Die Vollhonkisierung des Abendlandes 0 

Hinweis: Ich war von der siebten bis zur zehnten Klasse auf einer Hauptschule (GHS Aachener Straße, Mönchengladbach-Speick). Deshalb darf ich Honk sagen. Das ist so wie bei den Dunkelhäutigen, die Nigger sagen. Nur, dass ich es trotzdem als Beleidigung meine. Das dazu, nun zum Thema:

Warum genau wimmelt es bei bestimmten Themen in den sozialen Netzwerken so von Vollhonks? Ich habe mir hier drei aktuell besonders lästige Debatten (Gamergate, Homo-Ehe und Veganismus) herausgesucht. Immer wieder stolpere ich über Beiträge von Leuten, die offenbar ihre Welt bedroht sehen, wenn Videospiele weniger misogyn werden, wenn Homosexuelle heiraten dürfen oder wenn andere Leute keine Tiere essen.
Sicher, neu ist das nicht. Schon die monotheistischen Religionen zeichnen sich dadurch aus, den Anspruch zu stellen, ständig über die Belange fremder Leute befinden zu dürfen. Und dies nicht aus Erwägungen der gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen (wie sie der Politik idealerweise zu Grunde liegen, Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen), sondern allein aus Rechthaberei. Vielleicht auch, wie beispielsweise der Theologe Friedrich Heer anmerkte, an schwachem Glauben, der sich durch Intoleranz gegen bedrohlich wirkende Ideen wehrt. Es ist wohl allgegenwärtig genug, dass ich darüber ein Buch schreiben konnte.
Allerdings, die Bühne der sozialen Medien scheint da so einiges hochzuspülen, was man sonst nicht hören würde. Vollhonks eben. Und die Vollhonks sind laut. Sie polarisieren eine eigentlich unspektakuläre Diskussion bis zum Bürgerkrieg. Und jedes Mal stellt sich die Frage: „Wieso zum Geier interessiert euch das überhaupt, Vollhonks? Ihr macht die Welt zu einem schlechteren Platz für viele Menschen, bloß weil euch deren Lebensentwürfe, die euch nichts angehen, nicht in den begrenzten Horizont passen!“

Gamergate und FIFA

Die nächste Ausgabe von EAs endloser Sportspielserie FIFA hat erstmals Frauenfußball im Angebot. Oder zumindest Fußball mit Frauen, ob es auch Frauenfußball ist, bleibt abzuwarten. Ich habe mir sagen lassen, Frauenfußball habe eine ganz eigene Kultur und Geschichte mit ganz eigenen Spielstilen und Traditionen. Ich weiss nicht viel vom Fußball, aber ich denke mir so: Tolle Sache! Wurde Zeit.
Manch einer schien das anders zu sehen und regte sich auf. EA solle doch lieber echte Innovationen liefern als Ressourcen für Frauenfußball zu verschwenden. Denn Frauenfußball ins Spiel zu bringen ist offenbar keine Innovation.
Nun habe ich FIFA Soccer zum ersten und letzten Mal auf dem Mega Drive gespielt, aber nach dem, was man so hört, ist es immer noch das selbe Spiel. Kunststück, ist ja auch weitgehend immer noch der selbe Sport.
Ich verstehe nicht, welche großartigen Innovationen dadurch verhindert worden sein sollen. Hat hier wer Insider-Informationen? Wieso bekämpfen die Leute eine großartige neue Option in so einem Spiel, als ginge ihnen etwas verloren? Wenn ihr nicht mit Frauen spielen wollt, spielt halt weiter nur mit Männern. Womit wir eine perfekte Überleitung zum nächsten Punkt hätten.

Ehe für alle

Wisst ihr was, ich halte mich kurz: Was zum Teufel geht das irgendwen etwas an ausser die Personen, die heiraten wollen? Ich meine okay, ich halte die Ehe an sich für weitgehend überflüssig (Steuer- und Erbschaftsregelungen aussen vor), aber wenn die Leute heiraten wollen, warum nicht? Für Heterosexuelle ändert sich durch die gleichgeschlechtliche Ehe exakt gar nichts.

