Paläo-Pfreitag 4 0 

Pterodaustros Magensteine

Pterodaustro, Bild: Nobu Tamura


Pterodaustro war ein aussergewöhnlicher kleiner Flugsaurier aus der frühen Kreidezeit. Mit dne langen Seizähnen im Unterkiefer filterte er ähnlich einem Bartenwal Kleintiere aus dem Wasser, um sie zu fressen. Im Grunde war er das kreidezeitliche Gegenstück zu den heutigen Flamingos.
Diese Ähnlichkeit geht sogar weiter als bisher vermutet: Pterodaustro schluckte zum Verdauen seiner Beute offenbar Steine. Magensteine sind von keinem anderen Flugsaurier bekannt und so wird Pterodaustro mit jedem Fund ein ungewöhnlicheres Mitglied dieser Tiergruppe.

Die Evolution des Myoglobins
Forscher aus Liverpool haben das Myoglobin tauchender Säugetiere untersucht. Myoglobin, ein Verwandter des bekannteren Hämoglobin, ist ein Protein, das der Sauerstofflagerung in den Muskeln dient. Dank hoher Konzentrationen davon können viele Wassersäuger wesentlich länger tauchen als die meisten Landtiere.
Bei ihren Untersuchungen fanden sie, dass das Myoglobin von Meeressäugern nur in Details von normalem Myoglobin abweicht, durch diese aber beginnt, sich gegenseitig abzustoßen, sodass es nicht verklumpt, wenn es in großer Konzentration vorkommt.
Dadurch können Meeressäuger wesentlich mehr Myoglobin in ihren Muskeln halten und somit auch besser Sauerstoff speichern als beispielsweise Menschen.
Ein schönes Beispiel, wie vergleichsweise kleine Veränderungen reichen, um einem Lebewesen völlig neue Fähigkeiten zu verleihen.

Bunostegos und die Evolution in der permschen Weltwüste

Bunostegos, Bild: Marc Boulay


Aus dem Niger blickt uns dieses freundliche neue Urreptil entgegen: Bunostegos war ein Pareiasaurier, ein kuhgroßer Pflanzenfresser aus der Zentralwüste des Urkontinents Pangäa.
Für Paläontologen ist er sehr interessant, da seine Existenz zeigt, dass die Tiere damals trotz eines gemeinsamen großen Kontinents immer noch voneinander isoliert waren, eine Voraussetzung für die Evolution einer neuen Art. Nicht Gebirge oder Meeresarme, die es damals kaum gab, trennten Bunostegos von seinen Verwandten, sondern das Wüstenklima des gewaltigen Kontinents hielt seinen Lebensraum separat vom tropischen Klima der Küsten.
So entwickelten sich die Reptilien der zentralen Wüsten und jene der Küstenwälder getrennt voneinander, obwohl es keine deutlich sichtbaren Barrieren zwischen ihnen gab.

Stichworte:

Paläo-Pfreitag 3 0 

Archäopteryx hatte was von einer Elster

Bild: University of Manchester


Die Suche nach Pigmenten in Dinosauriern geht jetzt schon ein paar Jahre. Der neueste Kandidat in der Reihe ist der bairische Urvogel Archäopteryx, dessen Gefieder Ähnlichkeit mit dem einer Elster gehabt zu haben scheint. Die Schwungfedern waren weiss mit schwarzen Spitzen.
Das ist eine wichtige Entdeckung: Schwarze Federn sind stabiler als weisse. Wenn die Spitzen der Schwungfedern schwarz waren, stärkt das die Annahme, dass Archäopteryx seine Flügel wirklich zum fliegen gebrauchte. Das ist bisher gar nicht mal so sicher, denn auch viele Dinosaurier, die definitiv nicht fliegen konnten, hatten Flügel und verwendeten sie wahrscheinlich als Schmuck in der Suche nach Sexualpartnern, ähnlich wie heute die Pfaue mit ihren Schleppen.
Bisher war nur die (zu Lebzeiten schwarze) Farbe einer einzelnen Feder bekannt, die keine Schwungfeder war.

Neuer Dinosaurier-Park in Deutschland
Uhhhh, ein neuer Dinosaurier-Park in Deutschland: Im Prähistorium in Schiffweiler bei Saarbrücken gibt es seit Anfang Mai animatronische Dinosaurier, bis hin zum 20 Meter langen Titanosaurus. Sollte es mich also je ins Saarland verschlagen, wisst ihr, wo ihr mich findet. Und nie wieder rausbekommt.

Ein Bild (nicht wirklich) aus Feuchten Fußes
Hmm, ich bin ziemlich sicher, ich konnte Bilder von deviantart mal per Code von der Seite einbinden. Na gut, dann muss dieser Link hier halt reichen.
Es ist einerseits absoluter Zufall, andererseits aber auch eine naheliegende Szene für dieses Tier: So sieht das (nach aktuellem Stand der Forschung) aus der Nähe aus, wenn die Ichthyostega sich auf einer Sandbank im Fluss sonnen, etwas, was im Kurzgeschichtenteil von Feuchten Fußes aus einiger Entfernung geschildert wird.

Buchtipp
Als Arthur Conan Doyle (ihr wisst schon, Sherlock Holmes und so) seinen abenteuerlustigen Wissenschaftler Professor Challenger in Die verlorene Welt zu den Dinosauriern auf einem vergessenen Hochplateau in Südamerika schickte, traf er auf die Dinosaurier, die man damals kannte – riesige Reptilien, dazwischen diverse andere ausgestorbene Riesentiere. Allein schon aufgrund ihrer Größe bedrohlich, aber im Grunde langsam und dumm.
William Meikle hat es geschafft, recht kompetent an die heutige Zeit angepasste neue Challenger-Abenteuer zu schreiben. Oder wenigstens einen, diesen hier: The Island of Terror bringt Challenger näher an die heutigen Dinosaurier und die heutigen Stars der mesozoischen Manege: Die guten alten Raptoren.
Doyles Original gibt es natürlich auch für Kindle, sogar kostenlos.
Und hier ist für die Cineasten noch die hervorragende Verfilmung von 1925:
[youtube QJaXxY3citM]

Punkt Te O 0 

Erneut ist das Urheberrecht in der Debatte. Ausgangspunkt ist diesmal ein Statement beachtlicher Dämlichkeit bei movie4k.to, einer von vielen .to-Seiten, die illegal Filme streamen. Nun geht der Streit wieder los: Piraten sind böse. Copyright ist böse. Ihr seid doof.
Hach, wenn es doch nur so einfach wäre. Denn dummerweise haben beide Seiten Recht. Irgendwie. Die eigentliche Diskussion besteht in zwei Thesen, die sich diametral entgegenstehen. Und nun werde ich versuchen herauszustellen, was die beiden Thesen zu ihrer Verteidigung vorzubringen haben.

1. Piraten sind doof
Die Position hier ist nicht schwierig darzustellen: Piraten „stehleb“ (Ich komme im nächsten Satz auf den Begriff zurück) Medienerzeugnisse und schaden damit den Erzeugern dieser Inhalte (Autoren, Musiker, Programmierer, Journalisten usw.).
Die Piraten (die soziale Gruppe, nicht unbedingt die Partei gleichen Namens) selber machen eine Semantik-Diskussion um das „Stehlen“ auf, die offen gestanden wenig sinnvoll ist. Ja, es wird kein Original entwendet, somit ist es technisch gesehen kein Diebstahl. Allerdings besitzt der Urheberrechtsverletzer nach dem Akt einen Gegenstand, an dem er keine legalen Besitzrechte erworben hat, womit es zwar nicht gestohlen wurde, aber dennoch die Definition von „Diebesgut&ldquO; erfüllt.

