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Das Mausolibrarium 0 

Die Nicht-Raute von Wickrathberg gibt mir Gelegenheit, mal etwas anzusprechen, was ich schon länger ansprechen und vor allem vorschlagen wollte. Aber zunächst etwas Vorgeschichte, sonst ist dieser Text nicht langweilig genug.

Gräber, ihre Funktion und die Kirche
Auch wenn mir als Atheist (bzw inzwischen eher Ignostiker oder Apatheist) gerne nachgesagt wird, mir sei nichts heilig, so halte ich doch den Letzten Willen und den Respekt davor für einen der wichtigsten Werte der menschlichen Zivilisation und das meine ich durchaus so hoch gehängt, wie ich es hier schreibe. Die Erinnerung an einen Menschen ist alles, was nach seinem Ableben von ihm bleibt und entsprechend sollte diese auch behandelt werden. Verblassen wird sie auch ohne unser Zutun früh genug.
Der Letzte Wille kann natürlich nicht uneingeschränkt gelten, aber so lange er niemanden unzumutbar beeinträchtigt und nicht zu irgendwelchen größeren Problemen führt, ist er zu gewähren. Damit steht er für mich auf einer Stufe mit den Menschenrechten. Das gilt übrigens nicht nur für die Grabgestaltung, sondern auch für andere Teile des Letzten Willens, die Existenz etwa von Pflichtanteilen am Erbe finde ich eine Unverschämtheit, da Entscheidungen über die Verteilung der Erbschaft allein dem Vererbenden zustehen und nur in Ermangelung eines rechtskräftigen Letzten Willens von anderen vorgenommen werden dürfen.
Nun versuchen immer wieder Gruppen, vor allem Religionsgemeinschaften, die Rechte der Toten durch eigene Maßgaben zu beschränken, wofür gerne Begriffe wie Pietät verwendet werden. Pietät ist ursprünglich einer dieser von sich aus inhaltslosen Begriffe, die je nach grade nützlichem Gebrauch mit Inhalt gefüllt werden, ähnlich Begriffen wie Bildung und Kultur (letztere als Kultur im engeren Sinne). Man kann Pietät in der modernen Verwendung aber als den Respekt gegenüber den Toten zusammenfassen.
Nun ist es nicht grade besonders respektvoll den Toten gegenüber, ihnen einfachste Wünsche zu verwehren. Klar kann man jetzt sagen, man kann ja auf einem anderen Friedhof bestattet werden, aber was, wenn jemand in seinem Heimatort beigesetzt werden möchte und dort nur ein konfessioneller Friedhof vorhanden ist?
Auch wenn ich auf Facebook vorgeschlagen habe, alle Friedhöfe städtisch zu machen, um das Problem zu lösen, ist das doch nur eine halbgare Lösung – religiöse Gruppen versuchen schon ewig und durchaus erfolgreich, auch auf die Regeln auf nicht-konfessionellen Friedhöfen Einfluss zu nehmen, zumeist werden sie gar als Experten geladen für wasauchimmer. Der Bevormundung durch die Religionen entkommt man so also nicht, die mischen sich wie so oft nämlich gerne auch in die Angelegenheiten jener ein, deren Angelegenheiten sie schlichtweg nichts angehen.

Das ist also die eine, m.E. naheliegende Forderung, die ich hier aufstellen will: Schmeisst die Religiösen aus den Friedhöfen raus. Sie können die Friedhöfe gerne nutzen und ihre eigenen Gräber gestalten, wie sie wollen, aber sie sollen endlich (wie in so vielen anderen Dingen) lernen, sich um ihren eigenen Kram zu kümmern und den Rest der Menschheit in Ruhe zu lassen.
Und insbesondere sollen sie endlich lernen, dass man Respekt nicht einfach einfordert. Respekt verdient man sich, die beste Art von Respekt verdient man sich aus Gegenseitigkeit. Bringt den Toten den Respekt entgegen, den ihr von den Hinterbliebenen fordert. Ihr Christen kennt das, ist eine Abwandlung der Goldenen Regel, wir Ungläubige nennen es den Kantschen Imperativ, aber das ist essenziell das selbe.

Die Idee: Das Mausolibrarium
Und hier ist der Grund, aus dem dieser Beitrag nicht in die in diesem Blog vorhandenen Kategorien passte. Und die größere Idee, die ich seit etwa zwei Jahren mit mir heurmtrage, für die es nun einen Anlass gibt.

Meine Prämisse ist die, dass Gräber der Erinnerung an die verstorbenen Personen dienen. Das war historisch nicht immer so, ursprünglich waren sie wohl dazu da, dass herumliegende Leichen keine Raubtiere anlockten, aber bereits seit der Zeit der Neanderthaler sind Gräber aufwendig in Gedenken an die Toten gestaltet und werden mit Grabbeigaben ausgestattet.
Nun ist es aber eine Tatsache, dass Gräber nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, diese Aufgabe zu erfüllen. Was ein Grab vom Toten bewahrt sind bestenfalls Spurenelemente und selbst das nur, wenn das Grab sehr durchdacht und in Kenntnis der beerdigten Person gestaltet wird. Die meisten Friedhofssatzungen machen diese Unpersönlichkeit des Grabes durch all zu enge Vorgaben in der Grabgestaltung nur noch schlimmer, alle Gräber sehen im Grunde gleich aus.
So manchem war das schmerzlich bewusst. Einige, die genug Geld und/oder Macht hatten, taten etwas dagegen.

Man kann nicht sagen, es hätte nicht funktioniert - Bild © 2006 Ricardo Liberato

Ja, ich will auf Mausoleen hinaus. Allerdings nicht ganz so groß und auch nicht ein Mausoleum für jeden, dann hätten wir sehr bald ganze Totenstädte und dafür ist auf der Erde schlichtweg kein Platz.

Die Tatsache ist, wer erinnert werden will, muss der Welt etwas hinterlassen. Nur die wenigsten schaffen das. Und noch weniger schaffen es, in dieser Erinnerung irgendwie eine Mitsprache zu haben. Doch die moderne Welt bietet jedem die Möglichkeit, etwas zu hinterlassen.
Ich spreche von einer Bibliothek der Toten.

Die Idee ist ein Kolumbarium, allerdings mit mehr Individualität für die Verstorbenen als jede andere Art der normalen Bestattung sie bietet. Jeder Verstorbene erhält dort einen Urnenplatz (hinter Panzerglas) und das Recht, ein zu Lebzeiten vorbereitetes Totenbuch präsentieren zu dürfen (oder auch mehrere). Wie viel Platz er dazu hat, hängt davon ab, wie die Möbel gebaut werden, sprich wie viele Urnen auf wie viel Regalfläche entfallen.
Der Zugang ist öffentlich, Bücher können bei Beschädigung durch eine hauseigene Druckerei aus digitalen Vorlagen ersetzt werden. Was in den Büchern steht, ist allein Sache der Verfasser. Beleidigendes, nicht jugendfreies oder sonstwie bedenkliches Material kommt in eine nichtöffentliche Abteilung, wo nur (gegebenenfalls Erwachsene) Angehörige Zugriff haben.
Verweigert werden können dem Toten in dieser Einrichtung nur physisch unmögliche oder unzumutbare Wünsche (Urnenbestattung etwa ist Pflicht, weil ganze Leichen zu viel Platz brauchen), Wünsche, die sich auf eine andere als die eigene Grabstätte beziehen und solche, die den Grund- und Menschenrechten widersprechen. Aber er kann so viele Rauten in und auf sein Buch drucken lassen, wie er will und wie auf den zur Verfügung stehenden Platz passen.

Das ganze Konzept könnte privat betrieben werden. Es könnte sich aus Beiträgen jener finanzieren, die dort in Zukunft bestattet werden wollen, sagen wir beispielsweise 10 € im Monat bis zum Tode, womit man das zeitlich unbegrenzte Recht auf ein dort angelegtes Grabregal erhält.
Nur zwei Dinge sind sicherzustellen: Dass kommerzielle Interessen nicht über den Interessen derer stehen, die dort bestattet wurden und dass die Einrichtung weltanschaulich-religiös neutral bleibt.