Veganer

Kommen wir zum konstantesten und dämlichsten Punkt dieser Reihe: Die Reaktionen auf vegane Produkte.
Zuletzt etwa auf die vegetarischen (nicht veganen, aber der Effekt auf Vollhonks ist der selbe) Aufschnitte von Rügenwalder.
Vegantarier beließen es meist bei dem Seitenhieb, dass Rügenwalder ja selbst mit Fleisch keine brauchbare Wurst hinbekommen würde. Normalos fangen gleich wieder an vorzutragen, dass sie kein Verständnis haben, wenn Leute auf Fleisch verzichten nur um anschließend Fleischprodukte nachzubauen. Und ich verstehe die Logik einfach nicht — wo ist das Problem? Leute denen Fleisch nicht schmeckt nennen wir nicht Vegetarier/Veganer, die nennen wir Leute, denen Fleisch nicht schmeckt. Vegetarische und vegane Ernährung hat in der Regel andere Gründe. Aber warum sollten ethische Vorbehalte gegen das Töten oder Ausbeuten (in Ermangelung eines besseren Wortes) von Tieren im Widerspruch dazu stehen, etwas essen zu wollen, was Wurst ähnelt? Das selbe gilt für gesundheitliche Bedenken gegen den Fleischkonsum, für ökologische oder volkswirtschaftliche gegen die Nutztierhaltung wegen Schadstoffausstoß und Ressourcenverbrauch und für viele andere Gründe, aus denen Menschen auf eine tierarme oder tierlose Ernährung umstellen. Vegetarischer Aufschnitt ist kein logisches problem. Und wenn ihr weiter Fleisch essen wollt, bitte, in den Supermarktregalen herrscht alles andere als Mangel daran.
Ist es eine Sehnsucht danach, jene die anders sind, sollen doch gefälligst leiden? Denn oft klingt es so. Gibt es Psychologen unter meinen Lesern, die mir das erklären können? Es ist alles so unsäglich vollhonkig.
Nun werden sicher missionierende Veganer vorgebracht. Ja, gibt es, sind lästig. Aber zum einen ist es oft so, dass Normalos sich ja schon missioniert fühlen, wenn sie jemandem begegnen, der offen zugibt Veganer zu sein. Zum anderen finde ich die missionierenden Fleischfans um einiges lästiger. Im Ernst, in Gegenwart von Veganern über Fleischkonsum zu reden ohne missioniert zu werden, ist in der Regel kein Problem. Aber ich habe bisher noch selten geschafft in Gegenwart von Normalessern über Veganismus zu sprechen ohne dass ein Missionierungsversuch für den Fleischkonsum gestartet wurde — und dabei bin ich noch nicht mal Veganer!
Und zum Abschluss noch das hier:


Was eine Vollhonk. Und sie muss auch noch ein verdammt beschissenes Sexleben haben, wenn es nur durch das Bewusstsein genießbar ist, dass für Gleitgel Tiere leiden mussten.

Dino-Dienstag 18 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden. Ausserdem verspreche ich es den Lesern der Meilensteine der Evolution.
Diesmal sehr kurz geraten. Nähert sich da etwa ein Sommerloch?

Die Rückkehr von Dino-Huhn

Vorletzte Woche hatten wir zu den Versuchen, die Ähnlichkeiten zwischen Vögeln und Dinosauriern herauszustellen, Fortschritte von der amerikanischen Uni Yale. Damals ging es um die Entwicklung des Schnabels der Vögel aus den Schnauzen der Raptoren.
Diese Wochen kommt die Universität von Chile dazu. Diese hat es geschafft, Hühnerembryonen die Füße von Dinosauriern anzuzüchten. Die meisten Vögel haben eine relativ lange und nach hinten verdrehte hintere Zehe an jedem Fuß, die zum Boden reicht und beispielsweise zum Festklammern auf Ästen benutzt wird. Dinosaurier haben eine deutlich kürzere und grade gewachsene hintere Zehe, deren Nutzen unklar ist, sofern sie überhaupt einen hatte.
Um den Hühnern nun Dinosaurierfüße zu verpassen war keine genetische Veränderung notwendig: Die Forscher mussten die Küken in den Eiern lediglich betäuben. Bewegen sich die jungen Hühner nicht, wächst die vierte Zehe ebenso grade wie bei den Dinosauriern.
Das zeigt nicht nur erneut die nahe Verwandtschaft von Dinosauriern und Vögeln, es ist auch ein Beispiel für die unter Biologen immer klarer werdende Erkenntnis, dass die Gestalt vieler Lebewesen auch jenseits der Individuen nicht durch die Gene allein bestimmt wird.

Ein Huhn und sein Cousin Allosaurus im Fußvergleich

Ein Huhn und sein Cousin Allosaurus im Fußvergleich

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Dino-Dienstag 17 0 

Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, jeden Dienstag hier im Blog. Denn Dinosaurier und das Leben der Urzeit sind Themen, von denen ich nie genug haben werden.

Have Allosaurus, Will Travel – Fossil Tales From the West

Läuft leider nicht mehr lange, aber hier ist ein Kickstarter für ein Buch und eine Tour, die von der Arbeit der Paläontologen im Feld erzählen. Und hier ist ein Interview mit Brian Switek dazu bei meinem Lieblings-Dino-Blog.

Die Urschlange

Nicht immer hat man neue Fossilien vorzuweisen, manchmal gibt es auch andere Methoden, die Gestalt ausgestorbener Tierarten zu ermitteln. Dies hilft dabei zu wissen, wonach man suchen muss. So bei dieser Untersuchung zur Herkunft der Schlangen. Die Forscher haben eine Vielzahl an Schlangen aus der Kreidezeit untersucht, aus den Merkmalen der unterschiedlichen Arten ihre Verwandtschaftsbeziehungen abgeleitet und daraus dann wieder Schlüsse gezogen, wie der gemeinsame Vorfahre aller dieser Tiere, die Urschlange, ausgesehen und wann sie gelebt haben muss.
Das Ergebnis lebte vor etwa 128 Millionen Jahren auf dem Land. Letzteres ist bedeutsam, weil es zur Entstehung der Schlangen immer noch einen großen wissenschaftlichen Streit gibt, ob diese auf dem Land oder im Wasser entstanden sind.
Das Bild zeigt zudem Hinterbeine. Dass die frühen Schlangen Hinterbeine, aber keine Vorderbeine hatten, haben mehrere Schlangenfunde aus der Kreidezeit bewiesen. Hinzu kommt, dass einige heutige Schlangen immer noch Beckenknochen und hin und wieder sogar Reste von Hinterbeinen haben. Es gibt Fossilien von schlangenartigen Tieren, die älter sind als 128 Millionen Jahre, diese haben aber noch vier Beine und ihre Zugehörigkeit zu den Vorfahren der Schlangen ist umstritten.
Schlangen sidn schwierig zu erforschen, weil von ihren kleinen zerbrechlichen Knochen nur selten Fossilien bleiben. Noch seltener bleiben die Fossilien vollständig genug, um Merkmale wie Beine eindeutig zuordnen zu können.

