, der aktuell sehr erfolgreiche Steampunk.
Der Beherrscher des Luftmeeres ist der erste Band der Serie und führt den Hauptcharakter, einige seiner Crew und seine Feinde ein. Die Geschichte lässt sich, wie jeder Band der Serie, allein lesen und ist sehr kurz.

Beim Text habe ich ein neues Verfahren gewählt: Statt wie bisher den Text in LibreOffice zu verfassen und von diesem in HTML abzuspeichern habe ich ihn diesmal zwar in LibreOffice geschrieben (direkte Abschrift des Originals), dann aber per Kopieren/Einfügen in eine einfache Textdatei übertragen und den HTML-Code manuell hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein deutlich sauberer HTML-Code, der sich besser und reibungsloser in das eBook-Format übertragen lässt. Das alte Verfahren hatte hin und wieder Fehlermeldungen produziert, die ich erst bearbeiten musste, jetzt klappt es reibungslos. Dieses Verfahren werde ich in Zukunft immer wählen. Die Rechtschreibung habe ich wie bei den beiden englischen Bänden zwecks Authentizität beibehalten, was insbesondere bei den ß auffällt. 1908 schrieb man bereits die deutsche Einheitsschreibung nach Duden, daher sind hier wenig Stolperfallen zu erwarten.

Das Cover
Anders als mein erstes veröffentlichtes gemeinfreies eBook, Armata hatte dieser Band zwar ein eigenes Cover, aber es war leider nicht in brauchbarer Auflösung zu haben und alles was ich hatte war eine modifizierte Schwarzweiss-Version aus einem modernen Sammelband. Also nahm ich, was ich hatte und puzzelte daraus ein neues Cover zusammen.
Dabei folgte ich einem Stil, den viele Volksausgaben größerer Bücher damals verfolgten: Ein schwarzes Titelbild mit einem verkleinerten Abbild des Originaltitelbildes in der Mitte. Das Logo hatte ich online von einem Bild von Band 45 und war anscheinend immer so schief. Das Titelbild von einem anderen online gefundenen Bild des Covers der ersten Ausgabe nahm ich dazu und vergrößerte soweit ich grade noch vertreten konnte. Das Ergebnis ist beim näheren Ansehen keine Schönheit, funktioniert aber und ist zumindest auch nicht wirklich schlecht. Es hat ein wenig vom Flair dieser Zeit.
Die Titelschriftzüge setzte ich in der dem Original nahen Schriftart Leipzig Fraktur, eine sehr gute freie Frakturschrift, die auch die wichtigsten Ligaturen und sowohl das lange als auch das runde s enthält. Das war hier wichtig, da ich beide S-Formen brauchte. Im Gegenzug merke ich grade, dass ich das „ch“ nicht als Ligatur gesetzt habe. Naja, es gibt schlimmeres und der Upload ist nunmal schon erfolgt. Trotzdem blöd.
Der Kontrast zwischen Antiqua-Logo und Fraktur-Titel war übrigens schon im Original enthalten.

Einstellen
Blieb noch, das ganze bei Amazon hochzuladen und auf die Freischaltung im Shop zu warten.
Eine Weile hatte ich überlegt, das Heft nach dem Preisschema für moderne Heftromane für 1,49 € zu verkaufen. Da es aber sehr kurz ist, bin ich letztendlich doch beim Amazon-Mindestpreis von 0,89 € geblieben.
Nun denn, Sonntag abend eingestellt und heute gegen 5 Uhr morgens (laut eMail-Benachrichtigung) online gegangen. Das war etwas länger als die letzten Werke, aber immer noch in Ordnung.

Schlussgedanken
Das Cover ist nicht ideal und sobald ich die Möglichkeit erhalte, einen Scan des Originals zu machen oder zu bekommen, tausche ich es aus. Immer noch unschlüssig bin ich, ob ich den Text nicht doch noch in die neue Rechtschreibung oder gar meine Hausorthografie übertragen soll. Grammatik und wortwahl unterscheiden sich nur äusserst geringfügig vom modernen Gebrauch, ein echtes Problem wäre das also nicht.
Aber dafür ist wenigstens bei den Anführungszeichen inzwischen alles klar: Die Leserschaft will offenbar die aus der Schule bekannte deutsche Setzung, also hat dieses Buch genau diese auch bekommen. Wenigstens eine Detailfrage abgehakt.
Wenn dieser Band funktioniert folgen die anderen irgendwann in bunt gewürfelter Reihenfolge (erstmal muss man an die Hefte rankommen, 9 Hefte scheinen überhaupt nicht mehr vollständig zu existieren). Und damit ran ans nächste Projekt.

eBook-Land: Woche 20 0 

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 58,76 € | Händler: 6

In eigener Sache
Fangen wir mit einem rückwärtigen Rudermanöver an: Meine Analyse der Umsätze von eBooksfuerlau muss warten, da es da überraschend neue Entwicklungen gibt. Konkret hat genau ein Tweet mit einem Verweis auf nur ein Buch die komplette Statistik aus dem Gleichgewicht geworfen. Jetzt muss ich erstmal abwarten, wie sich das weiter entwickelt und darf dann komplett neu in die Statistik gehen. Das ist überraschend, weil ich nicht gedacht hätte, dass bei knapp 800 Klicks pro Monat ein einzelner Titel nochmal so ausschlagen kann.

Bieten kann ich dafür die Ergebnisse der Umfrage, welche Anführungszeichen die besten für die Buchgestaltung sind. Nachdem ich mit dem Ergebnis der Umfrage hier etwas enttuscht war (4 Teilnehmer), habe ich sie noch einmal bei Toluna erstellt und dabei die Frage etwas präzisiert, indem ich „in Büchern“ hinzufügte. Die Teilnehmerzahl war nicht wirklich repräsentativ (36), aber ich hätte die Frage ja auch nicht gestellt, wenn sie einfach wäre. Auch so ist der Vorsprung jener Zeichensetzung, die wir aus der Schule kennen deutlich, knapp über ⅔ sprachen sich dafür aus. Das hat mich überrascht, da die Setzung mit den Spitzklammern ähnlichen französischen Anführungszeichen weit verbreitet ist. Während ich dies schreibe greife ich den erstbesten Roman aus meinem Regal, kriege Der Rote von Bernhard Kegel in die Finger und sehe prompt traditionell französische Anführungszeichen. Ich suche weiter und finde endlich eine Ausnahme – eine alte Ausgabe von Solaris, die wörtliche Rede gar nicht mit Anführungszeichen versieht. Sonst immer mit einer der beiden französischen Varianten. Hmm. Nach 14 Bänden habe ich endlich einen gefunden, der deutsche Anführungszeichen verwendet – aber der ist ohnehin in Fraktur gesetzt und entsprechend alt.
Wenn also unter den Lesern ein Buchgestalter ist: Woher kommt diese Diskrepanz? Hat es einen Grund, warum kaum ein Roman die deutschen Anführungszeichen verwendet?
Hier die Ergebnisse der beiden Umfragen:

Freundliche Hinweise
Lindsay Buroker hat den dritten Band ihrer Steampunk-Reihe Flash Gold mit dem Titel Peacemaker herausgebracht. Er ist jetzt bei Amazon und Smashwords erhältlich.