Was wir damit bekommen würden wäre eine Art von Grabstätte, die endlich allen die Möglichkeit bietet, mehr zu hinterlassen als nur einen Stein mit Namen und Lebensdaten. Und für die Besucher ein Fenster in Leben, Ideen und Ansichten derer, die vor ihnen gelebt haben, seien dies nun eigene Vorfahren oder Unbekannte, in deren Bücher man bei einem Besuch hineinstöbert.

Ein paar Hürden gibt es noch: Wie gesagt mischen sich die Kirchenleute ständig in Dinge ein, die sie nichts angehen, so auch in die Bestimmungen für nicht-kirchliche Bestattungen. Und auch sind privat betriebene Grabstätten in Deutschland vom Gesetzgeber nicht gern gesehen. Ob die Bestattung in einer solchen Einrichtung die Friedhofspflicht erfüllen kann, muss noch geklärt werden.
Oh, und natürlich die Tatsache, dass es für den Start einer Finanzierung und natürlich eines geeigneten Gebäudes bedarf, wobei letzteres ersteres voraussetzt. Mal sehen, als wie erfolgversprechend es sich in den nächsten Tagen erweist, so etwas anzustoßen. Oder ob jemand anders die Idee aufnimmt.

Kurz noch zum Begriff: Mauso- von Mausoleum, was heutzutage ein Oberbegriff für Grabgebäude ist und nicht mehr nur das Grab des Mausolos bezeichnet, weshalb ich diese Ausgliederung für machbar halte. Theoretisch wäre auch Nekrolibrarium denkbar, wenn Mauso- nicht auf Zustimmung trifft. -libr- von Latein liber für Buch, -arium ist der Lokativ zu -ārius, mit dem ich mich in diesem Blog schon einmal dezidiert beschäftigt habe und der für Örtlichkeiten das tut, was -ārius für Menschen tut.

Das Ende der politischen KW 0 

Die politische KW war lange Zeit meine wöchentliche Beitragsreihe zu meiner politischen Tätigkeit. Jeden Montag oder Dienstag gab es einen Bericht, was ich so getan habe. Naja, mehr oder weniger jede Woche, die Regelmäßigkeit war nicht so wirklich mein Ding. Aber heym Dabeisein ist alles.

Nun gibt es zwei Entwicklungen, wegen derer ich dieses Konzept nun aufgeben will.

Zum einen ist es ganz einfach so, dass ich nach dem 25. Mai wohl deutlich wneiger politisch tätig sein werde, einfach, weil ich wohl kein Ratsmitglied mehr bin. Ich bin zur Zeit auf Platz 10 der Liste und sofern die Grünen nicht mit Abstand das beste kommunale Ergebnis ihrer bisherigen Geschichte hinlegen, werden wir keine 10 Leute mehr sein. Ich würde damit nur wieder Ratsmitglied werden, wenn ich meinen Wahlkreis (08 – Speick, Westend, Altstadt Süd) gewinne, was in etwa genauso wahrscheinlich sein dürfte.
Natürlich bin ich auch danach noch aktiv, nur halt nicht mehr im gegenwärtigen Umfang. Die Welt verändern zu wollen scheint mir eine Art Grundimpuls zu sein und ich werde sicherlich nicht plötzlich damit aufhören. Nun hat sich allerdings klassische Politik zunehmend als ein relativ ineffizienter Weg der Weltverbesserung erwiesen, weshalb ich an anderen Optionen arbeite, die dann aber natürlich eben keine klassische Politik mehr sind. Schriftstellerei ist eine davon, insbesondere im politischsten aller Literaturgenres, der Science-Fiction. Aber auch der Politik werde ich ganz klar erhalten bleiben.
Es zeichnet sich im Moment einiges an Wegen ab, was ich nach der Ratszeit zwecks Weltveränderung mache, sowohl in der Politik als auch ausserhalb.
So oder so, das Material für die politische KW wird damit dünner.

Das andere ist ein Empfinden, das sich in letzter Zeit gestärkt hat: Die politische KW kommt zu spät.
Sie ist wöchentlich und somit eine lange Zeit nachdem die eigentlichen Entscheidungen gefallen, Diskussionen und Sitzungen gelaufen sind. Sie hinkt damit den Ereignissen und vor allem der Aktualität enorm hinterher.
Das war kein Problem, als ich politisch in kleinen Feldern von geringem öffentlichen Interesse gewerkelt habe. Dort gilt es keiner nur auszughaft und oft verfälschend berichtenden Presse zuvorzukommen oder kurzfristig auf diese zu reagieren. Und es gibt auch keine Ampel mehr, die Entscheidungen erheblich in die Länge zog, sie quasi aus der Dringlichkeit des sonst so hektischen politischen Betriebs herauslöste und diesen aufhob. Was übrigens durchaus nichts negatives sein muss, grade das starke gegenseitige Ausbremsen eines so seltsamen Bündnisses wie grünlibertär (die FDP ist meines Erachtens nicht liberal und die SPD lasse ich nur zur Betonung der Gegensätzlichkeit aus) hat oft dazu geführt, Entscheidungen sehr ausgereift zu fällen. Auch wenn diese Besonnenheit der Ergebnisse angesichts des Stresses und der Verwerfungen vor allem hinter den Kulissen teuer erkauft war, für die Stadt war sie nicht schlecht – und für die politische KW bot sie die nötige Ruhe, Dinge auch mit Vorlauf und zeitlichem Abstand besprechen zu können.
Nun ist dies vorbei und in letzter Zeit verspürte ich zunehmend den Drang, Themen zeitnah separat zu besprechen. Bislang hielt ich mich immer zurück, diese dann doch in die politische KW zu setzen, aber das ist nicht länger ein effizientes Vorgehen.

Und somit endet die politische KW als Reihe und als Konzept. An ihre Stelle wird eine zeitnähere Darstellung treten und eine größere Vielfalt von Ansätzen, was politische Arbeit eigentlich ist und wie sie funktioniert.
Das Blog bleibt aktiv. Ich hoffe vor allem, so aktiv, wie es seit Dezember wieder geworden ist. Mittwoch fängt das an, dann leite ich den Umweltausschuss und ich werde noch am selben Abend davon schreiben. Das ist dann die Art, wie dieses Blog in Zukunft in Bezug auf Politik funktionieren soll.
Ich bin gespannt, wie das in der Praxis angenommen wird. Zwar zähle ich meine Besucher nicht (ganz ehrlich: Wozu?), aber ich sehe ja, wie sich Kommentare und Rezeption der Seite entwickeln. Die Inhalte werden sich im Gleichschritt mit meinem (öffentlichem) Leben entwickeln. Was das heisst? Da bin ich selber gespannt.

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Wissenschaftsfeindlichkeit 0 

oder: Mein Problem mit Homöopathie & Co.

Es ist offenbar wieder zunehmend in Mode, Wissenschaft an sich abzulehnen. Nun war das nie ganz verschwunden, einzig um die Jahrhundertwende gab es eine große Bewegung, die Wissenschaft als große Kraft des Guten sah und davor liegen natürlich die langen Zeiten der Vorherrschaft religiöser Denkmodelle, bei denen irgendjemand mit genügend zugestandener Autorität oder Überzeugungskraft kurzerhand irgendeinen Blödsinn erdachte und alle es schluckten. Aber die Wissenschaftsfeindlichkeit scheint mir doch in den letzten Jahren deutlich erstarkt zu sein.

Unser Konflikt in Deutschland hat dabei eine spezifisch deutsche Prägung und lässt sich bis zu den Nazis zurückverfolgen, die mit ihrer Idee der „arischen Wissenschaft“ (nein, wirklich!) schon zu diesem Zeitpunkt obsoleten Schwachsinn wie Welteislehre, Physiognomik und Homöopathie wiederbelebten und die etablierte Wissenschaft als „jüdisch durchseucht“ ablehnten. Auch wenn ich erlebt habe, wie bei einer Aufführung von Der ewige Jude der halbe Saal lachend am Boden lag, als „der Relativitätsjude Albert Einstein“ vorgestellt wurde, die Nazis meinten das ernst.
Nun hatte das dutzendjährige Reich lange genug Bestand, damit sich einiges von diesem Blödsinn halten konnte. Neben viel Kleinkram waren dies auch einige Pseudowissenschaften, allen voran die Homöopathie.
Es ist diese Homöopathie, die den spezifisch deutschen Zungenschlag der Wissenschaftsfeindlichkeit begründet.