Theoretische Urschlange - Bild: Julius Csotonyi

Theoretische Urschlange – Bild: Julius Csotonyi

Der Ursprung der Zungenwürmer

Zungenwurm Linguatula - Bild: Dennis Tappe und Dietrich W. Büttner

Zungenwurm Linguatula – Bild: Dennis Tappe und Dietrich W. Büttner


Man kann nicht immer Dinosaurier haben. Dafür habe ich heute eine Gruppe von Tieren, von denen die meisten hier noch nie etwas gehört haben werden: Zungenwürmer.
Zungenwürmer sind, da enttäuscht der Name ein wenig, kleine wurmartige Gliederfüßer, die in den Atemwegen größerer Wirbeltiere leben und sich dort von Blut ernähren. Ihre Münder sind umgeben von Haken als letzte Reste der Beine und von unten sieht das Ganze dann ungefähr so aus wie die Facehugger aus den Alien-Filmen. Nein, wirklich. Es sind seltsame kleine Tiere, deren Herkunft weitgehend unbekannt ist. Zwar gab es bereits Fossilien von Zungenwürmern aus dem Silur, nur gab es da ein Problem: Die heutigen Träger dieser Parasiten existierten damals noch gar nicht.
Ein neues, 425 Millionen Jahre altes, Fossil aus England gibt nun einen Einblick in das leben dieser Zungenwürmer bevor ihr heutiger Lebensraum überhaupt existierte: Das Tier hielt sich zu Lebzeiten an einem Wasserfloh fest und lebte wahrscheinlich von dessen Blut.
Heutige Zungenwürmer geraten meist in ihre Wirte, indem sie sich als Eier fressen lassen und aus dem Darm in den Körper eindringen. Wahrscheinlich wurden sie ursprünglich von Landtieren beim Trinken mit den Wasserflöhen verschluckt und fanden in deren Eingeweide einen geeigneten Lebensraum. Während ihre im Meer lebenden Verwandten im Laufe der Zeit verschwanden, waren die Bewohner der Landtiere in den Körpern ihrer Wirte vor allen Katastrophen geschützt und überlebten bis heute.
Bin ich eigentlich der einzige, der eine verblüffende Ähnlichkeit zu den Anomalocariden sieht?

Dino-Dienstag 16 1 

Cretaceous Blue Balls

Bild vielleicht verwandt - Chinese Academy of Science

Bild vielleicht verwandt – Chinese Academy of Science


Berichterstattung zu durchschauen ist auch in der Wissenschaft nicht immer einfach. Diese Woche gab es zwei Meldungen von denen nicht klar ist, ob es unterschiedliche Meldungen sind oder zwei Versionen einer Meldung.
Die eine Meldung ist, dass die oben abgebildeten blauen fossilen Eier Anfang April bei Straßenarbeiten in der chinesischen Stadt Heyuan gefunden wurden. Das ist entweder wahr oder ein Missverständnis basierend auf dieser Mitteilung, dass Forschungen an drei Nestern, die vermutlich zu dem von dort stammenden kleinen Dinosaurier Heyuannia gehören ergeben haben, dass die Eier dieses Dinosauriers eine blau-grüne Farbe hatten.
Da ich nur für letzteres eine seriöse Quelle finde, gehe ich davon aus, dass nur diese Geschichte stimmt und die andere eine locker darauf basierende Ente ist.
Jedenfalls ist dies das erste Mal, dass die Farbe von Dinosauriereiern bestimmt werden konnte und es ist auch gleich eine interessante Erkenntnis: Farbige Eier deuten den Forschern zufolge auf intensive Brutpflege hin. Das passt gut zu dem, was wir schon über die Oviraptoriden, zu denen Heyuannia gehörte, wissen: Sie sind dafür bekannt, dass sie ihre Nester bebrüteten und beschützten, indem sie ihre gefiederten Arme über diesen ausbreiteten.
Zugleich haben wir damit einen weiteren Farbklecks für unser Bild der Kreidezeit — bereits bekannt sind die Farben der Gefieder einiger kleiner Raubsaurier, wie etwa das schillernde Schwarz des Microraptor, nach dem ja auch der Band Schwarzer Schwinge aus den Meilensteinen der Evolution benannt ist.
PS: Sorry für die Überschrift, ich konnte nicht widerstehen ;-)

