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Heimatliebe 0 

Eine der regelmäßigen Bullshit-Studien des Focus hat Gladbach mal wieder in keinem sonderlich guten Licht erscheinen lassen. Wie sehr das ganze Ranking Bullshit ist, sieht man an dem anderen Focus-Ranking, in dem Düsseldorf (hier Nr. 279) auf Platz 6 weltweit sitzt. Jedenfalls sah sich die RP sich genötigt, dagegen zu halten. Dazu nutzt sie eine der größten Listen von (ich schwöre, das ist das letzte Mal, dass ich dieses Wort in diesem Artikel benutze) Bullshit, die ich je in so kompakter Form gesehen habe:

Hier gibt es alles! Die Infrastruktur der Großstadt. Hier kann man Spitzenfußball sehen, und auch Bruce Springsteen singen hören, den Dalai Lama treffen und in einem Museum von Weltrang über den Blick moderner Künstler staunen.

Ja nee, is klar, der Dalai Lama schlendert hier ständig über die Straßen. Oh, Mann.

Daraufhin gab es in den lokalen sozialen Medien eine ganze Reihe von Liebesbekenntnissen zur Mönchengladbach. Ich alter Motzkopf habe oft genug die Frage gehört, warum ich hier bliebe, wenn es mir hier angeblich nicht gefiele. Die aktuelle Debatte gibt mir Gelegenheit, diese Frage ausführlich zu beantworten.

Die eine Tatsache, die ich vorausschicken möchte ist, dass ich keine Liebe für Verwaltungseinheiten empfinden kann. Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa, diese Dinge sind mir emotional wurscht. Und damit auch eine Möglichkeit, eine Stadt zu lieben. Diese Dinge sind nichts weiter als verwaltungstechnische Einheiten, sie haben keine Bedeutung für mich jenseits der Kenntnis der unmittelbaren Einflussbereiche bestimmter Einzelpersonen (hauptsächlich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter). Die politische Ebene Mönchengladbachs ist eine Notwendigkeit, eine Struktur, die letztlich wenig mit der Stadt selbst zu tun hat.
Ich komme nachher auf die Politik zurück.

Nein, ich liebe Mönchengladbach nicht. Ich mag einige Menschen hier, ich mag den Park gegenüber und noch einige der Wälder drumherum und… ja, im Grunde ist es das. Es ist sauberer als in großen Teilen von Düsseldorf oder gar Köln, das ist etwas, was ich als regelmäßiger Barfußläufer bezeugen kann. Es ist sicher, kaum eine Naturkatastrophe hat in dieser Gegend eine Chance, in den nächsten 2-3 Jahrmillionen echten Schaden anzurichten. Alles andere ist bestenfalls gewohnt.
Mönchengladbach ist eine Stadt der zusammengewürfelten Ersatzbauten zur Füllung der Weltkriegslücken. Der umfassende Wiederaufbau in den 50ern führte dazu, dass die Bausünden eben jenes Jahrzehntes allgegenwärtig sind, man siehe sich nur die rheydter Innenstadt an. Die Mundwinkel zeigen auf den Straßen nach unten, so man sie überhaupt hinter den vielen Windschutzscheiben an den viel zu vielen Autos sieht. Das wichtigste Hobby, das die Gladbacher neben Borussia teilen ist das Moppern (insofern bin ich ganz offensichtlich ein Produkt dieser Stadt). Die Atmosphäre ist im schlechtesten Sinne konservativ, was in der Praxis bedeutet, dass sie in fast allem etwa 20-30 Jahre hinter dem aktuellen Stand der Diskussion liegt und alles neue abgelehnt wird.

Und damit kommen wir zur Politik zurück. Liebte ich Mönchengladbach, ich wollte es nicht ändern. Doch ich will es ändern. Nein, das ist zu wenig gesagt: Ich wollte es am liebsten niederreissen und an seiner Statt eine neue Stadt errichten. Das geht nicht, also bleibt nur der Weg, die Stadt entsprechend zu verändern.
Ich muss etwas zurückspringen: In die Kommunalpolitik bin ich mehr oder weniger reingerutscht. Mein Interesse bei den Grünen war bei meinem Beitritt vor sechs Jahren zwar Politik, aber nicht die kommunale.
Wie gesagt identifiziere ich mich nicht mit Verwaltungseinheiten wie Ländern, sie sind aber der offensichtlichste Weg, die Welt zu verbessern. Und so albern das klingen mag, darum geht es mir.
Die Mönchengladbacher Politik ist mehr oder weniger der Bereich, in dem ich dies versuchen kann. Ich identifiziere nicht mit Verwaltungseinheiten, aber das heisst auch, diese Stadt ist Teil der Welt. Hier etwas zu verbessern heisst, einen Teil der Welt besser zu machen, so infinitesimal er auch sein mag.

Und das ist Teil der Antwort, warum ich mich um eine Stadt kümmere, die ich so wenig mag. Sie ist Teil jener Welt, an der mir etwas liegt. Hier etwas zu verbessern bedeutet immer, auch einen Teil der Welt zu verbessern.
Vielleicht sogar, das ist der andere Teil der Antwort, grade hier. Diese Stadt lässt mich oft genug verzweifeln. Doch dies ist für mich ein Motor. Wo es Grund zum Verzweifeln gibt, gibt es die Notwendigkeit, etwas zu verändern.
Ich wäre nicht in der Politik, wenn ich nicht glaubte, es gäbe Dinge, deren Veränderung all den Stress wert ist. Ich wäre nicht in der Politik, würde ich diese Stadt lieben. Ich bin letztlich aus dem selben Grund in der Politik, aus dem so viele andere meiner Generation diese Stadt so bald wie irgend möglich verlassen. Nur, dass ich andere Schlüsse daraus ziehe.