Dennoch kann Medienpiraterie einen gewissen Nutzen haben.
Cory Doctorow nutzt den freien Download seiner Bücher als Werbemaßnahme für diese. Seine Bücher über Überwachungssysteme und Society Hacking sprechen eine Zielgruppe an, die man so erreicht. Eine Zielgruppe, die bereit ist, für erlebte Qualität Geld zu geben.
Dann ist da dieses kleine Juwel (setzt euch, das ist ein 85-Minuten-Film):
[youtube DQ72p4scSXg]
Das ist The Man from Earth. Ein Indie-Film. Ursprünglich ein Flop, wurde er zu einem kommerziell erfolgreichen Geheimtipp, als er im Internet die Runde machte. Die Macher des Films bedankten sich später bei den Piraten dafür. Ich selbst habe nach dem Ansehen auf Youtube die DVD gekauft. Was sich durchaus wiederholen könnte, etwa wenn ich Bokusatsu Tenshi Dokuro-Chan zu einem annehmbaren Preis finde.
Auch der Fernsehmarkt wäre ein anderer, wenn diverse Serien (Doctor Who, Fringe, Game of Thrones) nicht ein riesiges Publikum ausserhalb ihres Heimatmarktes hätten.
Wer sich die Beispiele allerdings ansieht, findet die Hinweise auf ein Problem: The Man from Earth ist im Kern ein Kammerspiel, das ohne nennenswertes Budget auskommt. Fernsehserien indes sidn ohnehin nicht auf die Einnahmen aus der Fernsehausstrahlung angewiesen, sie finanzieren sich über Zweitverwertungen (DVD-Verkäufe, Sendelizenzen für Wiederholungen bei anderen Sendern) und teilweise auch über Merchandise. Große Kinofilme hingegen sind auf die Ticketverkäufe an den Kinokassen angewiesen.
Und hier wird es interessant.

Nehmen wir ein beliebtes Piraterie-Argument beim Wort und sagen, dass Medienpiraterie der Vorauswahl guter Werke dient (sprich, man schaut vorher, ob ein Film was taugt und geht ins Kino, wenn dem der Fall ist). Dann bekommen wir ein Problem: Schlechte Filme lohnen nicht mehr.
Nur, wenn schlechte Filme sich nicht mehr lohnen, woher weiss ein Filmstudio dann noch, ob ein Film sich überhaupt lohnt? Sowohl die Chance auf einen guten als auch das Risiko eines schlechten Films steigen erheblich mit der Neuartigkeit dessen, was er cinematografisch und erzählerisch versucht. Das Risiko der Ablehnung eines sich von der Masse abhebenden Films ist enorm und das lässt aus der Perspektive der Studios nur einen Schluss zu: Keine Experimente!
Und noch schlimmer: Online-Vorabschau tötet nicht nur schlechte Filme, es zerstört auch den soliden Mittelbau. Denn wer einen Film bereits gesehen hat, wird ihn nur dann noch einmal sehen wollen, wenn er wirklich verdammt gut war. Ein Film der nur ein ganz brauchbarer Zeitvertreib ist, aber nichts weiter besonderes, wird untergehen. Das ist beispielsweise meine Theorie, was Disney mit Prince of Persia und John Carter passiert ist, beides gute, aber eben nicht überwältigende Filme.
Wenn die Studios nun aber keine Risiken mehr eingehen, werden immer mehr Filme zum soliden Mittelbau zählen: Sie bieten nichts neues, sind aber kompetent gemacht. Der lohnt aber immer weniger, worauf die Studios mit noch weniger Risiko reagieren.
Deshalb wird die Hollywood-Ästhetik immer einheitlicher. Deshalb dreht sich praktisch jeder Hollywood-Film um einen austauschbaren Helden, der eine ebenso austauschbare Frau in Nöten retten muss (oder ist eine wahlweise ein Remake, eine Verfilmung von irgendwas oder eine Buddy-Komödie). Deswegen sind die Standardkost von der Stange liefernden J.J. Abrams und Joss Whedon Hollywoods neue Stars und gibt es auf absehbare Zeit keinen nächsten Tarrantino. Und deshalb ist der kommerziell größte Film der letzten zehn Jahre ein objektiv betrachtet ziemlich uninteressantes Pocahontas mit Schlümpfen.
[youtube mYr9eFgQIFI]
(PS: Das komischste an diesem Artikel dürfte ironischerweise die Anzahl von Youtube-Einbindungen und -Links sein)

Das alles wäre ein negativer Trend, der zwar traurig, aber nicht wirklich schlimm. Medien kommen und gehen. Dass ein neues Medium ein altes verdrängt ist legitimer Teil des technischen und kulturellen Fortschritts, selbst wenn man das im Einzelfall schade finden mag.
Aber hier ist es keine neue Technologie, keine neue künstlerische Vision, welche die alten Medien bedroht. Es ist reine Profitgier.
Zentren der Medienpiraterie sind mit Werbung überfrachtete und somit hochprofitable Seiten, die ständig versuchen, einem kostenpflichtige Zugänge und Abos auf irgendwelche Download-Plattformen zu verkaufen. Die Vergütungen für diese Verkäufe werden oft nur noch von Bank- und Versicherungstantiemen übertroffen. Es ist ein extrem profitables Geschäft. Von wegen harmlos und nichtkommerziell.
Einfach nur eine nichtkommerzielle Platform für Nutzer zu sein, das konnten Netzwerke wie Napster, eDonkey und BitTorrent für sich veranschlagen. Dies sind Phänomene, die passieren und auf die Medienanbieter eine Antwort finden müssen. Das ist legitimer technischer Fortschritt. Aber wenn Seitenbetreiber anfangen, damit ihre Geldbörsen vollzuscheffeln, ist die Linie überschritten, weil hier aktiv und aus niederen Gründen eine ganze Branche zerstört wird. Und den Nutzern wird noch einer vom Robin Hood vorgelogen.

2. Medienindustrie ist doof
Man kann nicht behaupten, dass es die Medienindustrie ihren Gegnern schwer machen würde: Über gute 100 Jahre ist mit Plattenfirmen, Verlagen, Buchhandlungen und Filmstudios ein Netzwerk von Industrien gewachsen, die ihre ursprüngliche Funktion als Vermarktungs- und Distributionskanäle längst zu Beiwerk degradiert haben.
Die großen Vertreter dieser Zünfte (in vorheriger Reihenfolge der Branchen Bertelsmann, Bertelsmann, Bertelsmann/Amazon und TimeWarner/Disney) haben schon lange jegliches Interesse an künstlerischer Qualität verloren und vertreiben nur noch jenes, von dem sie glauben, dass es sich gut verkauft. Dank des Selbstverlags können sie inzwischen sogar dazu übergehen, nur Dinge zu verkaufen, die sich bereits gut verkauft haben, was zugleich zum weiter oben angesprochenen Problem der Filmwirtschaft als auch zu solchen Entwicklungen führt.
Die Filmstudios haben es verpasst, hier trifft die Argumentation der Piraten ins Schwarze, sich auf neue Geschäftsmodelle einzurichten.
Andererseits, auf welche auch: Crowdfunding ist eine gute Methode, Projekte von einem Budget bis in den sechsstelligen Bereich zu stemmen. Hollywood fängt bei siebenstelligen Filmbudgets überhaupt erst an. Die Zahl der Marken, die sich über Zweitverwertungen und Lizenzen finanzieren können, ist gering (Filme, deren Titel mit „Star“ anfangen sind ein guter Ansatz – Star Wars; Star Trek, Stargate) und eine neue Marke mit dieser Erwartung aufzubauen, ist nur bei Fernsehserien (Mein kleines Pony) und Videospielen (Pokemon, Skylanders) realistisch.
Was die anderen Branchen angeht: Konservenmusik ist bereits auf iTunes & Co. übergegangen, Literatur und Wissenschaft sind drauf und dran, das Verlagswesen komplett abzuschaffen, Fernsehfiktion war noch nie auf Ausstrahlungseinnahmen alleine angewiesen.

Dieser Teil des Artikels sollte eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen, aber nach der Reflexion während des Schreibens dieses Textes stückweise über drei Tage verstehe ich die Medienhäuser deutlich besser: Die Landschaft ist bereits in jenem Umbruch, den die „Piraten“ fordern.
Aussen vor ist dabei einzig die Filmindustrie, für die es ganz einfach keinen Weg gibt, anders zu sein, als sie es momentan ist. Teilweise hat sie sich da selbst reingeritten, teilweise ist es das auch durch Filmpiraterie steigende finanzielle Risiko, wenn man etwas neues probiert (ziemlich vermurkster Satz, ich weiss, aber grammatisch korrekt).
Somit verhindert die Medienpiraterie letztlich genau jene Reform, die ihre Akteure vordergründig beständig fordern.

