Dino-Dienstag 9 0 

Manche Leute sollten echt keine Saurier benennen dürfen: Dreadnoughtus
Großartig, ein Dinosauriername, den man ohne Kenntnisse des Englischen nicht aussprechen kann.
Nunja, Dreadnoughtus hat es ja schon ausgiebig durch die Presse geschafft, von Nature bis runter zum Düsseldorf Express und der BLÖD. Und weil alle anderen das selbe Bild benutzten, benutze ich das andere offizielle Bild aus der Veröffentlichung.

Illustration: Mark A. Klingler, Carnegie Museum of Natural History


Nein, Dreadnoughtus ist nicht der größte Dinosaurier aller Zeiten, wenigstens nicht nachgewiesenermaßen. Er könnte der größte gewesen sein, denn das gefundene Tier war nicht ausgewachsen. Nur, wie weit es noch gewachsen wäre, wenn es weitergelebt hätte, ist reine Spekulation. Mit Tieren wie Diplodocus oder dem spektakulär in Berlin in voller Größe zu bewundernde Brachiosaurus (bzw. nach moderner Benennung Giraffatitan) kann er nicht ganz konkurrieren.
Er ist allerdings der vollständigste riesige Titanosauride, gepanzerte Vertreter der Sauropoden. Die Titanosaurier waren große Tiere steppenartiger Landschaften und wurden als solche schnell Opfer von Aasfressern, bevor sie zu Fossilien werden konnten.

Ein Ornithischier vom Äquator
Ähnlich wie wir Säugetiere verdanken auch die Dinosaurier ihren größten Erfolgsschub einem Massensterben zu Beginn ihres Zeitalters. In diesem Fall an der Grenze vom Trias zum Jura vor etwa 200 Millionen Jahren.
Kurz nach diesem Massensterben lebten nur wenige Arten von Dinosauriern, aber sie breiteten sich sehr schnell aus, da jetzt die zuvor vorherrschenden Reptilien deutlich seltener geworden waren. Unklar ist bisher noch, wie schnell die Dinosaurier damals die Welt eroberten. Mit dem Fund eines neuen Ornithischiers, noch ohne Namen, ist dazu in Venezuela ein neues Puzzelteil aufgetaucht, denn bisher waren aus dieser Gegend keine so alten Dinosaurierfossilien bekannt.

Nachtaktive Synapsiden
Gehen wir zu eben jenen Herrschern der Welt vor den Dinosauriern, kommen wir zu den Synapsiden, jenen Reptilien, aus denen sich später, unter den Füßen der ersten Dinosaurier, die Säugetiere entwickelten. Bisher dachten Forscher, dass erst die Säugetiere die Nachtaktivität erfanden, da ihre großen Gehirn besser für die Orientierung im Dunkeln geeignet seien.
Untersuchungen an den Knochen um die Augen einiger Synapsiden zeigen aber, dass diese Reptilien lange vor den Säugetieren zu allen möglichen Tageszeiten aktiv waren. So war etwa der bekannteste unter ihnen, Dimetrodon, nachtaktiv. Das gibt auch eine neue mögliche Erklärung für das spektakuläre Rückensegel einiger dieser Tiere wie eben Dimetrodon und seinen Pflanzen fressenden Cousin Edaphosaurus.

Dimetrodon auf Nachtjagd, ein Edaphosaurus als Beute im Hintergrund - Illustration by Marlene Hill Donnelly

Dino-Dienstag 8 0 

Na passt doch perfekt: Heute geht es in einer ansonsten bei den Urtier-Schlagzeilen ruhigen Woche um zwei Sorten gefiederter Dinosaurier. Und glücklicherweise führen diese diesmal nicht gleich dazu, dass ich Schwarzer Schwinge zwei Tage nach Veröffentlichung schon wieder umschreiben darf.

Dinosaurier mit Babysittern

Psittacosaurus-Nest, Bild: University of Pennsylvania

Fangen wir an mit einem unbesungenen Star der Saurierforschung, Psittacosaurus. Ein recht kleines Tier, das vor 120–110 Millionen Jahren mit mehreren Arten in großer Zahl in Asien lebte und ein früher Verwandter des Triceratops, zwar ohne Hörner und Nackenschild, dafür mit einem hohen Federkamm am Ansatz des Schwanzes und dem Schädel eines stacheligen Papageien.
Unbesungener Star, weil er aufgrund seiner Häufigkeit zu den am besten erforschten aller Dinosaurier gehört.
Zu den Funden gehören auch zahlreiche Nester. Hier ist nun eines, in dem ein jugendlicher Saurier zusammen mit einigen deutlich jüngeren liegt. Der größere Saurier war nach Ansicht der Forscher zu jung, um ein Elter (ja, das Wort gibt es) der kleinen zu sein. Allerdings haben einige heutige Vögel ein Verhalten, bei dem ältere Geschwister die spätere Brut ihrer Eltern bewachen. Psittacosaurus-Junge waren für viele andere Tiere leichte Beute und wurden zum Beispiel auch in den Mägen größerer Säugetiere dieser Zeit gefunden. Da wäre ein Babysitter durchaus nützlich.

