Arcandor – ein Blick nach Hause 0 

So, wie ich täglich umherfahre, gibt es zwei Karstadt-Filialen, die für mich im Alltag eine Rolle spielen. Wobei ich klar sagen muss, dem allgemeinen Trend gefolgt zu sein und Spezialisten (Elektronikläden etc.) diesen Warenhäusern vorzuziehen.
Ich möchte mich dennoch noch einmal auf die Zukunftsaussichten für diesen beiden Filialen konzentrieren:

Rheydt
Eins ist klar: Das Karstadt Rheydt hat große Bedeutung für die rheydter Innenstadt und ihre zukünftige Entwicklung. Grade jetzt, wo die Planungen zur Umgestaltung großer Teile der Innenstadt auf Hochtouren laufen.
Mit der Frage, wie die Stadt Mönchengladbach auf eine mögliche Schließung reagieren kann, habe ich mich ja bereits beschäftigt.
Bleibt die Frage, wie wahrscheinlich eine Schließung ist.
Ich denke nach allem, was ich gehört habe, das Karstadt in Rheydt ist profitabel. Wenn Karstadt die Insolvenz übersteht bleibt der Markt somit erhalten.
Wenn nicht, gibt es mE zwei Optionen, eine Schließung zu umgehen:

1. Der Markt gliedert sich aus
Die Filiale schnürt aich als eigenes Unternehmen vom Mutterkonzern ab. Dazu müssen neue Lieferantenverträge ausgehandelt, Verträge angepasst und unprofitable Geschäftszweige (vermutlich Buch und Multimedia, da es hier starke Konkurrenz in der Nähe gibt) rausgeschmissen werden.
Wenn man das als Ziel setzt, sollte man es sofort tun. Tatsächlich hätte man vor zwei Wochen beginnen müssen – die Pleite von Arcandor war absehbar. Aber vielleicht ist es noch nicht zu spät, mit dem Strukturumbau zur Abnabelung zu beginnen.
2. Übernahme durch Metro
Sollte der Metro-Konzern das Karstadt übernehmen, weiss ich nicht, was kommt. Metro hat in Rheydt bereits ien Real etwa 200 Meter vom Karstadt entfernt und in etwa gleicher Entfernugn auch ein Saturn.
Andererseits scheint Metro Eigenkonkurrenz nicht zu fürchten, buhlen in Gladbach doch auch ein Saturn und ein Media Markt um die selbe Kundschaft. Zudem sitzt die Metro seit dem Aufkauf der Gladbacher Supermarktkette Allkauf in Mönchengladbach – einen Imageschaden im eigenen Hauptstandort wird man wohl eher nicht riskieren wollen. Insofern: Ja, in Mönchengladbach würde Metro das Karstadt wahrscheinlich erhalten.

Düsseldorf
Wenn Metro jetzt Arcandor kaufen sollte, ist das Ding weg. Es steht gegenüber eines großen Kaufhof an der selben Straße, in der gesamten düsseldorfer Innenstadt gibt es bereits 4 Kaufhöfe, ein fünftes wird Metro hier nicht betreiben wollen, lieber nimmt man die interne Konkurrenz weg – entweder schließt der Kaufhof oder das Karstadt.
Möglicherweise schließen bereits die Insolvenzverwalter das Karstadt Düsseldorf.
Für die düsseldorfer Innenstadt hat Karstadt aufgrund der hohen Zahl an anderen Großwarenhäusern keine weitere volkswirtschaftliche Bedeutung, Kaufhof wird sich freuen.

Abschluss
Ich möchte klar sagen, dass das Szenarien sind, mit denen ich arbeite.
Ich halte nichts davon, das Schicksal eines solchen Konzern im Wahlkampfgeklaper untergehen zu lassen, wir müssen ernsthafte Szenarien entwickeln, was ohne Karstadt aus Rheydt wird. Das nutzt im Endeffekt auch den jetzigen Karstadtmitarbeitern, für die nun wohl neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, wesentlich mehr als folgenlose Pessemitteilungen über die Wichtigkeit des Marktes rauszuhauen – wir brauchen in solchen Fällen Konzepte, keine schönen Worte wie Oberbürgermeister Norbert Budes beleglose Behauptung Interpretation eines „klare[en] Bekenntnis[ses] zur Standort-Sicherung in Rheydt“ von Seiten Arcandors.

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Zum Thema Arcandor/KarstadtQuelle 5 

Die Krise von Karstadt ist ja mal wieder in den Schlagzeilen. Dazu sollte man vielleicht anmerken: Die Krise bei Karstadt ist nicht neu.
Ganz im gegenteil, die aktuelle Krise ist bereits das dritte wirtschaftliche Nadelöhr des Konzerns in den letzten 10 Jahren. Daher kann auch das geforderte Darlehen über 860 Mio. € die Kette nicht mehr retten – allerhöchstens ein paar Jahre über Wasser halten. Die Krise bei Arcandor ist konstant, besserungssignale blieben aus.

Dabei liest sich die Chronik des Niedergangs durchaus interessant:
1999 gründet sich Arcandor aus der Fusion der kriselnden Marktriesen Karstadt-Schickedanz (Karstadt, Thomas Cook, Hertie, Kadewe) und Quelle (Quelle, Fundgrube). Das Unternehmen bekommt kurzen Aufwind, verändert sich abernicht wirklich und bleibt somit als Anbieter hinter der Konkurrenz zurück.
2005 werden kleine Märkte abgestoßen und einer Hertie-Neugründung zugeführt. Runner’s Point (Schuhe) und SinnLeffers (Mode) werden aus dem Unternehmen ausgegliedert – und laufen als unabhängige Ketten interessanterweise wesentlich besser. Der Food-Bereich geht an eine gemeinsame Tochter mit Rewe.
Die dritte Krise ist gekennzeichnet durch die Übergabe des Buchgeschäfts an Weltbild und in dieser stecken wir immer noch – nach 10 Jahren schlechter Geschäfte kann der Konzern nicht mehr. Ganze Marksparten werden an Dritte vermietet, Karstadt selbst reduziert sich zunehmend auf eine Tätigkeit als Immobilienmakler. Rettung ist an diesem Punkt eigentlich schon längst zu spät – Karstadt ist praktisch tot.

Nun will die Politik Geld in das Unternehmen pumpen, allein: Es wird nichts nutzen. Karstadt wird, wenn sich nicht grundlegend etwas an der Kette verändert, über kurz oder lang verschwinden.

Ein Problem ist das hier in der Stadt für Rheydt: Das Karstadt dort gehört zu den zentralen Ankerpunkten der Innenstadt .
Ich sehe 5 Szenarien, was nun passieren kann und auf die die kommunale Politik hinwirken kann. Bei einem bleibt Karstadt mehr oder weniger erhalten, bei den 4 anderen verschwindet es.
Mehr dazu nach dem Link.
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