Dino-Dienstag 30 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche kämpfe ich zum Ende zunehmend mit den Namen einiger Kreaturen. Und das mir, der eigentlich ohne absetzen einen Satz mit Scansiopterygidae bilden kann.

Pferd mit Nachwuchs aus Messel

Hier mal ein spektakulärer Fund aus heimischen Gefilden, eine schwangere Stute von Eurohippus aus der Grube Messel bei Darmstadt.


Spektakulär an dem Fund ist auch, dass dank des isolierenden Schlammes des einst hier vorhandenen Sees Details der Gebärmutter als fossiler „Schatten“ erhalten sind, was Einblick in die Evolution der Lebendgeburt gibt.
Deutschland scheint in der Urzeit für schwangere recht gefährlich gewesen zu sein – verschiedene Fundorte haben schwangere oder gebärende Muttertiere hervorgebracht, besonders berühmt die delfinartigen Ichthyosaurier aus Holzmaden bei Stuttgart.

Neues zur Farbe ausgestorbener Arten

Die Behauptung, man könne aus den Abdrücken von Pigmentzellen in den Federn einiger Dinosaurier auf deren Farben zu Lebzeiten schließen, galt immer als kontrovers, wird aber zunehmend akzeptiert.
Nun haben britische und amerikanische Forscher Fossilien der Fledermäuse Palaeochiropteryx und Hassianycteris aus Deutschland untersucht, die Abdrücke des einstigen Fells zeigten. Damit haben erstmals Forscher versucht, die an Federn erprobte Technik auf Fell zu übertragen.
Und sie waren erfolgreich: Nicht nur ist der Befund, dass diese Fledermäuse ein braunes Fell hatten konsistent mit der Farbgebung heutiger Fledermäuse, sie fanden in den Überresten der farbgebenden Zellen auch chemische Spuren von Melanin, dem häufigsten Farbstoff in Säugetierfell und konnten über dessen Verteilung bestätigen, dass die Form der Zellen die Färbung der Tiere zu Lebzeiten erkennen lässt.

Neue Spezies der Woche

Kimbetopsylis - Bild: Sarah Shelley

Kimbetopsalis – Bild: Sarah Shelley


Kimbetopsalis simmonsae war ein überraschend großes Säugetier, dass mehr oder weniger direkt nach dem Ende der Dinosaurier lebte. Sowohl die Größe von einem Meter Länge als auch die Tatsache, dass es ein Pflanzenfresser war, sind ungewöhnlich, da beides zu Zeiten der Dinosaurier unter Säugetieren sehr selten war. Die Forscher vermuten, dass er ein Beispiel dafür ist, dass die Säugetiere sich nach dem Ende der Dinosaurier sehr schnell an die neue, nun dinosaurierfreie Welt anpassten und neue Formen hervorbrachten.
Die Presse hat beschlossen, das Tierchen als einen apokalyptischen Biber zu bezeichnen, weil es in einer wasserreichen Waldlandschaft lebte und entfernt einem Nagetier ähnelte. Mit den heutigen Bibern teilt es allerdings keine nähere Verwandtschaft, es gehört zu einer ausgestorbenen Gruppe von Säugetieren, die zwischen den Eier legenden und den lebend gebärenden Säugetieren standen. Auffällig an ihnen waren die sehr komplexen Zähne und die jenen der Nagetiere ähnelnden Schneidezähne.
Japan gibt uns die fluglose Ente Shiriyanetta hasegawai, die dort vor etwa 120.000 Jahren an den Küsten herumlief.
Bei den Dinosauriern haben wir mit Ugrunaaluk kuukpikensis einen Vertreter, dessen Namen nicht nachschlagen zu müssen ein Kunststück werden dürfte, das nur des Inuktikut Mächtige schaffen dürften. Der Fund ist nicht ganz so spektakulär, wie die Presse gerne betitelt, aber immerhin: Die Forscher dachten bisher, dass die zum Ende des Dinosaurierzeitalters nördlich des Polarkreises in Alaska lebenden Entenschnäbel zu der bekannten und sehr häufigen Gattung Edmontosaurus (über die Jahrzehnte auch bekannt als Trachodon, Anatosaurus, Anatotitan und weitere) gehörten. Tatsächlich aber fanden neue Untersuchungen genug Unterschiede, um sie zu einem ganz neuen Dinosaurier aus der nahen Verwandtschaft von Edmontosaurus zu erklären: Buchstabensuppe Ugrunaaluk eben.
Er versucht auch grade, es auswendig zu lernen, daher der Gesichtsausdruck: Ugrunaaluk - Bild: James Havens

Er versucht auch grade, es auswendig zu lernen, daher der Gesichtsausdruck: Ugrunaaluk – Bild: James Havens

(K)Ein Wort zu Reker 0 

Gestern kam es in Köln zu einem Anschlag, bei dem die OB-Kandidatin Henriette Reker (parteilos) und mehrere weitere Personen mit einem Messer verletzt wurden. Ich wollte dazu nichts schreiben, weil ich weder Reker kenne noch genug über Köln weiss. Nun tue ich es doch, weil mich der Umgang mit dem Thema teilweise erheblich stört.