Plüschraptor im Kickstarter

Awwwwwwww


Wo wir grade bei fluffigen Knuddelsauriern sind, hier ist ein wissenschaftlich korrekter velociraptor. Und er ist fluffig und knuffig und knuddelig. Kickstarter läuft noch einen knappen Monat.
Ich finde solche Sachen recht wichtig. Spielzeug gehört zu den Dingen, die für unseren Eindruck von der Welt meines Erachtens enorm wichtig sind, einfach weil es uns so früh an unbekannte Dinge heranführt und oft (gemeinsam mit Geschichten) die Welt ausserhalb des direkten Erlebens der eigenen Umwelt vermittelt.

Dino-Dienstag (vormals Paläo-Pfreitag) 7 1 

Okay, ich dachte mir, dass der Paläo-Pfreitag eine gute Idee für diese Seite war und hebe ihn somit wieder aus der Versenkung. Nur ist Freitag grade ein etwas ungünstiger Tag, da ich neue Bücher tendenziell freitags oder samstags veröffentliche und das kann sich in die Haare kommen, weil ich ungerne zwei Beiträge an einem Tag ins Blog packe. Ausserdem ist Dino-Dienstag ein besserer Titel für die Serie.
Und ja, natürlich hängt diese Serie mit meiner Reihe Meilensteine der Evolution zusammen. Und ein bisschen auch damit, dass deren dritter Band nach vielen Verzögerungen diese Woche endlich erscheint.

Dieses kleine Scheisserchen hier

Kulindadromeus, Bild: Andrey Atuchin

Das possierliche Tierchen hier ist Kulindadromeus zabaikalicus, der erste zweifelsfrei gefiederte Dinosaurier aus der Gruppe der Ornithischia. Zur Erklärung, es gibt zwei Arten von Dinosauriern, die sich gleich zu Anfang aufspalteten: Saurischia (Sauropoden und Theropoden) und Ornithischia (so ziemlich alle anderen).
Bisher kannte man eindeutige Federn nur von den Saurischia, zu denen auch die Vögel gehören. Einige Ornithischia hatten Borsten am Körper, die primitiven Federn ähnlich gewesen sein könnten, aber es war nicht eindeutig. Es gab also lange Debatten darüber, ob Federn eine Besonderheit der Theropoden waren, oder ob schon der gemeinsame Vorfahr aller Dinosaurier Federn hatte, bevor sich die beiden Gruppen trennten. Hinzu kommt noch, dass die Flugsaurier ein Fell hatten, das ebenfalls dem Daunengefieder der Vögel ähnelte, nur dass die Flugsaurier sich bereits vor den ersten Dinosauriern von den Vorfahren der Dinosaurier getrennt hatten, obwohl sie immer noch entfernt verwandt waren.
Damit erbringt Kulindadromeus den lange erwarteten Beweis: Alle Archosaurier ausser den Krokodilen hatten bzw. haben ursprünglich eine Körperbedeckung aus speziellen Schuppen, die Haare oder Federn bildeten. Allerdings haben viele Gruppen von Dinosauriern diese später wieder verloren, wahrscheinlich als sie an Größe gewannen. Kulindadromeus selbst zeigt eine interessante Mischung aus beschuppten und gefiederten Bereichen am Körper.

Sah Spinosaurus ganz anders aus?
Spinosaurus, der seit Jursassic Park III wohl bekannteste Dinosaurier, über den wir kaum etwas wissen. Die wenigen Fossilien, die es von Spinosaurus gab, lagen im 2. Weltkrieg in München und wurden Opfer des Krieges.
Nun gibt es eine Ausstellung mit einer neuen Rekonstruktion auf der Basis neuer Funde aus Ägypten, die ab Oktober in Washington (D.C.) gezeigt werden sollen. Und das auf den Fotos in den Ankündigungen gezeigte Ergebnis ist scheinbar ein völlig anderes Tier als das, was wir bisher kannten. Das Segel war nicht rund und durchgehend, sondern formte zwei Buckel, die in der Silhouette den Buckeln eines Kamels ähnelten. Die Beine waren im Verhältnis zum Körper viel kürzer als bei allen anderen Theropoden.
Wenn sich das im Oktober als richtig erweist und nicht als bloßer Fehler im Werbematerial des Museums, wäre dies der zweite Dinosaurier, von dem sich innerhalb von 12 Monaten herausstellt, dass er völlig anders aussah, als wir dachten. Der erste war Deinocheirus, ein riesenhafter Verwandter des ebenfalls aus Jurassic Park bekannten Gallimimus.

