Meine letzten vier Veröffentlichungen Mad Scientist Journal Autumn 2018 Fiction Science The Dinosaurs of Jurassic Park and Jurassic World Steaks, Walls And Dossiers Zur Übersicht aller Veröffentlichungen YouTube-Kanle

Karstadt Rheydt 1 

Ich sage es heute nicht zum ersten Mal, wenn ich sage, dass Mönchengladbach und Rheydt nur als Doppelzentrum einer Stadt überleben können, wenn sie jeweils eigene Zentren entwickeln. Wenn sie jeweils etwas zu bieten vermögen, was die andere nicht in vergleichbarer Form zu bieten hat.

Karstadt in Rheydt steht in meinen Augen schon lange für eine andere Herangehensweise: Rheydt als verkleinertes Abziehbild von Gladbach. Natürlich ist die (inzwischen bestätigte) Meldung über die Mitte 2016 anstehende Schließung des Hauses ein Schock. Aber wie hilflos die Politik in der Stadt mit Versuchen reagiert, das seit Jahren kriselnde Althergebrachte krampfhaft zu erhalten, ist schon erschreckend und wird Rheydt letztlich auch schaden. Sicher, OB Reiners hat Recht, wenn er auf die Anstrengungen der Stadt zum Erhalt des Kaufhauses verweist und man mag dies für sich betrachtet als Verdienst (wohlgemerkt des vorherigen OB Norbert Bude, des alten Bezirksvorstehers Karl Sasserath und des alten Rates) anerkennen, hier geht es mir aber um größere Zusammenhänge.

Zunehmend scheint mir, Stadtplanung sei in ihren Ansätzen unterkomplex um die Probleme einer mittleren Großstadt mit mehreren Zentren zu behandeln. Bei den ganz großen Städten funktioniert es schon wegen der räumlichen Entfernungen von allein, aber bei den mittelgroßen wie eben Mönchengladbach (oder auch zum Beispiel Wuppertal, das ähnliche Probleme hat) muss eine solche Struktur gepflegt werden.
Dieser Mangel schlägt sich in der Diskussion deutlich nieder: Ständig geht es um „Frequenzbringer“. Da wird davon ausgegangen, dass es nur darum geht, Menschen in die Stadt zu holen. Ob dies nun die Besucher einer Bibliothek, eines Einkaufszentrums, eines Wochenmarkts oder eines Schwimmbades sind, derlei Details gehen im Begriff des Frequenzbringers unter. Doch damit verschwinden eben auch die Auswirkungen der unterschiedlichen Gründe in die Innenstadt zu fahren auf deren Verhalten innerhalb der Innenstadt. Menschen als gleich zu betrachten ist zwar durchaus löblich, wenn wir von Innenstädten und damit von Geschäftsräumen sprechen müssen wir sie aber sehr wohl einteilen, denn hier geht es letzten Endes um Marketing. Was wir brauchen, sind Zielgruppen.

Zielgruppen sind zunächst einmal ein böses Wort aus der Werbewirtschaft. Dabei ist die Aufteilung der Gesellschaft in Zielgruppen durchaus von Vorteil. Denn es ist immer noch besser als die Bedienung des kleinsten gemeinsamen Nenners aller. Natürlich, eine solche Gleichschaltung des Konsums ist für denjenigen einträglich, der es schafft, die Schaltpulte des Kollektivs unter Kontrolle zu bekommen. Doch in eine solche Position kommen nur wenige und für die vielen anderen bleibt dann keine Kundschaft mehr übrig, weil die Nischen im Einheitsbrei untergegangen sind. Sind die Zielgruppen intakt, kann ein Aldi problemlos neben einem Rewe stehen, da beide unterschiedliche Kundschaft anziehen (natürlich mit einer gewissen Überschneidung). Sind die Zielgruppen nicht intakt kommt ein Amazon daher und verleibt sich praktisch den gesamten Online-Versandhandel ein.

Da die Stadtplanung nur den abstrakten Frequenzbringer und die von ihm als Frequenz gebrachte anonyme Menschenmasse kennt, läuft sie zwangsläufig auf die Schaffung einer Struktur wie Amazon hinaus: das Zentrum mit den meisten und kräftigsten Frequenzbringern zieht mit der Zeit nahezu sämtliche Frequenz auf sich, die anderen Zentren gehen langsam unter. Wer hier bestehen will muss sich, hier schließt der Kreis, an eine klar definierte Zielgruppe richten.
Und hier liegt das Problem mit Karstadt: Karstadt ist nichts weiter als ein Kaufhof des Südens. Und mit dem Bau des Pfefferminzhäuschens („Minto“) in Gladbach hat es sein Amazon erhalten. In einer Stadt, in der ein Minto steht, kann kein Karstadt mehr stehen. Wir haben Karstadt umgebracht.