Aus der Szene
Eine relativ ruhige Woche, fand ich, nur zwei Schlagzeilen von wirklich nennenswertem Einfluss. Das erste ist eine Fortsetzung der Versuche einzelner eBook-Verkäufer, mehr Einfluss auf ihr Programm zu nehmen. Diesmal ist es ein für Kenner üblicher Verdächtiger – Apple weigert sich, Bücher mit Links zu Amazon in den Verkauf zu nehmen. Da es mit Seth Godin einen der prominenteren eBook-Autoren und zudem einen Marketing-Experten getroffen hat dürfte das seitens Apple eine wirklich schlechte Idee gewesen sein. In Deutschland unterdessen lamentiern die Zeitungsverlage, angeführt vom Axel-Springer-Verlag (wem sonst) sich das Recht herbei, Geld dafür zu erhalten, dass Internetanbieter (allen voran Google) ihre Inhalte zitiert und damit Leser auf die Webseiten der Zeitungen bringt.
Gleichzeitig eine Unterhöhlung des Zitatrechts und ein Schuss ins eigene Knie, da die eigenen Angebote so schlechter gefunden werden und die Einkünfte der Zeitungen im Online-Bereich mangels Leser tiefer in den Sinkflug gehen als zuvor. Das ist schon ein besonderes Kunststück.

eBook-Cover des Monats Februar 2012 0 

Im Februar sind mir nicht ganz so viele wirklich gute Cover aufgefallen wie zuvor. Das ist schade, kann aber an meinem etwas knapperen Zeitbudget diesen Monat gelegen haben. Auffällig ist, dass diesmal deutlich mehr realistisch gemalte Cover dabei sind. Das ist wohl Zufall, die Cover sind ja nicht alle aus dem Februar, sie sind mir nur im Februar erstmals aufgefallen.
Also dann:

10. The Audacity of Dope
Ein Cover, das das Thema des Romans klar visualisiert: Cannabis und Flugzeugterrorismus. Dass allerdings die Sache mit dem Flugzeug und die darauf folgenden politischen Verwicklungen für die Geschichte deutlich zentraler sind als die Drogen könnte einige Leser befremden. Der Titel mischt da allerdings fröhlich mit.
Dafür gibt es dann also Punktabzug und nur Platz 10: Ein Cover sollte dem Leser die Stimmung und möglichst auch den Inhalt eines Romans verraten. Dieses Cover schafft das so grade noch und es ist für sich genommen auch sehr attraktiv, ein paar Details sind jedoch nicht stimmig.

9. Desolate
Eins Strafkolonie vor der antarktischen Küste ist der Handlungsort dieses Romans. Auch hier gilt wieder: Sehr attraktives Cover, das dem Titel und Ort des Geschehens gerecht wird. Das Problem ist, dass das Buch einen völlig anderen Fokus als die Kälte und Lebensfeindlichkeit des Kontinents hat und eher in Richtung Das Ding aus einer anderen Welt geht.
Ich vermute, das Coverfoto wurde quasi ohne Budget mit der eigenen Kamera gemacht, als es grade ausreichend verschneit war. Dafür ist es sehr gut und es ist wohl kaum die Schuld des Budgets, wenn das Bild nur einigermaßen passt. Immerhin passt es halbwegs und sieht gut aus. Die Gänge des Gefängnisses oder die Mine zu zeigen war dagegen wohl einfach nicht ohne mehr Geld möglich. Insofern: Das Ideal aus dem herausgeholt, was möglich war. Hat immerhin noch für die Top-10 gereicht.

8. Winter Woman
Winter Woman setzt aussergewöhnlich gut den Gestaltungsgrundsatz um, ein Cover einmalig zu gestalten und zugleich vertraut zu wirken.
Die Schriftart und das Motiv des Pferdetrecks verraten recht schnell das Genre (Western), aber die Farbgestaltung hebt sich deutlich von den im Genre üblichen Gelb- und Brauntönen ab. Es hilft natürlich, dass das Buch das passende Szenario bietet. Ein Blizzard ist im Western ein eher seltenes Ereignis, obwohl es für die Siedler im Winter natürlich alles andere als ungewöhnlich war. Den Schneesturm auf dem Cover darzustellen hilft, eine der Besonderheiten des Buchs herauszustellen.
Schade nur, dass dabei der im Buch wichtige Konflikt mit den Mormonen und dem Indianer untergegangen sind. Seine Aufgabe, das Auge des Lesers auf sich zu ziehen und ihn zum weiteren Informieren über den Inhalt des Buches zu bewegen, schafft es aber locker.

7. Guide to Learning Python Decorators
Juhu, ein Wortspiel!
Die schönsten Wortspiele sind jene, die man erst auf den zweiten Blick erkennt während der erste Blick einen nur zu einem „Was zum…“ bringt. Dieser Effekt des ersten Blicks lockt das Auge und lädt dazu ein, sich näher mit dem Gesehenen zu beschäftigen. Das ist dann die Gelegenheit, den potenziellen Käufer zu einem tatsächlichen Käufer (und vielleicht sogar Leser) zu machen.
Um dem Autor dieses Buches das Geschäft zu vermiesen: Was Sie hier sehen ist der weisse Streifen in der Seite eines grünen Baumpython, also eben eine Pythondekoration. Das eigentliche Buch handelt natürlich nicht davon, wie man Schlangen dekoriert (hmm, warum eigentlich nicht?), sondern von einer besonderen Notationstechnik in der gleichnamigen Programmiersprache.

6. Don Coyote de la Merika
Vielleicht finde ich noch heraus, was der Titel mit der Geschichte zu tun hat, aber immerhin setzt das Cover den Titel gut um. Das einzige, an was man sich bei Don Quichote meist erinnert ist dass er gegen Windmühlen kämpfte. Diese Windmühlen sind immer noch da, nur sind es jetzt Windkraftwerke statt Häuser mit großen, windgetriebenen Mühlsteinen. Die Welt der Geschichte ist eine postapokalyptische Zukunft, aber gut zu wissen, dass es auch in dieser noch Windräder gibt.
Kein perfektes Cover für das Buch (es sei denn, da kommt nach der Leseprobe noch etwas deutlich anderes), aber ein perfektes Cover für seinen Titel. Unter der Annahme, dass der Coverdesigner wie so oft nur den Titel kannte: Sehr gelungen.

5. Flavours of Thought
Frage -> Nachdenken -> Idee!
Ein Cover, drei Bilder, ein kleiner Comic. Das Motiv geht aber über das Offensichtliche hinaus: In dem Buch geht es darum, Gedanken in insgesamt 21 kategorien einzuteilen, die wiederum zu drei Obergruppen gehören. Aus diesen sollen sich dann Kombinationen bilden lassen können, um mit typischen Problemen wie vorübergehender Depression, Selbstzweifeln und ähnlichem besser umgehen zu können. Was das Buch taugt, weiss ich nicht, ich niege dazu, von diesen ganzen Psychoberatern Abstand zu halten. Aber das Cover setzt den Grundgedanken grafisch einfach um, bildet aus den drei Einzelbildern eine Art kurze Geschichte und bleibt ansonsten zurückhaltend in schlichtem Schwarz, was sich positiv von der grafisch oftmals überladenen und bunten Konkurrenz und vor allem der Farbigkeit der Mitbewerber aus dem benachbarten Esoterikmarkt abhebt.

4. The Tinkerer’s Daughter
Clockpunk! Ich mag Clock und Steampunk und bin damit offenbar alles andere als allein.
Dieses Cover ist relativ einfach, es zeigt eine Frau in typischer Steampunk-Kleidung (was man verkleinert eider nur schlecht erkennt) mit einem Wolf vor einigen Zahnrädern. Die Zahnräder sind es, die das Genre verraten, sie sind typisch für die Ästhetik des Genres. Die Farbgebung der Zahnräder fällt etwas aus dem Rahmen und auch der Wolf ist kein typisches Merkmal bei solchen alternativen Zukunftsszenarien.
Der Wolf hat seinen Grund, denn das Buch mischt Steampunk mit klassischer Fantasy in Form einer halbelfischen Protagonistin und einer Fantasywelt. Dass man das nicht wirklich sieht ist noch zu verschmerzen, denn Clockpunk ist ein sehr kleines Genre und Werke in dieser Ästhetik fallen noch immer auf. Die Frage ist natürlich, wie lang das so bleibt.

3. Thirst
Das ist ein interessantes Cover. Ich weiss selbst nicht, woran, aber die Zuordnung zum Vanmpirroman fällt ohne eine einzige Blutspur oder sichtbare Eckzähne überraschend leicht. Wahrscheinlich ist es der einfache Titel in Kombination mit der schwarzen Farbe und der Symbolik des Kreuzes, das neben seiner klassischen Bedeutung im Christentum inzwischen auch eine Bedeutung als Waffe gegen Vampire angenommen hat. Das allein ist schon eine interessante Entwicklung, die etliche Soziologen im Brot halten wird.
Die verdeckten Augen, die Spitze und dieses leichte Lächeln auf den Lippen fasse ich in einem Wort zusammen: Sexy! Was passt, wenn man an die sexuelle Natur des literarischen Vampirmotivs denkt.