Neuer Pterosaurier: Caiuajara

Caiuajara, Bild Maurilio Oliveira/Museu Nacional-UFRJ; CC-BY

Dieser neue Flugsaurier, den ich kurzerhand Cumbajamylord-o-saurus nenne, damit ich ihn ohne Knoten in der Zunge aussprechen kann, gehört zu einer aus Südameirka und Europa bekannten Gruppe, die alle so riesige Kämme auf ihren Schnäbeln hatten, den Tapejariden.
Cumbajamylord-o-saurus wurde in einer großen Gruppe von 50 Sauriern der selben Art entdeckt. Diie einzelnen Tiere waren verschieden alt und so konnte erstmals das Wachstum der Flugsaurier selbst sowie ihrer Schädelkämme untersucht werden. Dabei stellten sich zwei Dinge heraus: Zum einen hatten alle Exemplare einen Kamm auf dem Schädel, der mit dem Alter wuchs, es gab also keinen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen (anders als etwa beim in Staksigen Schrittes vorgestellten Nyctosaurus). Zum anderen hatten selbst die kleinsten Jungtiere die selbe Anatomie wie die Erwachsenen – sie konnten wahrscheinlich von der Schlupf an fliegen. Das ist etwas, was es bei den Vögeln nicht gibt, dort können selbst die Nestflüchter zwar von Anfang an laufen, aber nicht sofort fliegen. Mit Flügeln aus Haut ist das einfacher zu erreichen als mit solchen aus Federn.
Zudem ist Caiuajara der bislang am weitesten südlich (Südbrasilien) Tapejarid und mit einem Alter von 85 Millionen Jahren der letzte bekannte Vertreter dieser Gruppe.

Wie das Leben vor dem Leben lebte
Bevor die Welt mit jenen Arten von Lebewesen gefüllt wurde, die wir heute kennen, herrschte eine seltsame Gruppe von Tieren (?) über die Ozeane: Die Rangeomorphen und die sie umgebende vendische oder Ediacara-Fauna. Tiere, die im Grunde wuchsen wie Pflanzen. Lange galt als rätselhaft, wie diese Tiere lebten und vor allem, wie sie sich ernährten.
Computersimulationen geben neue Hinweise darauf: Die einmalige Wuchsform der vendischen Lebewesen führte dazu, dass sie im Vergleich zu ihrer Größe gewaltige Oberflächen hatten, mit denen sie Nährstoffe aus dem Wasser um sie herum filtern konnten. Da es damals noch keine Tiere gab, die aktiv nach schwimmender Nahrung suchten, konnten sie sich einfach von der nährstoffreichen „Supper“, die damals die Ozeane füllten, umspülen lassen.
Als dann die ersten Tiere nach heutigem Verständnis (Quallen, Würmer) auftauchten, fanden die Rangeomorphen schlichtweg keine Nahrung mehr, weshalb sie recht schnell wieder verschwanden.

Neuer Ankylosaurier aus China
China hat einen neuen Ankylosauriden, ein Tierchen namens Chuanqilong chaoyanengis. Das ist auch schon so ungefähr was man zu ihm sagen kann. Chuanqilong ist ein früher Ankylosaurier, mittelgroße Dinosaurier mit schwerer Panzerung und einer Knochenkeule am Ende des Schwanzes, die wahrscheinlich zur Verteidigung diente. Diese Knochenkeule fehlt bei Chuanqilong, trotzdem gilt er als primitiver Ankylosaurier und nicht als ein Vertreter der nahe verwandten Nodosaurier, die ebenfalls keine Schwanzkeule hatten.
Die Thyreophora, welche Ankylosaurier, Nodosaurier und Stegosaurier umfassten, waren in Asien recht häufig.

Unverschämte Werbung
Gefiederte Dinosaurier wie Kulindadromeus sind Thema des Ende des Monats erscheinenden Bandes Schwarzer Schwinge in der Reihe Meilensteine der Evolution. Die vendische Fauna wird im für diesen Winter geplanten Band Giftigen Grundes vorgestellt.
Bereits erschienen ist der Band über Flugsaurier, Staksigen Schrittesamazon, auch wenn Caiuajara selbst ein paar Millionen Jahre zu früh gelebt hat, um es dort hineinzuschaffen (es geht in dem Band um das Aussterben der Flugsaurier).

