Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen Fiction Science

Entsetzen 0 

Hinweis Dieser Eintrag ist ursprünglich drei Wochen alt. Ich habe ihn letztlich nicht veröffentlicht, weil er mir veraltet erschien. Diese Annahme hat sich inzwischen erschreckenderweise als falsch herausgestellt. Hier daher eine aktualisierte Fassung zur Veröffentlichung.

Es ist eine Menge entsetzenswertes geschehen seit der letzten Bundestagswahl. Die Hotelsteuer ist zurecht immer noch nicht vergessen. Dass kein einziger der bereits erschreckend zahlreichen rausgeschmissenen Minister aus dem richtigen Grund (nämlich wegen seiner schlechten Arbeit) gefeuert wurde und sich selbiges auch bei Niebel abzeichnet. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg, der nur „dank“ Fukushima gestoppt wurde. Das Asse-Desaster. Kristina Schröders fortdauernder Linksextremismus-Unfug (nebst so ziemlich allem anderen, was ihr so über die Lippen kommt). Vorratsdatenspeicherung. Staatstrojaner. ACTA. Merkels Wahlkampf für Sarkozy. Die Verstrickungen des BND mit neonazistischen Terroristen.
Das meiste davon aber waren politische Entsetzlichkeiten, deren Bewertung entsprechend politisch ist. Ich kann verstehen, dass an all diesen Dingen einige Personen oder Kreise Interesse haben. Ich mag es ablehnen, aber es ist zumindest ersichtlich, wo das alles herkommt.

Heute nun kam das erste aus jeglicher Sichtweise entsetzliche Werk der Bundesregierung zum Vorschein. Ein Werk himmelschreiender Dämlichkeit, das in absolut niemandes Interesse sein kann.

Heute wurde der Entwurf für das Leistungsschutzrecht vorgestellt. In Zukunft wird also das Zitatrecht abgeschafft. Ein Recht, das das bisherige Urheberrecht ausdrücklich einräumt, sogar mit einer besonderen Freiheit für tagesaktuelle Inhalte, also Zitate aus Presseorganen.
Dies wurde nunmehr umgekehrt. Die Presseverlage hatte es offenbar gestört, dass Seiten wie Google für sie kostenlos Werbung machten und haben dies nun unterbunden. Das Vorhaben ist so himmelschreiend dämlich, dass inzwischen ausser Axel Springer kein Verlag mehr dafür ist. Und Günter Krings, der die bisherige explizite Sonderregelung für tagesaktuelle Inhalte für eine „Schutzlücke“ hält.
Wie kann ein promovierter Jurist einen explizit geregelten Sachverhalt als Lücke gleichwelcher Art bezeichnen? Derlei Unfug entbiehrt jeglicher Logik, ob diese Regelung nun Krings‘ politischen Vorstellungen entspricht oder nicht.

Überhaupt, Günter Krings. Der Vertreter Mönchengladbachs im Bundestag und Vize-Vorsitzende der dortigen CDU-Fraktion wurde mir mal als fähiger Kopf beschrieben – damals, als ich in die hiesige Politik kam und noch kaum jemanden aus dieser Sphäre kannte.
Inzwischen frage ich mich ernsthaft, auf welcher Grundlage diese Beschreibung seiner Person entstand. Ich bekomme den Mann vor allem im Bereich der Neuen Medien mit, weil ich da auch selbst viel mit zu tun habe. Noch in keiner einzigen Mediendebatte habe ich erlebt, dass Krings, wenn er sich zu Wort meldete (und das tut er oft) eine auch nur halbwegs brauchbare Position vorzuweisen hatte. Killerspiele, Leistungsschutzrecht, ACTA, Netzsperren – egal, welches netzpolitische Thema man sucht, immer wieder taucht Krings auf. Und immer auf der Seite der Rückwärtsgewandten, die die neue Welt nicht verstehen und sie einfach nur verhindern wollen. Von der wirren Verschwörtungstheorie zu ACTA mal ganz zu schweigen.

Dann ist da die Sache mit dem Melderecht.
Über den Inhalt noch etwas zu sagen ist hier vergebliche Liebesmüh, der ist inzwischen ja glücklicherweise bekannt geworden. Dass aber eine solche Regelung zeitlich in das Fußball-EM-Spiel Deutschland-Italien gelegt und dann noch die „Rede zum Protokoll“, jener Stinkefinger der Regierung gegen die Debattenkultur des Parlamentes und die Demokratie bei dem Reden nicht gehalten sondern nur nachträglich schriftlich geliefert werden, genutzt wurde, das lässt schon Absicht vermuten. Da wusste jemand ganz genau, was für ein Dreck da vorgeschlagen wurde und hat es so eingestilt, dass es möglichst niemand merkte.
Hier ist die gesamte Bundestagsdebatte dazu:

[youtube jtJauIV2ff4]

Ins Bild passt auch Kristina Schröder. Deren Unfug war bislang zumindest unter Berücksichtigung einer etwaigen politischen Motivation (etwa ihres Skeptizismus gegen den Schwarzer-Feminismus) nachvollziehbar. Ihr neuester Vorstoß aber ist nur mehr politischer Dadaismus.

Die aktuelle Bundespolitik ist an solchen Stellen nicht mehr würdig kritisiert zu werden. Sie ist der Argumente nicht würdig, ist sie doch selber keiner sinnvollen Argumentation fähig. Und doch ist es nötig. Aber es ist nicht einfach gegen puren Blödsinn zu argumentieren. Frust und Entsetzen stehen dem Kampf gegen die Dummheit im Weg.
Seht diesen Beitrag als textliches Gegenstück einer Urschreitherapie. Das musste einfach raus.

Extra Extra Vlogs und Geschichten Fiction Science