3. Synthese: Alle doof Die unbekannte Zukunft
Wie gesagt, das ging in eine sehr andere Richtung, als ich erwartet hatte. Mein Blick auf die Medienpiraterie war deutlich positiver, bevor ich diesen Artikel geschrieben habe. Vor allem aber war mein Blick auf die Medienindustrie deutlich negativer.
Ja, die Industrie verhält sich den Künstlern gegenüber oft auch nicht besser als die Piraten. Das ist aber kein Argument für die Legitimität der Piraten. Bestenfalls ist es eines gegen die große Medienunternehmen.
Man kann die Argumentation fahren, dass Piraterie Exzellenz durch bekannt machen belohnt, dies aber zu einem so hohen Preis für das „nur“ kompetente bis gute, dass letztlich auch die Exzellenz schwindet.

Teils ist die Lösung die Ausschaltung der Mittelleute: Der Rückschnitt der Verlage und Vertriebe auf das, was sie einst waren, einfache Dienstleister für die eigentlichen Wertschöpfer, die Künstler und Autoren. Vielleicht gibt es auch einen Weg, wie Filmstudios sich verbessern können, den mögen klügere Menschen als ich es bin vorschlagen, denn ich habe keinen Vorschlag, wie das gehen soll (ausser durch die vollständige Abschaffung des Blockbusters, was aber wohl niemand will und letztlich zwischen all dem Schrott auch viel Qualität kostet).
Faire Preise sind eine Option, aber im Ernst: Die Preise für Musik und (mit wenigen Ausnahmen) Filme sind fair, jene für Videospiele sind es teilweise (wenn man mal die ca. 60 € für neue Konsolenspiele auslässt). eBooks sind noch zu teuer, aber auch dieses Problem schwindet mit der Etablierung verlagsunabhängiger Autoren zunehmend.

Die Medienwelt ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es lange gedauert hat, auf diesen Weg zu gelangen. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei Probleme mehr gäbe (Seriously, fuck you, Xbox One DRM scheme!). Man muss den Piraten zu Gute halten, Teil der Motivation zur Verbesserung der wirtschaftlichen Seite des Medienkonsums gewesen zu sein.

Ganz zuletzt sei es noch ein Mal gesagt: Ich habe kein Problem mit den Piraten selbst. Sie können, wie weiter oben aufgezeigt, Nutzen für die Künstler bringen, wenn auch nur in Ausnahmefällen.
Es gibt auch noch legitime Begründungen für bestimmte Bereiche, etwa diese gottverdammte Aufteilung der Datenträger-Welt in Distributionsregionen (für mich als großer Fan spezifisch japanischer Videospiel-Genres wie Shmup und Visual Novel ein echtes Problem). Womit ich ein Problem habe, sind jene Leute, die mit Medienpiraterie unter Ausschluss der Urheber Geld machen.
Portale wie movie2k/movie4k/kinox und was sonst alles auf die TLD .to hört. Die scheinheilig erzählen, wie wenig Geld Künstler für ihre Leistung bekommen und wie die Firmen das ganze Geld machen. Und sogleich daran gehen, auch diesen kümmerlichen Rest an Künstlereinkünften für sich einzusacken. Wo man fragen muss: Wenn jemand, der 90% der Einnahmen für sich behält, böse ist, was ist dann jemand, der 100% behält?

Paläo-Pfreitag 2 0 

Äffische Menschenfüße
Ameirkanische Forscher haben herausgefundenTM, dass der menschliche Fuß nicht so perfekt an das aufrechte Gehen angepasst und rigide ist, wie bisher gedacht.
Bei etwa 8% der Versuchsteilnehmer war der Fuß am Mittelfuß flexibel. Als normal gilt nur eine Flexibilität am Ballen und den Zehen. Bei den Affen dagegen ist der Mittelfuß flexibel, um besser klettern zu können. Auch wenn die Forscher aus Boston nicht sagen können (oder wollen), ob dies ein relikt aus evolutionärer Vorzeit oder eine neue Entwicklung ist, zeigt es doch sehr deutlich, dass der Mensch bei weitem noch nicht so perfekt gebaut ist, wie man immer meint.

Paläo-Krebs

Knochenkrebs beim Neandertaler

Tumorschaden in einer Neandertalerrippe (oben) (Credit: Janet Monge et al. Fibrous Dysplasia in a 120,000 Year Old Neandertal from Krapina, Croatia. PLoS ONE, 2013; 8 (6): e64539 DOI: 10.1371/journal.pone.0064539)


Und noch einen Mythos will ich hier zumindest etwas schwächen: Die Paläo-Diät. Die Paläo-Diät besteht auf dem Grundprinzip, dass wir alle gesünder seien, wenn wir uns so ernähren, wie der Urmensch. Welcher Urmensch, ist dabei nie wirklich klar, aber auf jeden Fall einer aus der Zeit, bevor Getreide erfunden wurde. Die Idee ist, dass diese Ernährung für unsere Gene besser seien, die sich laut Paläo-Diätler seit der Steinzeit nicht mehr weiterentwickelt hätten. Was relativ einfach durch die Fähigkeit vieler Menschen, Milch zu verdauen, zu widerlegen ist, aber nunja.
Eine damit in Verbindung stehende Behauptung ist die, dass Krebs (sowie Herzinfarkt, Allergien etc.) eine Zivilisationskrankheit sei, die erst durch die moderne Ernährung Verbreitung gefunden hätte. Das ist natürlich schwierig zu widerlegen, denn Krebs & Co. findet man nicht in Fossilien. Mit Ausnahme von Knochenkrebs.
Knochenkrebs kennt man schon länger von diversen Dinosauriern und jetzt auch vom Neandertaler. Und während der nächste lebende Verwandte des Tyrannosaurus rex das Grillhähnchen ist, sind Neandertaler etwas näher mit uns verwandt und zählen vor allem zur Gruppe der ominösen „Urmenschen“, die sowas ja angeblich nicht hatten.

Schönes Schaustück in Brasilien
Die Dinosaurier vertritt diesmal ein wunderschönes Skelette-Arrangement aus Brasilien mit einem Angaturama (ein Verwandter des Spinosaurus), der einen Flugsaurier (Anhanguera) im Maul trägt. Ich mag es, wenn Museen Tiere in einer solchen echten Lebenssituation zeigen, es gibt den Ausstellungsstücken irgendwie stärker das Gefühl, dass das mal echte, lebende Tiere waren.

Source: blogs.scientificamerican.com via Thomas on Pinterest

Paläo-Pfreitag 1 0 

Da ein Großteil meiner Bücher über das Leben in der Urzeit ist, dachte ich mir, es kann nicht schaden, eine Reihe zu diesem Thema auf meinem Blog zu starten. Schon weil alle Leser am Ende der Bücher auf genau dieses Blog hingewiesen werden. Also gibt es jetzt jeden Freitag einen Rückblick auf die (m.E.) interessantesten paläontologischen Nachrichten der Woche.
Freitag, weil ich keinen anderen Wochentag so schön falsch mit einem P schreiben kann.

Urzeitlicher Klimawandel und Krokodile

Bildquelle: Uni Zürich


Streng genommen kein Klimawandel, aber etwas ähnliches, denn das Ergebnis war auf jeden Fall eine Änderung der Wassertemperatur, die für die südamerikanischen Krokodile verheerend war. Forscher haben die Krokodile untersucht, die 5-7 Millionen Jahren im Flussdelta des damals in die Karibik mündenden Amazonas lebten. Als der Fluss im Laufe der Zeit nach Süden wanderte, wurde das Wasser im Delta kälter. Obwohl sich das reimt, war es für die Krokodile nicht gut und die meisten Arten starben schließlich aus.
Neu entdeckt haben die Forscher dabei die kurzmäulige Gattung Globidentosuchus mit ungewöhnlich runden Zähnen und eine bis zu 12 Meter lange Art aus der heute noch lebenden Gattung Crocodylus. Zwischen 7 und 14 Krokodile lebten damals nebeneinander in den warmen Gewässern.
Ein kleiner Temperaturwandel in den letzten paar Millionen Jahren trennt uns von einer Welt, in der in Südamerika 12 Meter lange Krokodile und Pelikankrokodile wie das Tierchen rechts im Bild leben.