Paläo Pfreitag 6 0 

Mars: Scheiss Wetter
Die Erde ist nicht der einzige Planet mit einer interessanten Vergangenheit und so geht es diesmal zu unserem roten Nachbarn in tiefster, noch nicht ganz so roter, Vergangenheit.
Dass es auf dem Mars einst flüssiges Wasser gab, gilt inzwischen als erwiesen. Unklar ist noch, wie es sich auf dem Mars verhielt und woher die Flusstäler und Rinnsale stammen, die man auf dem Mars kennt. Mit Hilfe einer Wettersimulation konnten Forscher der Brown Universität zeigen, dass die Flüsse von Niederschlägen gespeist wurden.
Die bekannten Flüsse entstanden genau dort, wo in der Simulation Winde an Bergketten endeten. Das deutet darauf hin, dass es einst Wolken gab, die sich hier sammelten und dann abregneten, ähnlich wie auf der Erde in einigen Regenwäldern in großer Höhe.
Ich persönlich finde noch etwas anderes interessant, wenn ich die Bilder ansehe: Die Flüsse mäandrieren. Normalerweise werden Flüsse mit der Zeit zunehmend grade, wenn sie nicht befestigt werden, auf der Erde hauptsächlich durch Baumwurzeln und andere Pflanzen.

Strahlenflosser verbreiteten sich sehr schnell
Strahlenflosser sind all jene Knochenfische, deren Flossen direkt am Körper ansetzen. Sie bilden damit den Gegensatz zu jenen Knochenfischen, deren Flossen auf beinartigen Gliedmaßen sitzen (Quastenflosser und Lungenfische). Lange Zeit wurden die Wasser vor allem von Quastenflossern und Haien dominiert, aber mit dem großen Massensterben am Ende des Devon drehte sich das Verhältnis plötzlich um und die Strahlenflosser übernahmen die Vorherrschaft.
Die neu identifizierte Gattung Fouldenia liefert einen Hinweis, was damals passiert ist: Nachdem das größte Massensterben der Erdgeschichte vor etwa 360 Millionen Jahren 90% aller Tierarten ausrottete waren die Strahlenflosser schlichtweg diejenigen, die am schnellsten neue Arten entwickelten und so Plätze im Ökosystem für sich besetzten. Dass ein Spezialist wie der Muschelfresser Fouldenia „nur“ 11 Millionen Jahre nach einem so großen Massensterben auftaucht zeugt davon, dass die Strahlenflosser in kurzer Zeit extrem unterschiedliche neue Arten hervorbrachten.
Die Quastenflosser wurden danach zwar deutlich seltener und haben heute nur noch zwei vom Aussterben bedrohte Nachfahren in der Tiefsee, aber sie haben zu dieser Zeit noch eine andere Gruppe Abkömmlinge hervorgebracht: Die Fischlurche, die vor dem Massensterben auf das Festland auswichen und aus denen die ersten Amphibien und schließlich alle Landwirbeltiere entstanden, und eingeschlossen. Und über die ich ein eBook geschrieben habe, was ich hier schamlos bewerbe, siehe links.

Neue kreidezeitliche Riesenschildkröte
Kommen wir zur dieswöchigen neuen ausgestorbenen Spezies: Von der riesigen Meeresschildkröte Ocepechelon bouyai ist leider nur der Schädel bekannt, aber er ist verdammt groß und zudem sehr ungewöhnlich – das spitz zulaufende, relativ kleine Maul ist bei keiner heutigen Meeresschildkröte bekannt.

Schädel von Ocepechelon bouyai (Bardet N et al)

Oreopithecus: Mehr Affe als Mensch
Es gibt Fragen, bei denen Wissenschaftler immer noch seltsam herumdrucksen. Etwa jene, ob der Mensch vom Affen abstammt. Dann wird ganz schnell etwas vom „gemeinsamen Vorfahren“ erzählt, so als sei dieser irgendwie kein Affe. Klar, wir stammen nicht von den heutigen Affen ab, weil es die ebensowenig wie uns gab, als die Menschen sich als eigene Gruppe von Primaten entwickelten.
Dennoch war der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse wohl am ehesten ein Affe.
Forschung an der Wirbelsäule eines der ältesten Vormenschen, Oreopithecus, bestärkt diesen Eindruck: Das Tier war anders als vermutet kein aufrechter Läufer, sondern konnte nur kurze Strecken auf den Hinterbeinen zurücklegen, so wie es heute auch Schimpansen tun, wenn sie beispielsweise Nahrung umhertragen.
Der dauerhaft aufrechte Gang kam offenbar erst später, unsere Vorfahren jedenfalls waren nach jeglichem Maßstab äffisch.
Wobei dazu gesagt werden muss, dass Oreopithecus kein direkter Vorfahre des heutigen Menschen war, sondern eine eigene Menschenaffenspezies, die vor 9-7 Millionen Jahren in Italien lebte, das damals eine Insel war. Er starb aus, als Italien zum Festland wurde und neue Raubtiere (Säbelzahnkatzen, Wölfe und Bären) aus Europa einwanderten.