2. Manly Knits
In meiner Zeit im düsseldorfer AStA hat einer unserer Referenten einen Kurs „Häkeln für Männer“ gegeben. Entsprechend begeistert bin ich von der Existenz eines solchen Buches. Es ist nicht das seltsamste Buch in meiner Sammlung (das wäre dieses hier), aber es hat schon ein gewisses Grundniveau an Seltsamkeit.
Der gehäkelte Helm als Grundmotiv bringt ganz klar rüber, was man von diesem Buch zu erwarten hat, der Titel macht es dann unmissverständlich. Ob es sein Ziel erreicht, Männern ein eher ungewöhnliches Hobby beizubringen, kann ich nicht beurteilen. Aber jene, die es bereits betreiben können jetzt zumindest ein Buch vorzeigen, das lästige Fragen ein für allemal beendet. Das nennt man dann wohl Fortschritt.

1. Kaiserkrieger 1: Die Ankunft
Auch in der Science-Fiction muss man das Rad nicht neu erfinden und entsprechend einfach ist der Grundgedanke von Kaiserkrieger, übrigens dem einzigen deutschsprachigen Werk diesen Monat: Ein Kreuzer des Deutschen Kaiserreichs kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs findet sich plötzlich im Alten Rom wieder, kurz vor seinem Untergang. Und von da an mischt man dann in den lokalen Angelegenheiten mit und bringt kräftig die Geschichtsschreibung durcheinander.
Diese Prämisse wurde grafisch naheliegend und ohne Schnickschnack umgesetzt: Eine Galeere zerbricht am Rumpf des etliche Jahrhunderte moderneren Kriegsschiffes. Simpel, aber für Fans des Genres reicht das vollkommen um zu erkennen, worum es geht.

eBook-Land: Woche 19 0 

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 44,67 € | Händler: 6

Eine kleine Veränderung noch einmal: Den Abschnitt „Kindle gegen Bücherregal“ gebe ich auf, da er offenbar niemanden interessiert hat. Protest wie immer bitte unten in den Kommentaren. Oder meinetwegen auch per Twitter, Facebook oder wüster Beschimpfung auf der Straße. Ich bin Politiker bei den Grünen, ich bin sowas gewöhnt.
Diesmal kommt eBook-Land einen Tag später, da mich mitten im Schreiben diese Mitteilung erreichte, woraufhin ich erstmal offline ging und kurz danach auch bis in den späten Abend eine Sitzung hatte. Ich bitte um Verständnis dafür.

In eigener Sache
Viel gibt es nicht zu berichten, mir ist aber aufgefallen, dass die Verkäufe auf allen großen Märkten, in denen ich präsent bin (USA, UK, Deutschland) überraschend anziehen. Da die drei Bücher von unterschiedlichen Autoren sind und ich nur eines davon (mein eigenes) nennenswert beworben habe, ist das auffällig, aber ich kann noch nicht wirklich etwas damit anfangen. Kann man davon ausgehen, dass eBooks bei Amazon nach drei Monaten Präsenz im Bestand eine Art Eigenwachstumseffekt zeigen? Oder hängt das mit dem Wachstum des Marktes zusammen? Oder ist es am Ende nur Zufall?Fragen, die ich mit meinen spärlichen Daten nicht beantworten kann. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Dafür kann ich zur Lösung einer anderen Frage beitragen: Lohnt es sich, eBooks vorübergehend kostenlos anzubieten? Ich habe ja ein Twitter-Konto, das sich auf die Bewerbung kostenloser eBook-Angebote spezialisiert hat. Und da das bei Amazon und iTunes Affiliate-Links nutzt, habe ich daraus einige extrem interessante Datensätze bekommen, was das Verhalten der Nutzer solcher Angebote angeht. Noch ist das nicht ausgewertet, aber was sich abzeichnet ist: Es hängt davon ab, was man will, aber im Gegensatz zu den bisherigen Annahmen lohnt es sich für Verfasser von Einzelwerken mehr als für Anbieter mit eBook-Serien, denn die Käufer kostenloser Werke geben grundsätzlich kein Geld für eBooks aus und lassen sich offenbar auch von Serieneinstiegen kaum ködern. Daie Daten sagen offenbar aber auch, dass ein kostenloses Angebot praktisch keinen finanziellen Verlust darstellt, da man damit Leser erreicht, die ohnehin nie Geld ausgegeben hätten. Das gibt es dann nächste Woche ausführlich mit Zahlen und allem, wahrscheinlich in einem separaten Beitrag, weil es wirklich umfangreich wird.
Was die Anführungszeichen angeht, fand ich die Teilnahme an der hiesigen Umfrage etwas mager, daher habe ich sie nochmal beim Umfrageportal Toluna eingestellt. Auch darüber werde ich berichten, sobald die Zahlen endgültig sind. Zu meiner Überraschung führen die klassisch-deutschen Anführungszeichen im Moment deutlich. So deutlich, dass ich mich fragen muss, wieso die anderen Optionen hierzulande im Buchdesign überhaupt Anwendung finden.

Aus der Szene
Die großen Nachrichten der Woche sind Buchlöschungen: Zunächst die etwas untergegangene Meldung, dass Amazon zur Durchsetzung seiner Preisvorstellungen tausende zu teure eBooks gelöscht hat. Anders als bei früheren Skandalen bleiben gekaufte Bücher nun den Kunden zwar verfügbar, aber es ist doch auffällig, wie stark Amazon versucht, in die Marktstrategien der Verlage einzugreifen. Die mögen Müll sein, aber einem Buchhändler steht es eigentlich nicht zu, so tief in die Tätigkeit der Verlage einzugreifen.
Wem das allerdings noch weniger zusteht, sind die Dienstleister der Finanztransaktionen. Entsprechend war es denn auch der größere Skandal, dass Paypal – nicht zum ersten Mal – aktiv in das verkaufte Warenangebot eingreift und Smashwords nun also diverse Erotika-Inhalte untersagt. Die Inhalte sind ohne Frage solche, die auch ich nicht sehen will (Sodomie, Inzest, Pseudo-Inzest, nicht einvernehmliches S/M), aber sie sind als Buchinhalt nicht illegal (Pseudo-Inzest, also Inzest unter entfernt Verwandten oder Verschwägerten sowieso nicht) und wenn ein Händler diese anbieten will, so soll er dies tun. Ich muss es ja nicht lesen.
Zu einem angenehmeren Thema: Bei der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) gab es endlich mal einen differenzierten Artikel zum Thema Status des Urheberrechts, der weder den Verschärfern noch den Auflösern nach dem Mund spricht. Das war eine angenehme Überraschung.
Der VdZ (Verband der Zeitungsverleger) beschwert sich in Brüssel darüber, dass Google kostenlos Werbung für sie macht, was ausser bei mir auch bei CARTA zu Verwunderung führt.
Auf jeden Fall noch hinweisen möchte ich auf Emily Bolds Beitrag zur Zukunft des eBooks oder genauer gesagt auf die Kommentare dazu. Auf jeden Fall lohnendes Lesefutter.
Achja, Apples Kopierschutz wurde erstmals geknackt.
Ebenfalls unter „ferner liefen“: Eine Studie stellt wenig überraschend fest, dass eBooks nicht im stationären Buchhandel verkauft werden. Wie davon irgendjemand überrascht sein kann, ist mir ein ernsthaftes Rätsel.

>eBook-Land: Woche 17 und 18 0 

>

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 41,26 € | Händler: 6

Sorry für die zeitbudgetbedingte (was für ein Wort!) Pause, dafür gibt’s dann halt heute eine Zusammenfassung beider Wochen.