Was jetzt nötig ist, gleicht einer Neugründung der rheydter Innenstadt. Wir müssen den sich abzeichnenden Leerstand als Chance sehen, als Raum zum Füllen. Nicht mit neuen Ladenlokalen, wie dies die EWMG bereits anplant. Das ist nichts weiter als Hospizdienst an einer sterbenskranken Innenstadt. Rheydt braucht etwas neues, was Gladbach nicht hat und was in Gladbach auch kulturell nicht in dieser Form hinpassen würde.

Meinen Vorschlag, den Wochenmarkt im Gebäude unterzubringen und den von der Bevölkerung gut angenommenen Marktplatz ganzwöchig frei zu haben, habe ich ja bereits in den Ring geworfen. Ich halte den Wochenmarkt in Rheydt weiterhin für eine stadtweit in dieser Größe und Qualität einmalige Einrichtung, die viel für ein eigenständiges Profil dieser Innenstadt tun kann. Wochenmärkte sind vor allem für genau jene Zielgruppen interessant, die ungern das Angebot von Shopping-Malls nutzen – beispielsweise die vor einigen Jahren allgegenwärtigen LOHAS. Eine Stärkung des Wochenmarktes ist eine Stärkung Rheydts bei genau jenen Menschen, für die Rheydt potenziell attraktiver ist als Gladbach. Ein wetterunabhängiger Markt in der bestehenden Bebauung wäre eine großartige Entwicklung für den Süden der Stadt.
Ja, auch Gladbach hat Wochenmärkte, aber nichts in Größe und Qualität mit Rheydt vergleichbares. Und das wird es auch nie haben, denn Wochenmärkte sind für die dort zu findenden Zielgruppen beständig weniger attraktiv. Sie werden in Gladbach nicht verschwinden, aber bei Fortführung der aktuellen Trends doch eine deutlich kleinere Rolle spielen. Und das muss durchaus kein Fehler sein, denn wenn Gladbach nicht mehr versucht, alles auf ein Mal zu sein, steckt darin auch für den Norden der Stadt ein eigenes Profil. Und davon profitieren dann beide Hälften der Stadt.

Andere Vorschläge, die mir zwischenzeitlich zu Ohren gekommen sind:

  • Zentralbibliothek in das größere Gebäude in Rheydt verlegen, jetzige Zentralbibliothek zur Stadtteilbibliothek umnutzen – ich sehe jetzt schon so manches Monokel fliegen, aber von den Gebäuden her ist das durchaus eine Überlegung wert. Auch eine Bibliothek ist von den erreichten Zielgruppen sehr weit von einer Mall entfernt
  • Komplettes Gebäude für die Verwaltung nutzen – das birgt für die Stadtverwaltung großes Einsparpotenzial, bringt allerdings für die Innenstadt selber sehr wenig
  • Abreissen – meiner Meinung nach zu teuer
  • Historisches Museum (alte Überlegung von mir) – das Gebäude eignet sich baulich sicher auch als Museum. Da gibt es in Rheydt ja einige Möglichkeiten, wofür man eines bauen könnte: Hugo Junkers, Sportmuseum (man denke an den Vorschlag Olympiabrunnen, Rheydt hat viele bedeutende Sportler hervorgebracht), Goebbels-Mahnstätte…

Wer hat noch weitere Vorschläge? Ich bin gespannt!

Arcandor – was nun 0 

Absehbar war es ja schon seit einiger Zeit, nun ist es endgültig: Arcandor wird wohl zerschlagen.

Bedeutend ist das über den dortigen Karstadt für die rheydter Innenstadt, die bei einem Verlust des Marktes zu veröden droht.
Ich hatte mich damit ja schon einmal beschäftigt – und so, wie die Entwicklung dieser Kette läuft, werde ich das wohl auch noch ein paar mal tun.

Zusammen mit einigen anderen Ideen, die ich in den letzten Wochen hatte, kombiniere ich hier jetzt einmal ein Szenario, wie Mönchengladbach (und Rheydt) gestärkt aus dem eventuellen Verlust des Karstadt hervorgehen kann.
Ob ich das in der Politik vorschlage, hängt von der weiteren Entwicklung bei Arcandor und dem rheydter Standort ab – hier im Blog entwickle ich erstmal.