Alles andere wäre gelogen.

Stichworte:

Reha in Hardt und das Westzentrum 0 

Ist das schön, wenn die Welt genau so läuft, wie man sich das wünscht – und das ganz ohne eigenes Zutun.
In meinem Beitrag zu einer möglichen gezielt multipolaren Ausrichtung in der Stadtentwicklung Mönchengladbachs deutete ich die Entwicklung eines dritten zentrums für die Bereiche Naherholung, Gesundheit und Sport im Westen des Stadtgebiets (Rheindahlen, Hardt, Nordpark) an.
Und nun wil die Hardter Waldklinik ein Reha-Zentrum anbauen, allerdings noch ohne eine genaue Ausrichtung zu nennen.

Nicht nur ist das angesichts der steigenden Zahl von (laut Feuerwehr) altersbedingten Notfällen durchaus vernünftig, es passt auch super in die angedeutete Entwicklungsrichtung zu einem, wie ich vorgestern formulierte, Fremdenverkehrszentrum (Naherholung subsummiere ich unter Fremdenverkehr), bei dem ich genau diese Ausrichtung im Kopf hatte.
Wenn wir den Ausbau der Klinik mit einer (Teil-)Aufforstung des JHQ-Geländes verbinden, kann Hardt soweit klimatisch aufgebaut werden, dass wir einen aussichtsreichen Antrag auf eine Anerkennung des Ortsteils Hardt(erwald) als Kurort (Kneippkurort oder sogar Luftkurort) stellen können – ein solcher fehlt im nördlichen Niederrhein (ja sogar im ganzen nordwestlichen Nordrhein-Westfalen) komplett, wie die folgende Karte zeigt:

Karte der Kurorte in NRW
Liste der Orte und genaue Infos hier

Damit wäre ein Grundstein und Anziehungspunkt gelegt für einen Ausbau des in Mönchengladbach durchaus starken Fremdenverkehrs, als dessen Mittelpunkt das bald frei werdende JHQ dienen kann.
Nötig dafür ist folgendes: Die Hardterwald-Klinik erhält mit dem Reha-Zentrum eine Ausstattung, die das Angebot von Kneipp-Kuren ermöglicht (Voraussetzung für den Kneippkurort). Der Hardter Wald wird vergrößert, wozu Teile des JHQ durch Aufforstung einbezogen werden können (hilft bei dem Ziel des Luftkurorts).
Das restliche JHQ-Gebiet wird zu einem Fremdenverkehrsort aufgebaut – als Wohngebiet brauchen wir es dank der sinkenden Einwohnerzahlen eh nicht.
Und ein neues Stadtmotto gibt es gratis dazu: „Kurstadt für Rhein-Ruhr“ – allemal besser als das aktuell auf den Briefköpfen peinlich prangende „Stadt der großen Einkaufszentren“.

Kleine Physikeinführung: Magnetismus und seine politischen Implikationen 1 

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 30. April 2015 teilweise ergänzt.

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines konventionellen Magneten ist die Mehrpoligkeit. Eine Magnet hat nicht nur keine Probleme damit, mehrere Pole zu haben, sie sind sogar zentrales Element seines Magnetismus (Ja, einpolige Magnete ignoriere ich mal als extreme Sonderfälle).

Der Magnetismus entsteht durch die räumliche Trennung der Pole, welche gemeinsam ein Magnetfeld aufbauen, welches andere magnetische oder magnetisierbare Materie anzieht.
Die Pole müssen unterschiedlich sein, sonst entsteht kein Magnetfeld.

Womit wir zu den politischen Implikationen der Sache kommen: Mönchengladbach/Rheydt.
Wenn Mönchengladbach will ein Magnet mit zwei Polen bleiben. Das wäre zwar nicht zwingend notwendig, ist aber durchaus von Vorteil, will man nicht ein Zentrum im Norden mit langsam verfallendem Anhängsel im Süden erhalten. Was wir (hoffentlich) alle nicht wollen.

Der wichtige Punkt in der Lektion über Magneten da oben ist die Sache mit der unterschiedlichen Ladung der Pole: Sind beide Pole gleich, gibt es keine Bipolarität.
Bei einem Magneten führt das zur Nichtausbildung des Magnetfeldes, bei einer Zweizentrenstadt führt es dazu, dass die erfolgreichere Innenstadt die andere langsam verdrängt und auffrisst. Die Stadt als Ganzes wird dann ärmer an kultureller, sozialer und auch kommerzieller Vielfalt.
Die Rheydter kennen das: Rheydt geht es nicht gut, während Gladbach eigentlich noch ganz okay da steht – ich sehe seit Oktober/November sogar wieder einen leichten Aufwärtstrend an der Hindenburgstraße mit neuen Läden einer leicht höheren Klasse als zuvor (leicht!).