Fortschritt beim Dino-Huhn

Und wo wir schon beim Übergang zwischen Dinosauriern und Vögeln sind, gibt es auch gleich noch Neuigkeiten zum Dinohuhn. Als Dinohuhn läuft in der Presse eine Reihe von Versuchen, jene genetischen Veränderungen zu finden, wegen denen Vögel und Dinosaurier sich so stark unterscheiden. Interessant sind dabei vor allem die Veränderungen, durch die aus Schuppen Federn und aus Schnauzen Schnäbel wurden.
Bei den Schnäbeln ist man nun in Yale ein ganzes Stück weitergekommen. Demnach reicht die Veränderung eines einzigen Gens, damit ein Vogel statt eines Schnabels wieder eine Schnauze entwickelt.
Ein weiterer Beweis, dass die so groß scheinenden Unterschiede zwischen den Vögeln und ihren direkten Vorfahren in den zu Grunde liegenden Genen viel geringer sind, als es den Anschein hat. In der Vergangenheit haben die Forscher bereits mit geringen Eingriffen in die Reihenfolge, in der einzelne Gene während des Wachstums abgerufen werden, Hühnerembryonen mit Schwänzen und Zähnen hervorgebracht.
Und wenn jetzt jemand wissen will, wie uns Dinosaurierforschung heute nützt: Das Dinohuhn-Projekt bringt viele wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Gene arbeiten und wie sich Veränderungen in den Genen auf den gesamten Organismus auswirken.

Jurassic World

Und weil Dinosaurier nicht immer staubige Knochen und Eierschalen waren hier einer der neuen Trailer für die nächsten Monat startenden Jurassic-Park-Fortsetzung Jurassic World.


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Und die Lego-Variante

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Oh und ja, ich habe zu Jurassic World etwas in der Mache. Aber dazu komme ich nächste Woche.

Dino-Dienstag 15 0 

Noch ein ältester Vogel

Es gibt einen neuen ältesten zahnlosen Vogel: Archaeornithura lebte vor 130 Millionen Jahren in China, wahrscheinlich als Schlickläufer an den Küsten größerer Gewässer. Obwohl er der älteste bekannte Vogel ohne Zähne ist, ist er doch modernen Vögeln ähnlicher als einige andere zahnlose Vögel. Mit anderen Worten: Das Fossil macht klar, dass es noch ältere, bisher unentdeckte zahnlose Vogelarten gegeben haben muss, von denen Archaeornithura und andere frühe zahnlose Vögel abstammten.

Der Schnüffelraptor

Wo wir grade bei den Raptoren sind, hier ist noch eine neue Art dieser Gruppe: Saurornitholestes sullivani war mit zwei Metern Länge und einem Meter Höhe ein durchschnittlich großer Vertreter dieser Gruppe, etwa vergleichbar mit Velociraptor. Was bei dieser neuen Art aber auffällt ist, dass der Schädel Platz für ein Gehirn bietet, dessen Bereich für die Wahrnehmung von Gerüchen deutlich vergrößert ist.
S. sullivani ist eng verwandt mit Saurornitholestes langstoni, aber das anders geformte Gehirn machte S. sullivani zu einem besseren Riecher, dem besten bisher bekannten unter den Raptoren. Ob er dies nutzte um ein besserer Jäger zu sein, er ein Aasfresser war der Leichengeruch suchte oder er in der Nacht jagte, wenn Geruch zuverlässiger ist als Sicht, ist dabei reine Spekulation.

Saurornitholestes sullivani auf der Jagd (Bild: Mary P. Williams)

An den Ursprung der modernen Zelle

Nicht nur Fossilien können uns etwas über die Evolution verraten, manchmal finden sich auch bei den heutigen Lebewesen aussergewöhnliche Erkenntnisse.
Da wären diese Woche die Lokiarchaeota, eine neue Sorte Einzeller aus den Tiefen des Atlantik. Obwohl sie relativ primitive Einzeller sind, die keine Zellorgane wie etwa einen Zellkern haben, besitzen sie doch einige Gene, die bei anderen Einzellern für genau solche Organe benötigt werden. Bei den Lokiarchaeota dienen diese Gene vor allem dem Aufbau der Zellmembran. Das ist ein starker Hinweis darauf, dass die komplexeren Zellen mit Organen von den einfacheren ohne Organe abstammen und nicht parallel zu diesen entstanden sind.

Dino-Dienstag 14 0 

OMG, ein Flurrit!

Okay, es ist Zeit, euch in ein Geheimnis einzuweihen: Paläontologie ist eigentlich ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, die fiktiven Kreaturen aus Dougal Dixons The New Dinosaurs im realen Leben zu finden. Und just diesen Monat können wir den Flurrit aus der Suchliste streichen.


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Yi qi war Teil einer größeren Gruppe von Dinosauriern mit seltsam langen Fingern. Mit diesem Fund kommt nun eine neue Erklärung für diese Finger auf: Sie bildeten mit einem zusätzlichen Knochen Halter einer Flug- oder Gleithaut. Das Ergebnis ist eine absolut neuartige Form von Dinosauriern, mit der niemand gerechnet hätte. Ich habe es letzte Woche beim Chilesaurus gesagt und ich sage es erneut: Wir haben trotz all der Funde der letzten 150 Jahre immer noch keine Ahnung, was wir alles noch nicht entdeckt haben.
Nicht alle Forscher sind überzeugt, dass Yi mit seiner seltsamen Hand eine Flughaut aufspannte, aber bis jetzt ist niemand auf eine andere Erklärung gekommen.