Dadurch liegt der Fokus auf der Medizin, anders als etwa in den USA,, wo er auf der Biologie liegt. Doch da dies Nachbarwissenschaften sind, wird die Unterscheidung bald diffus. Aber ich eile meinem eigenen Text voraus, also zurück zum Ansehen der Medizin im deutschsprachigen Raum.

Die Skepsis gegenüber der Medizin wurde im Laufe der Jahre immer stärker, da sich die Pharma-Industrie immer wieder mit gefälschten oder schöninterpretierten Studien blamierte. Da die Produkte der Pharma-Industrie medizinisch sind, wurde dieses Fehlverhalten der Konzerne der Medizin angekreidet. Die wahlweise als Labor-, Schul- oder Weisskittelmedizin titulierte Disziplin durfte plötzlich Skandale ausbaden, die gar nicht die ihren waren.
Dies nutzten die so genannten Alternativmediziner aus und erweiterten den Spalt des Misstrauens, indem sie so taten, als gäbe es eine Alternativmedizin. Und es ist genau dieser Punkt, an dem die Spirale der Wissenschaftsfeindlichkeit richtig einsetzt.

Medizin ist unbestreitbar eine wissenschaftliche Disziplin. Das bedeutet, sie setzt auf objektiv überprüfbare Feststellungen zum Erkenntnisgewinn. Anders als Religion und Pseudowissenschaft, wo jeder irgendeinen Scheiss behaupten kann solange er nur überzeugend wirkt, verlangt die Wissenschaft objektiv nachprüfbare Fakten, am besten in Form von nachstellbaren und somit überprüfbaren Experimenten.
Oder mit anderen Worten: Wissenschaft ist das bisher einzige Erkenntnissystem, das prinzipiell darauf ausgelegt ist, auf der objektiven Realität zu basieren und bei dem persönliche Autorität prinzipiell bedeutungslos ist, solange die Erkenntnis nachweisbar korrekt ist.
Klar, dieses Ideal wird nicht immer erreicht, aber das ist das menschliches Versagen, kein Fehler des Systems. Mehr noch: Solches Versagen oder gar Fälschungen aufzudecken, gelingt wiederum nur mit wissenschaftlichen Methoden.
Und deshalb ist es kein Fehl der Wissenschaft, wenn die fehlerhafte Untersuchung eines Pharmakonzerns aufgedeckt wird, waren es doch die Methoden wissenschaftlicher Untersuchung, durch die dieser Fehler überhaupt erst entdeckt werden konnte.

Doch das ist längst nicht allgemein klar und so werden die Vergehen der Pharma-Industrie der Medizin zugerechnet. Und dies wird dann als Grundlage der Behauptung genommen, die alternativen Methoden würden von „der Wissenschaft“ (gerne auch der Schulmedizin oder dem Establishment) unterdrückt.
Besser noch: Man fordert dann, mit den Pharmakonzernen gleichgestellt zu werden, da diese ja auch die Wirksamkeit einiger Mittel nicht oder nicht korrekt nachweisen könnten. Die Fehler anderer werden zur Grundlage der Forderung, nach Lust und Laune frei erfundenen Stuss zu erzählen.
Gesunder Menschenverstand müsste eigentlich zu dem Schluss kommen, bei zu vielen Pharmaskandalen die Standards etwa für die Überprüfung neuer Medikamente zu verschärfen. Die Alternativmediziner aber fordern das genaue Gegenteil, Freizügigkeit für Scharlatane aller Art. Womit Schlamperei und Betrug dann auch in der Wissenschaft selber zunehmend enttabuisiert werden. Man muss sich schon fragen, ob so mancher in diesen Bewegungen eigentlich weiss, was er da fordert.
Und wenn diese Bewegungen sich zunehmend durchsetzen können, leidet darunter entsprechend der Gesamtstandard der Medizin. Überprüfbarkeit weicht reiner Behauptung und damit sinkt die zuvor seit Jahrzehnten beständig gestiegene Qualität der medizinischen Versorgung.

Da nun die Medizin Hauptkampffeld der mitteleuropäischen Wissenschaftsfeindlichkeit geworden ist, bricht sich ausgerechnet auf diesem Gebiet unwissenschaftlicher Kram Bahn. Homöopathen und ähnliche Gruppen treten den aus der Politik berühmten Gang durch die Institutionen an und verankern dabei ihr unwissenschaftliches Gedankengut zunehmend im wissenschaftlichen Raum, wobei sie sich mit Immunisierungsstrategien und selektivem Lesen ihren Glauben erhalten, ähnlich wie dies auch bei Religionen der Fall ist. Und ist das pseudowissenschaftliche Weltbild einmal eingenistet, bildet es gleich einem Krebsgeschwür Metastasen. Impfgegner sind eine naheliegende Entwicklung, denn mit der Verdammung von Pharmaprodukten geht eine solche von Impfstoffen bald einher. Mit katastrophalen Folgen.
ich habe auch den Eindruck, dass sich grade Ärzte immer wieder durch Propagandamaterial obskurer Sekten hervortun.
Und von da an kommen wir bald zu allem anderen: Kreationisten, Klimaskeptiker, Anthroposophen, Es-gibt-kein-HIV-Spinner, Uri Geller; der Katalog ist endlos.

Das große Dilemma hierhinter ist, wieso es passieren kann: Ausserhalb der Universitäten lernt kaum jemand, was Wissenschaft eigentlich ist und wie sie funktioniert. Ja sicher, man lernt in Bio mit einem Mikroskop umgehen, aber Hypothesenbildung lernen oder Popper besprechen kommen im Unterricht nicht vor.
Daran allerdings sind neben den Lehrplänen auch manche Wissenschaftler schuld – wie genau soll ein Text wie dieser, der erklärungslos mit Fachbegriffen um sich wirft, irgendwem irgendetwas näher bringen?
Übrigens, die Einführung eines allgemeinen Wissenschaftsfaches könnte da tatsächlich helfen, wenn diese Chance genutzt wird, mehr über Wissenschaft an sich zu vermitteln. Die Schüler würden dadurch eine wesentlich bessere Fähigkeit erlangen, korrekte Wissenschaft von Bullshit zu unterscheiden, als dies bisher der Fall ist. Und die Fernsehsender würden nicht mehr so tun können, als wäre Galileo eine Wissenssendung.
Und so manche Debatte würde ganz anders laufen. Man stelle sich das mal vor: Eine Gesellschaft, die Fragen wie Gentechnik, Pränataldiagnostik, Stammzellenmedizin und anderes auf Basis echter Fähigkeit zu wissenschaftlicher Auseinandersetzung diskutiert statt auf Basis irgendwelcher Bauchgefühle und Pawlowscher Reflexe.

eInstürzende Altbauten: Wer profitiert vom eBook? 0 

Friedrich Forssmann hat im Suhrkamp-Blog eine lange Tirade gegen das eBook verfasst. Kann man machen.
Dass der Text recht einseitig ausgefallen ist, finde ich sogar nachvollziehbar: Als Buchgestalter und Typograph lebt er in einer Berufswelt, die im eBook bestenfalls marginale Daseinsberechtigung hat, denn beide Arbeiten widersprechen fundamental einem Grundvorteil des eBook, der flexiblen Anpassung an unterschiedliche Lesegeräte und Leserwünsche.

Ich möchte deswegen nicht auf die gesamte Tirade eingehen, sondern eine Rosine picken, um ein Thema anzusprechen, dass ich schon lange ansprechen wollte. Betrachtet es als Fortsetzung meines Textes zur Oberflächlichkeit des Bücherregals.