Was tut man in Rheydt nun dagegen – man beschließt, man wolle besser werden.
Sehr gut.
Wie? Das weiss keiner. Im Grunde wird alles gemacht, um Rheydt zu verschönern und verbessern, nur weiss offenbar keiner, was eigentlich das Ziel dieser Bemühungen ist. Letztendlich versucht man halt einfach nur, schöner, größer und besser zu werden. Was aber nicht funktioniert, weil man bereits schneller aufgefressen wird, als man Rheydt verbessern kann.
Der Grund dafür ist leider recht einfach: Rheydt will genauso werden wie Gladbach. „Ein Zentrum“ halt, als wäre jedes Zentrum gleich. Beide Stadtteile kümmern sich dabei nicht weiter darum, auch ein eigenes Profil zu implementieren.
Mönchengladbach im Norden kann das egal sein, es ist groß und vor allem wirtschaftlich stark genug um alles umliegende zu verdrängen. Rheydt nicht. Um zu überleben, muss Rheydt ein eigenes Profil entwicken. Und um Rheydt zu schützen (und damit die Gesamtattraktivität der Stadt), muss Gladbach das auch.

Und es wäre so einfach. Hier mein Vorschlag:

Handelszentrum Gladbach
Machen wir uns keine Illusionen, das Einkaufszentrum an der Hindenburgstraße kommt, die Frage ist nur, wie es letztendlich aussieht und wie groß es wird.
So oder so, es wird die Innenstadt Nord als Handelszentrum zementieren [Aktualisierung: Wir sehen diesen Effekt 2015 bereits]. Und damit sollte Gladbach dann auch arbeiten: Das Gladbacher Zentrum richtet sich schwerpunktmäßig auf den Handel ein und baut sich daran auf. An der Peripherie entsteht ein Kultur- und Bildungszentrum mit Museen, Bibliothek und Schulen, basierend auf den jetzt vorhandenen Einrichtungen.
Das ist der Weg, den Gladbach so oder so geht. Er ist mittlerweile so weit forciert worden, dass eine Kurswende nicht mehr möglich und auch nicht mehr sinnvoll ist.

Handwerkszentrum Rheydt
Rheydt hat mit der Etablierung des HDZ in der jetzigen Form kaum noch Chancen, in seiner aktuellen Form zu bestehen. Es wird ja jetzt schon aufgefressen.
Aber Rheydt hat einen Sektor, in dem Mönchengladbach keine vergleichbare Stärke aufweisen kann: Handwerk.
Die rheydter Innenstadt kann mit einer Vielzahl an Handwerksbetrieben glänzen, die Gladbach in dieser Konzentration und Stärke nicht hat. Diese Stärke auszubauen kann Rheydt einen eigenen Charakter verleihen, durch den Rheydt ein starkes Zentrum mit ganz eigenem Profil werden kann. Das passt auch sehr gut mit dem großen Wochenmarkt auf dem Marktplatz zusammen.
Die rheydter Peripherie ist geprägt von den dort ebenfalls starken Bereichen Geschichte und Gastronomie mit Rathaus, den Schlössern des Gladbacher Südens, zahlreichen Lokalen und einem Reichtum an historischen Persönlichkeiten (auch den negativen), die aus diesem Stadtteil stammen.
Das ist ein Weg, den Rheydt gehen kann – wenn es will. Geht es wie Gladbach den jetzigen Weg weiter, geht es abwärts mit Rheydt.

Weitere Zentren
Dieses Konzept lässt auch die Herausbildung weiterer Zentren zu.
Der Bereich Hardt/JHQ/Rheindahlen könnte sich durch seine Nähe zu den Niederlanden, seine Grüngebiete und seine Mischexistenz aus Stadt- und Landnähe zu einem Fremdenverkehrszentrum entwickeln mit einer von Sport und Freizeit geprägten Peripherie (Nordpark, Hardter Wald, Stadtwald).
Andere Bereiche haben ebenfalls klare Entwicklungspotenziale, als spezifische Zentren zu agieren.

Ja, eine multipolare Stadt ist möglich. Nur müssen wir dazu festlegen, was für Zentren wir denn haben wollen.
Einfach nur „Zentren“ funktioniert nicht, die fressen sich mittelfristig gegenseitig auf.
Wer aber mehrere Zentren hat, die sich deutlich unterscheiden, der erhält eine echte Magnetwirkung: Jedes Zentrum zieht andere Leute an, die Stadt insgesamt wird für viel mehr Menschen attraktiv als jetzt und die Zentren ergänzen sich gegenseitig zu einer gemeinsamen, attraktiven und starken Stadt Mönchengladbach.

Die letzten Fluggrashalme 0 

So, alles klar, Flughafen Düsseldorf zieht sich aus dem Verkehrslandeplatz Mönchengladbach (VLP MGL) zurück, der ist damit nicht mehr finanzierbar und aus ist.
Der Koalitionsvertrag der Ampel sieht ganz klar vor, das Millionengrab nicht weiter zu betreiben, wenn es weder Gewinne noch genügend Arbeitsplätze erbringt.

Ha, von wegen, meinen VLP MGL und dessen Freunde.
Etwas überraschend kommt etwa der Chef der NVV, Friedhelm Kirchhartz, laut WZ zu dem Schluss:

Unser Flughafen ist ja noch nicht eingemottet

Äh, doch, ist er.

Auch glaubt Friedhelm Kirchhartz nicht, dass man dort „innerhalb weniger Jahre“ einen Gewerbepark errichten könne. Aber wie der Regiopark im Süden zeigt, geht das durchaus.
Dort zieht nun Esprits Logistik hin und schafft dabei etwa 400 Arbeitsplätze – was lustigerweise den Verlust des Flughafens statistisch schonmal ausgleicht. Eine einzige größere Ansiedlung auf dem bald ehemaligen Flughafengelände könnte den Ausgleich vervollständigen.
Nötig dafür ist eines: Schnelles Handeln.