Gottesschaben! Kakerlabeterinnen! …alte Insekten halt

Die wenigsten interessieren sich für die Evolution der Insekten, insbesondere, wenn es um Küchenschaben geht. Weshalb sich das Gerücht, Küchenschaben hätten sich ewig lang nicht verändert, hartnäckig hält (ähnlich wie Haie, aber auch da ist es ein Gerücht).
Aber die Schaben haben ja noch Verwandte mit einem deutlich besseren Ruf: Gottesanbeterinnen. 100 Millionen Jahre alter Bernstein aus Myanmar hat sich als Fundgrube für jene Zeit entpuppt, in der die Gottesanbeterinnen entstanden zu sein scheinen. Zu den bekannten Urmantiden gesellt sich nun also Manipulator modificaputis, eine Art extrem langbeinige Schabe mit kleinem Kopf auf einem langen Hals. Das wunderschöne Fossil in aussergewöhnlich klarem Bernstein wird den Forschern sicher viel Freude bereiten.

Und ein Fisch

Etwas hinter den anderen beiden Funden steht Kenyaichtys, eine neue Fischgattung aus der Verwandtschaft der Kilifische. Die Kilifische sind für sich genommen recht interessante Lebewesen – extrem schillernde Süßwasserfische, deren Eier lange Zeit auf dem trockenen überleben. Sie leben meist in Regentümpeln trockener Regionen. Manche Arten können wochenlang an der Luft überleben und eine Art stellt sogar die einzige Art selbstfruchtbarer Hermaphroditen unter den Wirbeltieren.
Das sind alles faszinierende Eigenschaften, aber auch solche, die man den Fossilien kaum ansieht. Immerhin sind sie die einzigen bekannten Fische aus der Familie Rivulidae, die nicht aus Amerika stammen.

Dino-Dienstag 13 1 

Lang ist es her, dass Dino-Dienstag 12 hier im Blog seinen Platz fand. Und nachdem ich nun ständig den Dienstag verpasste um die Serie weiterzuführen, hat sich einiges getan. Es sei nunmehr das Wichtigste ausgewählt und zusammengefasst.
Also dann:

Pflanzenwelt und Pilze

In China ist ein hervorragend erhaltener Wald aus dem Perm in einer Kohlemine entdeckt worden. Der bei einem Vulkanausbruch verschüttete Wald ist für Paläobotaniker schon deshalb interessant, weil nach dem Perm die Spaltung Pangaeas in die heutigen Kontinente begann. Während die Sumpfwälder des vorherigen Karbon etwa im Ruhrgebiet ausgiebig erforscht sind, weiss man noch wenig über die Wälder in der deutlich trockeneren Welt des Perm. Der Wald scheint ein später Überrest der gewaltigen Karbonwälder zu sein.
Aus Königsberg kommt der älteste Fund einer fleischfressenden Pflanze in Bernstein. Allerdings ist nicht klar, ob es eine wirkliche fleischfressende Pflanze war: Heutige Pflanzen dieser Form fressen gefangene Insekten nicht selber, sondern ernähren sich davon, dass Wanzen die gefangenen Insekten fressen und dann für die Pflanze nahrhafte Ausscheidungen produzieren. Es ist eine der seltsamsten Symbiosen im bekannten Tier- und Pflanzenreich.
Noch spektakuläreres hat Mynamar im Bernstein zu bieten: Dort tauchte nicht nur das bis dato älteste Fossil von Gras auf, welches erst gegen Ende des Zeitalters der Dinosaurier auftauchte und damals noch selten war. Nein, auf der Graspflanze saß auch noch ein Pilz, genauer eine Art der auf Gräser spezialisierten Mutterkornpilze. Die Presse machte daraus Dinosaurier auf LSD-Trips, weil sie halt die Presse ist. Da muss ich aber enttäuschen: Mutterkorn enthält zwar Gift, aber für LSD muss man das schon noch etwas bearbeiten, sonst ist es nur, nun, Gift.

Sexualdimorphe Stegosaurier

Rückenplatten bei Stegosaurusmännchen und -weibchen (Bild: Evan Saitta)


Sexualdimorphismus, also das unterschiedliche Aussehen von männlichen und weiblichen Exemplaren einer Art, ist uns Menschen nicht unbekannt, immerhin gehört unsere Spezies zu den extremsten Beispielen dieses Phänomens unter den Wirbeltieren. Bei ausgestorbenen Lebewesen ist das schwer nachzuweisen, aber möglicherweise gesellt sich Stegosaurus zu den wenigen Beispielen: Evan Saitta aus Bristol kommt in seiner Forschung zu dem Ergebnis, dass die auffälligen Rückenplatten des bekannten Dinosauriers unterschiedliche Geschlechter erkennen lassen.
Die Funktion der Rückenplatten dieses Dinosauriers ist immer noch ein völliges Rätsel und mit Saittas Forschung sidn wir möglicherweise einen Schritt näher an der Lösung.

Knochenfressende Würmer fraßen schon Saurierknochen

Die Wurmgattung Osedax, die sich heute von auf den Meeresgrund gesunkenen Walknochen ernährt, ist offenbar deutlich älter als die Wale: Forscher fanden Fraßspuren an den Knochen von Plesiosauriern, 50 Millionen Jahre älter als die ältesten Wale. Das bedeutet aber auch, dass die große Vielfalt an Meeresreptilien aus der Zeit der Dinosaurier nur ein Ausschnitt der tatsächlichen Vielfalt sein dürfte, denn viele Skelette wurden von knochenfressenden Würmern gefressen, bevor sie je zu Fossilien werden konnten.