Tatmotive und die Einzelfallerzählung

Die Tat hatte offenbar nach eigener Aussage des zum Glück direkt gefassten Täters fremdenfeindliche Hintergründe. Reker stünde als zuständige Dezernentin für nicht näher definierte Fehler in der Einwanderungspolitik. Und ganz ehrlich, das ist alles, was man hierzu wissen muss.
Diverse linke Multiplikatoren verbreiteten schnell die Nachricht, Täter Frank S. sei 1994 als Mitglied der später verbotenen rechtsextremen Partei FAP aufgefallen. Und mit Verlaub: Wenig könnte mir mehr am Arsch vorbeigehen, als was irgendein Nazi vor 21 Jahren gemacht hat. Das ist lang genug her, dass damals noch nicht mal geplante Menschen inzwischen die Volljährigkeit erlangt haben. Es ist für die Gegenwart schlichtweg irrelevant und eignet sich auch nicht als Ansatz für die Ursachenforschung, weil dafür in 21 Jahren in der Regel ganz einfach zu viel passiert.
Vielen wird diese Nachricht dennoch gefallen und das liegt an einem entscheidenden Ansatz gegenwärtiger Realitätsbildung: Die Einzelfallerzählung. Erzählungen (oder auch Narrative, selbes Wort in Latein) sind ein derzeit zentraler Ansatz in der Erklärung der Gesellschaft und hier sehen wir eine ganz große bei der Arbeit.
Immer, wenn eine als böse geltende Tat oder ein Unglück geschieht, wird dies zum Einzelfall erklärt, damit wir die Ursachen nicht in der Gesellschaft suchen müssen. Rassistische Einstellungen sind in den letzten Monaten mit erschreckender Geschwindigkeit alltagstauglich geworden. Das will aber keiner wahrhaben und damit wir die Augen verschließen können suchen wir für Frank S. dankbar Möglichkeiten, ihn als eine Person hinzustellen, die nicht in der Mitte der Gesellschaft stand. Doch auch wenn das bei diesem Menschen sachlich nicht falsch ist, dürfen wir nie vergessen: Seine Tat fand in einer Gesellschaft statt, in der Rassismus an allen Ecken zu finden ist. Zwischen „nicht falsch“ und „richtig“ liegen eine Menge Graustufen.
Die damit erfolgende Selbstreflexion der Gesellschaft schmeckt uns nicht. Wir halten lieber weiter die Illusion aufrecht, die jubelnde Massen an den Bahnhöfen zeigt. Da wurde in den Medien die deutsche Willkommenskultur gefeiert, während schon längst die ersten Asylbewerberheime brannten. Es war alles so unglaublich absurd. Und wer dergestalt einer Illusion erliegt merkt dann auch nicht, wenn er selbst zum Rassismus umschwingt, wie beispielsweise in diesen Wochen beim Focus zu beobachten. Man ist schließlich einer der Guten, man meint das ja nicht so. Das Geburtsmoment der Bigotterie.

Entpolitisierende Schockstarre

Ein Spezialphänomen bei Attentaten kommt noch dazu: Der Vorwurf der Politisierung. Das sieht dann beispielsweise so aus, gepostet als Bild bei Facebook:
reker-denkverbot
Man soll also aufhören, ein politisch motiviertes Attentat auf eine Politikerin politisch aufzuarbeiten und gefälligst an die Opfer denken. Hier gab es nun keine Toten, aber auch bei Toten taucht diese Forderung ständig auf. Es ist eine komische Pflicht, die ich seit dem 11. September 2001 wahrnehme: Trauert und haltet die Klappe, auch wenn ihr die Opfer nicht einmal vom Hörensagen kanntet.
Nennt mich sozial defizitär, aber: Trauer ist die Sache der Angehörigen. Meine Aufgabe als Mensch abseits der Ereignisse ist zu reflektieren, wieso so etwas passieren konnte und ob solche Ereignisse in Zukunft verhindert werden können. Und das ist zwangsweise politisch, erst recht, wenn es um ein in sich politisches Ereignis wie ein Attentat geht.
Die Beschäftigung mit solchen Dingen ist nicht Politisierung. Es ist schlichtweg Politik, denn es ist in solchen Fällen genau die Aufgabe der Politik, Ursachen und Gegenstrategien zu diskutieren. Es ist eine Pflicht der Politik, in solchen Situationen nicht in Schockstarre zu verfallen, sondern Lösungen zu diskutieren. Dafür haben wir die Politik!
Wir haben eine wachsende Zahl Rassisten, ja Neonazis, in der Mitte unserer Gesellschaft und dann kommt ernsthaft die Forderung, nicht zu politisieren? Die Gesellschaft hatte politische Arbeit schon lange nicht mehr so nötig wie grade jetzt.
Doch Schockstarre der Betroffenheit ist grade beliebter. Einfacher. Plus chic. More fashionable. Mode. Hübscher. Kameratauglicher.

Dino-Dienstag 29 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche mit vielen neuen Arten seit dem letzten Mal.

Pentecopterus

Pentecopterus - Illustration: Patrick Lynch, Yale University

Pentecopterus – Illustration: Patrick Lynch, Yale University


Aus Iowa stammt der älteste Großräuber der bekannten Erdgeschichte. Pentecopterus erreichte vor 500 Millionen Jahren etwa die Größe eines Menschen und gehörte zu den Seeskorpionen, einer Gruppe mariner Gliederfüßer, welche die Meere beherrschten, bevor große Raubfische diese Nische übernahmen.
Die Seeskorpione lösten in der Rolle als Spitzenräuber der Meere die seltsamen Anomalocariden ab, bei denen allerdings mittlerweile Hinweise auftauchen, dass sie gar keine Fleischfresser waren, sondern sich von Plankton ernährten. Anomalocariden lassen sich am ehesten als eine Mischung aus Krabben udn Handstaubsaugern beschreiben und ähnelten nichts, was heute noch lebt.