In eigener Sache

Nummero Uno, jawollja! Okay, der Reihe nach: Gestern verkaufte mein Buch Dieses Cover ist Müll! Lernen Sie warum glatt an zwei Tagen hintereinander je ein Exemplar. Normalerweise geht davon eines alle zwei Wochen weg. Der Effekt: Es ging auf Platz 8 unter allen Kindle-Büchern in der Kategorie »Film, Kunst & Kultur > Design«. Ja wirklich, das waren nur zwei verkaufte Exemplare, die Kategorie ist also offenbar wirklich umsatzschwach. Unter allen Kindle-Büchern insgesamt kam es damit in den Bereich um Platz 19.000. Hier der Screenshot von gestern nachmittag:

Ein weiteres verkauftes Exemplar am Folgetag (heute) erhöhte die Platzierung auf Nummer 1 in der Kategorie »Design«, 43 in »Computer & Internet« (wo es vorher nicht in die Ränge gekommen war) und 5.336 insgesamt. Ausserdem war es damit auf Platz 50 in der übergeordneten Kategorie »Film, Kunst & Kultur«, zwischen Verdis La Traviata und Alice Schwarzers Autobiografie.

Okay, das sind ein paar verdammt interessante Zahlen. Die Kategorie »Film, Kunst & Kultur« enthält momentan 1.881 Bände, insgesamt gibt es während ich dies schreibe 64.314 deutschsprachige Kindle-Bücher bei Amazon. Die obigen Zahlen bedeuten, dass nur etwas weniger als ein Drittel der Bücher es schafft, täglich ein Exemplar zu verkaufen, in meiner Kategorie schrumpft diese Zahl auf ein Dreissigstel. Die ganze Kulturkategorie ist eine eher unbeliebte und ich würde bei diesen Zahlen nicht empfehlen, dort ein Buch einzustellen, wenn es nicht zwingend dort hineingehört. »Computer & Internet« hingegen ist eine kleinere Kategorie (1.115 Bände), bei der es aber deutlich schweriger ist, in die oberen Ränge zu kommen. Mit einem Zwanzigstel über 1 Buch pro Tag immer noch unterdurchschnittlich, aber deutlich besser als Kultur. In Design verkauft sich kein einziger Titel besser, die Kategorie enthält aber auch nur 39 Bücher.
Da das Kindle-Publikum sehr computeraffin ist und auch das zweite Sachbuch in der aktuellen Bestsellerliste in dieser Kategorie steht (Kindle – das inoffizielle Handbuch) – übertroffen nur vom grade nachrichtenrelevanten Joachim Gauck – lässt sich daraus noch mehr ableiten. Es wird oft gesagt, dass sich Fiktion auf dem Kindle deutlich besser verkauft als Sachbücher. Hier sieht man nun sehr gut, wie groß die Diskrepanz wirklich ist. Sachbücher mit Absätzen von mehr als einem Buch pro Tag machen einstellige Anteile am Gesamtangebot aus. Da der Gesamtschnitt aber um die 30% liegt bedeutet das, dass die Belletristik hier mit erheblich höheren Zahlen aufwarten kann. Vermutlich 50-60% als Durchschnitt aller Kategorien (Belletristik im engeren Sinne, Science-Fiction & Fantasy, Krimis & Thriller etc.). Nur am Rande interessant, aber doch erwähnenswert, sind dabei die schleppenden Verkäufe von Schwarzers Autobiografie.
Und da haben wir es: Wer mit eBooks Geld verdienen will, schreibt Geschichten. Das ist interessant, weil es genau die gegenteilige Situation vom Printmarkt ist, wo Sachbücher das mit Abstand größte Marktsegment stellen. Wenn man zusätzlich berücksichtigt, dass die Belletristik meines Wissens deutlich mehr kostenlose Titel enthält als der Sachbuchbereich, wird die Diskrepanz noch größer. Das kann ich aber nicht überprüfen, da ich keine Möglichkeit kenne, kostenlose Werke aus der Gesamtzahl abzuziehen.
Interessant wird jetzt, ob die Verkäufe mit dem einmal erreichten Bestsellerstatus anziehen.

Freundliche Hinweise
Der gute Wilhelm Ruprecht Frieling ist in der Buchwelt etwa so rührig wie ich gerne wäre und hat so nicht nur DAS DEPOT DES TEUFELS. Diabolische Reportagen neu rausgebracht, sondern auch erweiterte Auflagen von KILLER, KUNSTFURZER, KASTRATEN. Reportagen über ungewöhnliche Schicksale sowie des wunderbar betitelten Wie die Germanen den Tanga erfanden … herausgebracht.

Aus der Szene
Fangen wir mit einem Lichtblick an: Ausgerechnet die Springerpresse, genauer Die Welt, erkennt unter dem Titel Nur nicht sentimental werden das große Problem, welches Börsenverein und Verlage, aber auch viele Autoren, an einem erfolgreichen Einstieg in die eBook-Welt hindert: Mangelnde Kundenorientierung. Denn Tage, an denen der Börsenverein die Wörter »Kunde« oder gar »Leser« in den Mund nimmt, kann man sich rot im Kalender anstreichen. Oder violett, wenn man es etwas kreativer mag.
Das Problem selbst zeigt sich denn auch zeitgleich sehr schön mit den ACTA-Forderungen der schon bei der Namensgebung verunglückten Deutschen Content-Allianz (warum nicht gleich Contentmafia?), die diesen von Stefan Niggemeier gleich ordentlich um die Ohren gehauen wurden. Ins selbe Problemfeld gehört meines Erachtens auch die mögliche Wiedereinführung der Buchpreisbindung in der Schweiz, die im März ansteht.
Doch zurück zu den Erfreulichkeiten: Jonas Winner, der Autor der erfolgreichen deutschen eBook-Reihe Berlin Gothic kann sich darüber freuen, dass die englischsprachigen Rechte an der Reihe von Amazon aufgekauft wurden. Mit Kerry Wilkinson erreicht erstmals eine britische Autorin Presserelevanz während in Amerika AK Alexander erfolgreich die Filmrechte für Daddy’s Home verkaufen konnte – soweit ich weiss ebenfalls eine Premiere in der Szene.
Bei all diesen Ereignisse soll zuletzt nicht untergehen, dass mit dem Ectaco Jetbook Color das erste kommerzielle Lesegerät mit farbiger elektronischer Tinte auf dem Markt ist.

Kindle gegen Bücherregal
Wieder ein Rauswurf, den kein eBook, sondern das Internet an sich kompensiert: Mein Reiseführer für San Francisco war schon 2006 dezent veraltet, wie wir merkten, als wir damals vor dem geschlossenen Comicmuseum standen (wir sind dann zum frisch eingeweihten Walk of Game). Inzwischen dürfte dort kaum noch was stimmen und so schmiss ich das Buch nun kurzerhand weg. Google Earth und das Internet an sich werden mir ganz einfach bessere und weniger veraltete Dienste leisten, wenn ich das nächste mal in Kalifornien bin.

eBook-Land: Woche 16 0 

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 35,84 € | Händler: 6

Kurzer Text diesmal, es gibt nicht viel zu erzählen.
Kurz hinweisen möchte ich nochmal auf die Umfrage rechts oben, die jetzt noch etwa 3 Tage läuft. Da dürfen ruhig noch mehr Leute mitstimmen ;-) .

In eigener Sache
Castor ist weiterhin im Zeitplan, ein bisher unangekündigtes Projekt (Der Molosser) ist aktuell im Lektorat und sollte noch vorher erscheinen.
Der Molosser wird ein etwas anderes Experiment: Drer Grundinhalt wird zeitgleich hier im Blog erscheinen, das eBook ist dann eine Art Bonusedition des Texts mit zahlreichen Extras. Erstens will ich das mal ausprobieren und zweitens will ich auch die Idee selber, die dort präsentiert wird, möglichst weit verbreiten. Also wird es diese hier kostenlos geben und wem das einen Euro wert ist oder wer zusätzliche Informationen haben will, für den gibt es das eBook. Im Erfolgsfalle wird da eine Serie draus.
Etwas länger als geplant ist unterdessen auch Feuchten Fußes im Lektorat. Da muss ich nochmal ran.