Seltsame Urschildkröte

Eunotosaurus africanus (Smokeybjb / CC-BY-SA 3.0)


Eine der evolutionär rätselhafteren Tiergruppen sind die Schildkröten. Die wichtige Frage ist: Wie zum Geier ist dieser seltsame Knochenpanzer entstanden? Schildkröten sind die einzigen Wirbeltiere mit einem Körperpanzer, der aus Skelettknochen des Körpers besteht. Andere gepanzerte Wirbeltiere haben entweder separate Panzerknochen in der Haut oder Panzer aus Horn und/oder Leder. Nun gibt es mit Eunotosaurus ein Reptil, dass eine primitive Vorstufe des Schildkrötenpanzers besaß. Wozu es diesen allerdings benutzte, ist eine gute Frage.

Neuer Urvogel

Aurornis; Bild: Masato Hattori


Die schiere Anzahl neuer Urvögel aus China ist beachtlich. Hier ist wieder einer – Aurornis xui ist etwa 10 Millionen Jahre älter als der berühmte Archaeopteryx und hat einige interessante Merkmale. Vor allem fehlt ihm anscheinend die für Raptoren typische Sichelklaue, die alle anderen Urvögel besaßen. Aurornis übernimmt nach der Analyse der chinesischen Forscher den Titel des primitivsten bekannten Vogels.

Buchtipp
Mark P. Witton hat ein großes Buch mit allem wissenswerten über Flugsaurier in Arbeit. Normalerweise gebe ich keine Vorschusslorbeeren, aber was ich in der Vorschau gesehen habe ist hervorragend, umfangreich und auf dem allerneuesten Stand der Forschung.
Wittons Arbeit an Quetzalcoatlus war ein großer Teil der Grundlage für meine Darstellung dieser Tiere in Staksigen Schrittes. Wer also die Flugsaurier in diesem Buch interessant fand, dem kann ich Pterosaurs nur empfehlen.

Das wichtigste Buch des Jahrzehnts 1 

Es ist ein häufiges Missverständnis, dass literaturhistorisch bedeutende Bücher auch automatisch gut, kreativ oder neuartig seien. Die Bandbreite in ihrer historischen Wirkung bedeutender Bücher reicht von der Bibel bis zu Mein Kampf, da ist also viel schlechtes zu finden – auch das Anrichten gewaltigen Schadens ist ein historisch bedeutsamer Akt. Rein literaturintern haben wir Werke wie Superman No. 1, welches den modernen Superheldencomic als Genre etablierte, dessen Protagonist aber im Endeffekt nichts weiter ist als ein Plagiat von John Carter. Die Hälfte des Lebenswerks von Goethe ist nichts weiter als eine Reihe Neufassungen wesentlich älterer Geschichten (im Grunde alle längeren Werke nach dem Werther).
Womit wir einen guten Punkt für eine Überleitung von Johann Wolfgang von Goethe zu E.L. James haben. Und warum beide Autoren sich in einigen Jahrzehnten gemeinsam in den Kanones der Literaturwissenschaftsstudenten wiederfinden werden.

Wie gesagt, um historisch bedeutend zu werden, bedarf es nicht unbedingt Qualität. Daher geht es hier nicht um diese. Shades of Grey wird allgemein restlos verrissen und ich werde diesem Urteil nicht widersprechen. Dass die Autorin einen ausreichend schlechten Literaturgeschmack hatte, um eine Fanfiction zu Twilight zu verfassen, sollte für ein Urteil reichen. Andererseits gibt es von mir Fanfiction zu Pokémon, ich sollte mich also nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Aber zurück zum Thema: Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Wirkung auf die (euro-amerikanische) Fanfiction-Szene.

Hinweis: Jeder, der weiss, was Fanfiction ist, kann einfach zum nächsten Absatz scrollen
Kurz zur Erklärung für Neulinge in diesem Bereich: Fanfiction ist von Fans geschriebene Literatur (oder sonstige Erzählmedien wie Filme, Comics oder Videospiele), die auf den Charakteren, Ereignissen, Orten und/oder fiktiven Regeln aus den Werken anderer basieren. Dabei zählt es in der Regel nur als Fanfiction, wenn das Autor keine Lizenz zur Verwendung dieser Elemente hatte, sonst ist es schlichtweg eine Lizenzarbeit (oder ein Expanded Universe, aber ich will jetzt keine komplette Einführung in Erzähltheorie verfassen, vielleicht ein ander Mal). Wie weit Fanfiction legal und legitim ist, ist bei Autoren und Juristen umstritten.

Die Bedeutung von 50 Shades liegt in seiner Herkunft: Wie oben bereits angedeutet ist es eigentlich eine Fanfiction zu Twilight. Twilight war eine nicht der weiteren Erinnerung werte Vampirschnulze, die überaus fragwürdige christlich-fundamentalistische Werte zu vermitteln trachtete und die Harry Potter als meistverkaufte Buchreihe ablöste. Die Serie half, den Fantasy-Boom des frühen 21. Jahrhunderts ein paar Jahre zu verlängern.
Der Schottin Erika Leonard gefiel diese Serie so gut, dass sie dazu unter dem herrlichen Künstlernamen SnowQueensIceDragon eine Fanfiction schrieb. Sie nahm die Charaktere und versetzt sie in eine andere Situation, womit das ganze eine S/M-Geschichte zwischen einem Millionär und seiner seltsam unschuldigen Liebhaberin wurde. Das Ergebnis trug den Titel Master of the Universe, enthält zu meiner großen Enttäuschung so gut wie keine Muskelmänner in Metallharnischen und ist inzwischen gelöscht.
Master of the Universe wurde extrem erfolgreich und es wurde schnell klar, dass das Szenario die Geschichte so sehr verändert, dass sie sich mit der einfachen Änderung der Namen der Figuren als komplett neues Buch verkaufen ließ. Gesagt, getan. Das Ergebnis dieser einfachen Umstrukturierung war 50 Shades of Grey, das erfolgreichste britische Buch der bisherigen Geschichte.

Die historische Bedeutung nun ergibt sich daraus, dass hier klar wurde: In Fanfiction lag Geld zu holen. Viel Geld. Das ist quasi die zweite Stufe nach George Lucas‘ Idee, bei Star Wars einen großen Teil der Produktionskosten eines Films über Merchandising reinzuholen, wozu natürlich auch Bücher gehörten.
[youtube oNZove4OTtI]
Auf die gelegentlichen Nachrichten von weiteren Fanfiction-Werken, die auf ähnliche Weise wie 50 Shades zu einem verlagsvertrag kamen, folgte diese Woche die größte Nachricht: Amazon startet mit Kindle Worlds eine Plattform für das kommerzielle Verlegen von Fanfiction. Stark eingeschränkt für nur drei amerikanische Fernsehserien, aber dennoch.
Das kommerzielle Verlegen von Fanfiction im großen Stil wird die Literaturlandschaft und vor allem das Urheberrecht nachhaltig und umfassend verändern.

Was die Restriktivität von Kindle Worlds angeht: Die halte ich teilweise für vernünftig, das einzige, was ich problematisch finde ist der Punkt, dass Amazon alle Rechte an den Werken erhält. Hier zum Vergleich ein Dislaimer, den ich vor zwei Wochen für meine in Arbeit befindlichen fiktiven Werke verfasst habe, die nach dem Abschluss der Meilensteine erscheinen sollen:

Science-Fiction und Fantasy sind als Genres große Magneten für Fanfiction, also von Fans geschriebene Geschichten auf Grundlage der Geschichten eines Autors oder einer Serie. Ich weiss nicht, ob je jemand Fangeschichten zu meinen Büchern und Geschichten schreiben will, aber sie bieten auf jeden Fall inhaltlich und formal das Potenzial dazu. Daher will ich mich dazu positionieren. Wer weiss, wann es benötigt wird.

Zunächst einmal: Wer Fanfiction zu meinen Welten schreiben will, ist willkommen. Die nichtkommerzielle Nutzung meiner Welten und Charaktere ist ausdrücklich erlaubt. Über eine kommerzielle Nutzung lasse ich mit mir sprechen: Wenn mir eine Geschichte gefällt und sie mit meinen Plänen für diese Welten kompatibel ist, kann ich ein Fanfiction-Werk zum Teil des offiziellen Universums erklären und der/die Verfasser/in kann es entsprechend bewerben und verkaufen; ich werde meinerseits auf diese Werke hinweisen.