Homo naledi

Ein neues Familienmitglied ist aufgetaucht: Homo naledi aus Südafrika ist die südlichste bekannte Menschenart. Die meisten frühen Menschenarten breiteten sich vom Horn von Afrika nach Westen und Norden aus, H. naledi dagegen repräsentiert einen Zweig, der nach Süden wanderte.
Wirklich spektakulär war aber wohl die Bergung der Überreste. Knochen von H. naledi fanden sich in einer engen, tiefen und windungsreichen Höhle, weshalb Ausgrabungsleiter Professor Leo Berger per Internet Menschen suchte, die möglichst Erfahrungen im Erkunden von Höhlen haben.
Diese fanden sich und so wurden insgesamt 1.550 Knochen aus der Höhle geborgen. Interessanterweise fanden die Forscher Hinweise, dass die Verstorbenen absichtlich in die Höhle gebracht wurden.

Neue Spezies

Noch ein paar weniger spektakuläre neu entdeckte Arten sind in den letzten Wochen dazugekommen:

Desmatochelys padillai - Illustration: Jorge Blanco

Desmatochelys padillai – Illustration: Jorge Blanco


Mit Desmatochelys padillai haben Forscher die bisher älteste Meeresschildkröte gefunden. Interessant daran ist, dass die Schildkröte sich kaum von heutigen Meeresschildkröten unterscheidet, obwohl sie immerhin 120 Millionen Jahre alt ist, so alt wie die ältesten halbwegs modernen Vögel. Die Meeresschildkröten hatten ihre Blütezeit gemeinsam mit den letzten Dinosauriern, als sie Exemplare von der Größe einer Tischtennisplatte hervorbrachten. Sie sind die einzigen unter den Meeresreptilien dieser Zeit, die das Massensterben vor 65 Millionen Jahren überlebten und noch heute umherschwimmen, vermutlich, weil sie anders als die meisten Meeresreptilien nie aufgehört haben Eier zu legen, um lebende Junge zu gebären. So konnten die Eier ihre Eltern überleben, als in den Ozeanen praktisch alles ausstarb, was zu nah an der Oberfläche lebte.
Unter den richtigen Dinosauriern ist Horshamosaurus als Neuzugang zu vermelden. Leider wissen wir nicht viel darüber, wie dieser gepanzerte Dinosaurier aussah, da nur Wirbel erhalten sind. Wahrscheinlich ähnelte er den großen Ankylosauriern Nordamerikas und Asiens, mit denen er nahe verwandt war. Die Fossilien waren schon in den 80ern in England gefunden worden, aber für Überreste von Polacanthus gehalten worden. Erst jetzt zeigten Untersuchungen, dass die Knochen zu einer neuen Art gehörten, die wesentlich robuster gebaut war als Polacanthus.
Asien bringt mit Mosaiceratops einen neuen Ceratopier, in diesem Fall eine kleine Art ohne Hörner oder auffälligen Nackenschild, die stark den ersten Ceratopiern ähnelte, aber auch anatomische Merkmale der bekannten Riesen späterer Zeiten wie Triceratops aufweist (etwa die Zahnverteilung). Dieser auf den ersten Blick recht unspektakuläre Dinosaurier ist innerhalb der Ceratopier ein Missing Link, den bei diesen Tieren gibt es immer noch viele Lücken im Verständnis ihrer Herkunft. Ähnliches gilt auch für den südafrikanischen Sefapanosaurus, einen neuen Dinosaurier, der zwischen den berühmten langhalsigen Giganten des Jurazeitalters und ihren zweibeinigen Vorfahren steht, welche als erste Dinosaurier vergleichsweise riesige Formen erreichten.
Bleibt noch Ichibengops zu erwähnen, ein räuberischer Vorfahr der Säugetiere, der möglicherweise einen giftigen Biss hatte, eine Eigenschaft, die bei heutigen Säugetieren nicht mehr existiert. Entsprechend überraschend ist dieser Befund bei einem frühen Vorfahren der Säugetiere. Ichibengops lebte vor etwa 260 Millionen Jahren in Sambia und ist damit deutlich älter als die ältesten Dinosaurier.

Evolutionen

Neue Erkenntnisse dazu, wie genau etwas entstanden ist, erscheinen oft uninteressant, aber tatsächlich geben sie Einblick, wie die Evolution funktioniert. Sie zeigen, wie eine Form zur anderen wurde und stärken somit die Beweislage für die Evolution ebenso wie unser Verständnis von ihr. Ich schreibe dies, da es in den letzten Wochen zwei neue Forschungen in dieser Richtung gab.
Das eine ist eine Untersuchung, die zeigt, dass bei den Ankylosauriern erst die versteiften Schwanzwirbelsäulen entstanden und dann die großen Knochenkeulen an den Schwanzspitzen, für die viele der späteren Ankylosaurier bekannt sind
Für uns als Menschen viel interessanter sind natürlich die eigenen Verwandten. Bei unseren entferntesten eindeutig zuzuordnenden Verwandten, den Quastenflossern, gibt es hier ebenfalls Neuigkeiten. Wissenschaftler konnten anhand der Entwicklung im Wachstum der modernen Quastenflosser-Art Latimeria chalumnae nachweisen, dass deren Vorfahren in der Tat Lungen gehabt haben müssen. Diese bei Jungtieren noch vorhandenen Lungen verkümmern allerdings, wenn die Fische altern. Wahrscheinlich ist dies ein Grund, warum diese Quastenflosser das Ende der Dinosaurier überlebten während alle anderen Fische dieser Gruppe verschwanden: Sie sind Tiere der Tiefsee, ganz im Gegensatz zu den einst eher an den Küsten vorkommenden anderen Arten. Und es zeigt auch erneut: Die Evolution verläuft nicht in eine bestimmte Richtung.
Neue Organe wie Lungen können bei manchen Tieren neue Möglichkeiten eröffnen (die Eroberung des Landes), während sie bei anderen irgendwann wieder verschwinden, weil sie für ihren Lebensstil nutzlos sind.