Paläo Pfreitag 5 0 

Sorry wegen der wenigen Illustrationen diesmal, mein Computer weigert sich seit kurzem, Dateien herunterzuladen und zeigt mir beim Versuch wahlweise „Datei nicht gefunden“ (Firefox) oder „Fehler beim Virenscan“ (Chrome) an. Keine Ahnung, was das soll und wieso ich keine Option erhalte, den Virenscan einfach zu ignorieren.

Erstes Leben auf dem Festland noch erster
Bereits 1,7 Milliarden Jahre früher als bisher gedacht betraten die ersten mehrzelligen Lebewesen das Land. Bisher dachte man, bis vor etwa über 500 Millionen Jahren sei das Land je nach Darstellung entweder völlig karg oder von Bakterienwiesen überzogen gewesen. Nun haben Untersuchungen mit modernsten Mikroskopen zeigen können, dass eine bekannte, aber bisher unidentifizierte Struktur aus 2,2 Milliarden Jahren alten Gesteinen Fossilien eines bisher unbekannten Lebewesens darstellt.
Diskagma war eine Art Beutel aus Zellen. Die Forscher vermuten, dass diese Lebewesen dem seltenen Pilz Geosiphon ähneln, einem winzigen Wesen, das in feuchten Böden im Schwarzwald lebt und mit Blaualgen gefüllt ist, die es ernähren. Was genau Diskagma war, ist aber noch völlig unklar. Die Erde war zu dieser Zeit so unglaublich anders als heute, dass Diskagma alles mögliche sein könnte.
Waren sie wie Geosiphon mit Sauerstoff produzierenden Bakterien gefüllt, würde das mit erklären, warum zu dieser Zeit plötzlich große Mengen Sauerstoff in die Atmosphäre gerieten, ein Gas, das bis dahin auf der Erde praktisch nicht vorkam.

Nasutoceratops, der Bullhornceratopier

Neue Ceratopier (Horngesichter) sind immer wieder spektakulär und Nasutoceratops ist da keine Ausnahme. Der neu entdeckte Ceratopier hatte kein Nasenhorn, dafür aber eine besonders hohe Nase, der er seinen Namen („großnasiges Horngesicht“) verdankt. Noch auffälliger aber waren seine beiden Stirnhörner – diese wuchsen nicht, wie bei anderen Ceratopiern, nach oben, sondern entsprangen zur Seite, um dann nach vorn weiterzuwachsen. Das Ergebnis waren zwei Hörner, die auffällig denen heutiger Rinder ähnelten.
Kein anderer bisher bekannter Ceratopier hatte auch nur annähernd eine ähnliche Hornkonfiguration.

Und sie rammten doch
Eine kleine, aber spektakuläre Gruppe der Dinosaurier waren die Pachycephalosaurier, zweibeinige Vettern der Ceratopier ohne Hörner, die sich durch ihre extrem dicken Schädel auszeichneten. Jahrzehntelang war es populär, diese Tiere dabei zu zeigen, wie sie mit Anlauf ihre Schädel gegeneinander rammten, um Weibchen zu beeindrucken, Reviere zu verteidigen oder dergleichen. In den 2000er verschwand das zunehmend, da Paläontologen meinten, die Wirbelsäulen der Tiere hätten das nie ausgehalten. Eine Untersuchung von Schädelverletzungen bei unterschiedlichen Arten zeigt aber, dass die Schädelkuppeln wahrscheinlich doch zum Rammen benutzt wurden.