Wenn wir uns erst monatelang an Grashalme klammern um den Flughafen vielleicht doch noch zu retten, verplempern wir wertvolle Zeit, in der wir das Danach organisieren können. Und diese verplemperte Zeit führt dazu, dass für die arbeitslos werdenden Flughafenmitarbeiter keine neuen Stelen entstehen. Und dadurch kriegen wir einen dicken Schwall neuer Arbeitsloser.
Was hilft – ein vernünftiges und konstruktives Ausstiegskonzept aus dem Flughafenbetrieb.

Fangen wir doch mal damit an: Die S28 will sich ja schon länger nach Westen verlängern. Wenn ich das richtig sehe, geht die alte Trasse, die dazu reaktiviert werden soll, auch direkt am VLP vorbei – wie wäre es also, bei der Planung der Verlängerung auch einen Haltepunkt dort vorzuschlagen? Sozusagen als Preis für die Verlängerung über Gladbacher Gebiet.
Da hätten wir einen Ansatzpunkt für ein neues Wachstum auf dem Gebiet, die Leute in Neuwerk einen besseren Anschluss nach Düsseldorf und Wupertal und die Regiobahn, die das Ding betreibt, eine bessere Akzeptanz ihrer umstrittenen Strecke in der Donk. Damit käme man übrigens auch relativ schnell (ein Umstieg in Neuss) zum Düsseldorfer Flughafen.

Flughafen für Überflieger 0 

Der gerne Flughafen genannte Verkehrslandeplatz Mönchengladbach ist nun schon seit einiger Zeit ein Flughafen für Überflieger – sprich, da fliegt man höchstens drüber hinweg, Grund zum Landen hat man hier in der Regel nicht.
Zuviele besser frequentierte und angebundene Flughäfen gibt es in der Umgebung – von Düsseldorf, Maastricht und Köln/Bonn bis Dortmund/Unna ist die Versorgung mit Landeplätzen für kommerzielle Flüge hervorragend. Von der restlichen niederländischen Seite ganz zu schweigen.

Die Sport- und Segelflieger haben ihren eigenen Flugplatz bei Wanlo.
Doch wer sich auf der Webseite des Flughafens umschaut, der sieht schnell: Es gibt hier praktisch keine Flüge mehr im Plan. Niemand braucht diesen Flughafen als Landeplatz. Dass Düsseldorf den tiefrot bilanzierenden Flughafen nun aufgibt während die Ampel bereits im Koalitionsvertrag sagt, dass die Stadt keine weiten Millionen in die Anlage pumpen wird, ist folgerichtig und vernünftig. Es kann nicht Aufgabe sein, einen unnötigen Flugplatz künstlich am Leben zu erhalten, nur wiel da Jobs dranhängen – denn diese Jobs sind nicht zukunftsfähig.
Statt dessen ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, aus dem Gelände etwas neues zu machen, neue Jobs zu schaffen, die den Verlust der alten auffangen. Auf lange Sicht ist das sinnvoller als einen Flughafen weiterzubetreiben, der womöglich noch – ähnlich dem Steinkohlebergbau – Leute ausbildet, die dann später nicht mehr gebraucht werden (Arbeitslosigkeit als Ausbildungsberuf also). Wie die Rheinische Post auf 400 bedrohte Arbeitsplätze kommt ist zwar deren Geheimnis, aber natürlich sind es einige.
Nur, wie gesagt: Dieses problem zu verschleppen hilft niemandem, sondern richtet nur noch mehr Schaden an.
Auf den teilweise sachlich falschen Blödsinn des Fördervereins geh ich gar nicht weiter ein.

Nein, jetzt geht es um Pläne für das Danach.
Hier ist meiner:
OB Bude möchte bekanntlich gerne ein Logistikzentrum im ehemaligen JHQ einrichten. Das ist zwar ganz nett, aber für das JHQ gibt es bessere und attraktivere Nutzungen, allen voran ank seiner Nachbarschaft zum Hardter Wald in Fremdenverkehr und Naherholung. Wir sollten dieses attraktive Gelände nicht dergestalt verschwenden.
Aber: Das bald wohl ehemalige Flughafengelände ist für eine solche Ansiedlung nicht nur geografisch gut geeignet (guter Anschluss zu Eisen- und Autobahn), es verfügt auch dank des langjährigen Vorhandenseins eines Flughafens über eine entsprechende Infrastruktur für Großlogistik, die neu anzusiedelnde Logistikunternehmen direkt nutzen könnten. Was gegenüber der entsprechenden Herrichtung des großenteils veralteten JHQ auch Kosten sparen würde.

Also: Aufhören, über das Ende des Flughafens zu lamentieren, Ärmel hoch und Pläne für die Zeit nach dem Flughafen aus den Schubladen geholt.
Und ab 2011 wird aus dem dann wahrscheinlich verwaisten Gelände was gemacht.

Ich hab ein neues Lineal 0 

Hier isses:

ICE-Lineal
Schick, oder?