Die Verrohung der Mitte (Nachtrag) 0 

Es ist dank der Flüchtlingsdebatte mal wieder in Mode, seinen Gegnern ein saftiges „Nazi“ an den Kopf zu werfen. Gemeint ist in der Regel ein Rassist. Aber in der Form, wie das gegenwärtig geschieht, ist es so ziemlich das Dümmste, was wir machen können. Zur Einleitung in das eigentliche Thema zitiere ich mich mal selbst mit einem zentralen Punkt aus Unter Wittgensteins Löwen, der zentral für mein Menschenbild ist und den ich für einen der besten Absätze halte, die ich je geschrieben habe:

Es ist eine der meistvergessenen Tatsachen im zwischenmenschlichen Umgang, dass sich niemand für einen Extremisten, Fanatiker oder gar böse hält. Das ist eine Grundkonstante menschlichen Denkens: So gut wie jeder Mensch ist davon überzeugt, dass seine Position die richtige, wenigstens aber die bestmögliche oder logischste ist. Sind wir davon nicht überzeugt, begeben wir uns auf die Suche nach Positionen, von denen wir dies besser glauben können – oder aber auf jene nach Begründungen dafür, warum die eigene Position doch die beste ist. Wir alle suchen ständig nach jenen Überzeugungen, die uns aus unserer Vorprägung und Bildung am besten erscheinen.

Dort ging es um Religion, aber Religion und Fremdenhass haben die Gemeinsamkeit, dass beides für mich völlig unbegreifliche Denkweisen sind, denen ich mich nur mit Mühe von aussen nähern kann. Was mir aber auffällt sind zwei Entwicklungen hin zu problematischen Einstellungen, die sich teilweise gegenseitig verstärken: Rassismisierung des Alltags und Menschenfeindlichkeit der Mitte.

Rassismisierung des Alltags

Vorgestern bezeichnete Joachim Hermann Roberto Blanco als wunderbaren Neger. Was Blanco gestern mit dem Satz quittierte: „Ich bedanke mich bei ihm dafür, dass er das Wort ‚wunderbar‘ gesagt hat“ (mehr hier).
Nun hat Hermann dummerweise ein verpöntes Wort benutzt und in manchen Sphären gibt sowas gleich einen Aufstand. Dass dieser wahrscheinlich nichts weiter bewirken wird, als Hermann von den aufschreienden Gruppen abzuschrecken und so dem Ansehen antirassistischer Anliegen unter Konservativen zu schaden, fällt dabei unter den Tisch. Der Ruf nach Zensur macht das Gegenüber niemals zum besseren Menschen. Die Antifa, das muss man leider immer wieder konstatieren, beschäftigt sich selten mit Inhalten, sie reagiert auf Schlüsselreize und reisst halt den Schnabel auf, sobald ihr jemand einen Wurm vorhält.

Überhaupt wird viel zu selten darauf eingegangen, wo Rassismus eigentlich beginnt. Ja, es gibt Rassismus unter dem Tarnmäntelchen der Islamkritik. Und es gibt ebenso legitime Islamkritik, denn der Islam ist, ähnlich wie im Übrigen das Christentum, eine offenbar zu autoritären Systemen neigende Religion. Und ja, es gibt antisemitische Israelkritiker, ebenso allerdings sogar jüdische.
Was wir mit Beiträgen wie diesem tun ist letztlich, sich als normal empfindende Menschen zu Rechtsextremen zu erklären. Sie werden ihre Position deswegen aber in der Regel nicht ändern, sondern sie erleben Ausgrenzung von links, welche durch Verständnis von rechts ausgeglichen wird. Der vermeintliche Rassist findet bei den echten Rassisten Bestätigung und beginnt so seinen Weg an den Rand.
Auf diese Weise ist letztlich auch eine Intoleranz von links mit für die Ausbreitung von Rassismus verantwortlich. Statt Aufklärung kommt Ausgrenzung, bei den Trägern der Vorurteile erfolgt statt Überwindung der Schranken eine Verhärmung.
Ich nenne das eine Rassismisierung: Aktuell oder in der Vergangenheit als normal empfundene Gedanken und auch legitime Gedanken kritischer Geister werden einem Problem zugeschlagen, zu dem sie wenigstens ursprünglich nicht gehören. Und die Rechten freuen sich, eine weitere gesellschaftliche Gruppe in ihre Reihen aufnehmen und sich so auch ihrerseits legitimieren zu können.

Menschenfeindlichkeit der Mitte

Es ist mir momentan noch unklar, ob es sich bei der zunehmenden Verrohung der politischen Mitte um ein paralleles Phänomen oder eine Folge des Drängens von Mainstream-Positionen nach rechts handelt. Wahrscheinlich ein bisschen was von beidem.
Wir müssen nicht lang über Günter Krings sprechen, aber er ist ein schön typisches Beispiel. Statt die Entbürokratisierung in der unter der eigenen Bürokratie zusammenbrechenden Asylverwaltung zu sehen, salbadert er mal wieder von irgendwelchen unrichtigen Asylbewerbern. Er könnte wissen, dass die Karte Entlastungen für den Staat bedeutet, wenn er den Artikel lesen würde, den er dort selbst verlinkt hat, wo es vor allem um die Kosten der aktuellen Situation geht. Aber damit lässt sich nicht so schön populistisch nach Zustimmung fischen.
krings-krankenkarte
Wofür das symptomatisch ist, ist die Verrohung der Mitte im Namen des Populismus. Es ist einfacher, Probleme mit der Keule zu erschlagen, als sie wirklich zu betrachten. Stereotype generieren so wunderschön Zustimmung. Dass man damit kurzerhand in eine Entwicklung einsteigt, die nicht mehr anders genannt werden kann als Kriegsführung gegen die Ärmsten der Armen, scheint dabei egal.
Hauptsache, die Wählerschaft ist zufrieden. Nur wird diese dabei auch gleich an solche Maßnahmen gewöhnt. Entmenschlichung der Opfer und zugleich Verrohung der hiesigen Bürger schreiten voran, für je normaler wir solche Dinge halten.