(…)wenn Sie nicht zum Beispiel zwischenzeitlich Ihren Amazon-»Account« gelöscht haben, weil Sie schlechte Arbeitsbedingungen schlecht finden und lebendige Innenstädte mögen (…)

Fettung von mir. Ja, ich picke mir das beiläufigste Argument des ganzen Textes raus, weil ich einen Aufhänger brauche, der zugleich gute Clickbait abgibt. Und es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt. Ha!

„eBooks zerstören die Innenstädte“ ist ein Argument, das zwei Probleme hat. Das einfacher zu benennende Problem ist, dass es die Rolle der Buchhändler im Gesamtensemble der Innenstädte maßlos überschätzt. Die zwei-drei Buchhändler pro Fußgängerzone sind weder die großen Umsatz- und Publikumsbringer der Innenstädte, noch ihre größte Attraktion. Manche Buchhandlung ist ein schönes Kleinod und ich mag sie, aber objektiv muss man konstatieren: Wirtschaftlich sind sie für die meisten Innenstädte unbedeutend.
Sorry, aber für die Innenstädte ist jedes H&M bedeutender als drei Buchläden.

Für das andere Problem muss man hinter die Symbolik der schönen Innenstadt blicken. Sie repräsentiert ja etwas, in der Regel wirtschaftliche Anziehungskraft und Einnahmen. Insbesondere Steuereinnahmen für die Städte.

Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema meines Beitrages, den Geldfluss des Papierbuchsystems gegenüber dem Selbstverlag mit eBooks:

Das bestehende Modell
Das Geschäftsmodell der Buchproduktion und des Vertriebes ist derzeit auf drei Ebenen organisiert: Verlagswesen, Druckereien und Buchhandel. Verlagsbuchhandlungen und -druckereien lasse ich hier der Einfachheit halber mal raus, obwohl sie meinen Punkt noch deutlicher machen würden.
Verlage und Druckereien sind in der Regel recht große Unternehmen. Druckereien sind in Industriegebieten, Verlage in Innenstädten angesiedelt. Diese Unternehmen haben eine gewisse Zentralisierung und sind fast durchweg in Großstädten oder Hauptstädten von Landkreisen zu finden.
Der Buchhandel ist etwas weiter verteilt, Buchhandlungen findet man – wenn auch durch Urbanisierung und Standortkonzentration mit abnehmender Tendenz – auch in den meisten Klein- und Mittelstädten. Viele gehören allerdings zu Ketten wie Bertelsmann, Thalia oder Weltbild, deren Hauptniederlassungen natürlich wieder in Großstädten sitzen.
Das Geld dieses Systems steckt also in den Großstädten. Da die größten Unternehmen dieser Branchen nur in den größten Städten oder deren direkter Peripherie angesiedelt sind (Vor allem in belrin, Köln und München, in den USA sogar praktisch komplett komplett in New York), erhalten diese einen überproportional hohen Anteil der positiven Auswirkungen der Anwesenheit eines Verlagsbetriebs (vulgo: Geld).
Der Versandhandel verschärft dieses Problem noch, indem er sich auf noch weniger Standorte konzentriert, er hat noch nicht mal mehr Filialen. Das heisst, Amazon ist mit dem Versand von Papierbüchern durchaus problematisch, allein: Um diese geht es hier ja nicht.

Es dürfte offensichtlich sein, dass die Verteilung volkswirtschaftlicher Auswirkungen um so ungerechter ist, je weniger Standorte daran teilhaben. Je weniger Standorte es gibt, desto größer der Kapitalfluss von ausserhalb in die verbleibenden Standorte und umso mehr Kapital sammelt sich an diesen Standorten an und geht an anderen Orten verloren.
Das ist das volkswirtschaftliche Grundproblem des Versandhandels. Hinzu kommt noch, dass die gesamte Branche auf prekäre Beschäftigung setzt – der Kapitalfluss vom Umland in die Standortgemeinden wird auf diesen Umweg quasi direkt in die Konzernkassen weitergeleitet, der sich seine Gewinne über die sozialen Leistungen für die unzureichend bezahlten Beschäftigten kurzerhand subventionieren lässt.
Solche Hartz4-Fabriken wie die Logistikzentren der großen Versandhändler existieren auf dieser Grundlage.
Deswegen sind diese Branchen ein wirtschaftliches Übel, selbst für die Gemeinden, in denen sie beheimatet sind.

Aber was passiert, wenn wir den Blick umwenden und den digitalen Wandel in der Buchbranche auf die selbe Weise betrachten?

Umfluss zu den Autoren
Mit dem eBook hat der Selbstverlag an Bedeutung gewonnen. Das bedeutet, dass kein Geld mehr an die Verlagsstandorte fließt. Es fließt Geld an die Anbieter der Verkaufsplattformen, aber der wichtige Punkt hier: Es fließt ein größerer Teil der Einnahmen aus den Buchverkäufen als je zuvor in Siedlungen und Dörfer. Plötzlich erhalten die Autoren einen bis zu zehnfach höheren Anteil an den Einnahmen ihrer Bücher.
Und Autoren wohnen mehr oder weniger zufällig über die Bundesrepublik verstreut: Hier einer in Düren, da einer in Neuss und ja, dank der höheren Bevölkerungszahl auch gut tausend in Berlin.
Selbst wenn dieses Geld keinen so hohen Betrag ergibt, dass das Finanzamt davon etwas sieht, ist es doch Geld, das ein Einwohner einnimmt und wahrscheinlich auch auf irgendeine Weise wieder ausgibt. Und so kommen die Einnahmen eines Autoren aus – sagen wir mal – Lüchow auch in Lüchow an, statt in Gütersloh zu versacken, wo Lüchow von seinem tollen Schreibtalent nichts hat.
Plötzlich muss ein Dorf keinen großen Verlag mehr im Ort haben, um am Geschäft mit der Literatur mitzuverdienen, es reicht, einen Autoren vorweisen zu können. Autoren gibt es etwa hundertmal so viele wie Buchhändler.
Klar, die bisherigen Profiteure, die Standorte der großen Verlage und Druckereien, verlieren dabei. Aber so ist das halt mit der Herstellung von Gerechtigkeit: Die vielen übervorteilten erhalten ihr Geld zu Lasten der wenigen, die zuvor die Vorteile hatten.

Eine kleine eBook-Utopie
Der große Schwachpunkt dessen ist natürlich die Festigung der eBook-Anbieter. Das Geld, das konzentriert wird, wird noch stärker konzentriert als bisher, auch wenn es relativ zum Gesamtmarkt weniger ist. Auch wenn ein größerer Teil des Geldes als zuvor direkt an die Autoren und damit in deren Heimatorte geht, geht doch noch einiges an einige wenige Standorte.
Das lässt sich eigentlich nur durch einen genossenschaftlichen eBook-Shop lösen: Ein Shop also, der den dort verkaufenden Autoren gemeinsam gehört und der zum Jahresabschluss seine Gewinne an die Autoren verteilt, wobei sich der Anteil an der Gewinnausschüttung am Anteil an der Gewinnerzielung orientiert.
Dann endlich wäre das Problem der Kapitalkonzentration auf einige wenige Standorte gelöst und das Geld gerecht dort verteilt, wo das Talent sitzt.
Und das ist die Chance des eBooks: Mit dem Papierbuch geht ein solches Modell nicht, da es eben der Buchläden, Verlage und Großhändler bedarf. Mit dem eBook fallen die meisten Instanzen der Machtkonzentration weg und es bleiben nur zwei: Autoren und Shop-Betreiber.
Ob so etwas in Deutschland möglich ist, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Aber es ist eine Utopie, für die man sich einsetzen kann.