Chilesaurus

Hier ist ein pflanzenfressender Theropode, der eine so bizarre Kombination an Merkmalen aufweist, dass momentan niemand so genau weiss, was zum Teufel das für ein Tier ist. Aufgrund der seltsamen Mischung hat es den Spitznamen „Schnabeltier der Dinosaurier“ erhalten.
Es ist ein Theropode (fleischfressende Dinosaurier) mit den Armen eines T. rex und den Zähnes eines Pflanzenfressers. Er hat ein paar Ähnlichkeiten zu den ersten Vorfahren der langhalsigen Sauropoden. War es ein später Überlebender dieser Prosauropoden? Ein einmaliges Kuriosum? Oder ein entfernter Verwandter späterer pflanzenfressener Theropoden? Was Chilesaurus auf jeden Fall ist, ist ein Beweis, dass wir noch längst nicht alle Varianten von Dinosauriern gefunden haben, die einst die Welt bevölkerten.
Manchmal finden wir immer noch etwas völlig neues.

Chilesaurus (Bild: Gabriel Lio)

CO2 und das größte Massensterben der Erdgeschichte

Das Zeitalter der Dinosaurier beginnt mit dem größten Massensterben der Erdgeschichte. 90% allen damaligen Lebens verschwand auf einen Schlag. In kurzer Zeit verschwanden von der Erde alle Wälder. In der leeren Welt nach diesem Massensterben entstanden die Dinosaurier und Säugetiere. Es begannen die Erdzeitalter, in denen jeweils eine große Gruppe von Tieren die Erde beherrschte: Jenes der Dinosaurier und jenes der Säugetiere.
Schon länger vermuten Forscher, dass die Ursache dieses Ereignisses gigantische Vulkanausbrüche der damaligen Zeit waren. Sibirien war ein einziger großer Lavasee, weitere Vulkane brachen zur selben zeit in Australien und dem südlichen China aus. Die Vulkane setzten in der Theorie Mengen an CO2 frei, die groß genug waren, eine solche Katastrophe zu verursachen.
Tatsächlich fanden Forscher neue Hinweise auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Kohlendioxid zu dieser Zeit: Schwämme begannen, elementares Carbon in ihre Skelette einzubauen. Das ist absolut ungewöhnlich nur nur dadurch zu erklären, dass Kohlendioxid damals in gewaltigen Mengen vorhanden gewesen sein muss. Die schon länger bekannte Tatsache, dass zuerst Lebewesen seltener wurden, die CO2 besonders schlecht vertrugen, passt dazu. Auch Untersuchungen an damaligen Gesteinen zeigen Hinweise auf große Mengen von Giften, die von Mikroben produziert werden, welche durch die hohen CO2_Mengen gefördert werden.
Also, wenn jemand wissen will, wie gefährlich zu viel CO2 in der Atmosphäre ist: Bitteschön, der Tod von 90% des Lebens auf der Erde.

Unbürgertum 0 

In gewisser Weise kann dieser Beitrag als eine Fortsetzung meines letztjährigen zur „Heimatliebe“ gelten. Damals ging es um die Lokalpolitik. Heute geht es um Nationalität. Und so gilt aus diesem früheren Beitrag weiterhin:

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe für Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung für mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsächlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter).

Schon länger stellt sich diese Frage angesichts der Frage der Einwanderung. Die aktuelle Aufmerksamkeit auf die Untergänge im Mittelmeer ist ja nur ein Schlaglicht in einer seit Jahren laufenden Entwicklung hin zu mehr Nationalismus und Rassismus im Alltag.

Ob dies nun deutscher Nationalismus ist oder europäischer, so groß ist der Unterschied nicht. Das eine ist halt ein etwas größerer Staat als das andere. Die Länder enden an fiktiven Linien auf den Landkarten, abgesichert durch Verträge unter den Regierungen, diese fiktiven Linien gegenseitig anzuerkennen. Sicher, diese Linien haben Auswirkungen, aber was sie nicht haben sind klare Ursachen. Historische Zufälle, geografische Hürden, Gutdünken irgendwelcher Fürsten, Könige und Kanzler — alles nur irgendein Quatsch ohne Substanz.

Und mit der Zeit haben wir angefangen, diesen Linien Bedeutung zuzumessen, die sie nicht haben. Definitionslinien einer gemeinsamen Zugehörigkeit, die wir auf irgendeine Weise (vermutlich Magie) allein durch den Zufall unseres Geburtsortes erworben haben sollen. Ich meine, natürlich hat die Umgebung unseres Aufwachsens einen Einfluss auf unsere Identität und unser Selbstbild. Aber das ist ein viel zu diffuser, unklarer Einfluss, als dass man daraus irgendetwas von Bedeutung herauslesen könnte. Und vor allem hat das wenig und zunehmend weniger damit zu tun, wo jene fiktiven Linien auf den Landkarten verlaufen.