Und manchmal treibt es wirklich bizarre Blüten. Heute nachmittag wird im Umweltausschuss von Mönchengladbach ein Antrag besprochen, der es unerwünschten Menschen verbieten soll, sich auf Spielplätzen und in Bushaltestellen aufzuhalten. Ich will gar nicht wissen, welcher Denkprozess dahinter stand, diesen Antrag in den Umweltausschuss einzubringen, dessen einzige auch nur peripher betroffene Zuständigkeit im Bereich Sauberkeit und Abfall liegt.
Offenbar ist die Verrohung weit genug fortgeschritten, um einen Antrag über eine soziale Situation eher im für Abfall zuständigen Ausschuss einzureichen, als im Sozialausschuss. Sind wir wirklich schon so weit, Probleme mit Menschen in einem Gremium zu besprechen, welches für Dinge zuständig ist?

Nachtrag vom Abend: Der Punkt ist im Umweltausschuss, weil er Teil eines früheren Antrages zur so genannten Sauberkeitsinitiative der GroKo ist. So weit, so okay. Wieso er allerdings den inhaltlich zuständigen Fachausschüssen nicht vorgelegen hat, ist mir weiterhin ein Rätsel.

tl;dr

Um das alles zusammenzufassen:

  1. Normale Menschen zu Rechtsextremen zu erklären stärkt nur die Position der tatsächlich Rechtsextremen und deren Zuspruch
  2. Das Problem kommt nicht von Rechts. Das Problem kommt aus der Verrohung der Mitte.

Natürlich sind die Rechten ein Problem. Aber sie werden nur ein noch größeres Problem, wenn wir ihnen die Menschen, die sich etwa bei Pegida als normale Menschen mit Sorgen empfinden, den Nazis durch reflexhafte Ausgrenzung in die Arme treiben.

Dino-Dienstag 28 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche besonders grün.

Ältester Wald, älteste Blume und die Gänseblümchen

So könnte der Wald bei Lindlar vor 390 Millionen Jahren ausgesehen haben. Foto: LVR

So könnte der Wald bei Lindlar vor 390 Millionen Jahren ausgesehen haben. (Foto: LVR)


Mitten im Bergischen Land fanden Wissenschaftler Spuren vom ältesten bekannten Wald der Welt. Der Fund bei Lindlar ist mit einem Alter von 390 Millionen Jahren älter als die ersten bekannten Landwirbeltiere. Calamophyton, die Pflanze aus denen dieser Wald hauptsächlich bestand, hatte noch keinen Holzstamm, erreichte aber dennoch bereits drei Meter Höhe. Bis zu dieser Zeit war das feste Land von bis zu acht Meter hohen Pilzen beherrscht.
Montsechia
Die erste Blütenpflanze der Welt fand sich in den Tümpeln der frühen Kreidzeit von Spanien, vor etwa 130 Millionen Jahren. Die Blütenpflanzen sind eine Gruppe, deren Entwicklung immer noch weitgehend im Dunkeln liegt. Niemand weiss genau, wovon sie abstammen und wann sie entstanden. Montsechia zeigt, dass es sie auf jeden Fall schon gegen Beginn der Kreidezeit gab. Zumindest diese Pflanze war damals auch bereits sehr erfolgreich, sie besiedelte offenbar alle spanischen Tümpel ihrer Zeit in großer Zahl. Es handelte sich um eine Wasserpflanze, die äusserlich Hornkraut oder Wasserpest ähnelte.
Eher klein wirkt in diesem Kontext das Ergebnis einer Analyse von fossilen Pollen, die auffällig jenen von Korbblütlern ähnelten. Diese Gruppe innerhalb der Blütenpflanzen, zu denen unter anderem Gänseblümchen, Sonnenblume und Kopfsalat zählen galt bisher als eine der spätesten Gruppen im Pflanzenreich. Doch tatsächlich scheinen die Korbblütler bereits 80 Millionen Jahre hinter sich zu haben und damit noch unter den Füßen der letzten Dinosaurier gestanden zu haben.

Sauropode auf vier Beinen

Dass die langhalsigen Sauropoden allesamt auf vier Beinen liefen, ist angesichts ihres Stammbaums ein wenig eine Überraschung. Immerhin waren nicht nur ihre nächsten Verwandten, die fleischfressenden Theropoden praktisch durchgehend Zweibeiner, sondern auch ihre direkten Vorfahren, die Prosauropoden liefen trotz bereits deutlich verlängerter Hälse noch auf den Hinterbeinen.
Die südafrikanische Neuentdeckung Pulanesaura ergänzt hier ein Puzzlestück. Zwar konnten einige andere Sauropoden seiner Zeit bereits auf allen vieren laufen, aber Pulanesaura ist der älteste, der die Fähigkeit, auf den Hinterbeinen zu laufen, komplett verloren hat. Anders als seine Zeitgenossen konnte er somit nicht in hohen Baumkronen fressen, sondern musste mit Buschwerk und niedrigen Pflanzen vorlieb nehmen.
Das bedeutet, die Sauropoden gingen womöglich nicht auf alle viere um ihre langen Hälse besser tragen zu könne, sondern um abseits des Konkurrenzdruckes unter den vielen in den Baumkronen fressenden Prosauropoden Nahrung vom Grund aufnehmen zu können. Der lange Hals hatte dort vor allem den Vorteil, in einem großen Radius fressen zu können. Als sie aus dieser Position erneut in die Baumkronen stießen, wurden sie die größten Tiere, die jemals auf der Erde wandelten.