Achso, Moment, das war ja gar nicht der wichtige Teil. Der wichtige Teil sind die Bilder von der ersten regulären ICE-Einfahrt in Mönchengladbach:

Der erste ICE in MG seit 11 Jahren fährt ein
Da isser – und ich hab das Blitzlicht vergessen

Der ICE fährt ab heute für zunächst zwei Jahre jeden Sonntag um 12:06 nach Berlin (über Düsseldorf, Dortmund, Hannover).
Der Start war… interessant. Vor allem der Rahmen. Nach der dritten Durchsage des Satzes „Auf Gleis 7 bitte beachten Sie, die RE 13 nach Hamm fällt aufgrund fehlender Triebwagen leider aus“ kam dann die wesentlich feierlicher klingende Durchsage:

Meine Damen und Herren, nun ist es soweit: Der ICE nach Berlin über Düsseldorf, Dortmund, Hannover fährt in wenigen Minuten auf Gleis 6 ein. Bitte Vorsicht an der der Bahnsteigkante.

Da kam dann auch schon aus Richtung Rheydt der ICE Altenburg herangefahren und hielt erstmal. Am nördlichen Ende des Bahnsteigs wurde man mit einer Spezialitätenmischung der Endbahnhöfe der neuen Strecke begrüßt: Gladbacher Knööp (eine Trüffelpraline, die ich vorher nicht kannte) und Berliner/Pfannkuchen.
Der Oberbürgermeister hielt eine Rede, dann MdB GÜnther Krings und noch jemand von der Bahn, dessen Namen ich nicht verstanden habe. Man freut sich etc. pp., interessant noch, dass die Bahn das gerne in Zukunft auch täglich anbieten würde, wenn die Strecke denn angenommen wird.
Dann bekam der Bürgermeister ein Streckenschild (dieses Schild im Fenster von Zügen, wo draufsteht, wo die lang fahren) und durfte zur Abfahrt pfeifen.

Posieren für die Presse
OB Bude, Borussia-Maskottchen Jünter, der Berliner Bär und der Typ von der Bahn, dessen Namen ich nicht kenne, posieren für die Presse
Und damit verlässt der erste reguläre ICE dieses Jahrhunderts Gladbach wieder
Und da isser wieder weg – Ausfahrt klappt auch ohne Blitzlicht

Und das war’s dann auch schon. Der Bürgermeister durfte das Schild behalten, der ICE hat sein Ziel hoffentlich auch ohne solches gefunden und praktisch gleichzeitig mit der ICE-Ausfahrt ging es zurück in den hiesigen Zugalltag mit der einfahrenden S8, immer noch ausgestattet mit „für Gladbach noch gut genug“-Zügen.

Der Alltag kehrt sofort zurück - ICE raus, S8 rein
Begegnung zweier Welten bei der Ausfahrt

Noch im Wahlkampf war der ICE-Anschluss für MG krönender Höhepunkt einer Liste von Forderungen mönchengladbacher Politiker an die Bahn, die dort für unrealistisch erachtet wurden und endlich gestrichen werden sollten. Der ICE wurde gar als „völlig unrealistisch“ bezeichnet:

Tatsache ist nun mal, […] dass die Bahn AG [sich nicht] auch nur im Ansatz konzeptionell damit befasst.

Das war vor 6 Monaten.

Alle Bilder: Eigenaufnahmen

4. Türchen 2009 0 

Es ist Dezember und weil ich von einem Pizza-Anbieter einen Adventskalender mit Schokolade als Werbegeschenk bekommen habe, werde ich für jedes Türchen einen Blogeintrag schreiben. den 1. Dezember habe ich verpasst, da war ein Flugzeug drin.
Was in den Beiträgen drin ist? Woher soll ich das vorher wissen?

4. Dezember: Rodelschlitten
Blogkonversion: Ein fast vergessenes Foto

Skislalomweltmeisterschaft auf dem Abteiberg (umgewidmete Hindenburgstraße) Ende 2001. Der Abteiberg wurde um die Jahrtausendwende dreimal als kunstschneegefütterte Skipiste genutzt, dann wanderte die Veranstaltung ins berglose Düsseldorf ab, wo sie auf Skilanglauf umsattelte.
Das City-Management hätte gerne wieder eine Skipiste auf der Hindenburgstraße. 2001 hatte die Veranstaltung etwa so viele Besucher wie MG Einwohner.

Gladbacher Ski-Event 2001

Bild bei der RP geklaut.

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Biogas in Wanlo – Pro und Contra 0 

Mal eine der in dieser Stadt eher seltenen positiven Überraschungen: Nachdem ich Anfang des Monats noch ankündigte, mich zu informieren, ob die NVV das Projekt Biogasanlage bei Wanlo noch weiter verfolgt, hat sich diese Frage mittlerweile erledigt.
Letzte Woche Montag erfuhr ich, dass die NVV einen Antrag hierzu in die Bezirksvertretung West bringen will.
Kurz darauf trommelte die NVV nochmal per Pressemitteilung in den lokalen Zeitungen für das Projekt (selbst in der sonntäglichen Werbeprospektumverpackung namens „ExtraTipp“) und ganz nebenbei zur allgemeinen Überraschung auch gleich für ein Geothermiekraftwerk.

Nun möchte ich, nachdem ich mehr über diese Anlagen weiss, speziell zu den hier geplanten Anlagen eine genauere Betrachtung einbringen:

Pro
Die Biogasanlage ist eine regenerative, die Geothermie eine abgasfreie Energiequelle, die ich sehr begrüße. Ich bin mir recht sicher, hier sogar für die grüne Partei insgesamt sprechen zu können.
Für die Entwicklung in eine Zukunft ohne Braunkohlestrom und mit erheblich verringertem Treibhausgasausstoß ist eine Entwicklung hin zu solchen Energieträgern dringend notwendig und Mönchengladbach, einst ein Pionier in der Verwertung von Deponiegasen (Pionieranlage zur Klärgasveredelung in Neuwerk 1981), hinkt hier aktuell leider hinterher, einzig das Klärwerk erzeugt weiterhin Strom und Wärme, die es aber auch (fast) komplett selbst verbraucht.