T. rex: Überführt!
Eine der langanhaltendsten Debatten in der Dinosaurierforschung ist die, ob Tyrannosaurus rex ein aktiver Jäger war oder doch eher ein umherstreunender Aasfresser. Ich selbst habe T. rex in Staksigen Schrittes bei einem aktiven Angriff auf einen Edmontosaurus-Brutplatz dargestellt, ein klassisches Beutetier schon zu der Zeit, als diese Entenschnabelsaurier noch Trachodon genannt wurden. Für mich lag das immer nahe, denn wenn T. rex nicht jagte, wogegen haben sich die Ankylosaurier dann gepanzert?
In zwei Schwanzwirbeln eben dieses Tieres nun haben Forscher einen abgebrochenen Tyrannosaurierzahn gefunden. Das interessante daran ist, dass die Knochen um den Zahn ganz klar verheilt war und das über mehrere Jahre. Der Edmontosaurus hatte also den Angriff eines jagenden Tyrannosaurus überlebt.

Stichworte:

Paläo-Pfreitag 4 0 

Pterodaustros Magensteine

Pterodaustro, Bild: Nobu Tamura


Pterodaustro war ein aussergewöhnlicher kleiner Flugsaurier aus der frühen Kreidezeit. Mit dne langen Seizähnen im Unterkiefer filterte er ähnlich einem Bartenwal Kleintiere aus dem Wasser, um sie zu fressen. Im Grunde war er das kreidezeitliche Gegenstück zu den heutigen Flamingos.
Diese Ähnlichkeit geht sogar weiter als bisher vermutet: Pterodaustro schluckte zum Verdauen seiner Beute offenbar Steine. Magensteine sind von keinem anderen Flugsaurier bekannt und so wird Pterodaustro mit jedem Fund ein ungewöhnlicheres Mitglied dieser Tiergruppe.

Die Evolution des Myoglobins
Forscher aus Liverpool haben das Myoglobin tauchender Säugetiere untersucht. Myoglobin, ein Verwandter des bekannteren Hämoglobin, ist ein Protein, das der Sauerstofflagerung in den Muskeln dient. Dank hoher Konzentrationen davon können viele Wassersäuger wesentlich länger tauchen als die meisten Landtiere.
Bei ihren Untersuchungen fanden sie, dass das Myoglobin von Meeressäugern nur in Details von normalem Myoglobin abweicht, durch diese aber beginnt, sich gegenseitig abzustoßen, sodass es nicht verklumpt, wenn es in großer Konzentration vorkommt.
Dadurch können Meeressäuger wesentlich mehr Myoglobin in ihren Muskeln halten und somit auch besser Sauerstoff speichern als beispielsweise Menschen.
Ein schönes Beispiel, wie vergleichsweise kleine Veränderungen reichen, um einem Lebewesen völlig neue Fähigkeiten zu verleihen.

Bunostegos und die Evolution in der permschen Weltwüste

Bunostegos, Bild: Marc Boulay


Aus dem Niger blickt uns dieses freundliche neue Urreptil entgegen: Bunostegos war ein Pareiasaurier, ein kuhgroßer Pflanzenfresser aus der Zentralwüste des Urkontinents Pangäa.
Für Paläontologen ist er sehr interessant, da seine Existenz zeigt, dass die Tiere damals trotz eines gemeinsamen großen Kontinents immer noch voneinander isoliert waren, eine Voraussetzung für die Evolution einer neuen Art. Nicht Gebirge oder Meeresarme, die es damals kaum gab, trennten Bunostegos von seinen Verwandten, sondern das Wüstenklima des gewaltigen Kontinents hielt seinen Lebensraum separat vom tropischen Klima der Küsten.
So entwickelten sich die Reptilien der zentralen Wüsten und jene der Küstenwälder getrennt voneinander, obwohl es keine deutlich sichtbaren Barrieren zwischen ihnen gab.

Stichworte:

Paläo-Pfreitag 3 0 

Archäopteryx hatte was von einer Elster

Bild: University of Manchester


Die Suche nach Pigmenten in Dinosauriern geht jetzt schon ein paar Jahre. Der neueste Kandidat in der Reihe ist der bairische Urvogel Archäopteryx, dessen Gefieder Ähnlichkeit mit dem einer Elster gehabt zu haben scheint. Die Schwungfedern waren weiss mit schwarzen Spitzen.
Das ist eine wichtige Entdeckung: Schwarze Federn sind stabiler als weisse. Wenn die Spitzen der Schwungfedern schwarz waren, stärkt das die Annahme, dass Archäopteryx seine Flügel wirklich zum fliegen gebrauchte. Das ist bisher gar nicht mal so sicher, denn auch viele Dinosaurier, die definitiv nicht fliegen konnten, hatten Flügel und verwendeten sie wahrscheinlich als Schmuck in der Suche nach Sexualpartnern, ähnlich wie heute die Pfaue mit ihren Schleppen.
Bisher war nur die (zu Lebzeiten schwarze) Farbe einer einzelnen Feder bekannt, die keine Schwungfeder war.