Ich halte es dabei einfach nur für fair, wenn ich die Figuren und Elemente dieser Fanfiction ebenso verwenden kann, wie die Fanfiction-Autoren meine Welten und Figuren verwenden können. Daher ist dies eine Lizenzbedingung für alle Fanfiction zu meinen Büchern: Ich darf alle eigenen Charaktere und Elemente der Welt aus Fanfiction zu meinen Geschichten auch ohne Gegenleistung in meinen späteren Geschichten verwenden. Die andere inhaltliche Bedingung ist, dass alle Fanfiction sich von der Satdt Erkelenz fernhält. Das liegt daran, dass in Erkelenz für diese Welt einige bedeutende Ereignisse stattfinden werden, durch die diese Stadt ab den 2030er Jahren nicht mehr existiert; die entsprechenden Bücher werden erscheinen, sobald sie fertig sind. Es gibt noch ein paar andere Punkte, an denen Fanfiction meinem Konzept von dieser Welt widersprechen kann (keine Aliens, bitte!), aber das ist von Fall zu Fall entscheidbar.

Also, noch Mal kurz gefasst: Ich bin für Fanfiction. Wer damit Geld machen will, muss mich vorher fragen. Ich darf Elemente aus Fanfiction in meinen eigenen Werken verwenden. Und Pfoten weg von Erkelenz!

Alles in allem nicht so anders – bis auf die Sache mit Erkelenz.

Ich bin sicher, die Rezeption von Fanfiction wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern. Es wird eine neue Diskussion um die Legitimität dieser Werke geben und darum, welche Rechte an einer Erzählwelt eigentlich bei wem liegen.
Das ging schon ein paar Jahre so, aber 50 Shades war der große Sprung. Und deshalb hat sich E.L. James jenseits aller Fragen nach literarischer Qualität ihren Platz in der Literaturgeschichte verdient.
Und es ist eine Wirkung, von der es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie dieses Jahrzehnt noch von einem anderen Werk übertroffen wird.

Games: Generation des Meh 0 

Gut, dass ich gestern doch noch was politisches geschrieben habe. Mein ursprünglicher Plan war ein Beitrag über meine Erwartungshaltung für die nächste Konsolengeneration. Jetzt kann ich stattdessen schreiben, warum die 7. Generation der Heimkonsolen im Grunde enttäuschend sein musste. Nach der 6. Generation, der wohl besten und innovativsten Zeit in der Videospieleindustrie seit den 1980ern, war es einfach fast unmöglich, etwas vergleichbares hervorzubringen.
Entsprechend kam das auch nicht.

Es gab eine Enttäuschung, mit der ich schon vorher ganz klar gerechnet hatte: Das Ende der High-End-Grafik. Oder besser, die Stagnation dieser.
De aktuelle Generation hat die Qualität der Grafik auf einen Standard gehoben, an dem die Leistungsstärke des Prozessors und Grafikchips kaum noch eine Rolle spielt. Einfach weil nur noch Titel mit Millionenbudgets die zur Verfügung stehende Rechenkraft überhaupt noch ausnutzen können. Klar, es gibt noch deutlich Potenzial nach oben, nur: Wer will das ausnutzen. Abgesehen von Crytek, die mehr spielbare Grafikdemos produzieren als Spiele. Wenn auch zugegebenermaßen sehr gute Grafikdemos.
Der Trend zeigt sich bereits seit einiger Zeit: Grafikleistung wird zunehmend bedeutungslos, der grafische Stil gewinnt an Wichtigkeit. Besonders deutlich wird das beim grassierenden Retro-Trend. Wenn Mega Man 9 & 10 oder Retro City Rampage in NES-Grafik daherkommen und unter Gamern ernsthaften Hype hervorrufen, ist das der beste Beweis für das Ende der Grafikschlacht. Es wird noch große, grafisch aufpolierte Spiele geben, aber wegen der Entwicklungskosten für solche Titel werden es nicht allzu viele sein.

Die anderen Trends sind herstellerabhängig. Also tauchen wir in die Einzelabteilungen und vergleichen die 6. mit dert 7. Generation Hersteller für Hersteller, nach der Reihenfolge der Vorstellung der jeweiligen großen Wohnzimmerkonsole.

Nintendo
Die große Legende. Nintendo ist der traditionsreichste Konsolenhersteller im heutigen Markt. Als die Wii 2006 auf den Markt kam war sie eine Revolution: Der einfache Controller mit Bewegungssteuerung und nur vier Tasten war etwas völlig anderes, als alle Konsolen bisher. Unterdessen verkaufte sich im Markt für tragbare Systeme der DS mit seinen zwei Bildschirmen (einer davon ein Touchscreen) so gut, dass Nintendo die GameBoy-Reihe einmotten konnte. Dann kam der Trend zu mehr Fitness-Spielen, auf dem Nintendo vorne mitritt. Kurzum: Mitte der 2000er definierte Nintendo Videospiele. Nicht unbedingt für die selbsternannte „Hardcore Gamer“, aber für die Massen.
Dann kam mit dem 3DS ein nettes, aber letztlich überflüssiger Nachfolger des DS. Und für die WiiU getaufte Nachfolgerin der Wii nahm Nintendo kurzerhand alle Innovationen der letzten Generation zurück und ersetzte sie durch den klobigsten Controller seit langem (fast so schlimm wie jener des Nintendo64).
Dabei hätte es so einfach sein können: Nintendo hätte als letzter Hersteller ohne HD-Auflösung eine grafisch leistungsfähigere Wii bringen können. Ein Gegenstück zu den Erfolgen/Trophäen der anderen Hersteller dazu und fertig. Mehr wollte niemand, zumindest niemand in der Zielgruppe von Nintendo – die Wii war ein einmaliges und vielfältiges Konzept, das etliche Jahre hätte überdauern können.

Microsoft
Die Xbox 360 war eine feine, aber von technischer Anfälligkeit geplagte Konsole. Microsofts Versuch, als erster die neue Konsolengeneration zu starten, funktionierte, brachte aber Probleme wie desaströse Ausfallraten der Geräte mit sich.
Die große Innovation der 360 waren die Erfolge, ein System, bei dem Spiele Punkte für bestimmte Leistungen vergaben, die dann in einem alle Spiele übergreifenden System zusammengezählt und aufgelistet wurden. Da die Erfolge als Gamerscore zugleich die menschliche Sammelwut als auch den Wettbewerb unter Spielern förderten. Das war Kleinkram, aber im Endeffekt überraschend wichtig. Wichtig genug jedenfalls, dass Sony sich veranlasst sah, es für die PS3 zu kopieren. Xbox Live war zu seiner Einführung ein ziemlich guter Online-Service, den damals niemand sonst zu bieten hatte.
Die neue Xbox One kann Skype, Kamerasteuerung, Sprachsteuerung… im Grunde all das, was eine Xbox 360 mit Kinect auch kann, nur einen Tick besser. Der Controller, der mE wichtigste Bestandteil jeder Konsole, ist funktional mit jenen der Xbox und Xbox 360 identisch. Sie hat etwas mehr Leistung, aber siehe Einleitung des Artikels. Das ist die Art von Update, die man sonst nur von Apple kennt, mit dem Unterschied, dass Apple sowas im Jahresrhytmus bringt, weshalb die Trippelschritt-Innovation dort zumindest gut begründbar ist. Oh, und man kann beim Zocken Fernsehn kucken. Weil das so toll gleichzeitig funktioniert, sich auf einen Film konzentrieren und Noobs pwnen.
Die Xbox One ist im Grunde ein SmartTV mit zusätzlicher Videospielefunktion. Oder mit anderen Worten ein PC für den fernseher. Äh ja, danke, einen PC habe ich schon – allerdings keinen Fernseher, meine Konsolen laufen über Konverter auf einem Computermonitor und ich habe kein Interesse am in Deutschland verfügbaren TV-Programm. Vielleicht würde ich das Ding kaufen, wenn ich damit (endlich!) in Deutschland BBC One empfangen könnte. England hat nämlich im Gegensatz zu Deutschland gute Öffentlich-Rechtliche Programme, für die ich Geld zu zahlen bereit wäre.
Nur eines ist gelungen: Es gibt jetzt auch spieleübergreifende und dynamische Achievements. Das ist toll, ich mag Achievements.
Alles in allem bin ich von der X1 nicht wirklich enttäuscht – das Englische hat den schönen Begriff „underwhelmed“, was sich in etwa übersetzen lässt mit „nicht so begeistert wie ich zu sein erwartet hatte“.
Übrigens: Hässlich finde ich sie nicht unbedingt. Langweilig, ja, aber nicht hässlich.
PS: Hier ist ein Konterunkt zur One beim ElJoel