Neuwerker Klärwerk
Bild bei Pro2 geklaut

Daneben gibt es ein paar angenehme Nebeneffekte: Die Geruchsbelastung sinkt, da Gülle, die zur Gaserzeugung genutzt wurde ihren beissenden Geruch verliert. Sollte die Anlage auch Kompost mitvergären, sinkt auch die Geruchsbelästigung, die an Kompostanlagen auftritt.
Geothermie ist sogar noch besser, weil die Nutzung der Geothermie keine Rohstoffverbrennung erfordert. Vielmehr setzt sie die natürliche Hitze der tieferen Erdschichten in Strom um. Island wird praktisch komplett über diese Energieform versorgt, in Deutschland gibt es in der Eifel und eben in der Kölner Bucht Potenzial durch ausreichende geothermische Tiefenaktivität.

Contra
Die Biogasanlage verbraucht natürlich erheblich Rohstoffe und hier stellen sich ein paar Fragen. Die zentrale davon ist: Welche Rohstoffe.
Ich deutete ja bereits an, eine solche Anlage müsste auch Kompost aufnehmen können, um die großen dort vorhandenen Potenziale zu nutzen – eine Stadt wie MG erzeugt tonnenweise Müll jeglicher Art. Der Biomüll bietet dabei natürlich großes Potenzial für eine solche Anlage.
Leider aber will die NVV wohl Material von Landwirten südlich der Stadt (Kreise Neuss, Düren und Heinsberg) besorgen. Ob der Mais mitsamt oder ohne essbare Teile verwertet wird, darüber herrscht aktuell offenbar noch Unklarheit. Maiskorn zu zergasen (eigentlich heisst das vergasen, aber – nunja…) fände ich höchst problematisch, hieße das doch, dass etliche Hektar Fläche nur für den Anbau der Energiepflanzen draufgehen würden – Flächen, die sonst anderen Zwecken zugeführt oder als Naturfläche aufgelassen werden könnten. Da die Maiskolben den Großteil der im Mais gespeicherten Kohlenhydrate enthalten, gehe ich jedoch stark davon aus, dass diese mitvergoren werden sollen.
Hier sollte die Politik darauf hinwirken, dass zumindest ein merklicher Teil der Masse aus anderen Quellen wie beispielsweise dem bereits genannten Bioabfall, gedeckt wird.
Ein weiteres Problem ist der Verkehr, da die ganze Biomasse ja auch in die Anlage geschafft werden muss. Die NVV spricht hier von etwa 400 Lastern (vermutlich pro Jahr, hab die Zeiteinheit nicht mitbekommen), also Kleinkram – etwas mehr als einer pro Tag. Wobei die Anlage zu Beginn natürlich erstmal anbefült werden muss, da fahren dann ein-zwei Wochen wesentlich mehr LKW rum.
Dennoch sollte die NVV hier gut planen, wo die Verkehre fließen – dem vernehmen nach lagen in Jüchen letzten Dezember Planungen vor, die den Lieferverkehr durch Otzenrath fließen ließen. Otzenrath allerdings lag damals schon mitten im Braunkohleabbaugebiet Garzweiler II und existiert inzwischen nicht mehr.

Was die Geothermieanlage angeht: Mönchengladbach liegt in einem seismisch recht aktiven Gebiet (für deutsche Verhältnisse), was ein gewisses Risiko darstellt, dass die Anlage bei einem Erdbeben ausfallen kann. Mit dieser Art Risiken haben die Konstrukteure solcher Anlagen alleridngs Erfahrung – praktisch alle geeigneten Standorte liegen in seismisch aktiven Gegenden.

Fazit
Beide Anlagen sind grundsätzlich zu unterstützen. Dabei sollte die Biogasanlage allerdings einen etwas anderen Rohstoffzuschnitt erhalten, der zu einem geringeren Flächenverbrauch führt und statt dessen bestehende Materialüberschüsse (Abfälle) einbezieht.

PS
Die NVV sollte dirngend an ihrer Öffentlichkeitsarbeit arbeiten. Die Behauptung aus dem RP-Artikel, Biogas sei teurer als beispielsweise Braunkohle (für die ganze Landstriche abgebaggert werden, was nicht grade billig sein kann) erscheint mir absurd und ist relativ durchsichtig eine vorläufige Rechtfertigung für die nächste Preiserhöhung.
Und dann fiel offenbar noch die Aussage, die Gasanlage käme nach Wanlo, weil dort ohnehin schon so viel Belastung sei, da würde die Anlage auch nicht mehr auffallen. Das nenn ich mal professionelle Nachbarschaftsprovokation, so schafft man sich Freunde, liebe NVV.

Ratstaufe (Wat macht der eijentlich X) 0 

Am Freitag war es also soweit (und heute erst komme ich dazu, etwas darüber zu schreiben): Der neue Rat der Stadt konstituierte sich.
Mit 21 neuen Leuten (von 66, kein schlechter Schnitt), neuer ampeliger Mehrheit, neuem Namen für diese („Gestaltungsmehrheit“) und jede Menge alter Themen, weil der letzte Ratszug der vorigen Periode größtenteils ausgefallen ist, was zu einem guten Unterlagenchaos führte – vor allem, wenn man, wie ich, solche Unterlagen nach Drucksachennummer statt nach Tagesordnungspunkt ordnet, was dafür aber beim späteren Archivieren praktischer ist.