Und daher nun kommt meine Frage zu dem ganzen Einwanderungsthema: Was genau gibt uns eigentlich das Recht, irgendwem sagen zu wollen, ob er unsere fiktiven Linien überquert oder nicht? Jemand geht von Punkt A nach Punkt B auf der Welt und dazwischen sind irgendwelche Linien. Na und? Lasst sie kommen und gehen, wie sie wollen. So wie es zwischen den Städten auch geschieht.
Es ist weder unser Verdienst, noch deren Schuld, dort geboren worden zu sein, wo wir/sie nun mal geboren sind. Und genau deshalb gibt es auch keine Pflicht, in seinem Urpsrungsland zu bleiben ebenso wie es kein Anrecht darauf gibt, Menschen ausschließen zu können. Nationen, Grenzen, sind bedeutungslos. Menschen zählen.

Die Frage, die für mich bleibt ist, was bin ich eigentlich? Die Begriffe, die ich fand, sidn alle in verschiedener Weise ungeeignet: Weltbürger, Kosmopolit, Transnationalist, Postnationalist… das sind alles Ideen mit Grundgedanken, denen ich nicht zustimmen kann. Vielleicht Anationalist, Staatsagnostiker, Unbürger? Das klingt gut. Unbürger.

Freitägliche Fünf 10.04.2015 0 

Die wöchentlichen fünf Dinge der Woche, die mich gefreut haben. Denn mies gelaunt sind wir hier im Internet oft genug. Und an Karfreitag sowieso, da ist das ja vorgeschrieben. Alles persönlich, es kann also von großen Nachrichten bis zu kleinen Alltäglichkeiten reichen. Ohne feste Reihenfolge einfach, wie es mir beim Schreiben einfällt.
Zusammenfassung in einem Absatz: Was lange währt, wird endlich fluffig.

1. Im Gegensatz zu manch anderem Dinofan begeistert mich diese Woche eine neue Studie zur Einordnung der Diplodociden (eine Gruppe langhalsiger Dinosaurier).
Warum? Nun, sie kommt zu dem Ergebnis, die Gattung Apatosaurus wieder aufzuspalten, da einige dieser Gattung zugeschlagene Fossilien zu unterschiedlich seien. Und welche sind das? Der Klassiker aller Dino-Klassiker, der zur Fehlbenennung erklärte Brontosaurus.
Brontosaurus is back, biotches!
Ausserdem kennt meine Rechtschreibprüfung Brontosaurus, aber nicht Apatosaurus. Weniger rote kriggelige Linien für mich! Yay!

2. Vor 300 Millionen Jahren gehörte das heutige Ruhrgebiet zu einem weltweiten System von Sümpfen, in denen die ersten Bäume wuchsen und welche die Basis für die heutigen Steinkohlevorkommen bildeten. Libellen mit 70 cm Spannweite lebten dort, Insekten mit sechs Flügeln, Tausendfüßer von bis zu drei Metern Länge und dazwischen liefen die frühen Amphibien und sogar die ersten echsenartigen Lebewesen herum. Das Karbon-Zeitalter ist ein faszinierender Abschnitt der Erdgeschichte. Ich wollte schon immer mal dort umherlaufen und zumindest virtuell ist das jetzt möglich.
Der Carboniferous Forest Simulator ist ein Projekt des Gelsenkircheners Heiko Achilles. Noch fehlen Tiere und einige Infotexte, aber der voll begehbare karbonifere Wald ist technisch beeindruckend, wunderschön und fremdartig.
Alles, was mir fehlt, ist ein ausreichend leistungsstarker PC, um das Teil selbst laufen zu haben.


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(Eigenwerbungsunverschämtheit: Der in Vorbereitung befindliche Band Flammender Farne der Reihe Meilensteine der Evolution wird in diesen Wäldern spielen)

3. Am letzten Samstag nahm ich folgendes Bild vom Hans-Jonas-Park auf, welches sich schnell in den sozialen Medien und schließlich auch in der Zeitung verbreitete. Das an sich ist erstmal unerfreulich. Also, das Foto, nicht die Verbreitung. Aber was dann geschah, wird dir die Sprache verschl… tschuldigung, kurz in den heftig-Modus gerutscht.
Erstmal das Bild:

Naherholung in MG. Für die Autos


Wir sehen einen Park an einem Hügel, auf dessen Gestaltung die Stadt sich durchaus was einbildet. Da kommen so Begriffe wie „Erholungsfunktion“ oder „Gestaltungsqualität“ in Papieren der Stadtverwaltung darüber. Und nun das. Leider kein aussergewöhnlicher Anblick in dieser Stadt, aber dieses Foto hat dann offenbar doch so manchen erschreckt. Gut so!
Ein so mancher war dann auch der Oberbürgermeister, zu dem das Bild schnell vorgedrungen war und er versprach Abhilfe. Und in der Tat konnte er heute Nachmittag dieses Bild von der Lösung hochladen:

Eine Shiitake-Farm, äh ich meine, kostengünstige Parkhindernisse - Bild: Hans Wilhelm Reiners


Gute schnelle Lösung. So gefällt mir das.

4. Ja, dieses Teil wird wahrscheinlich wie ein Kühlschrank im Wind stehen, wenn man ihn wirklich hinter seinem Fahrrad zieht, aber hey, es ist ein Wohnwagen für’s Fahrrad. Das ist cool.