Sony
Sony sollte mich besser überraschen.
Der dritte im Bunde hat mit seinen ersten beiden PlayStations zwei technisch schwache und innovationsarme Systeme in den Ring geworfen, die von beachtlichem Marketing und Software getragen zu Bestsellern wurden. Mit Ausnahme des EyeToy hat Sony nie eine eigene Innovation ins Feld geführt (okay, zwei Analog-Sticks statt einem).
Dann kam die PS3 und plötzlich hatte Sony die stärkste Konsole im Ring. Sony hat einige Fehler gemacht, das frühe Verbot von 2D-Titeln auf seiner Maschine etwa hat ganze Genres der Konkurrenz in die Arme getrieben (wer hätte je gedacht, dass die Xbox die beste Konsole für meine heissgeliebten japanischen Shmups wird?) und der Start der Konsole ging völlig in die Hose (Riiiiiiiiiidge Racer!). Aber alles in allem hat Sony viel richtig gemacht – die Achievements kopiert und dabei mit seinen Trophäen noch übertroffen (einfach nur Punkte? Pah, unsere Punkte sind verschieden gut!), einen Online-Service hervorgebracht, der Xbox Live locker in die Tasche stecken konnte (vom Wii-Channel schweigen wir hier mal) und eine überaus leckere Software-Bibliothek zusammengestellt, die zu weniger als 90% aus Shootern und immergleichen Rennspielen bestand.
Die PS4 bekommt ein paar Gimmicks wie das von der PS Vita bekannte Touchpad am Controller, verändert sich aber wenig.
Die Sache ist die, dass wir noch nicht viel über die PS4 wissen. Es könnte eine ebensolche Enttäuschung sein wie die Xbox One. Es könnte noch mit einer neuen Idee aufkommen, das wäre allerdings extrem untypisch für diesen Konzern. Vorerst bleibe ich skeptisch, dass Sony nach den beiden Gurken der Konkurrenz mit etwas großem auftrumpfen kann. Und wehe, die Überraschung sind wieder proprietäre Speicherkarten mit Preisen von 60 € für 12 GB wie bei der Vita.

Fazit
Die 6. Generation der Videospielkonsolen hätte problemlos die vorerst letzte bleiben können, die bis zur 7. noch 5-6 Jahre gelaufen wäre, vielleicht ergänzt um eine Wii HD.
Alle drei Konsolen zeigten durch Aktualisierungen und neue Hardware mitten in ihrer Lebenszeit das Potenzial, als Plattform ewig weiterzulaufen. Die letzte Generation war gefüllt mit Innovationen vor allem bei den Controllern, besonders bemerkenswert hier Kinect und WiiMotion Plus. Wie wir jetzt sehen, scheint jede weitere Innovation entweder marginal (Xbox One) oder konterproduktiv (WiiU) zu sein.
Mein Abschlussgedanke: Die Zeit war einfach noch nicht reif.

Die Bosheit des Geldes 0 

Lasst uns über Geld reden. Nicht nur, weil ich grade diese Webseite wieder für ein Jahr bezahlt habe, sondern auch, weil es ein Thema ist, das mich grade im politischen Diskurs besonders nervt. Geld ist wahrlich kein neues Thema im politischen Diskurs, aber in letzter Zeit ein besonders interessantes.
Wann immer irgendwo in einer politischen Debatte das Wort Geld (oder ein Wort aus dem Rest des Wortfeldes “Finanzen und Währungen„) fällt kann man sicher sein, dass es ein Gegenargument ist. Dies üblicherweise in der Gestalt der Implikation der Bosheit des Geldes.
Die gibt es in drei Geschmäckern und zu diesen nun im Einzelnen:

Geld verdienen ist böse
Wann immer ein Projekt abgelehnt wird, gibt es ein Argument, dass spätestens kommt, wenn alle anderen Argumente weg sind: „Die machen doch nur Geld damit!“
Ein Punkt, an dem ich nur fragen kann: „Ja, na und?“
Windräder, Solaranlagen, Kriz (unterster Kommentar) – überall machen die Akteure nur Geld damit. Was ich hier nicht verstehe ist, worin eigentlich der Vorwurf besteht. Sollen sie halt was davon haben, wenn sie sinnvolle Projekte machen, wo ist das Problem? Was ist denn die Erwartungshaltung, die hier hintersteht, dass alles Gute in der Gesellschaft von Bettelmönchsorden durchgeführt wird?
Ganz besonders beachtlich ist der Vorwurf der Abschöpfung von Subventionen: Ja natürlich werden Subventionen abgeschöpft, dafür sind sie da! Subventionen haben den Zweck, Investitionen zu erleichtern und so politisch erwünschte Änderungen zu fördern. Wenn niemand eine Subvention abschöpft, läuft irgendetwas grauenhaft schief.
Ja, es gibt Subventionsgräber, die nach der Abschöpfung stillgelegt werden. Sowas muss man verhindern, etwa mit Vertragsstrafen im Subventionsabkommen.
Und natürlich sind nicht alle Subventionen aus der Warte der jeweils eigenen politischen Position gut. So ist das halt, wenn man die Politik auf der jeweils zuständigen Ebene nicht selbst bestimmt.

Geld ausgeben ist böse
Das hatten wir in MG bei der Bibliothek, man kann es aber im Moment überall sehen. Alles, was einem politisch nicht schmeckt und was Geld kostet bezeichnet man als Steuerverschwendung.
Dabei wird so argumentiert, als sei eine Steuerkasse das selbe wie ein Portmonee: Anschaffungen werden für sich und in ihren laufenden Kosten betrachtet. Dabei haben Ausgabeentscheidungen von Gebietskkörerschaften (Städte, Länder, Nationen, transnationale Vereinigungen, aber auch ausreichend großer Unternehmen) auch noch volkswirtschaftliche Auswirkungen, die aber schwer bis gar nicht präzise vorherzusagen sind.
Etwa wenn der Bau eines Radweges in einzelnen Läden zu 49% Umsatzzuwachs führt und nebenbei noch Abgase vermeidet und die Innenstadt belebt. Oder wenn durch eine zentralere Bibliothek der Bildungsgrad und damit die Arbeitsfähigkeit des Bevölkerungsschnitts gehoben wird. Oder wenn mehr Jobs entstehen. Wenn kulturelle und/oder wirtschaftliche Verbesserungen die Stadt und ihren Ruf aufwerten und so ein Bevölkerungswachstum verursachen. All das kann man auch monetär abbilden: Weniger Ausgaben wegen Zerfalls und Armut, mehr Einnahmen aus Steuern der neuen Einwohner und der stärkeren Wirtschaft.
Das sind Dinge, die die vielbeschworene schwäbische Hausfrau nicht kennt. Und genau deswegen ist eine so einfache Rechnung, die nur auf die Kosten schielt in der politischen Diskussion unseriös, oft sogar schädlich.
Das gilt übrigens auch andersrum: Ein einträglich erscheinendes Projekt kann sich über volkswirtschaftlichen Schaden als Fehlinvestition herausstellen. Etwa, wenn man einen Niedriglohn-Logistiker in die Stadt holt und dann die sich daraus ergebende höhere Anzahl von Aufstockern bezahlen darf. Nur: Wer wie etwa Presseliebling Bund der Steuerzahler regelmäßig das Vorgehen, politische Entscheidungen betriebswirtschaftlich zu rechnen, fordert, der darf sich nicht gleichzeitig beschweren, wenn das mal nach hinten losgeht.