Der wichtige Punkt aber: Das eBook bewirkt jetzt schon einen größeren volkswirtschaftlichen Gewinn für die bisher übervorteilten Standorte als es in Zeiten des Papierbuchs der Fall war. Und es hat das Potenzial, eine vollkommen gerechte Verteilung dieser Gelder zu erreichen, was das Papierbuch nie könnte.
Entsprechendes gilt übrigens auch für Youtube, Blip & Co. gegenüber dem Fernsehen und für zahlreiche andere Medienrevolutionen. Die Musikindustrie konnte sich erfolgreich gegen eine Umverteilung zu mehr Gerechtigkeit wehren, aber auch dort ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Politische KW 5/2014 0 

Donnerstag: Sonnenhausplatz
Am Donnerstag fand im Jugendzentrum Step eine von viel Presse begleitete Bürgerversammlung zum (meines Wissens namenlosen) Platz vor dem Sonnenhaus statt. Beim Namen wäre ich ja als Kontrast zum Konsumtempel für Thorstein-Veblen-Platz, in Bezug auf seine Begriffsprägung des Geltungskonsums, eines sinnlosen Konsums aus Habenwollen zur Prestigesteigerung in der Oberschicht. Allerdings kann den Mann in Deutschland wahrscheinlich niemand aussprechen. Aber zurück zum Thema.
Das Step war gut gefüllt und wie von mir schon vor zwei Wochen erhofft waren auch zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene dabei.
Die Veranstaltung hatte ihre Probleme. Den Einstieg machten mehrere Redner, die alle in feinstem und möglichst unverständlichen Planer- und Architektendeutsch leere Wortblasen von sich gaben. Ganz offensichtlich mangelte es an einer Idee, was man mit dem Platz machen wollte. Solche Ideen muss man nicht haben, es ist sogar ganz gut, wenn man mal ohne vorgefertigte Vorstellungen in eine Bürgerbeteiligung geht und somit noch vor der Planung den Bürgern ein offenes Ohr bietet. Nur, dann macht man eine ganz andere Veranstaltung.
Hätten die Verantwortlichen (zu denen zu diesem Zeitpunkt übrigens noch nicht die Politik gehörte) ein Veranstaltungskonzept umgesetzt, dass diese Offenheit als Stärke genutzt hätte, hätte die Veranstaltung Vorbildcharakter haben können, wie die Anwohner selbst ihren Platz gestalten. Hätte, hätte Fahrradkette (komisches Sprichwort übrigens).
Haben sie aber nicht. Stattdessen haben sie auf Biegen und Brechen eine Art Konzept zusammen- und schließlich vorgestellt. Was dann in den genannten Nullphrasen endete, aber auch in Widersprüchen: Ist es nun zum Beispiel relevant, ob der Hans-Jonas-Park offen bleibt oder dort ein Gebäude vor kommt, oder nicht? Die Bürger bejahten dies zum Glück und lehnten den Bau recht deutlich ab. Gar nicht nachvollziehbar war das Wehklagen einiger Architekten ausserhalb der Veranstaltung, die Wettbewerbsausschreibung für die Platzgestaltung mache zu viele die Kreativität einschränkende Vorgaben.
Nach dem Trauerspiel der Vorträge und dazugehöriger Fragerunde kam es dann doch noch zu echter Bürgerbeteiligung: Die Bürger durften ihre Wünsche und Vorstellungen an Pinnwände pappen, wo sie dann gesammelt und später ausgewertet werden sollten. Auch sollten die Ergebnisse online präsentiert werden und ich hoffe sehr, dass dies vollständig geschieht und nicht wieder von der Verwaltung vorgefiltert, wie wir es zuletzt zu meiner Verärgerung bei den Bürgervorschlägen zum Haushalt erleben durften, die ich deswegen bis heute nicht kenne.
Jedenfalls war das Ergebnis der Wandbestückung ganz nach meinem Geschmack: Öfter fiel das Wort Konsumkritik, was neben der hier starken alternativen Szene wohl auch den ständigen Belästigungen durch den Bau des mfi-Konsumtempels auf der Gegenseite der Hindenburgstraße zu verdanken ist. Wichtiger war die recht große Einigkeit in der Platznutzung: Ein Platz zum Ausruhen, Hinsetzen und abhängen sollte es sein, ein offener Platz, der die Funktion der verlorenen Theatertreppen übernimmt. Als amüsante Randnotiz möchte ich noch vermerken, dass es gleich einen ganzen Stapel Zettel gab, in denen eine Skateboardanlage gefordert wurde. Bei der Hanglage des Platzes gar keine schlechte Idee, aber dann bleibt wohl nicht viel Platz zum Ruhen übrig. Ich wusste gar nicht, dass Skateboards zur Zeit ein Revival haben.

PS: Gleichzeitig fanden auch ein Treffen des Aktionsbündnisses Verkehrswende und eine Vorbereitung des Bündnisses „Aufstehen – Bündnis für Menschenwürde gegen Rechtsextremismus“ für die Gegengegendemonstration zum gleichzeitigen Auftreten von Salafisten und Rechtsextremen auf dem Alten Markt am Samstag, 8. Februar, statt. Beides ist sehr schade, aber manchmal ist es halt leider einfach so.

Freitag: Neujahrsempfänge
Gleich zwei Neujahrsempfänge haben sich am Freitag, den 31. Januar, mit Ach und Krach noch in den ersten Monat des Jahres gequetscht. Und damit auf den Geburtstag meines Vaters, wodurch mir eine spendierte Pizza entgangen ist. Gegen sowas muss es doch Gesetze geben.
Nun gut. Die Neujahrsempfänge waren (in chronologischer Reihenfolge) bei den Linken und den Grünen. Das sind üblicherweise eher Präsenztermien mit wenig Inhalt, aber dennoch fand ich dort bemerkenswertes, insbesondere den Kontrast der großen Reden.
Bei den Grünen gab es das übliche „Wir sind toll“ gepaart mit „Und das war 2013“. Kann man machen, nur wenn das gleich zwei Redner hintereinander machen, wird das unglaublich langweilig. Nun kommt für mich natürlich erschwerend hinzu, dass mir das alles bekannt war, ich war ja dabei und die Reden somit ohnehin nicht für mich gedacht.
Möglicherweise waren sie auch einfach nur zu lang, eine Gefahr, in die wörtlich ausgeschriebene Reden häufig tappen, einfach weil sie auf Papier wesentlich kürzer aussehen als sie sind, wenn man sie dann vorliest.

Mir wäre das wahrscheinlich nicht so stark aufgestoßen, wäre ich nicht vorher bei der Linken gewesen, bei der die Rede ganz anders aufgebaut war.
Obwohl man thematisch ebenso altbekanntes abspulte – in diesem Fall „Situation X und Entwicklung Y sind scheiss“, wurde es dort vermieden, dass einer allein die ganze Zeit durchredete und statt dessen waren immer wieder Vorträge von Gästen aus Gruppen, Initiativen und Vereinen eingebunden.
Das brach jegliche Monotonie auf und sollte doch mal ein Teil langweilig werden, war er relativ schnell vorbei. Wäre mal ein gutes Konzept auch für uns Grüne. Auch wenn bei uns etwa dreimal so viele Leute waren wie bei den Linken, so schlimm wird es also nicht gewesen sein.

Termine, zu denen es nix zu erzählen gibt:
Montag Fraktionssitzung

Produktiv 2014-01 0 

Ja, ich hab tatsächlich einen Vorsatz für 2014 gefasst.
Ich war mit meiner Produktivität in der Fertigstellung eigener Bücher sehr unzufrieden. 2013 habe ich nur ein neues Buch veröffentlicht – Staksigen Schrittes. Dazu kam eine erweiterte Auflage des Vorgängerbandes in der Reihe Meilensteine der Evolution, Feuchten Fußes. Die Serie sollte eigentlich schon abgeschlossen sein und ein Sammelband auf Papier 2014 erscheinen.
Jeden Monat des Jahres 2014 will ich daher eine neue Methode zur Produktivitätssteigerung umsetzen. Jede Maßnahme soll dabei dazu führen, dass ich schneller vorankomme, wobei hier nur Texte für Bücher zählt. Was nicht zählt, sind zum Beispiel Texte, für die ich über einen Auftrag direkt bezahlt werde, die Tweets unter eBooks für lau oder die Arbeit an Neuausgaben vergriffener gemeinfreier Werke.