Jurassic Park: The Cartoon

Lecker Finger, aber was soll der Kleine mit dem Obst? Deko? (Bild: William Stout)

Lecker Finger, aber was soll der Kleine mit dem Obst? Deko? (Bild: William Stout)


Die 90er waren eine seltsame Zeit für Kinderserien. Es gab welche zu Conan, Robocop und überhaupt viele Umsetzungen von Filmen, die eher weniger für Kinder waren. Da war es gradezu erstaunlich, dass es nie eine Serie zu Jurassic Park gab. Das Spielzeug war immerhin schon da.
Und tatsächlich, Künstler William Stout stellt nun Konzeptzeichnungen für eine solche Serie vor. Der Hollywood Report weiss mehr zu berichten.

Mesozoischer Mittwoch (Dino-Dienstag) 27 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche einen Tag später, weil ich praktisch den kompletten Dienstag unterwegs war.

Dino-Strandspaziergang am Steinhuder Meer

Münchehagen, bekannt für seine Dinosaurierfährten, hat eine weitere Dinosaurierfährte. Diesmal ist es die Spur von zwei Raubsauriern, die dort vor 142 Millionen Jahren gemeinsam am Strand entlang gelaufen sind. Interessant ist daran der Größenunterschied: Das größere Tier war an der Hüfte wohl etwa 1,60 Meter hoch, das kleinere nur 1,10 Meter. Die Spuren zeigen zudem, dass der kleinere Saurier abschnittsweise gerannt ist, um mit dem größeren Schritt zu halten. Das deutet auf eine klare Verbindung beider Tiere hin. Kombiniert mit der Größe der beiden Tiere ist das ein weiterer Hinweis auf eine ausgeprägte Kinderpflege bei Dinosauriern.
Es wird immer klarer, dass Dinosaurier sich ähnlich intensiv um ihren Nachwuchs kümmerten wie ihre heutigen Nachfahren, die Vögel, es noch heute tun.

Ääähh…

Aus der bunten Welt der Medien haben wir heute eine Netflix-Serie von Dreamworks, zu der mir nicht mehr viel einfällt. Ich meine, seht euch den Trailer an:


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Dino-Dienstag 26 0 

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Diese Woche wieder mit Sauriern.

Schlabbersaurier

Die Ankylosaurier waren eine Gruppe schwer gepanzerter Dinosaurier mit Keulen an den Schwanzenden. Sie ähnelten nichts, was heute noch lebt, weshalb ein Bild her muss:
Ankylosaurus magniventris Reconstruction
Neue Arbeiten an einem Ankylosaurierskelett haben bisher unerwartete Knochen im Rachen eines dieser Tiere zu Tage gefördert: Paraglossalia.
Paraglossalia sind Knochen, an denen bei Vögeln die Zunge hängt. Sie kommen nur bei Vögeln vor, weshalb niemand bei anderen Tieren danach gesucht hat. Doch jetzt gibt es Nachweise von Paraglossalia bei der von den Vögeln womöglich am weitesten entfernten Verwandtschaft der Vögel innerhalb der Dinosaurier und das bedeutet wohl, dass alle Dinosaurier diese Knochen von ihrem letzten gemeinsamen Vorfahren geerbt haben.
Aber viel interessanter an diesen speziellen Paraglossalia: Sie sind ungewöhnlich groß und kräftig. Das bedeutet, zumindest der Ankylosaurieer Pinacosaurus hatte wahrscheinlich eine entsprechend ungewöhnlich kräftige Zunge. Diese könnte das Tier genutzt haben, um Nahrung vom Boden aufzunehmen, vielleicht sogar Insekten wie bei heutigen Säugetieren mit langen, klebrigen Zungen (etwa Ameisenbären oder Erdferkel). Auch die Idee, dass Ankylosaurier als eine Art Staubsauger der mesozoischen Welt Exkremente anderer Dinosaurier fraßen, erhält dadurch Aufwind.
Das wäre auf jeden Fall mal etwas sehr anderes.

Vom Verschwinden der Ichthyosaurier

Die Ichthyosaurier, delfinartige Reptilien, die meine Rechtschreibprüfung unerwarteterweise kennt, verschwanden bereits 27 Millionen Jahre vor den Dinosauriern, gemeinsam mit den Plesiosauriern, Spinosaurier und etwa einem Viertel der Wirbellosen in den Meeren. Ausgelöst wurde dieses kleinere Massensterben vermutlich durch globale Erwärmung in Folge von Vulkanausbrüchen. Kohlendioxid und Schwefeloxide aus der Luft wurden dabei von den Meeren absorbiert, das Wasser der Meere wurde für viele Tiere zu sauer, um Skelette aus Kalk aufzubauen. Ähnliches passiert auch heute: Das zunehmende Kohlendioxid in der Luft säuert das Wasser der Meere, viele Tiere bekommen nach und nach Probleme, ihre Schalen und Skelette aufzubauen.
Doch warum starben dabei nur bestimmte Tiergruppen aus, während andere (wie die Mosasaurier) überlebten? Vor allem die zuvor häufigen Ichthyosaurier wunderten dabei die Wissenschaftler.
Forscher aus München gingen nun einen neuen Weg: Statt der Zahl der Arten untersuchten sie die Zahl der grundsätzlichen Formen, die es zu dieser Zeit gab. Das Ergebnis: Von den insgesamt sieben unterschiedlichen Typen von Ichthyosauriern lebten zu Zeiten ihres Aussterbens bereits nur noch zwei Gruppen. Die in der Nähe der Küsten lebenden Ichthyosaurier waren bereits verschwunden, sie waren ausschließliche Kreaturen der Hochsee. Mit einer so geringen Zahl von Lebensräumen bedurfte es nur der Zerstörung der Grundlagen dieser zwei Lebensweisen, damit die gesamte Gruppe verschwand.