Aus der Szene
Der amüsanteste Meinungsaustausch zum eBook ist wohl diesmal diese Reaktion auf diesen Beitrag. Christian Stöcker schreibt – durchaus liebevoll und sich selbst dazuzählend – und Petra van Cronenburg platzt daraufhin die Hutschnur, weil sie ein Feindbild zu entdecken meint, welches der Text einfach nicht hergibt. Sicher ist er ab und an provokativ formuliert, aber feindselig? Sätze wie der folgende sind zwar starker Tobak, aber den braucht es auch, um die romantische Verklärung des Papiers zu durchbrechen und das Vorurteil zu durchbrechen, Papier sei an sich besser:

Es ist verblüffend, wie intensiv der Datenträger Papier mit bestimmten, geradezu mythischen Eigenschaften aufgeladen wird – obwohl doch auch die „Bild“-Zeitung, Hardcore-Pornografie und sogar „Mein Kampf“ auf Papier gedruckt werden. Die einzige Erklärung ist, dass hier wieder einmal jemand der so unbedingten wie anlasslosen Überzeugung ist, dass Papier als Datenträger Bildschirmen überlegen sei. Dass Nachrichten irgendwie besser, wahrer, wertvoller werden, wenn man sie auf Papier druckt, das danach quer durchs Land gekarrt werden muss, damit die Papierstapel frühmorgens überall auf den Türschwellen der Abonnenten abgelegt werden können.

Apple rudert nach der Diskussion um seine Nutzungbedingungen zurück und erhält möglicherweise Konkurrenz. Was zur absoluten Unzeit kommt, kocht doch das alte Zensurproblem doch wieder auf.
Telepolis tut inzwischen so, als hätte es Perry Rhodan, Flash Gordon und Buck Rogers nie und Kampfstern Galactica nicht bereits seit 35 Jahren gegeben. Wobei der Autor des Artikels aus der DDR ist und deerlei womöglich tatsächlich nicht mitbekommen hat. Dass die positive Utopie schon immer nur ein-zwei erwähnenswerte Werke pro Jahrzehnt hervorgebracht hat, wird da allerdings auch kurzerhand vergessen und vom Verschwinden positiver Utopien schwadroniert, nur weil grade keine in den Bestsellerlisten steht. Früher war halt alles besser, auch die Zukunft. In Sachen Überheblichkeit kann Telepolis aber trotzdem nicht mit dem englischen Guardian, wo Genre-Literatur eh Schund ist mithalten.

Bibliothek der Zukunft 1 

Vor einer Woche hatte ich hier von der Zukunft der Bibliothek gesprochen, orientiert an der aktuellen Diskussion in meiner mönchengladbacher Heimat. Hier nun folgt die logische Fortsetzung: Die Bibliothek der Zukunft und wie eBooks in das System passen, wenn ich es doch für einen Fehler halte, bestehende Bibliotheken auf diese Technologie umzustellen. Und da ich schon aufgrund der räumlichen Entfernung nicht zur Prototype in Leipzig kann, tu ich das hier im Blog.

Normalerweise braucht man keine örtliche Bindung, um eBooks auszuleihen. Daher ist im Grunde kein Bibliotheksgebäude nötig, was aber auch den negativen Effekt hat, dass Literatur sich aus der öffentlichen Wahrnehmbarkeit zurückzieht. Die Schaffung eines Bibliothekskonzepts ist somit Kulturförderung und seien wir ehrlich: Wirtschaftsförderung, denn Kultur ist auch ein Wirtschaftszweig. Es braucht daher ein Konzept, das eBooks lesen mit einer örtlichen Zuordnung verbindet, einen besonderen Ort für eBooks schafft. Zugleich kann es ein Problem lösen, dass bei eBooks nicht annähernd so leicht lösbar ist wie bei Papierbüchern: Der Zugang zu Kultur auch für finanziell schlechter Gestellte.
Dieses Bibliothekskonzept ist in mehrere Ebenen gegliedert und ich geh jetzt Ebene für Ebene durch, von innen nach aussen.

1: Leseraum & lokale Leihpauschale
Der Kern des Konzepts ist die Bibliothek selbst: An die Stelle eines großen Gebäudes mit Regalreihen voller Bücher tritt ein weitläufiger Leseraum mit Couchs und Tischen. Gegen eine jährliche oder monatliche Pauschale können die Kunden hier aus dem gesamten Angebot lesen. Technisch läuft das über ein lokales Netzwerk: Im Laden gibt es einen Sender, der ein relativ kleines kabelloses Netzwerk aufbaut. Lesegeräte in diesem Netzwerk können beliebig Inhalte vom Bibliotheksserver abfragen, der diese liefert. Ob der Sender dabei die komplette Buchdatei überträgt oder immer nur eine Seite, ist relativ egal.
Im Gegenzug haben die Lesegeräte eine entsprechende Software, die die Ausleihfunktion aktiviert, sobald das Netzwerk verfügbar ist. Das Lesegerät selbst bleibt im Besitz der Bibliothek, die es ausgegeben hat, wird den Nutzern aber dauerhaft überlassen und kann bei zusätzlichen Bibliotheken registriert werden (dazu sollte ausreichend selten Bedürfnis bestehen, dass man diesen Service ruhig bieten kann). Wer will kann das Lesegerät auch kaufen.
Als Ort für eine solche Einrichtung eignen sich hervorragend die leer stehenden Plattenläden und Videotheken in den Innenstädten: Groß, geräumig, hell. Perfekt, um ein paar gemütliche Möbel zum Lesen reinzustellen. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem man in Ruhe und fern vom Alltag (nicht jeder liest gern zu Hause, wo Familie, Arbeit und Postbote nerven können) einfach nur lesen kann. Hauptprodukt dieser Ebene sind nicht die Bücher, sondern das Lesen.

2: Mitnahmeoption
Was dieses Modell gegenüber Online-Angeboten benachteiligt ist, dass man die Bücher nicht an beliebigen Orten ausleihen kann. Hier kommt die zweite Ebene ins Spiel: Gegen einen geringen Preis (10 Cent pro Woche? 1 Cent pro Tag? Müsste man durchrechnen und auch mit dem Kaufpreis abwägen) erwirbt man das Recht, ein Buch für eine gewisse Zeit auf seinem Lesegerät mitzunehmen.
Das erfordert natürlich eine Rechteverwaltung in dem Gerät, das zeitlich begrenzte Leserechte verwalten kann. Technisch kein Problem, aber meines Wissens bisher auf dem eBook-Markt nicht vorhanden.

3: Verkauf
Zuletzt ist es auch möglich, eBooks ganz normal zum vom Autoren festgelegten Preis zu kaufen. Nach dem Kauf gibt der Server dem Verkäufer entweder eine lizenzfreie Datei des Buches oder trägt es als gekauft in die Rechteverwaltung des Gerätes ein (ersteres wäre kundenfreundlicher, letzteres hätten die Verlage lieber). Um Datenverlust bei Verlust oder Austausch des Lesegeräts zu vermeiden speichert auch die Bibliothek eine Liste der vom Kunden erworbenen Bücher. Diese Liste wird in einer gemeinsamen Nutzerverwaltung der eBibliotheken gespeichert, damit der Nutzer auch dann noch auf seine Bücher zugreifen kann, wenn er umzieht oder die Bibliothek zugemacht hat.

4: Druckerei
Verfolgen wir die Entwicklung anderer verschwindender Technologien wie der Schallplatte, dem Bogenschießen oder der Fortbewegung per Pferd, findet sich ein gemeinsamer Trend: Die bisher normale Technologie wurde zu einem Sport oder Hobby, für das enorm viel Geld ausgegeben wird. Diesen Trend kann man im Buchbereich von vorneherein nutzen.
Ganz in der Tradition der alten Verlagsbuchhandlungen verfügen diese Bibliotheken der Zukunft über genau jene Gerät, dessen Untergang viele momentan vorhersagen: Eine Druckmaschine. Die alten Berufsbilder des Buchdruckers und Buchbinders erleben einen Wiederaufschwung durch die Herstellung handgefertigter gedruckter Editionen der zum Standart gewordenen eBooks. Diese Sparte existiert jetzt schon – gibt man ihr den gewaltigen eBook-Markt als Inhalt für ihre Produkte an die Hand, kann sie nach langem Siechtum wiederkehren. Es wird nicht viele Drucker geben, vielleicht zwei-drei in einer großen Stadt, aber sie werden einmalige Produkte bieten und entsprechend teuer verkaufen können für ein exklusives Publikum. Jenseits eines kollektivistischen Verlagswesens, das zunehmend als überflüssiger Wirtschaftszweig verschwindet werden sie individuelle Schmuckstücke fertigen.