Der erste Schritt hierbei ist die Einführung eines täglichen Planziels. Und damit ich dieses auch wirklich einhalte und nicht ständig auf den nächsten tag verschiebe, ist das damit verbunden, ein Diagramm anzulegen, das sofort aktualisiert wird, spätestens am Ende des jeweiligen Tages.
Hier ist das Diagramm für den Januar, Vorgabe waren 500 Wörter pro Tag (blaue Balken):

Dieser Plan ist für mich ziemlich gut geeignet, da ich in eine Art Wettrennen gegen den Vorgabebalken eintrete – jepp, es ist eine Art Gamification durch Einführung von Sieg- und Verlustbedingungen. Und als jemand, der etwa seit der Wende Videospiele spielt, spricht das meine antrainierten Instinkte in Bezug auf Wettbewerb an.

500 Wörter sind ein niedriges Ziel, das schreibe ich in etwa einer halben Stunde. Dennoch konnte ich allein durch diesen Plan die sieben übrigen Bände der Meilensteine der Evolution alle zur Hälfte fertigstellen und noch einige Stücke anderer Bücher schreiben. Ich werde, wenn ich das so aufrecht erhalten kann, problemlos zehn Bücher im ersten Halbjahr 2014 fertigstellen können.
Aber es kommen ja weitere Maßnahmen dazu, denn wie gesagt: Jeden Monat dieses Jahres werde ich eine weitere Maßnahme zur Steigerung meiner Produktivität einführen. Also habe ich die Vorgabe für Februar bereits auf 600 Wörter pro Tag erhöht. Die 500 haben ja schon ziemlich gut funktioniert, von kleinen Einbrüchen (auffälligerweise regelmäßig Samstage,, wobei einer davon mein Geburtstag war) abgesehen. Im Laufe des Jahres will ich die Vorgabe auf 1000 Wörter erhöhen.

Interessant an dem ganzen Versuch ist, dass die Produktivitätssteigerung über das Bücherschreiben hinaus ausstrahlt – ich habe in der letzten Zeit auch mehr Antragsentwürfe verfasst, bin besser mit meinem Maileingang zurechtgekommen und arbeite Auftragsarbeiten schneller ab.
Das Geheimnis zur Produktivität scheint vor allem zu sein, einen Schwung zu erhalten, der sich dann weiterträgt.

Schauen wir mal, wie das nächsten Monat weiterläuft.

MicroSF 0 

Ich bin schon seit langem der Überzeugung, dass eine Geschichte genau so lang sein sollte, wie ihr Verfasser braucht, um sie zu erzählen. Von vornherein ihre Länge zu planen, um festzulegen, ob sie eine Novelle, ein Roman oder eine Serie werden soll, halte ich für albern. Eine Geschichte endet, wenn sie fertig ist, es sei denn, das Ergebnis passt nicht mehr zwischen zwei Buchdeckel.

Eine von nur zwei Ausnahmen sind klassische Kurzgeschichten jener Art, wie Edgar Alan Poe sie eingeführt hat: Geschichten um eine sehr zentrale Handlung, die auf eine Art dramatische Pointe hinauslaufen. Allerdings können diese wiederum beliebig lang sein, ihr Stil sorgt automatisch für die Kürze. Kurzgeschichten, echte Kurzgeschichten, sind selten geworden, meist handelt es sich um halbe Romane, die zwar kurz sind, aber keine typischen Elemente der Kurzgeschichte haben.

Die zweite Ausnahme ist interessanter: Unter dem Begriff Twitteratur und zuvor als Microfiction ist eine Form aufgetaucht, die mit strikter Zeichenbegrenzung gewisse Strukturen erzwingt: Andeutungen, Geschlossenheit, kein Schnickschnack.
Es ist das einzige, was in meinen Augen eine Längenbegrenzung rechtfertigen kann, wenn sie Folgen für die Geschichte selber hat, sich also auch in der Art niederschlägt, wie eine Geschichte erzählt wird.
Dass ich Twitteratur dennoch ungern lese liegt daran, dass sie meist weniger eine Geschichte ist als vielmehr ein 140-Zeilen-Ausschnitt aus einer solchen.
Nun hat die Nature einen Wettbewerb für Micro-SF ausgeschrieben, Zeichenlimit: 200 Zeichen (mit Leer- und Satzzeichen). Gut, dachte ich mir, daraus lässt sich was bauen und nahm die Herausforderung an.

Da ich den eingereichten Beitrag gemäß der Wettbewerbsvorgaben nicht vor Abschluss der Auswahl veröffentlichen kann, veröffentliche ich hiermit die nicht eingereichten Beiträge. Natürlich in Englisch, da dies auch die Sprache des Wettbewerbs war:

He looked down the halls full of people with broken legs. The hospital had a whole scetion now for people forgetting earth had gravity. Stupid tourists.

„So, why are we supposed to land?“ Martha was right, Sandy knew. After centuries in space, what did the colonists want with a planet anyway? They’d proven they could live without one.

Like every year, the Tachitirr government would like to remind tourists to Earth that humans are mortal. Killing any is considered extremely rude.

First thing the humans did on first contact was a handwave. Impressed by their braveness, Gleurg accepted this invitation to war. Disappointingly, warfare lasted all of five minutes.

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Politische KW 4/2014 1 

Mittwoch 1: Wetscheweller Straße, Odenkirchen
Am Dienstag erreichte uns ein Anruf einer Anwohnerin aus Odenkirchen, dort würde eine alte Hecke abgesägt. Ich sprach mit der Frau und sah mir die Situation daraufhin mit eigenen Augen an.
In der Tat wurde dort eine dichte und breite Hecke teilweise völlig entfernt. Dabei fielen auch einige vermutlich recht große Kirschen. Ich sage vermutlich, weil ich nur noch die offensichtlich frischen Stümpfe der geschlagenen Bäume sah.
Auch wenn die Hecke an der Wetscheweller Straße als nichts besonderes erscheinen mag, hat sie doch eine wichtige Funktion. Sie liegt zwischen dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofes und der niedriger liegenden Straße. Der Bahnhof ist schon lange abgerissen, doch führen hier Schienen mit dem entsprechenden Lärm durch. Ohne die Bahnhofsgebäude war die Hecke praktisch der einzige Schutz vor dem Lärm der Eisenbahn.
Warum hier überhaupt gefällt wurde, ist mir nicht ersichtlich: Angeblich wegen Überhanges, doch das rechtfertigt keinen Komplettrückschnitt. Der ist auch eher konterproduktiv, da er schnell in die Lücken wachsende Sträucher wie Brombeeren fördert. Schattenwurf kann es auch schlecht sein, da sich die Hecke nördlich der Häuser befindet.
Freuen wird das ganze wohl nur die (von den Anwohnern natürlich unerwünschten) Massen an Lkw, die hier täglich durchfahren, um zwei Ampeln entlang der Karlstraße auf dem Weg zur Autobahn zu umgehen. Nur dass das in einer Anliegerstraße wohl kaum zu den Dingen gehört, die man fördern sollte.
Für uns ist klar: Wir werden uns um eine Ersatzpflanzung bemühen. Und wo wir schon dabei sind suchen wir jetzt auch nach einer Lösung für die Vermeidung des unerwünschten Lkw-Verkehrs. Wir haben da schon was im Auge.

Mittwoch 2: Kuba olé!
Kein richtig politischer Termin, für mich eher als Recherche für ein Buchprojekt verbucht, war ich dann noch bei einer Filmvorführung im Büro der Linken. Aber ich will die Gelegenheit nutzen, in diesem Rahmen auf diesen Film hinzuweisen. Es ist ein Film, den man meines Erachtens gesehen haben sollte, wenn man sich mit dem Thema Peak Oil und der Zeit danach beschäftigt. Und als mit jetzt Anfang 30 bin ich recht sicher, mich noch in meiner Lebenszeit mit diesen Themen beschäftigen zu müssen. Hier isser:

Ich habe leider keine Ahnung, wie man für den Film bezahlen kann, vermute aber, dass er auf dieser DVDamazon dabei ist, was ein Ansatz ist. Die sieht eh interessant aus.
Es gab danach noch eine Gesprächsrunde, aber ich hatte aus dem, was vor dem Film gesagt wurde so ein Gefühl, da dürfte ich mir dann anhören, wie toll es in Kuba ist und das brauche ich nun auch nicht. Es ist so ein Problem vieler politischer Gruppen, auch der Linken, dass alles, was sich vom schlechten unterscheidet schnell als Gut verbucht wird. Also eben zum Beispiel die recht seltsame, gern unter dem Deckmäntelchen des Sozialismus agierenden Castro-Monarchie. Man kennt das ja auch bei uns Grünen in Bezug auf den ganzen Schwachsinn, der sich mit dem Label „Alternativmedizin“ vermarktet.