Geld haben ist böse
Kommen wir zu den Millionären und Milliardären. Die sind ja eh alle verdorben. Es interessiert uns auch gar nicht, womit die ihr Geld verdient haben und ob einige Methoden, zu Reichtum zu kommen, legitimer sind als andere.
In gewisser Weise ist das logisch: Wenn man (siehe „Geld verdienen ist böse“) mit guten Dingen kein Geld verdienen kann, bleibt ja nur noch Lug, Betrug und Ausbeutung. Unter der Prämisse macht dann auch eine Reichensteuer Sinn. Es ist halt viel einfacher, Reichtum jeglicher Couleur zu bestrafen, als illegitime Methoden des Reichtumserwerbs (sagen wir mal Nahrungsmittelspekulationen oder Börsenwetten) unattraktiv oder gar illegal zu machen.

Bonus: Kein Geld haben ist böse
Denn wer kein Geld hat, ist Sozialschmarotzer. Steht inner Zeitung, muss also stimmen.

Ab ins Luftschiff 0 

Okay, Luftschiffe.

Es gibt andere Themen in der Stadt (Bibliothek, Schulsozialarbeiter), aber die Luftschiffe kommen dazwischen, einfach weil das Bundestagswahlprogramm der Grünen ansteht und ich dieses Thema endlich einbringen will. Zur Bibliothek (und den diversen überaus ärgerlichen Falschdarstellungen diverser Medien dazu) werde ich diese Woche ebenfalls noch etwas veröffentlichen. Die Sache mit den Luftschiffen aber steht heute an, daher komme ich erstmal dazu. Zunächst der Antrag für die BDK (=Parteitag), die durch den Antrag dazukommenden Textteile sind gefettet, der Rest ist mit dem ursprünglichen Text identisch:

Die BDK möge beschließen:

Der letzte Absatz von Abschnitt 2 (Zeile 113 ff.) wird wie folgt geändert:

Die Binnenschifffahrt wollen wir fördern, wenn es ökologische und ökonomische Vorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern gibt und sich die Schiffe den Flüssen anpassen. Als Ergänzung und Alternative zur Hochseeschifffahrt soll Deutschland an die international wieder erstarkende Entwicklung von Luftschiffen anknüpfen.
Das Wachstum des Flugzeugverkehrs ist vor allem durch die heutige Subventionierung möglich geworden. Wir wollen die Steuerprivilegien bei der Energiebesteuerung und bei der Mehrwertsteuer beenden und die Luftverkehrsteuer und den Emissionshandel ökologischer ausgestalten.

Begründung:

Weltweit werden zunehmend Luftschiffe für den Transport von Waren entwickelt. Diese können dank ihrer Flughöhe mit Solarzellen bestückt emissionsfrei elektrisch angetrieben werden und stellen somit eine ideale Alternative für die meist mit Schwerölen betriebene Hochseeschifffahrt dar. Zudem sind sie unabhängig von Wasserwegen und benötigen nur minimale Einrichtungen zum Landen. Große Eingriffe in die Natur wie Kanalbau, Flussbegradigung und Gewässervertiefung sind für den Aufbau von Transportrouten nicht nötig. Sie teilen mit der Schifffahrt die gegenüber dem Flugzeug niedrigeren Transportkosten, können aber zugleich etwas schneller zum Zielort kommen als Schiffe, da sie in vielen Fällen einfach geradeaus über das Festland fahren können.
Moderne Luftschiffe können im Betrieb klimaneutral, sicher und zuverlässig arbeiten. Deutschland war einst Weltmarktführer im Luftschiffbau, viel Wissen über diese Fahrzeuge ist heute noch vorhanden.
International sind es vor allem die Militärs, die an Luftschiffen als Versorgungsfahrzeuge für unwegsames Gelände arbeiten. Dem sollten wir zivile Nutzungen im Frachtverkehr und der Anbindung der Entwicklungsländer entgegenstellen.

Strenggenommen fliegen Luftschiffe nicht, sondern fahren. Dennoch sollte „Flugverkehr“ durch „Flugzeugverkehr“ ersetzt werden, um einen scheinbaren Widerspruch in diesem Absatz zu vermeiden.

Die erste Frage, die sich hier stellt ist natürlich: Welche Probleme soll das lösen? Die Begründung im Antrag gibt ein wenig Einblick, aber ich will das hier etwas weiter ausführen.

Luftschiffe stehen als Verkehrsmittel in direkter Konkurrenz zum Schiffsverkehr. Eine Alternative zum Flugzeug sind sie schon wegen ihrer geringen Geschwindigkeit nicht, sollen sie aber auch gar nicht sein. Der Großteil der Waren, die heutzutage international verschickt werden gehen immer noch über die Schifffahrt um die Welt. Flugzeuge sind für die meisten Waren als Transportmittel ganz einfach zu teuer und werden daher fast nur dann für Warenverkehr eingesetzt, wenn schneller Transport unbedingt benötigt wird (weltweit beträgt der Anteil der Luftfracht am Güterverkehr etwa 2%, in Deutschland 0,1%). Die wenigen Bereiche, in denen Flugzeuge angewendet werden haben so spezifisch auf das Flugzeug zugeschnittene Bedingungen, dass das Luftschiff hier gar nicht konkurrieren kann.
Geschwindigkeit und Art der transportablen Waren entsprechen vielmehr der Schifffahrt.

Der Warenverkehr mit Schiffen bringt mehrere Probleme mit sich, die gerne ignoriert oder übersehen werden, weil Schiffe nur selten durch die Innenstädte fahren oder sie überfliegen. Wo sie es tun, sind sie oft relativ unproblematisch,w eil Binnenschiffe recht stark reguliert werden.
Frachtschiffe auf hoher See werden dagegen gern mit billigem Schweröl betrieben. Kurzgesagt ist in Schweröl fast all der Dreck aus dem Rohöl, der bei der Produktion von Benzin und Diesel herausgefiltert wurde und nicht im Asphalt gelandet ist. Oder anders gesagt: Schweröl ist destillierte Scheisse, sein Verbrennungsprodukt ein lustiger Cocktail aus Russ, Gift und CO2. Im vergleich zu den von usn Grünen gerne bekämpften Flugzeugen sind Schiffe das größere Problem. Das Problem mit den Havarien mal ganz aussen vor gelassen.
Daneben bereiten die Schiffsmotoren auch Probleme für die Wale.
Diese Probleme, insbesondere der Treibstoffverbrauch, lassen sich lösen und an Lösungen wird gearbeitet. Hier sind Luftschiffe ein Lösungsansatz von vielen.

Der wesentlich größere Punkt sind die Wasserstraßen: Schiffe benötigen Wasser, das dürfte niemanden überraschen.
Das hat zwei Konsequenzen: Zum einen können sie keine Hindernisse passieren, sie müssen diese umfahren. Und wenn dieses Hindernis beispielsweise der afrikanische Kontinent ist, kann das ein ziemlicher Umweg werden. Luftschiffe sind nicht auf Wasserwege angewiesen. Hohe Gebirge müssen auch sie umfahren, aber dennoch kommt man direkter von – sagen wir mal – Moskau nach Baikonur, oder München nach Timbuktu.
Um das Problem ein wenig zu entschärfen werden seit Jahrtausenden Kanäle gebaut und Flüsse vertieft und begradigt. Das sind zum Teil gewaltige Eingriffe in die Natur, seien es die direkten Probleme einer Flussvertiefung wie an der Elbe oder das Problem der Einwanderung fremder Arten durch Verbindung einst getrennter Meere.
Aber auch abseits ökologischer Aspekte gibt es Probleme – die Maßnahmen sind extrem teuer und bringen politische Probleme mit sich. Der Panamakanal ist immer mal wieder ein Zankapfel zwischen den USA als quasikolonialem Besitzer und Panama als Standort. Und ab und an drohen geopolitisch vorteilhaft gelegene Staaten auch mal mit der Blockade internationaler Wasserwege, die recht einfach vorzunehmen ist, weil Schiffe nicht mal eben über Land ausweichen können, wenn ein Kanal zu oder von Piraten besetzt ist.
Die Landeeinrichtungen sind auch ein Punkt: Ein für Hochseeschiffe geeigneter Hafen ist ein teures Großbauprojekt, das selbst in erfahrenen Hafenstädten der industrialisierten Welt wirklich übel schiefgehen kann. Zum Landen eines Luftschiffes braucht man genug freien Platz, einen Ankermast, zwei Fluglotsen und zwei Leute, die Seile festmachen (die können aber auch Teil der Schiffsbesatzung sein, sind also nicht zwingend Teil des Landeplatzes). Das ist insbesondere für die Versorgung von Entwicklungsländern sowie für die kostengünstige Umrüstung der hierzulande reihenweise pleitegehenden Kleinflughäfen (zB Mönchengladbach) interessant.