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Ich hätte die Räder seitlich angebracht und die Wände einklappbar ausgeführt, damit der Anhänger in der Fahrt flacher wird. Aber ich hab halt nicht das Kleingeld, sowas zu entwickeln. Oder, noch wichtiger, das handwerkliche Geschick.

5. Endlich verstehe ich das Problem mit der „Gelesen“-Mitteilung in der Facebook-App. Und ein kleiner Einblick, wie Linguistik funktioniert, ist auch drin.


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Lesebestätigungen in eMails ignoriere ich übrigens grundsätzlich und klicke sie weg.

La veille d’une nuit sombre 0 

Es ist nicht einfach, auch nach einer Woche nicht, den richtigen Ansatz zu finden, angemessen über den Anschlag auf die Redaktion der Charlie Hebdo zu sprechen. Wahrscheinlich liegt das Geheimnis darin, die Angemessenheit links liegen zu lassen und einfach zu schreiben. Über Freiheit, Maßhalten, und über Krieg.

Es geht um Mohammed-Karikaturen. Vor fast drei Jahren noch, im Mai 2012, war ich auf einer Demo vor der Moschee an der Steinsstraße in Rheydt, gegen ProNRW, die damals aggressiv mit einigen zu dieser Zeit berühmt gewordenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark auftraten. Heute stelle ich mich auf jene Seite, die das Recht der Charlie Hebdo und ihrer Genossen zu verteidigen bereit sind, ihre Karikaturen zu veröffentlichen. Klingt das nach einem Widerspruch? Es ist keiner. Ich habe auch nichts gegen den Stuhlgang, bitte dennoch darum, ihn nicht auf meinem Esstisch auszuführen.

ProNRW damals und die Attentäter von Paris vor wenigen Tagen haben eine wichtige Komponente des alltäglichen Umgangs miteinander vergessen: Vernunft.
Die Jyllands Posten, Charlie Hebdo und Titanic samt ihrer Genossen haben jedes Recht der Welt, ihre Karikaturen zu veröffentlichen. Ebenso haben andere das Recht, diese nicht zu mögen. Die notwendige Pflicht, die sich aus jedem Recht ergibt ist, es verantwortungsbewusst anzuwenden. Wer Menschen aus Missfallen an deren Äusserungen umbringt, hat ohne jede Frage jegliche Vernunft verloren. Wer wie damals ProNRW Menschen, die niemandem etwas getan haben, aktiv beleidigt, den muss man ebenso fragen, ob er noch ganz sauber tickt.
Das ist das größte Problem im menschlichen Umgang, das fehlende Gefühl von Vernunft, von Maß – letztlich das fehlende Gefühl dafür, dass die anderen genauso Menschen sind wie wir.

Die Islamisten sind ein Symptom dieser Krankheit. Die Rechten sind ein anderes. Der gegenwärtige Aufschwung von Verschwörungstheorien scheint mir ebenso dazuzugehören, denn auch die meisten dieser Theorien funktionieren nur genau so lange, wie man sich als Anhänger nicht klar macht, dass „die da“ ebenfalls Menschen sind.
Es ist das Klima, in dem große Kriege geboren werden. Denn je mehr man die anderen entmenschlicht, desto niedriger wird die Hemmschwelle, gegen sie vorzugehen.
Gruppen wie der IS sind bereits an dem Punkt, an dem man willens in den Krieg zieht und andere Menschen umbringt. Die Rhetorik vieler Rechter bei Veranstaltungen mit lustigen Abkürzungen (HoGeSa, Pegida usw.) lässt darauf schließen, dass diese davon ebenfalls nicht weit entfernt sind. Beide Gruppen arbeiten zudem aktiv daran, noch nicht an diesem Punkt angelangte Sympathisanten weiter in ihren Sumpf zu ziehen.

Wer jetzt auf den Ausbruch des Krieges wartet, der kann lange warten. Schon seit langem brechen Kriege nur noch in den wenigsten Fällen zu einem klar definierbaren Zeitpunkt aus. Und schon seit 1914 gibt es kaum noch Kriege, in denen eine der beteiligten Parteien schuld gewesen wäre (Ausnahmen wie 1939 existieren natürlich für beides immer). Europa wird keinen Krieg bekommen, weil niemand da ist, der ihn erklären könnte. Aber es wird im Konflikt dieser Gruppen eine lange und sehr dunkle Nacht geben.
Unvernunft in Form von Vorurteilen und Entmenschlichung ist gegenwärtig einmal mehr weit verbreitet, bei denen, aber ebenso auch bei uns. Es ist nun (das ist übrigens die Übersetzung der Überschrift) der Vorabend einer dunklen Nacht. Die Aufgabe jener, die dabei nicht mitmachen wollen wird es nun sein, Lichter zu entfachen.
Aber eines ist dabei wichtig zu merken: Wann entfacht man tatsächlich ein Licht und wann droht man in Wirklichkeit anderen mit einer brennenden Fackel? Wichtig, aber alles andere als einfach.

Um allerdings mit etwas Positivem abzuschließen: In Deutschland wird endlich etwas lauter über die Abschaffung des Gotteslästerungsparagraphen (§166 StGB) debattiert. Was mich auf ein neues Thema bringt, warum wir die widerliche Begrifflichkeit von der „Instrumentalisierung“ abschaffen sollten – für alle Kontexte. Aber dazu komme ich ein andermal.