Neuer Dinosaurier-Park in Deutschland
Uhhhh, ein neuer Dinosaurier-Park in Deutschland: Im Prähistorium in Schiffweiler bei Saarbrücken gibt es seit Anfang Mai animatronische Dinosaurier, bis hin zum 20 Meter langen Titanosaurus. Sollte es mich also je ins Saarland verschlagen, wisst ihr, wo ihr mich findet. Und nie wieder rausbekommt.

Ein Bild (nicht wirklich) aus Feuchten Fußes
Hmm, ich bin ziemlich sicher, ich konnte Bilder von deviantart mal per Code von der Seite einbinden. Na gut, dann muss dieser Link hier halt reichen.
Es ist einerseits absoluter Zufall, andererseits aber auch eine naheliegende Szene für dieses Tier: So sieht das (nach aktuellem Stand der Forschung) aus der Nähe aus, wenn die Ichthyostega sich auf einer Sandbank im Fluss sonnen, etwas, was im Kurzgeschichtenteil von Feuchten Fußes aus einiger Entfernung geschildert wird.

Buchtipp
Als Arthur Conan Doyle (ihr wisst schon, Sherlock Holmes und so) seinen abenteuerlustigen Wissenschaftler Professor Challenger in Die verlorene Welt zu den Dinosauriern auf einem vergessenen Hochplateau in Südamerika schickte, traf er auf die Dinosaurier, die man damals kannte – riesige Reptilien, dazwischen diverse andere ausgestorbene Riesentiere. Allein schon aufgrund ihrer Größe bedrohlich, aber im Grunde langsam und dumm.
William Meikle hat es geschafft, recht kompetent an die heutige Zeit angepasste neue Challenger-Abenteuer zu schreiben. Oder wenigstens einen, diesen hier: The Island of Terror bringt Challenger näher an die heutigen Dinosaurier und die heutigen Stars der mesozoischen Manege: Die guten alten Raptoren.
Doyles Original gibt es natürlich auch für Kindle, sogar kostenlos.
Und hier ist für die Cineasten noch die hervorragende Verfilmung von 1925:
[youtube QJaXxY3citM]

Paläo-Pfreitag 2 0 

Äffische Menschenfüße
Ameirkanische Forscher haben herausgefundenTM, dass der menschliche Fuß nicht so perfekt an das aufrechte Gehen angepasst und rigide ist, wie bisher gedacht.
Bei etwa 8% der Versuchsteilnehmer war der Fuß am Mittelfuß flexibel. Als normal gilt nur eine Flexibilität am Ballen und den Zehen. Bei den Affen dagegen ist der Mittelfuß flexibel, um besser klettern zu können. Auch wenn die Forscher aus Boston nicht sagen können (oder wollen), ob dies ein relikt aus evolutionärer Vorzeit oder eine neue Entwicklung ist, zeigt es doch sehr deutlich, dass der Mensch bei weitem noch nicht so perfekt gebaut ist, wie man immer meint.

Paläo-Krebs

Knochenkrebs beim Neandertaler

Tumorschaden in einer Neandertalerrippe (oben) (Credit: Janet Monge et al. Fibrous Dysplasia in a 120,000 Year Old Neandertal from Krapina, Croatia. PLoS ONE, 2013; 8 (6): e64539 DOI: 10.1371/journal.pone.0064539)


Und noch einen Mythos will ich hier zumindest etwas schwächen: Die Paläo-Diät. Die Paläo-Diät besteht auf dem Grundprinzip, dass wir alle gesünder seien, wenn wir uns so ernähren, wie der Urmensch. Welcher Urmensch, ist dabei nie wirklich klar, aber auf jeden Fall einer aus der Zeit, bevor Getreide erfunden wurde. Die Idee ist, dass diese Ernährung für unsere Gene besser seien, die sich laut Paläo-Diätler seit der Steinzeit nicht mehr weiterentwickelt hätten. Was relativ einfach durch die Fähigkeit vieler Menschen, Milch zu verdauen, zu widerlegen ist, aber nunja.
Eine damit in Verbindung stehende Behauptung ist die, dass Krebs (sowie Herzinfarkt, Allergien etc.) eine Zivilisationskrankheit sei, die erst durch die moderne Ernährung Verbreitung gefunden hätte. Das ist natürlich schwierig zu widerlegen, denn Krebs & Co. findet man nicht in Fossilien. Mit Ausnahme von Knochenkrebs.
Knochenkrebs kennt man schon länger von diversen Dinosauriern und jetzt auch vom Neandertaler. Und während der nächste lebende Verwandte des Tyrannosaurus rex das Grillhähnchen ist, sind Neandertaler etwas näher mit uns verwandt und zählen vor allem zur Gruppe der ominösen „Urmenschen“, die sowas ja angeblich nicht hatten.