Natürlich gibt es heute Luftschiffe. Das meiste sind die bekannten Werbeballons, die übrigens auch erfolgreiche Karrieren als Spionagegefährte für Israel und die USA leisten.
Weltmarktführer für „richtige“ Luftschiffe ist noch Deutschland mit der Traditionsfirma Zeppelin, die auch in den USA herumfahren und einen Vertrag geschlossen haben, die berühmte Werbeflotte von Goodyear teilweise durch Zeppelin NT zu ersetzen.
Andere Unternehmen waren nicht ganz so erfolgreich, aber wenn man die Ergebnisse sieht, die die Cargolifter AG auf dem Weg erreicht hat – die Errichtung der größten freitragenden Halle der Welt und der Bau mehrerer kleiner Luftschiffe zu Versuchs- und Ausbildungszwecken – wird klar, dass das Projekt bei besserem Management, realistischerer Zielsetzung mit kleineren Dimensionen zum Start und mit daraus resultierend mehr Zeit durchaus ein Erfolg hätte werden können.

Unterdessen hat die US Army vor zwei Monaten den ersten Testflug eines neuen Typs von Luftschiff durchgeführt, mit einem wesentlich größeren Modell für den Frachteinsatz in der Entwicklung.
In einer Welt, in der Treibstoff immer teurer und Klimaschutz immer wichtiger wird und die sich zugleich immer weiter globalisiert, sind Luftschiffe ein wichtiger Schritt zu einem zukunftsfähigen und krisensicheren Transportwesen. Kein anderes Land hat so viel technisches Wissen in diesem Fahrzeugsegment wie Deutschland. Warum sollte es dieses nicht nutzen?

Die Idee mag fremdartig erscheinen, gewagt und herausfordernd. Aber was soll das denn auch für eine Zukunft sein, die nicht mehr ist als die Gegenwart mit einer neuen Jahreszahl im Kalender? Wenn wir nichts verändern wollen, können wir auch gleich aufhören, in irgendeiner Form Politik zu betreiben, denn dann reicht es, wenn wir schlichtweg nichts tun.
Es ist Sinn und Zweck von Politik, die Zukunft zu gestalten oder zumindest zu beeinflussen, sodass die Gegenwart eine bessere ist, wenn sie diese Zukunft erreicht. Denn das wird gerne vergessen: Die Zukunft ist nichts weiter als die Gegenwart, die noch kommt und in der wir oder unsere Nachfolger einst leben werden.

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#Amazon 0 

Derzeit schlägt ein vom HR zusammengestellter Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Amazons Weihnachts-Arbeitern hohe Wellen. Etwas, was ich in keinster Weise ignorieren kann. Die Sache ist allerdings nicht so einfach: Einerseits zeigt die Reportage ernsthafte Missstände, die anzusprechen sind. Andererseits bleibt sie dabei oberflächlich und vergisst, nach den Ursachen zu fragen.
Aber fangen wir mit der Reportage selbst an:

Der Beitrag zeigt einige sehr problematische Zustände in den Logistikzentren des Versandhauses. Nun muss wenn man Beiträge über Amazon derzeit sehr vorsichtig „genießen“, weil die seit Monaten umfangreiche negative Berichterstattung mE ganz klar eine Kampagne der einflussreichen Buchhandelslobby (Börsenverein des deutschen Buchhandels) darstellt, der die von ihm vertretenen Branchen lieber vor Innovation von aussen schützt als sie bei seinen eigenen Mitgliedern voranzutreiben, um gegen Amazon wettbewerbsfähig zu werden. Diese ist effektiv genug, um selbst gestandene Überall-Verschwörungs-Vermuter sie übernehmen.

Bemerkenswert ist etwa ein fast zeitgleich erschienener überaus alberner Artikel in der FAZ.

So erklärt es sich denn auch, warum der Filmbeitrag des HR an vielen Stellen so oberflächlich bleibt. Hierzu noch ein Zitat, Hendrik Sachtler sei zur Hand genommen:

Dieser Beitrag geht in die richtige Richtung: Das Problem ist das System, dass solche Vorgänge nicht nur ermöglicht, sondern sogar erwünscht. Ich muss das noch deutlicher formulieren: Amazons Verhalten wird vom System nicht toleriert; es wird von ihm ausdrücklich gefördert.
Dabei habe ich mit Saisonarbeitern kein Problem, in Branchen mit starken saisonalen Schwankungen im Bedarf an Arbeitskräften ist sowas völlig in Ordnung. Spargel wird halt nur ein mal im Jahr gestochen und auch Weihnachten als großer Einkommens- und Arbeitsbringer der Händler gibt es pro Jahr nur ein mal (trotz aller Versuche, Ostern und Halloween auf ein vergleichbares Konsumniveau zu bringen).
Nein, das eine Problem ist die Behandlung dieser Arbeiter. Nicht das Schlafen in Doppelbettzimmern, darin erkenne ich nichts unzumutbares. Nicht der Lohn von 8,52 €, der ist bei Saisonarbeitern mehr oder weniger normal, dafür habe ich in meinem Studium öfter als Urlaubsvertretung gearbeitet – klar wäre mehr besser, aber man kann einem Einzelunternehmen nicht vorwerfen, das selbe zu bezahlen wie alle anderen auch (Zalando zum Beispiel bezahlt laut Medienberichten 1€ weniger). Aber die Gängelung durch den Sicherheitsdienst, schon dessen bloßes Vorhandensein in den Arbeiterunterkünften, das ist schlichtweg inakzeptabel. Und das ist der einzige Kritikpunkt, für den ich Amazon Mitverantwortung gebe.
Welchen Sicherheitsdienst das Unternehmen beschäft, ist vollkommen in seinem Ermessensspielraum. Zumal sich die Frage stellt, wozu der überhaupt da ist.

Das andere Problem liegt im System und hier kommen wir zu der Oberflächlichkeit, die ich dem Beitrag vorwerfe.
Amazon hat seine Stellenangebote an das örtliche Arbeitsamt gegeben. Und dieses wiederum ist für die erfolgte Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer verantwortlich. Was in der Reportage nur als Nebensatz vorkommt (wohl um dem Vorwurf der möglicherweise justiziablen Falschdarstellung zu entgehen), ist der Kern der ganzen Sache: Der wahre Täter hier ist der deutsche Staat. Die Leiharbeiterherankarrung aus dem Ausland, die geringen Löhne, der fehlende Kündigungsschutz – hier ist nicht Amazon am Werk, sondern die von Merkel so schön pointiert (aber bei ihr komplett ironiefrei) propagierte „marktkonforme Demokratie“. Einen ähnlichen Skandal gab es in Verbindung mit Amazon bereits vor etwa einem Jahr. Nach späterer Angabe des Konzerns auf ausdrücklichen Wunsch des örtlichen Arbeitsamtes.
Letzten Endes wird Amazon hier als Schild hochgehalten, um das System zu schützen. Amazons Verhalten ist in großen Teilen ein mit Absicht oder zumindest wissentlich gezogener Spross eines Gartens, der nur derlei Kraut hervorbringt. Man kann nun Amazon selbst angreifen, allein es ändert nicht viel. Selbst wenn Amazon etwaige Proteste zu spüren bekommt, was unwahrscheinlich ist, trifft es nicht jenes System, welches solche Auswüchse ermöglicht und fördert. Und die anderen machen unterdessen weiter, teils sogar noch schlimmer.

Der Protest muss dem System gelten. Solange dieses solches Verhalten nicht nur erlaubt, sondern sogar fördert, kann man von den Unternehmen nicht erwarten, ein Unrechtsbewusstsein zu erlangen. Deutschland erklärt es ja explizit für rechtens und erwünscht.

full disclosure
Ein merklicher Teil meiner Einkünfte stammt aus Werbung für und eBook-Veröffentlichungen bei Amazon.

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