Freitag: Süchtelner und Klumpenstraße, Neuwerk
Mal eine neue Art von Veranstaltung: Am Freitag fuhr ich zu der Pressekonferenz zur Vorstellung des Gutachtens über Arsen, Antimon und Blei in der Süchtelner und Klumpenstraße. Dies weil ich es als sinnvoll erachtete, bei diesem brandheissen Thema nicht nur das Gutachten zu lesen, sondern auch dessen mündlicher Präsentation beizuwohnen.
Das Gutachten liest sich absolut beunruhigend, insbesondere für das Grundwasser, wenn das Zeug länger im Boden bleibt. Die Stadt hat zum Glück den einzig richtigen Schluss gezogen und wird noch im ersten Halbjahr für die Entfernung sorgen.
Interessant ist dabei die zeitliche Abfolge einiger Ereignisse. Es stellt sich mir angesichts der vorherigen Beschwichtigungen durchaus die Frage, ob die Stadt diese Entscheidung ohne Grünen Anschubser mit dem nötigen Zeitdruck getroffen hätte.

Daneben hatte ich auch einen Mailwechsel mit Karl Sasserath zur Durchsetzung des Lkw-Fahrverbotes an der Aachener Straße, der in dieser PE resultierte.

Termine, zu denen es nix zu erzählen gibt:
Montag Fraktionssitzung

Politische KW 3/2014 2 

Und damit willkommen zurück aus der Winterpause, ich. Winterpause ist, wenn man vor lauter Terminmangel endlich mal dazu kommt, was zu tun. Aber jetzt geht’s wieder an den Terminkram.

Montag: Fraktionssitzung
Eine sehr kurze Sitzung (bedingt durch die Nähe zur Winterpause), aber ich habe mal mit Anträgen angefangen. Zur Zeit sind für den Umweltausschuss vier Anträge in Arbeit; drei zum Fahrradverkehr und einer zum Baumschutz.
Ich würde mehr sagen, habe aber die Erfahrung gemacht, dass gewisse Parteien dazu neigen, dann kurzerhand abzuschreiben und es als ihre Idee zu verkaufen. „Gewiss“ bedeutet hier soviel wie „jene mit mehr als 10 Ratsmitgliedern“.
Sorry, Politik macht halt in gewisser Weise paranoid vorsichtig.

Dienstag: Vorstellung Roermonder Höfe/Bleichwiese
Die Roermonder Höfe sind ein Bauprojekt eines Roermonder Investoren an der Lüpertzender Straße. Aktuell findet sich dort die Bleichwiese, im Grunde ein großer Teich mit Strandbar. Eine der schöneren und überraschenderen Attraktionen der Stadt. Ich hoffe sehr, diese findet eine neue Heimat. Der Geroweiher ist hier im Gespräch, ich fände auch einen Ort in der immer noch hirngespinsternden „City Ost<“, sprich auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes, gut. Zu der merkwürdigen Rolle der Masterplaner und einigen anderen Auffälligkeiten hat schon die MG Heute etwas geschrieben. Das hatte ich ja bereits in Bezug auf den Verkehrsentwicklungsplan angesprochen, für den Masterplan gilt entsprechendes zuzüglich undurchsichtiger Personenstrukturen (was der Rheinländer gemeinhin Klüngel nennt). Ich denke, wir werden das in Zukunft öfter sehen, dass die Masterplaner versuchen, die lästige Politik auszuschalten.
Für die allgemeinen Inhalte der Vorstellung verweise ich zu Torben Schultz.

Nein, den Aspekt, den ich bei diesem Thema herausarbeiten möchte ist die Herangehensweise des Architekten Dr. Schrammen an Bauprojekte. Und ich meine hier nicht die langweiligen Fassaden, diese scheinen allgemein moderner Architektur zu eigen. Ich vermute, glatte weisse oder gläserne Fassaden haben sich vor allem deswegen durchgesetzt, weil sie den Bau der dazugehörigen Modelle und die Zeichnung der Pläne so schön simpel machen.
Nein, mir geht es um die Frage der Einbindung von Objekten in ihre Umgebung. Die, so hat es den Anschein, geht Schrammen mit respektvollem Abstand am Musculus gluteus maximus vorbei.
Bei den Roermonder Höfen hätten wir: Ersatzlose Abschaffung eines relativ stark genutzten öffentlichen Parkplatzes. Abschaffung eines großen und stark genutzten Spielplatzes, zu dem erst auf der Sitzung sehr zaghaft und nach mehrfacher Kritik Ersatz zugesagt wurde. Vollkommene Ahnungslosigkeit, was man mit der unübersehbaren Brücke über die Fliethstraße machen soll (das allein wäre für mich als Bauherrn Grund genug, den Architekten wegen Unfähigkeit zu feuern). Vollkommene Ahnungslosigkeit zu den aktuell genutzten Laufwegen: Es gibt zwar eine Schneise zwischen den Gebäuden, diese bildet aber einen Weg, den niemand geht und den zu nutzen schlichtweg keinerlei Sinn ergibt, wenn man nicht grade von der Musikschule zu einem leer stehenden Karatedojo gehen will. Ignoranz der Ansicht von den direkt benachbarten Gebäuden aus und umgekehrt, insbesondere in Hinblick auf die Rückseiten der Straße Am Kämpchen.
Schrammen wurde mit der fortlaufenden Kritik immer kleinlauter und zog sich schließlich darauf zurück, beispielsweise öffentliche Parkplätze seien nicht seine Zuständigkeit.
Und das ist genau der Punkt: Schrammen baut. Für ihn existiert nur die Welt innerhalb der Grundstücksgrenzen des aktuellen Projekts. Ihn interessiert nicht, welche Folgen sein Bauvorhaben für die Umgebung hat, ob er eben beispielsweise eine vollkommene Parkplatzkatastrophe in der näheren Umgebung auslöst. Dinge, die ja auch für die Bewohner der dereinst fertiggestellten Projektes Folgen haben werden.
Das erlebe ich nicht zum ersten Mal. An der Aktienstraße haben wir genau das selbe Problem. Seit der Ansiedlung von Nordrhein-Westfalens größer Krankenpflegeschule im ehemaligen Kamillianerkrankenhaus ist hier bis Schulschluss kein einziger Parkplatz mehr frei, meistens sogar mehr als das. Und die meisten kommen schon in Fahrgemeinschaften. Schon dort wurde dies im Vorfeld von den Anwohnern vorhergesagt.
Schrammen kann nicht über den Tellerrand denken. Das macht ihn nicht nur zu einem für Großprojekte ungeeigneten Architekten (immerhin, für Einfamilienhäuser braucht man diese Fähigkeit in der Regel nicht), es macht ihn auch zu einem Problem für jeden Versuch, vernünftige Stadtentwicklung zu planen.

Die Bürger reagierten entsprechend, es hagelte Kritik an Größe der Gebäude und mangelnder Berücksichtigung der umliegenden Wege.

Es scheint übrigens eine völlig andere Parallelveranstaltung zu dem Thema gegeben zu haben, auf der die RP war und von der ich nichts weiss.

Donnerstag: Transition Town
Kein politischer Arbeitstermin, aber es war auch Klimaschutzmanager Antti Olbrisch (die zwei t sind kein Tippfehler sondern finnisch) dort und es verfestigt sich zunehmend mein Eindruck, dass der gerne mehr tun würde, aber nicht darf.
Dies als Randnotiz, auch da es bisher nur ein sich zunehmend verfestigender Eindruck ist.