Gesamtbild
Und das ist dann die neue Bibliothek: Ein großer Lesesaal mit einem Server für die Bücher und einer angeschlossenen Handwerksdruckerei, die teure Printeditionen für Sammler und Liebhaber herstellt. Print existiert in den alten Papierbibliotheken und als Handwerksprodukt für jene, denen diese Spezialform eines Buches der Preis wert ist. Buchhandlungen sind zunehmend zu eBibliotheken geworden, ob das Verlagswesen überhaupt noch existiert wage ich zu bezweifeln, sofern es nicht eine stichhaltige Rechtfertigung für seinen Fortbestand findet. Und in irgendeiner Form steht jedem Leser jedes Buch zur Verfügung.
Die technischen Hürden sind gering, im Grunde geht es nur um Software, die noch fehlt. Die Hardware besteht aus einem Server, einem Kabellosnetzwerk und einem eReader pro Kunde. Wenn jemand die Möglichkeiten hat und so etwas umsetzen will, sagt mir Bescheid, ich beteilige mich gerne ideell und berichte auch gerne darüber wie das Experiment läuft.

Stichworte: ,

eBook-Cover des Monats Januar 2012 0 

Da mir im Laufe der Zeit immer wieder besonders gut gemachte eBook-Cover auffallen und ich offenbar gut eine monatliche Top-10-Liste zusammenbekomme, mache ich das doch glatt. Ich finde, ein Anstieg der allgemeinen Qualität unserer Cover kommt allen zu Gute.
Regeln: Es kann jedes Cover mitspielen, das ich im betreffendne Monat gesehen und das mir als besonders gut aufgefallen ist. Wer einen Vorschlag für die nächste Runde hat, kann den gerne in den Kommentaren einbringen. Keine Selbstvorschläge und auch von mir gestaltete Cover können nicht teilnehmen.
Mit dieser kurzen Einführung auf in die diesmonatige Liste:

10: Marx für Eilige
Marx für Eilige wäre ein wirklich schönes Cover. Die Silhouette des bekanntesten deutschen Philosophen auf jene eines Segway zu stellen ist die vielleicht einfachste Art, den Titel des Buches kurzerhand in Bildsprache umzusetzen.
Da es sich um ein Sachbuch handelt und Karl Marx jedem in irgendeiner Form bekannt sein sollte reicht das auch. Das Verlagslogo fügt sich sehr gut ins Gesamtbild ein.
Deutliche Abzüge und deshalb auch nur einen 10. Platz gibt es aber für die Farbwahl (Rosa? Ernsthaft?) und vor allem für die missglückte JPG-Konvertierung. Ein Bild mit so großen einfarbigen Flächen würde kein Grafiker der Welt als JPG abspeichern, das müsste in den Formaten GIF oder PNG gemacht werden. Sonst entstehen die hier im rosa Hintergrund kaum zu übersehenden Bildfehler. Dass ein derart grober Fehler nicht bereits vor der Einstellung des Titels bei Amazon aufgefallen ist, verwundert mich.
Trotzdem ist das Motiv und die Gestaltung an sich hervorragend und clever.

9: Carniboars
Carniboars ist ein schönes Beispiel für ein Seriencover: Genau wie der andere Band, When Land Sharks Attack! zeigt es einfarbig den Kopf des titelgebenden Ungeheuers. Während der Haikopf es nicht in die Liste geschafft hat, hat sich das Raubschwein durch sein auffälliges Design seinen Platz hier redlich verdient. Das… Ding sieht fremd und bedrohlich aus, die Farbgebung mit auffälligem Orange auf schwarzem Hintergrund betont das Motiv, sodass es dem vorbeirauschenden Auge schnell auffällt.
Der kleine Strich über dem Auge des Tiers ist ein Detail, das dieses Bild sehr schön abrundet. Das ist das i-Tüpfelchen, das dem eher langweilig becoverten Landsharks fehlt und zeigt, wie kleine Details ein Konzept abrunden können.

8: Pandora – End of Days Vol. One
Es hat etwas gedauert, aber hier ist ein Panoramacover, das alles richtig macht. Wenig überraschend kommt es aus dem Comicbereich, wo man mit kreativer Bildgestaltung und Bild-Text-Kombinationen viel Erfahrung hat. Das Motiv stellt eine Leere voller bedrohlicher Wesen dar. Das Panoramaformat ist so gut zur Darstellung von Leere geeignet, dass es für viele Cover zum Problem wird, hier aber wurde dieser Effekt bewusst genutzt, um eine bedrohliche Atmosphäre zu schaffen.
Die Details sind sehr genau durchdacht: Der Mond teilt das Bild in zwei Hälften. Die Leere ist nicht einfach schwarz, sondern gefüllt mit Gebäuden, Autowracks und „Personen“. Die Heldin mit Zopf und Rock bildet einen starken optischen Kontrast dazu, insbesondere durch ihre Körperhaltung, die keinerlei Angst erkennen lässt.

7: My Clockwork Muse
Nach Karl Marx darf auch Edgar Allan Poe sich ein hippes Accessoire zulegen: Eine Sonnenbrille! Und eine Pistole hat er auch. Das ist auch so ein Bild, das sofort ins Auge fällt, zugleich aber klar erkennbar einen Bezug zu Poe hat, de rhier als Protagonist agieren darf.
Die Geschichte dreht sich um einen Mörder, der Poes Geschichten nachvollzieht. Poe wendet seine beim Schreiben von Detektivgeschichten erworbenen Fähigkeiten an, um den Fall aufzuklären. Das ist eine seltsame Verbindung aus Horror à la Lovecraft, historischem Roman und Real Person Fiction. Das Cover selbst erinnert an den Steampunk-Sil, was zu diesem Genre-Mix durchaus passt.

6: Dracula
Graf Vlad Tepesz darf sich auch als Klassiker noch in diese Liste einreihen. Während die meisten Klassiker von Amazon noch nicht einmal ein richtiges Cover erhalten, darf sich Dracula einer Sonderbehandlung erfreuen. Damit ist er zwar nicht der einzige kostenlose gemeinfreie Titel mit vernünftiger Titelgestaltung, aber er befindet sich in ausgewählter Nachbarschaft.
Die Gestaltung selbst ist so einfach wie naheliegend und effektiv: Schriftzug in stilisiert alter Schrift, etwas Blut, das von oben herunterläuft. Mehr braucht es nicht, mehr wäre wahrscheinlich völlig fehl am Platze. Es ist Dracula, das Titelbild muss niemandem erklären, wer oder was Dracula ist und worum es in diesem Buch geht.
Er ist Dracula und ein Vampir. Wer das nicht mitbekommen hat, hat die letzten 200 Jahre in einem Sarg geschlafen. Und mit dieser Gewissheit, dass jeder weiss, worum es geht, kann das Cover gezielt schlicht auftreten.

5: All my Friends are Dead
Oooooooooooh…!
Der arme kleine, niedliche Dino! Alle seine Freunde sind tot und jetzt schaut er traurig auf genau diese Worte.
Niedlichkeit ist eine dieser Emotionen, die, richtig gemacht, richtig stark verfangen können. Eine andere solche Emotion ist Mitleid. Beides bringt dieses Cover mit seinem Zusammenspiel aus Bild und Text sehr gut rüber.
Vermuten würde man hier wohl ein Kinderbuch über einen traurigen Dinosaurier. Das Problem des Covers ist, dass es ein Witzeband ist voller betexteter Bilder mit dem Anfang „All my Friends are…“. Wer das weiss, dem erschließt sich auch das Cover, aber leider funktioniert das nicht umgekehrt.
Daraus immerhin habe ich etwas Neues gelernt: Man sollte immer zusätzlich an jemandem, der das Buch gar nicht kennt testen, ob er die inhaltliche Stoßrichtung des Titels einigermaßen korrekt erkennt.