Dino-Dienstag 25 0 

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Diese Woche geht es zu dem, was man zu Zeiten der Bibel noch als Gewürm kannte, also Würmern und Schlangen. Allerdings mit Beinen.
Aus konkretem Anlass: WARNUNG FÜR SCHLANGENPHOBIKER

Hallucigenia verdient sich seinen Namen

Die Tierwelt zur Zeit der so genannten kambrischen Explosion ist eine extrem seltsame. Mit diesem Ereignis, dem plötzlichen Auftreten der ältesten eindeutigen Vorfahren der meisten modernen Tiergruppen von diversen Würmern über die Gliederfüßer bis zu den ersten Fischen, beginnt die Welt, wie wir sie kennen. Aber viele der damaligen Tiere waren für unsere Augen völlig fremdartig, einfach weil so viel Zeit zwischen dieser Welt und der unseren vergangen ist.
Hallucigenia gehört zu den fremdartigeren Lebewesen dieser Welt. Eine Art Wurm auf Beinen mit langen Stacheln auf dem Rücken, von dem die Wissenschaftler lange nicht wussten, wo vorne und wo hinten ist – oder auch nur oben und unten. Doch nun wurden an einem Fossil von Hallucigenia Überreste gefunden, die eindeutig von einem Kopf stammen. Und damit war es auch möglich, mehr über das Tier herauszufinden. Mit zwei Punktaugen und einem runden Mund umgeben von einem Kranz von Zähnen lief es übeer den Meeresboden und saugte dabei Beute auf, die es mit weiteren Zahnreihen im Schlund in den Magen hinunterzog. Das Gesamtbild des Tieres wurde damit seltsamer als zuvor bereits bekannt, zugleich verdichten sich aber die Hinweise, dass Hallucigenia ein früher Vorfahr der heutigen Stummelfüßer war, einer seltsamen Gruppe von tropischen Tieren, die aussehen wie eine Mischung aus einem Wurm und einem Tausendfüßer.
Wie seltsam Hallucigenia also aussah? Nun, H.P. Lovecraft hätte seine helle Freude gehabt, auch wenn die Tierchen nur fünf Zentimeter lang wurden:

Ich habe dieses Bild als erstes genommen, nachdem sich eine Schlangenphobikerin über das nächste beschwert hat. Gern geschehen. (Bild: Danielle Dufault)

Ich habe dieses Bild als erstes genommen, nachdem sich eine Schlangenphobikerin über das nächste beschwert hat, das sonst in Facebook als Vorschaubild aufgetaucht wäre. Gern geschehen. (Bild: Danielle Dufault)

Die Knuddelschlange

Manchmal sind auch Paläontologen blind. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sich ein sensationeller Fund über Jahre mehr oder weniger unbemerkt im Museum im bairischen Solnhofen befinden konnte ohne dass jemandem auffiel, dass es eine Schlange mit vier Beinen war. Ich meine, das ist das Heimatmuseum des Archäopteryx, man sollte meinen, dort gibt es wenigstens ein-zwei Forscher, die genug über prähistorische Reptilien wissen um die Bedeutung eines solchen Stückes zu erkennen.
Nun, ein britischer Forscher sah das Stück während eines Besuchs und erkannte seine Bedeutung, woraufhin eine Untersuchung folgte.
Was uns zu der Entdeckung bringt: Tetrapodophis amplectus, die „Umarmende Vierbeinschlange“ oder, wie ich sie lieber übersetze, die Vierbeinige Knuddelschlange, ist nichts geringeres als eine eindeutige Übergangsform zwischen Echsen und Schlangen. Wie der Name verrät, hatte diese vor 113 Millionen Jahren in Brasilien lebende Schlange vier Beine. Alle anderen bekannten Schlangen haben höchstens zwei Beine, die Vorderbeine haben sie sehr früh verloren. Die Beine von Tetrapodophis waren zudem überraschend gut entwickelt, sie wurden also wahrscheinlich noch benutzt – nicht zum Laufen, aber möglicherweise zum ergreifen von Beute.
Dass Tetrapodophis ein Räuber war, ist ebenfalls klar, denn in ihrem Magen fanden sich Reste von einem kleinen Wirbeltier.

Free Hugs! (Bild: Julis T. Cstonyi)

Free Hugs! (Bild: Julis T. Cstonyi)

Dino-Dienstag 24 0 

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Diese Woche mit verdammt großen Haien, einigermaßen großen Raptoren und winzigen Säugetieren.