Überrascht war ich zunächst, wie einfach vieles war – die Gremienbesetzung lief einfach per Namensnennung, Zusammenstellung der sich daraus ergebenden Liste und (meist einstimmiger) Abstimmung über die Annahme dieser.
Nur wo es mehr Vorschläge als Plätze im Gremium gab (zwei-dreimal) kam es zu einer Abstimmung, die vorhersagbar nichts an der Sitzverteilung änderte, weil jede Fraktion natürlich für ihre Leute stimmte – ausser den Einzelleuten (NPD und Zentrum), die beide regelmäßig mit der CDU stimmten.
Vorstellen musste sich niemand für die Ausschüsse, nicht einmal die designierten Vorsitzenden und ihre Stellvertreter. Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet.
Einerseits wegen der langen Tagesordnung verständlich, andererseits auch beunruhigend, da so Gremien tendenziell stark nach Parteibuch besetzt werden können. Ich unterstelle zwar mal, dass parteiintern auch über Qualifikationen gesprochen wird, eine Garantie dafür gibt es in diesem System jedoch nicht.

Und dann war da die Wahl des Theaterkuratoriums.
Die Gestaltungsmehrheit löste sich bei diesem Punkt kurzfristig in ihre Fraktionen auf (bildete also keine gemeinsame Liste), um in diesem Gremium kein Patt entstehen zu lassen, da die Einzelfraktionen zusammen einen Sitz mehr hatten als die gemeinsame Liste.
Der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Schlegelmilch protestierte und verwies auf den Koalitionsvertrag, nach dem die Koalitionsfraktionen einheitlich abstimmen sollten – was das alleridngs mit dem hiesigen Sachverhalt zu tun hatte, sollte sein Geheimnis bleiben. Ganz nebenbei erfuhr man da von der FDP, dass der Passus wortgenau aus dem Passus der alten Koalition übernommen war, die das aber bei ähnlichen Entscheidungen nicht zu stören schien. Schlegelmilch, nun in Erklärungsnot, verwies darauf, dass dieser Vertrag ja auch nicht veröffentlicht worden sei.
Nur um das klarzustellen: Die CDU versuchte, Bürgernähe und Transparenz zum Vorwurf umzumünzen. Durchaus beachtlich.
Erich Oberem indes monierte, man könne sowas nicht nach Beginn der Abstimmung ändern – offenbar dachte er, SPD-Fraktionschef Lothar Beine hätte die Abstimmung begonnen. Wie er darauf kam, dass der das überhaupt konnte (kann nur der Oberbürgermeister oder sein Stellvertreter), das dürfte sein Geheimnis des Abends gewesen sein. Mir wäre sowas als Neuling peinlich gewesen, Oberem sitzt schon eine halbe Ewigkeit im Rat der Stadt..

Bei der Abstimmung kam es dann dazu, dass ein Sitz im Kuratorium zwischen FDP und CDU ausgelost werden musste. Grund war der NPD-Mann, dessen Stimme die CDU stark genug machte, sich mit der FDP um einen Sitz zu kabbeln.
Dass das Los für die FDP entschied, war in diesem Fall ein Glück für die CDU, die sonst doch in arge Erklärungsnot geraten wäre. Besonders pikant wäre dies angesichts kontinuierlicher Attacken gegen die Linkspartei.

Apropo Linkspartei: Da hatten wir einen Antrag, dessen Ablehnung für mich persönlich schmerzhaft war.
Die Linke forderte, die Stadt möge das Land NRW auffordern, den Erlass über die so genannte Sicherheitsbefragung von einreisenden Ausländern aus bestimmten Ländern abzuschaffen.
Diese (alberne) Befragung im Stile von „hallo, sind Sie Terrorist?“ stammt von NRW-Innenminister Ingo Wolf. Der ist von der FDP und da wir die FDP in der Koalition haben, können wir dem natürlich nicht zustimmen.
Das Thema hätte ein Belastungstest für die junge Koalition werden können, da es sich dabei auf kommunaler Ebene aber mE nur um Symbolpolitik gehandelt hätte (die Entscheidung fällt ja eh im Land) und der Grüne Landesverband zu 100% die Linie dieses Antrags fährt, war der Antrag letztendlich nicht bedeutungsschwer genug, um die Chancen der Koalition für den Antrag aufzugeben. Ich verlasse mich hier darauf, dass der Landesverband bei dem Thema am Ball bleibt und unserer Unterstützung aus der kommunalen Ebene nicht bedarf.
Leicht nehmen wir das übrigens nicht: Am Abend zuvor war das in der fraktionsinternen Vorbereitung sicherlich der Punkt, der am emotionalsten diskutiert wurde.

Die meisten anderen Anträge waren Formalien, die im Grunde durchgewunken wurden.
Amüsant wurde es nochmal im nichtöffentlichen teil, aber ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie viel man dazu sagen darf (weil er ja nicht öffentlich ist).