4: Buck Johnson Serie
Okay, ein Drache. Erstmal nichts Besonderes. Farblich mit seinen Brauntönen schön gestaltet, aber letztlich sagt es nichts über die Geschich… ist das ein Cowboyhut? Und ein Lasso?
Ich liebe es, wenn Fantasy aus alteingesessenen Umgebungen wie der mittelalterlichen Märchenwelt ausbricht und andere Epochen und Genres übernimmt. Hier nun also der erste mir bekannte Fantasy-Western (Steampunk zähle ich zur Science-Fiction). Und er ist sehr effektiv verpackt: Die Farbgebung ist westerntypisch, aber auch in der Fantasy unverdächtig. Der Cowboyhut und das Lasso sind es dann, die die ungewöhnliche Mischugn verraten und den geneigten Leser darüber in Kenntnis setzen, dass ihn hier etwas anderes erwartet als er zunächst dachte.
Minuspunkt dafür, dass die Cover der ersten beiden Bände bis auf den Untertitel identisch sind, das hat sich aber mit dem dritten Band zum Glück erledigt.

3: Little Chick’s First Day
Hier ist die Kategorie Kinderbuch jetzt richtig.
Niemand, aber auch wirklich niemand, der nicht bei Gutfried o.ä. arbeitet, findet ein frisch geschlüpftes Küken nicht süß.
Auch hier ist die Farbgebung sehr vorteilhaft: Das knallige Gelb des Kükens sticht vor dem eher blassen Hintergrund deutlich hervor und wird von den Bändern oben und unten bekräftigt, da sonst zu wenig Gelb da wäre, um das Auge des Surfers auf sich zu ziehen. „Niedlich“ ist eine Kategorie, auf die es bei Kinderbüchern besonders ankommt. Entweder man gestaltet sein Buch süßer als Feigen in Honig mit Zuckerguss oder man geht absichtlich in die andere Richtung und liefert groteske Bücher wie Der Grüffelo. An kleinen Kindern ist halt alles süß, auch ihre Bücher. Und wehe, man sagt den Eltern etwas anderes ;-) .

2: Angel Fire
Angel Fire ist ein überraschend häufiger Titel auf dem Kindle. Um so überraschender, dass dies der einzige Titel ist, der diesen Namen bildlich so effektiv umsetzt. Das Bild mit den aus Feuer bestehenden Flügeln ist ein echter Augenfang, wobei auch hier die gelbe Farbgebung auf dem dunkleren roten Hintergrund hilft. Trotzdem bleibt das Farbschema harmonisch, alles ist irgendwie mit Feuer assoziierbar.
Der Protagonistin hätte ich eine komplett andere Pose gegeben, bei dieser ist nicht ganz klar, was sie bedeuten soll. Zum Ausgleich gibt es Bonuspunkte für die hervorragende Lesbarkeit von Titel und Autorin auch bei größter im Shop auftretender Verkleinerung.
Übrigens das erste klassisch gestaltete Fantasy-Cover hier.

1: Trafficked
Gute Fotocover sind schwer, besonders mit Models. Nicht wegen zickiger Models oder dergleichen. Wenn ich das behaupten würde, wüsste ich drei Freundinnen, die mich nachher hauen. Ausserdem ist es nicht wahr. Nein, das Problem ist die Farbkomposition in Verbindung mit der Beleuchtung sowie das Zusammenspiel mit dem Titelschriftzug. Im Bereich der Romanzen hat man es hier etwas leichter, da eine übergrelle Ausleuchtung wie in einer Fernsehseifenoper dort als normal gilt.
Das hier ist das Gegenteil. Es geht um Menschenhandel und Zwangsprostitution, sensible Themen. Das Titelbild dieses Romans setzt darauf, das Thema so direkt wie möglich anzusprechen. Hände und Beine sind zu sehen, gefesselt. Die eigentliche Person ist im Dunkel verschwunden. Das stärkste Element aber sind die Hände, dem Betrachter entgegengestreckt und mit aufgeschriebenem Hilferuf.
Kein komplexes Bild, aber es enthält alle Aussage, die es benötigt.

Ausser Konkurrenz: Felix – Held in Ausbildung
Diesen Band habe ich im Dezember glatt vergessen zu berücksichtigen, was hiermit nachgetragen sei.
Ein Cover, das wortwörtlich eine Geschichte erzählt – und zwar eine lustige. In starker Verkleinerung sieht man das leider zunächst nicht. Bonus für die Hintergrundgestaltung in Form eines Blatts Papier mit Ringlochung.

eBook-Land: Woche 15 0 

Bücher im Verkauf: 3 | Eigene: 1 | Einkünfte bisher: 31,29 € | Händler: 6

In eigener Sache
Castor schreibt sich mal völlig anders als meine bisherigen Projekte, denn erstmals plotte ich vorher. Normalerweise schreibe ich einfach ohne vorher zu plotten. Das Interessante daran ist, dass es auch als einziges meiner Projekte absolut und 100% im Zeitplan liegt. Vielleicht hat Plotten doch etwas für sich.
Hier sei auch noch einmal die Bitte wiederholt, mir bei einer Formatierungsfrage zu helfen: Es gibt im Deutschen verschiedene Varianten von Anführungszeichen und ich möchte wissen, welche die Leser für die beste halten, um fortan diese in all meinen deutschsprachigen Veröffentlichungen zu nutzen. Dazu habe ich links in der Seitenleiste eine entsprechende Umfrage angebracht, die noch 10 Tage läuft.

Freundliche Hinweise
Fangen wir mal mit Wilhelm Ruprecht Frieling an, der nach einigen Ratgebern für Autoren nun ein Buch mit Autoren erstellt hat. Wie man erfolgreich E-Books verkauft bietet Interviews mit einigen erfolgreichen und namhaften eBook-Autoren. Ich hab es noch nicht durch, aber mir fällt durchaus positiv auf, dass die Interviews echte Gespräche sind, keine der leider all zu üblich gewordenen Fragerunden. Zugleich kündigt der Autor im Vorwort auch an, spätere Ergänzungen anzudenken. Das finde ich bei eBooks immer gut, mach ich ja selber auch.
Immer wieder angenehm, wenn man bekannte Gesichter in der Zeitung findet. Nunja, meistens, hier aber schon: Jutta Profijts Krimi Kühlfach: Betreten verboten ist zwar schon seit einem Monat raus, aber Jutta drischt offenbar grade noch etwas auf die Werbetrommel ein. Schade nur, dass der Deutsche Taschenbuch-Verlag die unrühmliche Tradition fortsetzt, eBooks nur einen Euro unter der Printausgabe anzusetzen.

Aus der Szene
Interessant, aber offenbar im Sande verlaufen war es, als letzte Woche jemandem auffiel, dass Apple mit seinem iBooks-Vorstoß das bisher als Standard geltende ePub-Format für eBooks angreift. Das tat zwar auch schon Amazon, aber die ersetzten es durch ein ähnlich offenes Format. Apple bietet nun ein Format an, welches nur von Apple-Kunden gekauft und erstellt werden kann. Allerdings scheint es der Apple-User-Gemeinde in ihrem güldenen Käfig hervorragend zu gefallen.
Sigmar Gabriel lässt sich in einer meines Erachtens etwas seltsam anmutenden Hinterzimmer-Besprechung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels von der Buchpreisbindung für eBooks überzeugen, was ich auch weiterhin zweifelhaft finde. Übrigens hat Buchreport.de im Gegensatz zum Börsenblatt meinen Kommentar nie freigeschaltet. Dort schaltet man offenbar nur Kommentare frei, die der eigenen Linie entsprechen.
Die Süddeutsche Zeitung startet eine Debatte neu, die bereits in den 90ern ausgestanden war. Damals versuchten sich diverse Autoren daran, mit Hilfe von Webtechnologien die klassische Art und Weise Geschichten zu schreiben zu revolutionieren. Dass das damals kläglich daran scheiterte, dass es ganz einfach nicht den Bedürfnissen der Leser entsprach, die einfach nur lesen wollten, muss man nicht wissen, wenn man damals noch nicht im Netz war. Es sei denn, man schreibt Artikel über derlei Ideen. Aber zumindest ist „The Medium is the Massage“ einer der amüsantesten Tippfehler der Woche.
Unterdessen hat ein CDU-Hinterbänkler aus Korschenbroich durch einen Artikel im Handelsblatt Berühmtheit Bekanntheit erlangt und blamiert sich in der Süddeutschen munter weiter. Das wäre alles nicht passiert, hätten die Korschenbroicher bei der letzten Bundestagswahl für Horst Schlämmer gestimmt. Oder die Piraten.
Auf eBooks bezieht Heveling sich zwar nur in einem Nebensatz, aber das Thema immerhin. Es sei zudem zugestanden: So bescheuert, wie der ganze Text ist, zumindest ist er literarisch betrachtet sehr hübsch geschrieben, mit kreativen Metaphern. Die sind zwar – darin Vergleichen gleich – schwer hinkend, da der Verfasser die Hälfte der von ihm genutzten Begriffe offensichtlich nicht versteht, aber das passiert den besten Literaten. Wenigstens sind sie definitiv nicht abgeschrieben.
Ich warte indes weiter auf den Tag, an dem ein in Mönchengladbach geborener Bundespolitiker nicht vollkommen peinlich für alle Umstehenden ist.