Freitag: Grüne Jugend MG
Ein Thema, das wir bei der Grünen Jugend besprochen haben ist die Frage nach Plätzen für Jugendliche in MG bzw nach dem Mangel dieser. Hier kamen wir aus aktuellem Anlass auf den so genannten Sonnenplatz, also den Platz an der Stepgesstraße, auf dem jetzt das Vis-a-vis steht.
Als der Bau der Mönchengladbach Arcaden begonnen wurde, hat man unter anderem die Treppe des ehemaligen Stadttheaters abgerissen, die den Theatervorplatz geprägt hat und ein wichtiger Treff- und Abhängort für diverse Jugendliche (vor allem Punks, Goths, Emos und ähnliche Szenen) war. Die sind mit dem Abriss teils komplett verscheucht worden, teils auf den Bereich des Step und des Hans-Jonas-Parks ausgewichen. Wir wollen den Platz diesen Leuten zurückgeben.
Die Idee ist zu sagen, dass für diesen Platz möglichst stark die Wünsche der Jugendlichen berücksichtigt werden sollen. Dafür müssen die sich natürlich einbringen. Wir wollen deshalb so weit es geht mit Leuten aus den Szenen reden, um diese zur Vorstellung der Konzepte für den Platz am 30. Januar zu holen.
Also: 30. Januar, 18:00 Uhr, Stepgesstraße 20. Hopp, hopp.

Wir sind dran und von den Linken hab ich auch schon ein paar angestupst.

Arbeitslosenzentrum
Eine Art Nachtrag, ich hatte das gar nicht mitbekommen, was Heinen da wieder erzählt hat. Zum einen, weil der Mann eh nicht ernstzunehmen ist, zum anderen, weil es die BZMG ebensowenig ist und ich diese sowie ihre Kommentarbereiche nur noch sporadisch lese.
Jedenfalls gab es wohl Korruptionsvorwürfe gegen Karl Sasserath in seiner Funktion beim Arbeitslosenzentrum.
Ich finde das alles extrem seltsam und kann bestätigen, dass das keinerlei Basis in der Realität hat: Karl nimmt Fragen der Befangenheit grundsätzlich sehr ernst und wenn er in einer Fraktionssitzung zu einem Thema spricht, dass das Arbeitslosenzentrum betrifft, so merkt er diese Verbindung jedesmal ausdrücklich als Einschränkung der Unparteiischkeit seiner Äusserung an.
Und anders als so manche andere Fraktion nicken wir auch nicht einfach ab, was der Große Vorsitzende will, sondern wenn Leute der übrigen Fraktion anderer Meinung sind, dann wird das diskutiert. Manchmal stundenlang. Das ist der Grund, warum unsere Fraktionssitzungen manchmal bis tief in die Nacht dauern. Und genug Leute haben kein Problem, wenn es deswegen mal Stunk gibt, bei Grünens sagen die Mitglieder ihre Meinung und stimmen auch entsprechend ab.
Beim ALZ gab es nach meiner Erinnerung keinen, der die Zusammenarbeit der Stadt mit dieser Einrichtung für problematisch gehalten hätte. Ich wage daher zu behaupten, dass die Entscheidung ohne Karl in keinster Weise anders ausgefallen wäre.

Lobbyismus 1 

Es ist mal wieder so weit, Lobbyismus ist in aller Mund und Ohr. Aktuell geht es um die (meiner Meinung nach offensichtlich neoliberale) Bertelsmann-Stiftung. Da aber Fakten keine Fakten zu sein scheinen, solange niemand ein Buch darüber geschrieben hat, merken einige das erst jetzt. Und da mal wieder das Böse L-Wort gefallen ist, nehme ich das zum Anlass, mal grundsätzlich zum Lobbyismus-Begriff zu schreiben.

Zunächst bleibt da bei aller Reizwort-Werferei die Frage: Was ist Lobbyismus eigentlich? Also, ausser Böse.
Gemein scheint allen Erwähnungen zu sein, dass Lobbyismus der Versuch ausserparlamentarischer Kräfte (vor allem Firmen und Verbände) ist, Einfluss auf die Politik zu nehmen. *flamewarschildehochfahr* Oder mit anderen Worten, Lobbyismus ist gelebte Demokratie.
Ja, das ist das inhaltliche Problem hier: Lobbyismus ist eine der Grundpfeiler der Demokratie. Wir vergessen bei allen Beschwerden über BMW, Microsoft, ADAC, Bertelsmann und wie die Lobbyisten alle heissen mögen, dass auch NABU, Greenpeace, das Rote Kreuz, Mehr Demokratie und andere eine Lobby für jeweils bestimmte Themen und Überzeugungen sind.

Die Sache ist die: Wenn wir Lobby sagen, meinen wir meist eigentlich einen Korruptionsvorwurf. Da der möglicherweise justiziabel wäre, sagen wir Lobby. Vor allem bei Wirtschaftslobbys kommt die Vermutung des Eigennutzes dazu und dürfte Teil der Definition sein.
Das Problem hierbei ist, dass wir ein und die selbe Sache plötzlich mit zwei Begriffen versehen, die beide mehr oder wenig beliebig zugeordnet werden können. Wir kommen an den Punkt, dass Lobbyismus die anderen sind und jene, welche den eigenen politischen Überzeugungen genehm sind den Stempel „Nichtregierungsorganisation“ (NGO) bekommen, eine inhaltlich beeindruckend nichtkonkretisierbare Komposition.

Wahrscheinlich wäre einiges gewonnen, wenn sich alle klar machen: Ob Politiker oder nicht, jeder vertritt irgendwelche Ziele, für die er steht. Ob dies nun wirtschaftliche Interessen oder politische Überzeugungen (oder sonst etwas) sind, ist dabei wurscht. Das ist eine Grundkomponente von Politik. Das ist der Grund, warum Parlamente aus mehr als einer Person bestehen, damit sich die unterschiedlichen Überzeugungen und Ziele zum Wohle aller ausgleichen. Lobbyismus ist kein Fehler des Systems, Lobbyismus ist das System.
Ein Problem wird das erst dann, wenn einzelne Lobbygruppen die Wähler und Entscheidungsträger mit ihrer Meinung übermäßig stark beeinflussen können. Wenn die Presse über fünf Ecken vollständig mit einem Duo wie Mohn/Springer verknüpft ist.
Oder kurz gesagt: Wer Lobbyismus bekämpft, kämpft ganz einfach gegen die falsche Sache. Weil es keine nicht-lobbyistische Politik gibt, sie nicht geben kann. Weil jeder Mensch ein Lobbyist für irgendetwas ist und weil das auch gut so ist.

Es gibt Probleme bei der Frage, welche Lobby wo Einfluss hat. Wenn die Autolobby ein Gesetz über Abgasgrenzwerte mitschreibt, läuft etwas falsch. Aber das liegt nicht an der Existenz einer Autolobby, es liegt am Ungleichgewicht zwischen ihr und der Gesundheits- und Klimalobby. Was wir brauchen und was auch als einziges überhaupt funktionieren kann, sind Instrumente zur Herstellung und Wahrung des Gleichgewichts des politischen Einflusses der einzelnen Lobbys.
Wie genau das gehen kann, weiss ich noch nicht. Stärkere Antikorruptionsgesetze sind ein guter Schritt, eine Art offizielle Lobbybeteiligung mit Sicherstellung eines Verfahrens gleicher Augenhöhe würde ebenso helfen. Das ist absolut kein einfaches Unterfangen, aber im Gegensatz zur Bekämpfung von Lobbyismus an sich (aber natürlich nur jenen, den man ablehnt) ist es wenigstens möglich und weniger anfällig für Willkür.

Was das nun mit der Bertelsmann-Stiftung zu tun hat? Relativ wenig, ich greife nur ein Stichwort für ein paar Grundsätzlichkeiten auf, die mir schon lange auf dem Geist lasten. Wir sind alle Lobbyisten. Die Konsequenz daraus kann aber nicht sein, uns allen den Mund zu verbieten.

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