Schönes Schaustück in Brasilien
Die Dinosaurier vertritt diesmal ein wunderschönes Skelette-Arrangement aus Brasilien mit einem Angaturama (ein Verwandter des Spinosaurus), der einen Flugsaurier (Anhanguera) im Maul trägt. Ich mag es, wenn Museen Tiere in einer solchen echten Lebenssituation zeigen, es gibt den Ausstellungsstücken irgendwie stärker das Gefühl, dass das mal echte, lebende Tiere waren.

Source: blogs.scientificamerican.com via Thomas on Pinterest

Paläo-Pfreitag 1 0 

Da ein Großteil meiner Bücher über das Leben in der Urzeit ist, dachte ich mir, es kann nicht schaden, eine Reihe zu diesem Thema auf meinem Blog zu starten. Schon weil alle Leser am Ende der Bücher auf genau dieses Blog hingewiesen werden. Also gibt es jetzt jeden Freitag einen Rückblick auf die (m.E.) interessantesten paläontologischen Nachrichten der Woche.
Freitag, weil ich keinen anderen Wochentag so schön falsch mit einem P schreiben kann.

Urzeitlicher Klimawandel und Krokodile

Bildquelle: Uni Zürich


Streng genommen kein Klimawandel, aber etwas ähnliches, denn das Ergebnis war auf jeden Fall eine Änderung der Wassertemperatur, die für die südamerikanischen Krokodile verheerend war. Forscher haben die Krokodile untersucht, die 5-7 Millionen Jahren im Flussdelta des damals in die Karibik mündenden Amazonas lebten. Als der Fluss im Laufe der Zeit nach Süden wanderte, wurde das Wasser im Delta kälter. Obwohl sich das reimt, war es für die Krokodile nicht gut und die meisten Arten starben schließlich aus.
Neu entdeckt haben die Forscher dabei die kurzmäulige Gattung Globidentosuchus mit ungewöhnlich runden Zähnen und eine bis zu 12 Meter lange Art aus der heute noch lebenden Gattung Crocodylus. Zwischen 7 und 14 Krokodile lebten damals nebeneinander in den warmen Gewässern.
Ein kleiner Temperaturwandel in den letzten paar Millionen Jahren trennt uns von einer Welt, in der in Südamerika 12 Meter lange Krokodile und Pelikankrokodile wie das Tierchen rechts im Bild leben.

Seltsame Urschildkröte

Eunotosaurus africanus (Smokeybjb / CC-BY-SA 3.0)


Eine der evolutionär rätselhafteren Tiergruppen sind die Schildkröten. Die wichtige Frage ist: Wie zum Geier ist dieser seltsame Knochenpanzer entstanden? Schildkröten sind die einzigen Wirbeltiere mit einem Körperpanzer, der aus Skelettknochen des Körpers besteht. Andere gepanzerte Wirbeltiere haben entweder separate Panzerknochen in der Haut oder Panzer aus Horn und/oder Leder. Nun gibt es mit Eunotosaurus ein Reptil, dass eine primitive Vorstufe des Schildkrötenpanzers besaß. Wozu es diesen allerdings benutzte, ist eine gute Frage.

Neuer Urvogel

Aurornis; Bild: Masato Hattori


Die schiere Anzahl neuer Urvögel aus China ist beachtlich. Hier ist wieder einer – Aurornis xui ist etwa 10 Millionen Jahre älter als der berühmte Archaeopteryx und hat einige interessante Merkmale. Vor allem fehlt ihm anscheinend die für Raptoren typische Sichelklaue, die alle anderen Urvögel besaßen. Aurornis übernimmt nach der Analyse der chinesischen Forscher den Titel des primitivsten bekannten Vogels.

Buchtipp
Mark P. Witton hat ein großes Buch mit allem wissenswerten über Flugsaurier in Arbeit. Normalerweise gebe ich keine Vorschusslorbeeren, aber was ich in der Vorschau gesehen habe ist hervorragend, umfangreich und auf dem allerneuesten Stand der Forschung.
Wittons Arbeit an Quetzalcoatlus war ein großer Teil der Grundlage für meine Darstellung dieser Tiere in Staksigen Schrittes. Wer also die Flugsaurier in diesem Buch interessant fand, dem kann ich Pterosaurs nur empfehlen.