Eigenerklärung: Ich war auf dem selben Gymnasium wie Heveling und kenne einen Landtagsmitarbeiter, der in Dialekt und Auftreten frapant an Schlämmer erinnert. Mein Leben ist seltsam.

Kindle gegen Bücherregal
Diesmal hat es meine Schiller-Sammlung getroffen. Wenn man die zwei dünnen Bände so bezeichnen mag.
Zum einen ein ziemlich zerfleddertes Heftchen von Wilhelm Tell, zum anderen eine Faksimile von Schillers Abschlussarbeit Versuche über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen. Damit verringert sich auch der Bestand von in Fraktur gesetzten Schriften, die ich eigentlich sehr gerne lese, aber offenbar ist es möglich, dem Kindle über eine kleine Manipulation auch diese Schrift beizubringen. Sicher ein interessantes Projekt für die Zukunft ist der Versuch, dem Kindle das Umschalten zwischen Antiqua und Fraktur beizubringen. Ich glaube, das wäre möglich.
Wie dem auch sei: Wilhelm Tell erwies sich mit Preisen um 0,01 € als wertlos (zumal im Zustand meines Exemplars, die Arbeit hingegen geht etwa zum doppelte Preis, für den ich sie einst gekauft habe weg. Ich werde sie somit bei Amazon zum Verkauf stellen.

Nicht ganz so erfolgreich verlief das Vorhaben eines größeren Anschlages auf mein Bücherregal: Amazon bietet die Möglichkeit, gebrauchte Bücher und Videospiele gegen Guthaben einzutauschen. Obwohl die Preise im direkten Vergleich wohl sehr gut sein sollen, war ich doch sehr enttäuscht: Die Auswahl an einsendbaren Titeln ist extrem gering. Von etwa 50 versuchten Bänden waren nur wenige eintauschbar und die Preise waren lächerlich. Als ich den Versuch abbrach, zeigte mein „Warenkorb“ 4,50 € Gegenwert für die folgenden vier Titel, wobei das DS-Spiel davon 3,50 € ausmachte. Nein danke.

Zukunft der Bibliothek 1 

Es gibt vermutlich zwei Lesergruppen, die diesen Beitrag lesen: Jene, die mich als Gladbacher Kommunalpolitiker kennen und jene, die mich als Mitstreiter an der eBook-Front kennen. Jene, die an beiden Gruppen Teil haben werden sich schon wundern, warum ausgerechnet ein eBook-Mensch in der Lokalpolitik den Bau einer neuen Zentralbibliothek unterstützt.
Eine berechtigte Frage und eine, an der ich selber lange herumüberlegt habe. Emotional war mir die Sache schon länger klar: Die kleine, technisch längst veraltete Zentralbibliothek an ihrem gut versteckten Standort an der Blücherstraße in einem gradezu minoischen Einbahnstraßenlabyrinth muss Ersatz bekommen. Ein besserer Standort, geringere Energiekosten, eine bessere Präsentation dieser zentralen Kulturinstitution und nicht zuletzt auch die Möglichkeit, diverse Sammlungen gemeinsam an einen Standort zu bringen.

Rational war das schwieriger: Ich wusste, Bibliothek hatte eine Funktion in der kommenden Bücherwelt, allein welchen? Am besten bin ich, wenn ich herausgefordert werde und da kam mir dieser Artikel in der Rheinischen Post zu Gute, in der ein Doktor aus Wickrath die Modernisierung der Bibliothek fordert – und darunter die Auslagerung von Beständen in ein Archiv verstand. Jetzt hatte ich mein Stichwort, das war es, was mir fehlte. Es folgte dieser Kommentar zum RP-Artikel:

Die Hauptfunktionen einer Bibliothek sind Archivierung, Zugänglichmachung eben jenes Archivs und die Präsentation des Archivs.

Letzteres ist ein wichtiger Faktor: Es ist eine wesentliche Fnktion einer Bibliothek, Lesern Zugang zu ihnen bis dahin unbekannten Büchern zu verschaffen, auf die sie beim Aufenthalt einer Bibliothek stoßen. Ist dies nicht mehr gegeben und die Bände verschwinden statt dessen in einem Magazin, wie Dr. Bode hier vorschlägt, kann man die Bibliothek als Institution auch gleich abschaffen. Denn Bücher, die man bereits kennt, kann man auch anderswo bestellen oder auch eben als eBook kaufen oder über einen Online-Dienst ausleihen. Dafür brauche ich gar keine Bibliothek als Gebäude mehr.

Bodes Vorstoß nimmt der Bibliothek jegliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem eBook und leitet damit die Abschaffung dieser Institution ein.
Wieso soll ich einen ganzen Tag auf ein Buch warten, wenn das gleiche Online in Sekunden geht?
Wie finde ich den Großteil der Bücher (Akademika mal augenommen) und vor allem mir unbekannte Titel, wenn nicht durchs Durchschauen der Regale? Wenn das online geschieht, kann ich auch gleich dort kaufen/leihen.
Eine Bibliothek nach solchem Konzept hätte über kurz oder lang keine Existenzberechtigung mehr.

Bibliotheken müssen, anstatt Unfug wie der Virtuellen Bibliothek anzuhängen (sorry, aber wenn es virtuell ist, braucht es gar kein Gebäude jenseits eines Serverraums irgendwo auf Tuvalu), eigene Stärken und Konzepte entwickeln. Sonst werfen sie sich der virtuellen Konkurrenz zum Fraß vor.

Da sag ich jetzt mal als jemand, der sich sehr viel mit eBooks beschäftigt und auch welche herausgibt. Für mich sind eBooks die Zukunft des Buches.
Ein blindes Aufspringen auf diesen Trend aber, kann dazu führen, dass man – wie meines Erachtens hier – die Konkurrenzfähigkeit durch mangelnde Profilierung verliert und sich so selbst in die Obsolenz scheinmodernisiert.
Zu einer ordentlichen Betrachtung gehört zu erkennen, was genau die eigene Institution auszeichnet und diese Eigenschaften zu stärken. Und das bedeutet mE für die Bibliotheken: Präsenzbestand und somit Verfügbarkeit und Sichtbarkeit ausbauen. Bibliotheken sind keine Orte um Bücher aufzubewahren – sie sind Orte, um Bücher zu entdecken.

Da also ist sie, die Funktion einer Bibliothek, die sie dem elektronischen voraus hat und die sie in eine neue Buchwelt einbringen kann. Eine Bibliothek, die sich als eine Art Ausstellungs- und Findestätte für Literatur versteht, die Zugang zu anders nie entdeckter Literatur liefert – das ist eine Funktion, die ein Online-Shop nur schwerlich liefern kann.
Und eine Magazinbibliothek ebensowenig. Dazu ist noch zu sagen: Die alten Bücher verschwinden ja nicht, nur weil die neuen elektronisch erscheinen.

Und weil das nicht die ganze Geschichte ist folgt die Tage noch ein Nachschlag: Nach der Zukunft der Bibliothek (wie wir sie kennen) die Bibliothek der Zukunft. Aber nicht heute, heute muss ich erstmal weg. Die Bibliotheksfinanzierung verhandeln.

Stichworte: , , , ,