Insgesamt hat es mich überrascht, wie wenig diskutiert wurde. Sicher, es gab viele Formalitäten zum einfachen Durchwinken, aber dennoch.
Teilweise liegt das auch daran, dass es nur alle zwei Monate eine Sitzung gibt. Dadurch werden die Tagesordnungen natürlich lang und man will die ja innerhalb eines Tages abhandeln.
Man kann das dem Koalitionswesen zuordnen, aber das ist nicht das ganze Problem: Gewohnt bin ich eine lautstarke Opposition, die solche Diskussionen gezielt anstößt, um ihr eigenes Profil zu schärfen. Keine Spur davon. Sicher auch, weil die Opposition durchgehend neu ist (Linke ist erstmals Fraktion, CDU erstmals Opposition, der Zentrumsabgeordnete relativ und der NPDler ganz neu) und aus Fraktionen besteht, die nicht wirklich gut zusammenpassen.

Eine Anmerkung verdient noch der Umweltausschuss: Dass die Grünen hier nicht den Vorsitz stellen, hat für Überraschung gesorgt. Vor allem, da wir da neben dem wichtigen Finanzausschuss den politisch eher unwichtigen Wahlprüfungsausschuss gezogen haben.
Das ergibt sich aus der Personalverteilung: Die grünen Ratsleute im Umweltausschuss sind Monika Halverscheid und ich, wobei Monika bereits den Vorsitz im WPA übernimmt.
Das ließe mich als potenziellen Ausschussvorsitzenden über – ich bin aber erstmals im Rat. Ich denke, ein Ausschussvorsitzender sollte sich mit den Strukturen im Rat und den Ausschüssen bereits einigermaßen auskennen – daher ist das nichts für einen Neuling. Hinzu kommt, dass man als Vorsitzender mehr oder weniger neutral arbeiten muss – meine Absicht ist es aber, dort auch politisch-inhaltliche Arbeit zu leisten, deswegen habe ich mich ja parteiintern für diesen Ausschuss beworben.
Und ja, das Amt wurde an mich herangetragen. ich habe mit obiger Begründung abgelehnt. Letztlich hat das mE aber auch die Verhandlungsposition der Grünen gestärkt, um den politisch wichtigen Finanzausschuss leiten zu können.

Und zum Abschluss noch eine kurze Liste von allem, was ich nun bin:
Ratsherr der Stadt Mönchengladbach
1. Stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses des Rats
Beratendes Mitglied der Bezirksvertretung MG-Nord
Vertreter des Rates beim Verein zur Förderung der Abfallwirtschaft – Region Rhein-Wupper e.V. (1 von 3)
Mitglied der Verbandsversammlung des Niersverbands
Stellvertretender Vertreter beim Zweckverband euregio rhein maas-nord
Stellvertretendes Mitglied der Landschaftsversammlung Rheinland

Die Liste sieht einigermaßen lang aus, aber in einer Fraktion von nur 8 Leuten ist das eine vergleichsweise kurze Liste. Übrigens sind die Posten meines Wissens alle (bis auf die Ratsmitgliedschaft) unvergütet, abgesehen eventuell von Reisekostenerstattungen.
Für die Ratsmitgliedschaft erhalte ich – soweit ich weiss – 413 € im Monat, von denen ich 20% behalte, 80% gehen parteiüblich an die Grünen.

PS: Ja, das Namensschild der NPD war braun.

Alles so grün hier… 0 

Kurz vor 8 kam es gestern abend zur Abstimmung über den Koalitionsvertrag für die Ampelkoalition in Mönchengladbach bei den Grünen.

Die Frage ging in den Raum der Jahreshauptversammlung: „Wer möchte dem Koalitionsvertrag nicht zustimmen?“
Keine Hand hob sich.

Dann die zweite: „Wer möchte sich enthalten?“

Es dauerte einige Sekunden, bis klar wurde: Auch hier meldete sich niemand von den Anwesenden. Die Erkenntnis brach sich in Form von Jubel und ausgiebigem Applaus bahn: Der Vertrag war damit einstimmig abgesegnet.
Für Mönchengladbach, nach 60 Jahren mit einer CDU-freien Spitze, war das historisch. Es wird eine neue Art von Arbeit für uns als bisher ewige Opposition – die nächsten fünf Jahre werden zu den spannendsten gehören, die die Gladbacher Politik gesehen hat.

Unterstützung von aussen jedenfalls scheint vorhanden: Im Norden grenzt der Kreis Viersen, der zwei Tage zuvor eine Jamaika-Koalition geschlossen hat. Von dieser Konstellation mag man halten, was man will – ich halte nicht viel von ihr, wenn ich bürgerliche Grüne will, trete ich der ödp bei – , sie ist Teil eines deutlichen Signals für mehr grüne Politik in den Städten.
Im Süden, in Aachen, ist es gleich schwarz-grün geworden und Münster hat nach dem Einzug der Piraten die wahrscheinlich komplexeste Koalition aller Zeiten: Rot-Rot-Grün-Grün-Blau-Orange, was sich aufdröselt zu einem Bündnis aus SPD, Linkspartei, Grüne, ÖDP, UWG und Piraten. Dazu kommt noch Lohmar, wo man Schwarz-Grün als „Große Koalition“ bezeichnet, weil die Grünen an die 30% bekamen und wo diese Große Koalition nun fortgeführt wird.

Trotz schwarz-gelb im Bund: Das gehört zu den Hoffnungsschimmern, die ich für die weitere Zukunft der Menschen in unserem Land sehe.
Unsere Chancen, etwas zu bewegen sind jetzt größer als je zuvor in NRW. Mögen wir sie weise nutzen.

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