Ausgangslage
Gehen wir von folgenden Voraussetzungen aus:
1. Arcandor wird zerschlagen, Karstadt verkauft seine Märkte.
2. Durch die starke lokale Konkurrenz (Real, Marktkauf, Galerie am Marienplatz) und die absehbare Baustelle vorm Eingang (Marktplatzumbau ab 2011) hat kein Investor ernsthaftes Interesse an dem Kaufhaus.
3. Die Innenstadt-Ost von Rheydt soll erhalten bleiben, eine Verlagerung der Innenstadt nach Westen Richtung Hauptbahnhof ist nicht erwünscht.
4. Die Zentralbibliothek hat Bedarf an neuen Räumen, bei einem Umzug würde aber die Stiftung des jetzigen Bibliotheksgrundstücks verfallen.
5. Gladbach will sein Profil als Sportstadt stärken

Handlungsoption bei Aufgabe des Karstadt
Wir gehen also davon aus, dass Karstadt einen Erhalt am Standort Rheydt nicht schafft bzw. potenzielle Investoren daran kein Interesse haben. Ein herber Verlust für Rheydt – aber es gibt andere Bedürfnisse in der Stadt, die dies ausgleichen könnten.
Im Juni sprach ich die Option an, die Zentralbibliothek in das Gebäude zu verlegen. Die Bibliothek braucht ein größeres, energetisch modernes Gebäude und der Karstadt-Komplex, in dessen oberen Stockwerken bereits die Zweigbibliothek Rheydt Platz findet, wäre ideal.
Die Stadt spart die Baukosten für ein neues Bibliotheksgebäude (für die Ersparnis kann man das Gebäude dann mal energetisch sanieren), Rheydt hat weiterhin einen Anziehungspunkt für Leute, in den Osten der Innenstadt zu kommen (sogar einen stärkeren als zuvor) und die Bibliothek hat wesentlich mehr Platz zur Verfügung, etwa vergleichbar mit der Landesbibliothek.

Die Innenstadt Mönchengladbach auf dem Abteiberg würde so natürlich einen Anziehungspunkt verlieren – wenn auch einen ohnehin etwas peripher gelegenen. Das Grundstück ist zudem so gestiftet, dass dort nur ein Museum oder eine Bibliothek stehen kann, sonst verfällt der städtische Besitz daran.
Hier nun kommt der Sportpart der Annahmen ins Spiel.
In meinem Artikel über Joseph Pilates deutete ich die Möglichkeit eines Pilates-Museums in Gladbach an. Dazu nun mehr.
Die Idee wäre das Joseph-Pilates-Museum für Fitnessgeschichte. Im Stile moderner Museen ist es ein Mitmachmuseum: Gezeigt werden historische Trainingsgeräte von der Antike bis in die Gegenwart, die als Replika auch benutzt werden können. Weitere nicht-interaktive Exponate zur Ideengeschichte der Fitness und dem Körperbild würden diese Einrichtung ergänzen – von den alten Griechen über die Nazis bis zur modernen Fitnessbewegung. Diese Kombination aus Museum und Fitnesseinrichtung wäre weltweit einmalig und stellt für Mönchengladbach eine einmalige Gelegenheit dar, sein Profil als Sportstandort und Geburtsort von Joseph Pilates und zahlreicher weiterer Sportler zu stärken.

Peripherie
Ein paar andere Projekte lassen sich damit auch noch verbinden:
Die von Gerd Schaeben (Grüne) vorgeschlagene Bibliothek zwischen den gladbacher Altstadtgymnasien Math-Nat, Huma und Geroweiher auf dem Gelände des alten Zentralbades könnte kleiner und komplett auf die Bedürfnisse der Schulen zugeschnitten gebaut werden. Vor alem die an alten Schriften reiche Bibliothek des Huma würde von der professionell-bibliothekarischen Behandlung und Archivierung profitieren, während die Schüler einen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Lernraum erhalten, was die Unterrichtsqualität erhöht.
Auch würden die Schüler einen Verweilraum erhalten, in dem weitere kulturelle Einrichtungen angesiedelt werden können – es entstünde im Idealfall eine Art Bildungsviertel aus Bibliothek, Gymnasien, Musikschule und eventuellen weiteren Einrichtungen mit einem ganz eigenen, positiven Flair am Fuße des Abteibergs, von dem die ganze Stadt profitiert. Vor allem würde dadurch wiederum die Stadt ihre (aktuell nicht vorhandene) Attraktivität für Jugendliche wiedergewinnen.