Superzähne: Megalodon und Spinosaurus

Zwei in Filmen gern gesehene Räuber des Wassers hatten eine interessante Gemeinsamkeit: Extrem harte Zähne.
Carcharodon megalodon (oder Carcharocles megalodon, die Wissenschaftler sind sich noch uneins, welcher heutige Hai sein nächster Verwandter ist) war der größte Hai aller Zeiten und sah vermutlich aus wie ein Weisser Hai im Format eines Wales. Er war ein Zeitgenosse der ersten Menschen.
Spinosaurus war einer der größten Raubsaurier, leicht zu erkennen an seinem markanten Rückensegel, dem krokodilartigen Kopf und einer großen Sichelklaue an jeder Hand. Er lebte in der Kreidezeit in den Gewässern Nordafrikas.
Untersuchungen an den Zähnen dieser Tiere ergaben, dass sie extrem viel Fluorid enthielten – anders als bei Landtieren nicht nur im Zahnschmelz, sondern im gesamten Zahn. Das machte die Zähne extrem hart. Landtiere haben weniger Fluorid in den Zähnen, weil viele Nahrungsmittel des Landes in Kontakt mit Fluorid Säuren bilden, welche die Zähne schädigen. Unter Wasser allerdings ist das kein großes Problem.
Nur: Auch moderne Haie haben Fluorid nur noch im Zahnschmelz. Fluorid ist heute eine sehr seltene Substanz im Meerwasser, womit sich die Frage stellt: Was genau geschah vor etwa 2,6 Millionen Jahren, dass das zuvor anscheinend häufigere Fluorid aus den Ozeanen verschwand?

Säugetier-Boom im Jura

Und noch ein Befund wirft die Frage auf, was genau passiert ist, dass es zu so etwas führte: Das Zeitalter des Jura war die Blütezeit der Dinosaurier. Sie entwickelten weltweit zahlreiche Formen und erreichten in Form der langhalsigen Sauropoden den Rekord als größte Wirbeltiere aller Zeiten, von denen einzelne Vertreter den Blauwal noch übertrafen (der allerdings wohl deutlich mehr wiegt).
Die Säugetiere wurden in diesem Bild bisher offenbar unterschätzt. Denn während die Dinosaurier sich als dominante Lebewesen unter den großen Tieren entwickelten, entwickelten auch die Säugetiere zahlreiche neue Formen und besetzten fast alle für kleine Tiere freien Rollen in der Welt.
Da stellt sich die Frage: Warum entwickelten sowohl Säugetiere als auch Dinosaurier und Flugsaurier in dieser Zeit so viele verschiedene Formen?

Neuling: Zhenyuanlong

Aus China kommt ein weiterer gefiederter Dinosaurier aus der Verwandtschaft des Velociraptor. Zhenyuanlong ist mit zwei Meter Länge der größte bisher bekannte Dinosaurier mit eindeutig nachgewiesenen Flügeln. Zwar werden auch beim etwas größeren Velociraptor Flügel erwartet, da an seinen Armknochen entsprechende Ankerstellen zu finden sind, aber die Federn selbst wurden bisher nicht gefunden. Diese Entdeckung stärkt die ohnehin schon recht wahrscheinliche Vermutung, dass nicht nur Flaum, sondern auch voll ausgebildete Flügel quer durch den Stammbaum der Raptoren vorkamen.
Die Flügel des Zhenyuanlong sind zu klein zum Fliegen, aber schon lange wird vermutet, dass die Raptoren ihre Flügel zu anderen Zwecken nutzten, sei dies zur Stabilisierung beim Rennen, als Schmuck oder zum Abdecken der Eier im Nest.

Zhenyuanlong alias Technochicken - Bild: Chuang Zhao

Zhenyuanlong alias Technochicken – Bild: Chuang Zhao

Dino-Dienstag 23 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, (so gut wie) jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diese Woche zwei etwas seltsame Dinosaurier aus Nordamerika.

Neuling: Wendiceratops

Wendiceratops (Bild: Royal Ontario Museum)

Wendiceratops (Bild: Royal Ontario Museum)


Nordamerika hat einen weiteren Ceratopier: Wendiceratops (benannt nach Entdeckerin Wendy Sloboda) lebte vor etwa 78 Millionen Jahren in Alberta, damals auf der Westhälfte des durch ein flaches Meer geteilten Nordamerika. Er ist der älteste Ceratopier mit einem großen Nasenhorn und steht damit an der Basis einer Teilung dieser Tiergruppe in zwei Untergruppen: solche mit eher kleinen Nasenhörnern wie Triceratops und solchen mit größeren Nasenhörnern wie Styracosaurus. Die Einteilung ist natürlich etwas komplizierter und es gibt noch ein paar andere Gruppen, aber als grobe Orientierung passt das.
Für die Paläontologen fast noch interessanter ist die Tatsache, dass mit Wendiceratops insgesamt fünf verschiedene Ceratopier zur selben Zeit am selben Ort lebten. Das ist beachtlich und deutet darauf hin, dass die einzelnen Arten der Ceratopier sehr stark auf jeweils eine Art Nahrung spezialisiert haben, wodurch so viele Arten ohne größere Konflikte zusammenleben konnten. Überhaupt sind die Ceratopier für die relativ kurze Zeit, die sie als letzte große Gruppe der Dinosaurier existierten, überraschend artenreich. Wendiceratops zeigt, dass dieser Artenreichtum sehr früh begann, nachdem noch ältere Ceratopier aus Asien oft mit wenigen verschiedenen Arten gewaltige Gebiete besiedelten.

Dinos ab 18?

Manchmal gibt es Nachrichten, die sind so bescheuert, dass sie wieder komisch sind. Joseph Farah,, einer der größten Idioten der USA (das ist mal ein Titel, den man sich erst mal verdienen muss!) stellte vor kurzem die Forderung auf, Filme mit Dinosauriern sollten nicht unter 18 freigegeben werden, da sie Kinder vom Glauben abbringen könnten und die Lügen der Wissenschaft verbreiten.