Folgen
Die rheydter Innenstadt gewinnt durch die nun in Rheydt ansässige Zentralbibliothek an Attraktivität für Peripheriekunden (Kunden der Bibliothek, die – wo sie schonmal da sind – auch gleich einkaufen gehen).
Die Innenstadt von Mönchengladbach erreicht das selbe Ziel mit einem weltweit einmaligen Museum und einem benachbarten Schulviertel, welches eventuell auch die Attraktivität der Gesamtstadt für Jugendliche erhöht.
Zugleich steigert das Joseph-Pilates-Museum Bekanntheit und Profil der Gesamtstadt, auch hiermit einem besonderen Fokus auf junge Leute. Das neue Stadtprofil ist ein Schritt, Bevölkerungsverlust und demografischen Wandel in Gladbach zu besänftigen.
Durch einen einzigen Umzug, einen Einzug und einen Bau haben wir hier die Möglichkeit, das Bild und die Attraktivität der Stadt nachhaltig zu verbessern.
Nun zu den Nachteilen: Die Karstadt-Mitarbeiter wären arbeitslos, so sie nicht für den Einsatz in den Bibliotheken und dem Musuem umgeschult werden können. Und das ganze dürfte die Stadt schätzungsweise 8-10 Millionen € kosten, wobei die meisten Kosten auf den Neubau an der Lüpertzender Straße (Gelände altes Zentralbad) entfallen. Und ja, die Schätzung liegt bewusst am oberen Ende der möglichen Kosten, damit niemand die kurzfristige Belastung unterschätzt. Und weil ich in solchen zahlen nicht so die große Erfahrung habe – da setze ich lieber vorsichtigerweise sehr hoch an. Nicht enthalten ist der eventuell anfallende Kaufpreis für das Karstadt-gebäude. Andererseits könnte das Museum von einer Stiftung übernommen werden, statt der Stadt zu Last zu fallen.

Und das wäre der aktuelle Stand meiner Ideen zu diesem Thema in unserer Stadt. Ich bin ziemlich sicher, da kommen mit der Zeit noch Details hinzu.
Über Input von rundherum würde ich mich sehr freuen.

Zum Thema Arcandor/KarstadtQuelle 5 

Die Krise von Karstadt ist ja mal wieder in den Schlagzeilen. Dazu sollte man vielleicht anmerken: Die Krise bei Karstadt ist nicht neu.
Ganz im gegenteil, die aktuelle Krise ist bereits das dritte wirtschaftliche Nadelöhr des Konzerns in den letzten 10 Jahren. Daher kann auch das geforderte Darlehen über 860 Mio. € die Kette nicht mehr retten – allerhöchstens ein paar Jahre über Wasser halten. Die Krise bei Arcandor ist konstant, besserungssignale blieben aus.

Dabei liest sich die Chronik des Niedergangs durchaus interessant:
1999 gründet sich Arcandor aus der Fusion der kriselnden Marktriesen Karstadt-Schickedanz (Karstadt, Thomas Cook, Hertie, Kadewe) und Quelle (Quelle, Fundgrube). Das Unternehmen bekommt kurzen Aufwind, verändert sich abernicht wirklich und bleibt somit als Anbieter hinter der Konkurrenz zurück.
2005 werden kleine Märkte abgestoßen und einer Hertie-Neugründung zugeführt. Runner’s Point (Schuhe) und SinnLeffers (Mode) werden aus dem Unternehmen ausgegliedert – und laufen als unabhängige Ketten interessanterweise wesentlich besser. Der Food-Bereich geht an eine gemeinsame Tochter mit Rewe.
Die dritte Krise ist gekennzeichnet durch die Übergabe des Buchgeschäfts an Weltbild und in dieser stecken wir immer noch – nach 10 Jahren schlechter Geschäfte kann der Konzern nicht mehr. Ganze Marksparten werden an Dritte vermietet, Karstadt selbst reduziert sich zunehmend auf eine Tätigkeit als Immobilienmakler. Rettung ist an diesem Punkt eigentlich schon längst zu spät – Karstadt ist praktisch tot.

Nun will die Politik Geld in das Unternehmen pumpen, allein: Es wird nichts nutzen. Karstadt wird, wenn sich nicht grundlegend etwas an der Kette verändert, über kurz oder lang verschwinden.

Ein Problem ist das hier in der Stadt für Rheydt: Das Karstadt dort gehört zu den zentralen Ankerpunkten der Innenstadt .
Ich sehe 5 Szenarien, was nun passieren kann und auf die die kommunale Politik hinwirken kann. Bei einem bleibt Karstadt mehr oder weniger erhalten, bei den 4 anderen verschwindet es.
Mehr dazu nach dem Link.
Weiterlesen »

Extra Extra Vlogs und Geschichten Fiction Science